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Mittwoch, 18. Januar 2017

Kolumne: Die "unrunden" Tabake


Wie verdient man Geld? In dem man Artikel anbietet, die einer möglichst großen Menge an Konsumenten zusagen. „ZUSAGEN“ reicht von „mnja.. ganz ok“ bis „ supaaaa!“ Diesen Bereich abzudecken ist Aufgabe von Produktforschern, Designern oder, in unserem Falle, Mischmeistern. Wenn also ein, bei einem Großunternehmen beschäftigter, Mischmeister zu seinem Chef kommt, um dem eine Idee für einen neuen Tabak zu erläutern, wird die erste Frage des Chefs sein, wie viel sich davon verkaufen lässt, ob es massenkompatibel ist. Nun ist unser Mischmeister ein richtig guter (davon hat auch die Großindustrie welche!) und er erläutert dem Chef begeistert einen ganz großartigen, mutigen Nischentabak, den es bislang noch nicht gibt und freut sich daran, was ihm da Tolles eingefallen ist. Als Antwort erhält er ein Lob für seine, nach wie vor, unverwaschene Individualität, für seinen Mut und Ideenreichtum… und ein NEIN vom Buchhalter, der flugs errechnet hat, dass sich dieser Tabak nicht „lohnen“ wird. Idee im Keim erstickt.

Wir hatten das alles schon - im Brauereigewerbe. Da wurde auf Eigenständigkeit keinen Wert mehr gelegt. Unverwechselbarkeit wurde plötzlich als Manko, als Stolperstein auf dem Weg zum Millionenumsatz gesehen. Die Situation war so pervers, dass man stets nach dem Marktführer schielte, dessen Bier analysierte und die eigenen Leute damit beauftragte, dem Geschmack DIESES Bieres so nah wie möglich zu kommen… um auch einen Teil vom Umsatzkuchen zu erhaschen. Massengeschmack als Gottheit, Mainstream um jeden Preis. Die paar Konsumenten, die etwas anderes wollten, fielen einfach hinten herunter. Sollten sie doch sehen, wo sie bleiben… mit ihnen war schließlich nicht viel zu verdienen. Das Ergebnis war die logische Folge dieser Entwicklung. Beliebig austauschbare Einheitsbrühen, die man nur noch am Etikett unterscheiden konnte. Sie meinen, das sei ein Einzelfall? Ach ja?… Automobildesign, Schokoladengeschmack… es ist überall die gleiche Vorgehensweise.

Letztlich funktionierte das auch in der Pfeifentabak-Industrie eine Weile ganz gut. Wenn mal ein „neuer“ Tabak auf den Markt gebracht wurde, war der derart beliebig austauschbar mit anderen, bereits auf den Markt befindlichen Produkten, dass der Raucher eigentlich immer wieder enttäuscht wurde… bis es letztlich zu seinem Desinteresse führte. Einerseits reagierte die Industrie pikiert, weil das „Umsatzvieh“ diese angeblich so tollen, innovativen Tabake nicht abfeierte, am Ende war es aber egal… die Zahl der Pfeifenraucher ging kontinuierlich zurück, der Markt wurde immer unwichtiger. Wenn die paar Hanseln irgendwann kaum noch etwas an Tabak bekommen, werden sie auch den gesichtslosen Schund rauchen, den wir ihnen, billig produziert, vorsetzen - so glaubte man.


Doch es kam anders. Kleine, individuelle Anbieter gab es weiterhin. HU-Tobacco, Dan Pipe, Motzek, Roman Peter und auf der anderen Seite des Teiches Cornell & Diehl. Klugen Riesen, wie Mac Baren, entging nicht, dass die Entwicklung in einer Richtung verlief, die das Brauereigewerbe kurz vorher auch schon erlebt hatte. Kleine Anbieter schufen Biere, die sich gänzlich vom Hauptstrom unterschieden. Statt damit aber Schiffbruch zu erleiden, hatten eben diese Zwergenbrauer teilweise zweistellige Zuwachsraten. WEIL der Geschmack der Menschen eben ganz individuell ist, WEIL man deren Wünsche nach Genuss eben NICHT über einen Kamm scheren kann. Mac Baren registrierte mit Argusaugen, dass gerade die Anbieter besonderer, individueller Tabake ihren Fankreis rapide vergrößerten… und gerade der Erfinder des „Hausgeschmacks“ entschloss sich zu einem, für einen Großanbieter enorm mutigen, Schritt. Die HH-Reihe wurde geboren. Anderenorts wollte man so gern weiter schlafen und mit Phantasielosigkeit die Kohle abschöpfen und schüttelte deshalb verständnislos den Kopf.


Die überlauten Kassandrarufe verhallten ungehört… und sie waren unnötig. In Windeseile entwickelten sich die HH-Tabake zu regelrechten Rennern im Hausprogramm. Zu Rennern, mit denen sich auch tatsächlich Geld verdienen lässt. Chapeau, das war mutig und Dank für das gute Beispiel. Zeitgleich gewannen andere Faktoren enorm an Bedeutung. Einmal die, in absehbaren Jahren zu erwartende, Gefahr des Verbots von Aromen in Tabaken und die Tatsache, dass die Zahl der Pfeifenraucher wieder stieg und immer noch steigt und sich so neue Konsumentengruppen auftun.

Das erfolgreiche Beispiel von Mac Baren und die erwähnten Tatsachen haben dazu geführt, dass sogar ein, einst als „Billigaroma-Anbieter“ verrufenes Unternehmen wie PLANTA, plötzlich seine schlummernden Fähigkeiten entdeckt und auch den Mut hat, sie einzusetzen… und das mit Erfolg und in hoher Qualität. Wer immer noch den alten „Rum and Maple Singsang“ anstimmt, wenn er den Namen PLANTA hört, hat schlicht die Entwicklung der letzten Zeit verschlafen und sollte sich z.B. den „Empire“ mal gönnen. Selbst ein, in Hinsicht auf diese Entwicklung extrem verschnarchter Verein wie die STG (oder schmollen die noch?) reagiert auf den Verlust der Amphora-Tabake aus dem eigenen Portfolio mit der Einführung des „Clan Full Aroma“, der auch eine echte Bereicherung des Angebotes darstellt.



und unsere „Kleinen“? Die haben schon extrem freakige Ware im Programm… zum Teil auch schon länger. „Fajun Cake“ oder „Sissinghurst“ bei Hans Wiedemann, der völlig verrückte „BIBO“, den Michael Apitz bei und für Dan Pipe geschaffen hat (obwohl man sich gerade vom Haus Dan Pipe wünscht, dass da endlich mal „ein paar Gäule freigelassen werden“. Die Fähigkeiten hat man allemal, am Mut der Chefetage fehlt es !)… und die neuen Kreationen am laufenden Band, mit denen Tom Darasz (TAK/Motzek) aus Kiel in diesem Jahr die deutsche Pfeifentabak-Szene deutlich geprägt hat. Donnerwetter… es ist wieder richtig was los!


Dem deutschen Pfeifenraucher (und das ist jetzt eine mutige Behauptung!) ist es noch NIE so gut gegangen wie 2016. Solide Einsteigerpfeifen für 39 Euro (Venini, Vauen Basic) in einer Qualität, die aller Ehren wert sind, ein enormes Angebot an Pfeifen, das, durch das Internet bedingt, nie so einfach zu erreichen war, eine Vielzahl an Tabaken, die nun wirklich jeden Nischengeschmack abdecken, eine großartige (wenn auch kleine) Truppe von Fachhändlern, die engagiert hinter dem Produkt Pfeife steht… und stabile Zahlen beim dringend benötigten Nachwuchs.


Schluss jetzt mit der Jammerei und dem Schwarzsehen. Augen auf, informieren, genießen und freuen. Dies ist mein Wunsch an den geneigten Leser, in den letzten Zeilen, die ich im Jahr 2016 für den Blog schreibe. Von meiner Seite wünsche ich Ihnen ein gutes, gesundes Jahr 2017!

Ihr Ralligruftie


Autor:
Ralf Dings

Esoterica - Pembroke

Es gibt Tabakhersteller, die umweht die gewisse Aura des Besonderen. Bei manchen möchte ich sogar den Begriff Mythos verwenden. Eine dieser Firmen ist für mich die Firma J.F. Germain & Son von der britischen Kanalinsel Jersey. Aufgrund der Tatsache, dass diese Firma offenbar derart klein ist, sind die meisten ihrer Tabake so gut wie immer vergriffen. Das ist hierzulande an den tollen Flakes wie „Special Latakia Flake“ oder auch dem „Brown Flake“ zu spüren. Nach telefonischer Auskunft der Firma Planta, die den Import der Germains Tabake für Deutschland organisiert, wird selbst auf Telefonanrufe bei Germains nicht wirklich reagiert. Dies steigert bei Freunden der Jersey Tabake das Verlangen danach nur noch mehr.
Für uns in Deutschland leider nicht erhältlich sind die Germains Tabake der „Esoterica“-Reihe. Das sind durchweg auch in den USA nur sehr selten zu erhaltende Tabake und einige dieser Blends sind zu regelrechten Legenden geworden. Ich spreche in diesem Zusammenhang von „Penzance“ oder auch dem „Stonehaven“. Ein weiterer Tabak aus dieser Familie ist der „Pembroke“. Und der ist übrigens daran Schuld, dass ich zum Esoterica- und somit zum Germains-Fan geworden bin.


Es handelt sich um einen Tabak der englischen Richtung mit einem Flavour. Auf der Dose heißt es „Choice English, Cognac Blend“. Alles klar. Cognac also. Öffnet man die Dose, ist das auch augenblicklich zu riechen. Sogar aus einem Meter Entfernung. Wer jetzt vielleicht denken mag, dass das vielleicht etwas zu heftig sein mag, dem sei versichert, das ist es überhaupt nicht. Der alkoholische Duft in Kombination mit dem Geruch eines guten Engländers ist derart lecker, dass man am liebsten sofort rein beißen möchte. Germains typisch, ist die innere Papierverpackung regelrecht durchgezogen mit dem Tabak. Ein wirklich sicheres Indiz, mit welchem Hersteller man es hier zu tun hat.

Der Tabak an sich präsentiert sich als fein geschnittene dunkle Mischung aus Latakia, Orient und Virginia. Allein die Optik des Schnittbildes lässt schon ein unkompliziertes Rauchvergnügen vermuten. Diese Vermutung wird dann auch vollends bestätigt. Der Tabak lässt sich einfach einfüllen, er benötigt keine Trocknung oder ähnliches, sondern lässt sich ganz einfach mit 1 bis 2 Versuchen zum Glimmen bringen. Das erste Drittel der Füllung wird vom Cognac dominiert. Ich würde aber nie behaupten, es hier mit einem reinen Aromaten zu tun zu haben. Der Latakia, und vor allem der Orient, sind immer deutlich dabei. Vom enthaltenen Virginia kann ich nicht wirklich was schmecken. Wahrscheinlich dient er zur Bereitstellung oder Steigerung der Süße.


Ab dem zweiten Drittel gibt es einen Wechsel des Hauptdarstellers. Die Aromatisierung tritt in den Hintergrund und überlässt dem Orient und dem Latakia die Bühne, blitzt aber immer wieder auf eine angenehme Art hervor. Dieser Geschmackseindruck erhält sich jetzt bis zum Ende der Pfeife. Aromatisierte, englische Mischungen sind sicher nichts für jeden. Wer aber einen qualitativ guten Engländer haben möchte, bei dem die Süße des Latakia und Virginia noch durch ein wenig Cognac unterstützt wird, der wird hier begeistert sein. Sollte einem also, trotz der Seltenheit, mal eine Dose davon zwischen die Finger kommen, man kann sich sicher sein, nicht nur eine Rarität ergattert zu haben, sondern schlichtweg auch einen guten Tabak.

In diesem Sinne mit vielen Grüßen aus Ostfriesland,

Björn Rippen