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Sonntag, 29. Oktober 2017

Kolumne: Künstlerische Freiheit wird überbewertet!


Ja, ich weiß… alles ändert sich. Überzeugungen, Wertigkeiten, Abläufe. Warum sollte da die Pfeifenwelt eine Ausnahme machen?
Also, das mit den Freehands habe ich so gelernt: Man schaut sich die Werke der jeweiligen Macher an, findet seine Favoriten, bewundert deren Interpretationen, hat Spaß an den verschiedenen Umsetzungen und Formensprachen und erfüllt sich schließlich solch' einen Wunsch, stolz, ein Stück des jeweiligen Machers zu besitzen. Es gab und gibt auch einzelne Pfeifenmacher, die gern nach Wunsch fertigen, das auch kundtun und Freude daran haben, die Vorstellung des Kunden umzusetzen. Trotzdem besitzt der Kunde eine gewisse Wertschätzung für den Macher und dessen Umsetzung und freut sich darauf, seine Wunschpfeife im Stil des beauftragten Pfeifenschmieds in Empfang zu nehmen und legt ihm deshalb keine zu engen Fesseln an.
Das aber scheint zunehmend Schnee von gestern zu sein. Heute läuft das z.B. so: Jemand sieht eine Pfeife, die für eine andere Person gefertigt wurde. Selbstbewusst greift er zum Hörer, kontaktiert den Macher und gibt ihm den Auftrag, exakt die gleiche Pfeife noch einmal zu bauen… nur mit blauem, statt schwarzem Ring. Seltsam, aus mehreren Gründen. Frage eins: Was wird der ursprüngliche Kunde denken, wenn er ein angebliches Unikat für nicht gerade schmales Geld erwirbt, dann aber feststellt, dass eben dieses Unikat beliebig oft vervielfältigt wird? Frage zwei: Hat der Folgeinteressent so wenig eigene Phantasie, dass er sich eine „individuelle“ Pfeife bauen lässt, die es bereits gibt? Frage drei: Welche Erfüllung empfindet der Pfeifenmacher für seinen künstlerischen Anspruch, wenn er sich (aus monetären Gründen) zur Kopierfräse degradieren lässt?

Es geht aber noch krasser. Da werden Pfeifenmacher (die NICHT für Auftragsarbeiten werben) ungefragt mit konkreten Formvorstellungen und Maßvorgaben versorgt… und der Anweisung: bau' das mal! Ja ja, ich weiß… der Pfeifenmacher muss ja nur ablehnen. Doch, einmal muss auch ein Pfeifenbauer von etwas leben und seine Rechnungen bezahlen und zum Zweiten ist DAS nicht mein Problem. Was mich in solchen Fällen dazu bringt mich fremd zu schämen, ist der Mangel an Respekt, der hier klar ersichtlich ist. Meine Oma hätte gesagt: „Jung', das gehört sich nicht!“ Doch, Omas Weisheiten sind in der heutigen, ständig fordernden, da ja dafür bezahlenden Gesellschaft nicht mehr so gefragt. Ganz daneben und den Tatbestand der Unverschämtheit in vollem Umfang erfüllend, ist folgende Vorgehensweise: Ich kontaktiere einen Pfeifenbauer, sende womöglich noch Fotos mit und frage ihn, ob er die Pfeifen des gezeigten und beschriebenen Kollegen kenne? Wenn er bejaht, gebe ich ihm den Auftrag, mir auch solche Pfeife zu bauen, denn er sei ja schließlich billiger! Einzelfall? Mitnichten, das kann ich Ihnen versichern.


Namen wird dieser Artikel sicher nicht enthalten, aus Gesprächen mit etlichen Pfeifenmachern kann ich aber versichern, dass solche Vorgehensweisen oft eher die Regel, als die Ausnahme sind. Bezeichnenderweise haben aber nicht alle Pfeifenmacher unter solchen Auftraggebern zu leiden. Je unnahbarer sich der Pfeifenbauer gibt, desto seltener sind solche Übergriffigkeiten.

Soll man daraus jetzt den Schluss ziehen, dass z.B. die Social Networks für solchen Verlust an Achtung und Respekt vor dem künstlerischen Schaffen verantwortlich sind? Das würde den Rat an die Macher nach sich ziehen, sich in diesen Haifischbecken der Kumpelei so reserviert und distanziert wie möglich zu verhalten. Will man das? Ist es nicht schön, mit Pfeifenkünstlern auf Augenhöhe kommunizieren zu können, an ihren Ideen und Werken teilhaben zu können? Muss denn eine solche Nähe automatisch zu Forderungen führen, die der eigentlichen Begabung eines solchen Kunsthandwerkers so zuwider laufen… und das auch noch zum „Freundschaftspreis“, weil man sich ja schließlich kennt?

So richtig will ich daran nicht glauben, frage mich aber, wann sich die Auffassung und die Ansprüche der Kunden gegenüber den Machern so geändert haben. Klar sieht mancher Pfeifenbauer das nach außen nicht so dramatisch. Der Mitbewerb ist groß, man will den Interessenten nicht verprellen und so verbiegt man sich halt, macht die Faust in der Tasche und alles ist gut. Ist es das? Vielleicht bin ich auch Opfer meiner eigenen, nostalgischen Romantik. Wer in Schönheit und Stolz stirbt, stirbt trotzdem. Man muss sehen, wo man bleibt und passt sich halt an. Der Schwätzer, der diese Zeilen schreibt, hat gut reden… er muss ja vom Pfeifenbau nicht leben. Ok, das verstehe ich. Trotzdem war und ist es mir ein Bedürfnis, anzumerken, dass wir alle durch diese neue Sicht-und Vorgehensweise etwas Wesentliches verlieren. Die Vielschichtigkeit, die Entwicklung verschiedenster Baustile verdanken wir der Tatsache, dass die Pfeifenbauer ihre Formensprache frei entwickeln konnten, getragen von einer, mehr oder weniger, großen Schar an Anhängern. Wir verdanken sie auch der Tatsache, dass Enthusiasten weltweit Achtung und Respekt vor dieser Kunstform hatten.


Natürlich ist es legitim, einen Pfeifenmacher um eine Dublin, Pot oder Bulldog zu bitten. Solange man seinen ureigenen Stil schätzt und ihm die nötigen Freiheiten in Form und Farbe lässt, wird dabei ein harmonisches, beide Seiten zufriedenstellendes Ergebnis heraus kommen. Wer aber schon mit komplett eigenen Vorstellungen, was die Ausführung und Farbgebung betrifft, anrückt, wer eigentlich nur zwei geschickte Hände sucht, um seinen eigenen Entwurf gefertigt zu sehen, sei der auch noch so skurril, hat etwas Wesentliches am Beruf des Pfeifenmachers nicht erkannt oder beachtet es nicht.

Abschließend kommt noch erschwerend hinzu, dass viele Hobby-Pfeifendesigner ihre Vorstellungen noch möglichst kostengünstig umgesetzt sehen wollen. Das führt entweder zu Fertigungen, die gerne mal kompromissbehaftet sind oder dazu, dass der Macher ein gehuschtes Werk nicht mit seinem Anspruch verantworten kann, es trotzdem so gut macht, wie er es vermag, dann aber zehn oder mehr Stunden an einer Pfeife baut, die er dem Kunden letztlich für 200 Euro überlässt. Das ist dann aber nur noch für Pfeifenbauer machbar, die aus lauter Enthusiasmus keine Stundenlöhne ausrechnen. Leben (auch in Teilbeschäftigung) kann man davon nicht mehr. Warum ich das alles schreibe? Weil mir die Entwicklung auf diesem, für die Individualität der Pfeife so wichtigen, Sektor Sorge bereitet. Nur Gedanken halt - wie es schon in der Überschrift steht.

Ihr Ralligruftie

Autor: Ralf Dings

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Mac Baren "Navy Flake" und ich!

Wieder einmal habe ich mir eine Dose geholt. Und ich WEISS schon, wenn ich sie nachher öffne - das ist dieser Madeleine - Moment, den der Duft keines anderen Tabaks in diesem Maße bei mir auslöst.

Das Jahr ist 1993 und, gerade 15 oder 16, gefalle ich mir außerordentlich gut, wie ich Sachen wie "Hausmarke Kirsch" oder "Black Vanilla" unter Weißglut durch meine ersten beiden Grabbelkorbpfeifen ziehe. Weil ich länger als ein, zwei Monate das Interesse daran gewahrt habe, hat auch mein Vater mitbekommen, dass ich wohl Pfeife rauche, und beschlossen, mir eine Freude zu machen. So geht er nach Feierabend in seine Stamm-Lottobude in Meerbusch-Büderich und fragt, als ihm die täglichen zwei Päckchen "Pall Mall deLuxe" und einmal "Rembrandt" für Mutti, hingelegt werden, nach einem Pfeifentabak, einem guten, der auch ein bisschen was hermacht und der dort gern gekauft wird.

"Ich hab dir was mitgebracht" heißt es, als er zuhause ankommt. Oh, das habe ich lange nicht mehr gehört; seit ich mich nicht mehr für Micky Maus und Fix & Foxi (die IMMER cooler waren!) begeistere, kam das nur noch selten vor. Die kleine rechteckige Dose, die er mir hinhält, erkenne ich zuerst gar nicht als Pfeifentabak. Aber es steht ja drauf. "Navy Flake". So winzig. Da ist ja bestimmt kaum was drin. Und es steht auch nicht drauf, was das für einer ist - Vanille, Karamell oder Frucht.


Hier eine Münze ansetzen und drehen. Das Markstück ist zu dünn, klar, heißt ja MAC Baren und ist bestimmt für die fleischigen englischen Münzen gedacht, die ich aus dem Urlaub kenne. Mit einem Zweimarkstück geht es dann.

Wie riecht das denn?! So sauer, bitter, irgendwie. Gleich Vati hingehalten, was das wohl sein mag. "Da steht 'Navy', die Seeleute haben ja immer Rum getrunken, das wird es sein." Na, dann wird es das sein. Warum die den Tabak nicht kleingeschnitten haben, da komme ich dann auch drauf; auf so einem Schiff ist ja nicht viel Platz. Aber er lässt sich ganz gut in Stückchen rupfen.

... hier endet diese Erinnerungssequenz, ich weiß nicht mehr, aus welcher der beiden Pfeifen ich den „“ geraucht habe oder was genau meine ersten Eindrücke waren. Ich weiß nur noch, dass ich ihn, zusammengefasst, furchtbar fand, so gar nicht süß, so kratzig, und dann diese strenge Rumfahne (dass man das Honig nennt, darauf musste mich Jahre später d.a.f.t. bringen - inzwischen habe ich eine EIGENE Meinung und glaube, dass Rumaroma DOCH eine Rolle im Casing spielt). Trotzdem habe ich meine Dose damals leer geraucht, aus der (Geld-) Not und aus Dankbarkeit. Und aus Seefahrerromantik, und aus Anglophilie... Mann, fühlte ich mich betrogen, als ich begriffen habe, dass der englische Marinetabak mit dem schottischen Markennamen aus Dänemark kommt!

Fast ein Vierteljahrhundert später gefällt er mir nur ein bisschen besser, aber ich kann viel genauer benennen, woran das liegt und weiß, das es nicht einfach mieser Tabak ist. Trotzdem muss ich alle ein-anderthalb Jahre eine Dose aufmachen, als Erinnerung an alte Zeiten und meine verkorkste Jugend."


Autor: Markus Heinrich