Willkommen bei Jogi-wan...

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Montag, 12. Juni 2017

Der Zauber mangelnder Verfügbarkeit!

Vorbei… aus und vorbei! Vorbei die Zeiten, als man die Karte von Mallorca nicht zuerst nach Sehenswürdigkeiten durchsuchte, sondern in die jeweiligen Planquadrate die Lagen der größten Tabakgeschäfte einzeichnete. Vorbei die Zeit, als jeden Pfeife rauchenden Spanienurlauber beim Hinweisschild „Tienda de Tabaco“ oder schlicht „Tabacos“ ein wohliger Schauer überkam und er sich zur Schatzsuche bereit hielt! ...und dann das Gefühl, wenn man im Laden einem Zehnerpack „St.Bruno“ ganz allein gegenüber stand. Da verkamen Steilküsten, Kathedralen und Sandstrände zur puren Staffage.


Das konspirative Lächeln des Paketboten, wenn er uns mal wieder ein Päckchen aus Elisabeths Königreich in die Hand drückte, dass sich beim Zoll durchgemogelt hatte. Die zittrigen Finger beim Öffnen… und dann, wenn Augen und Hirn langsam und feierlich registrierten, was da auf dem Inhalt stand: Sankt Bru-No Flake…ach, einfach herrlich.

Vorbei auch die Zeit, wo man sich Freunde nicht nach der Zuneigung aussuchte, sondern nach Urlaubsziel oder gar Verwandtschaft. „Ach…Du bist gebürtiger Spanier? Deine Eltern leben immer noch dort? Interessannnnt… Zeit für einen Kaffee?“ „Du fährst nach Barcelona, im Urlaub? Aha… ja,j a… tolle Stadt! Du… ich hätte da mal ‚ne Frage!“


War es nicht auch ein großartiges Gefühl, wenn man dann alle Tricks erfolgreich ausgereizt hatte und daheim im Tabakschrank ganze drei Pouches mit der geliebten Aufschrift lagen? Reich… man war reich. So reich, dass die Gebrüder Albrecht dagegen gefühlte Sozialrentner waren! Meiiiin Schatz!

Das soll nun alles Geschichte sein? Nur, weil Mac Baren der ewigen Nölerei phantasieloser Raucher nachgibt, die nicht willens und in der Lage waren, sich für Genuss etwas zur Decke zu strecken? Was soll nun aus den Sozialkontakten zu Deutsch-Spaniern werden? Wie soll der Tabak schmecken, wenn man ihn einfach beim Händler aus dem Regal nehmen kann, ihm also der Prozentsatz an Zauber fehlt? Das ist ja so, als stünde ich vor dem Eingang zum Wald, würde die würzige Luft schon riechen, ein letztes Mal die Klinge des Pilzmessers überprüfen… und jemand käme aus der Schonung und stellte mir einen Korb bereits geputzter Pfifferlinge direkt vor die Füße!?


Ja… geht… geht nur und holt Euch im Spätsommer vom Laden an der Ecke einfach so Euren „St. Bruno Flake“. Wenn Ihr es nicht fühlt, Ihr werdet es nicht erjagen. Für mich hingegen bleibt nur wenig Trost. Doch…warte mal… CONDOR… ja, klar! CONDOR heißt die Medizin. „Entschuldigung, habe ich es richtig verstanden, dass Ihr in diesem Jahr nach Andalusien fahrt? Ja? Wunderbar, ich hätte da mal ‚ne Frage….!“

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Samstag, 10. Juni 2017

Presbyterian - Presbyterian Mixture

Die frisch gekaufte Dose öffnen, gleich wieder schließen und gegen den starken Drang ankämpfen, sie mit Schmackes in den Müll werfen zu wollen. So geht es mir ganz oft mit Tabaken, die im Hause Planta angemischt werden. Das liegt nicht an Qualität oder Auswahl der verwendeten Grundtabake, sondern am typischen Planta-Hauscasing, das viele Raucher kennen, aber nur wenige benennen können. Für mich riecht es regelrecht widerlich. Aber ich weiß, dass sich dieser Geruch nach ein, zwei Stunden des Lüftens und wenigen Tagen Ruhezeit des Tabaks in der wieder verschlossenen Dose auf ein, auch für mich, erträgliches Maß reduziert haben wird, handelt es sich doch beim „Presbyterian“ nicht im mindesten um eine aromatisierte Mischung, sondern im Gegenteil, um einen raffinierten Engländer, der einiges zu bieten hat.


Butterig-weiche Orients nämlich zuerst und zuvorderst. Die milde, süßliche Variante, die tatsächlich ein bisschen nach Butter schmeckt und die einen ein bisschen an die milderen Blends von Samuel Gawith erinnert, „Skiff“, „Squadron Leader“. (NICHT die Sorten, die sich durch prägnante, fast animalische Würze auszeichnen; der Rattray's „Red Rapparee“ fällt mir hier ein, oder altmodische Orientzigaretten, "Botschafter" und ähnliche.)

Soviel von diesen Orientsorten beinhaltet der „Presbyterian“, dass der helle süße Virginia (der auch, ich bin mir sicher, das eingangs besprochene Haus-Aroma mitbringt) nur eine untergeordnete Rolle spielt. Aber die weichen, leichten Orients mit einem zu derben Virginia zu erden, würde den Blend auch unausgewogen erscheinen lassen. Der Latakia ist so hintergründig vertreten, dass einige Reviewer sogar rundheraus verneinen, überhaupt welchen wahrzunehmen. Ich schmecke ihn deutlich heraus, er rundet den „Presbyterian“ aber lediglich als Gewürz ab (hey, das ist WICHTIG, bei Speisen genauso wie im Tabak!), anstatt den Blend mit seiner Rauchigkeit zu dominieren.

Für mich persönlich ein Tabak für kühle, regnerische Sommertage, an denen die hellen Virginias zu sonnig schmecken würden, aber auch keine Herbststimmung aufkommen soll. Er ergänzt wunderbar den Duft feuchter Vegetation, wenn man ihn auf der überdachten Veranda oder auch nur am offenen Fenster im langen Zwielicht verregneter Nachmittage genießt.


Autor: Markus Heinrich