Willkommen bei Jogi-wan...

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Donnerstag, 29. Dezember 2016

Jede Menge Kohle!

Dieses Land ist immer noch geteilt… zumindest, was die Pfeifenraucher angeht, die ihre Hölzer mit Filter genießen. Geteilt, sogar in mehrere Teile. Die beiden größten Gruppen bringt man auch nicht zusammen - keine Wiedervereinigung in Aussicht. Die Fans der Stanwell-Filter loben den freieren Zug, die Vauen-Fans das mildere Aroma. Da ist die Frage, was man bevorzugt, wie man (zum Teil über lange Jahre) konditioniert ist… auch Gewohnheit spielt da eine, nicht zu unterschätzende, Rolle. Die meisten Anhänger beider Lager würden niemals wechseln, sind eingeschworen. Trotzdem suchen viele Raucher gerne mal nach Filteralternativen. Sei es aus reiner Neugier, ob sich das Raucherlebnis noch steigern lässt, sei es, weil der Mensch gern mal spart… wenn es auch oft an der falschen Stelle ist… dazu später mehr.


Ich zähle zur Vauen-Anhängerschaft und frage mich, wie auch die eingefleischten Stanwell-Fans, ob die doch recht kräftigen Preise für unsere bevorzugten Filter gerechtfertigt sind. Fragt man die Industrie, sind die Erklärungen zum Konstruktionsaufwand und zur Güte der verwendeten Materialien vollmundig. Strömungstechnik, Kohle- und Papierqualität u.s.w. sind einleuchtende und beeindruckende Argumentationspunkte. Die Frage ist, was davon fühl- und feststellbar in der Praxis, beim Raucher, ankommt. In letzter Zeit sind zwei mögliche Alternativen für meine bevorzugten „Hochpreisfilter“ bei mir gelandet und ich habe mir (Neugier siegt) mal den Spaß gemacht, beide über längere Zeit zu testen.


OLD BISON Aktivkohlefilter: Robust und markig kommt er daher. Ein schwarzer Bison, aufgedruckt auf ungebleichtem Papier (hallo, Öko-Gewissen) macht ihn, zumindest optisch, unverwechselbar. Eine seltsam grobe und nicht getrichterte Keramikkappe mit nur sechs Löchern sitzt im Vorderteil , den Abschluss bildet eine grüne Plastikkappe mit einer Art gelochtem Kreuz. Was das strömungstechnisch bringt, kann ich nicht sagen, doch schon der Zug am Filter weist deutlich höheren Widerstand auf, als beim Vauen. Der Schütteltest offenbart schon einen möglichen Grund. Es klingt eher sandig und das lässt darauf schließen, dass eine Menge Staub das Innere (neben den üblichen Aktivkohle-Rundstückchen) füllt. Schon beim Zug an der noch nicht befüllten Pfeife hat man oft Kohlestaub auf der Zunge.

Zu Beginn ist der Zug nicht wesentlich schwerer als gewohnt, doch das ändert sich rasch. Sobald der Filter ein wenig feucht wird, scheint sich der Kohlestaub im Filter in Beton zu verwandeln. Spätestens nach der halben Pfeife ist man überzeugt, das Stopfen verlernt zu haben, der Zug wird extrem schwer und erst beim zweiten Gedanken kommt man auf den Filter als Verdächtigen. Der Filter ist bereits nach der halben Füllung extrem durchfeuchtet (ein Vauen fühlt sich an diesem Punkt bei mir allenfalls minimal feucht an) und absolut unbrauchbar. Zwar ist der OLD BISON in diesem Vergleich deutlich günstiger als die Referenzqualität, ein solcher Mist ist aber gar kein Geld wert - soviel darf festgehalten werden.


ERMURI Aktivkohkefilter: Der von der Ermuri-Company angebotene Filter steckt in gebleichtem Papier (das aber sichtbar dünner ist als bei Vauen) und weist vorne und hinten die gleichen, trichterförmigen Kappen mit jeweils sieben Löchern auf. An diesem Punkt sei darauf hingewiesen, dass z.B. der Vauenfilter vorne neun und hinten zwölf Bohrungen besitzt und Herr Eckert, der VAUEN-Chef, in diesem Zusammenhang auf die Wichtigkeit unterschiedlicher Ein-und Auslässe für die Strömungsverhältnisse hinweist. Der Ermuri macht seinen Job recht gut. Der Zug ist etwas leichter als beim Vauen, er ist im ganzen Zuggefühl dem Stanwell deutlich ähnlicher. Die Milde des Rauches geht in Ordnung, die Filterwirkung scheint gut. Wenn, ja wenn da nicht die Serienstreuung wäre. Immer wieder finden sich Filter, an denen z.B. die Kappe auf einer Seite bis auf halbe Länge in die Hülse gedrückt ist. Einige Patronen fühlen sich auch deutlich anders gefüllt an, als das Gros.

Größtes Problem des Ermuri ist allerdings, dass er beim Gebrauch extrem aufquillt und aus einigen Filterzapfen nach dem Rauchopfer kaum zu entfernen ist. Man muss den feuchten Filter im Mundstück trocknen lassen, um ihn gewaltfrei entfernen zu können. Wer ungeduldig ist und es mit sanfter Gewalt versucht, bekommt die mangelnde Reißfestigkeit des Papiers zu spüren, hat den halben Filter in der Hand, die Kohle über den Boden verstreut und das Problem, den nun im Zapfen steckenden Rest entfernen zu müssen. Das macht wenig Freude.


Seltsam schon die Passform des frischen Filters. Obwohl die Schieblehre keine wirklichen Unterschiede in Länge und Umfang der Filter offenbart, scheinen oft schon Zehntel Millimeter über Wohl und Wehe zu entscheiden.

Das Fazit ist recht klar. Im Schnitt kauft man 100 Filter von Stanwell für 9,80 Euro, die gleiche Menge Vauen-Patronen schlagen mit etwa 9,15 Euro zu Buche. Den Ermuri gibt es für 8,40 Euro und Preisbrecher ist der BISON mit 6,95 Euro. Im günstigsten Fall spart man also 2,85 Euro… das macht 2,85 Cent pro Pfeife!



Fragen Sie sich, was Ihre Pfeifen, Ihre Tabake kosten und fragen Sie sich, ob Sie für eine Ersparnis von knapp 3 Cent pro Füllung Ärger und Einschränkungen im Rauchvergnügen hinnehmen wollen. Ermuri und BISON seien hier nur stellvertretend für einige Filtermarken genannt, die ich in letzten Jahren alternativ probiert habe. Meine Ergebnisse waren stets gleich. Ich habe seit gestern wieder eine prall gefüllte Vauen-Filterdose im Schrank und werde mir weitere Experimente in der Zukunft sparen… so intensiv ist meine Neugier dann doch nicht.

Ihr Ralligruftie

Autor: Ralf Dings

Freitag, 23. Dezember 2016

Frohe Weihnachten 2016!

Liebe Tabak- und Pfeifenfreunde,

wir wünschen euch entspannte und tolle Weihnachten. Macht euch ein paar schöne Tage im Kreis eurer Familien und Freunde, vor allen Dingen aber im Zeichen des Genusses.

Merry Christmas,


das Team von Jogi-wan




Donnerstag, 15. Dezember 2016

G.L. Pease - Regents Flake und Temple Bar (Old London Series)

Im Juli stellte G.L. Pease zwei neue Tabake der „Old London Series“ vor, den „Regents Flake“ und den „Temple Bar“. Beiden Mischungen sollen laut Herstellerangaben dieselben Ingredienzien zugrunde liegen, nur dass die eine Mischung ein Flake und die andere ein Plug ist. Da beide Tabake zu nicht unerheblichen Anteil Orientals enthalten und ich bereits bei Hans Wiedemanns „Fayyum“ und „Fayyum Cake“ die Erfahrung gemacht habe, wie unterschiedlich ein und dieselbe Mischung bei anderer Verarbeitung seien kann, reizte mich der Versuch die beiden „neuen“ G.L. Pease auszuprobieren und zu erleben.


Der Regents Flake ist, wie der Name schon sagt ein Flake bzw. ein „broken Flake“, der so beschrieben wird:

Eine großzügige Dosis der feinen Izmir Blätter geschichtet auf einem stabilen Fundament von reifen roten und süßen hellen Virginias, dann zum Reifen und fermentieren in Cakes gepresst, bevor vor er in Scheiben geschnitten wird und in die Dose kommt. Dieser Flake ist für den Liebhaber von orientalischen Mischungen mit ihren exotischen und verführerischen Aromen und brillantem Geschmack. Reiben Sie eine Scheibe oder zwei, um den Pfeife zu füllen und genießen Sie ein außergewöhnliches Raucherlebnis.“

Beim Öffnen der Dose waren die Flakescheiben schon sehr locker und erinnerten eher an einen Broken Flake. Falten und Knicken war mit den losen Scheiben nicht wirklich möglich. Die Konsistenz des Tabaks hingegen war perfekt. Eine leichte Restfeuchte, die schon beim Öffnen des Vakuumverschlusses dafür sorgte, dass einem der komplexe Duft von würzigen Orientals und reifen Virginias in die Nase stieg; würzig, floral, herbstlich, eine leichte Zitrusnote und die süßliche Note der Virginias.


Ich habe den Tabak ein wenig auf gerubbelt und damit einen mittelgroßen Pfeifenkopf einer Werner Johst Pfeife ohne Filter gefüllt. Der „Regents Flake“ lässt sich ohne Anstrengung in Brand setzen und bot mir schon nach den ersten Zügen einen großen Genuss. Eine Süße von Rosinen, gepaart mit einer würzigen, herbstlichen Note und einer Spritzigkeit; eine wirklich gelungene komplexe Mischung an Aromen, die Nase und Gaumen umspielten. Keiner der verwendeten Tabake gewinnt für sich wirklich die Oberhand. Virginias, Orientals und Perique ergänzen sich harmonisch und sorgen abwechselnd für ein Feuerwerk der Aromen. Der Tabak bleibt dabei sehr angenehm und lässt sich ohne große Anstrengungen rauchen; man braucht ihm keine besondere Aufmerksamkeit zu schenken, sondern kann sich entspannt zurücklehnen und ihn genießen.

Insgesamt ist er verhältnismäßig mild und nahe an einem „all day smoke“. Der Nikotingehalt ist mittelstark. Für mich eine wirklich sehr gelungene Mischung mit einer ordentlichen Portion Orientals, die mir hoffentlich noch viel Spaß machen wird.

Der „Temple Bar“ hingegen ist ein Plug mit folgender Beschreibung durch den Hersteller:

 „Gehaltvolle, reife rote und goldene Virginia Tabake, die großzügig mit feinen, süß duftenden Orientals gewürzt sind; verfeinert mit einem Hauch von Perique für ein wenig mehr Tiefe und Komplexität. Der Tabak wurde sorgfältig geschichtet und für zwei Wochen in großen Kuchen gepresst, die dann in Plugs geschnitten wurden und in der Dose vakuumiert wurden, bereit für den ultimativen Rauchgenuss“

Der „Temple Bar“ ist ein mittel bis hellbrauner Plug. Beim Öffnen der Dose verströmt er einen Duft von frischem Heu, Grass und Getreide, sehr milden Kräutern und einem Hauch der Schärfe und Würze des Periques; etwa so wie in einer Scheune, deren wunderbare Aromen an die Heuigkeit von Virginia erinnern. Ich habe den Plug in Scheiben und dann in kleine Würfel geschnitten, die ich dann in den großen Pfeifenkopf einer Flakepfanne eingefüllt habe. Nach zwei bis drei Streichhölzern war der Tabak in Brand gesetzt und ich durfte die ersten vollen Züge genießen.


Noten von Heu, Pergament und ein Hauch von gesalzenen Nüssen; dann eine leichte pfefferige Note, gepaart mit einer Würze, die an Wald und Holz erinnert; ähnlich einem eleganten Burley. Bis zur Hälfte der Füllung ein harmonisches Wechselspiel der Aromen; mal würzig, mal kräftig, mal leicht und elegant. Der Rauch ist kühl und angenehm. In der zweiten Hälfte überwiegen die erdigen, herben, würzigen Noten, die eher an Eiche, Wald und Herbst erinnern. Das Finish ist knackig, rauchig und erdig; die Würze und Pfefferigkeit des Perique treten etwas in den Hintergrund. Im Vergleich mit dem „Regents Flake“ ist die Süße noch dezenter und am Ende nur noch ganz leicht zu spüren. Der Plug wirkt insgesamt kraftvoller als der Flake und erinnerte mich ein wenig an den „Oak Alley“ von Cornell & Diehl, jedoch weniger süß und etwas würziger. Der Nikotingehalt ist ebenso wie beim „Regents Flake“ eher als mittelstark einzustufen.

Der „Temple Bar“ ist ebenfalls eine runde und wie ich finde sehr gelungene Mischung. Im Vergleich mit dem „Regents Flake“ aber eher etwas für den Abend, da gehaltvoller und kein „all day smoke“. Der „Temple Bar“ ist noch eine Spur komplexer als der „Regents Flake“; eine ähnliche Erfahrung, wie seinerzeit beim „Fayyum“ und „Fayyum Cake“ von Hans Wiedemann.


Beide Blends sind, insbesondere den Freunden von Orientals, zu empfehlen und versprechen eine Menge Genuss.

Viele Grüße aus dem Werdenfelser Land



Autor: Torsten Wieczorek

Sonntag, 4. Dezember 2016

Mein Dänemark!

Gepackt hat es mich 1980. Wenn Du zu der Zeit was sein und werden wolltest, bei der Pfeife, musstest Du englisch sein. Name, Verpackung, Dekoration… alles englisch. Egal, ob aus Castrop-Rauxel oder Leupoldsgrün… Dein Produkt brauchte den Bezug zur Insel. Schottisch ging auch noch, irisch war auch ok… sonst nichts. Mit Bärenfell bemützte Plastiksoldaten hielten die Fahne der Landshuter Tabake oben und Mc Lintock kam nicht aus Dublin, sondern aus Berlin. Alle wussten das, doch jeder fand es normal. Wenn dann gar Kraut oder Pfeife WIRKLICH von der Insel kam, wie bei Dunhill oder Murrays…. tja, dann stand der deutsche Pfeifenraucher stramm. „Nightcap“, „Erinmore“… diese Namen sorgten für tiefste Ehrfurcht und blanke Verzückung. Die Straßenköter aus deutschen Landen schmückten sich bevorzugt mit güldenen Schriftzügen und Krönchen, um das Manko der Herkunft wenigstens etwas auszugleichen. So saß man daheim, zwischen Eiche brutal und orientalischem Fransenteppich, und fühlte sich britischer, als der britischste Brite!


und mitten in die Idylle knallten SIE! Schmucklose Druckdeckeldosen, umwickelt mit braunem „Packpapier“ und in Schreibschrift verfasstem Namen. Larsen stand da… überhaupt nicht britisch… und solche Sachen, wie „No.4 Loose Leaf“ oder „No.50 Light Sweet“. Na wenigstens englische Begriffe, aber sonst? Keine Krönchen, nicht gülden, kein Sermon über „echt englisch“ und „englische Tradition“… nichts, nada! Diese Dosen stampften einfach selbstbewusst mit den Füßen auf und stellten sich mitten in den Laden - oh Gott! Ignoriert sie, das kann doch nicht wahr sein, was will der moderne Kram hier… der „Exclusiv-Soldat“ verlor kurz die Haltung und blinzelte.


Für uns junge Pfeifendachse war das ein Trompetenstoß… eine Revolution in Packpapier und Schreibschrift. Klar holte ich mir eine Dose bei Zander, den „No.50 Light Sweet“. Als ich daheim mit zittriger Hand den Deckel aufploppte und die erste Nase nahm, wusste ich, dass ich verloren bin. But-ter-plätz-chen… Ka-ra-mell, sauuuuulecker! …und das Tabakbild… grob, eine Symphonie in Brauntönen, wie selbst geschnitten – herrlich! Andere Kumpel kauften andere Larsens… den „No.4“, den 32er, den 80er… wir probierten gegenseitig und schwelgten in nie zuvor gekannten Genüssen! Klar gab es damals schon dänische Mischungen, doch die Riege der alten Herren hatte erfolgreich verhindert, dass sie uns Jungspunden auffielen. Mein Vater wetterte über den „dänischen Süßkram“ und zog echauffiert an seinem „Kiepenkerl Altgold“. Er bereute sicherlich auch, mir kurz vorher noch eine Dose „Royal Niemeyer Scottish Blend“ überlassen zu haben.


Ja, und was nun? Jetzt pilgern die jungen Leute nicht nur zu diesem komischen Schwedeneinrichter (IKEA in Deutschland. Das war für meine Eltern der Untergang deutscher Möbelkultur, ein zweiter D-Day!) und essen Knäckebrot… jetzt infiltrieren die Skandinavier sogar den heiligen, britischen Pfeifenmarkt deutscher Nationen! Von dieser Zeit an gingen mein Vater und ich (zunächst nur pfeifentechnisch!) getrennte Wege… und ich wurde ein Dänen-Junkie. Die Larsens, zu denen noch der „Carolina Flowers“ aus gleichem Hause kam, die „Chiefs Own-Serie“, „Sweet Dublin“, Orlik „Club Mixture“, später die „My own Blend“-Serie aus dem Hause Olsen… ich habe sie alle geliebt. Heiß und fettig! Aus dieser Zeit stammt wohl auch meine Leidenschaft für Pfeifen mit größeren Köpfen, meine Liebe zu Stanwell, Karl Erik, Jorgen L., Svendborg und Jensen. Später kamen bei den Pfeifen noch einige deutsche und besonders italienische Marken hinzu, die ich in mein Nachtgebet einschloss, bei den Tabaken entdeckte ich irgendwann auch den Perique und fette Burleys… ganz tief drin ist mein Herz aber wohl rot-weiß geblieben.


Tja, und heute…? Der Markt hat sich gewandelt. Aus angeblicher Zeitknappheit und Gelegenheitsmangel sind die angesagten Pfeifen kleiner geworden, bei Tabaken wird gern nach dem Extrem gesucht. Die englische Fraktion ist groß geblieben, hat mich mit ihrem nahöstlichen Würzkraut aber nie einfangen können. Die Puristen, die nichts außer Tabak schmecken möchten, sind auch reichlich vertreten… und die aromatisierten Tabake ? Gönnen Sie mir ein paar böse Sätze!

Ob man die Erfindung des schaumig-schwarzen Aromafrachters Black Cavendish nun für einen Fluch oder einen Segen hält, muss jeder selbst entscheiden. Maßvoll verwendet machen seine Eigenschaften auch durchaus Sinn. In vielen Mixturen wird er aber mit der Bauschaufel eingebracht. Ja, auch, weil viele „Aromatenfans“ Angst haben, außer Buttermilch-Nougat-Sahnehering-Trüffel auch noch Tabak zu schmecken. In der Hauptsache aber, weil sich mit ihm fix und billig Aromaten zusammen stricken lassen, die beim Öffnen für eine nasologische Reizüberflutung sorgen, nach der Hälfte aber wie Opa Herrmanns alte Wehrmachts-Decke schmecken. So rennen die einen Raucher immer neuen Aroma-Überflashs entgegen, während sich die andere Gruppe mit Grausen von den Aromaten abwendet.


Bei den, noch existenten, klassischen Dänen geht es leiser zu, sanfter. Hier finden sich Hickory-Karamell-Honig- und Fruchtaromen eher dezent eingebracht, teilweise nur minimal dosiert. In jedem Fall aber so, dass dem Tabakaroma entsprechend Raum gelassen wird. Darauf muss man sich einlassen (wollen) und es bedingt, dass für die Produktion solcher Mischungen Tabake Verwendung finden müssen, die in ihrer Qualität auch ohne übertünchenden Aroma-Mantel Bestand haben . Ja, ein guter Däne ist eine Kunst, die beim Raucher beinahe in Vergessenheit geriet. In letzter Zeit erfreuen sich aber Tabake , wie die Larsens, die es zum größten Teil immer noch gibt, der Stanwell „Jubilee“, DTM's „Gold of Mysore“ u.a.wieder größerer Beliebtheit… wohl, weil man sich an ihnen nicht so schnell leid raucht, wie am Heer der Hocharomaten, trotzdem aber den „süßen Zahn“ füttern kann. Es kommen sogar interessante Neukreationen dazu, wie etwas der „16/5“ von Tom Darasz aus Kiel oder die hauseigene Neuauflage des „My own Blend 44“ durch Tabak Zander in Wuppertal.

Vielleicht sind Sie auch so ein alter Pfeifenzausel wie ich und haben Spaß daran, diese Tabake mal wieder zu entdecken… oder Sie sind ein Youngster, der seinen Tabakweg noch sucht… auch dann lege ich Ihnen die eleganten Dänen ans Herz. Voller Überzeugung, aber nicht mehr mit dem revolutionären Gefühl von einst. Schließlich ist selbst IKEA längst Establishment

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings