Willkommen bei Jogi-wan...

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Freitag, 30. September 2016

Sutliff - Mixture #79

Jetzt wird es schwierig! Kein aromatisierter Tabak (ich schreibe bewusst nicht Aromat) spaltet die Raucherschaft so vehement. Speziell in den USA, wo der Tabak daheim ist, finden regelrechte Grundsatzdiskussionen um ihn statt, die sich bisweilen in Geschmacksphilosophie verlieren. Ein amerikanischer Blog-Kollege fragt die Pfeifenfreunde, ob sie schon einmal einen Klostein geraucht haben und fügt an, dass hier die Gelegenheit dazu wäre. Ein Liebhaber der Mischung verliert sich in der Beschreibung komplexer Damenparfums des frühen, zwanzigsten Jahrhunderts und glaubt, diese Parfumeurskunst im „79“er wieder zu finden.

Ordnen wir das Ganze mal nach meiner, subjektiven Meinung. Der „79“er ist ein aromatisierter Tabak alten Stils. Black Cavendish sucht man, zum Glück, vergebens. Oft ein Indiz für eher nicht so plakatives, dafür aber anhaltenderes Aroma. Nicht so hier. Wer den Sutliff öffnet, scheint an einem angefeuchteten Seifenstück der 60er Jahre zu riechen. Typ: „gereifte, vornehme Dame“. Süßlicher Blütenduft, ein Hauch Maiglöckchen, eine Prise Anis, etwas Vanille und dazu diese seifige, leicht säuerliche Ergänzung.


Sie verziehen gerade das Gesicht? Ok, dann sind Sie raus, ich freue mich, Sie beim nächsten Review zu begrüßen. Sie sind noch da, womöglich gerade von der Beschreibung angefixt? Gut, dann kommen wir mal zum hellen, freundlichen Tabakbild aus sehr milden, aber aromatischen Virginias und Burleys. Bevor es ans Stopfen geht, empfehle ich, den viel zu feuchten und nur extremst störrisch anglimmenden Knaster eine Nacht in freier Ausbreitung zu lagern… die Trocknung tut ihm gut. Anwesende Damen werden Sie für den frischen, blumigen Duft lieben, den Ihr Tabak im entsprechenden Raum verteilt hat. Ein Aroma, dass Sie auch fürderhin begleiten wird. In eher größeren Köpfen (nach der Trocknung) leicht an zuglimmen und kühl und mild zu rauchen, macht sich das florale Bouquet sofort über Ihre Geschmackspapillen her, bringt aber auch angenehm reife Nussigkeit und Süße der Tabake mit. Süß ja, aber nicht klebrig-pappig, sondern stets mit der ätherischen Note, die auch Alkohol im Aroma vermuten lässt. Sanft, ohne Biss oder kratzende Ruppigkeit, lässt sich dieser bunte Blumenstrauß genießen. Sogar recht lange… erst nach gut zwei Dritteln bleibt dann fast nur noch Tabakgeschmack, der zwar recht belanglos, aber nicht unangenehm die Pfeife zum Ende bringt.


Nein, so viele Fans hat er nicht, der Sutliff „No.79“. Unter den Aromenfreunden der Welt hat sich ein gewisser Mainstream breit gemacht. Viel Black Cavendish, viel Aroma, überschäumend süß… und in der Geschmacksrichtung wenig Experimente. So wird ein Tabak, wie der „79“er schnell zum unverstandenen, oft sogar unversuchten Außenseiter, weil es doch so bequem ist, sich dem modischen Bashing irgendwelcher Vorturner anzuschließen… um nur ja nicht in den Verdacht zu geraten, womöglich einen eigenen, nicht massenkompatiblen Geschmack zu haben.

Mögen Sie blumige Aromen? Haben Sie acht Euro über, um sie in 50 Gramm Charakter-Aromaten zu investieren? Dann tun Sie es, denn auch, wenn der Sutliff aus den Staaten kommt, man kann ihn (zumindest im Netz) auch hierzulande stressfrei erwerben. Vielleicht werden Sie mich, nach den ersten Zügen, zum Teufel wünschen… vielleicht werden Sie mir aber wissend lächelnd zu nicken und der „79“ hat einen weiteren, verdienten Freund gefunden. Ich bin gespannt!


Ihr Ralligruftie

Autor: Ralf Dings


Gawith & Hoggarth - Brown Flake (u/s)

Da der „Best Brown Flake“ aus dem Hause Samuel Gawith zu einem meiner absoluten Favoriten zählt, machte mir schon alleine der Name dieses Tabaks Lust, ihn auszuprobieren. Doch bei dem „Brown Flake“ (u/s) handelt es sich um einen ganz anderen Burschen.


Laut Herstellerangabe handelt es sich hierbei um einen Flake, der aus 83.5% Virginias, 12,5 % Malawi Burley und den restlichen 4% aus Malawi Dark Fired besteht. Öffnen wir die Dose, liegt ein schön anzusehender, dunkelbrauner Flake-Strang vor uns. Teilweise sind bereits weiße Zucker-Ablagerungen auf dem Tabak zu erkennen. Das Geruchsbild wird vor allem vom Burley geprägt. Nussig, schokoladig, etwas süßlich vom Virginia, mit einer gewissen säuerlichen Erdigkeit, die ich dem Dark Fired zuschreibe. Beim „u/s“ handelt es sich um das Kürzel für unscented. Wie es auch die Geruchsprobe vermuten lässt, handelt es sich also um einen naturbelassenen Tabak.


Die Pfeife ist schnell ausgewählt. Die Bohrung sollte eher weit sein, um dem Tabak Platz zur Entfaltung zu geben. Er lässt sich leicht mittels Knick-Falt-Methode oder aber aufgerubbt in die Pfeife einbringen. Zwei, drei Zündversuche später glimmt die Oberfläche gleichmäßig. Im ersten Drittel ist eine sehr schöne, aber nicht überbordende Virginia-Süße wahrzunehmen. Zusammen mit der kakoartigen Note des Burley erscheint der Tabak rund und sehr süffig. Im zweiten Drittel ist dann der Burley Vorreiter und drängt den VA eher in den Hintergrund, obwohl er nie ganz verschwindet.

Eine leichte Frische ist ebenfalls wahrzunehmen, diese kann ich jedoch nicht genau einordnen. Im letzten Drittel nimmt der Tabak deutlich an Stärke zu und ich bilde mir ein, dass der Darkfired mit einer gewissen Kernigkeit aufwartet. Achtung, vor allem gegen Ende der Pfeife neigt der „Brown Flake“ dazu, ein wenig harsch zu werden, deshalb sollte er jetzt sehr ruhig und bedächtig zu ende geraucht werden. Ein mehrmaliges Wieder-Anzünden verzeiht der Tabak und verändert seinen Geschmack nicht. Der Raumduft ist für einen naturbelassenen Tabak sehr angenehm und vor allem von seiner Süße geprägt. Dazu gesellt sich eine Note, die an frisch gebackenes Vollkornbrot erinnert.

Burley-Liebhaber, die Virginia-Süße nicht missen möchten, sollten diesen Tabak unbedingt probieren. Ich persönlich bevorzuge ein bisschen leichtere Mischungen, rauche den „Brown Flake“ zwischendurch aber ganz gerne. Für mich ist er eine solide Wahl, wenn ich mal wieder nicht weiß, was ich in die Pfeife stopfen soll.




Gastautor: Eric Oechslin

Dienstag, 20. September 2016

Seiffert - Meine Spezialität Olive

Aromaten… ach ja, komm'… ist doch langweilig. Werden sich immer ähnlicher. Süßes Mainstream- Gepansche. Haste einen geraucht, haste alle geraucht!“

Wieder mal ganz schönen Blödsinn gedacht. Mein Freund Sven brachte die Dose mit und überreichte mir damit einen Tabak, den ich tatsächlich noch nicht kannte. Allein das Erscheinungsbild der Dose. Keine schreienden Farben, keine massive Blockschrift… so anders, irgendwie. Zunächst musste ich mal Herrn Google bemühen, um herauszufinden, dass es sich um ein Kraut des Hauses Seiffert handelt… aromatisiert mit Olive. Was ich bei der Öffnung der Dose erwartet habe, kann ich gar nicht so genau sagen. Eine nahezu gänzlich helle, in Ribbon-Cut geschnittene Virginia/Burley-Mischung… soweit nicht überraschend. Der heuige, tabakechte Duft schon eher. Wenn man das Kraut lockert und den Rüssel intensiv darin versenkt, ist auch tatsächlich ein würzig-herber Olivengeruch feststellbar. In Kombination mit den Tabakaromen sehr lecker… zumindest beim Riechen.


Da ich nun rein gar nichts an Empfehlungen für den Tabak fand, habe ich meiner Faustformel gehorcht, nach der aromatisierte Tabake in mindestens mittelgroße Köpfe gehören. Zweite, positive Erfahrung beim Stopfen: Er ist ideal konditioniert. Nicht dieses überfeuchte Klebezeug, dass man sonst oft in Aromatenpouches findet und das eher an Shisha-Pamps erinnert. Er lässt sich wunderbar einbringen und etwas verdichten, ohne zu kleben, und glimmt mit wenigen Versuchen zuverlässig vor sich hin. Ui… das ist lecker! Eher dunkel-würzig, Süße wird nur vom verwendeten Virginia beigesteuert und das im Hintergrund abrundend wahrnehmbare Olivenaroma sorgt für Tiefe und geschmackliche Kraft. Eher mittelstark macht die Mischung mit ihrer Blumigkeit und Reife richtig Freude.


Der Grundcharakter eher dänisch, in der Tradition der früheren Larsen-Tabake, aber mehr in Richtung „edelherb“. Das ist etwas für Fans der naturnahen Mischungen, Süßschnäbel werden vielleicht enttäuscht sein. Ein idealer Partner auch für Beginner, da er ohne Zicken glimmt, nie überfordert, aber doch den Charakter mitbringt, den übliche „Anfängertabake“ so schmerzlich vermissen lassen. Dieser Tabak hat etwas, dass heute auf dem Markt immer seltener wird: Eigenständigkeit! Ich denke mal, dass der ab jetzt bei mir Stammgast wird. Das ist genau die Sorte „Aromat“, die ich liebe. Der Tabak bleibt Hauptperson, wird nur mit etwas Aromenzugabe feingeschliffen, und so prall und kullerrund. Herrliches Kraut… ganz dicke Empfehlung!


Die Verpackung in zusätzlicher Plastiktüte legt die Vermutung nahe, dass „Meine Spezialität Olive“ bei Planta gemischt und eingedost wird - wissen tu' ich es allerdings nicht. Sollte es aber so sein, wäre das ein weiterer Beweis dafür, dass man bei Planta mehr kann, als der „Volksmund“ behauptet… wie in letzter Zeit, gerade im Bereich der naturnahen Kräuter, schon hinreichend festgestellt werden konnte.

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings


Mac Baren - Harmony

Die neue Dose des Mac Baren „Harmony“ zeigt einen übergroßen Warnhinweis auf. Es ist Zeit, sich nicht mehr zu ärgern, sondern gelassen drüber hinweg zu sehen. Denn der Inhalt ist wohl seit Jahren gleich. Eine auf Burley basierte, leicht aromatisierte Mischung, die oftmals für den Vergleich mit Mac Barens „Golden Blend“ herhalten muss. Auch der „Harmony“ ist ein Ready Rubbed, hat eine Prise Virginia bekommen, aber im Gegensatz zum „Golden Blend“ findet man hier noch einen Cavendish, der mit diesem typischen, oft schon angesprochenen Waldhonig-Aroma gecased wurde.


Der „Harmony“ wird durch den Cavendish, wie im Namen zu finden, harmonischer und sanfter. Das Aroma überdeckt ein kleines bischen die natürliche Nussigkeit des Burley. Wer die Schokolade und die Nuss des Burley für sich haben möchte, der muss zwangsläufig zum „Golden Blend“ greifen. Wer es aber nicht ganz so eckig liebt, wer den Charakterburschen namens Burley sanfter erleben möchte, der bevorzugt wohl den „Harmony“.


Und so verhält es sich auch in meinen Rauchgewohnheiten. Je früher der Tag, ist es der Harmony, der mir Genuss und Spaß bereitet. Gegen späten Nachmittag tausche ich gerne gegen den „Golden Blend“. Immer vorausgesetzt, das Hauptaugenmerk liegt auf Burley als Basis einer Mischung. Denn wer es natürlich süß liebt, der muss dann wohl doch beim Virginia bleiben. Beides liebe ich sehr, finde aber, dass der Burley für lange Zeit unterschätzt geblieben ist.

Der Burley scheint momentan sowohl in den USA, als auch in Deutschland, eine späte Wiedergeburt zu feiern. Denn vergessen wir nicht: Auch der „Harmony“ ist im Grunde genommen ein alter Weggefährte, den es bei uns schon seit gefühlten Ewigkeiten gibt, und an dem ich Jahre lang emotionslos vorbei gegangen bin. Jetzt findet er sich als ein über den Tag begleitender Rauchgenuss immer in meiner Nähe.

Eine leichte bis mittelkräftige Mischung für Burley-Liebhaber, die vor einer leichten Aromatisierung nicht zurück schrecken und die das so typische Mac Baren-Waldhonigaroma mögen. Unkompliziert, ehrlich und dazu auch nicht teuer.



Autor: Ralf Ruhenstroth