Willkommen bei Jogi-wan...

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Mittwoch, 27. April 2016

McClelland - Virginia Woods (Craftsbury Series)

Die einen blicken neidisch über den Teich, die anderen reden sich selbst froh, in dem sie immer wieder darauf hinweisen, dass es auch bei uns ganz hervorragende Pfeifentabake gibt. Unrecht haben letztere sicherlich nicht, aber sie halten mich auch nicht davon ab, immer wieder den Blick in die USA zu riskieren. Denn es ist für mich längst kein Geheimnis mehr, dass die dortigen und hier leider nicht erhältlichen Virginiamischungen das ganz „Besondere“ aufweisen können. „Können“ - nicht „müssen“.

Während ich bei den aromatischen Mischungen aus der Premium Aromatic-Serie von McClelland für gewöhnlich mit gesenktem Haupt davon schleiche, haut mich die eine oder andere Mixture aus verschiedenen Virginias oft schlicht und einfach um. Und zwar vor Begeisterung. Dieses Mal spreche ich vom „Virginia Woods“. Stopp, bis hierhin und nicht weiter, könnte jetzt jemand rufen. Denn beim „Virginia Woods“ streiten sich die „Fachraucher“ darüber, ob hier nicht ein ganz besonderes Flavour hinzu gefügt wurde und es sich somit um einen Aromaten handelt.


Ein Holz-Aroma…. Nun ja, ich weiß, wie es im Frühjahr im Wald duftet, ich kenne den Geruch eines frisch gerodeten Baumes und ich weiß, wie es in einem Sägewerk riecht. Nichts von dem finde ich beim „Virginia Woods“ wieder. Auch nicht, wenn sich der so oft verschmähte Essiggeruch aus der frisch geöffneten Dose verflüchtigt hat. Der Tabak riecht natürlich, okay…. Sollte also ein winziges Aroma hinzu gefügt worden sein, dann ist es eben so, aber unterm Strich ist der „Virgina Woods“ ein naturnaher Virginia. Ein Tabak, der den roten, den dunklen und ein paar hellen Virginias ihre ganz natürlichen und leckeren Stärken ausüben lässt.

Das Ganze wurde dabei so gekonnt aufeinander abgestimmt, dass dieser Ready Rubbed für mich rund wie eine Billardkugel wirkt. Sanfte Süße, immer dezent bleibend, ganz auf Säure verzichtend, natürlich wie ein Baum (da ist es wieder), der inmitten einer Heuwiese steht, wächst und gedeiht.


Und so naturnah der Tabak ist, so sehr neigt die Pfeife auch heiß zu werden. Deswegen fordert der „Virginia Woods“ die volle Aufmerksamkeit, damit eben das nicht passiert und uns der Genuss nicht den Bach runter geht. Es wäre schade, denn dieser Tabak ist eben einer von den ganz Besonderen, die mir so in dieser Art und Weise bei uns noch nicht über den Weg gelaufen sind. Ein echtes, mittelkräftiges und natürliches Tabakerlebnis!




Autor: Ralf Ruhenstroth

Sonntag, 24. April 2016

Kolumne: Heraus (spätestens) zum 1. Mai!


Na endlich! Die Temperaturen erreichen wieder Wohlfühl-Niveau für Außenunternehmungen, alles sprießt. Jetzt beginnt auch für uns Pfeifler wieder die „Außengehege-Saison“. Nicht nur, dass es auch in den Bundesländern mit rauchfreier Gastronomie endlich wieder möglich ist, zum Bier oder Kaffee gemütlich dem Pfeifengenuss zu frönen, auch Park- und sonstige Bänke laden erneut zum Outdoor-Genuss ein.

Doch manche Tabake sind tatsächlich an der Luft nochmal ein deutlich größeres Vergnügen, als im heimischen Rauchsalon. Das zu entdecken macht wirklich Spaß, ist aber hier nicht das eigentliche Thema. Es geht vielmehr um Öffentlichkeitsarbeit. Man sieht uns wieder, die Pfeife rückt erneut in den Fokus von anderen Gästen, Spaziergängern und Passanten. Es macht Sinn, neugierigen Blicken mit einem Lächeln zu begegnen, interessierten Fragen Rede und Antwort zu stehen und der ein oder anderen Geschichte von früher gespannt zuzuhören. Ein wenig Öffentlichkeitsarbeit zu leisten. Jeder von uns ist ein Botschafter der Pfeife, man kann gar nicht anders, als mit einem solchen Rauchinstrument auffallen. Schließlich sind die Tage, als die Pfeife noch zum Alltagsbild gehörte, lange vorbei.

mit freundlicher Genehmigung 

Worin der Sinn besteht? Politischen Druck werden wir damit nicht mindern. Bestehende Verbote und Gesetze werden deswegen nicht geändert, so wirklichkeitsfern und bevormundend sie auch sind. Wir werden damit unter all' den „wichtigen“ Leuten mit gesteuerter und bezahlter Meinung auch keinen Realitätssinn wecken, keinen Umdenkprozess anstoßen. Trotzdem ist es sinnvoll und wichtig. Nicht wenige Pfeifenfans berichten von positiven Reaktionen ihrer Mitmenschen auf ihre Leidenschaft. Zunehmend erkennt man sogar bei den Medien eine gewisse Akzeptanz des Genusses Pfeife und Tabak. Es gibt erfreuliche Berichte über Macher, das entstandene Interesse der jüngeren Generation an Individualität tut seine Wirkung und die Mehrheit der Öffentlichkeit reagiert freundlich und erinnernd… erinnernd an frühere Zeiten, an eigene Erfahrungen mit Vater, Opa oder Onkel, erinnernd an Gemütlichkeit, an die „gute, alte Zeit“.


Ja, auch die Nostalgie hilft uns, unseren akzeptierten Platz im öffentlichen Denken zu verteidigen… aber mindestens genauso wichtig und wertvoll ist es, zu demonstrieren, dass auch die Pfeife sich mit der Zeit entwickelt, sich verjüngt und somit zeitgemäß ist und bleibt.

Es wird nie mehr die gewohnte, selbstverständlich empfundene Alltäglichkeit erreichen. Umso wichtiger ist es Begegnungen zu nutzen, die sich zur Bestätigung des positiven Bildes eignen. Wobei wir erst einmal selbst verstehen müssen, wie man ein solches Bild nach außen erzeugt, müssen endlich aufhören, uns selbst zu zerstreiten, müssen begreifen, dass es völlig egal ist, ob sich jemand „alter Hase“, „Hipster“, „Genussraucher“, „Experte“ oder „Nachwuchsraucher“ nennt. Wen juckt das? Die Pfeife eint uns und das sollten wir endlich mal verinnerlichen.


Ebenso müssen wir verstehen, dass es nicht der Sinn der Sache ist, sich mühevoll zu zelebrieren. Es reicht völlig man selbst zu sein, einfach da zu sein, gesehen, wahrgenommen zu werden… und je nach Tageslaune Rede und Antwort zu stehen… oder einfach nur zurück zu lächeln! Weg mit der Unsicherheit. Gerade besonders junge Pfeifenraucher und vor allem Pfeife rauchende Frauen trauen sich nicht recht in die Öffentlichkeit, weil sie die neugierigen und bisweilen etwas spöttischen Blicke meiden wollen. Doch diese Blicke sind selten mit Missbilligung verbunden. Sie zeugen nur von der Wahrnehmung ungewöhnlicher Anblicke… und ungewöhnlich sind die Anblicke nur so lange sie selten sind. Je öfter sich diese Gruppen also öffentlich präsentieren, je eher werden die Blicke nachlassen - verschwinden werden sie allerdings nie.

Also nehmen wir unseren Auftrag wahr und zeigen uns. Mir persönlich macht es immer Freude, mit Menschen über und wegen der Pfeife in Kontakt zu kommen. Wirklich negative Erlebnisse blieben bislang aus. Probieren Sie es mal und, wenn Sie es schon kennen, bleiben Sie dabei. Ich glaube, man mag uns mehr, als es den verbohrten Gesetzgebern lieb ist. Ein schönes Gefühl!

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings


Dienstag, 19. April 2016

Zwei Holländer in Dänemark - Amphora Full Aroma und Prestige mit neuer Adresse!

Was haben die beiden, ungleichen Brüder schon für eine bewegte Geschichte hinter sich. So ziemlich die letzten Vertreter ihrer Art, gehören sie zu den „typisch holländischen Mischungen“, die sich einst so großer Beliebtheit unter den Pfeifenrauchern erfreute.


Virginia/Burley/Kentucky/Orient… die Grundzusammensetzung solcher Mischungen ist ähnlich. Meist zusätzlich mit einem dezenten Aroma versehen und aufbereitet im appetitlichen und gut zu handhabenden Ready Rubbed- Schnitt.

Während der „Prestige“ aber der gehaltvollere, kräftigere Bruder ist, der Leichtraucher gern mal etwas überfordert, kommt der „Amphora“ sanfter, etwas milder und durch die vanillige Aromatisierung auch etwas süßer daher. Der „Prestige“ besitzt eine ganz dezente Zitrusnote, die seinen herberen Charakter eher noch unterstreicht.


Zu beiden Tabaken finden sich hier im Blog auch ausführliche Reviews. Daher gehe ich an dieser Stelle nicht näher auf die Besonderheiten der beiden „Holländer“ ein. Es sei nur soviel gesagt, dass sie sich immer noch als echte Alternativen für Raucher erweisen können, die den eher dezent ergänzten Tabakgeschmack schätzen, der, im Falle des „Prestige“, auch gern etwas kräftiger ausfallen darf.


Der Vertrieb, das Haus Arnold André, teilte uns nun mit, dass beide Tabake ein neues Zuhause unter ihrem Dach gefunden haben und das die Kräuter von nun an den Nachnamen „Mac Baren“ tragen und somit Teil einer stetig wachsenden und recht erfolgreichen Familie geworden sind. 

Prestige“ und „Amphora Full Aroma“ wäre es zu gönnen, dass sie Profit aus den geänderten Lebensbedingungen ziehen können. Beide Tabake sind ehrliche Genüsse, die ruhig ein wenig mehr Verbreitung finden dürften… als besondere Alternativen in einem modernen Tabakmarkt. und nach meinem dafürhalten hat sich am Charakter dieser beiden Besonderheiten durch den Umzug nichts verändert.


Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Dienstag, 12. April 2016

HU-Tobacco - Joschi's Oriental Sunrise

Es gibt einige Wahrheiten, mit denen man sich zu Beginn seiner Pfeifenraucherkarriere anfreunden muss:
1) Pfeifentabak riecht süß.
2) Der Geruch des Rauches entspricht nicht (und zwar kein bisschen) dem Geschmack.
3) Der Geschmack verändert sich im Laufe der Füllung sehr stark.
4) Der Tabak verklebt den Pfeifenkopf. Na, ahnen Sie etwas?

Richtig. Ich rede von einem Tabak, wie er üblicherweise Einsteigern - so auch mir vor drei Jahren - gerne empfohlen wird. Sehr süß aromatisiert, mit viel Black Cavendish und meist eher preiswert, wobei die letzte Silbe dieses Wortes meistens nicht den Tatsachen entspricht.

Weil man sich nun mit diesen Dingen abgefunden hat, kann man es sich schwer vorstellen, dass Tabak auch süß schmecken kann, ohne dass er aromatisiert ist. Oder dass eine Füllung durchschmecken kann. Oder gar, dass reiner Tabakgeschmack viel angenehmer sein kann als das, was der Schokoriegel-Karamell-Exotik-Cocktail einer Aromatisierung verspricht. Davon einmal abgesehen hat man mit solch einem „anfängerfreundlichen“ Tabak gar keine Chance, die Charakteristika einzelner Tabake kennen zu lernen und Wert zu schätzen.


Aber zum Glück….



Zum Glück hatte mir Hans Wiedemann von HU-Tobacco vor einigen Jahren eine seiner Mischungen als anfängerfreundlich und alltagstauglich empfohlen. Um es kurz zu machen: Dieser Tabak hat es nicht nur geschafft, meinen Horizont zu erweitern, mich aus- und weiter zu bilden, sondern mir gleichzeitig ein Juwel zu werden, was aus meiner Tabakbar nicht mehr wegzudenken ist. Es geht um „Joschi’s Oriental Sunrise“ aus der Serie „United Passion“.


Die Zusammensetzung liest sich so: „Die Basis bildet ein cremiger Virginia Broken Flake. Zu gleichen Anteilen wurde diesem Louisiana Perique, Kentucky Burley und Orient Samsoun beigemischt.“



Von diesen Mischungen gibt es etliche auf dem Markt. Bei keiner, die ich seither probiert habe, konnte ich allerdings so genau und klar die einzelnen verwendeten Tabake herausschmecken:

Virginia als süße und - wie versprochen - cremige (ja, wie Sahne) Basis schmeckt man zuerst, dann entdeckt man die leichte Zitrusnote vom spritzigen Perique, die würzige Duftigkeit des Orient legt sich wie ein Schleier darüber - aber halt: Wo ist der Burley? Ich musste ihn suchen, aber er kommt immer wieder zum Vorschein als Walnuss(-schale?) im sanften Wechselspiel mit dem Orient Tabak. Ein kleines Hasch-Mich, was den Tabak insgesamt umso interessanter macht.


Es versteht sich, dass der Tabak perfekt konditioniert ankommt, problemlos in mittelgroße bis große Pfeifenköpfe einzubringen ist, nach 2-3 versuchen glimmt, ein Wiederanzünden verzeiht und seinen Geschmack bis zum Schluss der Pfeife nicht nennenswert (der Virginia gewinnt ein wenig mehr an Boden, wird etwas präsenter) verändert. Versteht sich nicht? Ist aber so! Also: Handwerklich perfekt gemacht.


Wie erwähnt ist er mir ein treuer Begleiter geworden, gerade weil er den Spagat schafft, den viele Tabake vermissen lassen: Ihn mit Ruhe zu genießen, sich Zeit zu nehmen, nichts anderes zu tun als sich auf die Pfeife zu konzentrieren verwandelt er in ein geradezu intellektuelles Vergnügen, während er „nebenher“ geraucht einfach angenehm ist und in der Pfeife "funktioniert".

Hut ab, Hans und vielen Dank!


Fazit: Eine superbe orientalische Mischung, die bisherigen Aromatenjüngern die Augen öffnen und für die Liebhaber der naturbelassenen Richtung ein weiteres Schätzchen sein könnte. Empfehlung!



Gastautor: Gunnar Persicke

Freitag, 8. April 2016

DTM - Käpt'n Brammer's Frische Brise

Seit meiner Kindheit habe ich einen starken Bezug zum Norden, zur See und zu allem Maritimen. Dies mag sowohl mit meinen ostfriesischen Wurzeln, als auch mit der Seefahrerei bzw. der Seglerei meiner beiden Großväter zu tun haben. Deshalb sind mir beim Stöbern auf der Dan Pipe Website, und natürlich auch beim Lesen des Kataloges, die Mischungen der Käpt'n Brammer Reihe immer wieder aufgefallen. Die maritimen Motive der Dosen und die Beschreibungen zu den einzelnen Mischungen führten dazu, dass ich mich dazu entschloss, mir bei der nächsten Gelegenheit mal eine der drei Mixturen zu besorgen. Bei einem Besuch in Gerd Jansens Pfeifendepot in Hamburg ergab sich dann im Dezember 2015 die Möglichkeit, eine Dose "Frische Brise" von Käpt'n Brammer mitzunehmen. Natürlich habe ich nicht lange gezögert und so wechselte die Dose, nicht zuletzt wegen dem günstigen Preis von 14,- Euro für 100g, schnell den Besitzer. Doch bevor ich selbst die Dose und ihren leckeren Inhalt vorstelle, sollten wir zunächst einen Blick darauf werfen, wie Dan Tobacco selbst ihr "Machwerk" beschreiben:


"Eine Mixture in Anlehnung an irische Vorbilder, aber wesentlich dezenter und eben frischer. Sie wird auch Freunden naturbelassener Tabake gefallen. Helle und mittelbraune Virginia Grades mit einem Hauch Latakia, der aber im Hintergrund bleibt. Der breite, kurze Schnitt ist ideal für mittlere und große Pfeifen. Die Raucheigenschaften sind geradezu optimal: langsam und kühl glimmend, mit trockenem, sanftem Rauch und einer duftigen, dezent würzigen Raumnote."

Nachdem ich diese Beschreibung zum ersten mal gelesen hatte, erwartete ich eigentlich in erster Linie eine leichte Latakiamischung mit einem zusätzlichen "frischen" Aroma. Was auch immer DTM darunter versteht. Mit der Intention, mich mit dieser leichten Latakiamischung selbigem Tabak mal wieder ein Stückchen näher zu bringen, öffnete ich am Abend die Dose. In dieser Hinsicht sollte ich allerdings enttäuscht werden, da der Latakia hier doch nur eine Nebenrolle spielt. Ganz klar eher eine "irisch" aromatisierte Mischung mit etwas Latakia.

Schon der Duft aus der Dose machte klar, dass es sich hier nicht um das Erwartete handelte. Eine frische, leicht seifige Zitrusnote ließ sich erschnüffeln, zusammen mit einer zu erahnenden Virginianote und einem Hauch rauchiger Würze im Hintergrund. Diese ist allerdings nur zu erahnen. Assoziationen an ein Stück Zitronenseife, wie meine Oma sie früher immer im Badezimmer hatte, kommen mir in den Sinn. Mag nicht gerade appetitlich klingen, war es im ersten Moment auch nicht. Doch mit der Zeit gefiel mir diese Note und die Neugier, wie er denn nun tatsächlich schmeckt, war groß.

Doch zuerst war noch etwas Geduld angesagt. Der grob geschnittene Tabak war frisch geöffnet leider etwas zu trocken, um gleich verköstigt zu werden. So musste ich ihn mit zwei Humidrolen in den nächsten Tagen erst wieder etwas anfeuchten, bevor ein erstes Rauchopfer möglich war. Eine kurze Recherche im Netz ergab, dass die Dose schon etwas älter sein musste, da DTM das Dosendesign inzwischen etwas abgeändert hatte. Meine Dose war noch mit einem älteren Etikett versehen.

Der Schnitt präsentierte sich recht "bunt". Die Beschreibung von DTM trifft hier den Nagel auf den Kopf. Überwiegend breit und kurz geschnittener, heller Virginia, hin und wieder etwas längere Fasern und auch das ein oder andere Flakestückchen finden sich in der duftigen Mischung. Das Ganze ist durchsetzt von schwarzen Sprenkeln. Eindeutig der gewünschte Latakia.



Nachdem der Tabak die gewünschte Feuchtigkeit erreicht hatte, nahm ich eine neue und unberauchte Peterson zur Hand und befüllte sie mit dem "komischen" Kraut. Dies ging aufgrund des Schnittes sehr leicht von der Hand und auch die Flamme nahm der Tabak sehr gutmütig an. Die Füllung ließ sich mit zwei Streichhölzern zum gleichmäßigen Glimmen bringen. Ein Nachfeuern ist selten nötig und wird vom Tabak dann auch ohne weiteres erduldet. Mindestens mittelgroß sollte die Pfeife, bedingt durch den breiten Schnitt der Mischung, allerdings sein. Auch größere Füllvolumen sollten sich gut eignen. Hier gibt DTM wieder eine genaue Marschrichtung in ihrer Beschreibung vor.

Die ersten Züge waren sehr ungewohnt. In den ersten Minuten dachte ich an eine Noträumung. Doch der Anflug von Ekel wich, zu meiner eigenen Überraschung, schnell einer merkwürdigen Befriedigung. Die erste Pfeife ließ mich komplett ratlos zurück. Fand ich das nun gut? Oder war es doch zu viel? Doch weitere Rauchopfer machten mir klar, auch wenn ich nicht die erhoffte, leichte Latakiamischung bekam, dieser Tabak war einfach Klasse!

Das Aroma, welches der Kaltgeruch des Tabaks ankündigt, zeigt sich so auch beim Rauchen. Eine feine, frische Zitrusnote mit einem seifigen Oberton, die den Tabak sehr voll und cremig macht. Im Verlauf des Rauchens nimmt diese Aromatisierung sich etwas zurück und macht etwas mehr Platz für den Geschmack des Tabaks. Die Aromatisierung bleibt dennoch stets präsent und dominant. Gegen Mitte der Füllung meine ich auch, neben der fruchtigen Frische eine leichte Mandelnote wahrzunehmen. Dies kann aber auch nur meine Einbildung und der Cremigkeit des Rauchs geschuldet sein. Die Virginiabasis sorgt für eine angenehme Süße, sowie die typischen Anklänge von Wiese und Heu. Der Hauch Latakia in der Mischung gibt der sonst recht süßen Mischung die nötige Tiefe und steuert einen guten Anteil rauchige Würze bei. Die gekonnte Kombination des Aromas, mit dem natürlichen Geschmack des Virginia, abgerundet mit einem Touch Latakia, macht meiner Meinung nach die Delikatesse dieses Tabaks aus!

Wer diese gelungene Kombination voll auskosten will, sollte ein zu heißes Rauchen allerdings tunlichst unterlassen. Dann wird der Tabak spitz und bissig, gerade beim Ausblasen des Rauches aus der Nase. Wird er behutsam geraucht, glimmt der Tabak dann auch vorbildlich herunter, ohne Sottern oder Gurgeln. Sein Aroma bleibt die ganze Füllung hindurch erhalten. Der Tabak bleibt dabei immer mittelstark und bekömmlich. Und glaubt mir, das Ende kommt, zumindest für mich, bei dieser Mischung immer viel zu früh!



Fazit: Nicht nur was für alte Seebären! Ein Tabak, der, wie ich finde, völlig zu unrecht, sowohl im Netz als auch in der Community, so gut wie keine Rolle spielt! Wer Seife grundsätzlich nur zum Waschen mag, sollte eher Abstand von der "Frischen Brise" halten. Wer irische Mischungen kennt und schätzt oder gerne einmal ausprobieren möchte, ist mit diesem Tabak gut beraten. Der Preis spricht für sich und ist bei dem Gebotenen absolut unschlagbar. Bei mir ein absoluter Überraschungshit und sicherlich keine einmalige Geschichte. Gerade in der kälteren Jahreszeit oder wenn draußen richtiges „Schietwetter“ ist, genau der richtige Blend! Ein kräftiger Ostfriesentee oder eine schöne Tasse Kaffee dazu und für eineinhalb Stunden den Regen Regen sein lassen. Mein Einstieg in die irischen Tabake.

Ja, ich muss es eingestehen... Lieber Ralf, du hattest Recht! "Seife" im Tabak ist erstrebenswert...



Gastautor: Moritz Helmold



Sonntag, 3. April 2016

Es lebe die Vielfalt!

Vom Versuch, Ausreden wie sinnvolle Erklärungen klingen zu lassen…

Es gibt sie. Die Pfeifenraucher, die Zeit ihres Lebens mit einer einzigen Tabaksorte glücklich sind und nie, ich betone NIE, auf die Idee kämen, ein anderes Kraut zu versuchen. Ich bewundere diese Menschen ob ihrer Standfestigkeit, ihrer unerschütterlichen Treue zu einem Produkt. Obwohl das Teufelchen auf meiner Schulter sofort etwas von Langeweile und überzogener Selbstbeschränkung murmelt… verzeihen Sie!

Nein, nein… ich schaffe es nicht. Ich darf es nicht einmal schaffen, sagt die Stimme. Ich muss mich der Herausforderung stellen, die Geschmackswelt des Tabaks in seiner Gänze zu erfassen, zu verstehen. Forscherdrang des aufgeklärten Rauchers… Sie verstehen? Das Leben ist kurz, die Auswahl ist groß - los geht's, yippee! Nein, das ist natürlich KEINE Unvernunft, keine Völlerei in Tabakdingen. Ich kann das alles sachlich begründen. Zum Beispiel der wechselnde Geschmackswunsch. Kennen Sie das nicht? Eben noch haben Sie eine Frikadelle mit Senf verputzt und schon ist Ihnen nach einem Stück Schokolade .


So geht es mir mit Tabak. Wenn nun die Füllung 965er verraucht ist, aber kein passender Süßkram zur Verfügung steht? Wissen Sie, was Sie Ihrem Unterbewusstsein damit antun?Das ist in höchstem Maße schädlich für die Seele und kann daher nicht akzeptiert werden. Nur zwei verschiedene Tabake geht aber auch nicht. Das stumpft ab und Abstumpfung…nun, siehe oben!

Dann wollen die unterschiedlichen Füllgrade der Pfeifen berücksichtigt werden. Ein strammer Kentucky-Flake aus kleinen Köpfen? Herrlich!… aber die Giants, was ist mit den Giants? Hier gehört schön grober Ready Rubbed her. Virginialastig und feinmild… na ja, manchmal auch lieber mit viel Burley und ordentlich Bums… also beide! Was mit den mittelgroßen Pfeifen passiert? Ja eben… sehen Sie, Sie verstehen mich. Hier passen Fine-Cuts mit englischer Prägung sehr schön… wobei ich auf Wildcuts für die etwas größeren Exemplare gar nicht verzichten KANN… sonst bleiben ja einige, teuer angeschaffte Pfeifen schlicht ungenutzt. Das wäre eine Geldverschwendung, die ich mir nicht leisten kann und will. Vernunft ist wichtig. Diese Vernunft greift noch an einem anderen, wichtigen Punkt.


Versandkosten! Kennen Sie ein böseres Wort? Ist es nicht eine Frechheit, dass diese Paketdienste nur dafür, dass Sie Ihnen auf dem Rückweg von Irgendwo ein bisschen Tabak mitbringen, auch noch Geld verlangen? Unverschämt… Also, bei Bestellungen, z.B. bei DTM oder HU, gilt es, diese sinnlose Geldverschwendung unbedingt zu vermeiden. Sie müssen einfach nur eine Dose Tabak mehr kaufen, um die versandkostenfreie Summe zu erreichen… oder vielleicht zwei… und schon haben sie rund sechs Euro gespart! Ist das nichts? Sehen Sie… Wie gesagt, Vernunft ist wichtig…



und wenn dann der Punkt erreicht ist, wo selbst ich mich frage, ob es Sinn macht, noch einen Tabak anzuschaffen, dann kommen SIE. Diese kleinen, meist durchsichtigen Tüten, die einem von wohlmeinenden Freunden zu gesteckt werden, mit dem Satz, der alle Verführung in sich trägt: „Probier' mal, das ist sicher was für Dich!“ Sie ahnen, was kommt? Na ja… für ein, zwei Dosen ist doch jetzt auch noch Platz!



Spätestens aber, wenn die beste Frau von allen mit einem Fingerzeig vorm offenen Tabakschrank steht und in einem Ton, der keinen Widerspruch duldet, verkündet: „EINEN GRÖSSEREN SCHRANK KAUFEN WIR NICHT!“ geht eine Wandlung in mir vor. Reumütig verkünde ich abzurüsten, zukünftig gar zum Puritaner zu werden. Heißt in meinem Fall, höchstens 30 offene Tabake! Ich diszipliniere mich, stelle überzeugt fest, dass diese Vielfalt niemand braucht, man sich reduzieren sollte… und auf diesem guten Weg begegnet mir plötzlich ein Pfeifenfreund und hält mir lächelnd ein kleines Tütchen vors Gesicht. „Probier' mal… der ist sicher was für Dich! Ist neu!“

ja, tut mir leid… aber, ich habe es versucht!

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings