Willkommen bei Jogi-wan...

Willkommen bei Jogi-wan...

Freitag, 18. November 2016

Die Corn Cob - Ein Denkanstoß

"Eine Corn Cob ist nach 20, 30 mal Rauchen reif für die Tonne, weil sie dann mit Kondensat gesättigt ist und anfängt, komisch zu schmecken."

FALSCH!

Die hier abgebildete Missouri Meerschaum Legend hat bestimmt 200 Smokes mitgemacht. Dass man ihr das ansieht, lässt sich nicht leugnen, ist aber Geschmackssache. Bei Cobs stehen für mich andere ästhetische Kriterien im Vordergrund als bei Bruyères; eine optische Alterung gibt der einzelnen Pfeife erst ihre Individualität.


Aber es geht ja um den Geschmack. Das ewige Widerkäuen dieser "20-30 x - Regel" kann ich mir nur durch das Zusammenspiel von zwei Fehlannahmen erklären. Cobs vertragen es nicht nur, sie VERDIENEN es, genau so oft und gründlich gereinigt zu werden wie Bruyères. Das beinhaltet bei mir auch die Anwendung von Alkohol, was der Weichholzholm einer Cob durchaus verträgt. Ich stelle mir vor, dass bei vielen, die die Cob von vornherein als Wegwerfobjekt betrachten, als "Probierpfeife", die Reinigung ein bisschen zu kurz kommt. Diejenigen sollten sich vor Augen halten, dass eine verkleisterte Pfeife nun mal sonderbar schmeckt, egal ob aus Bruyère, Birne, Meerschaum, Ton oder Mais. Cobs haben einen sehr weiten Zug. Das bedeutet, dass die Innenseiten von Holm und Mundstück große Oberflächen haben, auf denen sich Kondensat absetzt. Raus damit! (Übrigens ist es auch ratsam, die Bildung von Cake im Brennraum zu vermeiden, denn ein dicker Cake kann den Kopf einer Cob viel leichter sprengen als den einer Bruyère. Das gilt aber auch für zu kraftvolles Räumen, also schabe man bitte vorsichtig!)

Der zweite große Punkt ist eine Fehlannahme in Bezug auf den anfänglichen Geschmack einer Corn Cob. Nicht nur schmeckt man bei den ersten Smokes den Mais, der leicht ankokelt, genau, wie man bei einer unbehandelten Bruyère das Holz mit schmeckt; bei den ersten Füllungen kokelt auch das in den Kopf hineinragende Ende des Holms an, was ganz normal ist, aber eben auch deutlich zu schmecken. Diese Kombination aus "Pfeifeneigenen Aromen" lässt spätestens nach 10 x Rauchen deutlich nach; nach 20 Smokes ist sie meist verschwunden. Die Cob schmeckt dann ganz neutral, und das ist, denke ich, was einige irritiert: Die Pfeife schmeckt nun nicht mehr wie zu Beginn. Die Wahrnehmung ist korrekt, die Schlussfolgerung falsch! Ich sage, die Cob ist dann EINGERAUCHT, wenn auch in einem anderen Sinne als eine Bruyère. Sie hat ihren "Stallgeruch" hinter sich gelassen und zeigt die Tabake, die in ihr geraucht werden, ohne Beigeschmack und Verfälschung.

Ich kann jedem, der aufgrund der oft propagierten "20-30 x - Regel" oder nach eigenen Erfahrungen vor Corn Cobs zurückscheut nur raten, sich einmal (für den Preis einer kleinen Dose Tabak!) eine einfache Cob zu holen, mitzuzählen, wie oft sie geraucht wird, sie ordentlich zu reinigen und die Veränderung ihres Geschmacks vor dem Hintergrund der hier ausgeführten Überlegungen zu beobachten. Ihr könntet erstaunt sein!


Gastautor: Markus Heinrich


Kommentare:

  1. Sevus Markus
    Grundsätzlich gebe ich dir Recht, was mich an den Cods stört ist bei 6mm gefilterten Pfeifen der zu strege Zug und geschmacklich kommt sie auch nicht an Bruyere usw. an.
    Für mich sind die Cobs ein ideale Begleiter wenn ich in den Urlaub fliege.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich gehe sogar soweit, zu behaupten, dass Filterraucher, ohne Euch herabsetzen zu wollen, nicht in der Lage sind, eine Cob wirklich zu genießen.
      Das liegt an der Unzulänglichkeit der 6mm - Kohlefilter, an die ich mich aus meiner eigenen Filterzeit noch mit Schrecken erinnere.
      Schon mal, als Kompromiss, die Savinell - Balsaholzfilter oder die ziemlich genialen Papierfilter probiert?

      LG Markus Heinrich

      Löschen
    2. Das Cobs geschmacklich nicht an Buyere Pfeifen heranreichen wie Markus schreibt, halte ich für Quatsch. Wenn Buyere eingeraucht ist, dann hat das Holz keinen Kontakt mehr zum Tabak, da der gebildete Cake das verhindert.
      Es ist wohl eher die Schnittart bzw. -größe des Tabaks, die den geschmacklichen Ausschlag gibt. Die Cobs, die man gerne mal aufgrund des Preises zum Ausprobieren kauft, haben i.d.R. eine enge, gerade Tabakkammer und ein kleineres Füllvolumen - logisch das da breitgeschittene oder stark aufquellende Tabake kein gutes Aroma entwickeln können. Inzwischen gibt es genug Anbieter im Netz, die auch für solche Tabake Cobs mit großen Tabakkammern anbieten. Die Pfeife muss halt zum Tabak genauso passen wie eine entsprechende Stopfung, da sind Cobs und Bruyere absolut gleichgestellt!
      Cobs besitzen imho den Vorteil, das sie nicht versottern wie eine Bruyere. Außerdem raucht man eine Cob nur bis zu dem Punkt, wo man anfängt das Holz des eingesetzten Holms zu schmecken.
      Das Material einer Cob ist nicht nur leichter als Holz, es ist auch saugfähiger und damit bestens für stark aromatisierte Tabake geeignet. Nach einer gewissen Nutzungsdauer ist allerdings der Maiskolben gesättigt und die Pfeife damit am Ende ihres Lebenszyklus. Hierzu soll auch erwähnt sein, das eine Cob immer die Feuchtigkeitswert ihrer Umgebung annimmt - merkt man dann deutlich, wenn man diese Pfeife z.B. Urlaub in tropischen Regionen raucht.
      Ich rauche meine Cobs mit und ohne Filter. Mit Filter stopfe ich sie lockerer und das Zugverhalten ist für mich eine Gewöhnungssache. Einzig den Holm schleife ich innen bei einer neuen Cob mit Sandpapier(auf den glatten Teil eines Bohrer geklebt) nochmals aus. Meiner Erfahrung nach stellen sich dannn die Faser des Holzes weniger auf und der Filter(wenn verwendet) kann nicht mehr "kleben" bleiben.

      Löschen
  2. Herzlichen Dank für diesen schönen Beitrag! Ich habe mir vor kurzem ein paar filterlose Cobs bestellt und bin sehr angetan. sollten sie ursprünglich auch nur dem Probieren dienen, so habe ich nun zwei für spezielle Tabake (SG Chocolate Flake + Firedance Flake) abgestellt. die "20" habe ich längst überschritten....

    AntwortenLöschen
  3. Die Cobs, unterschätzt und stiefmütterlich behandelt, zumindestens in unserem Kulturkreis.
    Die Mädels und Jungs von "über den großen Teich" sehen das da ganz anders, ich verweise nur auf Macarthur und seine Cob.
    Das Thema Filter war auch für mich ein Ringen um Luft, die Lösung fand auch ich in Savinellis 6mm Balsafiltern und im Original, Medico Filter, beides bei DTM zu bekommen.
    Lg Burt

    AntwortenLöschen
  4. Ich sitze hier grad, während ich meine bislang einzige Corncob rauche und grinse beim Lesen dieses schönen Artikels in mich hinein!
    Cobs sind für mich nicht das Highlight in Sachen Ästhetik, das geb ich gerne zu. Aber dazu kann ich mir ja eine schöne Bruyere gönnen.
    In Sachen Praktikabilität finde ich sie aber unübertroffen, denn die Cob kann ich unkompliziert mitnehmen und muss nicht groß drauf Acht geben aus Angst 100€ oder mehr zu schrotten. Was nicht heißt, dass ich sie mit Absicht schlecht behandle, aber ich bin doch etwas lockerer im Umgang mit ihr: Ich räume sie schon mal etwas weniger gründlich aus, achte nicht so sehr darauf ob ich den Kopfrand ansenge, rauch sie auch mal ein bisschen heißer und klopfe sie sogar manchmal aus. Auch beiße ich ungeniert auf ihrem Mundstück rum - sollte das mal durch sein, gönne ich mir ein Ersatzmundstück für ein paar Euro oder eben eine neue, auch für ein paar Euro.
    All das verzeiht sie und das Beste daran: Sie schmeckt einfach. Und das sogar besser als manche der Bruyere-Pfeifen, die ich habe. Ja, nach ein paar mal rauchen ist der anfängliche (und aus meiner Sicht sehr angenehme) Popcorn-Geschmack zwar verflogen, aber das tut dem Geschmack keinen Abbruch!
    Einziges Manko sind in der Tat die Probleme mit den Filtern. Die White-Elephant-Filter, die ich dazu bestellte, saßen anfangs so stramm, dass sie sich (vom Kondensat aufgeweicht) meist nicht mehr entfernen ließen, ohne dass der Filter brach und seine Kohlekügelchen im Raum verteilte - manch harter Kampf war nötig, um die Keramikendkappen und andere Reste wieder aus Holm und Mundstück zu entfernen.
    Die Lösung fand ich schließlich darin, sowohl Holm als auch Mundstück mit einem Bohrer vorsichtig zu weiten - Nun steht dem Genuss (außer fehlender Zeit) nichts mehr im Wege. Papier- oder Balsaholzfilter wären vielleicht mal einen Versuch wert!
    Beste Grüße
    Mäxx

    AntwortenLöschen
  5. Endlich wird hier - längst überfällig - mal eine Lanze für die Corncob gebrochen!!!
    Und, Mäxx, deinen Kommentar (insbesondere den letzte Absatz) kann ich so unterschreiben,
    Übrigens tut sich durch die jährliche "Cob Foolery" bei den Cobs mittlerweile wieder mehr in Sachen Formenvielfalt.
    Viele Grüße
    Werner

    AntwortenLöschen
  6. Vielen Dank, Markus! Es wurde auch Zeit! ;-)

    LG Hoesy

    AntwortenLöschen
  7. Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen: Mit den "deutschen" Cob-Vorurteilen muss endlich Schluss sein! Unsere amerikanischen Kollegen haben Corn Cobs im Einsatz, die teilweise 80 Jahre alt sind und sich immer noch fantastisch Rauchen lassen. Leider herrscht hierzulande immer noch viel Pfeifen-Snobismus!
    Viele Grüße
    Frank

    AntwortenLöschen