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Donnerstag, 4. August 2016

Samuel Gawith - Cabbie's Mixture

Zunächst einmal wären zwei Fragen zu klären. Wer ist Cabbie und wodurch ist der so bekannt geworden, dass ihm Gawith eine eigene Mixtur braut? Wikipedia klärt mich auf, dass mit „Cabbie“ im Umgangsenglisch ein Taxifahrer bezeichnet wird. Wäre ich nicht ganz so blind vor Begeisterung gewesen, dieses Kraut endlich probieren zu können, wäre mir wohl die Droschke auf dem Deckel aufgefallen. Diesen, damaligen Cabbie's, die mit ihren Einspännern die eher wohlhabende Kundschaft durch britische Städte kutschierten, ist dieses Kraut also gewidmet.

Zweite Frage: Wer ist bekloppt genug, für 50 Gramm Tabak ganze 16,50 Euro auf die Ladentheke prasseln zu lassen? Na ja, ich… zum Beispiel… und wohl auch andere Liebhaber spezieller Virginia/Perique-Mischungen. Soviel sei schon einmal verraten: Die Investition lohnt!


Galt in früherer Zeit ein neuer Tabak im S. Gawith-Programm als Sensation, zieht schon seit etlichen Monaten ein neuer Marketingwind durch die altehrwürdigen Produktionshallen. Neue Tabake quasi im Wochentakt, aufgefrischte Label und deftig angezogene Preise. Hinzu kommt, dass es die Spatzen von den Dächern pfeifen, dass auch an anderen Produktionsstandorten und von Zulieferern für Samuel Gawith gearbeitet wird. Viel und viel neu bedeutet aber nicht zwangsläufig auch viel gut.

Doch wer den Deckel der „Cabbie's Mixture“ öffnet, hat verloren. Verweht sind alle Zweifel, alles Misstrauen. Man sieht auf die leckersten Curlyscheibchen, atmet den unverschämt überbordenden Duft von reif-süßen Virginias, das tiefe Aroma von Feigen und lässt sich die Nase kitzeln vom spritzigen Hauch des Perique. Wer jetzt noch nicht lächelt, sollte die Dose wieder zu machen… er ist noch nicht reif für solche Delikatesse!


Wer nun aber mit kundiger Hand und nicht zu fest die etwas feuchten Scheibchen in einen vorzugsweise mittleren Kopf einbringt, sollte sich anschnallen. Herrschaften, was da schon bei den ersten Zügen an reifer Süße, tiefsamtigem Aroma und mildfruchtiger Spritzigkeit über die Zunge streift, ist ein Knaller!

Würden bitte alle die Raucher aufstehen, die betend auf die Rückkehr des alten Three Nuns hoffen! Hier ist die Rettung… und ich bin jetzt mal GANZ mutig. Dieser „Cabbie's“ erreicht locker das Niveau der alten Nonnen. Hier schmeckst Du wieder, dass es für das Original keinen Ersatz gibt, dass sich alle zum Teufel scheren sollten, die aus purer Gewinnsucht echten, guten Perique durch stil- und geschmackloses Aroma ersetzen. Verdammt seid Ihr, Frevler an der Tabakkunst!


Er glimmt, dass es eine Freude ist, ruhig und mit jedem Zug das volle Aroma ausschüttend. Sanft, aber mit Gehalt. Nie stark, aber mit Körper und Struktur. Delikat, satt und kullerrund. Bis zu den letzten, grauen Aschekrümeln ist dieser Tabak eine Offenbarung für die Freunde dieser Richtung. Ist mir doch egal, wenn die Geldgier seiner Produzenten mich in den Ruin treibt! Wobei man fair sein muss und anerkennen sollte, dass es solche Rohtabake auch nicht für'n Appel und'n Ei gibt. 16 Taler und 5 Groschen sind trotzdem ein Wort !… und bevor mich jetzt jemand nach einer Probe fragt : NEIN! Alles meins, meiiiiin Schatz, ich schlafe auf dieser Dose! Um es mit dem seligen Herrn Hochrain zu sagen: Versetzen Sie Ihr Bett oder, zumindest Ihr Kopfkissen, wenn es sein muss… aber gönnen Sie sich diesen Tabak.

Beginnern allerdings rate ich von diesem Kraut dringend ab. Weil es zu stark ist? Nein! Weil es sich schwierig raucht? Nein! Weil sie für ihr Pfeifenleben versaut sind, wenn sie diesen Stoff einmal probieren und für die Zukunft deutlich höhere Beschaffungskosten für Tabak einplanen müssen… und das will ich nicht verantworten!

Ihr Ralligruftie

Autor: Ralf Dings


Kommentare:

  1. Dem gibt es nichts mehr hinzuzufügen. DANKE & CHAPEAU

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  2. Wer kennt das nicht - mal schmeckt der Tabak aus der Pfeife aussergewöhnlich gut - mal ist er nur langweiliger Begleiter eines monotonen Tages. So geht es doch letzlich mit allen Tabaken, oder ?

    Also den Cabbies Mixture hatte ich schon einige Monate rumliegen und war anfangs auch begeistert von dem sehr gut gelungenen Feigen-Aroma und dem herrlichen Virginia und Perique. Trotzdem hat mich der Tabak dann nicht mehr gereizt.

    Vorsorglich habe ich eine gewässerte Ton-Scheibe zugefügt um den Tabak nicht austrocknen zu lassen. Und nach Deiner vielleicht etwas euphorisierten "Reffjuu" musste ich den Tabak noch mal rauchen. Er war mittlerweile trotz meiner Tonscherben etwas trocken geworden und schmeckte eigentlich nur noch nach Aftershave.

    Also dieser Cabby, das ist ja der Kutscher, der den Hackney Coach fährt, man kann das sehr gut bei Dickens nachlesen, es kommt in jedem Roman vor, der in London spielt. Und wie jemand mal sagte, diese Kutscher hätten sich einen solchen Tabak nicht leisten können. Also "Carries Mixture" das ist schon ein Widerspruch an sich.

    Abgesehen davon ist der Tabak soo teuer, dass man sich 2 mal überleben sollte, sein Geld dafür zu investieren.

    Sehr guter Tabak, hervorragende Verarbeitung, lecker, mal ausprobieren aber nichts, was man haben müsste.

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  3. ... na dann muss ich ja wohl mal gucken, ob ich den Kollegen bei meinem local dealer kriege ...! Wer hätte ihn denn sonst noch? ;)

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  4. super Review - ich sehe alles genauso, toller Tabak, tatsächlich vergleichbar mit den alten (!) Nonnen - einfach genial!

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  5. Habe eine ungeöffnete Dose im Regal liegen. Jetzt freue ich mich mehr darauf, sie endlich anzubrechen.

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  6. Hallo Jogi,

    erst mal herzlichen Glückwunsch zu dem super Blog! Da sieht man richtig, wie viel Arbeit da drin steckt. :-) Ich bin gerade durch Zufall über Google auf deinen Blog gestoßen und würde dich gerne ein wenig um Hilfe bitten wenn das in Ordnung ist.

    Mein Vater hat in einem knappen Monat Geburtstag und ich möchte ihm gerne eine Pfeife samt nötigem Equipment schenken. Er hat früher sehr gerne Pfeife geraucht und hat schon häufiger nebenbei erwähnt, dass er das gerne mal wieder machen würde. Ich dachte mir es wäre eine super Idee wenn ich ihm zum Geburtstag einfach eine neue Pfeife schenke, vor allem weil er das sicherlich gar nicht erwartet. Allerdings habe ich leider im Gegensatz zu ihm wirklich null Ahnung von der ganzen Materie und das Ganze ist wohl doch um einiges schwieriger als gedacht. Ich dachte eigentlich ich bestelle ihm einfach eine Pfeife im Internet, verpacke diese schön und kaufe noch etwas Tabak dazu und er kann loslegen. Aber anscheinend gibt es so viele verschiedene Modelle und ich habe schon Ewigkeiten damit verbracht Beiträge in Foren zu lesen. Was die Pfeife angeht bin ich jetzt schon ein Stück weiter und hab ein paar in der engeren Auswahl, aber jetzt hängt aktuell alles ein wenig am Pfeifenfilter. Manche haben geschrieben, dass man so einen Filter unbedingt braucht, andere wiederum meinen, dass er eher den Geschmack kaputt gemacht. Ich hab mir mal ein paar Pfeifenfilter angeschaut (zum Beispiel die hier: https://www.cogoo.de/Produkte-727-Pfeifenfilter.aspx ). Aber so wirklich entschließen kann ich mich nicht, da ich so gar nicht einschätzen kann, ob man so einen Filter überhaupt braucht und wenn ja auf was man dann genau achten soll. Ich will aber, dass mein Vater sieht, dass ich mir wirklich Mühe gegeben habe und ich fände es irgendwie peinlich wenn ich dann was „Falsches“ schenke.

    Ich würde mich wirklich wahnsinnig freuen wenn du mir hier ein bisschen weiterhelfen könntest und mir vielleicht den einen oder anderen Tipp geben könntest! :-)

    Viele liebe Grüße aus Köln!
    Andrea

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    1. auf die antwort bin ich auch gespannt, denn über die wirkung und unterschiede der verschiedenen filterarten ist weit und breit nichts oder nur sehr wenig zu finden. vielleicht ja anlass für einen extra artikel. vielen dank im vorraus auch für diesen tollen blog!

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  7. @Andrea:
    Zu den Filtern: Kaufe ruhig ein paar sehr geläufige (Dr.Perl z.B.) - weglassen kann er sie ja immer noch !
    Und wenn Du schon bei Kölle wohnst:
    Lade Deinen Vater doch in die Hahnenstrasse 2 am Neumarkt zu Peter Heinrich ein (der größte Laden europaweit! ) - dort könnt ihr in aller Ruhe und bei einem Käffchen aussuchen !

    Zu den Cabbies:
    Ich bin den 3 Nuns treu geblieben, sie sind nun anders aber schmecken mir auch gut - die Cabbies sind nicht schlecht, aber kein Ersatz für die alten Nonnen...

    Beste Grüße - Manni

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  8. Konnte jetzt zwei Pfeifenfüllungen des Cabbie's testen, da mein "Local Dealer" mir eine Probe beim letzten Pfeifenkauf mitgab.

    Erster Eindruck: Ernüchternd !

    Obwohl der Cabbie's Mixture in amerikanischen und deutschen Pfeifen-Communities oft himmelhochjauchzend gelobt wird, hatte ich mit dem Zeugs so meine Probleme.

    1) Die doch recht feuchte Konditionierung des Tabaks erschwert befeuern und kontinuierliches Glimmen. Läßt man ihn, um gleichmäßigen Abbrand zu erzeugen, vor dem Einsatz trocknen, gehen Aromen flöten.

    2) Hingegen zu den Dunhill Deluxe Navy Rolls (für mich die Referenz für Virginia/Perique) erscheint der Cabbie's dann doch etwas dünn, flach und flüchtig beim rauchen. Er hat nicht die gleiche Vollmundigkeit und Sattheit wie die Referenz von Dunhill...

    3) Bei der Geruchsprobe (die schon angenehm ist) hätte ich beim Rauchen mehr Pflaumen/Feigen/Rosinen Nuancen erwartet. Insgesamt alles etwas flach.

    4) Tatsächlich vom Rauchen des Cabbie's beide male Kopfschmerzen bekommen. Kopfschmerzen habe ich bis jetzt nur von einem anderen Tabak bekomen vor ca. 10 Jahren zu Beginn meiner Pfeifenkarriere. Das war einer dieser perversen Kirschtabake vom Kiosk.

    Vielleicht habe ich beim verkosten des Cabbie's etwas bestimmtes nicht beachtet (eventuell die Curlyscheiben aufrubbeln, damit das Tabaksbild und demzufolge der Abbrand homogener wird??). Vielleicht gibt es ein Geheimnis beim Umgang mit dem Cabbie's, daß mir einer seiner Fans hier verraten kann.

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  9. Servus Ralf,
    ich stimme dir in allen Punkten zu. Der Tabak ist ein Traum, und wie sagt man so schön Qualität hat ihren Preis.

    Beste Grüße Christian

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  10. Hallo Ralf,

    ich habe in deinem Youtube Video mit dem aktuellen leckeren Dutzend gesehen, das du von Zeit zu Zeit mal im smokingpipes.com Shop kaufst. Ich hoffe du hast auch zu diesem Tabak den unverschämt guten Preis dort gesehen ;-) Wenn man da eine "Sammelbestellung" platziert, werde ich den sicher berücksichtigen!

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  11. Ich muss die Cabbie's Mixture selbst noch probieren, und ich bin sehr neugierig darauf. Ich mag den St. James Flake von Samuel Gawith sehr gern - nicht nach dem Londoner Stadtteil benannt, sondern nach dem St. James Parish in Louisiana, wo der hier reichlich verwendete echte Perique herkommt. St. James Flake ist durch die stärker gesteamten Virginias eine weiche und dunkle Geschichte, herrlich tief und mysteriös; Cabbie's soll im Vergleich frischere, pikantere Virginias haben? Dem Escudo-Imitat Deluxe Navy Rolls probiere ich nicht, seit um 2005, als Tabakzusätze veröffentlich werden mussten, bei ihm Pflaumenaroma auftauchte: Welcher "Perique" drin ist, kann auch niemand sagen. Und wer den heutigen Three Nuns mag, braucht auch nicht zu vergleichen, das ist seit mindestens 15 Jahren Virginia/Kentucky, kein Virginia/Perique. Ich kenne beide Varianten, auch die alte aus den 1970ern. Nichts miteinander zu tun.

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  12. Hallo Ralf.
    Wie Du das wieder Formuliert hast, so richtig Mystisch und Poetisch. Es istveine wahre Freude Deine Berichte zu lesen und an denen zu lernen. Danke ich bin schon wieder eine Erfahrung reicher. Und ganz Reich bin ich , weil ich das lesen darf was Du uns Kund gibst.
    Danke und Grüsse
    Päde

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