Willkommen bei Jogi-wan...

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Donnerstag, 31. Dezember 2015

Euch allen einen guten Rutsch ins Jahr 2016!

Liebe Pfeifenfreunde,

wir wünschen Euch allen einen guten Rutsch und einen sensationellen Start im neuen Jahr 2016! Wir bedanken uns für Euer Interesse an unserem gemeinsamen Hobby und freuen uns darauf, auch im nächsten Jahr jede Menge an Gedanken zum Thema "Pfeife und Tabak" mit Euch hier auszutauschen.




Happy New Year...  Euer Jogi-wan-Team

Montag, 28. Dezember 2015

Peterson - Hyde Park - Drei Jahre gereift!

Wollen Sie sich zu mir setzen? Wollen wir ein wenig darüber sinnieren, was die Zeit mit uns macht? Mit unseren Einstellungen, unseren Wünschen, unseren Zielen… und mit unseren Tabaken?

Ok, bleiben wir erst einmal beim Tabak. Kratzig, rotzig, unausgeglichen und zu hart. Dazu das Rum/Ahorn-Aroma deutlich überpräsent… so erschien mir der Peterson „Hyde Park“ vor Jahren. Eigentlich ein Fan der Tabake, die aus dem Hause Gawith, Hoggarth & Co. stammen, wurde ich mit diesem Mix nicht warm. Ja… unreif, teenagerhaft, erschien er mir. Wurscht, er kam zu den Akten und fertig. Es gibt so viele Tabake bei uns.


Jetzt ist er plötzlich wieder bei mir. Mein Freund Tom schenkte mir eine besondere Dose des Krauts. Drei Jahre original verschlossen nachgereift. Na ja, ich hab' das ja nicht so, mit dieser "Aging-Hysterie" und kann auch nicht nachvollziehen, wieso erwachsene Menschen, im scheinbaren Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte, 70-80 Euro investieren, um an einen Beutel Tabak zu kommen, der zwanzig Jahre lang wer weiß wo gelegen hat.


Doch, als ich diese Dose öffnete, offenbarte schon die Duftprobe eine erstaunliche Wandlung. Aus fett aufgesprühtem Parfum der Sonderangebotsklasse wurde ein dezenter, ganz eigener Duft. Einer, der der Persönlichkeit dahinter Raum lässt, so, wie es auch Menschen an Menschen lieben. Der Griff in den Tabak lässt immer noch Geschmeidigkeit erkennen, es ist aber zum Glück nicht mehr, als fasse man in nasses Laub. Der recht dick geschnittene Ribbon lässt sich gut einbringen und gestaltet die Anzündphase entspannt… so, als wolle er gleich zu Beginn das "Zurücklehnmoment" betonen. Oh, Verzeihung… das war ein holprig-deutsches Wort… es stört den Flow… wir ersetzen "Zurücklehnmoment" durch "Lay back-Message"… das fluppt besser.

Bühne frei für den Burley, er hat hier klar das Zepter in die Hand genommen und es offenbart sich mal wieder, dass er als Dirigent eine Klasse für sich ist, wenn sich ihm die begleitenden Musiker unterordnen. Harzig-nussig der Oberton der Mischung, ergänzt durch die Süße der Virginias und das Aroma, bei dem sich vor allem der Rum hervor tut. Nach dieser Reifephase wirkt er nicht mehr künstlich, aufgesetzt… er hat die Mischung durchzogen, angereichert, sich eingefügt und die Spitzen rund geschliffen. Satt, voll und aromatisch der cremige Rauch. Kräftig ist er zudem geworden… wer die Zuggeschwindigkeit bei der Gier nach mehr übertreibt, erntet eine kribbelnde Zunge und einen Biss im Geschmack, der das wunderschöne Gesamtbild mit einem Schnitt zerteilt. Also, Gemach… genießen und staunen, was die Zeit aus einem unausgegorenen Rotzlöffel machen kann. Einen kernigen, runden, sonoren Charakter! Wie bei Menschen, denen man auch die Ruhe zur Reife ließ.


Dies ist kein Review zum nach jammern. Ja, es gibt ihn nicht mehr… doch das ist jetzt gar nicht so wichtig. Diese Wandlung zeigt, dass Reife durchaus für Tabake sehr zuträglich sein kann. Vielleicht muss ich ein wenig umdenken… und suche mir zwei - drei Kandidaten, die ich einfach mal liegen lasse. Nicht um damit später anderen Leuten die dicke Kohle aus der Tasche zu zocken. Damit kann man dann nur Geld verdienen… das ist mir zu langweilig. Nein, für den eigenen Genuss, halt für besondere Momente und delikate Aha-Erlebnisse. DAS sind nämlich die Dinge, die ein Leben besonders schön machen… und dafür haben wir Pfeifenraucher doch einen Sinn.

...und mit Geld bezahlen kann man solche Erlebnisse nicht. Selbst gekauft und gelagert, die Zeit arbeiten lassen, Geduld beweisen in der Vorfreude auf das kommende Erleben… DAS macht solche Momente aus, denke ich...

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Frohe Weihnachten 2015!



Liebe Pfeifenfreunde,

wir wünschen Euch allen eine schöne und friedliche Weihnachten 2015. Entspannt Euch, genießt gutes Essen, gute Getränke und lasst Euch vor allen Dingen die Pfeife schmecken. Allen Freunden, die an diesen Tagen arbeiten müssen, wünschen wir trotzdem ein paar entspannte und genussvolle Stunden zwischendurch und hoffen, dass die wohl verdiente Freizeit nicht lange auf sich warten lässt.


Schöne Festtage!! (rr)

Kolumne: Warum?


Los jetzt, Sie sind dran. Sie rauchen Pfeife... aber warum? Nene, nicht was von "Psychokiste" murmeln und einfach nicht weiter lesen. Ich will das jetzt wissen. Den ganzen Quacksalber-Scheiß aus der Seelenklempnerecke lassen wir jetzt mal weg. Phallussymbol, Mutterbrust-Ersatz... das ganze freud'sche Gelaber - weg damit! Was? Ich soll anfangen...? Ok...

Ich kann nicht denken ohne Pfeife, nicht schreiben... keine Ideen austüfteln. Hä? Psychische Abhängigkeit, Nikotinsucht? ..ach, jetzt hört doch mal auf, Leute! Wenn Ihr es nicht fühlt, Ihr werdet es nicht erjagen... so ist das.

Es wird esoterisch. Jede meiner Pfeifen ist eine Persönlichkeit. Das reicht vom unkomplizierten Kumpel bis zur pretiösen Diva. Heißt für mich, Unterstützung bei den Dingen des Lebens. Der Kumpel hilft mir, praktische Lösungen zu finden, dabei Entspannung und Übersicht zu halten. Mit Pausen, bei denen dieser Kumpel meine Aufmerksamkeit vom Problem weg, hin zu sich zieht. Das klärt den Blick, hält das Hamsterrad des Denkens für einen erholsamen Moment an... dient der Sammlung.


Der "Naturbursche" begleitet mich auf Ausflügen, mit dem Motorrad oder per pedes. Er intensiviert Erlebnisse und Eindrücke, in dem er sie durch Genuss unterstützt, verstärkt. An einem See sitzen, den Vögeln lauschen, Fische springen sehen... ohne inspirierende Wölkchen aus der Pfeife? Nein, danke schön.

Nun... und zum Genuss einer komplexeren Musikscheibe darf es auch gern mal die italienische Diva aus ausgesuchtem Holz sein, die zum Schmelzen schön ist, aber wie Diven nun einmal sind, schon entsprechende Aufmerksamkeit verlangt, die aber nur in ruhigen Momenten überzeugend aufgebracht werden kann. Da kommt dann zum akustischen Erlebnis auch das optische, das haptische Glücksgefühl - eine perfekte Kombination.


Wer seine Pfeifen kennt weiß genau, welche Pfeife für welchen Zweck passt. Er sucht sein Rauchgerät auch nach augenblicklicher Stimmungslage und Konzentrationsfähigkeit und -willigkeit aus. Jedes Stück hat seinen Charakter... und das macht aus den Pfeifen weit mehr, als bloße Rauchgeräte. Es schafft persönliche Bindungen zwischen Pfeife und Raucher. Das ist ein wesentlicher Teil der Leidenschaft, auch, wenn er oft nicht SO gern eingestanden ist. Ich würde sogar soweit gehen, von einer Art Zwiegespräch zwischen den Beiden zu sprechen... auf die Gefahr hin, dass ich jetzt abgeholt werde, weil ich mich telepathisch mit Holz verständige.

Die Pfeife ist auch und schafft Zuflucht. Erwünschte Pause in einem Gespräch, zum Sammeln oder Formulieren. Halt in schwierigen Situationen... ja, auch Seelentröster, wenn es mal ganz arg kommt.

Nun... und dann der unendliche Kosmos, die Frage betreffend, welcher Tabak wie gestopft aus welcher Pfeife am besten schmeckt? Sinnlose Diskussion sagen Sie? Sind Sie zufällig Zigarettenraucher und hier nur versehentlich hin geraten? Der Pfeifenraucher allgemein kann unter seinesgleichen als kommunikative Lebensform angesehen werden. DIESE Diskussion füllt Abende... und warum auch nicht? Dürfen Dispute nur dann als beherzt und beseelt gelten, wenn sie von allgemeinpolitischem Betroffenheits-Lebertran durchnässt sind? Lasst uns doch auch über Genuss debattieren, uns die Köpfe heiß reden und rauchen - auch dies ist Teil einer gelebten Leidenschaft.


Leidenschaft... welch' selten gewordene Vokabel, in einer Zeit, in der eine blutlose und ausschließlich politisch korrekte Existenz als das Glaubensziel einer, von Gutmensch-Diktatoren bestimmten, Gesellschaftsform angesehen wird. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie dieses Wort mehr und mehr verächtlich ausgespuckt wird... zumeist von Leuten, die selber keine haben? WIR haben sie aber... und es soll uns mindestens in den zweiten Kreis der Hölle katapultieren, wenn wir diese Leidenschaft nicht gegen alle Gleichmacherei, gegen alles Gesundheits-Gesülze verteidigen. Überzeugung ist mächtig... und überzeugt sind wir in unserem Tun doch, oder?

Wenn WIR verstehen, warum wir der Leidenschaft Pfeife soviel Platz in unserem Leben schenken, reicht das doch. Warum sollen wir noch die Energie aufwenden, das auch Menschen zu vermitteln, die ausschließlich damit auffallen, ihren Namen tanzen zu können?

Damit ist die Pfeife auch ein Stück weit Gesinnungsschmuck... ja, zugegeben... aber einer, den man stolz trägt und tragen kann. Ich sehe die Pfeife als Genussmittel zur Alltagsverbesserung und Krönung bestimmter Stunden. Pfeifenraucher ist man nicht ein bisschen... mit der Zeit wird man es ganz oder wechselt wieder zur fünfminütigen Suchtbefriedigung aus der Pappschachtel. Wer es aber ganz ist, ist es mit dem Herzen. Dann ist die Pfeife nicht von außen auf das Leben aufgesteckt, sondern fester Bestandteil von ihm.

Stelle ich mich hin und sage, dass ich ohne einen bestimmten Menschen nicht leben mag, gelte ich als Liebender... die werden, zumindest in Teilen, noch geachtet oder wenigstens geduldet. Stelle ich mich aber hin und sage, dass ich ohne Pfeife nicht leben mag, bin ich ein bemitleidenswerter Suchtkranker? Wer ist verantwortlich für eine solch' schwachsinnige Sichtweise? Was? Ob ich jetzt Pfeifen mit Menschen gleichsetzen will? Och nö, kommen Sie... wir wollten das hier doch ohne Psychogelaber durchziehen. Nein, ich sage damit, dass Liebe eine ganz persönliche Sache ist... auch die Liebe zur Pfeife. Freiwillig eingegangen und jeden Tag mit Freude in jeder Faser erlebt. Machen wir einen solch' schwachsinnigen Eindruck, dass wir uns von irgendwelchen Pappnasen an der Hand nehmen und ins "wahre Licht" führen lassen müssen?


Ich rauche Pfeife, weil sie mir Leidenschaft, mir Liebe ist. Weil ich ohne sie nicht sein mag und der Genuss des Rauches für mich zu den größten Vergnügen zählt. Ja, Vergnügen... bewusst hinweg über jedes Raucherbein-Menetekel, bewusst hinweg über die konstruierte Propaganda der Pharma-Industrie und der Schar an Idioten, die nichts zu tun haben, außer nicht hinterfragten Blödsinn zu plappern, weil sie sich als brave Handlanger haben kaufen lassen - da sie zu mehr ohnehin nicht taugen!

Ich liebe das Leben... nicht ausschließlich wegen der Pfeife... aber zum guten Teil auch durch sie. So, dass war meine Sichtweise. Es wäre schön, wenn dieser Artikel Sie dazu animiert, über Ihre Pfeifenmotivation ein wenig nachzudenken... bei ein paar genussvollen Wölkchen. Es macht Spaß.

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Montag, 21. Dezember 2015

Pfyffe Laade - Orient Plug

Bei Ronny Wenk in seinem Pfyffe Laade in Basel gibt es Pfyffe, Duubagg, Syygaare und alles waas derzue gheert ... . Pitoresk gelegen in der Basler Altstadt gibt es dort vor allem Eines: eine Riesenauswahl an guten Tabaken. Hausmischungen, amerikanische Tabake von allen bekannten Herstellern und eine freundliche Bedienung in Person von Ronny Wenk.
Dieses Mal hat es mir der „Orient Plug“ angetan, der von Samuel Gawith auch direkt unter dem Namen „RB Plug“ vertrieben wird.

Der Plug zeichnet sich durch eine sehr dunkle Farbe und Festigkeit aus. Er ähnelt mehr einem Block dunkler Schokolade als einen Stück Tabak. In der Verarbeitung wurde der Plug so gepresst und gedämpft, dass er sich in einen festen Block verwandelt hat und man ein richtig scharfes Messer braucht, um ihn schneiden zu können. Das Tabakbild ist tief schwarz, begleitet von einigen hellen Einsprenkelungen.
Die dark fired Tanzania‘s, getoppt mit eine leichten floralen Essenz, beschreiben diesen „aromatischen“ Engländer sehr gut. Er riecht kräftig, dunkel mit einem Hauch von Blumigkeit und Wald.
Um aus diesem fantastischen Klotz einen rauchbaren Tabak zu machen, braucht man wie gesagt ein scharfes Messer und eine gute Unterlage. Der Plug hat die richtige Feuchte, was jedoch beim Schneiden etwas kontraproduktiv ist. Erst in dünne Scheiben geschnitten; danach gewürfelt, lässt er sich locker in den Pfeifenkopf einbringen. Ich bevorzuge hier mittelgroße bis große Köpfe, in die ich die kleinen Würfel nur einrieseln lasse ohne sie großartig anzudrücken.
Durch die Feuchtigkeit lässt sich der Plug nicht ganz so leicht entzünden. Man braucht schon ein paar Streichhölzer mehr um den Tabak unter Glut zu setzen. Doch die Mühe lohnt. Die Virginias sind vollmundig und haben eine tolle, satte Süße. Die dezente florale Note im Hintergrund ergibt mit den kräftigen Virginias und der Süße eine faszinierende Kombination, die diesen Plug zu einem wunderbaren Genuss machen.
Der Tabak verlangt es, so langsam geraucht zu werden, wie möglich. Zu schnelles Ziehen straft er mit Zungenbiss und der wunderbare Geschmack kann sich nicht richtig entfalten. Er ist daher Anfängern nur bedingt zu empfehlen, aber Flake-Freunden und Plug-Enthusiasten ans Herz zu legen.
Richtig geraucht bleibt er ein wahrer Genuss, bis zuletzt nur noch ein wenig weiße Asche am Boden des Pfeifenkopfes zurückbleibt.
Viele Grüße aus dem Werdenfelser Land!

Autor: Torsten Wieczorek

Donnerstag, 17. Dezember 2015

John Aylesbury - Sir John`s Virginia Flake

Immer wieder gibt es diese Momente, in denen mein innerer James Dean verträumt auf dem Weidegatter sitzt. Eigentlich zu alt für das Gefühl der brennenden Unfreiheit, sinnierend über das was ist und wie es sein könnte. Nur, Jimmys Zigarette hat die Zensur meiner Seele nicht überstanden... doch auf meinem Bild steht ihm die Fullbent auch ganz gut. Denn Pfeife ist für mich nicht zuletzt Ruhepol und Verarbeitungspunkt... und sie ist, in viel tieferem Maße als die Zigarette, als rebellisch anzusehen. Zumindest im Rahmen heutiger Freiheitsvergitterung und Folgsamkeitsdiktatur.


Stellt sich die Frage, was James da raucht, was ihn inspiriert und anregend unterstützt. Wo Gedanken komplex sind und ihr Fluss die Konzentration benötigt, bedarf es eines einfachen, unkomplizierten Krautes... da bietet der „Sir John`s Virginia Flake“ sich an. Sanft ist und bleibt er über die ganze Pfeifenlänge. Fein süß und doch heuig pikant, befindet sich seine Charakterwaage im Gleichgewicht.


Nein, er heischt zu keiner Zeit nach Aufmerksamkeit und Anstrengung. Leicht aus dem Strang zu lösen, ist der Flake in guter Kondition und glimmt ruhig und willig. Kein gesichtsloses Leichtgewicht, kein überbordender Kraftmeier. Also Mittelmaß? Nein, das wäre unfair. Er ist schon ein richtig Guter und hat Balance... Balance, die in solchen Momenten so sehr gewünscht ist. Ein Traumtabak? Das wäre wohl die falsche Umschreibung... dezenter Begleiter zur pfeifenunterstützten Seelenanalyse? Wenn Ihnen das nicht zu sperrig ist...?


Mit dem Aylesbury „Sir John`s Virginia Flake“ gibt es einen unkomplizierten Virginiaflake in feiner Güte und zu sehr akzeptablem Preis zu kaufen, der sowohl Beginner, als auch Kenner zu begeistern weiß. Ob mit oder ohne Filter. Einzig, die Rauchgeschwindigkeit sollte mittleres Tempo nicht überschreiten. Sonst könnte sogar er die Gedanken mit einem Zungenbiss unterbrechen. Nüchtern und sachlich formuliert...

...aber danach ist mir gerade nicht... Jimmy sitzt immer noch auf dem Gatter... ich rauche mal die Füllung mit ihm zu Ende und werde klären, ob der Rebell noch in mir steckt.


Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Samstag, 12. Dezember 2015

Gerd Jansen - Kori-Flake

Es hat sich ja mittlerweile herumgesprochen, dass Franz Fleischmann Gerd Jansen‘s Pfeifendepot in Hamburg übernommen hat und nun als Inhaber weiterführt. Äußerlich hat sich nichts an dem alten Laden im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel verändert. Wer jedoch eintritt, kann feststellen wie viel Arbeit und Mühe sich Franz gemacht hat, das „Museum“ von Gerd Jansen zu erhalten und mit neuen Ideen fortzuführen, ohne die alte Kundschaft zu vernachlässigen.
Neben dem umfangreichen Sortiment an Hausmarken, gibt es jede Menge Auswahl an guten und bekannten Tabaken. Bei meinem letzten Besuch in der Hansestadt habe ich mich für den „Kori-Flake“ entschieden. Der „Kori-Flake“ ist kein Unbekannter oder neuer Tabak, sondern eine Hausmischung aus dem Angebot von Kohlhase & Kopp, welche u.a. als „Meistermischung 88“ bei Pfeifen Behrend, als „Flake #222“ bei tabacum, „Flake #1“ bei Pfeifen Kargl oder als „Mellow Flake“ bei Pfeifen Diehl in München im Angebot ist.

Der Koriander Flake ist ein mittelstarker Virginia Flake mit einem leichten Flavouring von Rosenöl und Koriander. Beim Öffnen der Dose sieht man ca. 4-5 gut 20 cm lange Flakestreifen. Das Aroma, welches einem in die Nase steigt, ist das der Virginias. Von Rosenöl keine Spur; und auch der Koriander ist sehr dezent und erinnert eher dem getrockneten Koriandergeruch. Wer im Vergleich dazu mal an einer Dose Vauen „Coriander Flavour“ geschnuppert hat, weiß den dezenten Geruch von getrockneten Koriander zu schätzen.

Der Flake in der Dose hat die richtige Feuchtigkeit und sein Tabakbild ist eher hell mit leicht dunklen Einsprenkelungen; 100% Virginia eben. Mit der Knick-und-Falt-Methode wird ein Stück in ausreichender Länge in die Pfeife eingebracht und lässt sich leicht Entzünden. Schon nach den ersten Zügen, ist die Koriandernote allenfalls nur sehr dezent im Hintergrund zu spüren und es dominieren die Aromen der Virginias: Gras, Heu, eine volle Süße. In dem Wechselspiel der Virginia-Aromen mit dem sehr dezenten Koriander im Hintergrund ergibt sich ein abwechslungsreiches Rauchvergnügen, das bis zum letzten Zug spannend bleibt. Der „Kori-Flake“ ist ein wunderbarer Tabak, der nicht nur „naturnahen“ Virginia-Freunden zu empfehlen ist.
Viele Grüße aus dem Werdenfelser Land!



Torsten Wieczorek

Montag, 7. Dezember 2015

ESCUDO - Stoff für Legenden

Denken sie bei „Escudo“ an die portugiesische Münze? Dann sind Sie vielleicht Numismatiker und hier eher falsch! Obwohl dieses Zahlungsmittel vermutlich der Namenspate für einen Tabak ist, der Legende wurde. Die Tabakmanufaktur Cope Bros.& Co. war die Wiege dieses Klassikers. Die Firma existierte von 1848-1952. Im Jahr 1912 taucht in ihrem Programm erstmalig der Navy Cut "Escudo" auf, vermutlich benannt nach der 1911 eingeführten Münze.

Nach recht gesicherten Erkenntnissen eines Tabak-Historikers wurde er seitdem bei Cope produziert, bis zum Jahr 1952, als Cope an Gallagher verkauft wurde. Die Firma Gallagher produzierte die Tabakmünzen weiter, bis 1994 ihre Fertigung aus Kostengründen eingestellt wurde. Das hätte das endgültige Ende dieses "Wundertabaks" sein können.


1997 entschloss sich aber die dänische Firma A.C. Petersen, den „Escudo“ erneut auf den Markt zu bringen. Zunächst nur in Dänemark wieder erhältlich, schafft das Kraut 1999 den Sprung über den großen Teich und entzückt fortan auch die amerikanischen Virginia/ Perique-Fans. Nahezu zeitgleich verschwindet der „Escudo“ auf dem europäischen Markt und – welch' ein Zufall - ein Tabak mit Namen "Dunhill de Luxe Navy Rolls" erscheint auf der Bildfläche der alten Welt. Heute vermutet man, dass Probleme mit den europäischen Markenrechten zu diesem Schritt führten. Als die Firma Petersen im Jahr 2000 von Orlik übernommen wird, erfolgt ein weltweiter Verkaufsstopp. Wieder geht es um Streitigkeiten bezüglich der Markenrechte. Die Klärung erfordert einige Zeit... und der Verkauf des „Escudo“ beginnt erneut.

Die Rechte an der Marke bleiben aber eine unendliche Geschichte. 2004 erwirbt die STG 50% von Orlik und die Rechte am „Escudo gehen“, nach längeren Verhandlungen, auf die STG über, die Orlik 2008 komplett übernimmt. Bis zum heutigen Tag erfolgt die Produktion des Tabaks bei Orlik/STG in Assens (DK).


In unserem Handel ist er aber nach wie vor nicht erhältlich. Die Tatsache, dass mit seinem Verschwinden auf den europäischen Märkten der „Dunhill de Luxe Navy Rolls“ erschien, gibt seither Anlass zur Spekulation, dass beide Tabake identisch sind.

Legionen von Pfeifenrauchern haben in den Jahren versucht, das oder das genaue Gegenteil zu beweisen. Natürlich konnte auch ich mich der Faszination "Escudo-Forschung" nicht entziehen und wage mich an einen Antwortversuch. Gleiche Bedingungen, gleiche Pfeifengrößen, gleiche Stimmungslagen... und einmal sogar zeitgleich geraucht (auch, wenn meine Frau mich für verrückt hielt!). Nein, ich finde keinen Unterschied. Für mich sind die aktuellen Versionen beider Tabake absolut identisch.


Der "Unsinn" zweier, identischer Tabake unter verschiedenen Namen erklärt sich wieder einmal über die Rechte-Problematik. Die im Jahr 2000 betriebene Klärung ergab wohl, dass nur die Rechte für die USA tatsächlich zweifelsfrei geklärt werden konnten. Was also sprach dagegen, Europa mit dem gleichen, großartigen Stoff zu füttern - nur unter anderem Namen? Natürlich weiß ich, welche Mythen sich um den "alten Escudo" ranken. Mir war und ist es aber nicht möglich, diesen Tabak mit "Originalabfüllung" aus den 50er Jahren zu probieren. So bleibt auch keine Möglichkeit, die Legenden auf ihren Wahrheitsgehalt hin abzuklopfen.

Lassen wir also den goldenen Mantel der Erinnerung mal am Haken und freuen uns, dass auch wir in den Genuss dieses erstklassigen Virginia-Perique-Kunstwerkes kommen. Schliesslich ist "Dunhill de Luxe Navy Rolls" auch ein edler und schöner Name. Ich muss allerdings zugeben, dass es schon ein besonderes Gefühl ist, dieses "ESCUDO" auf einer Tabakdose zu lesen. Das aber ist reine Psychologie und daher zu vernachlässigen. Der einzige Punkt, der mich ein wenig ärgert, ist, dass bei uns 13,10 Euro dafür aufgerufen werden und die Amis schon für 10,11 Dollar an 50 Gramm dieses Leckerchens kommen... aber, man soll ja nicht knauserig sein!


Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings