Willkommen bei Jogi-wan...

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Montag, 30. November 2015

HU-Tobacco - Out of Africa (Serie: The Blender's Pride)

Afrika der schwarze Kontinent vereint, wie kein anderer Erdteil, Mystik und Moderne, verschiedene Kulturen und Lebensweisen, aber auch Armut und Elend. Kriege, Hunger, Korruption prägen diesen geschundenen Kontinent genauso wie Naturschönheiten, üppige Vegetation und Stolz. Der „Out of Africa“ Ready Rubbed Flake interpretiert diese Vielfalt mit unheimlichen Geschmacksvarianten, angesiedelt zwischen fruchtig - herb, beschwingt und süß. Kräftige Burleygrades sowie dunkel gepresster Virginia und ein Hauch Perique bilden die Tabakbasis für das dezente, aber verführerische Flavour, das diesen Broken Flake auszeichnet. Der „Out of Africa“ ist eine interessante und vielschichtige Hommage an diesen Teil der Erde und an Freunde hochwertigster Tabakmischungen. …die kleinen Sterne leuchten immer, während die große Sonne untergeht (Senegal)“

Diese Beschreibung hört sich doch interessant an; die Zutaten sind nach meinem Geschmack, auch wenn mich Aromaten eigentlich nicht so sehr reizen. Der Name Hans Wiedemann steht für Qualität und seine Aromaten zeichnen sich durch ein sehr dezentes Flavouring aus, was selbst mir, als Freund von klassischen englischen Mischungen, zusagt, wie zum Beispiel beim „Bahia Orange“.

Out of Afrika“ ist ein Broken Flake mit einem dunklen Tabakbild, dominiert von den kräftigen Burley und dunklen Virginias. Beim Öffnen der Dose strömt einem eine schöne Hibiskusnote, so wie eine leichte Fruchtnote in die Nase, blumig, floral, fruchtig, aber nicht aufdringlich. Erst beim zweiten Zug betören die Burleys und Virginias mit ihrem kräftigen Aroma. Der Tabak hat die richtige Feuchtigkeit und ist perfekt für einen mittelgroßen Pfeifenkopf. Er lässt sich gut einbringen und in Brand setzen. Bei den ersten Zügen hat man noch die leicht florale, blumige Note, die aber recht bald von den Burleys und Virginias wettgemacht wird. Es verbreitet sich eine angenehme herbe Würzigkeit, eben richtiger echter Tabakgeschmack, umspielt von einer ganz leichten Fruchtigkeit und Blumigkeit im Hintergrund. Eine sehr interessante Mischung, die bis zum letzten Zug spannend bleibt und selbst für eingefleischte „Engländer“ empfehlenswert ist.

Viele Grüße aus dem Werdenfelser Land!
Autor: Torsten Wieczorek

Mittwoch, 25. November 2015

Cornell & Diehl - Shandygaff

Viele Meilen vom Mainstream-Highway, auf dem die modernen, bis zur Unkenntlichkeit abgerundeten Pfeifentabake unerkannt vorüber rauschen, steht im Hinterland von Pigeon Forge (oder war es Hixson?) ein altes, kleines Farmhaus in den grünen Weiten von Tennessee. Direkt vor der hölzernen Veranda parkt ein rostroter, beuliger Chevy Apache, daneben döst ein American Bloodhound in der milden Sonne, zu entspannt, um zu bellen. Die sanfte Brise trägt den fein-süßen Duft blühender Tabakpflanzen von den Feldern herüber, ein alter Massey-Fergusson tuckert am weiß lackierten Tor vorbei und pufft graue Dieselwolken in den strahlend blauen Himmel. Dies ist das Zuhause von Mr. Shandygaff. Mr. Shandygaff hat ein stolzes Alter erreicht, die Last der Jahre haben seinen Rücken gekrümmt, doch auf den Lippen trägt er immer noch sein jugendlich-verschmitztes Lächeln. Das er noch so fit ist, sagt er, läge an den guten Genen.


Sein Vater, ein Burley reinsten Wassers. Kraftvoll, nussig, voll und rund. Seine Mama eine Perique-Schönheit aus dem tiefen Süden Louisianas, dunkel, spritzig, würzig-fruchtig. Der Großvater stammte ursprünglich aus dem osmanischen Reich... und diese ätherische, sanftwürzige Frische mit orientalischem Einfluss ist Mr. Shandygaff bis heute deutlich anzumerken. Dazu kommt ein leicht salziges Aroma und feine Noten von Ingwer, die man aber erst bemerkt, wenn man sich intensiver mit dem alten Herren befasst. Kräftig ist er, trotz des Alters... und offen und ehrlich zu allen Freunden. Die sind zwar nicht sehr zahlreich, aber gut und treu.


Schon eine gefühlte Ewigkeit arbeitet er für Cornell & Diehl und vorher schon für die Atlas Tobacco Blending... das prägte seinen knorrigen Charakter. Ein grundehrlicher Typ mit rauen Ecken und Kanten, doch er bringt dabei so viel Tiefe und ehrlich empfundenes Traditionsbewusstsein herüber, dass er die faszinieren kann, die auf der Suche nach purer Empfindung sind. Genießen Sie ihn bei einem frischen, starken Kaffee und tauschen Sie sich mit ihm über die Jahrhunderte amerikanischen Tabakanbaus aus... vergnügliche Stunden sind garantiert. Sprechen Sie ihn aber nicht auf die modernen Entwicklungen an, auf die Unverbindlichkeit und Masseneignung seiner jungen Kollegen. Dann entfährt ihm, zwischen zwei kräftigen Schlückchen "Jacky", nur ein geknurrtes "BULLSHIT" und sogar der Bloodhound hebt den Kopf!

Also, besuchen Sie Mr. Shandygaff in seinem gemütlichen Zuhause. Trauen Sie sich, er wird sich freuen... auch, wenn man es ihm nicht so anmerkt. Erleben Sie ihn und lauschen Sie seinen Geschichten aus der alten Zeit... wo viele Dinge noch gut waren... und eigenständig!


Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Freitag, 20. November 2015

Peter Heinrichs - #77 (Hausmarke)

Während und nach vielen Besuchen bei Peter Heinrichs probierte ich zahlreiche Tabake. Keinen einzigen hielt ich für eine schlechte Wahl, jedoch ebenso wenig für vollendet. Das "gewisse Etwas" fehlte mir grundsätzlich. Stets zufrieden mit dem ausgesprochen guten Service der Angestellten, empfinde ich jeden Besuch in Köln als höchst angenehm. Die Lust auf das Probieren neuer Tabake ist dennoch kontinuierlich gesunken. Ich dachte häufiger darüber nach, dass die Quantität der Qualität hier wohl übergeordnet sei und zweifelte an mir, ob ein Tabakhaus von diesem Format meinen bescheidenen Geschmack tatsächlich nicht bedienen kann. Ein letztes Mal begab ich mich auf die Suche.

Ich durchstöberte zuvor den Onlineshop, sowie jede Produktinformation der "Eigenmarken", und entschied mich zunächst für drei aus zwölf selektierten Tabaken. Vor Ort in Köln kaufte ich:

- Peter Heinrichs Nr. 77
- Peter Heinrichs Nr. 2007
- Sir Henry I

Die geschenkte Probe des hochgelobten "Peter Heinrichs Reserve Crue No.4" überzeugte mich wieder nicht. - Zwar ganz nett, prima Virginia Flake mit Karamelaroma, und wesentlich besser als viele andere. Mir persönlich ist dieser Tabak allerdings den Kauf auch nicht wert.

Dann öffnete ich daheim zunächst nur den "Peter Heinrichs Nr. 77". Es handelt sich um eine dänische Mischung mit englischem Charakter. Virginia, Burley, Dark-Fire, Kentucky, Orient und ganz wenig Latakia-Tabak bilden die Grundlage für diese Mixture. Das versprochene "Honig-Flavor" konnte ich vorerst nicht erkennen.


Nach dem Stopfen und Entzünden der mittel bis grob geschnittenen Tabakmischung beendete der erste Zug die zuvor erlebte Odyssee ohne Umwege. "Der kann was!" brachte ich noch zur Aussprache und versank augenblicklich in zeitlosen Genussmomenten. Er erinnerte mich etwas an den geliebten "Danish Oriental" von "Pfeifen Huber" und unterscheidet sich trotzdem völlig im Geschmack.

Mein Empfinden für die Zeit wurde relativ. Vollmundig entfaltet sich der angenehm kühle Rauch zu einer sehr leichten "Virginia"-Gaumenfreude. Augenblicklich schwingt mit Nachdruck die absolut ausgewogene, wahnsinnige Würze des Orient und Latakia mit. Kaum wahrnehmbar und verspielt macht sich dann aus dem Hintergrund das ganz leichte Honig-Flavor unaufdringlich bemerkbar. Der Abbrand ist völlig unkompliziert und das Handling stellt sicherlich auch für den Laien keinen besonders hohen Anspruch dar.

Ungläubig finde ich keine Erklärung für diese raffinierte Meisterleistung von Kohlhase & Kopp im Auftrag von Peter Heinrichs. Dieser Tabak verkörpert für mich die gefundene, tiefgründige Freundschaft. Alles andere waren einfach nur nette Bekanntschaften!

Gespannt freue ich mich jetzt auf die anderen beiden Mixtures.
Guten Rauch!


Gastautor: Christian Meesters

Montag, 16. November 2015

Peterson - Holiday Season 2015

Mit Aromen von Cognac und winterlichen Beeren lädt Peterson mit dem „Holiday Season 2015“ zum festlichen Genuss ein. Eine Mischung aus Black Cavendish, Burley und Virginia-Tabaken. Das Ganze natürlich wieder in einer hübsch gestalteten Dose, die in der Tat nett anzusehen ist. Und so sind es 21,40,-- Euro für 100 Gramm, die beim Dealer auf den Tisch zu legen sind, wenn man sich diesen „festlichen“ Genuss gönnen möchte.


Aus dem frisch geöffneten Zellophan-Beutelchen duftet es dann auch wie im Ausguss einer Dorfschenke, in den der Wirt neben den Bierresten auch die in den Gläsern verbliebenen Schnapsnoagerln weg schüttet. Alles durcheinander und somit nicht definierbar. Da meine ich es also gut, wenn ich den Snölk im Tütchen schlicht und einfach als alkoholisch bezeichne. Die Beeren, egal ob winterlich oder sommerlich, schenke ich mir.


Das Stopfen ist leicht, das Anzünden funktioniert ohne Probleme. Wie nicht anders zu erwarten, wurden die Hausaufgaben im Rahmen der „Holiday-Season“-Reihe unlängst gemacht. Zündet man sich das Pfeifchen an, dann breiten sich auf Zunge und im gesamten Mundraum die hinzu gefügten Aromen aus. Ob angenehm oder nicht, bleibt, wie so oft, dem individuellen Pfeifenraucher überlassen. Einzig die Anmerkung, dass man nichts von Tabak schmeckt, muss gestattet sein.

Ansonsten möchte ich positiv erwähnen, dass das Geschmackserlebnis nicht, wie bei fast allen anderen Peterson-Jubiläumsmischungen, bereits zur Hälfte der Füllung in sich zusammen kracht, sondern erst drei Züge später. So hat man wenigstens zwischen 10 und 30 Sekunden längeres Rauchvergnügen, als man vielleicht gewohnt ist.

Ob das dann allerdings die 21,40,-- Euro rechtfertigt, kann ich schlecht beurteilen. Ich sage mal mit ruhigem Gewissen, dass der „Holiday-Season 2015“ eine Empfehlung für denjenigen ist, der immer noch seine lose herum fliegenden Buntstifte aufräumen möchte und dafür ein nettes Behältnis sucht. Als Dreingabe darf man sich dann die Schelte anhören, wenn sich ein Mitbewohner darüber beklagt, dass es im Raum riecht, als wenn ein Puma hinter die warme Heizung gepinkelt hat.




Autor: Ralf Ruhenstroth

Donnerstag, 12. November 2015

DTM - Kriswill Mellow Navy Cut (Gelb) Flake

Als ich vor etwa einem Jahr mit dem Rauchen von Flakes begann und nach den ersten postiven Erfahrungen nach einem unkomplizierten Virginia-Flake suchte, sah ich beim Lesen des Dan Pipe-Kataloges von 2015 den gelben Kriswill Flake und meine Neugierde war sogleich geweckt. Im Katalog hieß es:

"Ein traditioneller Flake aus besonders sanften Virginia-Tabaken mit recht hohem Süßegrad in der Presse zubereitet und zur Reife unter reduziertem Druck gelagert. Wie es sich für einen guten Flake gehört, langsam glimmend mit kühlem Rauch, so daß die Virginia-Süße mit ihrem typischen, an Feigen und Pflaumen erinnernden Geschmack optimal zur Geltung kommt."


So weit so gut. Das klang doch eigentlich genau nach dem, was ich suchte. Nachdem eine kurze Recherche im Netz ergab, dass sich über diesen Tabak nichts besonderes herausfinden lässt, kam er nach kurzem Zögern mit auf die Bestelliste. Als dann kurze Zeit später der Tabak zu mir kam, wurde er sogleich geöffnet und nachdem das DTM-typische Deckblatt mit der schönen Windrose entfernt wurde, der Inhalt sofort begutachtet.

Dem Auge zeigt sich ein typischer Virginia, hell golden bis mittelbraun, alles in allem sehr appetitlich. Die Flakescheiben sind etwas anders als z.B. vom Navy Flake gewohnt. Sie präsentieren sich nicht als feste Scheiben, sondern sind eher schmal und leicht zerfastert. Die Nase offenbart dann die typische Wiese bzw. das Heu, unterlegt mit leichter Würze. Im Hintergund erahnt man eine Süße, die an Honig erinnert, kombiniert mit einer leichten Feigen-Note. Sehr delikat, gerade für den Virginiafreund. Der Griff in die Dose offenbart, dass der Tabak, wie von DTM gewohnt, perfekt konditioniert ist und damit auch sogleich verraucht werden kann.

Also wird sofort eine Flake-taugliche Pfeife bereitgestellt und der Tabak in den Pfeifenkopf eingebracht. Dies gelingt, trotz der faserigen und recht mürben Flakescheiben, mit der bekannten Knick und Falt Methode überraschend gut. Diese Art des Stopfens ist meiner Meinung nach beim Kriswill unerlässlich, da der Tabak aufgerubbelt und als Ready-Rubbed gestopft vieles von dem verliert, was ihn als Flake auszeichnet. Das mag zwar für viele Tabake gelten, zeigt sich bei diesem Tabak aber besonders deutlich.


Ist der Tabak gestopft, lässt er sich in der Regel mit zwei bis drei Anzündversuchen gleichmäßig zum Glimmen bringen. Nach den ersten paar Zügen zeigt der Tabak auch gleich, dass er das zu halten vermag, was er vom Geruch her verspricht. Feine Virginia-Noten mit guter ausgewogner Süße. Der typische, leicht "heuige" Virginia-Geschmack ist immer präsent, zusammen mit einer leichten Würze, die wunderbar mit eben jener Natursüße des Tabaks harmoniert. Auch das leicht an Feigen erinnernde Aroma kommt zum tragen. Sein Körper bleibt dabei mittelstark und unter den richtigen Vorraussetzungen auch sanft und mild zur Zunge. Dafür sollte der Tabak allerdings unbedingt langsam und möglichst kühl geraucht werden. Er belohnt einen dann mit eben diesem sanften und runden Geschmack. Je ruhiger, desto besser. Zum "nebenbei" rauchen würde ich ihn nicht empfehlen, er verdient die Aufmerksamkeit. Der Geschmack hält sich auch über die ganze Länge der Pfeife, wobei er im Verlauf des Rauchens etwas an Würze gewinnt. Erst ganz zum Schluss wird er leicht bitter, was aber kurz vor dem Ende der Füllung auch nicht weiter stört. Im Kopf zurück bleibt eine mittelgraue, krümelige Asche.

Neben dem guten Geschmack bleiben, meiner Meinung nach, zwei Nachteile. Durch seinen Schnitt und seine Konsistens neigt er selbst bei gut geschlossener, mit Humidrole versehener Dose, nach dem ersten Öffnen zum Austrocknen. Einmal zu trocken geworden, zerfallen die Flakescheiben trotz rekonditionierung leider zum Ready Rubbed und sind damit nicht mehr halb so schmackhaft wie die frischen Scheibchen. Auch lässt sich der sehr fest in die runde Dose gepresste Tabak nur schwer in ganzen Scheiben entnehmen, was das korekte Stopfen erschwert. Ich empfehle ihn daher in ein geeignetes Behältnis umzulagern und ihn stets auf seine Konsistens zu prüfen, um oben genannte Probleme zu umgehen.

Fazit: Mich hat dieser Tabak, wie bisher übrigens fast jede Mischung aus dem Hause DTM, sehr überzeugt. Geschmacklich habe ich ihn sehr genossen, besonders durch seine natürliche Süße und seine Ausgewogenheit. Er ist weder überbordend süß, noch zu würzig, bleibt dabei aber immer interessant. Durch seine Stärke kann er auch schon Morgens ohne Bedenken geraucht werden, ist jedoch auch als Tabak für den gemütlichen Abend, zumindest für mich, nicht zu schwach. Diesen Tabak sollten Virginiafreunde auf jeden Fall einmal ausprobieren, gerade im Sommer. Auch für den einen oder anderen Freund aromatisierter Tabake könnte dieser Tabak eine willkommene Abwechslung sein. Ich bin mir sicher, dass er seine Freunde finden wird. Für Anfänger kann ich ihn, aufgrund der genannten Schwierigkeiten nur bedingt empfehlen. Ich habe ihn über den ganzen Sommer hinweg sehr genossen und für mich wird es sicher nicht die letzte Dose gewesen sein, trotz des einen oder anderen Problems, welches ich mit ihm hatte.

Tabak: Kriswill Mellow Navy Cut (Gelb) Flake, aus laufender Produktion (29.01.15)
Typ: Virginia Flake
Hersteller: DTM Dan Tobacco in Lauenburg an der Elbe.
Preis: 9,-- Euro/50 g

Geraucht aus: Peterson Aran 999 Rhodesian, Savinelli Veritas 624 KS Rhodesian, Rattray´s Terry 40, Bulldog (alle 9 mm gefiltert)



Gastautor: Moritz Helmold

Sonntag, 8. November 2015

Sparschwein gegen Pfeife - Sind 100 Euro genug?

(Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Dan Pipe - Dr. Behrens KG, Lauenburg)

Nein, das Leben wird nicht günstiger. Miete, Sprit, Futter für Tier und Mensch... ein paar neue Winterschuhe müssen auch her. Trotzdem regt sich der Wunsch nach einer neuen Pfeife. Das mühsam genährte und schnell entleerte Sparschwein offenbart als Inhalt 100 Euro. Hm? Lohnt es sich, da zu suchen? Es soll ja auch ein bisschen was Besonderes sein... "normale" Pfeifen sind genug im Haus... was für's Herz halt... ein wenig "Haben-wollen-Effekt".

Nehmen wir doch einfach mal den kürzlich erschienenen Dan Pipe-Katalog als repräsentativen Querschnitt durch das Pfeifenangebot in Deutschland zur Hand und gehen ein wenig auf "Expedition". Lassen wir dabei aber Torben Dansk- und Jirsa-Pfeifen mal außen vor. Deren gutes Preis-Leistungs-Verhältnis ist unbestritten. Konzentrieren wir uns aber auf Marken, die auch anderweitig zu haben sind.

Wer bei Stanwell jenseits der seit Jahren beliebten Klassiker fündig werden will, trifft auf die 400er Serie "Poul Stanwell". Hm, tolle Shapes sind da wieder entstanden. Bei Stanwells ohnehin nicht gerade günstigem Preisniveau scheiden diese schönen Stücke aber aus... sie liegen 30% über dem Limit - das ist nicht drin. ...und bei Danske Club tut sich schon länger nichts mehr in Sachen "bezahlbar und originell"!


Wer mit dem Doppelrauch-Kanal der DB Pfeifen warm werden kann, sollte einen Blick auf die hell gebeizten "Holger Danske" werfen. Gerade die 203 macht mit ihrem Mundstück und der eher gedrungenen, flachen Form einiges her... und das für sympathische 79,50 Euro. Ein ebenso interessantes Angebot sind die "Starline" aus gleichem Hause, die mit ihrer hellen Oberfläche und dem klaren Acryl-Mundstück auch alles andere, als gewöhnlich sind... und das für 85 Taler.


Zur Tradition von VAUEN gehört es seit jeher, bezahlbare und originelle Pfeifen anzubieten. Aktuell fällt z.B. die "Mirage" ins Auge, die es sogar im äußerst selten gewordenen Eskimo-Shape zu kaufen gibt und die in der dunkelroten Version für 89 Euro den Besitzer wechselt. Schon längere Zeit auf dem Markt, aber immer noch ein absoluter Hingucker, ist die "Fuji"-Serie. Mit einem Augenzwinkern gern mal als "Salami-Oberfläche" bezeichnet, ist die weiße Außenhaut in Verbindung mit dem hellen Holz und den gestromten, karamellfarbenen Mundstücken eine äußerst geschmackvolle Kombination. Spannendes Design bei feiner Rauchbarkeit für schlanke 89 Euro... auch da kann man nicht meckern. Wer zarte, schlanke Eleganz sucht, aber auf den Filter nicht verzichten mag... die Serie "New York" ist bereits auf dem Weg zum Klassiker und ab 85 Euro ebenfalls passend zum Budget.


BIGBEN (Gubbels) bietet den kleinen, knuffig-originellen Klassiker "Barbados" immer noch an. In glatter Oberfläche ist dieser kompakte Meilenstein hochelegant und sehr sauber gefertigt... für gerade noch passende 99 Euro. Die "Royal 402" bietet erstaunlich prachtvolle Klassik in feinem Finish. Dieses mustergültige Exemplar einer "Army Billard" ist für ebenfalls 99 Euro eine echte Versuchung für die Freunde klassischer Pfeifenbaukunst. Ein absoluter Tip!

BUTZ-CHOQUIN ist auch immer wieder für eine Überraschung gut. Gerade die Freunde ungewöhnlicher Farbkombinationen und Oberflächen werden hier fündig. So ist eine Pfeife der "Racing Black"-Serie mit ihrer mattschwarzen Oberfläche und feinen Bändern aus Bruyere garantiert ein "Eyecatcher" der ersten Kategorie und mit 86 Euro sehr bezahlbar. Die Freunde der filterlosen Pfeifen kommen bei der "Cherry and Wood" auf ihre Kosten. Schwarze, sandgestrahlte Außenhaut in Verbindung mit einer kirschroten Bodenplatte und ebensolchem Mundstück. Das hat was, ist originell UND elegant... und für 83 Euro zu haben. Nicht auffällig genug? Wie wäre es dann mit einer Pfeife der Serie "Camouflage"? In braun gemustertem Schrumpflack mit hornfarbenem Mundstück. Sehr speziell, aber schick und mit 83 Euro voll im Ziel.


WESSEX bietet Giants zum absoluten Discountpreis. Besonders originell hier die XL 125 als waschechte "Oom Paul". Hier passt die rustizierte Oberfläche besonders gut zum Stil und bei 57,50 Euro bleibt noch genug Luft für die ordentliche Portion Tabak, die dort hinein passt!

Nachdem wir die Dunhill-Pfeifen, angesichts des vorhandenen Budgets, erschrocken überblättert haben, gelangen wir zu einem Anbieter britisch-eleganten Stils.

RATTRAYS punktet durch Gediegenheit und liebevolle Modellauswahl. So erfreuen Pfeifen, wie die "Craggy Root"-Serie oder auch die "Stone of Scone" die Fans der traditionellen Stile. Augen und Herz finden viel Grund zum Verlieben... und das für erträgliche 85, bzw. 99 Euro. Eine hochklassige Alternative.


Wohl auch eine Alternative für die Fans der Marke Peterson, die sich aus dem Segment der "uHu"-Pfeifen scheinbar endgültig verabschiedet hat. Zu erwähnen sind aber die sehr originellen "Speciality Pipes", die für 79 Euro die "gute, alte" (und natürlich filterlose) Zeit aufleben lassen.


Italienischer Chic in der angestrebten Preislage... bei Savinelli eine klare Fehlanzeige. Die Pfeifen des Hauses sind in den letzten Jahren preislich ziemlich enteilt. Macht aber nichts, nur eine Seite weiter gibt es einen feinen Trost namens "BREBBIA".

Ob die ungewöhnliche "Tre" (96 Euro), die prunkvoll-traditionelle "Classic 2016" (ab 96 Euro) eine der höchst originellen "Naif"-Varianten (ab 64 Euro) oder die herzerweichend schönen oFis der "Vintage"-Serie... BREBBIA punktet auf der ganzen Linie der budgetfreundlichen Pfeifen. Das macht wirklich Spaß!


Den gleichen Spaß haben die Freunde der eher "freien" Linie mit den Pfeifen von "Stefano Santambrogio". Die Shapeauswahl ist fabelhaft: Strawberry, Apple, Poker, Dublin,Egg und Co., in prachtvollem Stil und abwechslungsreicher Oberfläche. Fast weht ein wenig der Geist des großen Luigi Viprati durch das Angebot und löst gerade bei Freunden der größeren Pfeifen ein absolutes "Haben-Wollen-Gefühl" aus. Bei Preisen ab 74 Euro kein Problem!


Lieber mal was aus Olive? Nun, dafür gibt es ja "Passatore". Hübsche Shapes, tolle Zeichnung und bei Preisen ab 59 Euro bleibt sogar noch Reserve für die passenden Tabake.

Zum Schluss darf der Blick auf die neue "Fiorita"-Serie von Aldo Morelli nicht fehlen. Optisch sehr ansprechende Classic-Shapes mit edler "Army-Anmutung" und solider Fertigungsqualität... und das schon ab 49 Euro. Feine Einstiegsreihe!


So... und rechnet man, im Fall Dan Pipe, nun auch noch die überzeugenden Torben Dansk Pfeifen (gefertigt von Jirsa) und die Jirsa Kollektion (Einstieg bei diesen Serien ab 49,50 Euro) dazu, besteht kein Grund zum Trübsal blasen. Die Auswahl an Serienpfeifen unter 100 Euro war selten so umfangreich und individuell. Hier findet jeder "Pott" sein "Deckelchen"... und zusätzlich noch gute bis sehr gute Verarbeitung, verbunden mit viel Rauchvergnügen. Braucht man mehr?

Entscheiden Sie selbst... und viel Spaß bei der Auswahl!

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Samstag, 7. November 2015

Holger Danske - Black & Bourbon

Ich bin wahrlich kein vorurteilsbehafteter Mensch. Ich mag einige Tabake der Firma aus Berlin wirklich sehr sehr gerne. Doch wie heißt es so schön? Kein Licht ohne Schatten. Und der Holger Danke „Black & Bourbon“ ist ein echtes Schattenkind.

Schon der Kauf stand unter keinem guten Stern. Meine Ex-Frau war unterwegs, um mit ihrer besten Freundin shoppen zu gehen. Ja, wir waren davor schon getrennt, und ja wir sind immer noch sehr gute Freunde. Ich trug ihr auf, im Tabakladen einen naturnahen Tabak zu kaufen. Man muss ihr zugute halten, das sie wirklich keine Ahnung von Pfeifentabaken hat. Und somit hatte sie sich auf das Urteil der "Fachkraft" verlassen. Und so kam der schwarze Holger ins Haus. Ich hab schon gelacht als ich die Dose sah, aber ihr entsetztes Gesicht ließ mich dann doch mit gezücktem Stopfer die Dose öffnen. Also...


Ich kann nicht sagen, dass das Aroma unangenehm wäre. Das Tabakbild finde ich auch noch ganz hübsch. Feuchte stimmt auch. Also rein in die alte Angelo (die arme Sau muss immer für alles herhalten) und Feuer frei. Also wenn SO Bourbon Whisky schmeckt, würde ich nur noch trinken/saufen. Dachte ich die ersten Züge. Nach grandiosen 3-5 Minuten ist die Luft raus. Nüscht, kein Aroma, kein Tabak, nur ein gallig-bitterer Geschmack. Und eine Raumnote....


Meine Ex sagte nur: "Ist das der Tabak von mir? Das Zeug rauchst Du nie wieder drin. Das reicht ja wie Zuckerwatte die verbrennt. Aber ich bin ja Märtyrer. Ich habe den Tabak bis zum Schluss runter geraucht. Und egal in welcher Pfeife, zu welcher Tageszeit, drin oder draußen... Nach 5 Minuten ist Feierabend, und es bleibt nur ein Geschmack von Bitterkeit pur übrig.

Lange Rede, kurzer Sinn: Jede Firma hat auch mal Prügel verdient, und die sind mit dem Zeug hier wirklich redlich verdient. Nie wieder...



Autor: Chris Henck

Mittwoch, 4. November 2015

H.U.-Tobacco - Casablanca Feeling

Auf der ruhelosen Suche nach Pfeifentabaken und der immer währenden Neugierde auf neue, mir noch unbekannte Kompositionen, habe ich verschiedenste Kandidaten angetroffen: Da reichen die persönlich verteilten Prädikate von „scheußlich“ über „erinnernswert“ bis zu „nie mehr ohne“. Zu letzterer Kategorie gehört für mich der heute vorgestellte Tabak aus dem Hause HU-Tobacco.

Bis zu der Begegnung mit diesem Tabak rauchte ich recht oft die allseits bekannte und beliebte „Scottish Mixture“ von Mac Baren und - ich kann es nicht besser ausdrücken - war nach einer Weile nach jedem Pfeifchen ein wenig gelangweilt und hatte das Gefühl: Es muss doch etwas geben, was mehr Spaß macht! Also: Portemonnaie in den Mantel, zum Händler, einkaufen und ausprobieren…. Fehlanzeige. Nicht, was ich suchte: Ich wollte einen leicht (!) aromatisierten Tabak, der ausgewogen ist, der gleich viel Genuss bietet, ob man ihn aufmerksam oder nebenher raucht - der klassische ADS („All-Day-Smoke“).

Zu dieser Zeit sind mir verstärkt die durchweg positiven Reviews über die Tabake von Hans Wiedemann aufgefallen. Deshalb wagte ich das Unvorstellbare und schrieb dem Meister persönlich eine Email. Nachdem ich ihm mein Suchziel geschildert hatte zögerte er nicht, mir zu helfen. Seine erste Empfehlung (neben einigen Anderen) war der Tabak, um den es hier gehen soll: „Casablanca Feeling“ aus der „The Blender’s Pride“-Serie.


Obwohl sich Hans’ Aromaten sehr gut verkaufen, ist über sie im Netz wenig zu finden. Das wundert auch nicht, weil seine naturnahen Mischungen wahre Schätze auf dem deutschen Markt sind, die entsprechend und zurecht hoch besungen werden. Aber: Aromaten kann er auch! Und wie! Der „Casablanca Feeling“ ist ein ready rubbed Virginia Flake, mittelbraun - so weit, so unaufregend, aber halt: kein Cavendish? Sympathisch! Und es lässt darauf schließen, dass der Tabak nicht „nur“ Aromaträger ist. Aromatisiert ist er (laut Hersteller) mit Kräutern und Hickory Nuss.


Schon beim ersten Öffnen der Dose und den wohligen ersten Schnupperzügen wird klar: Der Tabak und das Aroma sind Teamplayer! Obwohl man im ersten Moment überrascht ist von der Süße des Bouquets, kommt direkt hinterdrein eine Ahnung von zitrusartiger Herbe, als ob man Nussschale mit einem Tröpfchen sizilianischem Zitronensaft vermischt hat. Und ganz hinten: Virginia, also: Heu! In diesem Fall eher „neues“ Heu, frisch geschnitten. Lecker! Er lässt sich problemlos stopfen - vorzugsweise in mindestens mittelgroßen Pfeifenköpfen. Das Anzünden braucht 2-3 Versuche, dann glimmt er gleichmäßig und sanft durch, zurück bleibt mittelgraue Asche.

Das Raucherlebnis ist - wie die Raumnote auch - total eins mit dem, was man vorher aus der Dose erschnüffelt hat. Selten habe ich es erlebt, dass das Erlebnis auf der Zunge und die Raumnote dem bei der Geruchsprobe versprochenen Erlebnis so einhergeht! Man schmeckt alles: Virginia, Nuss, Kräuter, Zitrus, Süße! Und das bis zum letzten Krümel (wobei ich zugeben muss, dass ich einer von denen bin, die die Füllungen meist nur bis zum letzten Viertel herunter rauchen). Dieser Tabak ist aus meiner Tabakbar nicht mehr wegzudenken, weil er für mich alles hat, was ein „sicherer Hafen“ braucht.

Fazit: Ein extrem gut ausgewogener Aromat, vor dem auch die Jünger der naturnahen Tabake nicht zurückschrecken sollten.



Gastautor: Gunnar Persicke

Sonntag, 1. November 2015

H.U.-Tobacco - Asmara

Asmara liegt nicht nur auf 2300 Metern Höhe und ist die Hauptstadt Eritreas, sondern auch der neue Blend, den Hans Wiedemann in seiner "foundation by Musico"-Reihe präsentiert... und Hans bleibt sich treu, mit dieser Neuerscheinung. Mainstream machen andere, H.U. Tobacco entwickelt sich immer mehr zur seelenvollen Schmiede ganz besonderer Pfeifenkräuter.


Helle und rote Virginias, Perique, eine Prise Latakia, ergänzt von besonderen Orients. Liest sich so einfach... und ist doch so komplex. Schon der Hinweis im Dosentext "...if gently smoked..." ist bedeutender, als man vermuten sollte. Öffnet man die Dose, erblickt man einen vorwiegend freundlich hellen und fein geschnittenen Ribbon-Cut. Die erste Duftprobe fällt für mich aber enttäuschend aus. Der "Hint of Latakia" hat erstaunlich deutlich sein Revier markiert. Ich weiß nicht, was ich zu riechen erhofft habe, da ich aber nun nicht wirklich ein Freund von "Big L" bin, erschreckt mich seine übermäßige Präsenz ein wenig. Das war's... ich schicke ihn weiter und wende mich eher "meinen" Kräutern zu, oder...? Nun, wäre es nur ein weiterer Latakia-Mix, hätte man sich mit seiner Erschaffung wohl nicht so viel Mühe gegeben... und Tabak soll ja eher schmecken, als passend riechen.


Gewöhnlich brauche ich vier bis fünf Füllungen, bis ich weiß, ob und wie mir ein Tabak schmeckt. Im Falle „Asmara“ keine Chance. Mit und ohne Filter, Bruyere, Meerschaum, Ton, kleine und große Köpfe... auch die zehnte Füllung ließ mich noch nicht wirklich durchblicken. Schnell war klar, dass der Hinweis auf der Dose berechtigt ist. Je sanfter man den „Asmara“ raucht, desto mehr Farbtöne gibt er preis. Selten war der Begriff "subtil" passender als hier. Ein wenig, wie ein Chamäleon... immer neue, schillernd bunte Nuancen, die sehr vom Rauchstil und den Pfeifenbegebenheiten abhängen. Sanft, dann wieder ein wenig rauchig, leicht ätherisch, spritzig, dann wieder eher erdig, würzig und trotzdem wunderbar mild... spannend, fürwahr... aber...


Doch dieses "aber"gilt nur für mich und für Leute, denen Latakia kaum homöopathisch genug dosiert sein kann. Immer öfter ertappte ich mich bei dem Wunsch, der Latakia möge ein wenig beiseite treten, damit man das ganze Panorama dieses Tabaks wirklich erblicken kann. Mir stand und steht er einfach zu raumfüllend im Weg... und das sogar im wahrsten Sinn des Wortes.

Gelingt mir trotzdem ein Fazit? Ganz sicher, denn ich ziehe den Hut vor einem, extrem extravaganten und komplexen Blend, der in jedem Tabakfaden die Liebe seiner Entwickler trägt und mit absoluter Unverwechselbarkeit punktet. Für Freunde der ganz besonderen Latakiamischungen eine Fünf-Sterne-Empfehlung. Ich bin ein gutes Stück mit dem „Asmara“ gegangen, habe versucht, ihn zu verstehen. Gewissenhaft und sorgfältig. Doch hier, an der Kreuzung, wo ich Richtung "Nashville County", "Director`s Cut" und "Louisiana Broken" abbiegen kann, trennen sich unsere Wege. Ich bin halt woanders zuhause. Es war aber spannend und geschmacklich sehr reizvoll, Dich ein Stück begleitet zu haben, ehrenwerter „Asmara“! Die Fans werden Dich lieben... gute Reise und viele neue Freunde wünsche ich Dir!


Ihr Ralligruftie

Autor: Ralf Dings