Willkommen bei Jogi-wan...

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Mittwoch, 30. September 2015

News 2015: Zwei Neue von Mac Baren in der HH-Serie!

Nachdem die HH-Serie aus dem Hause Mac Baren im Juni 2015 einen neuen Anstrich erhielt, beweist das Traditionsunternehmen nun einmal mehr, dass es stets am Puls der Zeit bleibt. Denn über den Vertriebspartner Arnold André bringt Mac Baren zwei neue Flake-Tabake auf den deutschen Markt, die unterschiedlicher nicht sein könnten: „HH Pure Virginia“ und „HH Bold Kentucky“.

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Für Anhänger unverfälschter Tabakkompositionen sind diese Blends genau das Richtige:


Der „HH Pure Virginia“ besteht zu 100 Prozent aus Virginiatabaken und verfügt nur über minimale Aromazusätze. Der natürlich-süße, leicht heuähnliche Geschmack entspringt den Tabakblättern selbst. So entsteht ein einzigartig weicher Genuss, der nur äußerst geringen Zungenbrand mit sich bringt.

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Der „HH Bold Kentucky“ ist mit Abstand der stärkste Pfeifentabak im Mac Baren Sortiment. Fire cured Kentucky wurde mit hellen Virginias verfeinert, die aus Brasilien und den USA stammen. Getreu dem Motto „Die Mischung macht’s“, dient er in diesem Blend allerdings nur der Abrundung der intensiven Kentucky-Tabake aus US-amerikanischen und afrikanischen Anbaugebieten. Der vollmundige Geschmack und die leicht rauchigen, erdigen Noten sind nicht etwa auf Aromazusätze, sondern auf die Hitzefermentierung zurückzuführen. Der „HH Bold Kentucky“ macht seinem Namen „bold“ – also mutig, gewagt – demnach alle Ehre.

Die Neuheiten der Marke HH, basierend auf den Initialen des Firmengründers Harald Halberg, überzeugen durch elegante Leichtigkeit ebenso wie durch charaktervolle Stärke.


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Liebe Pfeifenfreunde... so die Mitteilung des Herstellers, Vertriebs und Promoters... Sobald wir die beiden Flakes auf dem Tisch haben, werden wir Euch ausführlich über die beiden neuen Flakes berichten!!!

(rr)

Dienstag, 29. September 2015

Intertabak 2015! - ...und sonst so?

18.09.2015 / 9.45 Uhr - Vor dem Haupteingang zur Messe Dortmund huschen plötzlich eine Handvoll weißer Kittel durch die Menge, der dort auf Einlass wartenden Besucher. Ein Notfall? Nein, nur ein kleines Trüppchen von Gutmenschen sieht sich berufen, durch die Verteilung von Handzetteln auf die Gefahren des Rauchens in drastischer Form ("Intertabac - Tausend Tote unter einem Dach!") aufmerksam zu machen. Sie werden friedlich und amüsiert zur Kenntnis genommen. Drinnen herrscht bereits beachtliches Gedränge. Ein deutliches Zeichen dafür, dass das Interesse an der Intertabac jedes Jahr wächst. Genau, wie die Messe selbst.


Der größte Teil kommt aber nicht wegen der Pfeife. Elektrische Rauchgeräte, Shishas und Zigarren teilen sich den Löwenanteil an informationshungrigen Besuchern. Wer Neues und Besonderheiten zum Thema Rauchhölzer und Pfeifentabak sucht, muss schon abseits der mit gleißenden Strahlern beleuchteten Podeste suchen und sollte auch nicht damit rechnen, von einer der kurz behosten Hostessen etwas zum Thema zu erfahren. Doch, die etwas mühsame Suche lohnt sich!

Butz-Choquin, z.B. Die unter STG-Vermarktung stehende Traditionsfirma aus Frankreich hat in den letzten Jahren vornehmlich durch "Christbaumschmuck" von sich reden gemacht. Quietschbunte oder "carbonisierte" Oberflächen, seltsame Designideen... der krampfhafte Versuch im "jungen Lager" zu punkten, löste unter den Pfeifenfans eher unterkühlte Reaktionen aus. Doch wer auf der Messe richtig hin sah, entdeckte auch elegante Pfeifen aus wunderschönen Hölzern... deutlich mehr, als in den Jahren zuvor. Gefertigt mit dem Know-How, das sich die Firma über Jahrzehnte erworben hat, sind die neuen Linien von BC auch für den etwas konservativeren Käufer durchaus wieder einen Blick wert.


Einen Blick wert sind sicher auch die Pfeifen von Lorenzo. Der geneigte Fan weiß zwar, dass an die ehemals große Tradition des Hauses nur noch der Name erinnert, der Mut zur Form ist aber geblieben. Ein seltenes Eskimo-Shape findet sich neben Lesepfeifen mit S-förmigen Mundstücken und den nostalgischen Giants, die in den 80ern als Teile der "Spitfire"-Familie bereits Anlass zu erstaunter Betrachtung gaben. Die Holzqualität? Die Verarbeitung? Nun ja, recht akzeptabel. Es wird allerdings abzuwarten sein, welche Preise der Handel an die Modelle schreibt. Im unteren bis mittleren Preissegment wären die Lorenzos sicher eine Alternative für Pfeifenfreunde, die nach Originalität und formeller Eigenständigkeit suchen.


Die Pfeifen von Rattrays haben sich längst als Alternative für die Freunde des britischen Pfeifenstils etabliert. Einmal erwarb man Sympathie durch formelle Eigenständigkeit, es fanden aber auch ehemals überzeugte Peterson-Käufer zum Angebot, die mit der Qualität ihrer früheren Lieblinge nicht mehr zufrieden waren. Von A wie „Anniversary 110th“, bis V wie „Vintage Army“ setzt man weiter eher auf Kontinuität, als auf Sensation. Edel und solide auch die Meerschaum-Reihe "White Goddess". Bezahlbare Schönheit und Klassik auf feinem Niveau... und so wachsen die Sympathien in der Käuferschaft weiter - nicht zuletzt durch die liebevolle Übersicht und Präsentation der Pfeifen auf der Kopp'schen Webseite!

Paolo und Gianni Croci sind sicher auch in Deutschland keine Unbekannten. Im Gegensatz zur italienischen "Prominenz", wie L'anatra, Ser Jacopo oder Ascorti u.a., hat die Manufaktur Pipa Croci aber in unseren Breiten nie den Status eines Geheimtips überwunden. Schade, denn was am Stand der durch Molina hierzulande vertretenen Firma zu sehen war, ist prachtvoll-italienisch genug, um mehr beachtet zu werden. Durchaus vertretbare Preise sorgen außerdem dafür, gerade den Fans der italienischen Pfeifenbau-Kunst diese schönen Pfeifenlinien intensiver ans Herz zu legen.


Was ist nur im Osten los? Das dort gute Pfeifen gebaut werden, weiß man spätestens, seitdem uns Dan Pipe den Tschechen Oldrich Jirsa und seine feinen und bezahlbaren Rauchgeräte präsentiert. Doch Herr Jirsa ist bestenfalls die Spitze des "östlichen Eisberges". Kennen Sie Karel Krzka und seine kräftigen Klassiker, Dusan Doubek und seine bildschöne "Celtic Tobacco"-Linie, Pavel Hodula und seine feinen Lesepfeifen? Warum kommt aus dem Pfeifenbau-Mekka Europas, aus Polen, so wenig bei uns an? Einzelne Leute wie Andrzej Piontek und seine Mimoto-Pipes bieten bestenfalls eine Ahnung dessen, was an guten und innovativen Pfeifenmachern in unserem östlichen Nachbarland vertreten ist. Allein der Blick auf die ungeheuer lebendige Szene der Pfeife in Polen sorgt beim deutschen Betrachter für einen vor Staunen offenen Mund! Oder können Sie sich vorstellen, dass es in unserem politisch, hysterisch korrekten Land ein dreitägiges Fest zu Ehren der Pfeife gäbe?

Was bekommt man davon auf der Messe zu sehen? Den ungeheuer sympathischen "Zibi", der dort seine Freehands und sein "Mr. Brog"-Programm präsentiert... und einen schüchternen Stand von B.K.O., die einzelne Pfeifen aus Tschechien (neben ihrem sonstigen Programm) zeigen. Das ist alles? Ja... ich frage mich, wann endlich ein kluger Mensch wach wird und einen ordentlichen Vertrieb der osteuropäischen Macher auf die Füße stellt?!


Zum Thema Meerschaumpfeifen sind die wesentlichen Dinge schon lange gesagt. Das die Qualität der Altinay-Meerschaumpfeifen ohne Fehl und Tadel ist, bestreitet niemand. Ebenso wenig die Tatsache, dass die Vorkommen endlich sind und eine Rohstoff-Verknappung zu automatisch höheren Preisen führt. Ich lasse mir aber immer noch nicht ausreden, dass die doch recht deftigen Preisschilder auch damit zu tun haben, dass der zuständige Importeur sich einen satten Schluck aus der Kalkulationspulle gönnt. Das man auch günstiger an eine schöne Blockmeerschaumpfeife kommen kann, wurde hier schon an anderer Stelle erwähnt - entscheiden Sie selbst.

Was mich ein wenig irritiert, ist, dass Pfeifen mit Meerschaum-Einsätzen einfach nicht tot zu kriegen sind. Trotz mehrerer Versuche über die Jahre habe ich nicht heraus finden können, wo die Vorteile des Einsatzes aus Meerschaumpulver und Bindemittel liegen sollen. Ich sehe es immer noch als eine "Nicht-Fisch-Nicht-Fleisch"-Lösung an. Doch wenn es die Nachfrage nicht gäbe, würden sie sicher auch nicht produziert.

...und die "Einzelkämpfer"? Nun, sie sind weniger geworden, in diesem Jahr. Natürlich war auch auf dieser Intertabac "Gottvater" anwesend. Immer wieder genießt man die sympathische, bodenständige Art von Hans J. Nielsen... den die meisten Pfeifenfans besser unter seinem Künstlernamen "Former" kennen. Dieser Mann ist lebendige Pfeifengeschichte, ohne ihn gäbe es z.B. kein "Blowfish"-Shape... und doch ist er stets bescheiden, ansprechbar für Interessierte und freundlich im Umgang. Daran könnte sich mancher "Nachwuchs-Star" ein Beispiel nehmen!

Kai Nielsen fehlte (zu meinem Kummer) leider. Ebenfalls ein Großer der Szene, bei dem der Kauf einer Pfeife stets ein entspanntes, freundliches Erlebnis ist. Genau wie beim liebenswerten Ian Walker. Das seine wirklich ausgereiften und bildschönen "English Classics" hierzulande nicht noch mehr Zuspruch unter den Freunden klassischen Pfeifenbaus finden, erstaunt mich immer wieder. Vielleicht ist es seiner Bescheidenheit geschuldet?


Jogi hat in einem früheren Video mal betont, wie wichtig ihm persönliche Sympathie zum Macher bei einem Pfeifenkauf ist. Dem konnte und kann ich mich nur vorbehaltlos anschließen... und so fiel mir auf der Intertabac auf, wie sehr mir noch eine Pfeife von Jan Harry Seiffert fehlt. Dieser ausgesprochen angenehme und freundliche Mensch war eine ideale Ergänzung am Stand der Dan Tobacco (DTM) und es hat mich sehr gefreut zu hören, dass JHS die nächste "Pipe Show" des Lauenburger Hauses ausrichtet. Viele seiner am Stand ausgestellten Pfeifen lösten bei mir das spontane "Haben-Wollen-Gefühl" aus... doch meine kurz vor der Messe erneuerte Brille ließ keine weitere Kontobewegung nach unten zu. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben!


Natürlich war und ist die Stimmung durch den "Branchenknüppel" TPD 2 nachhaltig getrübt und unsicher. Letztlich war aber von Kapitulation und Resignation nichts zu spüren. Die Einschnitte werden hart, die Konsequenzen für die Branche und für Tausende von Arbeitsplätzen sind noch nicht überschaubar. Scheinheilige Politiker gefährden in ihrem Überregulierungswahn und in ihrer Sehnsucht nach diktatorischer Macht einen ganzen Wirtschaftszweig, der ihnen bislang treu das liefert, was sie am meisten lieben: Milliarden an Steuergeldern, die sie sinnlos zum Fenster hinaus werfen können! Gut, Intelligenz ist nicht gerade die Voraussetzung einer erfolgreichen Politikerkarriere... ignorante Dämlichkeit ist aber gefährlich für ALLE! Bislang hat die Branche alles brav geschluckt und umgesetzt... jetzt wird es auf der anderen Seite höchste Zeit für Mäßigung und Vernunft... wir dürfen gespannt sein.

Weitere Informationen über die Intertabac können Sie, falls gewünscht, auch meinem Video zur Messe entnehmen.

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Montag, 28. September 2015

Samuel Gawith - Bothy Flake

Soooo neu ist er nun auch nicht mehr, der „Neue“ aus dem Hause Samuel Gawith. Immer mal wieder zwischendurch präsentieren uns die Macher aus den Lakelands in England einen neuen Tabak in der typisch quadratischen Dose, selten rufen sie bei mir den sog. „Haben-Wollen-Reflex“ aus. Das mag aber u.a. daran liegen, dass mich solche Wunderkräuter wie der „Best Brown Flake“, aber auch der „Full Virginia Flake“, noch immer begeistern. Zumindest, wenn sie ausreichend abgetrocknet sind.

Die Lieferungen der jüngsten Vergangenheit stellten sich leider als der Inbegriff eines Feuchtigkeitsbehälters heraus, unmittelbar nach dem Öffnen leider so gut wie unanzündbar. Und wenn dann die Flakescheiben auch noch zu dick sind, dann passiert genau das, was der passionierte Pfeifenraucher für gewöhnlich nicht möchte. Nämlich sich ärgern. Also bedarf es eben eines besonders guten Geschmacks, wenn man sich einen Samuel Gawith gönnt, der zudem die 12-Euro-Marke längst überschritten hat. Das, was sich auf der Zunge offenbart, ist immer noch das entscheidende Argument. Sozusagen die höchste Hürde, die ein Tabak im Zuge der nicht wenigen Neuerscheinungen überspringen muss.


Und so komme ich nun endlich zum „Bothy Flake“, der seit einigen Monaten in den Regalen steht. Ein Virginia mit etwas Latakia, der uns suggerieren soll, dass wir bei typisch schottischen, rauen Winden in einer Schutzhütte unter kommen und gemütlich mit einer Pfeifenfüllung, voll mit sensationellen Grundtabaken und einem dezenten Highland-Whisky-Flavour, auf besseres Wetter warten. Ich nehme es vorweg, der „Bothy Flake“ ist kein Aromat. Es mag sein, dass das „Whisky-Topping“ der Abrundung dient, mehr aber auch nicht.


Bereits beim Öffnen der Dose, nach dem Plopp, weiß man zu 100 %, dass es sich um einen Samuel Gawith handelt. Ein unverkennbarer Stallgeruch, ein Alleinstellungsmerkmal in der Tabakindustrie. Der Latakia scheint nur geringfügig beigemischt zu sein, denn alte Socken findet man in keinem Winkel der Dose. Dem Geruch nach eindeutig ein Virginia, der aber erst einmal geraucht werden soll, um einen stichhaltigen Eindruck zu gewinnen.

Hat man die Nässe und Dickwandigkeit der Flakescheiben überwunden, ja, das Stopfen einer Pfeife kann so seine Tücken haben, dann merkt man, dass dieser Virginia nicht mit einer überbordenden Süße trumpft. Entweder ist es der Latakia, der dem Tabak die erdige Bodenständigkeit verleiht, oder die gesamte Verarbeitung des Virginias hat hier einen etwas anderen Verlauf genommen. Es muss eine Kunst sein, den Latakia so in die Mischung einzubringen, dass sich selbst bei mir, der diesem Würztabak für gewöhnlich gar nichts abgewinnen kann, ordentlich Sympathie breit macht. Ich mag das, insbesondere jetzt im Herbst. Habe ich bei Mac Barens „Latakia Blend“, diesen Coins, eine Spur mehr an Latakia vermisst, so finde ich ihn im „Bothy Flake“ sehr wohlwollend dosiert. Er ist und bleibt ein Virginia und mutiert nicht zur Stinkbombe.

Der Lakelander ist für gewöhnlich kein Leichtgewicht, Nikotin ist zumeist ausreichend vorhanden. So auch hier, was für gewöhnlich ein zünftiges Sättigungsgefühl mit sich bringt. Deswegen ist der „Bothy Flake“ auch nicht das, was man schlicht als Allday-Smoke bezeichnet. Nein, er ist ein Tabak für Virginia-Fans, die in manchen Momenten auf etwas natürliche Süße verzichten möchten und sich einen Touch von Rauchigkeit wünschen. Für die, und zwar nur für die, lohnt sich der „Bothy Flake“. Latakia-Fans, die sich für gewöhnlich an den englischen Dunhill-Tabaken ergötzen, können sich den Kampf gegen die Nässe und die Sperrigkeit des geschnitten Tabaks ersparen. Sie werden damit nicht glücklich. Für alle anderen gilt, den „Bothy Flake“ einfach zu probieren!




Autor: Ralf Ruhenstroth

Dienstag, 22. September 2015

St. Bruno - Eine leckere Legende!

Nein, ein Tabak-Review wird das sicher nicht. Würden Sie eine Rezension zu "Vom Winde verweht" schreiben wollen oder eine Kompositionsbeurteilung zu Ludwigs Fünfter? Ich nicht!

Thomas Ogden ist einer meiner ganz persönlichen Pfeifenhelden. Was er gemacht hat? Nun, er eröffnete 1860 in der Park Lane in Liverpool das erste Tabakfachgeschäft am Ort. Zusätzlich betrieb er ab dem Jahr 1870 in der St. James Street eine kleine Manufaktur, in der er seine eigenen Pfeifenkräuter kreierte. 1896 muss er eine besondere kompositorische Sternstunde erwischt haben... es wurde der Geburtstag eines Tabaks, der bis heute Raucher auf der ganzen Welt begeistert, dem die treuesten, noch lebenden Fans seit 40 Jahren, zusprechen: ST. BRUNO!

Ogdens Tabake erhielten so viel Zuspruch und waren ob ihrer Qualität so gefragt, dass Thomas 1899 in der Boundary Lane, Liverpool, ein Unternehmen schuf, dass all' seine Aktivitäten unter einem Dach bündelte. Ogden of Liverpool war gegründet und stieg als Ogden Ltd. recht rasch zu einem der bedeutensten Tabakproduzenten Englands auf.

Copyright: Sue Adair

Doch, es waren rauhe Zeiten, in die hinein die Ogden Ltd. geboren und groß wurde. Der Tabakkrieg war in seiner heftigen Phase. Die mächtige American Tobacco, auf der anderen Seite des Atlantiks, und die bedeutenden englischen Tabakproduzenten lieferten sich um die Wende zum zwanzigsten Jahrhundert eine regelrechte Wirtschaftsschlacht um die Marktanteile sowohl in der neuen, als auch in der alten Welt. Eine taktische Meisterleistung, verbunden mit Unsummen von Geld, sorgte 1901 dafür, dass die American Tobacco Thomas Ogden`s Firma mit Mann und Maus aufkaufte. Für seinerzeit unvorstellbare 818.000 englische Pfund!

Ein unglaublicher Schlag für die englische Tabakindustrie, der dazu führte, dass die dreizehn bedeutendsten Betriebe Englands sich zur Imperial Tobacco England zusammen schlossen. Das so erreichte Gleichgewicht der Kräfte sorgte 1902 dafür, dass zwischen beiden Seiten eine Art Waffenstillstand geschlossen wurde. Die englische Seite stellte aber die Bedingung, die Ogden Ltd. zurück zu bekommen und die Firma in die Imperial Tobacco England zu integrieren. Der Forderung wurde entsprochen. Eine weise Entscheidung, die nicht nur Millionen von Dollar und Pfund sparte, sondern beiderseits des großen Teiches tausende von Arbeitsplätzen dauerhaft sicherte.


All' diese Turbulenzen hat der St. Bruno schadlos überstanden. Ebenso, wie zwei Weltkriege und den seit den 90er Jahren ständig schrumpfenden Absatzmarkt. Es gibt ihn immer noch, heute vertrieben von der STG und hergestellt bei Orlik. Vornehmlich in Spanien ist er heute, außerhalb Englands, anzutreffen. Warum er nicht mehr bei uns zu kaufen ist, bleibt mir ob der regen Nachfrage deutscher Fans ein Rätsel. Es gibt ihn als Flake, als recht "ruppig" zerfaserten Ready Rubbed... und zumindest gab es ihn auch in einer fein geschnittenen Version, über deren Verbleib mir nichts bekannt ist. Viele St. Bruno-Fans berichten davon, dieser Schnittform lange nicht begegnet zu sein. Wohl eines der kleinen Geheimnisse, die sich um diesen Tabak immer wieder ranken.


Kein Geheimnis ist seine Zusammensetzung. Verschiedene Virginias und kräftige Kentuckys sorgen, zusammen mit einer floralen Aromatisierung, für einen "Lakelander" feinsten Wassers... auch, wenn Cumbria und Liverpool achtzig Meilen voneinander entfernt sind. Man muss ihn mögen, diesen deftigen, kräftigen Kerl mit seiner Note von Blumenaroma und Rasierwasser. Doch wem dieses Aroma zusagt, der liebt den St. Bruno von Herzen... und seine Anhänger nehmen einige Mühen auf sich, seiner habhaft zu werden. Schade, dass sich die STG bislang nicht durchringen kann, diesen Tabak auch wieder über deutsche Theken zu vertreiben.


Bleibt noch eine Frage offen... wieso heißt der eigentlich St. Bruno? Nun, gesicherte Erkenntnisse gibt es nicht, aber zumindest eine begründete Vermutung. Im Jahr 1150 vermachte der dritte Duke of Durham ein Stück Land den Benediktinern. Ein Orden, der auf den heiligen Bruno zurück geht. (Naja, man sollte lieber sagen, auf EINEN heiligen Bruno... von denen gibt es nämlich in der Geschichte der katholischen Kirche so einige!) Die Benediktiner bauten jedenfalls auf diesem Land ein Kloster und betrieben es bis zum Jahr 1536. Die Ruinen dieses Klosters sind aber bis heute weithin zu sehen... und bei der Lage von Thomas Ogdens damaligem Geschäft ist sicher, dass Thomas beim Mischen seiner Tabake stets durch sein Fenster eben diese Ruinen sah. Das könnte Inspiration genug gewesen sein, um einem der erfolgreichsten und ältesten Pfeifentabake seinen Namen zu geben.

Etwas schwieriger wird die Erklärung, warum sich in zeitgenössischer Werbung für den St. Bruno immer wieder der Bernhardiner mit dem berühmten Tabakpaket um den Hals herum treibt. Diese ehemalige Rettungshunderasse geht nämlich zurück auf eine Züchtung des Augustinerordens und trotz intensiver Suche ist es mir nicht gelungen, den Augustinern eine Verbindung mit den Benediktinern anzuhängen.

Nun, hier hat wohl der freie Geist der Werbebranche sein Unwesen getrieben. Was solls, immerhin waren die Spots originell und sind bis heute Klassiker - wie der Tabak.

St. Bruno, ein Fels in der Tabakbrandung seit 119 Jahren. Ein Tabak, der Generationen von Fans begeistert hat und es immer noch tut. Ich möchte ihn nicht missen und hoffe von Herzen, dass er auch mich überlebt. Danke, Mr. Ogden, Sir!

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Montag, 14. September 2015

BALLISTOL - Das Wundermittel?

Kennen Sie die Szenen aus Westernfilmen, wo ein seltsamer Kauz, bevorzugt mit abgestoßenem Zylinder und löchrigem Frack, auf einem bunten Karren mit zerzaustem Maultier in die Städtchen einfällt, um seine Tinktur "Doc Miller`s Wunderwasser" (oder ähnlich) an die gutgläubigen Frauen und Männer zu verkaufen? Dieses Gebräu hilft gegen alles... Leibschmerzen, Kurzsichtigkeit, Plattfüße und es dient vorzüglich zur Ölung des Peacemakers oder der doppelläufigen Schrotflinte! Lächeln Sie dann auch stets überlegen und entlarven das Wundermittel mit einem Blick als Scharlatanerie? Sind Sie sich da wirklich sicher?

Wenn ich all' die Wundergeschichten höre und lese, die man sich aus den letzten Jahrzehnten über BALLISTOL und NEOBALLISTOL erzählt und schreibt, kann ich Doc Miller nicht in Bausch und Bogen verurteilen. Allerdings bin ich in diesem Fall befangen, gehöre ich doch seit jeher zu den "Hardcore-Ballistolern". Es mag daran liegen, dass ich meine Kinderstube zum großen Teil im Umfeld von Jägern zubrachte. So behandelte ich neulich noch eine entzündete Schnittwunde an meiner Hand nur mit Sorgfalt und Ballistol... mit wieder einmal überzeugendem Erfolg. Ich will aber die Neo-Pharma-Gläubigen nicht verschrecken und außerdem gehört das nicht hierher.


WAS hierher gehört, ist der Tipp, angeranzten, blass und alt aussehenden Pfeifen mit feiner Stahlwolle und Ballistol auf den Leib zu rücken. Ja, bei Stahlwolle habe ich auch erst einmal gezuckt... aber probieren geht über studieren. Testobjekte wurden eine Vauen und eine Stanwell, jeweils rund 30 Jahre in meinen Diensten, sowie eine Winslow E, die zu verführerischem Kurs zu mir fand... allerdings auch so aussieht! Leichte, schwarze Ränder am und um den Kopfrand, stumpfes Holz, matte Beize, blasse Zeichnung... die Symptome waren bei allen Probanden gleich.

Folgen wir also der Empfehlung und wischen die Pfeifen zunächst mit einem feuchten Tuch ab. Danach wird der Korpus UND das Mundstück mit feiner, mit Ballistol getränkter Stahlwolle abgerieben. Wobei das nur wirklich bei Kautschuk-Mundstücken empfohlen werden kann. Acryl-Mundstücke würde ich hier generell ausnehmen - denen schadet das eher und sie sind deutlich einfacher wieder zu altem Glanz zu bringen!


Hier wird es Zeit für einen Einschub: Wenn Sie sich fragen, wie man an die passende Stahlwolle kommt, empfehle ich, ein ABRAZZO (oder ähnliches Produkt) durch gründliches Ausspülen mit heißem Wasser von der aufgebrachten Seife zu befreien und es danach trocknen zu lassen. Diese Pads eignen sich dann sehr gut. Sie können entsprechende Stahlwolle aber auch bei Ihrem nächsten Baumarkt-Besuch erwerben.

Zweiter Punkt: Das Kautschuk-Mundstück sollten Sie nur mit behandeln, wenn Sie die früher übliche, seidenmatte Ausführung dieser Teile mögen... oder über eine Politurscheibe für die nachträgliche Aufglänzung verfügen.


Nach dem erstmaligen Auftrag geben wir nun dem Ballistol 15 Minuten Zeit, um wirken zu können. Danach erfolgt die Politur mit einem weichen Tuch... und das erste, erstaunte Gesicht. Die schwarzen Kopfränder haben sich weitgehend verabschiedet, Holzmaserung und Beize wirken deutlich frischer und leuchtender, das Holz hat einen weichen Griff. Die angstvolle Kontrolle im Sonnenlicht offenbart keine Kratzer im Holz, der Mut zur Fortsetzung steigt.


Zweiter Durchgang, genau wie oben beschrieben und wieder 15 Minuten warten. Nach gründlicher Politur mit dem weichen Tuch präsentiert sich ein wirklich überzeugendes Ergebnis. Leuchtende Farben, klare Kontraste, saubere Kopfränder. Die Pfeifenkörper wirken um mehrere Jahrzehnte jünger, gepflegt und samtweich. Wer hat und will, kann danach noch einmal mit der Plüschmulle drüber polieren - wirklich nötig ist es aber nicht.

Die Kautschuk-Mundstücke werden ebenfalls sehr sauber und fleckenfrei schwarz... nur eben matt, doch dass werden sie mit anderen Reinigungsmethoden auch und bleiben es, wenn man sie danach nicht maschinell aufpoliert. Allerdings gibt es um den Glanz bei Ebonit-Mundstücken ohnehin einen "Glaubenskrieg". Die Traditionalisten wollen gerade den matten Zustand, da er der früher üblichen Erscheinung entspricht. Entscheiden Sie selbst, wie sie es mögen!


Wer sich am Geruch des Ballistol stört, der ein wenig an Vogelsand erinnert, kann beruhigt sein. Nach dem Auspolieren und ein paar Minuten lüften, ist er weitgehend verschwunden. Ich kaufte bereits vor diesem Experiment Ballistol in größeren Haushaltsmengen... weil ich es halt (s.o.) sehr vielseitig einsetze. Jetzt wird dieser Verbrauch noch merklich steigen. Das Ergebnis hat mich so überzeugt, dass ich das, nach und nach, all' meinen hölzernen Lieblingen angedeien lassen möchte. Ein ehrgeiziges Projekt... doch der nächste Winter kommt bestimmt!

...und wenn Sie mehr wissen möchten, über den (beinahe) Alleskönner Ballistol, schauen Sie sich doch hier mal um. 

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Donnerstag, 10. September 2015

McClelland - Captain Cool

Ich möchte noch ein paar Tabake nachreichen, nach dem ich mir in der Sommerzeit eine Auszeit vom virtuellen Pfeife rauchen im Internet gegönnt habe. Ein Amerikaner ist angesagt, eine aromatische Mischung aus McClellands „Premium Aromatic Serie“. Ich gebe zu, dass ich mir den „Captain Cool“ aufgrund seiner bloßen Beschreibung ganz sicher nicht gekauft hätte. Der eine oder andere Liebhaber naturnaher Mischungen hatte allerdings von sich gegeben, dass die Verwendung von Vanille in Verbindung mit Minze ein durchaus interessantes Gesamtergebnis liefern kann. Ein Exot, in jeder Hinsicht, wie ich meine.


Der Tabak zum Kaffee am Nachmittag also. Ich habe die Herausforderung angenommen und die Dose geöffnet. Klar, überwiegend Black Cavendish, aber auch Virginia findet sich in der Dose. Das lässt mich hoffen, in der Annahme, dass der helle Virginia-Tabak nicht nur aus optischen Gründen seinen Weg in die Mischung gefunden hat. Der Duft erscheint mir einzigartig. Das habe ich beim Pfeifentabak, so in dieser Form, noch nicht erlebt. Weder die Vanille, noch die Minze, kann ich eindeutig identifizieren. Viel mehr scheint es die Kombination aus beidem zu sein, die diese süßliche, wie ich finde sehr angenehme Duftnote, ausstrahlt. Übrigens: Kein „McClelland-typischer Essiggeruch“. Den scheint man bei den aromatischen Mischungen im Hause außen vor zu lassen.


Das Kraut macht einen feuchten Eindruck, doch nach dem leichten und problemlosen Stopfen lässt sich dieser McClelland solide und ohne besondere Vorkehrungen anzünden. Ultraleicht schmaucht sich der „Captain Cool“ vorzugsweise in einer Pfeife mit etwas größerem Füllvolumen. Zunächst bleibt es dabei, dass weder die Vanille, noch die Minze das Spielgeschehen bestimmen. Mit zunehmender Rauchdauer, in etwa ab der Hälfte der Füllung, habe ich den Eindruck, dass die Minze die Führung übernimmt. Das Ganze ist nicht bappig, sondern recht sorgsam ausbalanciert, wie man es bei einem Aromaten in seltenen Fällen erlebt.

Bis zum Ende scheint alles ausgewogen, leicht und ohne Sottern. Ein Tabak bis 17.00 Uhr, danach darf es dann doch etwas kräftiger sein. Ohne Frage, der „Captain Cool“ hat aufgrund seiner außergewöhnlichen Kombination an Aromen seine Daseinsberechtigung. Hin und wieder ein Döschen, und die Momente des Naschens sind gesichert. Da er hier nicht so ohne weitere Probleme zu bekommen ist, genieße ich den Tabak in Maßen, meistens in der Tat am Nachmittag zu einer Tasse Kaffee. Dafür scheint er gemacht zu sein!



Autor: Ralf Ruhenstroth