Willkommen bei Jogi-wan...

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Montag, 27. Juli 2015

Kolumne: TPD 2 - Jetzt wird's hart!!



TPD 2... Hinter diesem scheinbar harmlosen Kürzel versteckt sich die Tabak-Produkt-Direktive 2. Von der EU beschlossen und in Deutschland umzusetzen, bis Ende Mai 2016. Diese scheinbar harmlose Ankündigung wird auch unter den in Deutschland angebotenen Pfeifentabaken wüten, wie der Sensenmann auf Extasy... das ist nur scheinbar beim Endverbraucher noch nicht angekommen. Während sich unter den "Dampfern" schon lange wütender Protest wegen des Artikels 20 dieser Direktive breit macht, scheint der deutsche Pfeifenraucher den Kopf in den Sand zu stecken. Frei nach dem Motto: "So schlimm kann's nicht werden!" DAS ist aber ein fataler Irrtum!

Für den Fall, dass sich die Konsequenzen aus dieser weiteren, von den "Volksvertretern" begangenen Freiheitsberaubung noch nicht herum gesprochen hat, möchte ich hier einen entscheidenden Punkt kurz erläutern.

Nein, es geht nicht um die, in aller Munde befindlichen, Schockbildchen auf den Verpackungen... obwohl auch die schon eine massive Veränderung des Erscheinungsbildes mit sich bringen, müssen sie doch 60% der Oberfläche bedecken! Der Kunde ist kaum noch in der Lage, seinen Tabak am Verpackungsdesign zu erkennen, der Händler muss (je nach bisheriger Präsentation) u.U. weitreichende Änderungen vornehmen, um im wahrsten Sinn des Wortes noch den Überblick zu haben... und auf die Produzenten kommen enorme Mehrkosten in Form völlig veränderter Erscheinungsbilder und zu ändernder Designs zu. Über die Sinn-und Wirkungslosigkeit der farbigen Schreckenskabinette auf Schachteln, Pouches und Dosen geben gern die Länder Auskunft, die diesen aktionistischen Schwachsinn schon vor längerer Zeit eingeführt haben.

Ebenfalls findet sich in der TPD 2 ein Verbot, Aromatisierungen über den Namen zu vermitteln. Sie sollten einen Moment inne halten, um zu realisieren, welche katastrophalen Auswirkungen das auf den deutschen Pfeifentabak-Markt hat!

RUM and MAPLE? SWEET VANILLA HONEY DEW? PLUMCAKE? M.A. CARAMELLO? EXCLUSIV SHERRY and CHERRY? RADFORDS RUM ROYAL?

Diese Tabake werden schlicht verschwinden, genau, wie viele, viele andere Marken auch, die einen Hinweis auf ihre Aromatisierung im Namen tragen. Alle? Alle! Unter dem scheinheiligen Deckmäntelchen angeblicher Krankheitsprävention wird hier in einem Maß in die Freiheit des Marktes eingegriffen, wie man es aus früheren Zeiten nur von übelsten Diktaturen kannte. Die Konsequenz größerer Firmen wird sein, u.U. ganze Marktsegmente aufzugeben. Besonders hart trifft es aber spezialisierte Häuser mittelständischer Größe, wie z.B. DTM.

Ist man hier allein schon wegen der ständig sinkenden Zahl der Pfeifenraucher nicht gerade auf Rosen gebettet, erfordern die Vorgaben und Verbote weitere Investitionen, die man allein mit Enthusiasmus nicht mehr stemmen kann. Die TPD 2 wird in vielen Fällen ein Existenzvernichtungsprogramm feinster Güte sein. ...und das nur, weil die Politik sich weltweit von den mafiösen Strukturen der Pharmaindustrie zum Handlanger und Schuhputzer degradieren lässt. Was ist schon Wahrheit und Besonnenheit gegen die entsprechende Summe Bares?


Wir alle können uns an fünf Fingern abzählen, wann Bilder kariöser Zähne auf Schokoriegeln erscheinen, kaputte Lebern die Single-Malt-Flasche zieren und sich eingravierte Totenköpfe auf Holzkohlegrills befinden müssen. Die nutzt dann aber eh kein Mensch mehr. Die Bilder verklebter Arterien auf Bratwurst-und Steak-Verpackungen werden bereits im Vorfeld für Appetitlosigkeit sorgen.

Sie können sich nicht vorstellen, dass es so weit kommt? Ich bitte Sie... hätten Sie sich noch vor wenigen Jahren vorstellen können, dass freie Marktwirtschaft derart mit Füßen getreten wird? Nur, damit sich die Verantwortlichen an ihrem, zugeteilten Stück vom Kuchen noch fetter fressen können? Politische Quittung? Was soll das nutzen? Wir alle sitzen im gleichen Zug zu einem verheerenden Ziel... keine Weichen, keine Bahnhöfe. Was nutzt es, wenn man uns alle vier Jahre erlaubt, den Lokführer zu wechseln?

Was hier noch folgen kann, ist die Aufforderung zu Hamsterkäufen. Es ist nämlich nicht mehr viel Zeit... wie schnell ist es wieder Mai? Nun, zumindest bleibt noch Zeit, uns zu schämen. Während die rebellischen "Dampfer" zumindest Protest und Widerstand organisieren, sitzen wir wieder einmal in der Ecke, halten uns Augen und Ohren zu und hoffen, dass der Kelch erneut an uns vorbei geht. NEIN, diesmal eben nicht!


Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Sonntag, 26. Juli 2015

DTM - Torben Dansk - Blue Note

Art Blakey & The Jazz Messangers hören, die letzte Dan Pipe-Rechnung bezahlen und dabei einen Tabak rauchen, dessen Name schon an die Musik gemahnt, die ich seit Wochen fast ausschließlich höre: Das passt!

Die Herstellerbeschreibung gibt nicht viel her:
“Feinste goldene Virginia Grades mit hohem Anteil natürlicher Süße und ein besonders weicher Black Cavendish werden einige Wochen zur Reifung gelagert. Ein frisches Flavour aus Essenzen exotischer Früchte mit einem Hauch Bourbon-Vanille verleiht dieser duftigen, außergewöhnlich sanften Mixture das gewisse Etwas, das besondere Flair… wie die blue note in Blues, Jazz und Pop-Musik.”




Vanille? Exotische Früchte? Ich kann von beidem nicht wirklich etwas erschmecken. Allerdings: Der Tabakrauch ist süß und aromareich. Im Raumduft ist die Vanille zu erahnen… ansonsten ist das einfach nur indifferent süß. Vor 12 Jahren schrieb ich noch von erkennbarer Vanille und Frucht…

Abgesehen von dieser Einschätzung damals hat sich mein Eindruck nicht sonderlich verändert. Das Stopfen, Entzünden und Rauchen des „Blue Note “ ist ein Kinderspiel, das kriegt jeder hin. Wegen des hohen Anteils an ready-rubbed Virginias glimmt der Tabak gemütlich ab, ganz selten muss man den Stopfer bemühen, noch seltener den Reiniger – für einen solchen Aromaten raucht er sich erfreulich trocken. Obwohl ich immer häufiger – ja eigentlich fast ausschließlich – filterlos rauche, habe ich den „Blue Note“ eher mit geraucht. Die Begründung dafür gab ich bereits vor 12 Jahren: “Dabei hat mir das filterlose Rauchen mehr zugesagt. Denn hier wird das Aroma im Laufe des Rauchens immer geringer und im letzten Drittel der Pfeife schmeckt der Tabak nur noch leicht aromatisiert – und so gefällt er mir besser. Das gilt allerdings nur für das filterlose Rauchen. Wenn ein Kohle- oder Meerschaumfilter benutzt wird, bleibt das Aroma sehr konstant.”

Allerdings haben sich inzwischen wohl meine Vorlieben geändert – ich mag jetzt, dass der Tabak bis zum Ende hin sein süßes Aroma beibehält. Mein Hauptgrund, weshalb ich den Tabak nicht unbedingt noch einmal bestellen werde: Er ist mir zu leicht. Wohlschmeckende, geschmacklich und im Geruch seine Herkunft aus Lauenburg nicht verhehlen könnende… warme Luft. Eines von den Kräutern, welches – wie so ziemlich jedes aus der Torben-Dansk-Serie – richtig guten Tabak bietet, dass sich einfach und problemfrei rauchen lässt, schöne Asche ergibt und Mitmenschen zu Fans von Pfeifenrauchern werden lässt. Aber den gestandenen Raucher selbst ein klein wenig unbefriedigt zurück lässt.



Autor: Nic Frank

Mittwoch, 22. Juli 2015

Der Pirat ist wieder solo - Tortuga Babes!

Es ist noch kein Jahr her, da besuchte ich Achim Menzel und seinen Schwiegersohn Rouven Kolling in Recklinghausen. Sie ließen dort unter dem Banner des "Handpipes Kontor" die früher von Achim Menzel bereits gebauten "Tortuga Babes" wieder aufleben. Pfeifen, an denen sich schon immer die Geister schieden. Jede Menge Holz, karibisch bunte Mundstücke und Applikationen. Fröhlich entspannte Vollfettstufe, statt "Weight Watchers Design"... und natürlich mit der silbernen Schildkröte auf dem Mundstück. So, wie es sich für eine echte Tortuga gehört.... und viele Fans haben sich über die Rückkehr dieser Genussgeräte gefreut.

Copyright: Achim Menzel

Copyright: Achim Menzel

Nun, "das Leben" macht auch vor Pfeifenmachern nicht halt und so geschehen eben auch unerwartete Dinge. Wie die Trennung von Achim und Rouven aus persönlichen, familiären Gründen. Wer nun aber glaubte, dass damit auch das Schicksal der "Tortuga Babes" endgültig besiegelt sei, sieht sich dieser Tage angenehm überrascht. Der "coolste Bankdirektor a.D." besann sich auf seine Wurzeln und kehrte zurück in seine Kellerwerkstatt, die er vorher technisch entsprechend aufrüstete.

Copyright: Achim Menzel

Copyright: Achim Menzel

Von dort kommen jetzt wieder die "originoolen" TORTUGA BABES... und das sogar noch karibischer und phantasievoller, als früher.

Schauen Sie unter: www.tortuga-pfeifen.de doch mal rein!  Ist was neu? Nö, Achim Menzel baut Tortuga Babes. Das hatten wir doch vor Jahren schon. Ja... und es ist schön, dass es wieder so ist!




Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Mittwoch, 15. Juli 2015

HU-Tobacco - Green Gold

Sommer - Zeit für Tagträume in entspannter Atmosphäre. Schließen Sie die Augen und folgen Sie mir... auf eine sattgrüne Wiese, die über und über mit prachtvoll-bunten Blumen geschmückt ist. Die Sonne wärmt Ihr Gemüt, dass gemütlich-tiefe Brummen von Bienen und Hummeln erfüllt die Luft. Eine Luft, die so angefüllt ist mit Sommerdüften, dass Sie sie förmlich auf der Zunge spüren können. Die milde Süße der Blüten, von fern weht die Würze frischen Heus herbei, das schwere Aroma sonnenwarmer Erde und über allem der herb-säuerliche Hauch der Bergamotte! PLOPP! Tagtraum geplatzt! Wer ist Bergamotte... und wie riecht das? Ach, kommen Sie... etwas Konzentration bitte!


Die Bergamotte gedeiht in einem schmalen Streifen Kalabriens, der Spitze des italienischen Stiefels. Die rundliche Frucht dürfte aus einer Kreuzung aus Zitrone und Bitterorange entstanden sein. Ihr säuerlich-bitteres Öl hat auch bei der Aromatisierung von Pfeifentabak eine lange Tradition... und wenn Sie unbedingt ein Schleckermaul sein wollen... sie findet auch in Bonbons und Marmeladen Verwendung. Das wird mir jetzt hier aber zu sachlich... wir wollten uns doch dem Tagtraum ergeben...

Jetzt wollen Sie auch noch wissen, wie das im Tabak schmeckt? Bitteschön, es ist ja Ihre Zeit... dann ist eben Schluss mit träumen.


Obwohl sich diese Mixtur von Hans Wiedemann durchaus dazu eignet - vor allem im Sommer. Ein mittelbrauner, mildwürziger Virginia Broken Flake, der in sehr freundlicher Manier seine Süße und seine Heunote mitteilt. Ein feinnerviger, aber runder Genuss, der nie überfordert oder anstrengt. Dazu gesellt sich die säuerlich-pikante Note der Bergamotte, die dem Mix die zusätzliche Frische gibt und zum Glück eher federleicht, als dick aufgetragen daher kommt. Das passt zum Sommer, wie ein knackiger, delikater Salat... Grünkohl kriegen wir im Winter wieder.


Die richtige Mixtur für die Liebhaber naturnaher Virginias... mit dem zusätzlichen Kick für die sonnigen Genießerstunden und eine dicke Empfehlung für Freunde leichterer Tabake, sowie für den Einsteiger. Der „Green-Gold“ hat (schon aufgrund der Broken-Flake-Darreichung) gern etwas Platz in der Pfeife und scheint große Köpfe für die richtige Entfaltung zu lieben. Er glimmt entspannt an und durch, ohne Zicken und erhöhten Aufmerksamkeitsbedarf und lässt nur ein Häufchen hellgrauer Asche zurück. Noch feinere Nuancen entdecken die oFi.-Raucher, doch auch für Filterfreunde präsentiert er sein sympathisches Sommergefühl.

...und mit dem träume ich mich jetzt zurück auf die Wiese... falls Sie Lust haben, dazu zu stoßen.

Tabak: aus laufender Produktion, etwas nachgetrocknet.
Pfeifen: Mimoto Poker, Nils Thomsen Calabash (ohne Filter)
Zibi Olive Giant, Davorin Poker SE (9 mm Filter von Dr. Perl)


Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Montag, 13. Juli 2015

Peterson - Summertime 2015

Hätte ich in der vergangenen Woche bei sengender Hitze über den Peterson „Summertime 2015“ urteilen müssen, dann wäre nur eines in Betracht gekommen: Griff an die Dose schrauben und wegwerfen! Inzwischen hat der Sommer seine Temperaturen auf ein erträgliches Maß reduziert, doch der Tabak wird nicht viel besser. Es sind in gewohnter Manier Virginias und Burleys, dazu gibt es Black Cavendish, der in Aromen von exotischen Früchten ge- bzw. ertränkt wurde. Dabei verspricht Peterson auf der Dose einen natürlichen Tabakgeschmack mit einem Hoch von Exotik.


Ganz ehrlich... während viele Pfeifenfreunde bereits beim Geruch aus der Dose abdanken und mit gesenktem Haupt das Spielfeld verlassen, gehöre gerade ich zu denen, die immer noch an das Gute in der Dose glauben. Aber jetzt ist wirklich Schluss. Diese Special Editions duften allesamt gleich und sie ähneln sich auch im Geschmack. Mal ist es etwas Likör, mal sind es etwas Vanille und Schokolade, und hier sind es angeblich exotische Früchte, die einem die sommerliche Zeit versüßen sollen.


Zugegeben, der Tabak im schmucken Zellophanbeutelchen ist gut konditioniert und lässt sich perfekt stopfen. Auch das Anzünden klappt wie gewohnt gut. Doch dann raucht er sich mit großer Langeweile, die Füllung verfällt in Siechtum, weil einfach keine überraschenden Momente vorhanden sind und das Kraut auch noch ultraleicht ist. Qualmgetöse, sonst nichts. Sollte ich jetzt das Wort „leider“ benutzen? Nee... auf gar keinen Fall. Das ist Vorsatz von Seiten Peterson, denn selbst dem Blödesten müsste auffallen, dass dieser Tabak so langweilig ist, dass einem beim Rauchen die Augendeckel nach unten rutschen. Man sollte meine Feststellungen ganz einfach als Warnung ansehen. Dennoch wird es genügend Unbelehrbare geben, die die 21,40,-- Euro/100 g auf den Ladentisch legen. Erst, wenn dieser Schmarren nicht mehr gekauft wird, bleibt die Pfeifenraucherszene von solch' Rauchpappen verschont.





Autor: Ralf Ruhenstroth

Freitag, 10. Juli 2015

Stefan Meier Freiburg - Flake N° 22

Och ne... ich hab' das nicht mit Sommertabaken. Früchte sind mir während der sonnigen Jahreszeit im Eisbecher lieber. Gleiches gilt für Vanille, Schokolade und sonstige Ingredenzien. Mir sagt ein Tabak einfach mehr, wenn er nach Tabak schmeckt. Trotzdem erscheinen mir Kräuter (vor allem Flakes), wie der "Old Dark Fired", der "St.Bernard" oder die diversen Leckerchen aus den Lakelands, die ich sonst zu meinen Lieblingen zähle, ein wenig zu schwer für ernsthafte Sommertemperaturen jenseits der 30-Grad-Grenze.


So bin ich stets auf der Suche nach sanften, milden Virginia-Flakes... und dank meines Freundes Renato mal wieder fündig geworden. Die Hubers (ja, die Inhaber heißen Huber, obwohl der Laden Meier heißt - etwas komplex) haben einen Flake von Kohlhase & Kopp als "Hausmarke 22" im Programm, der so recht in die Kategorie Sommerflakes passt.

Mild, süß und sanft, doch keineswegs langweilig präsentiert sich der helle Virginia als ganzer, gefalteter Strang. Schon der feine Duft nach Heu und Rosinen, die gute Konsistenz und das appetitliche Bild machen Lust auf ein Pfeifchen.


Allzu schnell wirken diese Leichtgewichte unter den Flakes langweilig. Nicht so der 22er. Ausgeprägt zungenmild vermittelt er ein sauberes Aroma der bereits erschnüffelten, süßen Heunote, gibt obendrauf noch eine Ahnung von Erdigkeit und dunklem Brot und erreicht so eine Süffigkeit, die über die ganze Füllung hält, doch nie belastet oder überfordert. Er glimmt sauber und völlig zickenfrei und macht auch bei tropischen Verhältnissen durchaus Lust auf mehr.

Übrigens auch eine gute Ganzjahres-Empfehlung für Einsteiger im Flakebereich. Unkompliziert zu handhaben, mit delikat-mildem Geschmack und gutmütigen Glimmeigenschaften klappt der Flake-Einstieg völlig stressfrei! Es bleibt auch mit Filter genügend Freude am Geschmack, in oFi's genossen kommt ein wenig Tiefe und "Rosinenbrot" dazu. Er bleibt aber auch ohne Filterung seinem sanften Charakter treu.


Mit dem 22er erhält man einen idealen Sommertabak, fern von "Summertime Breeze", "Tropical Night" und ähnlich benannten, mit Pastellfarben aufgeplusterten Cocktail-Kräutern. Nur auf die bunte Kirmes-Dose, mit dem, Marimba spielenden, Engel im Baströckchen muss verzichtet werden... wie hart Sie das trifft, müssen Sie selbst entscheiden!

Tabak: aus laufender Produktion, nicht nachgetrocknet.
Pfeifen: Holmer Knudsen "Danpipe 2006", Davorin Halfbent 142, alle 9 mm-Filter (Dr.Perl) Mimoto Cutty, Ronny Bolz "Bamboo"-Apple, alle ohne Filter.


Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Sonntag, 5. Juli 2015

"Beer Creativ - Pfeifenstopfer Racer R 66" - der bessere Tsuge?

Ist dies ein Luxusartikel? Klare Antwort: nein! Diese Antwort lässt sich leicht begründen. Jeder unter Ihnen, der beruflich oder aus Hobbygründen mit Werkzeug zu tun hat, kennt das frustrierende Gefühl, mit schlechtem Material zu hantieren - es nervt ganz einfach! ...und auch, wenn wir kein Vogelhäuschen bauen, sondern eine Pfeife nachstopfen wollen - dieses Gefühl stört auch bei unserer Leidenschaft. Es abzustellen ist kein Luxus. Darüber hinaus macht es wenig Sinn, mit einem "Tschechen-Fan" die Existenzberechtigung solchen Pfeifenwerkzeugs zu diskutieren. Ein Stück weit ist es auch Anschauung, ist es auch der Wunsch, Pfeife zu zelebrieren, ist es auch einfach die Freude an der Schönheit. Die oben schon erwähnte Leidenschaft fragt nicht nach sachlichen, profanen Begründungen.

Der "R 66" ist in seiner Form nicht neu. Das gab und gibt es schon, bekannt geworden als der "Tsuge-Stopfer", der aber in jüngerer Zeit auch unter der "Rattrays"-Flagge segelt. Der „Racer“ von Beer Creativ sollte als Weiterentwicklung dieses Stopfertyps gesehen werden.
Oder anders gesagt: als zu Ende gedachte Variante.

Vor rund 18 Monaten begann ich zeitgleich, beide Stopfer, also Tsuge und Beer, in Betrieb zu nehmen. Beide hatten etwa gleichen Nutzungsanteil, beide wurden nicht geschont. Nun ist es an der Zeit zu vergleichen... und zu überprüfen, ob der Beer-Stopfer seinen mehr als doppelt so hohen Anschaffungspreis rechtfertigen kann.


Die konkave Stopferplatte des Tsuge war seinerzeit eine echte Neuheit. Vornehmlich wurde damit argumentiert, dass die Platte so weniger verschmutze, bzw. leichter zu reinigen sei. Ziel erreicht, es setzt sich auf Dauer weniger komprimierte Asche auf der Fläche fest, sie ist mit einem Zellstofftuch und etwas Wasser stets wieder gut zu reinigen. Gleiches gilt für die Stopferfläche des Beer. Sie wurde etwas anders geformt, in der Hoffnung, den Verschmutzungsgrad noch weiter senken zu können, bietet aber in der Praxis keine zusätzlichen Vorteile.

Der Tsuge ist mit verschiedenen Mustern auf dem Korpus zu haben. Sein etwa bleistiftdicker Körper bietet eine recht gute Haptik, bei trockenen Fingern wird es aber schnell etwas rutschig. Ab und an musste er doch vom Boden aufgelesen werden. Ein Effekt, der sich bei kalten, klammen Händen noch verstärkt.


Hier erweisen sich die alle 6 mm um die Hülse montierten O-Ringe des Beer als genialer Trick. Die Gummis lassen den „Racer“ förmlich an den Fingern haften und sorgen für ein wunderbares Feingefühl und etwas mehr Umfang. Gerade der haptische Eindruck eines Stopfers ist so schwer zu erklären... und gibt doch oft den entscheidenden Ausschlag.

Der wesentliche Unterschied ist aber am oberen Ende des Stopfers zu finden. Tsuge verschraubt seinen Dorn, der vor allem eines ist: zu kurz! Mit 58 mm Länge reicht er bei längeren Pfeifen nicht aus, um z.B. einen vorwitzigen Tabakkrümel vorm Zugloch zu entfernen - Ziel des Werkzeugs verfehlt. Aufgrund seiner ausgeklügelten und komplizierten Innenkonstruktion schafft Beer es, hier einen 3 mm-Dorn mit 70(!) mm Länge unterzubringen. DAS reicht eigentlich für alle Fälle und fährt die volle Punktzahl ein.

Zudem ist es das Geheimnis der Tsuge-Konstrukteure, warum die Spitze flach ausgeformt wurde und sich so (durch deutlich dünneres Material) bei rauherem Umgang gern mal verbiegt.


Zusätzlich punktet der Beer mit einem Magneten, der den Dorn an seiner Position hält. Er ermöglicht die einhändige Bedienung des Werkzeuges und ist deutlich praktischer, als den Dorn jedes Mal ein- und ausschrauben zu müssen... auch Bequemlichkeit kann schön sein. Wer glaubt, dass der verwendete Magnet mit der Zeit oder durch Verschmutzung an Haftung verliert und so nicht mehr zuverlässig hält, kann beruhigt sein. Selbst böswillige Versuche, den Dorn nach der bisherigen Nutzungszeit hinaus zu schleudern, quittiert der Magnetring mit stoischer Haftkraft.


Bei der Verarbeitung scheiden sich endgültig die Geister. Die Rhodinierung der schicken Tsugehülle weist mittlerweile viele kupferfarbene Flecken auf. Das ist zwar nicht tragisch, aber hässlich. Sein aufgebrachtes Muster indes hat die 18-monatige Nutzung gut überstanden. Der Dorn musste zwischenzeitlich mit Loctite daran gehindert werden, sich immer wieder vom Griff zu lösen, Gehäuse und Fuß müssen immer mal wieder nachgezogen werden, damit alles wackelfrei sitzt. Gesamtzustand: Funktionsfähig mit starken Gebrauchsspuren.

Weder die Aluminiumhülse, noch die Gummiringe und auch die verwendeten Stahlteile des Beer weisen nennenswerte Gebrauchsspuren auf. Ihn darf man getrost als neuwertig bezeichnen. Hier klappert und löst sich nichts, die verwendeten Bauteile strahlen, wie am ersten Tag - das macht Spaß!


Fazit: Die beiden Stopfer sind sich nur auf den ersten Blick und von außen recht ähnlich. Bei den inneren Werten und der Langzeitqualität hat der Beer`sche "Racer 66" eindeutig die Nase vorn. Rechtfertigt das nun seinen Preis von 66 Euro? Wenn sie Wert auf dauerhafte Anschaffungen legen, sicher. Zumal man den „Racer“ ob seiner handgefertigten Qualität mindestens auf gleicher Ebene mit Stopfern von Dunhill (88 Euro), Davidoff (140 Euro) und Sillems (90-200 Euro) sehen muss und er in diesem Umfeld geradezu ein Sonderangebot darstellt. Mein Tsuge tritt jedenfalls den Weg in die Schachtel mit den Reservestopfern an und überlässt das Feld gänzlich dem „Racer“ von Beer Creativ. Das Bessere ist halt immer noch der Feind des Guten!


Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings