Willkommen bei Jogi-wan...

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Dienstag, 30. Juni 2015

Peterson - Special Reserve (150 Years)

Oh ja, schön ist die Dose gewiss. Solide, grün und mit edel anmutender Aufschrift „150 Years“. Das Jubiläum für die Firma Peterson (1865 – 2015) soll etwas ganz besonderes bieten. Feinste Tabake mit einem besonders edlem Aroma. Okay, die Herstellerprosa gehört dem Werbeagenten und lässt uns schon lange kalt. Insbesondere dann, wenn der Raucher mit Blick auf die Dose noch nicht einmal erfahren darf/soll, um was für Aromen es sich denn handelt.


Die Mischung besteht aus Crosscut Virginias, Burley und, wegen der Aromatisierung, natürlich aus Black Cavendish. Mit dabei sollen Tabakplugs sein. Fehlanzeige, kein einziges Plugstückchen, dafür aber ein bisschen Flake. Im Aromatennebel fischend lässt sich zumindest Huber aus München zu der Aussage im Internet hinreißen, dass es sich um ein Weinaroma handelt, was hinzu gegeben wurde. Ob es stimmt? Keine Ahnung.


An der Handhabung sind kaum Zweifel zulässig. Das Stopfen geht einfach, das Entzünden der sorgfältig gestopften Pfeife ebenfalls. Der Tabak im Cellophanbeutelchen ist also gut konditioniert. Damit das auch so bleibt, immerhin wird die Jubiläumsmischung in einer 100 g-Dose geliefert, sollte man ihn in einen seiner Lieblingsbehälter umfüllen. Oder aber man raucht ihn ganz schnell auf. Beides funktioniert, ein Belassen im Auslieferungszustand kann bei den derzeitigen Temperaturen schnell zur Austrocknung führen.

Die Aromatisierung erscheint wohl dosiert. Sie ist an sich angenehm, leicht säuerlich, der oft bappige Mundinnenraum bleibt aus. Echter Tabakgeschmack? Ein wenig.... ein bisschen Nuss, zwischendrin eine kleine Spur von Virginiasüße. Letzteres könnten die kleinen Flakestückchen sein. Ansonsten herrscht Aroma, vermutlich so, wie vom Tabakmeister gewünscht. Und dieses Aroma ist eben Geschmackssache.

Mich persönlich haut es nicht vom Hocker. Wie ein Weinaroma schmecken kann, daran erinnert mich für ein paar Wochen im Jahr stets der „Da Vinci“ von DTM. Da hält, Jubiläum hin – Jubiläum her, der Peterson nicht mit. Verglichen mit der Vielzahl von Sommer- und Jubiläumseditions, die momentan auf den Markt drängen, kann diese eher leichte bis mittelkräftige Mischung dennoch punkten. Zumal auch die Raumnote angenehm ist. Also: Probiert und für passabel befunden. Nochmal kaufen? Auch wenn 21,40,-- Euro für 100 g inzwischen als „normal“ gelten, bleibt die Frage, ob der „150-Jahre-Tabak“ von Peterson nicht doch eine Spur zu belanglos im großen Tabakuniversum ist. Gott sei Dank kann das jeder für sich selbst entscheiden!




Autor: Ralf Ruhenstroth

Montag, 22. Juni 2015

Comeback der Tradition? Vielleicht wirtz!

Seit zwei Tagen hängt ein wunderschönes Blechschild in meiner Pfeifenecke. Ein Geschenk des STG-Vertreters. Was drauf steht? "3 Dinge braucht der Mann: Feuer, Pfeife, Stanwell!" Nein, nicht antik... das Schild ist nagelneu und ich freue mich darüber, wie ein Schnitzel. Nicht nur, weil ich Blechschilder liebe.


Dieses Schild bedeutet, da bin ich sicher, viel mehr. Die STG tut wieder etwas für die traditionsreichen Namen in ihrem Portfolio. Sie erinnert sich der Bedeutung des Namens Stanwell in zuletzt sehr vermisster, liebevoller Art und Weise. Durch solch' ein nostalgisches Schild und einen 50 Jahre-Tabak. Hier wird ein Zeichen gesetzt, das ist meine Überzeugung. Sicher wird die Jubiläumsmischung kein eigens entwickeltes Kraut sein, sicher kann man Blechschilder heute preiswert in China prägen lassen - doch, darum geht es nicht. Es geht um einen erkennbaren Kurswechsel. Unter Frank Wulf dümpelte der Pfeifenbereich der STG recht lieblos behandelt vor sich hin. Man warb für Stanwell-Pfeifen mit nackten Asiatinnen und sonstigen Geschmacklosigkeiten.


Nur ja keinen Bezug auf die Tradition nehmen, nur ja keine nostalgisch-geprägten Anklänge bei Stanwell und auch Peterson zulassen. Seelenlose 08/15-Schiene... Mainstream halt, so, wie man auch Schuhe und Lippenstifte verkauft... die Zigarre war eh das Lieblingskind. Da blieb für die Pfeife nur der Katzentisch.


Doch von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt, drehte sich das Personal-Karussell bei der STG... und der neue, zuständige Mann heißt Markus Wirtz. Beileibe nicht neu in den Reihen der STG, aber neu auf diesem Posten... und besser hätte es die Pfeife wohl nicht treffen können. Wirtz ist ein alter Pfeifenhase, u.a. lange Zeit das Gesicht der STG, wenn es um die Pfeifen von Poul Winslow ging. Doch nicht nur das... er ist mit der Pfeife groß geworden, kennt die Branche, wie seine Westentasche... und betrachtet nicht nur Stanwell und Peterson auch als Herzenssache. Insider beschreiben ihn als umgänglichen Menschen, der durchaus auch hinhört, wenn "das Volk spricht".... und das Volk sprach in den letzten Jahren eine Menge über die Pfeifen aus dem STG-Stall. Positives war aber selten dabei.

Verarbeitung und Ideen gaben Anlass zur Traurigkeit, die Qualität schwankte, wie ein volltrunkener Seemann, die Präsentation auf Messen zeugte von wenig Sachverstand. Selbst weniger sensible Personen rauften sich, angesichts des rapiden Verfalls der Traditionsmarken, die Haare. Ich selbst gehörte sicher bei Videos und Gesprächen zu den heftigsten Kritikern. Doch wer heftig kritisiert, muss auch eine feine Antenne für etwaige Veränderungen haben... sonst wird seine berechtigte Kritik schnell zur unfairen Prügelei.


Und? Jetzt ist alles wieder gut? Nein, natürlich nicht... aber, die erfreulichen Zeichen mehren sich. Ein wirklicher Kenner der Szene und guter Freund berichtet über die kürzliche Musterung neuer Stanwells viel Positives, Außendienstler erzählen von einer Gewichtszunahme des Pfeifenthemas im Konzern... und dieses Blechschild ist die erste Pfeifenwerbung mit Seele seit langer Zeit. Das ist für mich Grund genug, mit viel Hoffnung und ein wenig Vorfreude ungeduldig auf die kommende Intertabac zu warten. Ja, eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, ein Mann noch keinen neuen Konzern. Trotzdem drücke ich Markus Wirtz die Daumen. Er kann es schaffen, der Pfeife bei der STG wieder zu dem Stellenwert zu verhelfen, den sie verdient... und den die Fans erhoffen. Wünschen wir ihm Erfolg!


Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Sonntag, 21. Juni 2015

Ilsted - Own Golden Flake

Die letzten Tage hatte mich ein Einsatz nach Osnabrück geführt. Und da etwas Zeit bis zum nächsten Transport zu überbrücken war, wurde Träber geentert. Die Tabakbar sah ja eh so leer aus daheim. Nachdem ich den höflichen und scheinbar recht kompetenten Verkäufer meine Vorlieben nahelegte, sortierte er erst mal zielgerichtet aus, und legte mir den „Golden Flake“ hin. Die Beschreibung von Kohlhase & Kopp liest sich schon mal interessant. Da ist von einem natürlich süßen Virgina-Flake die Rede, mit einem Hauch von Wiesenhonig und Orange, sowie kleinen Nuancen von Limone. Also wurde er mitgenommen, zusammen mit Petersons „3P“ und diversen Pröbchen. Übrigens: Ein wirklich schöner Laden.

So... Feierabend... Pfeifchen ausgesucht (Venini, 9 mm) und Pfft gemacht. Wenn man die Dose öffnet, liegen schön einheitlich gepresste Flake-Scheiben vor mir. Von der Größe relativ breit, zwei Scheibchen passen nebeneinander in das 50 Gramm-Döschen. Fast wie beim Richmond. Und sofort kommt mir das Aroma entgegen. Aber nicht so plakativ, wie bei manch' Hocharomaten. Sondern wenn man die Dose ein paar Sekunden offen lässt, tritt der Tabak in den Vordergrund. Und der riecht einfach lecker. Vollreif, süß und dezent honigartig.




Stopfen lässt sich der Geselle sehr angenehm, wobei ich bei Flakes vom Knick und Falt mittlerweile immer mehr zum Knet und Kugel tendiere. Aber beide Varianten lässt sich der Ilsted ohne Gemecker gefallen. Und nach den obligatorischen zwei Zündungen brennt er ohne Zickereien wunderbar runter und bleibt auch immer angenehm süß, ohne penetrant zu sein. Genau das richtige für den Sommer, wenn die Hitze zuschlägt.

Kurz gesagt: Ein würdiger Kandidat für diejenigen, die gerne mal einen süßen Virginia rauchen.


Autor: Chris Henck


Mittwoch, 17. Juni 2015

Entspannung ist wichtig- auch für Tabak!

Die Messe in Lohmar brachte mich in diesem Jahr in den Besitz eines unerwarteten Schatzes. Bastian Hirschfeld vermachte mir eine original verschlossene Vollmetall-Dose "Mac Baren Plumcake". Sofort einsetzende Spekulationen über das Alter der Dose brachten letztlich keinen Aufschluss. Der Preis konnte nicht als Anhaltspunkt dienen, da es sich um eine 240 Gramm-Dose mit dänischer Preisauszeichnung handelt. Einzig, das Design des Schriftzuges ließ einen Kenner das Alter auf "rund 30 Jahre" schätzen. In jedem Fall ist der Inhalt alt genug, um mir bei der Beantwortung einer Frage zu helfen, die mich schon lange beschäftigt.



Ja, der Plumcake ist aromatisiert. Etwas Pflaume und Rum runden ihn ab. Deshalb ist er aber noch lange kein Aromat... der Tabakgeschmack aus Virginias, Burley, etwas Cavendish und einer homöopathischen Dosis Latakia behält stets die Oberhand. Die Frage lautet: Sind lange gelagerte, naturnahe Tabake automatisch besser, runder, satter... und damit wertvoll genug, zum Teil horrende Summen dafür zu bezahlen?

Diese Meinung wird ja nun gern und im Brustton der Überzeugung vertreten. Hier greift aber oft die allgemeine Gleichung „alt = wertvoll“, und es sind selten fachliche Argumente, die diese Gleichung untermauern. Die Gegenseite, bestehend auch aus Tabak-Experten, ist da zum Teil gänzlich anderer Ansicht. Am gewagtesten ist die Theorie, gepresst alternder Tabak reife zwar, sei dann geschmacklich aber tot. Doch Theorie ist grau, das weiß man ja. Deswegen öffnen wir die Dose... um etwas Farbe in die Diskussion zu bringen.


Nach Entfernung des Deckels präsentiert sich ein gepresster Klumpen dunkelster Farbe, den man aus der Dose nehmen kann, als sei das Kraut betoniert. Ein Zeichen dafür, dass das Vakuum immer noch Bestand hat. Nur so nebenbei...s elbst die Folie war in alter Zeit noch schussfest. Einfach aufreißen ist nicht - hier muss tatsächlich die Schere helfen. Schon der erste Dufttest offenbart Überraschungen. Ein frischer Plumcake hat deutlich wahrnehmbare Noten von Pflaume und Rum... und wer genau hin riecht, entdeckt auch die Spur Latakia recht schnell. Dazu kommt eine nussige Kakaonote der Burleys und sanfter Heugeruch der Virginias.

Bei dieser Dose bleibt zunächst nur ein Duft übrig... der aber sehr massiv und tief. Man fühlt sich, wie in einem Heuschober und könnte meinen, puren, stark gereiften Virginia vor sich zu haben. Nicht einmal der sonst gern einmal vorwitzige Latakia ist feststellbar. Hm... gab's den vielleicht in älteren Plumcake-Rezepten gar nicht? Unsinn, sagt der Fachmann... der war immer drin. Hier fragt man sich dann aber, wo er sich versteckt hat. Dann suchen wir mal, in dem wir eine großzügige Portion in einer Nielsen versenken. Schließlich geht es um Pfeife rauchen... nicht Pfeife riechen. Lustig übrigens, mit welch' ungeplanter Ehrfurcht man dabei zur Sache geht... wie gesagt, die alte Gleichung, siehe oben!

Puh! Also, diese scharfe, ätherische Note kenne ich aber sonst vom "Plumi" nicht, sie verschwindet zum Glück aber auch nach ein paar Zügen... und übrig bleibt genau das, was man auch riecht. Virginia, satt und voll, blumig und reif... der hat deutlich an Oechsle-Grad zugelegt. Lecker, zugegeben... aber ziemlich wenig, vergleicht man den Geschmack eines frischen Plumcake.... keine Ahnung von Rum oder Pflaume, und der Latakia hält sich immer noch bestens versteckt. Enttäuscht? Nein, nicht wirklich... eher überrascht. Von der immer noch guten Kondition des Tabaks und von seiner grundsätzlichen, charakterlichen Veränderung.


Nun hat der Verfechter der lockeren Tabak-Verpackung und des geschmacklichen Todes gepresster Mixtures eine (für mich ebenso immer noch theoretische) Lösung parat. Verpackt man diesen Tabak in aufgelockerter Form mit ordentlich Platz und gut abgedichtet neu und lässt ihn ruhen, erholt er sich. Aha?! Jetzt wird der kleine Alfred Wegener in mir wach. Dann forschen wir doch mal... und zwar gründlich. Ich habe den Plumcake nun vor 25 Tagen neu verpackt... und dabei gedrittelt. Ein Drittel wurde weiterhin gepresst verpackt, ein Drittel leicht gelockert und ein Drittel sehr sorgfältig gelockert und mit viel Platz versehen. Die Tupperware-Dosen zur Lagerung sind identisch. An dieser Stelle Dank an meine Frau für die selbstlose Unterstützung aus dem Küchenschrank. Was sind Forscher ohne Protektion?


Heute war dann Rauchtest aller drei Varianten.... mit dem Ergebnis, dass die gepresste Unterbringung schnellstens geändert wurde. Der so untergebrachte Plumcake hat nicht den Hauch einer Steigerung erfahren. Er ist immer noch eindimensional heuig... und diese eigenartige, wie Ammoniak wirkende Note hat sich noch verschlimmert - geht gar nicht! Der locker und mit viel Platz in der Dose gelagerte Teil hingegen entfaltet sich zusehends. Zwar ist auch hier die irritierende Schärfe zu Beginn der Füllung noch feststellbar, hat sich aber deutlich abgeschwächt. Dafür ist die obstige Note ebenso zurück gekehrt, wie eine würzige Rauchigkeit, die auch dem frischen Plumcake zu eigen ist. Allerdings hat diese gealterte Version noch eine gute Portion Kraft und Deftigkeit zugelegt. Jetzt nimmt man ihm zweifelsfrei ab, dass er an den Salz- und Teergeruch des Meeres und der alten Windjammer erinnern soll. So wäre er sicher nichts für Leichtraucher... mir hingegen zaubert der "Old-Plumi" ein Lächeln aufs Gesicht.

Bis hierher wollte ich von meinem Experiment berichten. Sollten sich mit der Zeit noch weitere Veränderungen einstellen, trage ich die selbstverständlich nach. Meine Überlegungen beim Genuss der weiteren Füllung und die Ergebnisse dieses Experiments kommen zu einem provokanten Fazit.


Es ist für Tabak wohl eher kontraproduktiv, in gepresster Form verpackt zu werden. Ursprünglich hatte ich die Information, dass gepresst verpackte Kräuter nachreifen und man deshalb Mischungen, die das NICHT tun sollen, locker verpackt. Das mag ich, nach jetzigem Erfahrungsstand, so nicht stehen lassen. Es mag schon sein, dass dieser „Plumcake“ durch die gepresste Verpackung nach gereift ist - dabei hat er sich aber nicht zu seinem Vorteil verändert. Zu altem Glanz und wuchtig-reifer Geschmacksentwicklung kam er erst, nachdem man ihm druckfrei und gelockert drei Wochen Zeit zur Entfaltung gab.

Würde ich denn nun für das Geschmackserlebnis eine, meist nicht unerhebliche Stange Geld ausgeben? Nein... ich kann auch durch geschickte Lagerung frisch erstandener Tabake einiges mehr aus solchen Kräutern heraus kitzeln... ohne ein Vielfaches des ehemaligen Kaufpreises investieren zu müssen. MEINEM Anspruch genügt das vollkommen. Ich verstehe aber auch Connaisseure, die im Tabak-Aging aufgehen und alte Tabake hüten und lagern, wie es auch die ernsthaften Weinliebhaber mit ihren Tropfen tun.
Doch ähnlich, wie ein guter Roter vor dem Genuss Luft und Ruhe braucht, tut man scheinbar gut daran, auch alte Tabake erst einmal aus ihrem engen, luftdichten Gefängnis zu befreien und ihnen vor dem Rauchvergnügen ausreichend Zeit zur Entfaltung zu geben. Auf drei Wochen kommt es ja nun, nach zwei bis drei Jahrzehnten, auch nicht mehr an! Schön war und ist, dass ich mir auf diesem Weg einige offene Fragen zum Thema „lange gelagerte Tabake“ beantworten konnte. Wieder um eine Erfahrung reicher! ...und das Experiment ist noch nicht zu Ende.

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Donnerstag, 11. Juni 2015

W.O. Larsen - Signature

Gut gemeint ist noch nicht gut gemacht. Und gut gemeint plus gut gemacht ist manchmal immer noch kein Tabak von Format. Die noble Dose des "Larsen Signature" weckt hohe Erwartungen, - und der Preis von 24,60 Euro pro 100 Gramm nicht minder.


Der Tabak ist beim Öffnen gut konditioniert und direkt rauchbar. Beim "Signature" keineswegs selbstverständlich. Wer den Tabak kauft, sollte Vorsicht walten lassen und darauf achten, dass die Dose nicht schon seit Quintus des Qualmenden Zeiten im Regal des Händlers verstaubt. Der Tabak ist nicht luftdicht verschweißt und verpackt. Das aber ist im Falle eines Hocharomaten desto bedenklicher. Bei Reanimationsversuchen und Operationen am offenen Aromaten muss oft selbst Professor Brinkmann Skalpell und Humidrole strecken; Wiederbefeuchten ist hier im Gegensatz zum Rehydrieren naturnaher Tabake wenig aussichtsreich. Die künstlich aufgebrachten Aromen sind meist in Wasser gelöst, und mit dem Wasser verflüchtigen sich auch unwiederbringlich die Aromen. (Vgl. dazu auch den Beitrag von Ralligruftie.) Die Konditionierung des "Signature" ein Mindest-Standard also, den man erwarten können dürfen sollte.

Standard auch das Tabaksbild: Eine Mixture aus Black Cavendish, Burley und Virginia zu etwa gleichen Anteilen, sehr vereinzelt finden sich kleinere ready-rubbed-Stücke. (Von einem den Tabak bestimmenden ready-rubbed-Schnitt, wie mancherorts zu lesen, kann keine Rede sein.)


Der Duft aus der Dose ist intensiv, aber uneindeutig. Mit einiger Mühe und konzentriertem Schnuppern lassen sich mehrere, einander diffus überlappende Aromen unterscheiden: Die Saucierung, die den Tabak völlig überdeckt, verschwimmt undeutlich zwischen einem stärkeren Brombeeranteil, hellen Früchten (vage in der Schnittmenge von Birne und Limette), Vanillezucker und einer alkoholischen Likörnote zu einem Gesamteindruck angenehmer, aber unspezifischer Süße. Wer hier nähere Auskunft und Aufklärung sucht, was er da eigentlich riecht, findet uneinheitliche Angaben, beim Hersteller sowohl wie bei verschiedenen Verkäufern. Wo es nicht nur allgemein heißt: "Früchte", da wird etwa eine Zitrusnote erwähnt, an anderer Stelle ist von Waldbeeren die Rede. Was immer jeweils unter Zitrus und Waldbeeren verstanden werden mag (ich assoziiere doch recht verschiedene Früchte, wie Zitrone, Orange und Bergamotte einerseits, und dunklere, rote Beeren wie Brombeeren, Heidelbeeren, Himbeeren und Holunder andererseits). Unrecht hat keiner; in einem Potpourri findet vielerlei Platz.

Der Geschmack dagegen lässt klar zwei gegeneinander abgegrenzte Aromapole erkennen. Ein helles Fruchtaroma steht neben einer leicht vanilligen Karamellsaucierung. Das Fruchtaroma selbst wiederum lässt sich auf der Zunge aber nicht mehr gustatorisch auseinander legen wie noch notdürftig mit der Nase über der Dose. Wo man zuvor immerhin noch Brombeeren erschnuppern konnte, da tritt auf der Zunge der dunklere, gleichsam schwärzlich-rote Duft ganz und bis zur Unkenntlichkeit zurück hinter eher hellen bis gemischten Fruchttönen, meinem - sehr vagen - Eindruck nach ein Aroma irgendwo zwischen Birne, Limone und Pfirsich, nicht unähnlich einem Früchtecocktail aus der Dose.


Eben dieser vage Fruchtgeschmack nun dominiert beim Anzünden, während der zweite Aromapol, das vanillige Karamell, nur im Hintergrund wahrnehmbar ist, etwa wie der zehnte Teil bei neun Teilen Frucht. (Die alkoholische Duftnote ist im Geschmack nicht mehr vorhanden.) Dieses 9:1-Verhältnis verschiebt sich im Niederrauchen des Tabaks gleichmäßig und kehrt sich allmählich um, bis schließlich der Karamellpol die Früchte weitgehend überwiegt. Beide Aromenpole sind jedoch bis zum Ende der Pfeife präsent. Auch hier erfüllt der Tabak die Erwartungen an die Qualität, die Aufmachung und Preis wecken.

Indessen: Auch diese Tugend darf man nicht zu hoch hängen. Ähnlich wie bei der Konditionierung wäre es mit der süßen Freude hier sonst nämlich Essig und es gäbe saure Mienen. Denn der Tabak selbst, die Standard-Aromaten-Mischung (VA-BC-Burley), könnte Schwächen in der Aromatisierung nicht ausgleichen. Er ist bloß beliebiger Geschmacksträger ohne eigenes Gesicht und eigenen Beitrag zum Konzept, der wegwerfbare Pappenstiel vom Eis.

Geht das Konzept für das Eis am Pappenstiel aber auf? Die Idee, die Larsen bei diesem Tabak geleitet hat, scheint mir, dass man die Genüsse (so man sie denn persönlich als Genuss empfindet) von Fruchtaromaten einerseits und Aromaten der Karamell-Vanille-Richtung andererseits, hat vereinen wollen, Genuss im Doppelpack sozusagen. Die verwendeten Aromen sind von guter Qualität, sie halten geschmacklich durch, flauen nicht pappig ab, sind stabil gegen Wiederanzünden und wirken jeweils nicht künstlich (höchstens undifferenziert im Früchteanteil). In diesem Sinne ist der Tabak "gut gemeint" und auch "gut gemacht", und die Beliebtheit des Tabaks - im Larsen-Programm ist er fast schon ein Klassiker - ist nachvollziehbar. Man könnte fragen: Aromatenraucherherz, was willst Du mehr?


Woran es dem Tabak mangelt, ist jedoch eben eine Vereinigung im Unterschied zu einem bloßen Nebeneinander. Nicht, dass sich die beiden Aromenpole beißen würden, nein. Von "Harmonie" aber sprechen wir noch nicht, wo etwas bloß koexistiert. Harmonie ist vielmehr Zusammenklang, wechselseitige Ergänzung zu einem Ganzen. Das kann auch durch Kontrast erreicht werden (wie etwa beim "Sillems Black" mit seinem Kontrast zwischen Latakia und Fruchtaroma) oder durch ein Zusammenspiel verschiedener Nuancen (wie beim jüngst besprochenen "Grand Slam 91" mit der olfaktorischen Präsenz seiner vielen Ingredienzen) oder durch ein Verschmelzen eng verwandter Aromen und Tabake (wie beim "Larsen No. 32" mit seinem subtilen Vanilleanteil, der die süßen Virginianoten erhöht).

Von alledem findet sich beim "Signature" aber nichts. Früchte und Karamell bleiben bei ihm zwei Pole, zwischen denen keine Spannung ausgespielt wird. Da ist keine Harmonie, weder eine aus Kontrast, noch eine aus Verwandtschaft. Da ist kein "Gegensätze ziehen sich an" und kein "Gleich und Gleich gesellt sich gern". Die Aromen finden sich nicht, sondern leben beziehungslos aneinander vorbei. Kurz: Was da in der Pfeife glimmt, ist eine geschmackliche Zweck-WG, kein Liebesnest der Aromen. Ein Tabak, der Absicht nach gut gemeint, dem Handwerk nach gut gemacht, aber auch ein Tabak, dessen Konzept nicht glückhaft aufgeht. Ein Tabak makellosen Handwerks, aber eines Handwerks ohne Inspiration. Ein Hocharomat, an dem man nicht viel kritteln kann, aber: Großes Format ist dann doch etwas anderes.

Fazit für Eilige:
Hocharomat auf der Basis der Standard-Tabakmischung ohne eigenen Tabakgeschmack. Qualitativ hochwertige Aromatisierung, aber wenig binnendifferenziert und ohne besondere Harmonie und Inspiration.
Für "Freude der Naturnahen" gar nichts.
Für Aromatenliebhaber angesichts des hohen Preises: Leider nur bedingt zu empfehlen.

Hersteller: STG/Orlik
Preis: 24,60 für 100 g (Stand: März 2015)

Verwendete Tabake: Virginia, Burley, Black Cavendish
Typ: Mixture mit geringen ready-rubbed-Anteilen
Saucierung: stark
Aroma: Frucht-plus-Karamell
Stärke (Nikotingehalt): leicht
Abbrand: zügig bis schnell

Geraucht in: Savinelli Virginia 111 EX (Giant), Stanwell 11 Sand


Autor: Patrick H.


Montag, 1. Juni 2015

Die Pfeifenhaie!

Man könnte diese Zeilen als PS zu meiner letzten Kolumne sehen... und als Ergebnis nachträglich gründlichen Nachdenkens. Vielleicht sehe ich auch Gespenster. Teilen möchte ich meine Überlegungen trotzdem mit Ihnen.

Das bereits im letzten Jahr professionelle Wiederverkäufer über die Messen in Lohmar und Speyer strichen, konnte man mit zusammen gekniffenen Augen noch übersehen... aus Angst vor einer drohenden Gefahr. DAS funktionierte am 2. Mai in Lohmar nicht mehr. Da stolzierte der russische Chef von "Pipesart" wie ein Oligarch durch die Reihen, unterstützt und dekoriert durch eine übersetzende Dame und kaufte Pfeifen auf, was das Zeug hielt.


Mancher Macher roch den Braten schnell und verkaufte wenigstens zu den ausgestellten Preisen. Andere waren vom imposanten Auftreten des Mannes (er muss daheim einen großen Spiegel zum üben haben!) so überfahren, dass sie sich preislich in die Knie zwingen ließen... und sich jetzt verwundert die Augen reiben werden, wenn sie ihre Pfeifen zu horrenden Summen auf der Seite von "Pipesart" wieder finden. Tja, liebe Leute... so läuft das Leben. Haben wir ernsthaft geglaubt, unsere schöne, gemütliche Familienmesse würde von diesen geldgierigen Raubfischen verschont?


Man möchte Volker Bier so gern vor dem Einfluss dieser Entwicklung warnen... aber WIE DENN? Was soll man tun, was kann man tun? Nichts! Einmal ist Volker klug genug, diese Entwicklung längst bemerkt zu haben, und zum Zweiten hat er keine Handhabe. Solchen Leuten den Zugang zur Messe verweigern? Aufgrund welcher rechtlichen Grundlage? Selbst, wenn das gelänge... es gibt Dutzende williger Strohmänner, die man im Auftrag losschicken kann, um die Gutgläubigkeit und Unsicherheit vieler Macher bis zum Äußersten auszunutzen... und die Macher, die nach dem Motto "Hauptsache verkauft" da fröhlich mitspielen, sollten überlegen, wer auf dem Ast sitzt, den sie da langfristig absägen!


Die Wirkung dieses skrupellosen und geldgeilen Verhaltens wird nicht lange auf sich warten lassen. Der private Pfeifenfreund und Messebesucher ist nicht dumm genug, um sie nicht rasch und verärgert zu bemerken. Die besonderen Stücke sind ruck-zuck weg, weil irgendein Russe mit Geld um sich wirft, wie Nikolaus mit den Nüssen. Schneller sein? Das wird schwierig, weil diese Leute immer früher kommen, je mehr Beute sie wittern... und den Ausstellern quasi die Stücke vom Tisch grapschen, kaum, dass sie dort liegen.

Das führt früher oder später zur frustrierenden Erkenntnis, dass es sich eigentlich nicht mehr lohnt, als Privatmann u.U. lange Strecken zu fahren, weil eh vor Ort schon alles von Profis abgegrast wurde. Das Interesse lässt nach und damit auch der Spaß. Sind wir doch ehrlich. Wir fahren fast alle nicht nur zum Treffen mit Gleichgesinnten, sondern auch in der Hoffnung, vor Ort ein feines, originelles und noch bezahlbares Pfeifchen zu finden.


Ist die Stimmung von den verantwortlichen Abzockern erst einmal ordentlich gedrückt worden, geht vieles kaputt, das mühsam durch die Jahre aufgebaut wurde. Den Aufkäufern ist das wurscht. Sie beißen so lange die besten Stücke aus einer solchen Veranstaltung, wie es geht. Wenn sie genug Schaden angerichtet haben, Angebot und Attraktivität nichts mehr hergeben, ziehen sie einfach weiter. Da sich solche Leute einen Dreck um die Szene scheren, dürfte es auch recht schwierig sein, ihnen mit Moral und Fairness zu kommen. Das sind zumeist Vokabeln, die im Wortschatz dieser Menschen nicht vorkommen. Gäbe es den Fehdehandschuh noch, so würde ich ihn dem Oligarchen mit Freude vor die Füße werfen. Für mich sind solche Leute Parasiten, die sich an dem nähren, was andere Menschen mit viel Engagement und Liebe zur Sache geschaffen haben... wie im täglichen, richtigen Leben!

Schlimm ist, dass man es sieht und miterlebt... so, wie jetzt in Lohmar und sicher auch bald in Speyer... und nichts an dieser bösen Entwicklung ändern kann. Ja... es macht mich wütend.... sehr sogar. Es zu erleben... und noch mehr, darüber zu schreiben. Ursprünglich wollte ich mich zurück halten... so, wie es in der Kolumne zu lesen ist. Ernsthaftes Nachdenken hat mich aber davon überzeugt, dass man diese Vorgänge nicht auf die leichte Schulter nehmen darf - auch, wenn man nichts tun kann, außer sie klar anzusprechen!

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings