Willkommen bei Jogi-wan...

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Freitag, 29. Mai 2015

News 2015: Ausverkauf bei Bille!

Der Hamburger Pfeifenmacher und Kriminalkommissar Klaus Billerbeck verkauft seine letzten Stücke aus. Die mittlerweile 80-jährige Pfeifenlegende stellt aus gesundheitlichen Gründen den Pfeifenbau endgültig ein und räumt sein Lager. 

Wer also zu Preisen ab 55 Euro noch eine echte BILL sein Eigentum nennen möchte, sollte Billes Webseite rasch einen Besuch abstatten.







Speziell, knorrig und eigensinnig sind die Pfeifen des Mannes, bei dem auch Peter Lehmann in "die Lehre" ging. Sicher nichts für jeden... aber in ihrer Art Teil der deutschen Pfeifengeschichte der letzten Jahrzehnte... und das zu sehr interessanten "Abschluss-Preisen" (rd)

Mittwoch, 27. Mai 2015

Kolumne: Fließt die Sieg in die Wolga?



Da sitzt man, mit den frischen Eindrücken der Messe in Lohmar, nebenan an der Sieg und lässt die Füße ins Wasser baumeln... mit dem ebenso sicheren, wie trügerischen Gefühl, dass die deutsche Pfeifenwelt noch in Ordnung ist und es uns völlig schnuppe sein kann, was die Pfeifen-Enthusiasten weit im Osten so denken, wenn deren Füße in der Wolga oder dem Jangtsekiang abkühlen. Doch, das stimmt SO leider lange nicht mehr.

Wer aufmerksam hinschaut, bemerkt die Spekulanten in Lohmar und Speyer schon lange.

Sie treten mehr oder weniger auffällig auf diesen, ehemals so unbeachteten, "Familientreffen" auf und kaufen ohne viel Aufsehen die Rauchgeräte von den Tischen, die sich in anderen Ecken der Welt vergolden lassen. Wer sich auf Pfeifen-Drehscheiben in den roten und fernen Osten umsieht, wie bei www.scandpipes.com oder www. pipesart.com, erkennt schnell, wie der Zeitgeschmack der gut betuchten Klientel tickt.



Als Pfeifenmacher hat man dort mit einem -ov, -ev, -itsch oder -ski am Namensende schon mal einen klaren Vorsprung. Entscheidend ist aber scheinbar in vielen Fällen, die Abstraktion der Pfeife bis zur absoluten Unrauchbarkeit zu treiben. Erst dann sprechen die solventen Interessenten von "Pfeifenkunst" und meinen realiter lohnenswerte Spekulationsobjekte. Was das noch mit Pfeife rauchen zu tun hat? Nichts... aber, ist das wichtig? Wichtig ist, dass zwischen all' den nachgewachsenen Ostblock-Talenten immer noch Lücken bleiben, die es zu schließen gilt, will man die unglaubliche Nachfrage nach Geldanlagen befriedigen. Also wird auch der deutsche Markt abgegrast, vor allem die abstrakteren Pfeifenmacher dieses Landes werden "gehyped" und so rasch wie möglich als Geldkühe eingemeindet.

Das funktioniert verständlicherweise gut. Wer ließe sich nicht mit internationalem Bekanntheitsgrad und guten Verdienstmöglichkeiten ködern ? Wobei es mit den Verdienstmöglichkeiten bei den betreffenden Macher nicht so gut bestellt ist, wie bei den Zwischenhändlern, die sich ihr gutes Näschen vergolden lassen.


Für den Pfeifenfreund, der eher gediegenes Rauchwerkzeug als abstrakte Kunst sucht, bietet sich dadurch ein beinahe schon skuriles Bild. Selbst im Hochpreissektor lässt sich die gewachsene Qualität eines Kurt Balleby, Tom Richard, Frank Axmacher u.a. deutlich günstiger erwerben, als die Skulptur manch' kürzlich erst entdeckten Künstlers mit oben erwähnter Namensendung. Die gestandenen Pfeifen eines Axel Glassner, Jan-Harry Seiffert, Heinz Günter Döteberg, Heiner Nonnenbroich, Eckard Stöhr oder Jürgen Börner nehmen sich dagegen wie Sonderangebote aus... verrückte Welt!




Diese Entwicklung bietet aber nur für einen Teil unter uns Pfeifenfreunden Grund zum Jammer. Wer die "Modern Art" allzu sehr in sein Herz geschlossen hat, dem bleibt nur, schnell genug zu sein, um neue Leute VOR den Spekulanten zu entdecken... oder reich genug zu sein, um auch die fragwürdigsten Konstrukte als Kunst einzustufen und sie lächelnd zu bezahlen. Hauptsache, das Schwarzgeld ist gut angelegt. Für die Pfeifenfreunde, denen das hochqualitative Rauchen wichtiger ist, als die Füllung der Vitrine, ändert sich eigentlich nichts.




Der Nachwuchs präsentierte auch in Lohmar hervorragende Pfeifen für bezahlbares Geld, etliche "Klassik-Urgesteine" wollen einfach weiter Pfeifen bauen, die auch so aussehen - und das ist gut so. Diese Pfeifen lassen sich nämlich auch dann noch mit Genuss rauchen, wenn manch' skuriles Holzmonster schon in der Vitrine verstaubt ist. Angegraut von der Patina vergangener Trends. Geradezu grotesk finde ich übrigens, dass sich viele der modernen Pfeifenskulpturen, im krampfhaften Bemühen "anders" zu sein, beinahe bis zur Austauschbarkeit zu ähneln beginnen... auch eine Art der Uniformität.

Entspanntes Fazit: Suum cuique... das wussten schon die ollen Römer. Für mich gibt es zwischen Elbe, Weser, Saale, Rhein, Donau, Isar und Sieg so viele tolle, bezahlbare Pfeifen... da ist mir wirklich wurscht, was an Wolga und Yangtse so läuft.

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Montag, 25. Mai 2015

News 2015: Zum 150-jährigen Bestehen von Peterson - Special Reserve 2015!

Zum 150-jährigen Bestehen von Peterson of Dublin gibt es jetzt einen Jubiläumstabak. Ab Mitte Mai ist der „Special Reserve 2015“ in der 100 g Schmuckdose im gut sortierten Tabakwarenfachhandel erhältlich. Es soll sich um eine natürliche Mischung aus Virginias, etwas Burley und schwarzen Cavendish handeln. Der Schnitt wird ein Cross Cut sein, der mit Plug-Stückchen durchsetzt ist. Nach Angaben des Herstellers rundet ein edles Aroma die Mischung ab. Nähere Informationen liegen uns bisher nicht vor. Der Preis für den Jubiläumstabak liegt bei 21,40,-- EURO für die 100 g. (rr.)


Montag, 18. Mai 2015

HU-Tobacco - Hadde's Best Irish

Keine Sorge, es geht nicht schon wieder los. Der Unterschied zwischen Aromaten und aromatischen Tabaken muss hier sicher nicht noch einmal erklärt werden. Zudem gelänge es sicher auch keinem Aromaten, in meine Top Ten einzuschlagen, wie der vermeintliche Meteorit in die tunguskische Steppe. Geschaffen wurde dieser Meteorit nicht vom Urknall, sondern von Hans Wiedemann. Wobei Hans ja auch so eine Art Urknall in der deutschen Pfeifentabak-Szene darstellt! Die Beschreibung auf der HU-Seite fand ich (wie bei anderen HU`s auch) ein wenig kryptisch. Daher schlich ich einige Zeit um dieses Kraut, wie die Katze um die heiße Milch.

"...eine Versuchung für Aroma-Liebhaber wie auch für Anhänger des naturbelassenen Tabaks mit Lust auf kleine Naschereien." Das ist schon eine sehr "politische" Umschreibung, die eine Menge Spielraum für Interpretationen lässt. Sie wird ,auch nach meiner Meinung, dem Tabak nicht gerecht. Als der liebe Helmut mir eine großzügige Probe des "Hadde`s" schickte, wollte ich zunächst gar nicht glauben, dass es sich um den beschriebenen Tabak handelt.


Da Lohmar vor der Tür stand, besorgte ich mir dort ein eigenes Döschen... bereits angefixt und willens, die ausgiebigen Tests fortzusetzen. Ich fürchte, damit habe ich selbst die Tore zur Abhängigkeit geöffnet. Sofort nach Aufdrehen des Deckels hat man diesen feinen, parfumartigen Blumenduft in der Nase. Aha... das "Casing irischer Prägung", welches ich so liebe, ohne es erklären zu können. Danach kommt Tabak, nichts als Tabak... und das ist gut so. Keine Wölkchen aus angedrohter Mandel-und Honig-Aromatisierung... das kommt später. Dafür gibt es dunkle, reife Erdigkeit und aromatische Süße. Das nenne ich Duft! Der Meteorit setzt sich zusammen aus verschiedenen Virginias, einem satten "Schlag" Perique und Dark Fired Kentucky zur Abrundung. Das die Tabake vom Feinsten sind, muss man bei HU nicht betonen. Das Ganze präsentiert sich im (von mir ebenfalls bevorzugten) Broken Flake Format. Diesen Tabak KANN ich nur lieben.


Um jetzt aus dem rauhen Brocken die Rundungen eines Billiard-Balls zu formen, setzt Hans etwas Mandel- und Honig-Aroma zu... und zur Politur das zarte Blumen-Bouquet. Was? Das entwickelt sich zur haltlosen Schwärmerei? Na und? Tabak-Reviews sind zu 100% subjektiv, schon vergessen? Ich kann bei diesem Kraut einfach nicht anders! Die ersten Züge halten, was die Nasenprobe verspricht. Kernig-volles Tabakaroma, untermalt von fein-süßer Note und unaufdringlich-blumigem, irischem Charakter. Gerade die Zurückhaltung in der Geranium-Beigabe sorgt für die Harmonie. Stets präsent, aber nie aufdringlich bleibt so Raum zur kompletten Entfaltung ohne "pure Ireland-Stempel". Dabei bleibt der „Hadde's“ immer entspannt, sanft, samtig. Keine Spitzen, keine Nervigkeiten. Mittelkräftig mit reifer Milde überfordert er zu keinem Zeitpunkt. Einmal sorgfältig entzündet, glimmt er ruhig und gleichmäßig und so sollte er auch geraucht werden, wenn Sie seinen ganzen Strauß an Aromen genießen wollen. Selbst mehrfaches Ausgehen und erneutes Anzünden nimmt er gelassen hin und schenkt einen wirklich besonderen Genuss über die ganze Füllung.


Ideal für jedermann? Nein, sicher nicht... Sie sollten schon einen Hang zur floralen, ätherischen Note haben... sonst wird das nichts. Gar nichts zu meckern, also? Na ja... ich fand die alten Dosen, mit Blechdeckel und stilvollem Etikett samt Portrait schon schöner. Doch, die andere Verpackung wird Gründe haben und letztlich kommt es ja darauf an, was DRIN ist. Der „Hadde's“ hat jedenfalls bei mir einen festen Platz erobert... im Tabak-Schrank und im Herzen. Den dürfte es, wegen mir, auch gern im Ein-Kilo-Eimer geben... dann aber wieder mit „Hadde's“-Portrait!
Tabak: Frisch geöffnet, aus laufender Produktion, nicht nach getrocknet.
Pfeifen:
Kai Nielsen Fullbent, Crown 8-Panel-Podge, Kriswill Billard ("Eumel") alle 9 mm gefiltert (Dr. Perl)
Davorin Denovic Disco, Mimoto Cutty, Maike Nautilus alle ungefiltert.


Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Freitag, 15. Mai 2015

News 2015: Peterson "Summertime 2015"!

Peterson hat jetzt den „Summertime 2015“ angekündigt. Virginias und Burleys aus Afrika und Südamerika verbinden sich mit tiefschwarzem Cavendish. Als Aroma dient ein Hauch von exotischen Früchten. Den „Summertime 2015“ gibt es für 21,40,-- EURO/100 g. Das Ganze natürlich in einer schmucken Dose. (rr)


Donnerstag, 14. Mai 2015

Rattray's - Royal Albert

Royal Albert“, luxuriöser kann ein Tabak mit seinem Namen kaum aufwarten. Kohlhase & Kopp tut es mit seiner Rattray's-Mischung trotzdem, nicht zuletzt, weil es sich bei diesem Tabak wohl um den ehemals „Luxury Blend“ von Peterson handeln dürfte. Den gibt es unter seinem alten Namen wohl immer noch, allerdings ist die Produktion zu Mac Baren gewandert. Ich fürchte sehr schnell, dass der Name für mich zu dick aufträgt, da ein Orangen-Aroma nun gar nichts für mich ist.



In der 50 g-Runddose findet man verschiedene Virginias, etwas Burley und natürlich Black Cavendish, das Ganze rauchfertig gerissen. Es duftet fruchtig und angenehm aus der Dose. Neben der bereits erwähnten Orange wurden Aromen von Honig und Vanille dazu gemischt. Die Handhabung ist gewohnt einfach, anzünden und los. Obwohl nicht mein persönlicher Geschmack, ist das vordergründige Orangen-Aroma deutlich feststellbar. Die Mischung macht zu Beginn einen ausgesprochen ausgewogenen Eindruck auf mich. Raucht sich locker runter, da der „Royal Albert“ auch nicht besonders stark ist.



Das Dilemma beginnt bereits nach etwas der Hälfte der Füllung. Plötzlich sind sämtliche Aromen weg, der Tabak schmeckt muffig und streng. Der Tabak fängt sich auch nicht wieder, nach dem man die Mischung etwas abkühlen lässt und neu entzündet. Was folgt, ist die berühmte und berüchtigte Noträumung. Sehr schade. Orange hin, Orange her, ich wäre durchaus zu einem fairen Urteil bereit. Aber hier haut etwas gar nicht hin. Eine Erklärung habe ich dafür nicht. Muss ich auch nicht. Ich danke für ein einmaliges Gastspiel!




Autor: Ralf Ruhenstroth

Montag, 11. Mai 2015

Pfeifenmacher: Volker Hahn

Warum ich erst so spät auf Volker Hahn aufmerksam wurde, kann ich mir selber nicht so recht erklären. Immerhin ist der sympathische, norddeutsche Ingenieur – er ist an der Plöner Seenplatte zu Hause – schon seit Ende der 70er Jahre als Hobby-Pfeifenmacher aktiv. Wahrscheinlich liegt es an der Tatsache, dass er nicht viel Wirbel um sich selber macht und bis vor ein paar Jahren nur sehr wenige Pfeifen pro Jahr verkaufte. Denn bis dahin stellte Volker Hahn, der sich das Pfeifenmachen autodidaktisch beigebracht hat, all seine Pfeifen komplett manuell her (er nutze nur eine Bohrmaschine zum Bohren und Schleifen). Erst seit kürzerem nennt er eine Drehbank sein eigen und konnte so die Menge an gefertigten Pfeifen ein wenig erhöhen. Aber an einer ungewöhnlichen Fertigungsmethode hält er immer noch fest: Wenn es das Wetter zulässt, verlagert er Bereiche seiner Werkstatt in den Garten. So kann man mit Fug und Recht von einem frischen Wind in der Pfeifenmacherszene sprechen.

Copyright: Volker Hahn


Seine Shapes sind meist klassisch, nur selten sind ausgefallene Freehand-Formen wie die Pickaxe oder Nautilus dabei. Trotzdem haben die mit „V. Hahn DE“ gestempelten Pfeifen einen unverkennbaren Stil, es ist eine gelungene Mischung aus bodenständig und elegant. Seine besondere Vorliebe gilt übrigens den Vulcanos in verschiedenen Variationen. Die meisten seiner Pfeifen sind 9 mm-gefiltert und haben ein gut mittleres Füllvolumen, aber es gibt auch immer wieder Exemplare ohne Filter und mit größeren Brennräumen auf seiner Webseite. Die Mundstücke sind aus Ebonit oder Acryl und seit der Anschaffung der Drehmaschine meist handgefertigt. Und wenn man das eine oder andere lieber mag, so kann man natürlich diese Vorlieben bei ihm äußern und so zu seiner Wunschpfeife kommen.

Die Verarbeitungsqualität der Pfeifen ist gut, die Bohrungen sitzen perfekt und man merkt, dass viel Arbeit und Liebe im Finish stecken. Eine Gradierung gibt es bei ihm nicht, man sucht sich die Pfeife mit Hilfe der gut gemachten Fotos aus. Die Rauchbarkeit steht der Verarbeitung in nichts nach, meine vier Pfeifen von Volker Hahn lassen sich alle hervorragend rauchen.

Volker Hahn gibt seinen Pfeifen keine wohlklingenden Marketing-Namen sondern nummeriert sie einfach durch, zur Zeit dieses Berichtes ist er bei Nr. 315. Nicht viel für über 35 Jahre – aber es ist eben auch seine Passion und kein kommerzielles Unternehmen. Dies merkt man nicht nur an seinem einfachen Webauftritt, sondern auch an den sehr bodenständigen Preisen. Wer sich eine etwas bessere Serienpfeife für um die 150,- Euro leisten kann, kann hier für das gleiche Geld zu einem wirklich individuellen Stück von einem Pfeifenmacher kommen.



Man merkt mir sicherlich an, dass Volker Hahn für mich nicht irgendwer ist – mich begeistert seine Liebe zum Pfeifenbau, die klaren Linien seiner Pfeifen und seine freundliche, unkomplizierte Art. Wenn ich einen Vergleich zu einem anderen Pfeifenmacher ziehen sollte, so würde mir spontan der leider bereits verstorbene Eckhard Seemann (der „Piepenmoker“) einfallen – vielleicht ist der Norden einfach geschaffen für solche Charaktere.







Euer „Genussfan“ Uwe




Autor: Uwe Kloth

Mittwoch, 6. Mai 2015

Lohmar 2015 - Meine Eindrücke!

Schafft es ein Pfeifenbekloppter, wie ich, halbwegs sachlich und informativ über ein Pfeifen-Volksfest wie Lohmar zu berichten? Ich glaube nicht... will es aber versuchen. Im Jubiläumsjahr war es zu erwarten, dass die Besuchermenge noch einmal ansteigt. Selbst der zur Eröffnung erschienene Bürgermeister Lohmars, Herr Krybus, war mächtig erstaunt, welche Menge Pfeifenvolk sich schon zur offiziellen Startzeit um 10.00 Uhr eingefunden hatte. Ein angenehmer Volksvertreter, übrigens. Kein Pinguin mit strangulierender Krawatte und wichtigem Habitus. Sympathisch, locker und tatsächlich interessiert, passte er gut zum Anlass und zur Atmosphäre. Leider machte er klar, dass er trotz Jubiläumspfeife, die ihm Volker Bier als Geschenk überreichte, überzeugter Nichtraucher bleiben werde. Doppelt schön, dass er keine Berührungsängste zeigte und der Sache, unserer Sache, offen und wohlwollend gegenüber steht. Hier könnte man etwas lernen, liebe Landes- und Bundespolitiker!

Trotz großem Interesse und entsprechendem Besucheransturm blieben beengende Gefühle in diesem Jahr gänzlich aus. Mit den Erfahrungen des letzten Jahres positionierte Volker Bier ein paar Aussteller neu... und strategisch geschickt, wie man sagen muss. Die meiste Zeit war es, mit etwas Geduld, durchaus möglich, sich an den Ständen in Ruhe umzusehen und sich zu entscheiden.




Noch nie gab es in Lohmar einen derart hohen Anteil an jungen Besuchern. Die sozialen Netzwerke, wie z.B. Facebook mit seinen Pfeifengruppen, sorgen scheinbar für das, was vor allem die Industrie lange sträflich vernachlässigt hat: das Interesse des Nachwuchses zu wecken. Hochinteressant ist es, zu beobachten, wie die verschiedenen Altersgruppen eine solche Messe wahrnehmen und erleben. Während der "gesetzte" Pfeifenfan eher allein und konzentriert auf seine Vorlieben durch die Reihen streift, ist es bei den jungen Gruppen mehr der Charakter eines Familienausflugs. Da wird ausgeschwärmt, entdeckt, wieder zusammen gefunden, berichtet, diskutiert, verglichen... man merkt rasch, dass die Pfeifenfans der neuen Generation durch den Umgang mit den sozialen Medien auf schnellen Austausch und gemeinsames Erlebnis geeicht sind. Überall dort, wo diese verschiedenen Generationen aufeinander treffen, ergeben sich aber nicht etwa Spannungen, sondern rasch Gespräche, die von gegenseitigem Wissenswunsch geprägt sind.

Das Erlebnis selbst wird unterschiedlich empfunden und genossen, das Erlebte eint aber letztlich. Ich hatte Gelegenheit zu einem längeren Gespräch mit einer Facebook-Gruppe und am Ende war mir klar, dass keine Generation auf die andere herabblickt. Wohl, weil man verstanden hat, dass KEINE der beiden Arten, Pfeife zu erleben, die allein seligmachende ist. Die junge Generation profitiert spätestens bei Problemen und Unklarheiten von der langsam gewachsenen Pfeifenerfahrung der "Alten" und die wiederum erfahren durch die "Jungen" neue Blickwinkel und Ansichten... wenn sie sich darauf einlassen.



Damit sind die Pfeifenfans weiter, als einige Macher. Die spielen ein riskantes Spiel, in dem sie sich ausschließlich auf das schnelle Karussell virtueller Verbreitung begeben. Klar reizt es, wie schnell man seine Segel dort mit Wind füllen kann, wie schnell man dort Verbreitung findet und auch, nennen wir das Kind beim Namen, Kasse machen kann. Doch, je schneller sich dieses Karussell dreht, desto schneller kann man statt "in" auch "out" sein. Dauerhaft treue Käuferschaften dürften bei der Geschwindigkeit eher schwer zu finden sein... und selbst, wenn man die hatte, gingen sie wahrscheinlich verloren, als man nur noch auf die "neuen Karten" setzte. Gravierende Fehler werden schon gemacht. Da droht einer Einrichtung, wie dem Pfeifenmacher-Forum, das Aus, weil man einfach keine Lust mehr hat, sich über grundsätzliche Dinge der Pfeifenmacherei auszutauschen und den Umgang miteinander in Ruhe zu pflegen. Solche Vorgänge machen die Leidenschaft zur Pfeife flacher und ärmer. Das ist allerdings weniger die Schuld der neuen Möglichkeiten, es ist die Schuld der Menschen, die nicht weitsichtig genug und zu bequem sind, beide Formen zu verknüpfen.




Das friedliche Nebeneinander verschiedener Stile und Generationen setzte sich in Lohmar auch bei den Pfeifen fort. Gewachsene, gereifte Klassik, wie bei Ecki Stöhr, H.G.Noske, Klaus Hahn oder Holmer Knudsen, geschliffene, eigene Stile, wie bei Jürgen Börner oder Ken Dederichs, die gelungene Kombination beider Welten, wie bei Manfred Hortig, J.O. Stehr oder Volker Bier... und die augenzwinkernde Avantgarde eines Uwe Maier. Jeder Aussteller eine Bereicherung, jeder Stil fand seine Fans... auch das wirklich sehr erfreulich. ...und sogar generationsübergreifende Arbeit für die Lohmarer Messe ist möglich. So schufen Urgestein Jan Harry Seiffert und der (im Vergleich) Newcomer Colja Schoppe sehr gediegene Pfeifensets in schöner Umverpackung... und zwar in gemeinsamer Arbeit.




Preise... nun, die Preise sind ein ständiges Thema. Letztlich muss jeder Pfeifenfreund für sich entscheiden, was ihm die jeweilige Arbeit wert ist... und jeder muss für sich die Grenze setzen, ab der er die Preisfindung nicht mehr nachvollziehen kann. Doch, auch hier gab es für jeden etwas. Welch' erstklassige Verarbeitung und Rauchbarkeit auch für erträgliches Geld möglich ist, zeigte wieder einmal mehr Maike Paeßens, die auch bei dieser Messe das Zelt (nahezu?) ausverkauft verließ. Ebenso budgetfreundlich zeigten sich die originellen und sauber gefertigten Pfeifen von J.O. Stehr und Volker Bier. Eine echte Bereicherung in diesem Segment stellt Andrzej Piontek mit seinen MIMOTO-Pfeifen dar... auch hier sieht man, was im Bereich unter der Zwei, vorn auf dem Preisschild, alles möglich ist.




Nicht wenige Pfeifenfreunde (so auch ich) setzen aber auch zunehmend auf Estate-Pfeifen, die erstklassigen Rauchgenuss für recht schlanke Börse bieten... auch da hatte Lohmar ein entsprechendes Angebot parat. Allen voran der "Platzhirsch" Olaf Langner, dessen hervorragende Aufarbeitungen das Vertrauen verdienen, dass beim Estate-Kauf unerlässlich ist. Hier gab es, durch alle Qualitätsstufen hinweg, was das Herz begehrt.




Alles eitel Sonnenschein, also? Nun... nicht ganz und das Thema Preise erleichtert den Übergang zum einzigen Ärgernis einer gelungenen Messe. Vermutlich aus gesetzlichen Gründen, vielleicht aber auch der besseren Platzverteilung wegen, fand der Verkauf von Speisen und Getränken außerhalb der Villa aus einem schmucken Wagen heraus statt. Volker Bier verwies bereits in seiner Eröffnungsrede zu recht darauf, dass auch eine ordentliche Versorgung der Besucher mit Essen und Getränken notwendig sei, damit die Leute nicht davon laufen... und fort bleiben. So richtig das ist, hätte man vielleicht das Thema der Bezahlbarkeit nicht außen vor lassen sollen. Gegen moderate Preiserhöhungen zum Vorjahr wäre sicher nichts zu sagen. Einen simplen, kleinen, schwarzen Kaffee darf man aber beim Preis von zwei Euro schon als grenzwertig ansehen. Eine einfache Bockwurst mit einem halben Brötchen für vier Euro verschlägt mir aber dann doch die Sprache. Man kann das so machen, sollte sich aber im nächsten Jahr nicht über die vielen Picknick-Rucksäcke wundern, die geschmierte Stullen und Thermoskannen voller Kaffee von daheim beinhalten. Wer von dieser Preisfindung profitieren könnte, ist die in der Nähe befindliche Bäckerei... doch, das ist sicher nicht Sinn der Übung.

Soweit mein Versuch, eine äußerst emotionale Veranstaltung einigermaßen sachlich herüber zu bringen. Lohmar rules - keine Frage... und auch ich bin 2016 wieder dabei. Beim Familienfest, beim Freundschaftstreffen der Pfeife, beim Austausch über Grenzen und Generationen hinweg... bei meinem höchsten Feiertag. Wir seh'n uns hoffentlich!

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Montag, 4. Mai 2015

Warum die Pfeife doch lebendig ist!

Ja, die Pfeife vermittelt vielleicht wie kaum ein anderes Genussmittel das Flair von "Müßiggang" - ein Wort das nicht nur aus dem Sprachgebrauch verschwunden ist, sondern auch aus unserer Ideologie. Mit Ideologie meine ich, in Anlehnung an Slavoj Zizek, die fundamentale Art, wie wir uns unsere Lebenswirklichkeit zu einem sinnvollen, erfahrbaren Ganzen machen. Wenn wir heute an Müßiggang denken, fällt es schwer, uns einen Zeitgenossen bei dieser „Tätigkeit“ vorzustellen. (Die Anführungszeichen deswegen, weil Müßiggang eigentlich das absolute, undenkbar gewordene Gegenteil von Tätigkeit ist.) Uns bleibt nichts anderes übrig, als uns dabei einen Menschen aus dem 19. Jahrhundert vorzustellen, der im Park "flaniert" (um bei den Wörtern zu bleiben, die aus Sprache und Vorstellungskraft verdrängt wurden). Aber wie könnte ein moderner Müßiggänger ausschauen? Am ehesten noch wie ein Pfeifenraucher. Und das meine ich ganz ohne Pathos, wie ich jetzt versuchen will zu zeigen.

Die meisten Formen des Genusses müssen sich immer über einen praktischen Nutzen rechtfertigen: "Joggen ist nicht nur entspannend, sondern verbessert die Leistungsfähigkeit im Alltag!", "Zen Meditation verhilft Ihnen nicht nur zu besserem Wohlbefinden, sondern auch dabei, in Beruf und Privatleben besser zu bestehen!" "Rotwein schmeckt nicht nur gut, in Maßen genossen hilft er auch der Gesundheit!" Genuss als solcher ist nicht zulässig. Er darf nur als Mittel zum Zweck auftreten. Als Förderer der Gesundheit, des ausgeglichenen Privatlebens, des beruflichen Erfolges, etc. Was die Gesellschaft halt gerade vorgibt.

"Die Kinder mögen den Vater nachahmen, der einen Hang zu langen Spaziergängen hatte, aber wenn die Formalisierung der Vernunft weit genug fortgeschritten ist, werden sie meinen, dass sie ihre Pflicht gegenüber ihrem Körper erfüllt haben, wenn sie nach den Kommandos einer Radiostimme einen Gymnastikkurs absolvieren. Ein Spaziergang durch die Landschaft ist nicht mehr notwendig; und so wird er Begriff der Landschaft selbst [...] sinnlos und willkürlich. Die Landschaft verfällt gänzlich zum Touring-Erlebnis." Das schrieb Max Horkheimer in "Zur Kritik der instrumentellen Vernunft", vor einem halben Jahrhundert. Mittlerweile ist die Landschaft nicht mal mehr Touring-Erlebnis, sondern auf sie wird gänzlich verzichtet. Stattdessen rennt man auf einem Laufband, im Licht von Neonröhren und schaut dabei RTL Nachmittagsprogramm. Aber als jemand, der selber gerne Waldlaufen (nicht joggen) geht, muss ich zugeben, dass tatsächlich eine Versuchung besteht, der Pulsuhr und den gelaufenen Kilometern mehr Aufmerksamkeit zu schenken, als dem erwachenden Frühling. Wir sind eben alle Kinder unserer Zeit. Und die Pfeife kann durchaus helfen, sich zu emanzipieren und ein erwachsenes Verhältnis zu seiner Zeit zu entwickeln.

Denn nachdem der Tabak laut herrschender Ideologie ein absolutes Unding darstellt, lässt sich das Rauchen einer Pfeife nicht mit irgendwelchen „objektiven“ Vorteilen aufrechnen. Auch wenn die Pfeife Entspannung bringt, die gesundheitlichen Nachteile sind immer noch viel, viel größer. Na gut, daraus kann man, in Anlehnung an ein berühmtes Gleichnis von Friedrich Nietzsche, verschiedene Schlussfolgerungen ziehen: Einerseits könnte man sagen, dass man überhaupt nicht rauchen soll. Dann wäre man ein braves Kind seiner Zeit. Oder man könnte versuchen, die Pfeife doch irgendwie zu rechtfertigen („Genuss ist ja auch irgendwie gesund“). Andererseits könnte man auch versuchen, sich in ein erwachsenes Verhältnis zu seiner Zeit zu setzen und sagen: „Die Pfeife ist zwar nicht gesund. Gesundheit ist zwar ein hohes Gut. Aber vielleicht auch nicht das höchste.“ Zweifellos wäre das, wie der Arzt und Theologe Manfred Lütz sagt, ein unglaublicher Fauxpas. Oder, wie Daniel Frey schreibt, „gegen die Verpflichtung zum Leben und für die Leidenschaft zum Leben“.

Aber in einem Punkt möchte ich doch Zweifel anmelden: Ist die Glanzzeit der Pfeife wirklich vorbei? Klar, in wirtschaftlicher Hinsicht vielleicht schon. Heute wird definitiv weniger Pfeife geraucht, als früher. Aber wieso sollte der Erfolg der Pfeife primär in wirtschaftlicher Hinsicht gemessen werden? Gehen wir da nicht schon wieder dem Zeitgeist auf den Leim, der sagt, dass Erfolg in Zahlen aufgeht? Ich sehe heute z.B. auf dem Sektor der Freehandpfeifen unglaublich viele engagierte und kreative Pfeifenmacher. Ob es die in den 60ern auch gab? Ich wage es zu bezweifeln. Ich sehe heute auch viele Pfeifenraucher, die sich viel mit ihrer Leidenschaft auseinandersetzen und bewusst konsumieren, Tabake und Pfeifen nach bestimmten Kriterien auswählen. Ob das früher auch so „ernst“ genommen wurde, wage ich zu bezweifeln. Und ich sehe jede Menge Idealisten unter den Fachhändlern, für die das Thema Pfeife mehr ist, als bloß das, was in der Bilanz rauskommt.

Die Überzeugung, dass die Pfeife ihre Glanzzeiten hinter sich hat, sollte man meiner Ansicht nach überdenken. Wie gesagt, nur weil früher in absoluten Zahlen mehr Pfeife geraucht wurde, heißt das noch lange nicht, dass es damals auch besser war.


Autor: Max Muthsam