Willkommen bei Jogi-wan...

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Dienstag, 31. März 2015

Lincoln - Mellow Mixture

Wir schreiben das Jahr 1969. 2,8 Millionen Deutsche rauchen Pfeife. 6000 Tonnen (!) Pfeifentabak gehen allein in der Bundesrepublik jährlich in wohlriechendem Rauch auf. Das Pfeifen-Image erfährt einen erstaunlichen Wandel. Weg vom Oberförster, der in seinen Gesteckpfeifen den 50-Pfennig-Knaster verglimmt, hin zum modischen, intellektuellen, zuverlässigen Mann von Welt. Herbert Wehner, Hans Joachim Kulenkampff ("Kuli"), Rudolf August Oetker - Deutschland hat seine Pfeifenhelden und der deutschen Frau gilt der Pfeifenraucher als " ruhig, gepflegt, häuslich und gemütlich".

In diesem Jahr wird auch der Lincoln „Mellow Mixture“ geboren. Seine Wiege steht bei der Firma Brinkmann und dort ist man stolz auf den Zögling und gibt ihm einen englischen Namen. Ganz der damaligen Mode geschuldet, in der englisch gleichbedeutend war mit weltmännischer Qualität. Trocknen wir unsere nostalgischen Tränen im Angesicht solch' glorreicher Zeiten und stopfen uns ein entspannendes und mildes Pfeifchen. Vielleicht mit Lincoln „Mellow Mixture“... den gibt es nämlich immer noch! Ok, haken wir kurz das Gejammer der ewigen Kritiker ab. Früher war der Lincoln viel besser, früher schmeckte er noch weicher, früher.... so, nun ist aber gut! Denn hier interessiert, wie der Lincoln „Mellow Mixture“ heute schmeckt und ob er sich im Umfeld moderner Massenkräuter behaupten kann.


Beim Öffnen des Pouches kommt einem der bekannte, vanillige Duft entgegen. Etwas Obst (Kirsche?) lässt sich auch im fein geschnittenen Ribbon-Cut erahnen. Wie seit Jahr und Tag gewohnt, also. Tabak? Doch, ja... er ist zu erschnuppern. Ein wenig Heu vom Virginia, ein wenig Nuss vom Burley... und da ist ja noch der, heute in solchen Tabaken eher unübliche, Orient-Anteil. Erfrischend, dass beim Lincoln bis heute auf die sonst gern verwendeten Massen an schwarzer, aromageschwängerter Rauchpappe in Form von Black Cavendish verzichtet wird. Man verzeihe mir, dass ich diesem tot fermentierten Aroma-Transporter nicht viel abgewinnen kann. Der Black Cavendish hat in den Reihen moderner Hocharomaten für eine erschreckende Phantasielosigkeit gesorgt und dafür, dass sich viele Aromen spätestens zur Hälfte der Füllung verflüchtigen. Zurück bleibt dann meist ein fades Rauchvergnügen. Nicht so beim mittlerweile von der STG vertriebenen Lincoln. Etwas aufgerieben und durch passende Feuchtigkeit problemlos gestopft, verteilt er sein Aroma über beinahe die gesamte Rauchdauer.


Dabei ist das "mild und lieblich" aus dem Tabaknamen absolut Programm. Er entwickelt die Süße, die man in manchen Lebenssituationen einfach braucht, ohne zuckrig zu wirken. Weich, ohne Spitzen oder Aromalöcher... darf man einen Tabak freundlich nennen? Selbst etwas zu warm geraucht bleibt dem Lincoln Bissigkeit fremd, er wird nur intensiver. Sein Glimmverhalten ist sehr gut und er fühlt sich in mittleren bis großen Köpfen besonders wohl. Das Plakative ist nicht seine Welt, er will, glaube ich, gar nicht heraus stechen oder mit schillernden Farben die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Er will ein problemloser, angenehmer Begleiter für beinahe jede Pfeifensituation sein - und das gelingt ihm prächtig.


Ältere Pfeifenfreunde erkennen diesen Geschmack wieder. Der typisch lieblich-milde Vertreter einer beinahe vergessenen "Aromaten"-Fraktion. Viele der Nachbarn, die früher neben dem Lincoln im Tabakregal standen, sind längst Geschichte. Die Royal Niemeyers, die Kiepenkerls, die Exoten von Radfords... Ja, es ist ein Gutteil Nostalgie... aber nicht nur. Denn auch der aktuelle Lincoln „Mellow Mixture“ behauptet sich problemlos zwischen all' den Dutzend-Kräutern der Danske Club- oder Stanwell-Familie.

Entspannt, mild, weich, süß, problemlos - der heutige Alltag weist mehr als genug Situationen auf, in denen solch' ein Tabak Balsam für die Seele ist. Entdecken Sie ihn... wieder oder erstmalig. Es lohnt sich. Heute war ich für Sie "der Mann, der Lincoln raucht".


Ihr Ralligruftie




Autor: Ralf Dings

Sonntag, 29. März 2015

Schneiderwind - Banbridge

Ein Einstand muss nicht immer mit einem Knall erfolgen, manchmal geht es auch ohne Sektkorken und Feuerwerk. Der "Banbridge" kommt unscheinbar daher, lärmt nicht, blendet nicht und... bleibt. Und falls er wieder ginge, weil er womöglich eines Tages aus dem Programm und Angebot genommen wird wie manch andere seiner Kameraden, man würde ihn schmerzlich vermissen und mit ihm eine echte Kostbarkeit, einen stillen Schatz von Tabak, wie man ihn selten findet.

Wie ich ihn gefunden habe, warum ich ihn überhaupt gekauft habe, weiß ich nicht mehr. Die Dose versteckt sich mit ihrem blassen Grau zwischen den quietschbunten Etiketten der Planta-Jahrestabake und den Schreifarben der Danske-Club-Pouches. Der Preis liegt mit 17,60 Euro für 100 g im unauffälligen unteren Mittelfeld. Der Tabakhändler pries ihn, obgleich seine eigene Hausmischung, nicht besonders an, und die Dosenprosa des Herstellers liest sich wie die von hundert anderen. Kurz: Kein Lärmen und Blenden, und trotzdem kam er auf meinen "Speisezettel" und wird dort nun regelmäßig stehen. Nicht jeden Tag, denn Kostbarkeiten sind nichts für den Alltag.


Bei so viel nobler Zurückhaltung und stiller Größe darf man indes umso mehr loben:

Alle Flake-Liebhaber werden sich am "Banbridge" erfreuen. In der Dose liegt aufgerollt eine lange, flache Tabakschlange in abwechslungsreichen mittleren Brauntönen mit hellen Einsprengseln, die sich bei etwas Sorgfalt für alle Varianten des Flakestopfens eignet, vom Rupfen natürlich übers Kugeln bis - trotz loser Textur - sogar zum Knickfalten und doppelten Rittberger in den Pfeifenkopf. Konsistenz und Feuchtegrad sind ausgezeichnet; der Tabak kann sofort und ohne Umstände (Trocknen, Befeuchten) geraucht werden, und er kann es, wenn luftdicht aufbewahrt, auch noch nach über einem Jahr.


Der Duft ist "tabakecht", hellere bis mittlere Virginianoten verbinden sich mit Burley und Perique zu einem unaufdringlichen, ausgesprochen runden, geschlossenen Bouquet. Das in der Dosenprosa angekündigte Casing ist mit der Nase kaum wahrnehmbar. Das Entzünden geschieht für einen Flake mühelos, der Tabak glimmt vorbildlich ruhig und gleichmäßig über die gesamte Oberfläche, es entstehen keine Glutnester, und es bleiben keine Tabakstrünke stehen. Nachzünden schadet dem Tabak nicht.

Bisher nur Löbliches. Und der Geschmack? Da gibt es nichts zu loben, nein, da kann man nur noch preisen und besingen: Dieser Tabak ist die harmonischste, rundeste, ausgeglichenste und zugleich doch raffinierteste Komposition, die mir in den letzten Jahren untergekommen ist. Man schmeckt einen mild-süßen Virginia neben einem körperreichen Burley, und beide gewinnen Würze und Kraft aus der Prise Perique, die hinzugefügt wurde. Man schmeckt tatsächlich die einzelnen Komponenten der Komposition, ohne dass das Ganze indessen auseinanderfiele und seinen Charakter einer harmonischen Ganzheit verlöre. Das alleine würde schon rechtfertigen, von einem ausgezeichneten Tabak zu sprechen. Das Casing jedoch, eine warme Note von Nougat, bildet für die drei Komponenten das entscheidende Bindemittel. Und dieses Bindemittel macht aus einem ausgezeichneten Tabak einen raffinierten Tabak, einen Tabak, den man nicht an das Einerlei des Alltags verschwenden darf und will.

Die Freunde der "naturnahen" Tabake sollten beim Wort "Casing" nicht die Nase rümpfen. Das ist kein Tabak mit Schokoladen-Soße, -Suppe und -Pomade darin. Das ist ein sachter Duft von bestem Edelnougat, eine Ahnung mehr, ein Hauch, der dennoch die Kraft hat, alles zu runden und zu schließen, die Qualität und Eigenart aller Komponenten zu erhöhen und sie doch zu einem Ganzen zusammenzuschmelzen mit seinem zarten Schmelz, der den Tabak bis zum Ende begleitet und nobel vervollkommnet.
Von einem Aromaten sollte man daher nicht sprechen (allenfalls noch in dem Sinne, wie jede Virginia-Perique-Mischung ohnehin schon ein Aromat ist, weil der Perique per se mit den Aromen von Rum, Essig und Süßholz angereichert ist). Der Tabak dient hier nicht als beliebiger Aromaträger, sondern umgekehrt dient das Nougat-Aroma (treffender wäre, von einem Nougat-Duft, einer sachten Anspielung und Hommage an die wunderbaren belgischen Guylian Meeresfrüchte zu sprechen) dazu, die Qualität des Tabaks hervorzuheben. Und wie ihm das gelingt, das kann man eben nur raffiniert nennen: Der Tabak ist charakteristisch-charaktervoll, ohne aufdringlich zu sein, und er vollbringt das Kunststück, eine rund geschlossene Ganzheit zu bilden, ohne das Spezifische seiner Zutaten einzuebnen. (Dieser Subtilität und Differenziertheit verdankt er auch, dass er nie langweilig wird, obgleich sein Charakter sich über eine Pfeifenfüllung von anderthalb Stunden nur unmerklich verändert.)

Er entzieht sich daher auch einer allzu schlichten Einordnung in die Kategorien "Aromaten" - "Nicht-Aromaten", "Dänisch" - "Englisch", "Naturnah" – "Naturfern". Sein Name, den er von der nord-irischen Stadt Banbridge hat, führt schließlich vollends in die Irre. Ein seifiger Ire ist er wegen seiner Geschmackswärme am allerwenigstens. Vielleicht verlangt er auch deshalb, weil er quer zu den Kategorien steht, zu Anfang eine gewisse Geduld. Das ist kein schriller Marktschreier-Tabak, der laut tönt, was er alles könne und sei, und am Ende nicht viel hält. Er will mit der Zeit erschlossen werden; man muss ein paar Füllungen aufmerksam rauchen und dem Duft nachspüren. Dann belohnt er die Geduld.

Der "Banbridge" ist ein Tabak, den man immer in der Bar haben möchte. Nicht für den Alltag. Für stille Festtage des Geschmacks ohne Krach und Feuerwerk.
Fazit für Eilige:
Ein (tendenziell) naturnaher Tabak mit sehr dezentem, fast unmerklichem Nougat-Casing von hervorragender Qualität, überragend harmonisch und raffiniert im Geschmack. Ausgezeichnet in jeder Hinsicht. Höchste Empfehlung!

Hausmarke bei "Pfeifen Schneiderwind", Aachen
Hersteller (laut Steuernummer): Kohlhase und Kopp
Preis: 17,60 für 100 g (Stand: März 2015)

Verwendete Tabake: Virginia, Burley, Perique
Typ: Flakeschlange (eher lose)
Richtung: tendenziell naturnaher Tabak
Casing: sehr dezent
Note: Nougat (Guylian Pralinen)
Stärke (Nikotingehalt): mittel
Abbrand: eher langsam

Geraucht in: Savinelli Silver 320 KS oFi




Gastautor: Patrick H.

Samstag, 28. März 2015

Rattray's - Buckingham

Beim „Buckingham“ unter dem Banner von Rattray's dürfte es sich vermutlich um den Peterson „Gold Blend“ handeln. Noch scheint nicht klar, welche aromatischen Mischungen im Peterson-Programm weiterhin Bestand haben werden, nach dem Kohlhase & Kopp nicht mehr für Peterson produziert und auch nicht mehr vertreibt. Diese aromatische Linie von Rattray's, und mit ihr der „Buckingham, erblickte jedenfalls das Licht der Welt zum Zeitpunkt des Wechsels und die Beschreibungen sind stellenweise frappierend ähnlich. Deswegen wohl nichts Neues, aber vielleicht doch Interessantes.


Hickory-Nuss, Vanille und ein Hauch von Zimt sollen es sein, die dem Raucher schmeicheln. Öffnet man die (zu enge) Hochdose, dann duftet es sehr süßlich, und mit dem Wissen der Beschreibung im Hinterkopf kann man durchaus Nuss und auch etwas Zimt erahnen. Nun ja, für den Zimt braucht man wohl etwas Fantasie, aber dann klappt es ganz gut. Nicht weltbewegend, sondern eher standard, setzt sich die Mischung aus hellen und dunklen Virginias, natürlich Black Cavendish und etwas Burley als Cube Cut zusammen.


Auf die Handhabung muss man nicht mehr eingehen, alles einfach, und dennoch wehrt sich die Mischung zunächst mal ein wenig. Drei – vier Anzündversuche und es geht weiter. Im Geschmack vanillig und etwas nussig raucht sich der „Buckingham“ im Grunde genommen solide runter. Hinter den Zimt bleibt ein Fragezeichen, wahrscheinlich gibt die Gesamtkonzeption den Ausschlag. Ich meine, dass man dieses Tabak mit Bedacht und sehr langsam rauchen sollte, denn hin und wieder zwickt mich die Mischung. Und das mit Filter! Ich scheine also wirklich zu den Weicheiern zu gehören, denn rauchende Mitstreiter konnten dieses Phänomen nicht feststellen.

Der“Buckingham“ gehört sicherlich zur milden Gattung, da wiegt das Nikotin nicht schwer. Die Kondensatbildung ist erstaunlich zurückhaltend und der Raumduft angenehm. Bleiben wir bei der Ahnung, oder meinetwegen auch der Feststellung, dass es sich beim „Buckingham“ um den „alten“ Peterson „Gold Blend“ handelt, dann sprechen wir hier über einen bekannten Weggefährten, den es weiterhin, nur jetzt unter der Fahne von Rattray's, gibt. Und das ist schön, wie unser Autor Ralf Dings bereits beim „Macbeth“ festgestellt hat.



Autor: Ralf Ruhenstroth



Sonntag, 22. März 2015

Pfeifenfreunde im Kloster? Eine spannende Entdeckung!

Das die Mönche in den früheren Zeiten nicht nur um das seelische Wohl ihrer Person bemüht waren, dürfte inzwischen hinreichend bekannt sein... und sie durchaus angenehm menschlich machen. Klosterliqueure, -biere, -käse und sonstige Leckereien sind zurecht berühmt geworden. Die Geschichte, die mir mein lieber Freund Alexander Schreeb berichtete, ist allerdings ungewöhnlich und hoch interessant.

Am 28.10.2014 berichtete die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover in ihrem Online-Auftritt von einer archäologischen Schatzsuche, die zur Zeit im Garten des dortigen Priors stattfindet und Geheimnissen des Klosters Loccum auf der Spur ist.


Alexander, der mittlerweile in London weilt, war bei der Sichtung der Funde zugegen und seine Fotos sorgen schon für Staunen.

Copyright: Alexander Schreeb

Copyright: Alexander Schreeb

Copyright: Alexander Schreeb

Copyright: Alexander Schreeb


Einzelne Tonpfeifen im Boden hätten für die lächelnde Erkenntnis gesorgt, dass die Mönche auch in dieser Hinsicht zu genießen verstanden. Diese Masse allerdings ist rätselhaft, zumal sich darunter Stücke fanden, die einem Harzer Hersteller zugeordnet werden... und das ist ja nun doch selbst für heutige Verhältnisse ein Stück weit weg.

Wie oft in der Archäologie wirft das eine Menge interessanter Fragen auf. Ob sich mit der Zeit auch Antworten finden, bleibt abzuwarten. Zumal die Grabungen noch fortgesetzt werden. Sollte ich an weitere Informationen gelangen, werde ich sie gern an dieser Stelle mit Ihnen teilen. Wenn Sie selbst eine Idee haben, die diese Funde erklären könnten, lassen Sie es mich wissen.

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Samstag, 21. März 2015

DTM - Mike's American Ready Rubbed (M.A.-Blend)

Bei Vanille-Tabaken gilt bei DTM ganz klar das Motto „Wer die Wahl hat, hat die Qual". Glücklicherweise bezieht sich diese Qual nur auf die Frage, welchen der vielen Vanille-Aromaten im Sortiment man nimmt und nicht auf die Tabakqualität. Denn egal, ob einem diese Art von Aromatisierung zusagt oder nicht - die Tabakbasis ist stets hochwertig und gibt keinen Anlass zur Kritik.

Mit dem „MA Mild American Ready Rubbed" (bzw. jetzt „MA Mike's American Ready Rubbed", das Mild ist wohl den Tabak-Werberegularien zum Opfer gefallen) hat Michael Apitz schon vor längerer Zeit einen weiteren Hocharomaten kreiert, dessen dominantes Aroma auf Vanille basiert. Allerdings auf einem sehr natürlichen Aroma, etwas künstliches oder gar chemisches lässt sich hier weder riechen noch schmecken. Allenfalls lässt sich noch ein zusätzliches, süßes Flavour erahnen, dass mich vermuten lässt, dass auch dieser Blend mit einer ähnlichen Aromatisierung wie der „Sweet Vanilla Honeydew“ versehen wurde.


Das Tabakbild zeigt nach dem Öffnen der für die MA-Blends typischen 100 g Blechdose einen recht groben Ready Rubbed mit längeren Flake-Fasern, die aber nicht zusätzlich aufgerubbelt werden müssen. Es zeigt sich recht dunkel und besteht aus ca. 70% hellen und dunklen Virginias und ca. 30% Black Cavandish, die wohl zusammen gepresst wurden. Er kam zumindest bei mir relativ feucht aus der Dose und wider besserem Wissen habe ich ihn in diesem Zustand locker in einen etwas größeren Pfeifenkopf eingebracht. Das Anzünden erfolgte etwas widerwillig und so ein rechter Genuss kam bei mir nicht auf, er wurde schnell heiß und fing an zu beißen. Nach der Hälfte der Füllung habe ich dann die Pfeife geräumt und die Dose erst einmal 24 Stunden offen stehen lassen.

Am nächsten Tag und einem deutlich weniger feuchtem Tabak kam dann der zweite Versuch, diesmal ließ er sich schon wesentlich besser anzünden und kühl rauchen. Von Anfang an war die Vanille dominant, der Tabak steuerte aber durchaus eine gewisse Würze und Süße bei und ging niemals völlig unter. Nach der guten Hälfte der Pfeifenfüllung wurde das Vanillearoma schwächer und der Tabak kam stärker zu Geltung. Der Tabak war dabei aber immer leicht, mit einem eher niedrigen Nikotingehalt, zurück blieb mittelgraue Asche und deutlich Kondensat am Filter. Die Raumnote war - wie nicht anders zu erwarten - sehr angenehm.

Im Gegensatz zu seinem helleren „Sweet Vanilla Honeydew“ und dunklerem „MA Perfect Blend“ Bruder aus der DTM-Familie ist dieser Blend deutlich würziger. Das genau ist aber auch mein Problem mit dem  „MA Mild American Ready Rubbed" - im Gegensatz zu den anderen beiden Vanille-Hocharomaten fehlt mir hier auch nach vielen weiteren Füllungen die Harmonie, das Aroma und der Tabak streiten sich an meinen Geschmacksnerven miteinander, anstatt eine Einheit zu bilden. Sowohl den Tabak als auch die Aromatisierung betrachte ich als hochwertig, nur das Blenden (also Mischen) dieser beiden Komponenten ist für meinen Geschmack beim „MA Mild American Ready Rubbed" nicht so gut gelungen, wie ich dies von anderen Tabaken aus der MA Blends-Serie kenne.


Jemand anders mag diese Konkurrenz der Geschmäcker gefallen, mein Fall ist es nicht und ich ziehe jederzeit den "Perfect Blend" aus gleichem Haus vor...

Euer „Genussfan“ Uwe



Autor: Uwe Kloth

Dienstag, 17. März 2015

Ist das wirklich keine Satire?

Eine Kulisse, die klischeehafter nicht sein könnte. Ein Mann, Typ dümmlicher Aristokrat, eine Frau, Typ Yuppie-Tuse ,die Pfeife rauchen furchtbar lustig findet!. Sie suchen gemeinsame Entspannung bei einer Savinelli-Pfeife, die sie in den Händen halten, als seien es feuchte Fische.


Die Mundbewegungen des Herrn erinnern auch eher an Aquaristik, dabei wirkt er so verkrampft entspannt, als habe man ihm das Rauchwerkzeug mit der Schusswaffe aufgezwungen. Garniert wird die Szenerie mit einer Stimme aus dem Off, die mit Stereotypen um sich wirft, wie der Nikolaus mit den Nüssen. Hört sich schlimm an? Wird noch besser!


Zum grandiosen Finale finden die Stimme und der rauchende Karpfen zusammen und zeigen/sagen dem geneigten Zuseher, wie er am besten seine Pfeife schrottet, damit ihm Savinelli möglichst bald eine Neue aufs Auge drücken kann. Der Tip, eine Pfeife nur zu zwei Dritteln zu rauchen und den igittigittigen Rest mit dem Löffel auszuräumen, ist schon grandios, lässt sich aber dadurch toppen, dass uns der Pfeifenschnösel zeigt, dass man Mundstück und Kopf reißend, wie ein wilder Rottweiler, voneinander trennen sollte. Natürlich erst, nachdem die Pfeife entsprechende Ruhezeiten hatte und der Saft im enthaltenen, klatschnassen Balsaholz-Filter gründlich ins Holz des Holmes Einzug gehalten hat. Die Kirsche auf der Torte ist die Empfehlung, dieses aufgeweicht-widerliche Hölzchen noch ein-zwei Füllungen weiter zu verwenden. Spätestens bei dieser Vorstellung bekomme ich Fieberblasen am Mund.


Da dieses filmische Machwerk bereits über drei Jahre alt ist, habe ich die Hoffnung, dass der verantwortliche Stümper mittlerweile im Keller des Savinelli-Bruyerelagers entsorgt ist, bei Wasser und Brot. Nein, dieser Streifen ist wirklich keine Satire. Er ist das verkorkste Machwerk eines "Product-Managers", der vermutlich noch vor einem halben Jahr Kugelschreiber oder Yuppie-Latschen vertickt hat. Es tut schon körperlich weh, dass sich ein Traditionshaus wie Savinelli so etwas zumutet.

Dank an meinen Freund Henry, der mir dieses beeindruckende Beispiel exorbitant schlechter Pfeifenwerbung zugänglich machte!


Ihr Ralligruftie







Autor: Ralf Dings

Samstag, 14. März 2015

Kolumne: "Limited Edition" oder "Die überzogene Erwartung"



Kürzlich rauschte wieder der Sturm der Entrüstung durch den Pfeifenwald bei Youtube. Die Wellen der Empörung schlugen hoch. Der Grund? Der neue Peterson-Tabak "St. Patrick's Day" in einer angeblich limitierten Auflage von 1.600 Dosen. Die anfängliche Vermutung, es handele sich bei diesem Kraut in Wirklichkeit um den Larsen „Belle Epoque", bestätigte sich nach und nach und wurde schließlich zur Gewissheit. Skandal!?

Nun, vor gar nicht so langer Zeit stellte ich hier den „Epikur"-Plug vor. Angeblich limitiert und exklusiv. Rasch stellte sich heraus, dass er weder das eine noch das andere ist. Als ich mir erlaubte, diese Tatsache offen auszusprechen, musste ich unverschämte Kommentare und Beleidigungen im Familienpack über mich ergehen lassen... und das nur, weil ich die Behauptungen und Formulierungen des anbietenden Händlers kritisiert habe. Was soll man daraus schließen? Der Beschiss des einen Anbieters gehört angeprangert, beim anderen Anbieter darf man nichts sagen?



Was ist überhaupt geschehen? Wollen wir die Sache mal nicht zu hoch hängen, nicht von Betrug sprechen und nicht davon, dass man bei Nichteinhaltung einer zugesicherten Eigenschaft, das Recht auf Wandlung hat. Ein Beschiss ist es ganz sicher. Obwohl... "Nichteinhaltung einer zugesicherten Eigenschaft" ?

Welche Eigenschaften werden denn mit den Formulierungen "limitiert" und "exklusiv" zugesichert? Keine, wenn man ehrlich ist. Der Verbraucher ist letztlich schuld, dass diese Worthülsen immer inflationärer Verwendung finden. Toilettenpapier, Duftbäumchen, Katzenfutter, Haarshampoo... schauen Sie sich doch in einem Supermarkt mal um. Jeder Dreck wird heute in limitierter und exklusiver Auflage angeboten - und wenn nur die Farbe der Verpackung wechselt oder irgendein C-Promi sein dümmliches Konterfei zur Verschandlung des Designs zur Verfügung stellt. Ich sag' nur "Peter Heinrichs Dschungeltabak"...

Jeder ist heiß darauf, im immer gesichts- und qualitätsloseren Massenmarkt ein besonderes Produkt abzugreifen. Da ist „limitiert" und/oder „exklusiv" eine perfekte Verkaufshilfe. WAS aber sagen diese Worte über die Qualität des Inhaltes aus? Richtig, gar nichts!



Den Markt der Pfeifen und Pfeifentabake muss man, denke ich, aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Einmal aus der Sicht der Liebhaber und Raucher. Für sie ist ihre geliebte Pfeife ein wichtiger Bestandteil des glücklichen Lebens, die darin zu verrauchenden Kräuter eine faszinierende Leidenschaft. Sie erwarten Qualität, Originalität, ein liebevolles Angebot... und regelmäßige Neuheiten, die den „Haben-wollen-Effekt" auslösen und am Leben halten.

Sie setzen selbstverständlich voraus, dass die Hersteller ALLES geben, um diese Wünsche täglich neu zu befriedigen. Nur mit DIESER Sicht der Dinge im Gepäck befindet sich der Pfeifenfreund aber allzu schnell auf einem rosaroten Planeten, auf dem Begriffe wie betriebswirtschaftliche Notwendigkeit oder Rentabilität keinen Platz haben. Eine Art Takatuka-Land der Seeligen... und Lichtjahre von der Realität entfernt.

Der andere Blickwinkel ist der der Hersteller und Händler. Für diese Gruppe ist der Planet der Pfeifenfreaks nur ein winziger Punkt am Firmament. Nimmt man z.B. die Verkaufszahlen für Feinschnitte, die die Firma Pöschl jedes Jahr aufweist, müsste man den Chefs dieses Unternehmens eigentlich täglich die Füße dafür küssen, dass sie etwas so minimal verkäufliches und exotisches, wie die „Exclusiv-Pfeifentabake“ überhaupt noch produzieren.

Die STG verdient in anderen Bereichen und auf anderen Märkten ein Vermögen. Da wundert es beinahe, dass die übergierigen Kraken den deutschen Pfeifentabakmarkt überhaupt noch bedienen. Vielleicht eine Art sentimentales Hobby... oder „die Reste abgrasen", wie es ein Mitarbeiter dieser Firma mir gegenüber formulierte. Das dazu die mittelfristige Abwrackung solch' gut beleumundeter Marken, wie Peterson und Stanwell gehört, ist wohl ein Kollateralschaden... in jedem Fall aber ein anderes Thema.



Ja glaubt den wirklich ir-gend-je-mand, dass sich solch' ein Unternehmen die Mühe und die Kosten aufhalst, 1.600 Dosen à 50 Gramm eines exklusiven und einmaligen Tabaks zu mischen? Das sind 80 Kilogramm(!)... ein lächerlicher Klecks für eine Firma, die mindestens im Zig-Tonnen-Bereich rechnet.

...und die Händler? Die sind eigentlich die ärmsten Schweine am Geldtrog. Einkaufspreise, Steuern, Geschäftskosten... da bleibt nicht mehr viel, was sich verdienen lässt. Auf der anderen Seite der Theke der Kunde, der mit Qualität und Neuheitenflut überrascht und geködert sein will... oftmals aber die „Geiz ist geil-Mentalität" der schönen, neuen Marktwelt im Kopf mit sich herum trägt. Nahezu allein gelassen von den Herstellern, die (wie festgestellt) nur noch das Allernötigste in den deutschen Markt investieren... und der Problematik, DAS dem Kunden gegenüber zu erklären. Da muss man schon ein gehöriges Maß an Liebe zur Sache mitbringen, will man nicht verzweifeln.



Nein, diese schwierigen Bedingungen rechtfertigen keinen Beschiss des Kunden. Dinge als limitiert und exklusiv anzubieten, die es nicht sind... verwirrende Marken - und Herstellerwechsel, Rezeptänderungen nach Lust und Laune... solche und andere Vorfälle steigern nicht gerade das Vertrauen des Kunden in den Markt und haben hohes Potential, treue Raucherschaft zu verärgern.

Wer den Markt aber realistisch sieht, klein und unbedeutend wie er nun einmal ist, wird sicher nicht so schnell in seinen (zu) hohen Erwartungen enttäuscht. Er weiß auch die Leistungen derer, die wirklich noch etwas für den Pfeifenmarkt tun, entsprechend mehr zu schätzen... er wird vorsichtiger und geht bestimmten „Fliegenfängern" nicht mehr so leicht auf den Leim.

Freuen wir uns an neuen Tabaken, Pfeifen und neuem Zubehör. Erwarten wir diese Dinge aber nicht in rauen Mengen und am besten geschenkt. Geiz ist nämlich nicht geil - schon gar nicht bei der Leidenschaft! Unterstützen wir vor allem die Leute, die sich durch guten Service und feine Ware verdient machen um unsere, kleine Pfeifenwelt. Sortieren wir die schwarzen Schafe aus. Durch öffentlichen Austausch von Erfahrungen... aber bitte nur dann, wenn sie belegbar sind.

Nichts ist schlimmer, als die Brunnenvergifter aus den eigenen Reihen, die die Öffentlichkeit, z.B. bei Youtube, missbrauchen, um irgendwelche Gerüchte und selbst zusammen gereimte Weisheiten zu verbreiten... und das alles nur, um das eigene, verkümmerte Ego Gassi zu führen. Wer seine Meinung mit anderen Menschen teilt, sollte soviel Verantwortungsgefühl besitzen, nicht wahllos und unberechtigt Existenzen zu schädigen, nur, um den eigenen Vogel zu füttern.

Zu dieser Weisheit bin ich übrigens durch einen eigenen Fehler im letzten Jahr gelangt, für den ich nur Abbitte leisten konnte und der mir immer noch leid tut. Fairness von beiden Seiten und realistische Erwartungen und Angebote - das ist, denke ich, ein lohnenswertes Ziel. Wer weniger erwartet, ist seltener enttäuscht, und wer sich der Schwierigkeiten des Marktes bewusst ist, freut sich umso mehr über Neu- und Besonderheiten. Ich habe für mich festgestellt, dass man so einfach mehr Spaß an der Leidenschaft hat... und das ist schön.

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Mittwoch, 11. März 2015

DTM - Black Blend (M.A.-Blend)

Als ich mich mit dem Peterson „Holiday Season 2014“ beschäftigt hatte, da kam mir sofort DTMs „Black Blend“ aus der M.A.-Serie in den Sinn. Ein Ready Rubbed-Virginia, natürlich eine ordentliche Portion Black Cavendish (zu diesem Zeitpunkt galt für mich Michael Apitz ausschließlich als der Aroma-König von Lauenburg; mit dem „Tumblin' Dice“ wurde ich eines Besseren belehrt) und ein ordentlicher Schuss Vanille- und Crème de Cacao-Aroma. Passt nicht nur in den Winter, sondern spielt auch in der Frühjahrsonne bei einem Tässchen Kaffee eine gute Rolle.


Nachdem ich mir auch bei der sog. „Kanzlermischung“ aus anderem Haus einen Fehlgriff geleistet habe, schwingt bei solchen Mischungen immer etwas Skepsis mit. Wieso oft, für Aromatenfans im Fall des „Black Blend“ unbegründet. Wichtigstes Merkmal: Der Tabak schmeckt durch und bekommt unterwegs keinen geschmacklichen Hänger. Mir passt von der Handhabung dieses Schnittbild ausgezeichnet, sogar vereinzelte, größere Flakestückchen finden sich in der Dose.


Nachdem ich die Dose eine Weile geöffnet habe, passt die Feuchtigkeit und die damit verbundene Rauchbarkeit zu 100 Prozent. Daraus folgt leichtgängiges Stopfen und Anzünden. Die Virginias und der Black Cavendish geben eine gute Basis, das dürfte im Hause DTM ausreichend erprobt sein. Der Duft wird vom Hersteller als dezent beschrieben. Derjenige, der den Text verfasst hat, hatte an diesem Tag vermutlich Schnupfen. Zwar nicht mit der Heftigkeit des „Caramello“, aber dennoch ordentlich spürbar macht sich das Aroma in meinem Riechkolben breit. Ist aber angenehm!

Im Gegensatz zu vielen aromatischen Mischungen empfinde ich den „Black Blend“ anstatt leicht durchaus als mittelkräftig, der Abbrand ist vorzüglich. Gewohnt gut! Ein bisschen Feuchtigkeit und Kondensatbildung nehme ich hier in Kauf. Der Raumduft ist ebenfalls mitbewohnerfreundlich, da bleibt als Fazit nur: Ein qualitativ hochwertiger M.A.-Blend für Fans dieser Aromarichtung. Verschweigen möchte ich nicht, dass mich der „Black Blend“ ohne Filter gebissen hat, auch mit Filter sollte man nicht wie ein Geisteskranker an der Pfeife ziehen. Er kann zicken... aber es heißt ja auch DIE Dose Tabak! Übrigens: Derzeit sind 15,40 Euro für 100 g angesagt... also ein qualitativer Schnapper; mehr als fair!



Autor: Ralf Ruhenstroth



Dienstag, 10. März 2015

McClelland - Old Dog

Vorab gesagt: Dieser Tabak hält nicht, was der Name verspricht. Weder schmeckt er nach altem Hund, noch riecht er so. Dafür muss man bei schlechtem Wetter nicht mit ihm Gassi gehen. Wenn man allerdings einen alten, längst vergessenen Freund mit „Na, du alter Hund“ begrüßt, dann passt der Name. Denn dieser McClelland ist eine Reinkarnation eines alten Ashton-Tabaks, der von 1998 bis 2005 von McClelland produziert wurde.


Beim „Old Dog“ handelt es sich um eine (fast) klassische, englische Mischung aus Latakia und Orienttabak (Xanthie), die zusammen mit Virginia und Black Cavandish gepresst wurden. Das Tabakbild ist ein typischer Ribbon Cut mit kleinen Black Cavendish Stücken, der überwiegend dunkel und mit einigen hellen Streifen durchsetzt ist. Die erste Geruchsprobe lässt einen ordentlichen Latakia-Anteil erkennen und bringt eine deutlich süßliche Note mit. Er kommt – McClelleand untypisch – mit einem perfekten Feuchtigkeitsgehalt aus der Dose und lässt sich absolut problemlos in die Pfeife einbringen und anzünden. Er bäumt sich kaum auf und glimmt sauber runter, wobei sich fast kein Kondensat bildet.


Nach den ersten paar Zügen kommt zu dem Latakia und dem Orienttabak noch die ordentliche Süße vom Virginia und dem Black Cavendish hinzu, und das ganze ergibt einen sehr milden, weichen aber dennoch vollen Geschmack. Mich erinnert er etwas an Dunhill’s „My Micture 965“, wobei der „Old Dog“ sanfter und etwas leichter ist. Mein Favorit bei den englischen Mischungen war bisher der „Early Morning Pipe“, den hat der „Old Dog“ geschmacklich abgelöst, denn dieser Tabak kommt doch ein Stück komplexer und runder herüber, ohne dabei zu stark oder Latakia-lastig zu werden. Leider habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten zu anderen englischen Mischungen von McClelland wie den „Frog Morton“.

In einer filterlosen Pfeife geraucht, bekommt der Tabak nochmals etwas mehr Komplexität, weshalb ich ihn in Zukunft nur noch oFi genießen werde. Für einen Nikotin-Junkie ist der „Old Dog“ aber nichts, das ist der einzige Punkt, wo er nur wenig bietet. Die Raumnote ist sicherlich nicht sehr gesellschaftskonform, hier überwiegt dann doch der Latakia, und der kommt bekannterweise nur selten großen Beifall beim unbeteiligten Publikum.


Bei diesem Tabak muss man sich anstrengen, um ihn nicht ruhig und kühl runter zu rauchen, bis er noch ein bisschen hellgraue Asche zurücklässt. Meiner Meinung wäre das der perfekte Latakia-Blend für Einsteiger, wenn da das Wörtchen „wenn“ nicht wäre. Wenn es ihn nämlich auch zu einem humanen Preis in Deutschland geben würde, so bleibt nur der sehr teure Eigenimport aus den USA oder der Schweiz. Unter normalen Umständen ist dann nämlich der Preis mindestens doppelt so hoch wie für einen Dunhill-Tabak und das lohnt sich dann leider doch nicht mehr...

Euer „Genussfan“


Uwe Kloth

Freitag, 6. März 2015

K. Kleinlagel - Aplicious

So, Schluss jetzt! Feierabend! Ich kann diesen tristen, anstrengenden und kalten Winter nicht mehr sehen. Ich konnte ihn noch nie leiden - nicht mal als Kind. Ich habe jetzt auch die Faxen dick von "Winter-Tabaken" in Geschmacksrichtung Zimtstern und Grünkohl... natürlich als "Speschel Edischn". Ich will es jetzt mild, fruchtig, sonnig... Frühling in der Pfeife!


Da kommt der "Aplicious" gerade recht. Ja, Äpfel sind Herbstfrüchte, weiß ich! Wir wollen aber jetzt über diesen obstigen Broken Flake reden - keine Erbsen zählen. Die 7,5 cm Dose (na, Jogi wird wieder schäumen!) trägt stolz das Wappen der 1916 gegründeten und heute in Bruchsal ansässigen Zigarrenfabrik Kleinlagel. Warum, kann ich Ihnen auch nicht sagen. Ist doch an Dose, Einleger und Steuernummer klar ersichtlich, dass dieses charmante Kraut von Dan Tobacco stammt... und das merkt man auch.

Wer das Siegel der in "Golden Delicious Grün" gehaltenen Dose öffnet, dem läuft (so er Apfelfreund ist) das Wasser im Mund zusammen. Vanille soll auch drin sein, doch für die ist mein Riechkolben wohl nicht sensibel genug. Der Duft der Äpfel überlagert auch die möglichen Tabakaromen. Na, das soll mir ja was geben.


Der sehr feine Broken Flake ist direkt aus der Dose recht annehmbar in seiner Konditionierung. Also nicht lange gefackelt, luftige Kugel gerollt und rein in die 95er Stanni. Schon bei den ersten Zügen glätten sich die Sorgenfalten. Nein, zum Glück keine Aromabombe. Das Apfelaroma ist stets präsent, aber eher spritzig als (zu) süß, der reine Virginia kommt geschmacklich zu seinem Recht und das Ganze ergibt ein duftig-leichtes Rauchvergnügen. Das Kraut glimmt hervorragend und sehr ruhig vor sich hin, langsam und kühl geraucht entfaltet es seinen vollen Aroma-Spaß.

...und er ist geschmacklich noch ausbaufähig. Später, in der erheblich größeren Roßmann-Dublin, gibt es noch ein Schäufelchen Apfelgenuss mehr.... gänzlich im Erntekorb wähnt man sich, wenn man auf filterloses Rauchgerät umsteigt.


Doch nie wird das Aroma nervig, stets merkt man, dass man Tabak raucht und keine Äpfel isst... und der Bursche wird nie harsch und bissig, wie es mir mit dem J.A. "Green Apple" passiert ist, der auch deutlich überfrachtet daher kommt. Ausserdem bleibt beim "Aplicious" der Black Cavendish dort, wo er hin gehört – draußen! Mein persönlicher Pfeifenfrühling hat mit diesem Tabak begonnen... er macht wirklich Freude. Übrigens gibt es diese Tabakserie noch in weiteren Varianten, mit Beeren, mit Karamell und Nougat, und für die ganz Mutigen mit Waldmeister!

Bleiben zwei Fragen offen. Warum bietet DTM diesen Tabak nicht im eigenen Programm an? Er würde sicher viele Freunde finden... und warum steht auf der Dose: "Apfel und Golden Delicious"? Ich dachte immer, der G.D. würde auch zu dieser Sorte Obst gehören...? Egal, nicht meckern, sondern genießen.... und die ersten Frühlingsgefühle gelingen mit dem "Aplicious" schon recht gut. Fein geraten!

Tabakzustand: Aus laufender Produktion, frisch geöffnet, keine Nachtrocknung.
Pfeifen: Stanwell No.95, Roßmann Dublin (beide 9 mm Filter von Dr.Perl)
Stöhr Brandyglass oFi.


Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Montag, 2. März 2015

DTM - Perfect Blend (M.A.)

Wenn jemand einen aromatisierten Tabak als den "Perfect Blend" bezeichnet, so steht das entweder für einen gelangweilten Marketingfuzzi oder für ein gesundes Selbstvertrauen. Bei Michael Apitz von DTM trifft mit Sicherheit letzteres zu, wahrscheinlich verbunden mit einem kleinem Augenzwinkern. Interessanterweise findet man für diese Aromaten so gut wie keine Reviews in den Weiten des Internets (obwohl der Tabak schon seit einer kleinen Ewigkeit im DTM-Programm ist), anscheinend führt die Bezeichnung zu einer gewissen Einschüchterung potentieller Kritiker.

DTM gibt in seiner Tabakbeschreibung mit keinem Wort bekannt, woraus sich diese aromatisierte Mischung zusammensetzt. So heißt es dort nur "Dieser Blend ist wirklich kaum noch zu übertreffen: Eine Augenweide schon beim Öffnen der Dose. Voll im Aroma, voll im Bouquet, recht weich im Rauch und sehr sanft auf der Zunge."


Nach dem Öffnen der 100 g-Blechdose hatte ich sofort zwei Assoziationen - "There is no dark side of the moon really. Matter of fact it's all dark." und Vanillekipferl. Die erste ist nicht ganz richtig, denn der Black Cavandish hat mit 5% Virginia einige helle Tupfer, aber recht dunkel kommt dieser Tabak schon daher. Der Vanilleduft ist deutlich und verbindet sich mit dem Schwarzbrot-Duft des Black Cavendish und einer zusätzlichen Süße zu einer wohlriechenden Mischung. Die Süße kommt von einem Honigflavour, denn Holger Frickert hat in einem YouTube-Interview mit Jogi mal verraten, dass der „Perfect Blend“ exakt die gleiche Aromatisierung wie der allseits bekannte DTM „Sweet Vanilla Honeydew" hat, nur eben auf einer Black Cavendish- statt auf einer reinen Virgina-Basis. Ich muss zugeben, ich hätte es ohne diese Aussage wahrscheinlich nicht bemerkt, denn die komplett andere Tabakbasis verändert den Gesamtgeruch und Geschmack sehr stark.


Während beim "Sweet Vanilla Honeydew" das Vanille-Aroma beim Rauchen quasi über dem Tabakgeschmack liegt (ihn aber nicht ganz verdrängt), so ist diese Aromatisierung beim "Perfect Blend" im Tabak integriert und bildet eine harmonische Einheit, das Honigflavour ist kaum noch feststellbar und bringt nur ein bisschen zusätzliche Süße. Der "Perfect Blend" ist schwerer, süffiger und daher eher für die kalte Jahreszeit geeignet, passt also momentan perfekt.

Das Tabakbild zeigt einen Grobschnitt Black Cavendish mit einigen großen, teilweise sehr festen Ready Rubbed-Stücken und den bereits beschriebenen, wenigen Virgina-Flocken. Die Konditionierung ist in Ordnung, getrocknet werden muss da nichts. Zu feste Tabakstücke werden von mir vor dem Einbringen in den Pfeifenkopf kleingerupft und dann wird der Tabak locker gestopft und nur ein wenig angedrückt. Der Tabak braucht Platz und sollte daher auch in einen mittelgroßen bis großen Pfeifenkopf. Das Anzünden ist ein wenig aufwändig, meist braucht er zwei- bis drei Versuche bis er eine schön gleichmäßige, weiße Ascheschicht bildet. Dann heißt es langsam rauchen, denn heiß rauchen mag der "Perfect Blend" gar nicht, ruhig geraucht glimmt er sauber bis zum Pfeifenboden runter und lässt eine mittelgraue Asche mit etwas Kondensat zurück. Der Geschmack bleibt bis fast zum Ende der Pfeife gleich, lediglich die Stärke des Tabaks nimmt etwas zu. Die Raumnote ist wie bei den meisten Vanille-Aromaten sehr angenehm und hat einen hohen WAF (Woman Acceptance Factor).

Ist der "M.A. Perfect Blend" jetzt wirklich perfekt? Mit Sicherheit nein, denn den perfekten Aromaten kann es gar nicht geben, dafür sind die Geschmäcker einfach zu verschieden. Ich halte ihn aber für eine gelungene Komposition für Vanille-Liebhaber, die mal etwas anderes als aromatisierte Virginias rauchen wollen. Im Gegensatz zu vielen anderen Aromaten wird er ruhig geraucht nicht nach der Hälfte der Füllung langweilig, denn der Black Cavendish bleibt dabei immer präsent und wird nicht von der Vanille erschlagen. Für mich ein toller Tabak zum Nachmittagskaffee oder einen Portwein am Abend im Winter.

Euer „Genussfan“



Uwe Kloth