Willkommen bei Jogi-wan...

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Freitag, 30. Januar 2015

Murrays - Warrior Plug

Trotz einer großen Auswahl an tollen Pfeifentabaken in Deutschland ist es manchmal ein Jammer. Man kann den Eindruck bekommen, das der Plug auf der britischen Insel ein kleines bisschen verwurzelter ist als bei uns, obwohl das Interesse merklich steigt. Der „Warrior Plug“ trägt die Aufschrift „Murrays“ aus dem irischen Belfast, obwohl dort schon lange nichts mehr läuft. Hersteller dürfte die STG sein, erhältlich ist dieser Plug u.a. bei James Barber in England. Beim derzeit schwachen Euro vielleicht nicht die beste Idee, sich diesen momentan zu ordern. Schade!


Geliefert wird der „Warrior Plug“ entweder im eingeschweißten Vakuum-Pack oder als Pouch. Wer mit „irisch“ typisch seifig verbindet, hat hier keine Chance. Der Tabak riecht erdig und „gruftig“, es ist an sich keine Aromatisierung feststellbar, erahnen kann man höchstens ein bisschen Holz. Es handelt sich um recht dunkle Virginia-Tabake mit einer Portion von Burley. Die Vorbereitung für den Rauchgenuss geht in üblicherweise vonstatten, es reicht aber auch, sich die Scheiben vom Block zu schneiden und die gewünschte Portion zwischen den Handinnenflächen ordentlich zu zerreiben.



Die Genießer von z.B. dem „Full Virginia Plug“ oder Petersons „3P“ erhalten eher einen „Navy“-Plug, einen Full Body, nur ganz dezente Süße, mehr rauhe Seefahrt als sanft anmutende Tabakplantagen. Und der Plug hat auch Power, er ist mindestens mittelstark, mit fortschreitender Rauchdauer schon fast in Richtung sehr kräftig. Daraus resultierend wird man satt, eine gute kulinarische Unterlage könnte für den einen oder anderen hilfreich sein. Man raucht ihn nicht nebenher, sondern dieses Kraut entfaltet seine ansprechende Wirkung in Ruhe mit einem Glas Rotwein. Nur sanft genossen hat man Spaß mit ihm, dann aber umso mehr. Wer eine klitzekleine Aromatisierung hinein deutet, der denkt daran evtl. an etwas Pflaume oder alkoholischen Rum. Das allerdings nur punktuell in den Spitzen und mit etwas Fantasie. Je nach Größe des Pfeifenkopfes dürfte eine Füllung am Abend reichen, aber bitte schön: Wer mehr möchte, nur zu. Im Kopf bleibt weiß-graue Asche, der Raumduft ist nicht betörend, aber auch nicht schlecht. Das Ganze ist „very britisch – indeed“.




Autor: Ralf Ruhenstroth

Montag, 26. Januar 2015

Dunhill - Durbar Mixture

Im Herbst 2014 hat Dunhill mit dem „The Apéritif“ und dem „Durbar“ zwei weitere „alte“ Tabak Mischungen, nach jahrzehntelanger Abstinenz, in Deutschland wieder auf den Markt gebracht, die zusammen mit der „Elisabethan Mixture“, die Vintage-Blend-Serie von Dunhill kompletieren. „The Apéritif“ wurde bereits 1951 eingeführt. Die Rezeptur der „Durbar Mixture“ geht sogar auf das Jahr 1910 zurück, in Anlehnung an den „Dehli Durbar“, den Ort der britischen Kaiserproklamation in Indien.

Beide Blends sind englische Mischungen. „The Apéritif“ eine Mischung mit goldenen Virginia-Tabaken und mit einem großzügigen Anteil Latakia, abgerundet mit blumigem Orient und etwas sanftem Black Cavendish, welcher der Mischung einen würzigen und tiefen Geschmack verleiht, rauchig im Charakter; so Kohlhase & Kopp, welche die Tabake für Dunhill produzieren und in Deutschland vertreiben.


Der „Durbar“ zeichnet sich aus durch einen hohen Anteil reifer, dunkler sowie gelber Virginias, vereint mit Latakia und Orient-Blattgut, mit einer wundervollen Balance, sanft im Geschmack, mit floraler und dezent rauchiger Note. So wie bei dem „The Apéritif“ handelt es sich auch bei dem Durbar um ein Remake der alten“ Durbar Mixture“, die zuletzt von Murray & Sons für Dunhill hergestellt wurde. Der älteren Generation von Pfeifenrauchern ist die alte „Durbar Mixture“ wohl noch gut bekannt. Ich habe sie leider nicht gekannt, so dass die Eindrücke beim Rauchen der neuen „Durbar Mixture“ die eines neuen Tabaks und kein Vergleich mit der alten Mischung sind.

Da ich gerne Mischungen mit Latakia rauche, aber es nicht immer eine Balkan-Mischung sein muss, hat mich die Beschreibung des Tabaks von Kohlhase & Kopp neugierig gemacht. Beim Öffnen der Dose sieht man die hochwertig verarbeiteten Blätter in einem feinen bis medium Ribbon Cut. Das Aroma, welches der Tabak verströmt, ist wunderbar. Die Süße der Virginias und die Würze der Orientals sind fantastisch. Der Latakia ist mit seiner Rauchigkeit spürbar, aber dezent. Der Tabak hat die ideale Feuchte und lädt einen sofort zum ungetrübten Genusserlebnis ein.


Der passende Pfeifenkopf ist also schnell gefunden, gestopft und mit ein, zwei Zündhölzern der Tabak entflammt. Langsam und voller Erwartung genieße ich die ersten Züge. Das Aroma ist voll und kräftig, wie es sich für einen „echten Engländer“ gehört. Die Orienttabake sind spritzig und würzig, zusammen mit den Virginias hervorragend ausbalanciert. Der Latakia bleibt im Hintergrund, verleiht jedoch die notwendige Erdigkeit und Rauchigkeit. Insgesamt ein wunderbar harmonischer Tabakgenuss, ein wenig Kaffee, etwas Bitterschokolade, Gewürze und ätherische Aromen der Orientals, ein Duft von dunklem, frischen Brot und ein wenig Rauch, wie von einem dunklen Torffeuer. Und zuletzt eine dezente Süße in der Nase von den reifen Virginia Grades. Insgesamt ein tolles Feuerwerk von dichten und unterschiedlichen Aromen. Der Tabak verspricht die gesamte Füllung über Kurzweil und bleibt nuanciert und interessant. Er wird nicht zu heiß, beißt nicht, sondern lässt sich angenehm bis zum Schluss rauchen. Am Ende bleibt wehmütig ein kleiner weißer Ascherest zurück. Die Raumnote ist kräftig, würzig, aber nicht wirklich unangenehm, der Nikotingehalt mittel.


Für mich ist die „Durbar Mixture“ ein echtes Tabakerlebnis gewesen. Auch wenn die Mischung nicht zu schwer ist und den ganzen Tag über genossen werden kann, so ist der „Durbar“ für mich der perfekte Tabak, um den Tag bei einem guten Cognac oder Single Malt ausklingen zu lassen. Mit Muße genossen offenbart der“ Durbar“ ein Feuerwerk von tollen Aromen und Nuancen, die das Pfeifenraucherherz höher schlagen lassen. Er wird auf jeden Fall neben „My Mixture No. 965“ und dem „Dunhill Flake“ zu meinen Favoriten von Dunhill zählen und ich freue mich schon auf die nächsten Dosen, die ich mit dem wunderbaren Tabak öffnen darf.

Viele Grüße aus dem Werdenfelser Land!

Autor: Torsten Wieczorek


Für diejenigen, die Interesse an einem Vergleich zwischen der „alten“ und „neuen“ Version des „The Apéritif“ und der „Durbar Mixture“ haben, gibt es auf der Website von pipes and cigars unter folgendem Link einen lesenswerten Artikel.

Freitag, 23. Januar 2015

Kärnbach - Dannebrog

Damit kannste nichts falsch machen!” sagte mein Stammhändler, als ich in den Laden stürzte, den „Dannebrog“ aus dem Regal riss und auf den Ladentisch warf… „Bloß schnell bezah­len und raus hier, ehe ich wie­der Dinge kaufe, die ich zwar unbe­dingt brau­che, aber der­zeit nicht bezah­len kann’“, dachte ich mir. Der „Dannebrog“ also… ein Tabak, der zwar frü­her ein­mal unter dem Label “Poul Olsen” daher­kam, aber schon 2003 bei Kohlhase und Kopp gemischt wurde. Und noch immer ist es so, dass ich, kaum die Dose geöff­net, meine Nase tief in die Mischung ste­cken möchte. Für mich gibt es kaum einen weni­ger appe­tit­li­chen Anblick, als die­ser hell- bis dun­kel­braune ready rub­bed, der, durch­mischt mit ein paar gro­ben Tabakblättern, nach Herbst und Heu riecht. Von einer damals sogar noch in Katalogen und auf Dosen ste­hen­den Aromatisierung mit Vanille kann ich nichts erken­nen. Und auch der damals in der Newsgroup viel dis­ku­tierte Anteil an Latakia ist im Geruch aus der Dose nicht wahr­nehm­bar.


Also los! Die größ­tmög­li­che Pfeife aus dem Regal genom­men, gestopft und unter Feuer gesetzt… doch was ist das? Der „Dannebrog“ mag nicht ange­zün­det zu wer­den. Er wehrt sich und wehe, du hast zu viel Tabak in den Pfeifenkopf gedreht - denn dann ist eine feu­er­feste Unterlage ein Muss. Doch dann, nach sie­ben bis zwölf Versuchen glimmt der Tabak. Und die Zunge umspielt ein Gedicht an Aromen. Leicht rau­chige (also doch etwas Latakia?) Grundtöne, viel süßer Virginiageschmack und viel­leicht tat­säch­lich so etwas wie einen Hauch an Aroma? Ich möchte dafür meine Hand nicht ins Feuer legen, es gibt ja Virginias, die leise nach Aprikose oder Orange schme­cken. So auch hier.

Der „Dannebrog“ schmeckt mit Filter (Kohle oder Meerschaum), aber er glänzt, wenn man ihn ohne raucht. Mir zumin­dest gelingt es sowieso bes­ser, kühl zu rau­chen, wenn ich kei­nen Filter benutze. Und wenn man es schafft, den Tabak immer kurz vor dem Verlöschen zu hal­ten… dann schmeckt er… schmeckt er … ein­fach… köst­lich. Es gibt tat­säch­lich wenige Tabake, die sich mit dem „Dannebrog“ ver­glei­chen las­sen. Für mich ist er die gelun­genste Melange an Virginasüße mit einer Spur erdi­ger Würze (je küh­ler, desto wür­zi­ger), gepaart mit einem kaum wahr­nehm­ba­ren Aprikosenaroma. Der Raumduft ist viel erdi­ger als der Geschmack, die fri­sche Süße, die ich an Virginiaflakes so mag, hängt nicht in der Luft. Aber man raucht ja nicht für den Geruch im Zimmer… son­dern für den Genuss von Zunge und Nase. Und das schafft man mit dem „Dannebrog“ spie­lend leicht.

Also: unein­ge­schränkte Kauf- und Rauchempfehlung!


Autor: Nic Frank
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Montag, 19. Januar 2015

Pfeifen... und den richtigen Ton treffen!

Was ist eigentlich ein Pfeifenbäcker, wo liegt Hilgert und wie kann ein gestandener Mann solche Entscheidung treffen? Nun, falls Sie den Westerwald nicht nur als windreiche Gegend aus einem Soldatenlied kennen, sagt Ihnen vielleicht Ransbach-Baumbach etwas. Westlich davon finden Sie Hilgert, an der A 48 gelegen. Nicht gerade eine bedeutende Gegend? Mag sein, aber sehr schön!

Copyright: Sebastian Reith

So ab 1750 sah es mit der Bedeutsamkeit noch ganz anders aus. Da wuchs Hilgert zu einem deutschen Pfeifen-Mekka heran. War zu diesem Zeitpunkt die nebenberufliche Herstellung von Tonkrügen durch die Bauern der Gegend schon rund 350 Jahre lang Tradition, stellte man zu diesem Zeitpunkt in Hilgert auf die Produktion von Tonpfeifen um... und das sehr erfolgreich. Bis zum Jahr 1800 zählte Hilgert nie weniger als 20 Tonpfeifen-Bäcker. Acht Jahre zuvor, 1792, wurde sogar die Zunft der Pfeifenbäcker gegründet.... und auch, wenn nach und nach andere Materialien den Ton als Pfeifenmaterial immer mehr zurück drängten, hielt sich die Tradition bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges.

Copyright: Sebastian Reith

Copyright: Sebastian Reith

Danach war die Tonpfeifen-Bäckerei ausgestorben. Ganz? Nein, nicht ganz. Wilhelm Albrecht Simonis meldete sein Gewerbe am ersten Juni des Jahres 1949 wieder an.... und diese "Pfeifenfabrik" wurde 1986 von Simonis' Enkelin, Rita Steuler und ihrem Mann Rainer Steuler, übernommen und bis zum heutigen Tag weiter geführt.

Copyright: Sebastian Reith

Copyright: Sebastian Reith

Copyright: Sebastian Reith

Soweit die Geschichte und hier kommt ER ins Spiel. ER hört auf den Namen Sebastian Reith, ist junge 29 Jahre, hat eine fundierte Ausbildung als technischer Zeichner, hatte bis vor kurzer Zeit noch eine gesicherte Stellung als Maschineneinrichter... und er ist verrückt! Positiv verrückt! Wie ich zu dieser Behauptung komme?

Copyright: Sebastian Reith

Copyright: Sebastian Reith

Copyright: Sebastian Reith

Nun, Sebastian ist ein Freund des Sohnes von Rainer Steuler und erfuhr durch den Sohn einige Details vom Handwerk des Vaters. Ein Handwerk, dass mittlerweile selbst im Westerwald als nahezu unbekannt gilt. Gemeinsam mit einem Kumpel besuchte Sebastian Rainer Steuler an seiner Wirkungsstätte und war sofort fasziniert. Zunächst begannen sie Herrn Steuler zu helfen. Bei der anstrengenden Tonzubereitung, zum Beispiel. Immer häufiger wurden die Besuche in der Bäckerei, immer mehr probierte und lernte Sebastian über die Kunst, die ihn so in ihren Bann schlug.

Copyright: Sebastian Reith

Tja... und dann kam, was kommen musste. Da die Steulers mittlerweile ein Alter erreicht haben, in dem man sich getrost zur Ruhe setzen kann, beschloss Sebastian kurzerhand, seinen sicheren Job zu schmeißen und der Nachfolger zu werden. So heißt der letzte Pfeifenbäcker im Westerwald (und vermutlich nicht nur dort) nun Sebastian Reith.

Ich persönlich kann gar nicht so viele Hüte aufsetzen, wie ich vor diesem jungen Mann ziehen möchte. Heutzutage wird so häufig über "Selbstverwirklichung" und "Traumerfüllung" geschwätzt, so viel über "Aussteiger" im Primaten-TV platt gewalzt. Letztlich nur hohle Phrasen mit reichlich Werbeunterbrechung. HIER ist einer, der es wirklich tut. Dem die Tonpfeife so sehr am Herzen liegt, dass er sein Bauchgefühl entscheiden lässt und tut, was er will... und nicht, was die angebliche "Vernunft" ihm vorgibt. Meinen Respekt hast Du, lieber Sebastian!

Copyright: Sebastian Reith

Ein Online-Shop ist unter: www.derpfeifenbaecker.de eröffnet. Neue Ideen und viele liebevolle Details und Ausschmückungen sind geplant. Wer sagt, dass ein solch' traditionsreiches Handwerk keine Zukunft hat? Zumal sich die Tonpfeife immer noch eines ordentlichen Liebhaberkreises erfreut. Gönnen Sie sich doch einmal eine "Hilgerter Mutz". Sie kostet nicht die Welt und entführt sie in einer tönernen Zeitmaschine zu uraltem (und doch so zeitgemäßem) Rauchgenuss.... und all' die Frodo-, Gandalf- und Hobbit-Fans können durch diese Pfeifen erfahren, wie wirklich authentischer Rauchgenuss schmeckt!


Auch ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, diese ursprüngliche Pfeifenerfahrung zu probieren. Wie es mir dabei erging, können Sie in meinem Video "Der gute Ton für Pfeifenraucher" nachschauen, wenn Sie möchten.

Noch einmal sei es an dieser Stelle gesagt: Solange es solche jungen Menschen gibt, die sich mit Hingabe und Begeisterung der Pfeife und ihrer Kultur widmen... solange ist mir um die Pfeife nicht bange!

Für die historischen Fakten dieses Artikels danke ich Herrn Claus Dieter Schnug und seinem Buch: "Hilgert-Ein Westerwalddorf im Wandel der Zeit"

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Sonntag, 18. Januar 2015

HU Tobacco - simply good! 112

Über Tabake vom Hans Wiedemann ist hier ja schon viel (positives) geschrieben worden. Neben den Eigenkreationen „Blended by HU Tabacco“ entdeckt man auf seiner Webseite aber auch noch eine zweite Kategorie von eigenen Tabaken, die er „Selected by HU Tabacco“ nennt. Genaueres hierzu lässt sich aber weder auf seiner Seite noch sonst wo im Netz finden. So nehme ich an, dass diese Tabake nicht von ihm selber geblendet, sondern nach seinen Idee und Vorgaben direkt bei Kohlhase & Kopp kreiert und gefertigt werden.


Bei meiner letzten Bestellung konnte ich dann nicht widerstehen und habe den „simply good! 112“ mitbestellt – die beschriebene Mischung von Virginia und Burley in Verbindung mit Pflaumen- und Vanille-Aroma hatte meinen Naschinstinkt geweckt. Die Dose im gewohnt schlichten Design von HU-Tabacco wurde dann auch schnell nach der Ankunft geöffnet


Was meine Augen zu sehen bekamen, war ein mittel geschnittener, heller Viginia mit wenigen Flake-Stückchen und etwas Burley sowie Black Cavendish. Also nichts ungewöhnliches und der Schnitt und die Kondition des Tabaks versprachen ein problemloses Rauchverhalten in mittleren und großen Pfeifenköpfen. Dann übernahm mein Riechsinn die Kontrolle und ich war regelrecht entzückt – ein sehr angenehmer Duft, von Pflaume in Begleitung von einem leichten Vanille-Aroma, strömte in meine Nase, ohne dabei den Tabakgeruch komplett zu überdecken.


Wie erwartet, lässt sich die Pfeife problemlos stopfen und anzünden, nur ein leichtes Aufbäumen des Tabaks beim Entzünden sollte beim Stopfen berücksichtigt werden. Nach den ersten Zügen tritt dann leider etwas Ernüchterung auf, die Pflaume lässt sich nur noch erahnen. Die Vanille übernimmt die Kontrolle und behält sie auch im gesamten Verlauf der Pfeife. Trotz dieser Dominanz ist dies keine extreme Vanillebombe, der Grundtabak ist hochwertig und im Hintergrund deutlich herauszuschmecken – nur die arme Pflaume hat keine Chance. Der Tabak glimmt sauber bis zum letzten Zug runter und hinterlässt eine mittelgraue Asche sowie etwas Kondensat.

So ist mein Resümee etwas zwiespältig, man hat es hier mit einem zweifelsohne hochwertigen Aromaten zu tun, der einem Vanille-Liebhaber sicherlich von Anfang bis Ende der Pfeifenfüllung schmecken wird. Der Preis von 8,90 Euro für 50 g ist meiner Meinung nach absolut gerechtfertigt. Mich erinnert er etwas an DTM’s „Sweet Vanilla Honeydew“ mit etwas mehr Würze, was wohl dem Burley zuzuschreiben ist. Das Besondere, was der „Blended by HU-Tabooco“-Serie von Hans Wiedemann anhaftet, hat dieser Tabak aber nicht – es könnte genauso gut die (hochwertige) Hausmischung eines beliebigen Pfeifenhändlers sein.

Ich werde die Dose sicherlich zu Ende rauchen, ihn aber wohl nicht noch einmal kaufen – mein Vanille-Liebling ist und bleibt der „Holmer Knudsen’s Pipe Tabacco“ von DTM. Das hindert mich aber nicht daran weiter zu suchen.

Euer „Genussfan“ Uwe



Autor: Uwe Kloth

Donnerstag, 15. Januar 2015

Erik Stokkebye - 4th Generation - 1931

Dies ist ein wenig auch die Geschichte von großen Vätern und berühmten Brüdern... und der häufigen Schwierigkeit, sich aus ihren überdimensionalen Schatten zu bewegen, um gesehen, wahrgenommen zu werden. Doch dazu im Laufe des Reviews mehr.

Erik Peter Stokkebye war ein Fels im Pfeifenmeer. Eine Lichtgestalt, ein Mann, der wohl auf Ewigkeiten mit ausgefallenen Ideen und höchstwertigen Pfeifentabaken in Verbindung gebracht werden wird. Bei aller Schwärmerei für vergangene Zeiten sollte man aber auch Sohn Erik und seine Blends nicht übersehen. In feiner Familientradition komponiert auch er Tabake, die die Ehre des Namens Stokkebye und den damit verbundenen Qualitätsanspruch hoch halten. So, wie dieser Ausnahme-Flake. Der „1931“ bedient sich vollreifer, fein-nussiger US-Burleys als Basis, ergänzt durch satte Virginias, ebenfalls aus amerikanischer Ernte und wird abgerundet mit etwas Black Cavendish.


Die Farbenpracht der verschiedenen Brauntöne, dazu feine schwarze Strähnen, der sanfte Duft nach Honig, Nüssen und Heu... schon das Öffnen der Dose ist ein Fest. Stabile Stapel in der richtigen Konsistenz lassen sich mühelos knicken, falten und locker in die Pfeife einbringen. Die ersten Züge... feine Milde, eine delikate Harzigkeit, gemischt mit reifer Süße. Cremiger Rauch voller Nuancen und dichter Aromen. Keine Bissigkeit, durch gutes Glimmverhalten kühl zu rauchen... KLASSE, ein echter Stokkebye!


Kommen wir zu der Geschichte mit dem Bruder. Erik Stokkebye kniet ja nun nicht im Keller mit beiden Beinen auf zwei Holzplatten, um uns handgeschnittenen Flake zu kredenzen. Der „1931“ wird von Mac Baren produziert, zählt zu den Navy Flakes... und wenn Sie sich jetzt mal die Zusammensetzung ansehen.... richtig! Das sind direkt mehrere Gründe, warum der „1931“ häufig als Bruder des weltweit beliebten Mac Baren „Navy Flake“ gesehen wird.

...und so verkehrt finde ich das auch gar nicht. Für mich hat aber der „1931“ im direkten Vergleich die Nase vorn. Etwas dezenter, heller abgemischt als der Mac Baren offenbart er mir noch feinere Details, zumal ich den Mac Baren auch als aromatisierter empfinde. Ich sage es mal so: Wenn Sie den Mac Baren „Navy Flake“ mögen und schon länger von einer "King Size-Version" dieses Tabaks träumen, führt für Sie kein Weg am „1931“ vorbei! Er ist sozusagen der "große Bruder", der den Genuss an diesem Rezept auf die Spitze treibt.


Zu empfehlen ist der „1931“ übrigens aufgrund seiner zahmen Umgangsformen auch durchaus für Flake-Einsteiger. Ohne Filter offenbart er gerade bei der Süße noch mehr Schattierungen, büßt aber (für den Filter-Fan) etwas an Sanftheit ein! Ganz dicke Empfehlung, ob "mit" oder "ohne"! Zeit, die Schweiz zu besuchen, oder sich von lieben Eidgenossen ein Döschen schicken zu lassen... hier gibt es diese grandiose Hommage von Erik Stokkebye für seinen Vater Peter nämlich leider nicht zu kaufen.

Zustand des Tabaks: Laufende Produktion, frisch geöffnet, nicht getrocknet.
Pfeifen: Vauen Duke, mit Dr.Perl-gut mittleres Volumen, Ronny Bolz Bamboo oFi - knapp mittleres Volumen.

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Dienstag, 13. Januar 2015

News 2015: Neuer Hippster-Trend - Pfeife paffen wie Opa (aus der Presse)

Wir haben im Internet einen netten Artikel gefunden, den wir Euch nicht vorenthalten wollen. Sehr erfreulich, wenn sich junge Menschen, anstatt für die Zigarette, wieder vermehrt für die Königsdisziplin interessieren. Gar nicht rauchen ist vermutlich das Schlaueste, aber besonders willkommen ist auch die weibliche Zunft. Das hat etwas! Bevor wir jetzt ganz schnell ins Bad gehen und uns rasieren, schmunzeln wir noch ein kleines bisschen über die Aussage bezüglich der durchgeknallten Bartträger auf der YouTube-Plattform :-) Hier findet Ihr den Artikel. (rd)

Samstag, 10. Januar 2015

Roman Peter - Camel Food II

Nein, Roman Peter passt nicht in die bekannten Raster der "Tabak-und Pfeifen-Fachhändler". Seit langen Jahren ist er der Mann, der seine Passion lebt. Der großartige Pfeifen baut, der repariert, restauriert. Offen für Neues, der Tradition trotzdem verhaftet und mit Achtung und Ahnung für Klassiker. Eine seltene Mischung... genau, wie seine Tabake. Hier zählt nicht die Masse, hier sucht man schreiend-buntes, werbeträchtiges Brimborium (zum Glück!) vergebens.


Roman Peter präsentiert auch seine Tabak-Juwelen mit Stil und Understatement... und einer Prise speziellem Humor... wie die Serie "Camel Food" beweist. Für das "Kamel Futter" sucht Roman immer nach sehr speziellen, seltenen Tabaken, aus denen er dann außergewöhnliche Mischungen komponiert und mit laufenden Nummern versieht. Auf neudeutsch :"Limittit Edischn", sozusagen.


"Camel Food II" enthält zum Beispiel einen syrischen Latakia, der in besonderen Bergregionen angebaut wird. Er ist gehaltvoll, sehr geschmacksintensiv, dabei aber sehr sanft und samtig... keinerlei Härte oder Aufdringlichkeit. Reife in schönster Form. Dazu gesellt sich in diesem Fall ein Perique, der gemeinsam mit Fruchtschalen über mehrere Jahre in Bordeaux-Fässern reifen darf. Das nimmt ihm ein wenig die oft vorwitzige Säuerlichkeit und Würze, versieht ihn eher mit der harzig-süßen Fruchtigkeit erwachsener Portweine.... und das schmiegt sich perfekt an den Latakia und sorgt, gemeinsam mit Virginias und Orients ausgesuchter Lagen, für einen samtweichen, aber durchaus gehaltvollen "Engländer" der Premiumklasse.


Vom ersten bis zum letzten Zug ein wahrhaft "kullerrundes" Vergnügen. Charakterstark mit ausgeprägtem Aroma, nichts spielt sich in den Vordergrund... keine Ecken, keine Kanten. Genau richtiges Maß an Süße, keine Härte oder Glasigkeit. Eine Mischung, die organisch gewachsen, in sich verbunden scheint. Perfektion der besonderen Art.


Nein, sicher nicht die beste Empfehlung für Einsteiger in diese Richtung. Dafür hat er dann doch ein zu kerniges Fundament. Für Freunde und Kenner besonderer Latakia-Mischungen aber sicher ein Fest. Sie werden die Harmonie des "Camel Food II" lieben. Bleibt neugierig abzuwarten, was uns Roman Peter in dieser Reihe noch präsentiert.

Wenn Sie Schweizer sind oder Freunde im Land der Eidgenossen haben... schätzen Sie sich glücklich. An diesem Punkt lieben Dank nicht nur an Roman, sondern auch an Renato - Ihr seid so gut zu mir! Da Roman Peter Tabake nicht außer Landes verschickt, gehört schon ein wenig "Vitamin B" dazu, in den Genuss seiner Kräuter zu kommen. Macht aber nichts - das fördert die Kommunikation der Pfeifenfreunde über Grenzen hinweg und fordert das Hirn, um Lösungen zu finden. So wird die "Tabakjagd" noch spannender... und diese Tabake sind es allemal wert!


Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Freitag, 9. Januar 2015

News 2015: Peterson "St. Patrick's Day 2015"-Edition

Jedes Jahr am 17. März bevölkern Kobolde, die Leprechauns, und grün-gekleidete Menschen mit Kleeblatt-Accessoires Irlands Straßen und feiern ihren Nationalhelden und Schutzpatron Saint Patrick, der als erster christlicher Missionar Irlands gilt. Zum nächsten St. Patrick’s Day in 2015 reiht sich das Haus Peterson of Dublin mit einer besonderen Special Edition in die Feierlichkeiten ein und bringt eine auf 1.600 Dosen limitierte „St. Patrick’s Day 2015“ Edition auf den Markt.


Es handelt sich um einen fruchtigen Blend, der aus Virginia-, Burley-, Orient- und anderen Würztabaken besteht. Der Tabak wurde zunächst gepresst, dann in kleine Flake Stücke geschnitten und zuletzt mit Black Cavendish und hellem Virginia Loose Cuts veredelt. Im Geschmack finden sich lt. Hersteller fruchtige Aromen von Mango und Maracuja mit einem Hauch Vanille.

Die „St. Patrick's Day 2015“-Edition soll ab Januar im Tabakfachhandel erhältlich sein. Der Preis für 50 g beträgt 10,25,-- Euro.

(rr)

Mittwoch, 7. Januar 2015

Mac Baren - Modern Virginia (Loose Cut)

Es spricht für das große Traditionsunternehmen Mac Baren, wenn neue Tabake entwickelt und auf den Markt gebracht werden. Zugegeben, nötig hätten es die Dänen nicht, zu groß dürfte die Fangemeinde sein, die sich ohnehin schon über ein reichhaltiges Angebot freuen darf. Auf der anderen Seite würde Stillstand auch Rückschritt bedeuten. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass ein gesunder Innovationsgeist jedem Unternehmen gut tut, und der kürzlich erschienene „HH Old Dark Fired“, insbesondere bei den naturnahen Freunden, wahre Jubelgesänge hervorgerufen hat, dann kann man etwas riskieren und eine Mischung auf den Markt werfen, bei der äußerst ungewiss ist, ob dieser das angebotene Kraut annehmen wird.


Modern Virginia“ nennt sich das aktuelle Produkt, eine Mischung aus hellen und dunklen Virginias, dazu ein sog. Modern-Cavendish (aha...) und etwas Burley. Das Ganze wurde mit einem Fruchtcasing versehen und gibt es als Loose Cut oder auch als Flake. Der Loose Cut, überwiegend gerissenes Blattgut, duftet recht herb aus dem Pouch. So ein bisschen schwingt ein typisches Mac Baren-Aroma immer mit, so dass Früchte, wie beispielsweise Ananas und Aprikosen, nur schwer zu identifizieren sind. Dass allerdings eine Aromatisierung vorgenommen wurde, merkt man sehr deutlich.


Stopfen, Anzünden, alles kein Problem. Im Geschmack ergibt sich jetzt das Problem, dass ich mich nicht festlegen kann, ob Mac Baren mit dieser Mischung nun eher in die naturnahe Richtung will, oder ob nicht doch die Raucher aromatischer Tabake angesprochen werden sollen. Handelt es sich um einen Konsens der beteiligten Macher, um eine Schnittmenge von Rauchern zu erreichen? Auf der Zunge macht sich ein süß-saures Aroma breit, immer noch nicht definierbar, grundsätzlich aber auch nicht unangenehm. Der Tabak ist auch nicht stark, er überfordert niemanden.

Der Modern Virginia“ macht es als Loose Cut einem nicht leicht. Ich verspreche mir von der Flake-Version etwas mehr Charakter, als Bursche, der kühl vor sich her glimmt und mich nicht so im dunkeln stehen lässt. Es ist eine solide Mischung, etwas anderes war, wenn man mal von den 7-Seas-Tabaken absieht, von denen einer nach dem anderen den Katastrophenschutz auf den Plan ruft, nicht zu erwarten. Der Fackelzug durch die Rauchergemeinde wird mit dem „Modern Virginia – Loose Cut“ so nicht stattfinden, da bin ich mir ziemlich sicher. Warten wir mal den Flake ab!



Autor: Ralf Ruhenstroth

Montag, 5. Januar 2015

Ost-Südost = Terra incognita? Teil 5: Mehmet Ali Birinci, Türkei

Mehmet Ali Birinci stammt... nein, nicht vom Bosporus, sondern vom Bodensee. Dort wurde der heute 37-jährige geboren, wuchs auf und besuchte die Realschule. Anscheinend bewiesen seine Lehrer Weitblick, denn sie bescheinigten ihm, mit der deutschen Sprache in der Türkei Geld verdienen und leben zu können. Eigentlich war das nicht Mehmets Ziel... doch, wie das Leben so spielt, fand er sich mit 20 Jahren in Antalya wieder. Der junge Mann arbeitete dort in Hotels und der Zufall wollte es, dass der bereits in der Schule sehr an Kunst und Technik interessierte Mehmet einen Meerschaum-Schnitzer kennen lernte.

Copyright: meerschaumschnitzermehmet

Copyright: meerschaumschnitzermehmet

Von dieser traditionellen Kultur angetan, begann er in den ruhigen Wintermonaten ebenfalls, sich an Meerschaum zu versuchen. Er fertigte Kettenanhänger und Tierfiguren und als er, nur aus Neugier, das erste Mal seine Werke zum Verkauf anbot, war er von der positiven Reaktion und Nachfrage überrascht. Dies war der Startschuss für einen, mehr als zehnjährigen Weg zum Erfolg. Er verfeinerte mit den Jahren sein Können, hielt sich mit gelegentlichen Jobs über Wasser und brachte sich das nötige Wissen in Sachen Internet bei.

Copyright: meerschaumschnitzermehmet

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Heute arbeitet Mehmet als Marktfahrer, bietet Meerschaum-Schnitzkurse in Hotels an und betreibt seinen ebay-Shop.  Wer diesen Shop unter: http://www.ebay.de/usr/meerschaumschnitzermehmet  besucht, wird verblüfft sein.  

Seit "Meerschaum-Manni" zum Ende des Jahres 2013 sein Geschäft schloss, fehlt dem deutschen Markt ein Kenner und Händler, der Meerschaum-Genuss zu bezahlbaren Preisen anbietet. Stattdessen schwätzt man uns die Ohren voll, wie selten Meerschaum doch geworden sei, wie schwierig der Handel mit entsprechenden Pfeifen wurde... nur, um uns dazu zu bringen, horrende Preiserhöhungen zu schlucken... und sich damit ein goldenes Näschen zu verdienen!

Copyright: meerschaumschnitzermehmet

Copyright: meerschaumschnitzermehmet

Nun stellt Mehmet Ali Birinci sicher nicht den Anspruch, in einem Atemzug mit Bargiel oder Koncak genannt zu werden. DAS ist aber für den Spaß und Genuss an einer Blockmeerschaumpfeife auch gar nicht nötig. Jenseits der wenig zielführenden High-End-Diskussionen um Verfärbungsgrade, Walrat, Wachstechniken und Schnitz-Schattierungen besteht die Möglichkeit, bei Mehmet schon im zweistelligen Bereich gut zu rauchende und gelungen ausgeführte "weiße Göttinnen" zu erstehen. Ob nun klassisch ornamentiert, opulent beschnitzt, morbide oder sachlich glatt, ist natürlich Geschmackssache.

Copyright: meerschaumschnitzermehmet

Copyright: meerschaumschnitzermehmet

...und wer dem Meerschaum-Fieber erliegt, kann auch Schmuck, Schnupftabakdosen und sogar Rohlinge erstehen, an denen er die eigene Schnitzkunst testen kann. Wem dieses handwerkliche Geschick abgeht, der sendet Mehmet Bilder von gewünschten Motiven, Tieren oder menschlichen Konterfeis und lässt sich von ihm die Wunschpfeife anfertigen.

Copyright: meerschaumschnitzermehmet

Copyright: meerschaumschnitzermehmet

Ein wenig Vorsicht ist trotzdem geboten. Pakete aus dem osmanischen Reich lösen beim deutschen Zoll erhöhte Betriebsamkeit aus. Entweder, man rechnet die evtl. anfallenden Zollkosten von vorne herein zum Kaufpreis und ist dann nicht erschrocken, oder man hofft auf sein Glück und rutscht (wie mir passiert) beim Zoll unerkannt durch. Etwaige Möglichkeiten und Erfahrungen sollten aber hier nicht ausgewalzt und am besten mit Mehmet besprochen werden.

Nehmen Sie doch einfach mal Kontakt zu Mehmet Ali Birinci auf. Es lohnt sich allein schon, weil man dabei einen netten, offenen Menschen kennenlernt... das kann ich gern bestätigen!


Ihr Ralligruftie




Autor: Ralf Dings

Sonntag, 4. Januar 2015

Peterson - Holiday Season 2014

Für gewöhnlich ist es der Übergang vom Frühjahr zum Sommer und vom Herbst zum Winter, wenn die sog. „Special Editions“ alljährlich auf den Markt kommen. Hübsche Dosen mit angeblichen Premiumtabaken zum Inhalt und ausgeklügelten Aromatisierungen. Während in der warmen Zeit zumeist die Aromen von ausgesuchten Früchten dominieren, sind es in der kalten Jahreshälfte eher Zimt, Bratapfel, Schokolade und natürlich die Vanille, die dem verarbeiteten Tabak aromatisch auf die Sprünge helfen. Die Auswahl könnte ergänzt werden, denn auch die Orange spricht den einen oder anderen Pfeifenjünger um die Weihnachtszeit förmlich an.

Zur Jahreswende 2013/2014 war ich von dem Peterson „Holiday Season 2013“ außergewöhnlich angetan und hatte dies auch auf verschiedenen Ebenen zum Ausdruck gebracht. Ein Jahr später, also jetzt, freue ich mich darauf, den „Holiday Season 2014“ zu öffnen und zu verköstigen. Die Beschreibung verspricht mir Virginia-Tabake, Cavendish und Burleys, hinzu gefügt wurden Vanille und ein Hauch von Schokolade. Ja, okay, das kann man so machen, entsprechend den äußeren Temperaturen eine durchaus passende Auswahl.


Das Tabakbild spiegelt einen Ready Rubbed und grob gerissene Tabakfäden mit ein paar Flakestückchen wieder. Aus dem Zellophanbeutelchen duftet es vorzüglich nach Aromen, die Schokolade wirkt einladend. Beim Anfassen des Tabakes merkt man sehr schnell, dass an der Konsistenz nichts auszusetzen ist, er fühlt sich weich und gut an. Somit ist auch das Befüllen des Pfeifenkopfes überhaupt kein Problem. Langsam einrieseln lassen und nach oben hin etwas fester andrücken.


Das Entzünden ist ein Kinderspiel. Ich empfehle einen geringen Abstand zum Kopfrand übrig zu lassen, da sich die Mischung unter Feuer aufbäumt. Überraschend sanft und geschmeidig wirken die Aromen auf der Zunge. Die Kombination Vanille/Schokolade funktioniert erfahrungsgemäß gut, beide harmonieren miteinander hervorragend. Als bekennender Filterraucher habe ich keinerlei Probleme mit Biss auf der Zunge. Das gilt im Falle des „Holiday Season 2014“ aber auch nur so lange, wie man sachte an die Sache ran geht. Eine stürmische Herangehensweise quittiert der Tabak sofort mit strengem Geschmack. Dann lieber die Pfeife hin und wieder aus der Hand legen, abkühlen lassen und neu anzünden. Es überrascht mich, dass nichts Nussiges im Geschmack festzustellen ist. Meine Vorhersage hätte durch den zugefügten Burley so etwas angedeutet, aber hier liegen die Aromen wohl deutlich über dem naturellen Tabakgeschmack. Die Glimmeigenschaft ist vom feinsten, auch wenn sich die Füllung aufgrund der Beschaffenheit des Tabakes recht zügig runter rauchen lässt.

Bisher eine fast ausnahmslose Lobeshymne auf die diesjährige Winter-Edition von Peterson. Wo viel Licht, meist aber auch etwas Schatten. Das vorzügliche Aroma hält lange durch und leistet dem Genussmenschen Beistand. Im letzten Drittel kippt die Schose und der „Holiday Season 2014“ schmeckt mir nicht mehr. Ich habe bis heute nicht heraus gefunden, woran so etwas liegt, kann man ein ähnliches Phänomen doch bei so vielen anderen aromatischen Mischungen ebenfalls feststellen. Es erinnert mich so ein kleines bisschen an den „Sunset Breeze“ von Peterson, der bis etwa zur Hälfte der Füllung mit einem gigantisch gutem Amaretto-Flavour daher kommt. Und plötzlich, von einem Moment auf den anderen, ist der Spaß vorbei.

Auch wenn die Aromen der Jahreszeit vollkommen zurecht angepasst sind, so muss man beim besten Willen nicht ein ganzes Jahr darauf warten, einen guten Tabak in dieser Geschmacksrichtung zu rauchen. Als Beispiel nenne ich hier den „M.A. Black Blend“ von DTM, der mit 15,40,-- Euro/100g im Gegensatz zum „Holiday Season 2014“ mit 21,40,-- Euro/100g ein echtes Schnäppchen ist und der den leider vorhandenen Geschmacksabbau im letzten Drittel nicht mit sich bringt.

Aber ansonsten ist im Ergebnis auch die diesjährige Limited Edition im Namen von Peterson wieder eine recht gelungene Angelegenheit. Voraussetzung für alles ist natürlich, dass man sich mit der gebotenen Geschmacksrichtung überhaupt anfreunden kann. Wer so etwas gerne mag, der sollte zu Beginn des neuen Jahres noch mal Ausschau halten. Wer weiß, wie lange es diese eher leichte Mischung in der durchaus schmucken Dose noch gibt.




Autor: Ralf Ruhenstroth

Donnerstag, 1. Januar 2015

"Aged Tobaccos" oder einfach nur "altes Kraut"?

Dem Moment haftet schon etwas Besonderes an. Ein Gefühl, zwischen Öffnung einer Schatztruhe und der Bemühung um sachliche Begutachtung. "Peter Stokkebye Danish de Luxe Red Tobacco Blend" - schon der Name ein Roman. Beeindruckend goldene Letter prangen auf tiefrotem Grund, die Banderole weist einen Preis von neun D-MARK für 50 Gramm aus und die Beschreibung unter der Dose ist bemerkenswert gut erhalten.


Der Augenblick, in dem ich die Dose mit dem typischen "Pffft" das erste Mal öffne, hat etwas Feierliches, Erhabenes. Warum eigentlich? Ich öffne doch nur eine Dose alten Tabak.... Nun, in den Hirnen der Menschen hat sich seit jeher eine ebenso klare, wie falsche Gleichung festgesetzt. Alt = Wertvoll! Da mache ich wohl keine Ausnahme.


"Aged Tobaccos", also gealterten und in der Dose nachgereiften Tabaken hängt ja allgemein die Aura des besonders seltenen und großen Genusses an. Ursprünglich stammt der Hype aus den U.S.A., was nicht sehr verwundert. Deswegen muss er aber nicht unbedingt sinnvoll sein. In den Staaten ist es auch Mode, seine Pfeifen um die Welt zu schicken, damit sie mal "überall gewohnt" haben. Gibt es dazu noch Fragen?


WIE falsch es ist, alte Tabake pauschal als besonderes Leckerchen zu feiern, zeigt dieser Stokkebye. Nachdem die runde Pappe chirurgisch vom völlig damit verklebten Tabak entfernt ist, entströmt der Dose der Duft von nassem Keller und faulem Obst. Die Konsistenz des Krautes ist erstaunlich gut... also etwas aufreiben und rein in die Pfeife. Ein Opfer für die Wissenschaft. Der Geschmack nach fauligem Obst setzt sich beim Rauchen ebenfalls sofort durch, dazu entsteht im Nasen-Rachenraum das Aroma des berühmten "Strawberry Snuffs" von Pöschl. Nach einer Zeit des ruhigen Glimmens kommen gelegentlich Anklänge von Virginia-Aromen und etwas Latakia durch... um dann wieder von der Wucht des "Fallobst-Geschmacks" zugedeckt zu werden. Ohne Rücksicht auf die Pfeife und ohne dem Gejammer der Geschmacksnerven zuzuhören, ziehe ich die Füllung bis zum Ende durch. Schließlich soll dieser Tabak ein würdiges Fazit erhalten und das geht nun mal nicht mit Weicheierei.


Grausam! Das trifft es wohl bestens. Ich kenne diesen Stokkebye von früher. Er war ein dunkler, wohl ausbalancierter Genuss... nun ist nur noch ein Tabak-Zombie übrig, der darauf wartet, per Biotonne entsorgt zu werden. Entscheidend, bei gealterten Tabaken ist eben NICHT, dass sie gealtert sind. Sondern die Frage, wie und wo diese Kräuter ihr "Aging" erleben durften und ob sie sich überhaupt zur Nachreife eignen. Vielleicht zehn Jahre als Deko-Stück in einem, von der Sonne verwöhnten Schaufenster? Solange solche Dinge nicht zweifelsfrei geklärt sind, ist es kein Zeichen von wissender Reife und/oder Fachkompetenz, wenn mit Trommel und Tröte ein Festzug um den Christbaum veranstaltet wird, nur, weil wieder mal ein "Enthusiast" eine Kiste mit alten Tabaken aus dem Keller geholt hat.


Reden Sie diesbezüglich nicht mit schwätzenden Spekulanten. Sprechen Sie mit Leuten, die sich auskennen. Fragen Sie Hans Wiedemann oder Heiko Behrens, warum ihre Tabake zum Teil mit ordentlich Luft verpackt werden. Eben, damit sie NICHT unter Druck nachfermentieren und den Raucher so erreichen, wie sie der Mischer erdacht hat. Selbstverständlich gibt es Tabake, die von längerer Reife profitieren. Mich stört nur die Pauschalisierung, die falscher nicht sein könnte.

Wer solch' alte Tabake kauft und hortet, weil er den Hobby-Kellermeister geben will, soll dies gern tun. Wer allerdings Tabake kauft, um sie zu genießen, sollte um viele, dieser "seltenen Genüsse" einen weiten Bogen machen... wie auch um diesen "Peter Stokkebye Danish de Luxe Red Tobacco Blend". Der ist nämlich nach seinem "Aging" keinen Schuss Pulver mehr wert - leider!

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings