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Montag, 28. Dezember 2015

Peterson - Hyde Park - Drei Jahre gereift!

Wollen Sie sich zu mir setzen? Wollen wir ein wenig darüber sinnieren, was die Zeit mit uns macht? Mit unseren Einstellungen, unseren Wünschen, unseren Zielen… und mit unseren Tabaken?

Ok, bleiben wir erst einmal beim Tabak. Kratzig, rotzig, unausgeglichen und zu hart. Dazu das Rum/Ahorn-Aroma deutlich überpräsent… so erschien mir der Peterson „Hyde Park“ vor Jahren. Eigentlich ein Fan der Tabake, die aus dem Hause Gawith, Hoggarth & Co. stammen, wurde ich mit diesem Mix nicht warm. Ja… unreif, teenagerhaft, erschien er mir. Wurscht, er kam zu den Akten und fertig. Es gibt so viele Tabake bei uns.


Jetzt ist er plötzlich wieder bei mir. Mein Freund Tom schenkte mir eine besondere Dose des Krauts. Drei Jahre original verschlossen nachgereift. Na ja, ich hab' das ja nicht so, mit dieser "Aging-Hysterie" und kann auch nicht nachvollziehen, wieso erwachsene Menschen, im scheinbaren Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte, 70-80 Euro investieren, um an einen Beutel Tabak zu kommen, der zwanzig Jahre lang wer weiß wo gelegen hat.


Doch, als ich diese Dose öffnete, offenbarte schon die Duftprobe eine erstaunliche Wandlung. Aus fett aufgesprühtem Parfum der Sonderangebotsklasse wurde ein dezenter, ganz eigener Duft. Einer, der der Persönlichkeit dahinter Raum lässt, so, wie es auch Menschen an Menschen lieben. Der Griff in den Tabak lässt immer noch Geschmeidigkeit erkennen, es ist aber zum Glück nicht mehr, als fasse man in nasses Laub. Der recht dick geschnittene Ribbon lässt sich gut einbringen und gestaltet die Anzündphase entspannt… so, als wolle er gleich zu Beginn das "Zurücklehnmoment" betonen. Oh, Verzeihung… das war ein holprig-deutsches Wort… es stört den Flow… wir ersetzen "Zurücklehnmoment" durch "Lay back-Message"… das fluppt besser.

Bühne frei für den Burley, er hat hier klar das Zepter in die Hand genommen und es offenbart sich mal wieder, dass er als Dirigent eine Klasse für sich ist, wenn sich ihm die begleitenden Musiker unterordnen. Harzig-nussig der Oberton der Mischung, ergänzt durch die Süße der Virginias und das Aroma, bei dem sich vor allem der Rum hervor tut. Nach dieser Reifephase wirkt er nicht mehr künstlich, aufgesetzt… er hat die Mischung durchzogen, angereichert, sich eingefügt und die Spitzen rund geschliffen. Satt, voll und aromatisch der cremige Rauch. Kräftig ist er zudem geworden… wer die Zuggeschwindigkeit bei der Gier nach mehr übertreibt, erntet eine kribbelnde Zunge und einen Biss im Geschmack, der das wunderschöne Gesamtbild mit einem Schnitt zerteilt. Also, Gemach… genießen und staunen, was die Zeit aus einem unausgegorenen Rotzlöffel machen kann. Einen kernigen, runden, sonoren Charakter! Wie bei Menschen, denen man auch die Ruhe zur Reife ließ.


Dies ist kein Review zum nach jammern. Ja, es gibt ihn nicht mehr… doch das ist jetzt gar nicht so wichtig. Diese Wandlung zeigt, dass Reife durchaus für Tabake sehr zuträglich sein kann. Vielleicht muss ich ein wenig umdenken… und suche mir zwei - drei Kandidaten, die ich einfach mal liegen lasse. Nicht um damit später anderen Leuten die dicke Kohle aus der Tasche zu zocken. Damit kann man dann nur Geld verdienen… das ist mir zu langweilig. Nein, für den eigenen Genuss, halt für besondere Momente und delikate Aha-Erlebnisse. DAS sind nämlich die Dinge, die ein Leben besonders schön machen… und dafür haben wir Pfeifenraucher doch einen Sinn.

...und mit Geld bezahlen kann man solche Erlebnisse nicht. Selbst gekauft und gelagert, die Zeit arbeiten lassen, Geduld beweisen in der Vorfreude auf das kommende Erleben… DAS macht solche Momente aus, denke ich...

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Kommentare:

  1. Das erinnert mich ein wenig an meine Anfangstage in denen ich mich immer gewundert habe wieso die in Österreich gekauften Dunhill Tabake soviel besser waren als die in Deutschland gekauften.
    Die Antwort war recht einfach: weil in Österreich das Geschäft so schleppend ging dass *jeder* Tabak mindestens drei Jahre gereift war ... aber eher 5-7 Jahre.

    Seither Besuche ich Vorzugsweise die kleinen Läden mit wenig Auswahl und noch weniger Kundschaft ;o)

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  2. Was für Cigarren schon lange bekannt und gut ist, kann für Pfeifentabak nicht schlecht sein. Es wundert mich, daß da noch nicht mehr drüber geschrieben wurde bzw das das noch nicht erkannt ist.

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  3. Ich möchte hier mal einen anderen Gedanken zu "Papier" bringen. Vielleicht war der "Hyde Park" damals wirklich so konzepiert. Frech rotzig usw. wie Ralf es beschrieb. Hyde Park lebt auch mit seinen "Rednern" die überall sind. Vielleicht war es auch die Idee des Schöpfers dieses Tabaks. Durchs Altern ist etwas anderes daraus geworden. Mir gefällt sowas nicht. Der "Schöpfer" dieses Tabak hat sich vielleicht was dabei gedacht. Alle geagden Tabake sind nicht mehr das, was sie mal waren. Es ist natürlich dem einzelnen Überlassen was er aus einem Tabak macht.

    Gerd

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  4. Wie bereits geschrieben: Es wundert mich sehr, daß das bei Pfeifentabak kaum ein Thema ist. Bei Cigarren wird das sehr kultiviert. (manchesmal auch übertrieben). Gibt es das nicht? Wird das nicht verfolgt und ausprobiert? Verhindern Aromen ein Aging? Oder sind Pfeifenraucher zu gierig und rauchen immer alles sofort weg ;-)

    Gruß
    Skotty

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  5. Hi All, habe ich etwas verpasst? Wieso sollte es ihn nicht mehr geben? Ich habe erst vor zwei Wochen eine Dose hier in Dublin gekauft. Und HU-tobacco hat ihn auch in D im Angebot. Gruss Jochen

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  6. Ein ähnliches Erlebnis hatte ich kürzlich, als ich eine zwei Jahre alte Dose My Mixture 965 "reaktivierte". Seinerzeit (als Pfeifenneuling) war ich überrascht, wie bissig und harsch dieser allseits gepriesene Tabak rüberkam - so ganz untypisch für einen klassischen Engländer. Nach vier enttäuschenden Versuchen verschwand die Dose dann in den Tiefen eines Schranks und fiel dort dem Vergessen anheim. Vor einigen Tagen beschloss ich dann, inspiriert durch ein Youtube-Review, dem 965 nochmals eine Chance zu geben. Der Tabak war nach zwei Jahren immer noch perfekt konditioniert und hat sich zu einem zungenfreundlichen Hochgenuss entwickelt: vollmundig und kräftig im Geschmack, komplex, fast schon Zigarrenartig. Meine bisherige Dunhill-Nr.-1 The Aperitif wird wohl nun vom nachgereiften 965 abgelöst.

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  7. Ich habe als ich mir den Hyde Park vor kurzem kaufte eine Dose erwischt, die scheinbar schon länger luft gezogen hatte. Der Tabak aus der frisch geöffneten Dose war recht trocken und das Aroma nur noch dezent zu erriechen, aber das scheint der Mischung gut getan zu haben. Ich bin absolut begeistert! Er ist sanft, "blumig", holzig mit einer leichten Ahorn-Note. Ich habe keine ahnung wie lange die Dose im Laden lag, aber ich kann nur bestätigen dass man dieser Mischung scheinbar seine Zeit geben muss.
    Gruß Johannes

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  8. Tschau Ralf
    Den Reifeprozess über die Jahre, habe ich jetzt schon bei manchen Tabaksmischungen festgestellt. Ein neues Experiment habe ich kürzlich mit einem Synjeco Blend, dem Grenodd Rope begonnen. 250 Gramm sind kürzlich bei mir eingetroffen. Rauche ihn zwischendurch, lasse ihn jedoch in einem Bülacher-Einmachglas nachreifen.
    Bin gespannt auf die geschmacklichen Veränderungen, wärend der ganzen Zeitdauer.
    LG, Reto 😀

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  9. Wie so gibt es den in Deutschland nicht mehr, er wird doch noch überall angeboten. HU ,zigarrenhaus 24.....
    Also das stimmt wohl nicht....

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