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Dienstag, 27. Oktober 2015

Theodorus Niemeyer - "Neptune" (Orlik)

Wer, wie ich, nicht weit von der holländischen Grenze wohnt, besucht unsere entspannten Nachbarn gern einmal zum Großeinkauf. Besonders, wenn man "Kaffee-Junkie" ist, lohnt es sich noch immer. Beim Marathon zwischen dem "2 Brüder von Venlo"-Supermarkt und den verschiedenen Fisch- und Käseständen findet sich auch immer mal wieder Gelegenheit, kleine Tabakläden aufzusuchen, um "exotische Kräuter" aufzuspüren, die sich nicht in deutschen Händlerregalen finden. So entdeckte ich für mich z.B. den "Troost-Flake".

Mein Freund Sven, der noch deutlich näher am orangenen Königreich angesiedelt ist, brachte mir bei seinem letzten Besuch ein Pouch eines Tabaks mit, den ich, bis dato, auch noch nicht kannte: "Neptune Pipe Tobacco Mellow Mixture".


Bei einem mir völlig unbekannten Kraut nutze ich gern das Netz, auf der Suche nach Informationen über den jeweiligen Tabak. Lustig, dass sich die meisten Erfahrungen zum „Neptune“ auf der anderen Seite des Atlantik finden und sie durchweg positiv sind. Gut, das heißt nicht viel... bei unseren amerikanischen Kollegen haben auch die "Borkum Riff"-Tabake eine eingeschworene Fangemeinde.

Scheint eine besondere Mischung zu sein, der Gute. Seine Aromatisierung beinhaltet Honig und Lakritz (!) und nach guter, alter, holländischer Tradition sind den Virginias und Burleys auch noch Brazil-Tabake beigemischt... in angeblich gut feststellbarer Menge.

Das Tabakbild ist geprägt von hellen und dunklen Virginias, etwas Burley und Black Cavendish. Man verzeihe mir, dass ich die Brazil-Tabake, mangels Erfahrung, im recht abwechslungsreichen Coarse-Cut optisch nicht zu identifizieren vermag. Deren Einfluss ist geschmacklich (hoffentlich) auffälliger. Ein süßer, tabakiger Grundduft mit Noten von Lakritz macht jedenfalls Lust auf eine Füllung... los geht's!


Gut konditioniert und recht fein geschnitten lässt sich der Tabak problemlos einbringen und mit einem Minimum an Aufwand zu gleichmäßiger Glut animieren. Rasch stellt sich beim Geschmack eine zusätzliche, mild-würzige Obernote ein, die wohl den Brazils geschuldet ist, ohne aber zigarrig zu wirken. Der Rest... hm, wie soll ich es sagen... gepflegte Langeweile mit einem matschig-süßen Aroma? Tja, mehr tut sich nicht. Das Aroma ist noch dezent genug, um dem Tabakgeschmack Raum zu lassen... nur, der nutzt ihn nicht. Betont mild, betont weich... so betont, dass sich kein identifizierbarer Charakter einstellen will. Zumindest bis zur Mitte der Füllung besteht für den Raucher die Gefahr, einen "Boreout" zu erleiden (um auch mal eine, dieser schwachsinnigen Neuwort-Schöpfungen zu nutzen!). In der zweiten Hälfte ist die eigenartige Süße reduziert, der Tabak legt minimal an Gehalt zu... das war's aber dann auch.

Positiv ist anzumerken, dass er so gut wie kein Kondensat bildet und bis zum bekannten, hellgrauen Aschehäufchen sauber durch glimmt.


...und das soll jetzt alles gewesen sein? Bei soviel Lob? Glaube ich nicht... daher erfolgt der Wechsel auf ungefilterte Pfeifen... so rauchen ihn die US-Pipester ja schließlich auch in der Mehrheit. Gut, ohne Filter stellt sich eine Ahnung von differenzierbarem Tabakaroma ein, der Geschmack der umgebenden, süßen Soße wird aber noch penetranter... und somit das Gesamtbild nicht unbedingt positiver. Nach einem letzten Versuch aus den Hilgerter Tonpfeifen gebe ich es auf. Selten war ich von einem Tabak in den letzten Jahren so enttäuscht.

Auf meiner persönlichen, "schwarzen" Liste bekommt der „Neptune“ einen Ehrenplatz - das war es aber auch. Hier haben Raucher und Tabak absolut nicht zueinander gepasst. Die geforderten 7,60 Euro für 50 Gramm investiere ich beim nächsten Holland-Trip lieber in eine große Portion "Frikandel Special" mit Pommes - das für mich deutlich erhebendere Geschmackserlebnis.


Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Kommentare:

  1. Hallo Ralf,

    Schade von die Neptune, es ist eine Klassiker hier in die Niederlande. Aber es ist nicht mehr was es einmal gewesen war. Die alte Version von Niemeyer war fabelhaft.

    Liebe Grüße,
    Arno

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  2. Lieber Arno,
    das glaube ich sofort...ich erinnere mich auch mit viel Freude und Sehnsucht an die alten Royal Niemeyer Tabake. Was habe ich die Scottish Mixture geliebt...
    Liebe Grüße, RALF

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  3. Ich kannte den Tabak von früher . Mein Vater hat ihn Ende der 70er Jahre geraucht und ich habe mir früher immer mal ein köpfchen voll stibitzt. In Deutschland gab es den glaube ich unter dem Namen Mayflower. Als ich kürzlich in Venlo War , habe ich mir mal ein päckchen mitgebracht. Er roch und schmeckte nicht mehr so wie damals. Für mich leider auch nicht mehr das was ich rauchen möchte !

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