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Samstag, 31. Oktober 2015

Mac Baren - HH Pure Virginia

Sie sind noch nicht lange auf dem Markt, die Tabake der Reihe HH aus dem Hause Mac Baren, und doch gelten sie vielen schon als Klassiker. Allesamt urwüchsige, aber doch subtile Tabake, Charakterköpfe in der Tabaklandschaft, echte Marksteine in einem Ödfeld des geschmacklichen Einerleis so vieler anderer, denen man im Ungeist des Marketings Charakter und Profil weg gezüchtet hat.

Nun hat die Firma Mac Baren sich entschlossen, die HH-Reihe um zwei Tabake zu erweitern. Zwei weitere Tabake, die das Namenskürzel Harald Halbergs tragen dürfen, des schmauchenden Dänen, der 1887 in der Stadt Svendborg eine Tabakspinnerei erstand und mit ihr ein Unternehmen gründete, das heute unter dem Namen Mac Baren weiter floriert.

Harald Halberg - HH. Ein Name mit alter Tradition, ein Name, der heute aufs neue für richtige Charakterköpfe steht. Man denke nur an den „HH Old Dark Fired“, einen Burschen voll schwerer, dunkler, eigenständiger Würze, wie sie auf dem Tabakmarkt ihresgleichen sucht (und nur wenige Nachahmer hat). Oder man nehme den „HH Mature Virginia“, dessen ätherischer Orientduft sich seltsam mühelos mit der fast öligen Note von Oliven vermählt. Tabake, die sicher nicht jeder mag, die aber umso mehr für echte Vielfalt in der Tabaklandschaft sorgen.

Entsprechend hoch sind die Erwartungen an die beiden HH-Neulinge: den „HH Bold Kentucky“ und den „HH Pure Virginia“. Befassen wir uns hier nun mit den Qualitäten des „HH Pure Virginia“! (Sein Bruder aus Kentucky folgt demnächst nach.)


Der HH Pure Virginia richtet sich an passioniert knickfaltende Flake-Raucher und möchte es ihnen einfach machen. Die eher schmalen Flakescheiben sind nicht zu dick geschnitten und halten vorbildlich gut zusammen; das Stopfen nach Knick-Falt-Methode drängt sich geradezu auf. Wer gerne aufrubbelt, wird fast etwas Mühe haben, die kompakten, elastischen Scheiben pfeifengerecht zu zerbröseln. Das Aufrubbeln bietet jedoch hier den Vorzug, dass der lose eingebrachte Tabak im Gegensatz zur kompakten Flakescheibe etwas mehr Luft atmen kann und daher noch besser die Glut annimmt und zieht und m.E. auch sein Aroma etwas besser entfaltet.


Der Duft aus der Dose ist erstaunlich neutral, ein schwacher Wohlgeruch von mitteldunklem, leicht erdigem Virginia. Aber die Nase muss schon tief in die Dose eintauchen. Denn im Geruch macht der Tabak seinem Name "Pure Virginia" alle Ehre; von einem Casing, geschweige von einem Flavouring, keine Spur. Virginia, sehr neutraler Virginia, sonst nichts.


Wie immer bei Mac Baren ist die Konditionierung übrigens vorbildlich: Nicht zu trocken, nicht zu feucht, der Tabak nimmt die Glut willig an und hält sie anstandslos; ein Nachzünden ist selten nötig. Der Tabak verbrennt nahezu rückstandslos, und Kondensat entsteht so wenig wie bei fast keinem anderen Tabak, den ich kenne.

Gleich beim ersten Streichholz jedoch weicht die ungewöhnliche Neutralität des Dosendufts einem satten, aber keineswegs schweren, aufdringlichen oder überpräsenten Virginiaaroma, getragen von dem typischen Mac Baren-Bukett, dem honigartigen Geschmack von Melasse.

Das Mac Baren-Bukett liegt beim „HH Pure Virginia“ dem Charakter nach ungefähr zwischen dem Aroma des Mac Baren „Navy Flake“ und dem Geschmack des Mac Baren „Virginia Flake“; etwas weniger lieblich als der eine, etwas weniger frisch als der andere. Und das Bukett ist schwächer als bei beiden, schwächer, wenn auch doch deutlich vernehmbar. Die Intensität des Casings liegt etwa auf der Höhe des Mac Baren „Virginia No.1“, dem "Pure" im Namen zum Trotz sogar leicht darüber. Was Charakter und Intensität des Casings betrifft, so kann man den "Pure Virginia" etwa in der Mitte des 'Virginia-Dreiecks' aus „Navy Flake“, „Virginia Flake „und „Virginia No.1“ verorten. Ein Tabak der Mitte also.


Der Tabak selbst ist virginiatypisch natursüß, mild und ohne Schärfe, dabei aber hinreichend würzig und körperreich. Die immer wieder zitierte Grasnote der Virginias spielt hier schon leicht ins Erdige, ohne darin auch nur entfernt an die grimmig-dunkle Tiefe des „HH Old Dark Fired“ zu erinnern. Auch hier: Ein Tabak der Mitte.

Die beteiligten Aromen von Tabakblatt und Casing sind gut und glatt verbunden. Der Tabakgeschmack macht einen sehr einheitlichen, ja kompakten Eindruck. Sind diese Einheitlichkeit und die Tendenz zur Mitte der Pferdefuß des Tabaks? Ist er eindimensional, einseitig, langweilig? Wer auf Wunder der Komplexität abfährt, der muss sich allerdings besser Kompagnons wie etwa dem „Jurewicz Grand Slam '91“ zuwenden. Doch langweilig ist der "Pure Virginia" darum noch lange nicht. Er fesselt nicht zu aller Zeit die Aufmerksamkeit aller Geschmacksnerven, aber die Lust auf eine zweite Pfeife und zum Nachhorchen auf die Aromen stellt sich doch schnell ein.

Wer sich mit dem „Virginia Flake“ und „Navy Flake2 aus gleichem Hause grundsätzlich anfreunden kann und wer naturnahe Tabake auf der Casingstufe nahe beim „Virginia No.1“ mag, ja, wer seinen Lieblingstabak lieber etwas gehaltvoller, männlicher hätte als den „Navy Flake“ und etwas tiefer und dunkler als den „Virginia Flake“, doch ohne deren Intensität des Casings, - der kann im "Pure Virginia" einen neuen Freund und Vertrauten finden, der ihn lange begleitet.

Ist der "Pure Virginia" ein Charakterkopf, wie das Siegel HH hoffen lässt? Nein, er ragt nicht heraus aus der Tabaklandschaft wie ein Meilenstein. Aber er ist ein guter Tabak der Mitte, der viele Vorzüge in sich vereint und darum (im Gegensatz zu vielen charakter- und gesichtslosen Tabaken) durchaus seinen Platz und seine Berechtigung in der Tabaklandschaft hat, - ein wenig im Schatten der Monumente von "Old Dark Fired" und "Mature Virginia", aber doch seinen eigenen Platz.

Fazit für Eilige:
Unkompliziert zu rauchender, naturnaher Tabak mit typischer (leichter) Mac Baren-Note. Süß-würzig, leicht erdig. Nicht übermäßig komplex, nicht übermäßig originell, aber keinesfalls langweilig. Für Freunde der naturnahen Virginias eine immer noch warme Empfehlung.


Mac Baren HH Pure Virginia
Hersteller/Vertrieb (laut Steuernummer): Arnold André, Bünde
Preis: 10,75 für 50 g (Stand: Oktober 2015)

Verwendete Tabake: ausschließlich Virginias
Typ: Flake
Richtung: naturnaher Tabak
Casing: (laut Hersteller) kein Topflavour. Ein leichtes Melasse-Casing ist im Geschmack jedoch vorhanden.
Tabak-Note: süß-würzig, leicht erdig
Stärke (Nikotingehalt): mittel
Abbrand: gut, mäßig langsam
Geraucht in: Stanwell 225 Zebrano, Jeppesen Ida (beide oFi)


Autor: Patrick H.

Kommentare:

  1. Ich habe den HH Pure Virgina seid heute, bin begeistert.
    Wer Virgina mag wird Ihn lieben. Auch der Preis ist ok

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    1. Hallo, Jürgen,
      ja, das sehe ich auch so. Ein sehr angenehmer Virginia für einen fairen Preis.
      Viel Spaß beim Rauchen!
      Patrick

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  2. Sorry, aber im Bericht wird ganz selbstverständlich der HH Mature virginia erwähnt. Ein Wunder, dachte ich mir. Nein, doch nicht. Jener Tabak, einst einer meiner liebsten, wenn auch sehr schwierig wegen einer mal überbordenden, dann wieder nicht vorhandenen Feuchtigkeit, war wirklich eine Wucht. Noch kein Virginia hat mir so geschmeckt und solche Aromen spendiert. Schade, dass es ihn gar nicht mehr gibt. Da ich zwischendurch noch mehrere Dosen des HH Perique - auch ein toller Tabak - über diverse eigentlich seriöse Internet-Anbieter bezog, die ganz eindeutig nicht den HH Perique enthielten, sondern den eingestellten Mature virginia in der falschen Dose, musste ich trotz meiner vorherigen Liebe zum HH von Mac Baren eine kleine Konsequenz ziehen: Ich entzog nämlich auch diesem meine Liebe. Es ist einfach schade, dass ein derart gut bewerteter Tabak wie der Mature einfach so ohne jeden Kommentar eingestellt wurde - nachdem man ihn zuvor in den Himmel bewarb. Zum Perique habe ich mich ja schon meckernd geäußert. Kurzum: HH entlockt mir seitdem nur noch ein gequältes Lächeln. Und kein Rauchwölkchen mehr.

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    1. Guten Tag, Herr Müller!

      Daß der HH Mature Virginia anscheinend nicht mehr produziert wird, ist wirklich schade und ein Verlust. Das umso mehr, als ich keinen (derzeit erhältlichen) Tabak kenne, der ihm ähnlich wäre und ihn ersetzen könnte.
      Die Politik vieler Hersteller kann man manchmal nicht oder nur mit viel Spekulation nachvollziehen. Ich habe mich deshalb auch über Mac Baren geärgert.
      Andererseits hat die Firma immerhin den Schneid gehabt, überhaupt einige Tabake auf den Markt zu bringen, die womöglich nur einen sehr kleinen Teil "der Konsumenten markenspezifisch binden können" (wie die Reklameleute sagen).

      Es bleibt dem Pfeifenfreund zunächst die Hoffnung, den Mature Virginia - wie manchen anderen verlorenen Tabak auch - noch im Bestand eines Händlers aufzustöbern. Da hat man immer wieder Glück.
      Weiterhin besteht immerhin noch die Chance, daß der Tabak irgendwann z.B. als Haustabak eines Pfeifenfachgeschäftes wieder auftaucht. Das kommt auch immer wieder vor, und dank solchen Institutionen wie diesem Blog hier spricht sich das unter Pfeifenfüchsen bald herum.
      Und schließlich hoffe ich, durch Hervorhebung des Positiven und Lobenswerten Firmen vielleicht doch zu einem Einsehen zu bewegen (oder zumindest meinen bescheidenen Teil dazu beizutragen). In einem Fall hat das wirklich mal funktioniert.

      Es ist noch nicht die letzte Hoffnung in Rauch aufgegangen.

      Mit besten Grüßen

      Patrick H.

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  3. Guten Tag zurück, Sie haben sicher Recht: Die letzte Hoffnung ist noch nicht verraucht. Und positive Beispiele gibt es sicher auch, wie zum Beispiel die Wiederentdeckung des "Exklusiv royal" durch Ralleygruftie. Der Tabak winkt mir neuerdings in Tabakläden entgegenwinkt, wo man sich noch vor zwei Jahren bei Nennung von Pöschl und "Exklusiv" geradezu schüttelte. Aber aus persönlicher Erfahrung hilft manchmal leider nur das Negative weiter, um ein Umdenken zu bewirken. Die Mischung macht's, wie in der Pfeife. Das soll natürlich nicht heißen, dass ich Ihr Review negativ fände - ganz im Gegenteil. Vielen Dank. Es war nur die Erwähnung des Mature (schluchz), die mich zum Stoßseufzer veranlasste.
    Beste Grüße zurück, J. Müller.

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  4. Hallo Pfeifenfreunde,

    erstmal Danke für die Gute und schön zu lesende Review!

    Ich hab jedoch das Problem, dass mir der Pure Virginia recht häufig ausgegangen ist, darauf folgt Frust und der verzweifelte Versuch ihn doch am glühen zu halten. Natürlich wurde er dadruch viel zu heiß.
    Es war mein erster Flake und mein erster Versuch der Knick- und Falt-Technick dementsprechend erwartete ich keine Glanzleistung, doch war ich recht Bedröppelt, dass ich den Tabak nicht so genießen konnte wie er von vielen beschrieben und gelobt wird.
    Nun stellt sich mir die frage ob er zu feucht war oder ob es wirklich gänzlich an meiner Unerfahrenheit gegenüber Flakes lag. Da ich bis jetzt ja keinerlei Bezug zu Flakes hatte, wollte ich mal fragen, wie ich erkennen kann ob der Flake zu feucht ist?

    Ich werde mir morgen mal ein paar streifen rauslegen und sie etwas trocknen lassen, vielleicht ändert sich ja was (zum positiven oder negativen) ;) - Man sagt ja nicht umsonst "probieren geht über studieren". Werde dann bei Gelegenheit schreiben ob sich was verändert hat.

    Mit freundlichen Grüßen
    Tristan

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    1. Hallo, Tristan,

      wie Du sagst: Probieren geht über Studieren!
      Etwas Experiment und Erkundungsgeist gehören immer dazu, egal ob man nun seit 30 Jahren Flakes raucht oder erst seit gestern.

      Meiner Erfahrung nach sind die Tabake von MacBaren i.d.R. sehr gut konditioniert, d.h. optimal rauchfertig, wenn man eine frische Dose öffnet, so auch beim HH Pure Virginia.
      Es könnte aber sein, daß ausgerechnet Deine Dose weniger gut konditioniert war.

      Hinweise, daß ein Flake womöglich zu feucht ist, können sein:
      - der Flake fühlt sich leicht klebrig an
      - er hinterläßt auf Papier (z.B. der Verpackung in der Flakedose) Flecken
      - er wirkt zäh, läßt sich zwar biegen, aber schlecht brechen
      - der Geruch ist charakteristisch "feucht" (eher "nach Keller" denn "nach Heuschober" bei helleren Virginias)
      - es setzen sich nach mehreren Stunden "Freiluftbad" winzige Kristalle (Zucker) an der Oberfläche des Flakes ab.
      Das sind leider nicht mehr als Indizien. Je nach Tabaksorte, Charge und Hersteller enthält der Tabak mehr oder weniger Glycerin, das den Tabak feucht hält, sich aber in der Pfeife anders beträgt als dem Tabak zugesetztes Wasser.
      Daher sind ganz allgemeine Aussagen leider wenig hilfreich.

      Nochmals: Nicht verzagen! Trial und error führt auch beim Rauchen zu Erfolg - und Genuß. Das gilt für jeden, auch den ausgefuchstesten Pfeifenfuchs.

      Viel Erfolg - und Genuß!

      Mit besten Grüßen

      Patrick H.

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