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Dienstag, 22. September 2015

St. Bruno - Eine leckere Legende!

Nein, ein Tabak-Review wird das sicher nicht. Würden Sie eine Rezension zu "Vom Winde verweht" schreiben wollen oder eine Kompositionsbeurteilung zu Ludwigs Fünfter? Ich nicht!

Thomas Ogden ist einer meiner ganz persönlichen Pfeifenhelden. Was er gemacht hat? Nun, er eröffnete 1860 in der Park Lane in Liverpool das erste Tabakfachgeschäft am Ort. Zusätzlich betrieb er ab dem Jahr 1870 in der St. James Street eine kleine Manufaktur, in der er seine eigenen Pfeifenkräuter kreierte. 1896 muss er eine besondere kompositorische Sternstunde erwischt haben... es wurde der Geburtstag eines Tabaks, der bis heute Raucher auf der ganzen Welt begeistert, dem die treuesten, noch lebenden Fans seit 40 Jahren, zusprechen: ST. BRUNO!

Ogdens Tabake erhielten so viel Zuspruch und waren ob ihrer Qualität so gefragt, dass Thomas 1899 in der Boundary Lane, Liverpool, ein Unternehmen schuf, dass all' seine Aktivitäten unter einem Dach bündelte. Ogden of Liverpool war gegründet und stieg als Ogden Ltd. recht rasch zu einem der bedeutensten Tabakproduzenten Englands auf.

Copyright: Sue Adair

Doch, es waren rauhe Zeiten, in die hinein die Ogden Ltd. geboren und groß wurde. Der Tabakkrieg war in seiner heftigen Phase. Die mächtige American Tobacco, auf der anderen Seite des Atlantiks, und die bedeutenden englischen Tabakproduzenten lieferten sich um die Wende zum zwanzigsten Jahrhundert eine regelrechte Wirtschaftsschlacht um die Marktanteile sowohl in der neuen, als auch in der alten Welt. Eine taktische Meisterleistung, verbunden mit Unsummen von Geld, sorgte 1901 dafür, dass die American Tobacco Thomas Ogden`s Firma mit Mann und Maus aufkaufte. Für seinerzeit unvorstellbare 818.000 englische Pfund!

Ein unglaublicher Schlag für die englische Tabakindustrie, der dazu führte, dass die dreizehn bedeutendsten Betriebe Englands sich zur Imperial Tobacco England zusammen schlossen. Das so erreichte Gleichgewicht der Kräfte sorgte 1902 dafür, dass zwischen beiden Seiten eine Art Waffenstillstand geschlossen wurde. Die englische Seite stellte aber die Bedingung, die Ogden Ltd. zurück zu bekommen und die Firma in die Imperial Tobacco England zu integrieren. Der Forderung wurde entsprochen. Eine weise Entscheidung, die nicht nur Millionen von Dollar und Pfund sparte, sondern beiderseits des großen Teiches tausende von Arbeitsplätzen dauerhaft sicherte.


All' diese Turbulenzen hat der St. Bruno schadlos überstanden. Ebenso, wie zwei Weltkriege und den seit den 90er Jahren ständig schrumpfenden Absatzmarkt. Es gibt ihn immer noch, heute vertrieben von der STG und hergestellt bei Orlik. Vornehmlich in Spanien ist er heute, außerhalb Englands, anzutreffen. Warum er nicht mehr bei uns zu kaufen ist, bleibt mir ob der regen Nachfrage deutscher Fans ein Rätsel. Es gibt ihn als Flake, als recht "ruppig" zerfaserten Ready Rubbed... und zumindest gab es ihn auch in einer fein geschnittenen Version, über deren Verbleib mir nichts bekannt ist. Viele St. Bruno-Fans berichten davon, dieser Schnittform lange nicht begegnet zu sein. Wohl eines der kleinen Geheimnisse, die sich um diesen Tabak immer wieder ranken.


Kein Geheimnis ist seine Zusammensetzung. Verschiedene Virginias und kräftige Kentuckys sorgen, zusammen mit einer floralen Aromatisierung, für einen "Lakelander" feinsten Wassers... auch, wenn Cumbria und Liverpool achtzig Meilen voneinander entfernt sind. Man muss ihn mögen, diesen deftigen, kräftigen Kerl mit seiner Note von Blumenaroma und Rasierwasser. Doch wem dieses Aroma zusagt, der liebt den St. Bruno von Herzen... und seine Anhänger nehmen einige Mühen auf sich, seiner habhaft zu werden. Schade, dass sich die STG bislang nicht durchringen kann, diesen Tabak auch wieder über deutsche Theken zu vertreiben.


Bleibt noch eine Frage offen... wieso heißt der eigentlich St. Bruno? Nun, gesicherte Erkenntnisse gibt es nicht, aber zumindest eine begründete Vermutung. Im Jahr 1150 vermachte der dritte Duke of Durham ein Stück Land den Benediktinern. Ein Orden, der auf den heiligen Bruno zurück geht. (Naja, man sollte lieber sagen, auf EINEN heiligen Bruno... von denen gibt es nämlich in der Geschichte der katholischen Kirche so einige!) Die Benediktiner bauten jedenfalls auf diesem Land ein Kloster und betrieben es bis zum Jahr 1536. Die Ruinen dieses Klosters sind aber bis heute weithin zu sehen... und bei der Lage von Thomas Ogdens damaligem Geschäft ist sicher, dass Thomas beim Mischen seiner Tabake stets durch sein Fenster eben diese Ruinen sah. Das könnte Inspiration genug gewesen sein, um einem der erfolgreichsten und ältesten Pfeifentabake seinen Namen zu geben.

Etwas schwieriger wird die Erklärung, warum sich in zeitgenössischer Werbung für den St. Bruno immer wieder der Bernhardiner mit dem berühmten Tabakpaket um den Hals herum treibt. Diese ehemalige Rettungshunderasse geht nämlich zurück auf eine Züchtung des Augustinerordens und trotz intensiver Suche ist es mir nicht gelungen, den Augustinern eine Verbindung mit den Benediktinern anzuhängen.

Nun, hier hat wohl der freie Geist der Werbebranche sein Unwesen getrieben. Was solls, immerhin waren die Spots originell und sind bis heute Klassiker - wie der Tabak.

St. Bruno, ein Fels in der Tabakbrandung seit 119 Jahren. Ein Tabak, der Generationen von Fans begeistert hat und es immer noch tut. Ich möchte ihn nicht missen und hoffe von Herzen, dass er auch mich überlebt. Danke, Mr. Ogden, Sir!

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Kommentare:

  1. Das ist ein schöner Artikel! Ich habe mir den Tabak aus England kommen lassen. Der Zoll hat nichts gemerkt/reagiert. Bei der zweiten Lieferung hat der Schweizer Zoll dann aber nach Wegelagerer Art zugeschlagen. Aua!

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  2. Hola Ralf, danke für diesen hochinteresanten Beitrag, der sich einem meiner ältesten und liebsten Weggefährten neben dem EARLY MORNING PIPE tobaco widmet. Vieles habe ich nicht gewusst und die neuen Erkenntnisse lassen gleich die Würzigkeit und Wertigkeit unseres St. Bruno noch mehr steigen. Erhat mich treu begleitet bis er verschwand und plötzlich mir wieder in Spanien wunderbarer Weise begegnete.
    Sonnige Grüsse.
    Michael

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  3. Lieber Ralf,
    ein wirklich schöner und informativer Bericht. Da werde ich mal schauen, ob es den Burschen auch auf Mallorca gibt.
    Sybille

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  4. Ich habe die feingeschnittene Variante vor ein paar Jahren mal auf Helgoland gekauft. Allerdings weiss ich nicht so recht ob die Insel schon zu Deutschland gehörte, als das Päckchen dorthin geliefert wurde! Es brauchte einige Wiederbelebungsmaßnahmen! Danach war es aber Rauchvergnügen pur! :)
    Jasper

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