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Dienstag, 29. September 2015

Intertabak 2015! - ...und sonst so?

18.09.2015 / 9.45 Uhr - Vor dem Haupteingang zur Messe Dortmund huschen plötzlich eine Handvoll weißer Kittel durch die Menge, der dort auf Einlass wartenden Besucher. Ein Notfall? Nein, nur ein kleines Trüppchen von Gutmenschen sieht sich berufen, durch die Verteilung von Handzetteln auf die Gefahren des Rauchens in drastischer Form ("Intertabac - Tausend Tote unter einem Dach!") aufmerksam zu machen. Sie werden friedlich und amüsiert zur Kenntnis genommen. Drinnen herrscht bereits beachtliches Gedränge. Ein deutliches Zeichen dafür, dass das Interesse an der Intertabac jedes Jahr wächst. Genau, wie die Messe selbst.


Der größte Teil kommt aber nicht wegen der Pfeife. Elektrische Rauchgeräte, Shishas und Zigarren teilen sich den Löwenanteil an informationshungrigen Besuchern. Wer Neues und Besonderheiten zum Thema Rauchhölzer und Pfeifentabak sucht, muss schon abseits der mit gleißenden Strahlern beleuchteten Podeste suchen und sollte auch nicht damit rechnen, von einer der kurz behosten Hostessen etwas zum Thema zu erfahren. Doch, die etwas mühsame Suche lohnt sich!

Butz-Choquin, z.B. Die unter STG-Vermarktung stehende Traditionsfirma aus Frankreich hat in den letzten Jahren vornehmlich durch "Christbaumschmuck" von sich reden gemacht. Quietschbunte oder "carbonisierte" Oberflächen, seltsame Designideen... der krampfhafte Versuch im "jungen Lager" zu punkten, löste unter den Pfeifenfans eher unterkühlte Reaktionen aus. Doch wer auf der Messe richtig hin sah, entdeckte auch elegante Pfeifen aus wunderschönen Hölzern... deutlich mehr, als in den Jahren zuvor. Gefertigt mit dem Know-How, das sich die Firma über Jahrzehnte erworben hat, sind die neuen Linien von BC auch für den etwas konservativeren Käufer durchaus wieder einen Blick wert.


Einen Blick wert sind sicher auch die Pfeifen von Lorenzo. Der geneigte Fan weiß zwar, dass an die ehemals große Tradition des Hauses nur noch der Name erinnert, der Mut zur Form ist aber geblieben. Ein seltenes Eskimo-Shape findet sich neben Lesepfeifen mit S-förmigen Mundstücken und den nostalgischen Giants, die in den 80ern als Teile der "Spitfire"-Familie bereits Anlass zu erstaunter Betrachtung gaben. Die Holzqualität? Die Verarbeitung? Nun ja, recht akzeptabel. Es wird allerdings abzuwarten sein, welche Preise der Handel an die Modelle schreibt. Im unteren bis mittleren Preissegment wären die Lorenzos sicher eine Alternative für Pfeifenfreunde, die nach Originalität und formeller Eigenständigkeit suchen.


Die Pfeifen von Rattrays haben sich längst als Alternative für die Freunde des britischen Pfeifenstils etabliert. Einmal erwarb man Sympathie durch formelle Eigenständigkeit, es fanden aber auch ehemals überzeugte Peterson-Käufer zum Angebot, die mit der Qualität ihrer früheren Lieblinge nicht mehr zufrieden waren. Von A wie „Anniversary 110th“, bis V wie „Vintage Army“ setzt man weiter eher auf Kontinuität, als auf Sensation. Edel und solide auch die Meerschaum-Reihe "White Goddess". Bezahlbare Schönheit und Klassik auf feinem Niveau... und so wachsen die Sympathien in der Käuferschaft weiter - nicht zuletzt durch die liebevolle Übersicht und Präsentation der Pfeifen auf der Kopp'schen Webseite!

Paolo und Gianni Croci sind sicher auch in Deutschland keine Unbekannten. Im Gegensatz zur italienischen "Prominenz", wie L'anatra, Ser Jacopo oder Ascorti u.a., hat die Manufaktur Pipa Croci aber in unseren Breiten nie den Status eines Geheimtips überwunden. Schade, denn was am Stand der durch Molina hierzulande vertretenen Firma zu sehen war, ist prachtvoll-italienisch genug, um mehr beachtet zu werden. Durchaus vertretbare Preise sorgen außerdem dafür, gerade den Fans der italienischen Pfeifenbau-Kunst diese schönen Pfeifenlinien intensiver ans Herz zu legen.


Was ist nur im Osten los? Das dort gute Pfeifen gebaut werden, weiß man spätestens, seitdem uns Dan Pipe den Tschechen Oldrich Jirsa und seine feinen und bezahlbaren Rauchgeräte präsentiert. Doch Herr Jirsa ist bestenfalls die Spitze des "östlichen Eisberges". Kennen Sie Karel Krzka und seine kräftigen Klassiker, Dusan Doubek und seine bildschöne "Celtic Tobacco"-Linie, Pavel Hodula und seine feinen Lesepfeifen? Warum kommt aus dem Pfeifenbau-Mekka Europas, aus Polen, so wenig bei uns an? Einzelne Leute wie Andrzej Piontek und seine Mimoto-Pipes bieten bestenfalls eine Ahnung dessen, was an guten und innovativen Pfeifenmachern in unserem östlichen Nachbarland vertreten ist. Allein der Blick auf die ungeheuer lebendige Szene der Pfeife in Polen sorgt beim deutschen Betrachter für einen vor Staunen offenen Mund! Oder können Sie sich vorstellen, dass es in unserem politisch, hysterisch korrekten Land ein dreitägiges Fest zu Ehren der Pfeife gäbe?

Was bekommt man davon auf der Messe zu sehen? Den ungeheuer sympathischen "Zibi", der dort seine Freehands und sein "Mr. Brog"-Programm präsentiert... und einen schüchternen Stand von B.K.O., die einzelne Pfeifen aus Tschechien (neben ihrem sonstigen Programm) zeigen. Das ist alles? Ja... ich frage mich, wann endlich ein kluger Mensch wach wird und einen ordentlichen Vertrieb der osteuropäischen Macher auf die Füße stellt?!


Zum Thema Meerschaumpfeifen sind die wesentlichen Dinge schon lange gesagt. Das die Qualität der Altinay-Meerschaumpfeifen ohne Fehl und Tadel ist, bestreitet niemand. Ebenso wenig die Tatsache, dass die Vorkommen endlich sind und eine Rohstoff-Verknappung zu automatisch höheren Preisen führt. Ich lasse mir aber immer noch nicht ausreden, dass die doch recht deftigen Preisschilder auch damit zu tun haben, dass der zuständige Importeur sich einen satten Schluck aus der Kalkulationspulle gönnt. Das man auch günstiger an eine schöne Blockmeerschaumpfeife kommen kann, wurde hier schon an anderer Stelle erwähnt - entscheiden Sie selbst.

Was mich ein wenig irritiert, ist, dass Pfeifen mit Meerschaum-Einsätzen einfach nicht tot zu kriegen sind. Trotz mehrerer Versuche über die Jahre habe ich nicht heraus finden können, wo die Vorteile des Einsatzes aus Meerschaumpulver und Bindemittel liegen sollen. Ich sehe es immer noch als eine "Nicht-Fisch-Nicht-Fleisch"-Lösung an. Doch wenn es die Nachfrage nicht gäbe, würden sie sicher auch nicht produziert.

...und die "Einzelkämpfer"? Nun, sie sind weniger geworden, in diesem Jahr. Natürlich war auch auf dieser Intertabac "Gottvater" anwesend. Immer wieder genießt man die sympathische, bodenständige Art von Hans J. Nielsen... den die meisten Pfeifenfans besser unter seinem Künstlernamen "Former" kennen. Dieser Mann ist lebendige Pfeifengeschichte, ohne ihn gäbe es z.B. kein "Blowfish"-Shape... und doch ist er stets bescheiden, ansprechbar für Interessierte und freundlich im Umgang. Daran könnte sich mancher "Nachwuchs-Star" ein Beispiel nehmen!

Kai Nielsen fehlte (zu meinem Kummer) leider. Ebenfalls ein Großer der Szene, bei dem der Kauf einer Pfeife stets ein entspanntes, freundliches Erlebnis ist. Genau wie beim liebenswerten Ian Walker. Das seine wirklich ausgereiften und bildschönen "English Classics" hierzulande nicht noch mehr Zuspruch unter den Freunden klassischen Pfeifenbaus finden, erstaunt mich immer wieder. Vielleicht ist es seiner Bescheidenheit geschuldet?


Jogi hat in einem früheren Video mal betont, wie wichtig ihm persönliche Sympathie zum Macher bei einem Pfeifenkauf ist. Dem konnte und kann ich mich nur vorbehaltlos anschließen... und so fiel mir auf der Intertabac auf, wie sehr mir noch eine Pfeife von Jan Harry Seiffert fehlt. Dieser ausgesprochen angenehme und freundliche Mensch war eine ideale Ergänzung am Stand der Dan Tobacco (DTM) und es hat mich sehr gefreut zu hören, dass JHS die nächste "Pipe Show" des Lauenburger Hauses ausrichtet. Viele seiner am Stand ausgestellten Pfeifen lösten bei mir das spontane "Haben-Wollen-Gefühl" aus... doch meine kurz vor der Messe erneuerte Brille ließ keine weitere Kontobewegung nach unten zu. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben!


Natürlich war und ist die Stimmung durch den "Branchenknüppel" TPD 2 nachhaltig getrübt und unsicher. Letztlich war aber von Kapitulation und Resignation nichts zu spüren. Die Einschnitte werden hart, die Konsequenzen für die Branche und für Tausende von Arbeitsplätzen sind noch nicht überschaubar. Scheinheilige Politiker gefährden in ihrem Überregulierungswahn und in ihrer Sehnsucht nach diktatorischer Macht einen ganzen Wirtschaftszweig, der ihnen bislang treu das liefert, was sie am meisten lieben: Milliarden an Steuergeldern, die sie sinnlos zum Fenster hinaus werfen können! Gut, Intelligenz ist nicht gerade die Voraussetzung einer erfolgreichen Politikerkarriere... ignorante Dämlichkeit ist aber gefährlich für ALLE! Bislang hat die Branche alles brav geschluckt und umgesetzt... jetzt wird es auf der anderen Seite höchste Zeit für Mäßigung und Vernunft... wir dürfen gespannt sein.

Weitere Informationen über die Intertabac können Sie, falls gewünscht, auch meinem Video zur Messe entnehmen.

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Kommentare:

  1. Hallo Ralf,

    eine gute und gründliche Blogpost !(Mehr gründlich wie Minen ;)) Vielen Dank! Ich hoffe ich kann dir die Hand schütteln nächsten Jahr!

    Freundliche Grüße,
    Arno

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    1. Moin Arno,
      man lernt ja dazu. Unschöne Dinge ansprechen, um Reaktion bitten, die Leute, die baldige Änderung versprechen bei der Umsetzung beobachten...und sich dann endgültig ein Bild machen.Wir werden sehen. :-)
      Ich würde mich freuen, wenn wir uns im nächsten jahr persönlich begegnen.
      Lieben Gruß, RALF

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  2. "Gutmenschen" -> bedeutet das, daß Du/Sie keiner bist/sind ... !?! ;-)

    Gerald
    ��✌

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    1. Moin Gerald,
      ein Zitat aus Wikipedia: "Benutzer des Begriffs unterstellen Personen oder Personengruppen mit betont moralischer Grundhaltung ein fehlgeleitetes beziehungsweise zweifelhaftes Verhalten".
      ...und das ist genau das, was ich mit der Verwendung des Wortes bezwecke.
      Nein, im Sinne dieser Definition bin ich kein Gutmensch. :-)
      Lieben Gruß, RALF

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  3. Ach, ich "liebe" diese Politiker-Schelte und alle sind sooo doof ... ;-)
    Und WER eigentlich liebt nicht Geld bzw. Milliarden - die "Unterschicht" ?!

    Gerald
    ��✌

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  4. Genau...schmeißt den pösen Purschen zu Poden...
    Es gehört sich nicht, auf unsere weisen und weitblickenden Politiker mit ihrem ausgeprägten Hang zur Sparsamkeit zu schimpfen. Pfui !
    Lieben Gruß, RALF

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  5. Hallo Ralf,
    dieser Blog ist intressanter, als alles was in den Printmedien und im Radio (wenn sie denn überhaupt erwähnt Wurde) geschrieben und gesagt wurde. Nur die Demo vor dem Eingang wurde erwähnt.
    Danke für Deine Mühe
    Wolfgang

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    1. Dankeschön Wolfgang !
      Klar, die Demo (wie lächerlich...eine Handvoll Persönchen) musste erwähnt werden, weil es schön in die Staats-Propaganda passt ! :-)
      Es hat Spaß gemacht, über die IT zu berichten. Im nächsten Jahr gerne wieder !
      Lieben Gruß, RALF

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