Willkommen bei Jogi-wan...

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Montag, 14. September 2015

BALLISTOL - Das Wundermittel?

Kennen Sie die Szenen aus Westernfilmen, wo ein seltsamer Kauz, bevorzugt mit abgestoßenem Zylinder und löchrigem Frack, auf einem bunten Karren mit zerzaustem Maultier in die Städtchen einfällt, um seine Tinktur "Doc Miller`s Wunderwasser" (oder ähnlich) an die gutgläubigen Frauen und Männer zu verkaufen? Dieses Gebräu hilft gegen alles... Leibschmerzen, Kurzsichtigkeit, Plattfüße und es dient vorzüglich zur Ölung des Peacemakers oder der doppelläufigen Schrotflinte! Lächeln Sie dann auch stets überlegen und entlarven das Wundermittel mit einem Blick als Scharlatanerie? Sind Sie sich da wirklich sicher?

Wenn ich all' die Wundergeschichten höre und lese, die man sich aus den letzten Jahrzehnten über BALLISTOL und NEOBALLISTOL erzählt und schreibt, kann ich Doc Miller nicht in Bausch und Bogen verurteilen. Allerdings bin ich in diesem Fall befangen, gehöre ich doch seit jeher zu den "Hardcore-Ballistolern". Es mag daran liegen, dass ich meine Kinderstube zum großen Teil im Umfeld von Jägern zubrachte. So behandelte ich neulich noch eine entzündete Schnittwunde an meiner Hand nur mit Sorgfalt und Ballistol... mit wieder einmal überzeugendem Erfolg. Ich will aber die Neo-Pharma-Gläubigen nicht verschrecken und außerdem gehört das nicht hierher.


WAS hierher gehört, ist der Tipp, angeranzten, blass und alt aussehenden Pfeifen mit feiner Stahlwolle und Ballistol auf den Leib zu rücken. Ja, bei Stahlwolle habe ich auch erst einmal gezuckt... aber probieren geht über studieren. Testobjekte wurden eine Vauen und eine Stanwell, jeweils rund 30 Jahre in meinen Diensten, sowie eine Winslow E, die zu verführerischem Kurs zu mir fand... allerdings auch so aussieht! Leichte, schwarze Ränder am und um den Kopfrand, stumpfes Holz, matte Beize, blasse Zeichnung... die Symptome waren bei allen Probanden gleich.

Folgen wir also der Empfehlung und wischen die Pfeifen zunächst mit einem feuchten Tuch ab. Danach wird der Korpus UND das Mundstück mit feiner, mit Ballistol getränkter Stahlwolle abgerieben. Wobei das nur wirklich bei Kautschuk-Mundstücken empfohlen werden kann. Acryl-Mundstücke würde ich hier generell ausnehmen - denen schadet das eher und sie sind deutlich einfacher wieder zu altem Glanz zu bringen!


Hier wird es Zeit für einen Einschub: Wenn Sie sich fragen, wie man an die passende Stahlwolle kommt, empfehle ich, ein ABRAZZO (oder ähnliches Produkt) durch gründliches Ausspülen mit heißem Wasser von der aufgebrachten Seife zu befreien und es danach trocknen zu lassen. Diese Pads eignen sich dann sehr gut. Sie können entsprechende Stahlwolle aber auch bei Ihrem nächsten Baumarkt-Besuch erwerben.

Zweiter Punkt: Das Kautschuk-Mundstück sollten Sie nur mit behandeln, wenn Sie die früher übliche, seidenmatte Ausführung dieser Teile mögen... oder über eine Politurscheibe für die nachträgliche Aufglänzung verfügen.


Nach dem erstmaligen Auftrag geben wir nun dem Ballistol 15 Minuten Zeit, um wirken zu können. Danach erfolgt die Politur mit einem weichen Tuch... und das erste, erstaunte Gesicht. Die schwarzen Kopfränder haben sich weitgehend verabschiedet, Holzmaserung und Beize wirken deutlich frischer und leuchtender, das Holz hat einen weichen Griff. Die angstvolle Kontrolle im Sonnenlicht offenbart keine Kratzer im Holz, der Mut zur Fortsetzung steigt.


Zweiter Durchgang, genau wie oben beschrieben und wieder 15 Minuten warten. Nach gründlicher Politur mit dem weichen Tuch präsentiert sich ein wirklich überzeugendes Ergebnis. Leuchtende Farben, klare Kontraste, saubere Kopfränder. Die Pfeifenkörper wirken um mehrere Jahrzehnte jünger, gepflegt und samtweich. Wer hat und will, kann danach noch einmal mit der Plüschmulle drüber polieren - wirklich nötig ist es aber nicht.

Die Kautschuk-Mundstücke werden ebenfalls sehr sauber und fleckenfrei schwarz... nur eben matt, doch dass werden sie mit anderen Reinigungsmethoden auch und bleiben es, wenn man sie danach nicht maschinell aufpoliert. Allerdings gibt es um den Glanz bei Ebonit-Mundstücken ohnehin einen "Glaubenskrieg". Die Traditionalisten wollen gerade den matten Zustand, da er der früher üblichen Erscheinung entspricht. Entscheiden Sie selbst, wie sie es mögen!


Wer sich am Geruch des Ballistol stört, der ein wenig an Vogelsand erinnert, kann beruhigt sein. Nach dem Auspolieren und ein paar Minuten lüften, ist er weitgehend verschwunden. Ich kaufte bereits vor diesem Experiment Ballistol in größeren Haushaltsmengen... weil ich es halt (s.o.) sehr vielseitig einsetze. Jetzt wird dieser Verbrauch noch merklich steigen. Das Ergebnis hat mich so überzeugt, dass ich das, nach und nach, all' meinen hölzernen Lieblingen angedeien lassen möchte. Ein ehrgeiziges Projekt... doch der nächste Winter kommt bestimmt!

...und wenn Sie mehr wissen möchten, über den (beinahe) Alleskönner Ballistol, schauen Sie sich doch hier mal um. 

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Kommentare:

  1. Hallo Ralf!
    Vielen Dank für diesen interessanten Tipp! Ich war schon früher auf YT immer ein großer Fan deiner "Pfeifen-Kniffe" und freue mich hier mal wieder etwas aus dieser Kategorie zu sehen, das wird bestimmt demnächst mal ausprobiert (Ballistol hab ich hier noch irgendwo rumfliegen) ;)
    Liebe Grüße, Niels! :)

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  2. Ja, Ballistol ist wirklich die Allzweckwaffe, die es verspricht! 😎

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  3. Hallo Ralf,
    ich habe das Balistol schon bei den ein oder anderen videos von dir gesehen.
    Bis vor einem halben Jahr bezog ich von meinem lieblings Pfeifenhändler ein Reinungswachs zur Holzpflege. Da die Herstellerfirma es aber nicht mehr gibt und dies produckt auf dem Markt in Astronomischen hochen Preisen gehandelt wird machte ich ich auf, auf die suche nach einem Ersatz.
    Als ich neulich in einem gutsortiertem Baumarkt auf das besagte zauberöl kam.
    Ich reinige mittlerweile alle Pfeifen und besonders den Pfeifenkopf bei jedem Reinigungsvorgang.
    In Tropfenform angewendet .......ich bin begeister.
    Ich kann es nur empfhlen. Reine Natur für die Pfeife.
    Grüße aus köln Jürgen

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  4. So, ich bins wieder. Ich habe meinen Worten Taten folgen lassen und muss sagen, nun ja...
    ...ich bin begeistert! :) funktioniert hervorragend! Es ist allerdings erstaunlich wie viel Nikotin schon so von außen an der Pfeife haftet (erkennbar an der deutlichen Verfärbung des feuchten Tuchs).
    Vielen Dank nochmal für Deinen tollen Tipp, Ralf!
    Liebe Grüße, Niels

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  5. Hallo Ralf,ich hätte eine Frage zur Reinigung oder Aufarbeitung meiner 38 Jahren alten schwarzen Holzpfeife und einer Kalabasch aus Mombasa/Kenia.Ich kann leider deine Anschreibadresse nirgends finden.Ich hoffe mir kann geholfen werden.Danke im vorraus.Grüsse aus dem Schneelosen Schwarzwald.Wolfgang

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    1. Hallo Wolfgang,

      bitte schicke uns Deine Anfrage an jogi-wan@gmx.de. Die Anfrage geht dann weiter an Ralf.

      VG Jogi

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    2. Frank der Freie20. Juni 2016 um 08:04

      Guten Tag liebe Pfeifengemeinde Balistol kann man auch in den Apotheken nach Vorbestellung erhalten.Ich habe soeben ein von Ralf aufgezähltes Sortiment bestellt und kann es mir am Mittwoch abholen.
      Rald,Danke für die gute Putzanleitung und die Benennung der dazu benötigten Mittelchen.
      Viele Grüße
      Frank

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    3. Die Apotheka hatt alles wunschgemäß bestellt und ich konnte es zwei Tage später abholen. Doch wer sparen möchte, 100ml Ballistol kostete in der Apotheke 3,25 Euro, jedoch hab ich im Internet einen händler gefunden, da kosten 500ml gerade mal 11Euro ohne Versandkosten zahlen zu müssen.
      Viele Grüße
      Frank

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  6. ballistol ist ein altes mittel der jäger um die holzschäfte und die läufe vor nassem wetter zu schützen.bis heute das beste was es gibt.gibt es in jedem waffengeschäft.0,5l 10,50eu.es gibt auch schaftoel in verschiedenen farben zb. hell,dunkel etc.der orginal holzton bleibt so erhalten.gerade das helle verändert den holzton überhaupt nicht.ballistol schaftol schon mit Schwämmchen zum gleichmäßigen auftragen.steffenweber4@gmx.de hoffe geholfen zu haben. mfg

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