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Donnerstag, 11. Juni 2015

W.O. Larsen - Signature

Gut gemeint ist noch nicht gut gemacht. Und gut gemeint plus gut gemacht ist manchmal immer noch kein Tabak von Format. Die noble Dose des "Larsen Signature" weckt hohe Erwartungen, - und der Preis von 24,60 Euro pro 100 Gramm nicht minder.


Der Tabak ist beim Öffnen gut konditioniert und direkt rauchbar. Beim "Signature" keineswegs selbstverständlich. Wer den Tabak kauft, sollte Vorsicht walten lassen und darauf achten, dass die Dose nicht schon seit Quintus des Qualmenden Zeiten im Regal des Händlers verstaubt. Der Tabak ist nicht luftdicht verschweißt und verpackt. Das aber ist im Falle eines Hocharomaten desto bedenklicher. Bei Reanimationsversuchen und Operationen am offenen Aromaten muss oft selbst Professor Brinkmann Skalpell und Humidrole strecken; Wiederbefeuchten ist hier im Gegensatz zum Rehydrieren naturnaher Tabake wenig aussichtsreich. Die künstlich aufgebrachten Aromen sind meist in Wasser gelöst, und mit dem Wasser verflüchtigen sich auch unwiederbringlich die Aromen. (Vgl. dazu auch den Beitrag von Ralligruftie.) Die Konditionierung des "Signature" ein Mindest-Standard also, den man erwarten können dürfen sollte.

Standard auch das Tabaksbild: Eine Mixture aus Black Cavendish, Burley und Virginia zu etwa gleichen Anteilen, sehr vereinzelt finden sich kleinere ready-rubbed-Stücke. (Von einem den Tabak bestimmenden ready-rubbed-Schnitt, wie mancherorts zu lesen, kann keine Rede sein.)


Der Duft aus der Dose ist intensiv, aber uneindeutig. Mit einiger Mühe und konzentriertem Schnuppern lassen sich mehrere, einander diffus überlappende Aromen unterscheiden: Die Saucierung, die den Tabak völlig überdeckt, verschwimmt undeutlich zwischen einem stärkeren Brombeeranteil, hellen Früchten (vage in der Schnittmenge von Birne und Limette), Vanillezucker und einer alkoholischen Likörnote zu einem Gesamteindruck angenehmer, aber unspezifischer Süße. Wer hier nähere Auskunft und Aufklärung sucht, was er da eigentlich riecht, findet uneinheitliche Angaben, beim Hersteller sowohl wie bei verschiedenen Verkäufern. Wo es nicht nur allgemein heißt: "Früchte", da wird etwa eine Zitrusnote erwähnt, an anderer Stelle ist von Waldbeeren die Rede. Was immer jeweils unter Zitrus und Waldbeeren verstanden werden mag (ich assoziiere doch recht verschiedene Früchte, wie Zitrone, Orange und Bergamotte einerseits, und dunklere, rote Beeren wie Brombeeren, Heidelbeeren, Himbeeren und Holunder andererseits). Unrecht hat keiner; in einem Potpourri findet vielerlei Platz.

Der Geschmack dagegen lässt klar zwei gegeneinander abgegrenzte Aromapole erkennen. Ein helles Fruchtaroma steht neben einer leicht vanilligen Karamellsaucierung. Das Fruchtaroma selbst wiederum lässt sich auf der Zunge aber nicht mehr gustatorisch auseinander legen wie noch notdürftig mit der Nase über der Dose. Wo man zuvor immerhin noch Brombeeren erschnuppern konnte, da tritt auf der Zunge der dunklere, gleichsam schwärzlich-rote Duft ganz und bis zur Unkenntlichkeit zurück hinter eher hellen bis gemischten Fruchttönen, meinem - sehr vagen - Eindruck nach ein Aroma irgendwo zwischen Birne, Limone und Pfirsich, nicht unähnlich einem Früchtecocktail aus der Dose.


Eben dieser vage Fruchtgeschmack nun dominiert beim Anzünden, während der zweite Aromapol, das vanillige Karamell, nur im Hintergrund wahrnehmbar ist, etwa wie der zehnte Teil bei neun Teilen Frucht. (Die alkoholische Duftnote ist im Geschmack nicht mehr vorhanden.) Dieses 9:1-Verhältnis verschiebt sich im Niederrauchen des Tabaks gleichmäßig und kehrt sich allmählich um, bis schließlich der Karamellpol die Früchte weitgehend überwiegt. Beide Aromenpole sind jedoch bis zum Ende der Pfeife präsent. Auch hier erfüllt der Tabak die Erwartungen an die Qualität, die Aufmachung und Preis wecken.

Indessen: Auch diese Tugend darf man nicht zu hoch hängen. Ähnlich wie bei der Konditionierung wäre es mit der süßen Freude hier sonst nämlich Essig und es gäbe saure Mienen. Denn der Tabak selbst, die Standard-Aromaten-Mischung (VA-BC-Burley), könnte Schwächen in der Aromatisierung nicht ausgleichen. Er ist bloß beliebiger Geschmacksträger ohne eigenes Gesicht und eigenen Beitrag zum Konzept, der wegwerfbare Pappenstiel vom Eis.

Geht das Konzept für das Eis am Pappenstiel aber auf? Die Idee, die Larsen bei diesem Tabak geleitet hat, scheint mir, dass man die Genüsse (so man sie denn persönlich als Genuss empfindet) von Fruchtaromaten einerseits und Aromaten der Karamell-Vanille-Richtung andererseits, hat vereinen wollen, Genuss im Doppelpack sozusagen. Die verwendeten Aromen sind von guter Qualität, sie halten geschmacklich durch, flauen nicht pappig ab, sind stabil gegen Wiederanzünden und wirken jeweils nicht künstlich (höchstens undifferenziert im Früchteanteil). In diesem Sinne ist der Tabak "gut gemeint" und auch "gut gemacht", und die Beliebtheit des Tabaks - im Larsen-Programm ist er fast schon ein Klassiker - ist nachvollziehbar. Man könnte fragen: Aromatenraucherherz, was willst Du mehr?


Woran es dem Tabak mangelt, ist jedoch eben eine Vereinigung im Unterschied zu einem bloßen Nebeneinander. Nicht, dass sich die beiden Aromenpole beißen würden, nein. Von "Harmonie" aber sprechen wir noch nicht, wo etwas bloß koexistiert. Harmonie ist vielmehr Zusammenklang, wechselseitige Ergänzung zu einem Ganzen. Das kann auch durch Kontrast erreicht werden (wie etwa beim "Sillems Black" mit seinem Kontrast zwischen Latakia und Fruchtaroma) oder durch ein Zusammenspiel verschiedener Nuancen (wie beim jüngst besprochenen "Grand Slam 91" mit der olfaktorischen Präsenz seiner vielen Ingredienzen) oder durch ein Verschmelzen eng verwandter Aromen und Tabake (wie beim "Larsen No. 32" mit seinem subtilen Vanilleanteil, der die süßen Virginianoten erhöht).

Von alledem findet sich beim "Signature" aber nichts. Früchte und Karamell bleiben bei ihm zwei Pole, zwischen denen keine Spannung ausgespielt wird. Da ist keine Harmonie, weder eine aus Kontrast, noch eine aus Verwandtschaft. Da ist kein "Gegensätze ziehen sich an" und kein "Gleich und Gleich gesellt sich gern". Die Aromen finden sich nicht, sondern leben beziehungslos aneinander vorbei. Kurz: Was da in der Pfeife glimmt, ist eine geschmackliche Zweck-WG, kein Liebesnest der Aromen. Ein Tabak, der Absicht nach gut gemeint, dem Handwerk nach gut gemacht, aber auch ein Tabak, dessen Konzept nicht glückhaft aufgeht. Ein Tabak makellosen Handwerks, aber eines Handwerks ohne Inspiration. Ein Hocharomat, an dem man nicht viel kritteln kann, aber: Großes Format ist dann doch etwas anderes.

Fazit für Eilige:
Hocharomat auf der Basis der Standard-Tabakmischung ohne eigenen Tabakgeschmack. Qualitativ hochwertige Aromatisierung, aber wenig binnendifferenziert und ohne besondere Harmonie und Inspiration.
Für "Freude der Naturnahen" gar nichts.
Für Aromatenliebhaber angesichts des hohen Preises: Leider nur bedingt zu empfehlen.

Hersteller: STG/Orlik
Preis: 24,60 für 100 g (Stand: März 2015)

Verwendete Tabake: Virginia, Burley, Black Cavendish
Typ: Mixture mit geringen ready-rubbed-Anteilen
Saucierung: stark
Aroma: Frucht-plus-Karamell
Stärke (Nikotingehalt): leicht
Abbrand: zügig bis schnell

Geraucht in: Savinelli Virginia 111 EX (Giant), Stanwell 11 Sand


Autor: Patrick H.


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