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Mittwoch, 6. Mai 2015

Lohmar 2015 - Meine Eindrücke!

Schafft es ein Pfeifenbekloppter, wie ich, halbwegs sachlich und informativ über ein Pfeifen-Volksfest wie Lohmar zu berichten? Ich glaube nicht... will es aber versuchen. Im Jubiläumsjahr war es zu erwarten, dass die Besuchermenge noch einmal ansteigt. Selbst der zur Eröffnung erschienene Bürgermeister Lohmars, Herr Krybus, war mächtig erstaunt, welche Menge Pfeifenvolk sich schon zur offiziellen Startzeit um 10.00 Uhr eingefunden hatte. Ein angenehmer Volksvertreter, übrigens. Kein Pinguin mit strangulierender Krawatte und wichtigem Habitus. Sympathisch, locker und tatsächlich interessiert, passte er gut zum Anlass und zur Atmosphäre. Leider machte er klar, dass er trotz Jubiläumspfeife, die ihm Volker Bier als Geschenk überreichte, überzeugter Nichtraucher bleiben werde. Doppelt schön, dass er keine Berührungsängste zeigte und der Sache, unserer Sache, offen und wohlwollend gegenüber steht. Hier könnte man etwas lernen, liebe Landes- und Bundespolitiker!

Trotz großem Interesse und entsprechendem Besucheransturm blieben beengende Gefühle in diesem Jahr gänzlich aus. Mit den Erfahrungen des letzten Jahres positionierte Volker Bier ein paar Aussteller neu... und strategisch geschickt, wie man sagen muss. Die meiste Zeit war es, mit etwas Geduld, durchaus möglich, sich an den Ständen in Ruhe umzusehen und sich zu entscheiden.




Noch nie gab es in Lohmar einen derart hohen Anteil an jungen Besuchern. Die sozialen Netzwerke, wie z.B. Facebook mit seinen Pfeifengruppen, sorgen scheinbar für das, was vor allem die Industrie lange sträflich vernachlässigt hat: das Interesse des Nachwuchses zu wecken. Hochinteressant ist es, zu beobachten, wie die verschiedenen Altersgruppen eine solche Messe wahrnehmen und erleben. Während der "gesetzte" Pfeifenfan eher allein und konzentriert auf seine Vorlieben durch die Reihen streift, ist es bei den jungen Gruppen mehr der Charakter eines Familienausflugs. Da wird ausgeschwärmt, entdeckt, wieder zusammen gefunden, berichtet, diskutiert, verglichen... man merkt rasch, dass die Pfeifenfans der neuen Generation durch den Umgang mit den sozialen Medien auf schnellen Austausch und gemeinsames Erlebnis geeicht sind. Überall dort, wo diese verschiedenen Generationen aufeinander treffen, ergeben sich aber nicht etwa Spannungen, sondern rasch Gespräche, die von gegenseitigem Wissenswunsch geprägt sind.

Das Erlebnis selbst wird unterschiedlich empfunden und genossen, das Erlebte eint aber letztlich. Ich hatte Gelegenheit zu einem längeren Gespräch mit einer Facebook-Gruppe und am Ende war mir klar, dass keine Generation auf die andere herabblickt. Wohl, weil man verstanden hat, dass KEINE der beiden Arten, Pfeife zu erleben, die allein seligmachende ist. Die junge Generation profitiert spätestens bei Problemen und Unklarheiten von der langsam gewachsenen Pfeifenerfahrung der "Alten" und die wiederum erfahren durch die "Jungen" neue Blickwinkel und Ansichten... wenn sie sich darauf einlassen.



Damit sind die Pfeifenfans weiter, als einige Macher. Die spielen ein riskantes Spiel, in dem sie sich ausschließlich auf das schnelle Karussell virtueller Verbreitung begeben. Klar reizt es, wie schnell man seine Segel dort mit Wind füllen kann, wie schnell man dort Verbreitung findet und auch, nennen wir das Kind beim Namen, Kasse machen kann. Doch, je schneller sich dieses Karussell dreht, desto schneller kann man statt "in" auch "out" sein. Dauerhaft treue Käuferschaften dürften bei der Geschwindigkeit eher schwer zu finden sein... und selbst, wenn man die hatte, gingen sie wahrscheinlich verloren, als man nur noch auf die "neuen Karten" setzte. Gravierende Fehler werden schon gemacht. Da droht einer Einrichtung, wie dem Pfeifenmacher-Forum, das Aus, weil man einfach keine Lust mehr hat, sich über grundsätzliche Dinge der Pfeifenmacherei auszutauschen und den Umgang miteinander in Ruhe zu pflegen. Solche Vorgänge machen die Leidenschaft zur Pfeife flacher und ärmer. Das ist allerdings weniger die Schuld der neuen Möglichkeiten, es ist die Schuld der Menschen, die nicht weitsichtig genug und zu bequem sind, beide Formen zu verknüpfen.




Das friedliche Nebeneinander verschiedener Stile und Generationen setzte sich in Lohmar auch bei den Pfeifen fort. Gewachsene, gereifte Klassik, wie bei Ecki Stöhr, H.G.Noske, Klaus Hahn oder Holmer Knudsen, geschliffene, eigene Stile, wie bei Jürgen Börner oder Ken Dederichs, die gelungene Kombination beider Welten, wie bei Manfred Hortig, J.O. Stehr oder Volker Bier... und die augenzwinkernde Avantgarde eines Uwe Maier. Jeder Aussteller eine Bereicherung, jeder Stil fand seine Fans... auch das wirklich sehr erfreulich. ...und sogar generationsübergreifende Arbeit für die Lohmarer Messe ist möglich. So schufen Urgestein Jan Harry Seiffert und der (im Vergleich) Newcomer Colja Schoppe sehr gediegene Pfeifensets in schöner Umverpackung... und zwar in gemeinsamer Arbeit.




Preise... nun, die Preise sind ein ständiges Thema. Letztlich muss jeder Pfeifenfreund für sich entscheiden, was ihm die jeweilige Arbeit wert ist... und jeder muss für sich die Grenze setzen, ab der er die Preisfindung nicht mehr nachvollziehen kann. Doch, auch hier gab es für jeden etwas. Welch' erstklassige Verarbeitung und Rauchbarkeit auch für erträgliches Geld möglich ist, zeigte wieder einmal mehr Maike Paeßens, die auch bei dieser Messe das Zelt (nahezu?) ausverkauft verließ. Ebenso budgetfreundlich zeigten sich die originellen und sauber gefertigten Pfeifen von J.O. Stehr und Volker Bier. Eine echte Bereicherung in diesem Segment stellt Andrzej Piontek mit seinen MIMOTO-Pfeifen dar... auch hier sieht man, was im Bereich unter der Zwei, vorn auf dem Preisschild, alles möglich ist.




Nicht wenige Pfeifenfreunde (so auch ich) setzen aber auch zunehmend auf Estate-Pfeifen, die erstklassigen Rauchgenuss für recht schlanke Börse bieten... auch da hatte Lohmar ein entsprechendes Angebot parat. Allen voran der "Platzhirsch" Olaf Langner, dessen hervorragende Aufarbeitungen das Vertrauen verdienen, dass beim Estate-Kauf unerlässlich ist. Hier gab es, durch alle Qualitätsstufen hinweg, was das Herz begehrt.




Alles eitel Sonnenschein, also? Nun... nicht ganz und das Thema Preise erleichtert den Übergang zum einzigen Ärgernis einer gelungenen Messe. Vermutlich aus gesetzlichen Gründen, vielleicht aber auch der besseren Platzverteilung wegen, fand der Verkauf von Speisen und Getränken außerhalb der Villa aus einem schmucken Wagen heraus statt. Volker Bier verwies bereits in seiner Eröffnungsrede zu recht darauf, dass auch eine ordentliche Versorgung der Besucher mit Essen und Getränken notwendig sei, damit die Leute nicht davon laufen... und fort bleiben. So richtig das ist, hätte man vielleicht das Thema der Bezahlbarkeit nicht außen vor lassen sollen. Gegen moderate Preiserhöhungen zum Vorjahr wäre sicher nichts zu sagen. Einen simplen, kleinen, schwarzen Kaffee darf man aber beim Preis von zwei Euro schon als grenzwertig ansehen. Eine einfache Bockwurst mit einem halben Brötchen für vier Euro verschlägt mir aber dann doch die Sprache. Man kann das so machen, sollte sich aber im nächsten Jahr nicht über die vielen Picknick-Rucksäcke wundern, die geschmierte Stullen und Thermoskannen voller Kaffee von daheim beinhalten. Wer von dieser Preisfindung profitieren könnte, ist die in der Nähe befindliche Bäckerei... doch, das ist sicher nicht Sinn der Übung.

Soweit mein Versuch, eine äußerst emotionale Veranstaltung einigermaßen sachlich herüber zu bringen. Lohmar rules - keine Frage... und auch ich bin 2016 wieder dabei. Beim Familienfest, beim Freundschaftstreffen der Pfeife, beim Austausch über Grenzen und Generationen hinweg... bei meinem höchsten Feiertag. Wir seh'n uns hoffentlich!

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Kommentare:

  1. Hallo Ralligruftie,

    sehr sauber beobachtet und wunderbar geschrieben!

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  2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  3. Danke für diese Impressionen von der Jubiläumsmesse. Leider konnte ich aus beruflichen Gründen kurzfristig nicht kommen. Hoffentlich also 2016 zur dann 11. Ausgabe der Lohmarer Pfeifenmesse:

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  4. Wie immer ein klasse Bericht von Dir.
    Jedes Jahr nehme ich mir vor den Weg nach Lohmar anzutreten, und jedesmal kommt irgendetwas dazwischen.
    Dank Deine tollen Berichte ist man trotzdem ein wenig dabei....und ich Ärger mich wieder ein bisschen mehr.....

    Toll geschrieben

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  5. Puh ... nach diesem begeisterten Bericht und einer ganzen Reihe von überaus positiven Äußerungen auf YT ein leicht versetztes Echo von einem Lohmar-Erstbesucher: Irgendwie erschlagen. Trotz Auszeit zwischendurch ohne zufrieden stellendes Ergebnis geblieben (bis auf Tabak von H.U.). Gleichwohl kam die super entspannte, familiäre Atmosphäre auch bei mir an. Aber es hat halt nicht zu einer Pfeife gereicht. Warum nicht? Mir immer noch ein Rätsel. Als Filterraucher fand ich die oFi-Pfeifen schon etwas überrepräsentiert. Meistens musste man bei jeder Pfeife einzeln nachfragen, ob die denn mit Filter ist. Klar, über die Frage kommt man dann schon mal ins Gespäch, aber wenn noch 3-5 Pfeifenfreunde vor einem mit dem Macher ins Gespräch kommen wollen, ist es schon ein wenig umständlich. Ich meine, da wäre in der Präsentation bei dem ein oder anderen noch Luft nach oben. Nur ein hübsches Deckchen mit Pfeifen drauf und einem Stapel Visitenkarten am Rande fand ich etwas dünn. Nix für ungut. Nächstes Jahr gerne wieder, zumal ich quasi nebenan wohne. Und bis dahin lerne ich die Anbieter auswendig und kann gezielt "Beute machen".
    Grüße - Bernd R. aus Meckenheim

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  7. Tschau Ralf
    Herrlicher Beitrag von der Pfeifenmesse in Lohmar
    Denkwürdige und treffende Ansprache von Dir und Volker Bier. Herzliche Gratulation! Von Dir wurde auch das Pfeifenmacher Forum in diesem Beitrag angesprochen, welches anscheinend vor dem Aus is. Ich denke die Gründe weshalb, liegen wo anders. Dieses Form wird zu stark und zu straff vom Administrator beeinflußt. Da werden Meinungsverschiedenheit manchmal schon als Grenzüberscheitung geahndet..Wie soll ein freier Austausch stattfinden, wenn man die Formulierung des Gesagten immer wieder so überprüfen muß, daß ja niemand gekränkt wird? Das Resultat davon ist offensichtlich. Einige Pfeifenbauer sind auf Facebook umgestiegen!
    LG, Reto

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