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Dienstag, 31. März 2015

Lincoln - Mellow Mixture

Wir schreiben das Jahr 1969. 2,8 Millionen Deutsche rauchen Pfeife. 6000 Tonnen (!) Pfeifentabak gehen allein in der Bundesrepublik jährlich in wohlriechendem Rauch auf. Das Pfeifen-Image erfährt einen erstaunlichen Wandel. Weg vom Oberförster, der in seinen Gesteckpfeifen den 50-Pfennig-Knaster verglimmt, hin zum modischen, intellektuellen, zuverlässigen Mann von Welt. Herbert Wehner, Hans Joachim Kulenkampff ("Kuli"), Rudolf August Oetker - Deutschland hat seine Pfeifenhelden und der deutschen Frau gilt der Pfeifenraucher als " ruhig, gepflegt, häuslich und gemütlich".

In diesem Jahr wird auch der Lincoln „Mellow Mixture“ geboren. Seine Wiege steht bei der Firma Brinkmann und dort ist man stolz auf den Zögling und gibt ihm einen englischen Namen. Ganz der damaligen Mode geschuldet, in der englisch gleichbedeutend war mit weltmännischer Qualität. Trocknen wir unsere nostalgischen Tränen im Angesicht solch' glorreicher Zeiten und stopfen uns ein entspannendes und mildes Pfeifchen. Vielleicht mit Lincoln „Mellow Mixture“... den gibt es nämlich immer noch! Ok, haken wir kurz das Gejammer der ewigen Kritiker ab. Früher war der Lincoln viel besser, früher schmeckte er noch weicher, früher.... so, nun ist aber gut! Denn hier interessiert, wie der Lincoln „Mellow Mixture“ heute schmeckt und ob er sich im Umfeld moderner Massenkräuter behaupten kann.


Beim Öffnen des Pouches kommt einem der bekannte, vanillige Duft entgegen. Etwas Obst (Kirsche?) lässt sich auch im fein geschnittenen Ribbon-Cut erahnen. Wie seit Jahr und Tag gewohnt, also. Tabak? Doch, ja... er ist zu erschnuppern. Ein wenig Heu vom Virginia, ein wenig Nuss vom Burley... und da ist ja noch der, heute in solchen Tabaken eher unübliche, Orient-Anteil. Erfrischend, dass beim Lincoln bis heute auf die sonst gern verwendeten Massen an schwarzer, aromageschwängerter Rauchpappe in Form von Black Cavendish verzichtet wird. Man verzeihe mir, dass ich diesem tot fermentierten Aroma-Transporter nicht viel abgewinnen kann. Der Black Cavendish hat in den Reihen moderner Hocharomaten für eine erschreckende Phantasielosigkeit gesorgt und dafür, dass sich viele Aromen spätestens zur Hälfte der Füllung verflüchtigen. Zurück bleibt dann meist ein fades Rauchvergnügen. Nicht so beim mittlerweile von der STG vertriebenen Lincoln. Etwas aufgerieben und durch passende Feuchtigkeit problemlos gestopft, verteilt er sein Aroma über beinahe die gesamte Rauchdauer.


Dabei ist das "mild und lieblich" aus dem Tabaknamen absolut Programm. Er entwickelt die Süße, die man in manchen Lebenssituationen einfach braucht, ohne zuckrig zu wirken. Weich, ohne Spitzen oder Aromalöcher... darf man einen Tabak freundlich nennen? Selbst etwas zu warm geraucht bleibt dem Lincoln Bissigkeit fremd, er wird nur intensiver. Sein Glimmverhalten ist sehr gut und er fühlt sich in mittleren bis großen Köpfen besonders wohl. Das Plakative ist nicht seine Welt, er will, glaube ich, gar nicht heraus stechen oder mit schillernden Farben die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Er will ein problemloser, angenehmer Begleiter für beinahe jede Pfeifensituation sein - und das gelingt ihm prächtig.


Ältere Pfeifenfreunde erkennen diesen Geschmack wieder. Der typisch lieblich-milde Vertreter einer beinahe vergessenen "Aromaten"-Fraktion. Viele der Nachbarn, die früher neben dem Lincoln im Tabakregal standen, sind längst Geschichte. Die Royal Niemeyers, die Kiepenkerls, die Exoten von Radfords... Ja, es ist ein Gutteil Nostalgie... aber nicht nur. Denn auch der aktuelle Lincoln „Mellow Mixture“ behauptet sich problemlos zwischen all' den Dutzend-Kräutern der Danske Club- oder Stanwell-Familie.

Entspannt, mild, weich, süß, problemlos - der heutige Alltag weist mehr als genug Situationen auf, in denen solch' ein Tabak Balsam für die Seele ist. Entdecken Sie ihn... wieder oder erstmalig. Es lohnt sich. Heute war ich für Sie "der Mann, der Lincoln raucht".


Ihr Ralligruftie




Autor: Ralf Dings

Kommentare:

  1. Hallo Ralf,

    das hört sich nach einem prima Tabak an.

    Wo bekommt man den denn?

    VG
    Dirk

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    1. Moin Dirk,
      der Lincoln dürfte noch bei vielen Fachhändlern präsent sein.
      Ebenfalls bei Online-Versendern.
      Lieben Gruß, RALF

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  2. Der Lincoln Cavendish (rot) ist trotz des abschreckenden Namens auch zu empfehlen. Naturnäher als der Grüne, ich erinnere Virginia und Burley und wenn Cavendish dabei ist, dann nicht Black.

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    1. Das stimmt, lieber Michael...und ein Review an dieser Stelle ist bereits fest eingeplant. :-)
      Lieben Gruß, RALF

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    2. Der Lincoln Cavendish Aromatic (ROT) ist nur ganz dezent aromatisiert. Hier steht der satte Tabakgeschmack ganz klar im Vordergrund. Wirklich ein toller Tabak, der sich mit den Premiere Tabaken namhafter Anbieter messen kann. Obwohl ich meist 40 Tabake von DTM Dan Tobacco geöffnet habe, habe ich den Lincoln rot immer verfügbar. Zumal es sich dabei auch um einen Ready rubbed handelt

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  3. Apropos alt, hat schon jemand den TT Balkan von Tabak Traeber getestet?
    Angeblich eine Alternative zum Sobranie...

    gruss

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  4. Hallo,
    heute habe ich mir auf verdacht ein Päckchen Lincoln Cavendish rot
    gekauft und muss sagen "Sau lecker!" über ein review würde ich mich sehr freuen.
    Großes Kompliment für deine Blog beide Daumen hoch

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