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Samstag, 14. März 2015

Kolumne: "Limited Edition" oder "Die überzogene Erwartung"



Kürzlich rauschte wieder der Sturm der Entrüstung durch den Pfeifenwald bei Youtube. Die Wellen der Empörung schlugen hoch. Der Grund? Der neue Peterson-Tabak "St. Patrick's Day" in einer angeblich limitierten Auflage von 1.600 Dosen. Die anfängliche Vermutung, es handele sich bei diesem Kraut in Wirklichkeit um den Larsen „Belle Epoque", bestätigte sich nach und nach und wurde schließlich zur Gewissheit. Skandal!?

Nun, vor gar nicht so langer Zeit stellte ich hier den „Epikur"-Plug vor. Angeblich limitiert und exklusiv. Rasch stellte sich heraus, dass er weder das eine noch das andere ist. Als ich mir erlaubte, diese Tatsache offen auszusprechen, musste ich unverschämte Kommentare und Beleidigungen im Familienpack über mich ergehen lassen... und das nur, weil ich die Behauptungen und Formulierungen des anbietenden Händlers kritisiert habe. Was soll man daraus schließen? Der Beschiss des einen Anbieters gehört angeprangert, beim anderen Anbieter darf man nichts sagen?



Was ist überhaupt geschehen? Wollen wir die Sache mal nicht zu hoch hängen, nicht von Betrug sprechen und nicht davon, dass man bei Nichteinhaltung einer zugesicherten Eigenschaft, das Recht auf Wandlung hat. Ein Beschiss ist es ganz sicher. Obwohl... "Nichteinhaltung einer zugesicherten Eigenschaft" ?

Welche Eigenschaften werden denn mit den Formulierungen "limitiert" und "exklusiv" zugesichert? Keine, wenn man ehrlich ist. Der Verbraucher ist letztlich schuld, dass diese Worthülsen immer inflationärer Verwendung finden. Toilettenpapier, Duftbäumchen, Katzenfutter, Haarshampoo... schauen Sie sich doch in einem Supermarkt mal um. Jeder Dreck wird heute in limitierter und exklusiver Auflage angeboten - und wenn nur die Farbe der Verpackung wechselt oder irgendein C-Promi sein dümmliches Konterfei zur Verschandlung des Designs zur Verfügung stellt. Ich sag' nur "Peter Heinrichs Dschungeltabak"...

Jeder ist heiß darauf, im immer gesichts- und qualitätsloseren Massenmarkt ein besonderes Produkt abzugreifen. Da ist „limitiert" und/oder „exklusiv" eine perfekte Verkaufshilfe. WAS aber sagen diese Worte über die Qualität des Inhaltes aus? Richtig, gar nichts!



Den Markt der Pfeifen und Pfeifentabake muss man, denke ich, aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Einmal aus der Sicht der Liebhaber und Raucher. Für sie ist ihre geliebte Pfeife ein wichtiger Bestandteil des glücklichen Lebens, die darin zu verrauchenden Kräuter eine faszinierende Leidenschaft. Sie erwarten Qualität, Originalität, ein liebevolles Angebot... und regelmäßige Neuheiten, die den „Haben-wollen-Effekt" auslösen und am Leben halten.

Sie setzen selbstverständlich voraus, dass die Hersteller ALLES geben, um diese Wünsche täglich neu zu befriedigen. Nur mit DIESER Sicht der Dinge im Gepäck befindet sich der Pfeifenfreund aber allzu schnell auf einem rosaroten Planeten, auf dem Begriffe wie betriebswirtschaftliche Notwendigkeit oder Rentabilität keinen Platz haben. Eine Art Takatuka-Land der Seeligen... und Lichtjahre von der Realität entfernt.

Der andere Blickwinkel ist der der Hersteller und Händler. Für diese Gruppe ist der Planet der Pfeifenfreaks nur ein winziger Punkt am Firmament. Nimmt man z.B. die Verkaufszahlen für Feinschnitte, die die Firma Pöschl jedes Jahr aufweist, müsste man den Chefs dieses Unternehmens eigentlich täglich die Füße dafür küssen, dass sie etwas so minimal verkäufliches und exotisches, wie die „Exclusiv-Pfeifentabake“ überhaupt noch produzieren.

Die STG verdient in anderen Bereichen und auf anderen Märkten ein Vermögen. Da wundert es beinahe, dass die übergierigen Kraken den deutschen Pfeifentabakmarkt überhaupt noch bedienen. Vielleicht eine Art sentimentales Hobby... oder „die Reste abgrasen", wie es ein Mitarbeiter dieser Firma mir gegenüber formulierte. Das dazu die mittelfristige Abwrackung solch' gut beleumundeter Marken, wie Peterson und Stanwell gehört, ist wohl ein Kollateralschaden... in jedem Fall aber ein anderes Thema.



Ja glaubt den wirklich ir-gend-je-mand, dass sich solch' ein Unternehmen die Mühe und die Kosten aufhalst, 1.600 Dosen à 50 Gramm eines exklusiven und einmaligen Tabaks zu mischen? Das sind 80 Kilogramm(!)... ein lächerlicher Klecks für eine Firma, die mindestens im Zig-Tonnen-Bereich rechnet.

...und die Händler? Die sind eigentlich die ärmsten Schweine am Geldtrog. Einkaufspreise, Steuern, Geschäftskosten... da bleibt nicht mehr viel, was sich verdienen lässt. Auf der anderen Seite der Theke der Kunde, der mit Qualität und Neuheitenflut überrascht und geködert sein will... oftmals aber die „Geiz ist geil-Mentalität" der schönen, neuen Marktwelt im Kopf mit sich herum trägt. Nahezu allein gelassen von den Herstellern, die (wie festgestellt) nur noch das Allernötigste in den deutschen Markt investieren... und der Problematik, DAS dem Kunden gegenüber zu erklären. Da muss man schon ein gehöriges Maß an Liebe zur Sache mitbringen, will man nicht verzweifeln.



Nein, diese schwierigen Bedingungen rechtfertigen keinen Beschiss des Kunden. Dinge als limitiert und exklusiv anzubieten, die es nicht sind... verwirrende Marken - und Herstellerwechsel, Rezeptänderungen nach Lust und Laune... solche und andere Vorfälle steigern nicht gerade das Vertrauen des Kunden in den Markt und haben hohes Potential, treue Raucherschaft zu verärgern.

Wer den Markt aber realistisch sieht, klein und unbedeutend wie er nun einmal ist, wird sicher nicht so schnell in seinen (zu) hohen Erwartungen enttäuscht. Er weiß auch die Leistungen derer, die wirklich noch etwas für den Pfeifenmarkt tun, entsprechend mehr zu schätzen... er wird vorsichtiger und geht bestimmten „Fliegenfängern" nicht mehr so leicht auf den Leim.

Freuen wir uns an neuen Tabaken, Pfeifen und neuem Zubehör. Erwarten wir diese Dinge aber nicht in rauen Mengen und am besten geschenkt. Geiz ist nämlich nicht geil - schon gar nicht bei der Leidenschaft! Unterstützen wir vor allem die Leute, die sich durch guten Service und feine Ware verdient machen um unsere, kleine Pfeifenwelt. Sortieren wir die schwarzen Schafe aus. Durch öffentlichen Austausch von Erfahrungen... aber bitte nur dann, wenn sie belegbar sind.

Nichts ist schlimmer, als die Brunnenvergifter aus den eigenen Reihen, die die Öffentlichkeit, z.B. bei Youtube, missbrauchen, um irgendwelche Gerüchte und selbst zusammen gereimte Weisheiten zu verbreiten... und das alles nur, um das eigene, verkümmerte Ego Gassi zu führen. Wer seine Meinung mit anderen Menschen teilt, sollte soviel Verantwortungsgefühl besitzen, nicht wahllos und unberechtigt Existenzen zu schädigen, nur, um den eigenen Vogel zu füttern.

Zu dieser Weisheit bin ich übrigens durch einen eigenen Fehler im letzten Jahr gelangt, für den ich nur Abbitte leisten konnte und der mir immer noch leid tut. Fairness von beiden Seiten und realistische Erwartungen und Angebote - das ist, denke ich, ein lohnenswertes Ziel. Wer weniger erwartet, ist seltener enttäuscht, und wer sich der Schwierigkeiten des Marktes bewusst ist, freut sich umso mehr über Neu- und Besonderheiten. Ich habe für mich festgestellt, dass man so einfach mehr Spaß an der Leidenschaft hat... und das ist schön.

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Kommentare:

  1. Die Limitierung besteht halt in der Dose, nicht im Inhalt! ;-)

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    1. Genau, Willy...so kann man es sehen...und fördert so wieder die innere Ruhe ! :-)
      Lieben Gruß, RALF

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  2. Danke für den schönen Artikel. Hat Spaß gemacht ihn zu lesen, weil sehr viel sehr Wahres ausgesprochen (geschrieben) wurde. :)

    Liebe Grüße,
    Wolfgang

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    1. Danke Wolfgang und lieben Gruß,
      RALF

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  3. Dank Ralf für deine Gedanken.
    Die Beschreibung Limitiert oder Exklusiv dient nur dazu, auf ein Produkt aufmerksam zu machen. Um den Eindruck zu erwecken, dass der Artikel einzigartig sein sollte, wird er als exklusiv beschrieben, obwohl er es vielleicht gar nicht ist. Das gleiche gilt für Limitiert. Das Produk gibt es also nur eine Zeitlang. Das Ziel der beschränken Auflage ist, den Kunden darauf zu drängen, den Artikel möglichst schnell zu kaufen, ähnlich wie bei einer Aktion. Der Kunde denkt dann, jetzt muss ich sofort, oder möglichst viel davon kaufen, weil morgen alles schon weg sein könnte.
    LG, Reto

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    1. Exakt so sehe ich das auch, Reto.Eine unterschwellige Kaufnötigung, auf die der Kunde anspringt- nichts mehr.
      Lieben Dank und Gruß, RALF

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  4. Hallo Ralf, mit deinem Artikel hast du vollkommen recht und das wichtigste: Es trifft auf das ganze Leben zu, überall hört man "limitiert" oder "nur für kurze Zeit erhältlich"....Sowas hab ich schon vollkommen ausgeblendet. Ich kaufe lieber weniger und dafür bewußt gute Qualität ohne Verkleidung. Gern auch regional.... weniger ist mehr....das war schon immer so! Wobei ich Peterson, zumindest in Sachen Tabak, keine schlechte Qualität unterstellen möchte.
    Beim "Epikur" sehe ich das etwas anders...Leider haben die großen Tabakkonzerne unsere Schreie (und ich denke die sind nicht zu überhören) nach anderen Tabaken wie z.B. den SG Plugs in DE noch nicht erhört, aber ein kleiner Herr Huber aus München hat es möglich gemacht das wir den SG Virginia Plug in DE kaufen können....Der Preis dafür war wohl wahrscheinlich die Namensänderung. Das verstehe wer will, aber damit kann ich gut leben... Beste Grüße / Erik

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    1. Moin Erik,
      ich handle und sehe es ganz ähnlich und denke, dass "bewusstes" kaufen der richtige Weg ist.
      Nur noch einmal zum klaren Verständnis...ich schätze die Firma Huber sehr. "Louisiana Flake", "Virginia Honeydew" und "English Perique" gehören zu meinen Lieblingen...auch, wenn es sich dabei nicht um exclusiv für Huber erstellte Mischungen handelt...und es freut mich auch, dass die Fans des SG Plugs nun auch problemlos in Deutschland fündig werden. Doch, der "Tatbestand" war seinerzeit bei der Anpreisung des Epikur der gleiche. Das war und ist aber keine Pauschalkritik an Huber. Nun, die alten Peterson-Tabake kamen von K&K...auch dort hatte ich ein paar Favoriten. Die aktuellen Petersons kann ich noch nicht ausreichend beurteilen. Mir ging es da aber auch eher um die Pfeifen, die unter dem Traditionsnamen angeboten werden. Die lassen mehr, als nur zu wünschen übrig.
      Ich glaube, "bewusst wählen und geniessen" ist das fazit, mit dem Du völlig recht hast !
      Lieben Gruß, RALF

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  5. Wer sich fragt was Ralf meint mit dem Abschnitt über die Zecken aus den eigenen Reihen sollte sich den Kommentarverlauf von Von Worldofpipes und Ralf unter diesem Video anschauen.
    https://www.youtube.com/watch?v=wbd7M_GXS5k

    Wer die beiden(Ralf und Günther) etwas länger beobachtet der weiss das die beiden sich ganz doll lieb haben. :)

    Aber letzen Endes bedeutet das nur das es eine lebendige Szene gibt.

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  6. Nein, letzten Endes bedeutet es vor allem, dass sich aus der Anonymität heraus prima Brände legen und schüren lassen, wie auch dieser namenlose Kommentar beweist!... und das gezogene Schlüsse ohne Hand und Fuß oft Kurzschlüsse werden
    :-) Lieben Gruß, Ralf

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  7. Ich habe den Leser im Grunde nur darauf aufmerksam gemacht wo es evtl Hintergrund zu deiner Anschuldigung gibt. Ich habe mich das nämlich gefragt und dann die üblichen Kanäle durchgesehen und bin dort fündig geworden. Gut ich gebe zu das ich schon beim lesen auf den Günther getippt habe da eure kleine Privatfehde allgemein bekannt ist. Und das meine ich nicht mal für eine Seite wertend.

    Mein Name ist Thomas. Reicht das oder soll ich noch Fingerabdrücke und Perso zur Pfeifenpolizei schicken?

    Gruß
    Thomas

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    1. Lieber Thomas!
      Wie schön, das Gegenüber mit Namen ansprechen zu können- meinen kennst Du ja schliesslich auch.:-)
      Nein, es geht nicht nur um eine Person- in dem Fall habe ich gesagt, was zu sagen war...und auch nicht nur um die jüngere Zeit.
      Ich bin jetzt sechs Jahre bei YT dabei und habe in dieser Zeit viele Beispiele dieser "Informationsart" kennengelernt.
      Daher möchte ich vermeiden, dass mir bei meinen Bemerkungen Personenbezogenheit attestiert wird, die nicht vorhanden ist. Deshalb meine herbe Reaktion- nichts für ungut.
      Lieben Gruß, RALF

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