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Dienstag, 24. Februar 2015

Flakes für Einsteiger - Teil 3: Die "Exoten"

Frei nach Professor Bömmel: "Also, wat is ene Plug? Da stelle 'mer uns janz dumm und sage...'ene Plug, dat is 'ene Flake am Stück!" ...was im Prinzip auch so stimmt. Stellen Sie sich einen quadratischen Behälter vor, in dem ich verschiedene Tabake übereinander schichten kann. Dann packe ich obendrauf eine passende Platte und presse diese Abdeckung mittels einer Spindel auf den Tabak und das Kraut damit zusammen. Geschieht das mit entsprechend hohem Druck (plus u.U. zugefügter Wärme) und über längere Zeit, fermentiert der Tabak durch Wärme und Druck und "backt" ausserdem zusammen. So erhalte ich eine mehrere Zentimeter dicke, quadratische Tabakplatte. Schneide ich die nun dünn und quer zur Liegerichtung der Tabake, erhalte ich die bereits besprochenen Flakes. Lasse ich ganze Stücke dieser Platte komplett, spricht man von einem Plug. Sehr vereinfacht, diese Darstellung, aber hoffentlich verständlich.

Nun erwirbt der Tabakfreund diesen Würfel nicht einfach, um dem Produzenten einen Arbeitsgang zu sparen. Einmal gibt es bestimmte Presstabake nur als Plug (Beispiel: Peterson „3P“), zum Zweiten besteht die Möglichkeit, einen Plug nach der Lüftung weiter reifen zu lassen, um mit Genuss festzustellen, wie ihn längere Lagerzeit noch charaktervoller, noch prägnanter werden lassen kann. Vor der Austrocknung braucht man bei Plugs wenig Angst zu haben. Mich erfreut zur Zeit noch ein Reststück des Plugs von Volker Bier von der Pfeifenmesse 2011(!) in Lohmar. Er wurde immer weicher, aromatischer und milder mit der Zeit - ein Erlebnis!


Schneiden Sie den Plug einfach, wie Sie es möchten. In dünnen Streifen ergibt er einen, selbst gemachten Flake, schneiden Sie etwas dickere Scheiben und diese dann noch einmal quer zur Richtung, haben Sie einen hausgemachten Cube Cut - ganz nach Gusto.


Als Werkzeug empfiehlt sich allerdings ein sehr scharfes Messer und ein Brettchen zum unterlegen. Tiefe Schnitte in der Arbeitsplatte der Küche sieht nämlich keine Regierung gern. Es ist allerdings unnötig, dazu ein Messer zu verwenden, dass den Gegenwert einer exklusiven Pfeife hat. Hier wird von den Plug-Fans gern ein Kult betrieben. Wer es sich leisten kann und möchte... bitte sehr! Nötig ist es nicht.

Ganz frisch sind Plugs meist zu feucht. Ob Sie den Tabak jetzt bis zu einem gewissen Niveau trocknen lassen und dann auf dieser Stufe "einfrieren", oder ob Sie ihn nach und nach weiter trocknen lassen, um seine Geschmacksveränderungen zu genießen, müssen Sie selber wissen. Nach der Entscheidung richtet sich dann die notwendige Unterbringung... wie schon im letzten Teil beschrieben. Kleiner Tip am Rande: Ich habe einen Plug in einem Zedernholz-Kistchen gelagert und immer mal wieder seine Veränderungen probiert - ein lohnenswertes Experiment.


Ganz ähnlich verhält es sich mit den Ropes. Einfache Darstellung: Man legt mehrere Tabakblätter übereinander und rollt sie diagonal eng und sehr fest zusammen. Es stellt sich der gleiche Effekt ein, wie oben beim Plug beschrieben. Wird der Rope nun in handliche Stücke geschnitten, sieht er einer Zigarre nicht unähnlich. Von diesem Stück schneidet man sich nun feine Scheiben ab... und da geht das Problem los!


Sind die "Seile", also die Ropes, recht dünn, fallen die Scheibchen so zierlich aus, dass man sie (wenn man will) im Pfeifenkopf stapeln kann. Dazu muss man aber auch einen gut passenden Pfeifenkopf verwenden, sonst endet dieser Versuch meist mit eigenartiger bis schlechter Rauchbarkeit der so erstellten Füllung.


Bei größeren Scheiben, auch "Coins" genannt, erledigt sich dieses Vorhaben ohnehin. Ist der Kopf hoch genug, kann man zwei, drei Münzen übereinander legen, sie zu einer Rolle formen und so in den Kopf einbringen. Das ist, "Etage" für "Etage" auch mit den kleineren Scheiben möglich. Eine einfache aber gute Version ist es, die Coins, ähnlich wie ihre quadratischen Verwandten, hier im Bild:


einfach zu lockeren Kugeln im passenden Durchmesser zu formen und so in die Pfeife zu bringen. Doch, auch hier gilt natürlich, dass Experimente erwünscht und auch recht spannend sind.

Wer sich übrigens aus Bequemlichkeit das Vergnügen des Schneidens entgehen lassen will, kann auch fertig geschnittene Scheiben erwerben. Bekannte Beispiele: Dunhill „de Luxe Navy Rolls“, die Spun Cuts und Curlys von Mac Baren, der Larsen „No.32“ und viele andere Tabake.

Bei allen Varianten (Flakes, Plugs, Ropes) ist ein wesentlicher Punkt bei der Einbringung des Tabaks in den Kopf (Sie merken, wie krampfhaft ich das Wort "stopfen" vermeide) zu beachten. Diese Tabake werden unter Druck hergestellt. D.h., beim Kontakt mit Hitze weiten sie sich erstaunlich aus... sie blühen regelrecht auf! Der Zugwiderstand an der kalten Pfeife muss also deutlich geringer sein, als bei Mixtures gewohnt - sonst haben die Presstabake zu wenig Platz und der Zug an der Pfeife wird beim Rauchen unangenehm schwer. Daran muss man sich zu Beginn der Auseinandersetzung mit diesen Tabaken erst gewöhnen.


Gibt es denn nun nicht so etwas wie Presstabak für Beginner... oder schlicht für Leute, die sich vom ganzen Drumherum überfordert fühlen? Klar... Cube Cut! Verschiedene Tabake als Mischung gepresst und aus den quadratischen Kuchen dickere Flakescheiben geschnitten. Dann nochmal quer zur Richtung das große Messer angesetzt... und schon purzeln Tabakwürfel über den Tisch. Jeder Würfel enthält die komplette Mischung, zum Einbringen lässt man diese Würfelchen dann einfach in die Pfeife rieseln und drückt oben sanft an - fertig! Klingt ideal? Ist es auch. Einzig die recht aufwendige Herstellung verhindert die weite Verbreitung dieser Schnittart am Markt.


Trotzdem gibt es für jeden Geschmack ein passendes Angebot. Für die Leckermäuler den „Danish Truffles", für die Freunde der dezenteren Aromatisierung den Peterson „St.Patrick", für die Klassikfans den Exclusiv „Royal" und für die Liebhaber der erdig-tabakigen Richtung den genialen „Tumblin' Dice" von DTM. Wem das nicht reicht, wir erinnern uns, kann sich aus jedem Flake und Plug seinen eigenen Cube Cut schneiden.


Auf abschließende FAQ's zum Thema verzichte ich an dieser Stelle. Fest steht, dass diese Tabake spannend sind, abwechlungsreich und voller Genuss. Investieren muss man dafür etwas Ruhe, Spaß am Probieren und Interesse für Tabake.


Wer der immer verbreiteteren Devise anhängt, nach der alles billig, einfach und sofort sein muss, hat diese Tabake nicht verdient und sollte die Finger davon lassen. Den Anderen sei noch eine Warnung mit auf den Weg gegeben: Wer sich auf diese Tabake einlässt, sowie auf ihre Geschichte und die umgebenden Mythen, ist rasch in Gefahr, ihnen zu verfallen... ich kenne allerdings schlimmere Abhängigkeiten!


Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Kommentare:

  1. Lieber Ralf,

    Vielen Dank für diese tolle Artikelserie über Flakes!
    Zwar habe ich seinerzeit schon deine Videos zu dem Thema verschlungen und sie haben mir sehr beim Erlernen des Pfeiferauchens geholfen, aber in diesen Artikeln schaffst Du es einmal mehr den Leser zu fesseln und ihn neugierig auf bisher unprobierte Tabake zu machen!
    Danke also für deine wunderbar detailreichen und vor allem auch unterhaltsamen Artikel!
    Bleib gesund und lass dich nicht von einer der diversen Sachen anstecken, die momentan so in der Bundesrepublik umher geistern!

    Liebe Grüße,
    Niels

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    1. Dankeschön Niels,
      ich hoffe, dass ich mit dieser Fleißarbeit ein paar Leuten eine Freude gemacht und eine Hilfe gegeben habe.
      ...und wenn ich Neugier auf diese Tabake wecken konnte...umso besser ! :-)
      Lieben Gruß, RALF

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  2. Tschau Ralf
    Auch ich möchte mich für die tolle Arbeit von Dir bedanken. Mit viel Liebe bis ins Detail, hast Du uns die Welt der verschiedenen Press und Strangtabake, in lehrreicher Darstellung näher gebracht. Es gibt die Ropes übrigens auch gepresst, die man dann Twist nennt. Der Black XX von Samuel Gawith ist so einer. Man sieht die Pressung an der kantigen Strangform.
    Herzliche Grüße
    Reto

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  3. Hoi Reto,
    ich danke Dir ! Ja, der Twist sollte Erwähnung finden, ebenso der Crumble Cake. Letztlich habe ich mich aber entschlossen, diese Tabake für einen anderen Artikel zu verwenden,in dem es um besondere Herstellungsarten gehen wird..Da kann ich auch gleich auf extreme Blattschnitte Bezug nehmen und z.B. auf den Twist entsprechend intensiv eingehen- das hätte im vorliegenden Fall doch ein wenig den Rahmen gesprengt.

    Liebe Grüße, RALF

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  4. Hallo, Ralf!

    Schöner Dreiteiler zum Thema Presstabake. In Bezug auf Plugs: Glücklich, wer einen Plugcutter sein Eigen nennen darf. Früher weit verbreitet, heute schwer zu bekommen.

    Ansonsten eine kleine Anmerkung: Jogi hat den Verdacht, dass der Peterson St. Patrick's Day 2015 wahrscheinlich mit dem W.Ø. Larsen Belle Epoque identisch ist. Eine Vermutung, die ich teile.

    Gruß,
    Willy

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  5. Moin Willy,
    ...lieben Dank ! Ja, die Geschichte mit dem Peterson ist mir bekannt.Neu ist dieses Vorgehen allerdings nicht...und was wir Raucher davon halten, interessiert die Hersteller ohnehin nicht. Was wollen wir machen ?
    Lieben Gruß, RALF

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  6. Vielen Dank für die tolle Zusammenfassung der Presstabake. Mir sind Plug und Strang am die liebsten, weil das zenartige Vorbereiten des Tabaks mit Hilfe von Messer, Brettchen oder Plugschneider die Vorfreude auf den Rauchgenuss noch steigert.
    Mit besten Grüssen, Alexander

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  7. Zunächst mal herzlichen Dank für die Flake-Serie, fand ich sehr informativ. Eine verschämte Frage: Hab mir vor gar nicht langer Zeit ein Döschen Peterson's Perfect Plug gekauft, war auch soweit ganz zufrieden damit. Ich Dussel hab den Plug aber in der Originaldose gelassen, die rechteckigen Dinger schließen nicht dicht. Ergebnis: Völlig ausgetrockneter Würfel, das Zeug lässt sich kaum vernünftig schneiden, sondern zerspringt spröde - und das Rauchen ist auch kein Vergnügen. Gut, eigene Schuld. Dennoch: Wie krieg ich den Plug wieder auf Betriebsfeuchte? Ich versuchs mit angefeuchteten Pfeifenreinigern in der neuen Verpackung, das scheint recht oberflächlich zu bleiben. Irgendwelche Erfahrungen und Tipps? Wäre mir sehr willkommen. Danke vorab, Uwe

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