Willkommen bei Jogi-wan...

Willkommen bei Jogi-wan...

Freitag, 20. Februar 2015

Flakes für Einsteiger Teil 2: Die gängigen Schnitte

Eigentlich sind Flakes eine kultivierte Notlösung. Dereinst suchten Seeleute nach der Möglichkeit, ihre Tabake auch für lange Seereisen haltbar zu machen und möglichst große Tabakmengen auf kleinstem Raum unterzubringen. Sie drehten die Tabake zusammen, schlugen sie in Segeltuch (mit geteerten Enden!), versetzten sie mit Melasse und bemühten sich, die Tabakoberfläche so klein wie möglich zu halten, um eine Austrocknung zu verhindern. Kurz gesagt, sie leisteten mit Köpfchen und Ideen aus der Praxis die eigentliche Entwicklungsarbeit.

Welche Manufaktur dann die Ideen aufgriff und letztlich den ersten "Flake für Jedermann" produzierte, ist nicht überliefert. Fest steht, dass sich diese archaische Darreichungsform bis heute fest in den Herzen der Fans gehalten hat und sich in den letzten Jahren sogar wieder steigender Beliebtheit erfreut. Ja, auch bei Flakes gibt es eine Art "Normschnitt". So, wie auf diesen Fotos zu sehen, werden viele Flakes heute angeboten.



In akkurat geschnittenen, dünnen Platten, die mit Kleber versehen werden, um eine gewisse Stabilität zu erhalten. So lässt sich gut das Knicken und Falten exerzieren, lässt sich der Flake gut portionieren und handhaben - wie schon im ersten Teil gezeigt. Gut, wer Flakes generell zerrupft, dem kann es egal sein... der kann aber auch direkt zu Broken Flakes greifen und wird die Unterschiede im Geschmack der verschiedenen Zubereitungsformen nicht kennen lernen - was eigentlich schade ist.

Die geklebten Flakeplatten hinterlassen aber gerade unter den Flakefans, die doch so sehr auf Natur, Tradition und Reinheit achten, ein zweischneidiges Gefühl... denn der Kleber passt nicht wirklich ins Bild. Deshalb verzichten viele Hersteller, wie z.B. Dan Pipe und H.U. auf diese künstliche Stütze. Ebenfalls ohne Kleber kommt der hier gezeigte Kargl No. 5 aus, der daher als typischer "Ungeklebter" gelten darf.


Stapellänge und -dicke entsprechen der üblichen Art, die Handhabung verlangt etwas mehr Fingerspitzengefühl, ist aber trotzdem problemlos. Seltener anzutreffen ist die Schnittart, die z.B. der lange Zeit sehr bekannte und beliebte "Dark Strong Kentucky" von Orlik aufweist. Da dieser Tabak meines Wissens nach nicht mehr produziert wird, aber als Kargl No. 2 nach wie vor erhältlich bleibt, ist er auch hier auf den Bildern zu sehen.


Eher kleine, lockere Platten mit kürzeren, dickeren Stapeln. Wer knicken und falten möchte, muss hier schon mehr Geschick aufwenden. Es ist dem Genuss aber nicht abträglich, wenn man die kleinen Platten zu Kügelchen formt, etwas auflockert und dann in die Pfeife einbringt. Das ist auch für weniger geschickte Finger leicht zu erledigen und wird diesem, aus verschiedenen Tabaken kunstvoll gepressten Kraut, eher gerecht, als ihn in seine einzelnen Fasern zu zerrupfen.

Wer zum ersten Mal eine Flakedose öffnet und darin einen ganzen Strang findet, wird womöglich etwas erschrecken. Doch mit ein wenig Sorgfalt bei der Handhabung und etwas Augenmaß bei der Portionierung ist auch ein ganzer Strang gut zu handhaben.


Puristen angeln in der Dose einfach nach dem Anfang, ziehen den Strang ein wenig aus der Büchse und reißen die gewünschte Menge ab. Dabei muss man allerdings damit leben, dass der Strang beginnt sich etwas aufzulösen und in mehrere Faserbahnen zu zerfallen. Wer es exakt liebt, nimmt den Strang vorsichtig heraus, trennt die entsprechende Menge mit der Schere ab und gibt die Rolle zurück in ihr Behältnis. Ganz nach Wunsch.

Flakes sind ja nun eine sehr urwüchsige Form des Rauchgenusses. Ganz besonders vor Augen geführt bekommt man das bei Kräutern von den Inseln. Wer eine Dose Samuel Gawith öffnet, ist unter Umständen irritiert. Recht wirr liegen die Flakestücke im Blech, die Fasern sind deutlich dicker als gewohnt. Die Dose weist (bedingt durch die oftmals enorme Tabakfeuchte) gern mal Roststellen am Boden auf und das umgebende Fettpapier sieht aus, als sei es versehentlich mit eingeteert worden. Die Tabake sind (nach ausreichender Trocknung - dazu gleich noch) aber über jeden Zweifel erhaben und von besonderer Art und Qualität. Trotzdem weiß ich von etlichen Pfeifenfans, die diese Tabake meiden, weil ihnen die Darreichung dann doch zu sehr "Hardcore" ist.


Den Vogel allerdings schießen die Flakes von Germains von der Isle of Jersey ab. Wer die Dose öffnet und das braun durchtränkte Fettpapier zur Seite gebogen bekommt, schaut auf einen braunschwarzen Klumpen, dem selbst mit den ausgefuchstesten Zaubertricks keine einzelnen Fasern zu entringen sind. Der Ersttäter bekommt zusätzlich oft einen Schreck, wenn er scheinbare Schimmelflecken auf dem Brocken entdeckt.


Hier kann aber Entwarnung gegeben werden. Bei den gräulichen Flecken handelt es sich um im Tabak reichlich enthaltenen, natürlichen Zucker, der sich optisch unappetitlich auf der Oberfläche präsentiert. Kenner wissen, dass das eher ein Qualitätsmerkmal der verwendeten Virginias ist. Wer sich von diesen Dingen nicht abschrecken lässt und sich einfach die benötigte Menge gebrochenen Flake vom Block bröselt, wird mit erstklassigen Geschmackserlebnissen belohnt. Flakefans sollten halt etwas robustere Naturen sein - es lohnt sich.



Das leitet nahtlos über zum letzten Typ, von dem in diesem Teil die Rede sein soll. Den "Broken Flake" gibt es in verschiedenen Varianten... und er stellt nichts anderes dar, als Flakeplatten, die bereits gebrauchsfertig in kleine Stücke gebrochen wurden. Mit dem Begriff "gebrauchsfertig" sollte man allerdings etwas vorsichtig umgehen. Die Flakestücke von Mc Clelland z.B. sind in ihrer Stapellänge und Dicke gern recht widerborstig und sollten zum besseren Einbringen in die Pfeife zusätzlich etwas aufgerieben (weich gemacht) werden.


In Deutschland angebotene Broken Flakes sind zumeist feiner, zarter und somit ebenfalls gut zur Kugel zu rollen. In jedem Fall auch einen Versuch wert.

Bei der Lagerung von Flakes sollte man große Sorgfalt walten lassen... oder sollte ich sagen, die Liebe investieren, die diese besonderen Tabake verdient haben? Zu feuchte Flakes erkennt man schnell. Sie fühlen sich "klamm" an, kleben etwas, wenn man sie zwischen den Fingern etwas drückt. In diesem Zustand sind sie nicht nur schwer zu handhaben, sie offenbaren auch nicht ihre ganze Fülle an Aromen.

Hier empfiehlt es sich, die Tabake ihrer Verpackung zu entnehmen und sie an der Luft zu trocknen. Das allerdings sollte, je nach Jahreszeit und Feuchtigkeit, sehr aufmerksam geschehen. Wenn die Fasern noch Geschmeidigkeit aufweisen, aber nicht mehr klebrig erscheinen, ist der ideale Grad erreicht. Nun macht es wenig Sinn, den Tabak zurück in die häufig verwendeten, flachen und quadratischen Dosen zu packen. Die sind in den meisten Fällen nicht wirklich dicht... und der ideal konditionierte Flake wird schnell zu bröseligem Stroh.


Flakes, die sich ab Hersteller in den runden Dosen mit Druckdeckel befinden (im Idealfall noch mit Kunststoff-Überdeckel) dürfen allerdings schon ins serienmäßige "Gehäuse" zurückkehren. Diese Dosen halten den Tabak lange im Idealzustand. Für die quadratischen Dosen empfiehlt sich Ersatz in Form kleinerer Frischhaltedosen. Hier würde ich aber nicht an der Qualität sparen. Als ideal haben sich nach meiner Meinung die sogenannten "Lock-Lock"-Dosen erwiesen, die kein Vermögen kosten. Die Tabake danken es mit perfektem Geschmack und bester Rauchbarkeit.


Dem "Spiel" mit der Zubereitung sind übrigens keine Grenzen gesetzt. Ob man nun knickt und faltet, zu Kugeln rollt, quer zur Faser einen Cube Cut schneidet oder die Tabake schlicht zerrupft und aufreibt... es gilt, die eigenen Vorlieben zu finden, zumal sich auch in Sachen Geschmack , je nach Vorbereitung, durchaus Unterschiede feststellen lassen. Soweit zu den "üblichen" Flakearten und meinen Erfahrungen mit ihnen. Die "Exoten" folgen im dritten und letzten Teil.

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Kommentare:

  1. Kleber? Das klingt aber wild. Weiß man denn auch, was als "Kleber" verwendet wird?
    Ich dachte bis jetzt immer, das wird mit Zuckerwasser gemacht.

    AntwortenLöschen
  2. Moin Oliver,
    nein, "wild" sollte es nicht klingen. Verwendung findet zum Beispiel "Gummi Arabicum", das auch als Lebensmittel-Zusatzstoff genutzt wird. Doch auch, wenn es als gesundheitlich unbedenklich eingestuft ist, hat es im Flake, wie viele Freaks finden, nichts zu suchen.
    Übrigens macht dieses Zeug auch "schöne", dunkle, gummiartige Ablagerungen auf dem Kopfrand der Pfeifen.
    Lieben Gruß, RALF

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ah danke Ralf!
      Jetzt bin ich da auch wieder ein bisschen klüger.
      Natürlich war ich ein bisschen geschockt über die Bezeichnung. Wäre da der Ausdruck "Bindemittel" nicht angebrachter?
      Naja, eigentlich egal, wie man es nennt.
      Wünsche allen einen guten Genuß ^_^

      Löschen
    2. Hallo zusammen,
      wenn du es genau Wissen willst hier sind die genauen Inhaltsstoffe von einigen Tabaken zu finden...so auch die Inhaltsstoffe die zur Feuchtigkeit und Ummantelung dienen.
      https://service.ble.de/tabakerzeugnisse/index2.php?detail_id=104544&site_key=153&stichw_suche=navy+flake&zeilenzahl_zaehler=1
      Gruß
      Jan

      Löschen
    3. Ach ja :-) eine Wunderbare und sehr Interessante Reihe von Artikeln die du da gestartet hast Ralf vielen Dank.
      Gruß
      Jan

      Löschen
  3. Hallo,

    erstmal ein ganz großes Lob an alle die an diesem Blog mitwirken !

    Gibt es eigentlich auch Hersteller, die keinen Kleber verwenden ... ?
    Oder ist der Kleber unverzichtbar bei der Herstellung eines Flakes ...

    Danke.

    Gruß,
    Vincent

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lieber Vincent,
      nein, nicht alle Hersteller verwenden Kleber, dies wurde aber auch im Artikel erwähnt! ;)
      Ich zitiere mal den vierten Absatz:
      "Die geklebten Flakeplatten hinterlassen aber gerade unter den Flakefans, die doch so sehr auf Natur, Tradition und Reinheit achten, ein zweischneidiges Gefühl... denn der Kleber passt nicht wirklich ins Bild. Deshalb verzichten viele Hersteller, wie z.B. Dan Pipe und H.U. auf diese künstliche Stütze. Ebenfalls ohne Kleber kommt der hier gezeigte Kargl No. 5 aus, der daher als typischer "Ungeklebter" gelten darf."

      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
      Niels

      Löschen
  4. Sind Flakes generell stärker im Sinne eines höheren Nikotingehalts? Oder gibt es auch "schwache Flakes"? Ich muss mich da leider vorsehen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lieber Bernhard,
      es gibt nicht nur Nikotin-Bomben unter den Flakes.
      Maximal mittlere Stärke würde ich z.B. dem Mac Baren Scottish Flake und dem Germains Medium Flake bescheinigen.
      Mit diesen Burschen könntest Du die Verträglichkeit für Dich gut austesten. Zumal sie recht gut zu handhaben sind.
      Das wäre so meine Idee.
      Lieben Gruß, RALF

      Löschen
  5. Hallo Ralf,

    wieder einmal ein informativer Beitrag, der nichts zu wünschen übrig lässt. Schöner Nebeneffekt dabei, man stopft sich gleich ein Peifchen mit dem Flake seiner Wahl.
    Was ich dich eigenlich schon seit langem fragen wollte: wäre es nicht langsam an der Zeit, dein immenses Wissen um Tabak und Pfeife in Buchform zusammen zu fassen?

    "Denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen".

    Das sagte schon der olle Weimarer und es gibt bestimmt Legionen von Pfeifenfreunden, die dieses Buch gern kaufen würden.

    Grüße von der Ostseeküste
    Peter

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dankeschön Peter !
      Vor einiger Zeit ist ein Lektor mit dieser Idee an mich heran getreten. Als er allerdings versuchte, dafür einen interessierten Verlag zu finden, erntete er nur empörte Absagen.Wir haben vergessen, dass Rauchen Teufelswerk ist, grundböse, volksvergiftend und widerlich.
      Einzig im Selbstverlag wäre so etwas möglich...und an dieser Idee wird wohl noch länger gefeilt.
      Liebe Grüße, RALF

      Löschen
  6. Lieber Ralf!
    Die Lösung für das Publikationsproblem heißt "Book on Demand". Und ich bin mir sicher, daß Du bei Deiner Qualität als Autor die Unkosten nullkommanix wieder einfahren wirst und sogar weit in die Gewinnzone vorstoßen könntest.
    Liebe Grüße, Max

    AntwortenLöschen