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Donnerstag, 1. Januar 2015

"Aged Tobaccos" oder einfach nur "altes Kraut"?

Dem Moment haftet schon etwas Besonderes an. Ein Gefühl, zwischen Öffnung einer Schatztruhe und der Bemühung um sachliche Begutachtung. "Peter Stokkebye Danish de Luxe Red Tobacco Blend" - schon der Name ein Roman. Beeindruckend goldene Letter prangen auf tiefrotem Grund, die Banderole weist einen Preis von neun D-MARK für 50 Gramm aus und die Beschreibung unter der Dose ist bemerkenswert gut erhalten.


Der Augenblick, in dem ich die Dose mit dem typischen "Pffft" das erste Mal öffne, hat etwas Feierliches, Erhabenes. Warum eigentlich? Ich öffne doch nur eine Dose alten Tabak.... Nun, in den Hirnen der Menschen hat sich seit jeher eine ebenso klare, wie falsche Gleichung festgesetzt. Alt = Wertvoll! Da mache ich wohl keine Ausnahme.


"Aged Tobaccos", also gealterten und in der Dose nachgereiften Tabaken hängt ja allgemein die Aura des besonders seltenen und großen Genusses an. Ursprünglich stammt der Hype aus den U.S.A., was nicht sehr verwundert. Deswegen muss er aber nicht unbedingt sinnvoll sein. In den Staaten ist es auch Mode, seine Pfeifen um die Welt zu schicken, damit sie mal "überall gewohnt" haben. Gibt es dazu noch Fragen?


WIE falsch es ist, alte Tabake pauschal als besonderes Leckerchen zu feiern, zeigt dieser Stokkebye. Nachdem die runde Pappe chirurgisch vom völlig damit verklebten Tabak entfernt ist, entströmt der Dose der Duft von nassem Keller und faulem Obst. Die Konsistenz des Krautes ist erstaunlich gut... also etwas aufreiben und rein in die Pfeife. Ein Opfer für die Wissenschaft. Der Geschmack nach fauligem Obst setzt sich beim Rauchen ebenfalls sofort durch, dazu entsteht im Nasen-Rachenraum das Aroma des berühmten "Strawberry Snuffs" von Pöschl. Nach einer Zeit des ruhigen Glimmens kommen gelegentlich Anklänge von Virginia-Aromen und etwas Latakia durch... um dann wieder von der Wucht des "Fallobst-Geschmacks" zugedeckt zu werden. Ohne Rücksicht auf die Pfeife und ohne dem Gejammer der Geschmacksnerven zuzuhören, ziehe ich die Füllung bis zum Ende durch. Schließlich soll dieser Tabak ein würdiges Fazit erhalten und das geht nun mal nicht mit Weicheierei.


Grausam! Das trifft es wohl bestens. Ich kenne diesen Stokkebye von früher. Er war ein dunkler, wohl ausbalancierter Genuss... nun ist nur noch ein Tabak-Zombie übrig, der darauf wartet, per Biotonne entsorgt zu werden. Entscheidend, bei gealterten Tabaken ist eben NICHT, dass sie gealtert sind. Sondern die Frage, wie und wo diese Kräuter ihr "Aging" erleben durften und ob sie sich überhaupt zur Nachreife eignen. Vielleicht zehn Jahre als Deko-Stück in einem, von der Sonne verwöhnten Schaufenster? Solange solche Dinge nicht zweifelsfrei geklärt sind, ist es kein Zeichen von wissender Reife und/oder Fachkompetenz, wenn mit Trommel und Tröte ein Festzug um den Christbaum veranstaltet wird, nur, weil wieder mal ein "Enthusiast" eine Kiste mit alten Tabaken aus dem Keller geholt hat.


Reden Sie diesbezüglich nicht mit schwätzenden Spekulanten. Sprechen Sie mit Leuten, die sich auskennen. Fragen Sie Hans Wiedemann oder Heiko Behrens, warum ihre Tabake zum Teil mit ordentlich Luft verpackt werden. Eben, damit sie NICHT unter Druck nachfermentieren und den Raucher so erreichen, wie sie der Mischer erdacht hat. Selbstverständlich gibt es Tabake, die von längerer Reife profitieren. Mich stört nur die Pauschalisierung, die falscher nicht sein könnte.

Wer solch' alte Tabake kauft und hortet, weil er den Hobby-Kellermeister geben will, soll dies gern tun. Wer allerdings Tabake kauft, um sie zu genießen, sollte um viele, dieser "seltenen Genüsse" einen weiten Bogen machen... wie auch um diesen "Peter Stokkebye Danish de Luxe Red Tobacco Blend". Der ist nämlich nach seinem "Aging" keinen Schuss Pulver mehr wert - leider!

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Kommentare:

  1. Bezühlich Aging & Tabak - bespreche jetzt den ZigarrenTabak (gleich aber nicht das Selbe ! ;-))

    hier öffnet man auch ab und zu den Humi&Co. für FrischLuft und um die Zirkulation (wenn Passiv und nicht Aktiv) anzutreiben ...

    Und am wichtigsten sind immer die Gleiche/Selbe :-) rLf ... ein kleinwenig die Temp. ...

    Dass Alles scheint bei Deinem nichtnpassiert sein UND Du hattest außerdem "Papier" drinnen - DASS fängt nach einiger Zeit zum "müffeln" an ... !?!

    Gerald

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  2. Was ich vergaß:

    beim Aging(!) wird niedrigere(!!!) r(elative)L(uft)f(euchtigkeit) verwendet anstatt ~70-72% (bei Zigarren fürn Alltag)
    -> spricht so 62% aber eher 65% rLf (Aging von Tabak/Zigarren) --- und wie gesagt ab&an FRISCHE(!) LUFTZIRKULATION !!!

    Gerald

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  3. All die Aging -Schwärmerei finde ich komisch. Ich rauche die Tabake, wie sie zu mir kommen.

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