Willkommen bei Jogi-wan...

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Donnerstag, 31. Dezember 2015

Euch allen einen guten Rutsch ins Jahr 2016!

Liebe Pfeifenfreunde,

wir wünschen Euch allen einen guten Rutsch und einen sensationellen Start im neuen Jahr 2016! Wir bedanken uns für Euer Interesse an unserem gemeinsamen Hobby und freuen uns darauf, auch im nächsten Jahr jede Menge an Gedanken zum Thema "Pfeife und Tabak" mit Euch hier auszutauschen.




Happy New Year...  Euer Jogi-wan-Team

Montag, 28. Dezember 2015

Peterson - Hyde Park - Drei Jahre gereift!

Wollen Sie sich zu mir setzen? Wollen wir ein wenig darüber sinnieren, was die Zeit mit uns macht? Mit unseren Einstellungen, unseren Wünschen, unseren Zielen… und mit unseren Tabaken?

Ok, bleiben wir erst einmal beim Tabak. Kratzig, rotzig, unausgeglichen und zu hart. Dazu das Rum/Ahorn-Aroma deutlich überpräsent… so erschien mir der Peterson „Hyde Park“ vor Jahren. Eigentlich ein Fan der Tabake, die aus dem Hause Gawith, Hoggarth & Co. stammen, wurde ich mit diesem Mix nicht warm. Ja… unreif, teenagerhaft, erschien er mir. Wurscht, er kam zu den Akten und fertig. Es gibt so viele Tabake bei uns.


Jetzt ist er plötzlich wieder bei mir. Mein Freund Tom schenkte mir eine besondere Dose des Krauts. Drei Jahre original verschlossen nachgereift. Na ja, ich hab' das ja nicht so, mit dieser "Aging-Hysterie" und kann auch nicht nachvollziehen, wieso erwachsene Menschen, im scheinbaren Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte, 70-80 Euro investieren, um an einen Beutel Tabak zu kommen, der zwanzig Jahre lang wer weiß wo gelegen hat.


Doch, als ich diese Dose öffnete, offenbarte schon die Duftprobe eine erstaunliche Wandlung. Aus fett aufgesprühtem Parfum der Sonderangebotsklasse wurde ein dezenter, ganz eigener Duft. Einer, der der Persönlichkeit dahinter Raum lässt, so, wie es auch Menschen an Menschen lieben. Der Griff in den Tabak lässt immer noch Geschmeidigkeit erkennen, es ist aber zum Glück nicht mehr, als fasse man in nasses Laub. Der recht dick geschnittene Ribbon lässt sich gut einbringen und gestaltet die Anzündphase entspannt… so, als wolle er gleich zu Beginn das "Zurücklehnmoment" betonen. Oh, Verzeihung… das war ein holprig-deutsches Wort… es stört den Flow… wir ersetzen "Zurücklehnmoment" durch "Lay back-Message"… das fluppt besser.

Bühne frei für den Burley, er hat hier klar das Zepter in die Hand genommen und es offenbart sich mal wieder, dass er als Dirigent eine Klasse für sich ist, wenn sich ihm die begleitenden Musiker unterordnen. Harzig-nussig der Oberton der Mischung, ergänzt durch die Süße der Virginias und das Aroma, bei dem sich vor allem der Rum hervor tut. Nach dieser Reifephase wirkt er nicht mehr künstlich, aufgesetzt… er hat die Mischung durchzogen, angereichert, sich eingefügt und die Spitzen rund geschliffen. Satt, voll und aromatisch der cremige Rauch. Kräftig ist er zudem geworden… wer die Zuggeschwindigkeit bei der Gier nach mehr übertreibt, erntet eine kribbelnde Zunge und einen Biss im Geschmack, der das wunderschöne Gesamtbild mit einem Schnitt zerteilt. Also, Gemach… genießen und staunen, was die Zeit aus einem unausgegorenen Rotzlöffel machen kann. Einen kernigen, runden, sonoren Charakter! Wie bei Menschen, denen man auch die Ruhe zur Reife ließ.


Dies ist kein Review zum nach jammern. Ja, es gibt ihn nicht mehr… doch das ist jetzt gar nicht so wichtig. Diese Wandlung zeigt, dass Reife durchaus für Tabake sehr zuträglich sein kann. Vielleicht muss ich ein wenig umdenken… und suche mir zwei - drei Kandidaten, die ich einfach mal liegen lasse. Nicht um damit später anderen Leuten die dicke Kohle aus der Tasche zu zocken. Damit kann man dann nur Geld verdienen… das ist mir zu langweilig. Nein, für den eigenen Genuss, halt für besondere Momente und delikate Aha-Erlebnisse. DAS sind nämlich die Dinge, die ein Leben besonders schön machen… und dafür haben wir Pfeifenraucher doch einen Sinn.

...und mit Geld bezahlen kann man solche Erlebnisse nicht. Selbst gekauft und gelagert, die Zeit arbeiten lassen, Geduld beweisen in der Vorfreude auf das kommende Erleben… DAS macht solche Momente aus, denke ich...

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Frohe Weihnachten 2015!



Liebe Pfeifenfreunde,

wir wünschen Euch allen eine schöne und friedliche Weihnachten 2015. Entspannt Euch, genießt gutes Essen, gute Getränke und lasst Euch vor allen Dingen die Pfeife schmecken. Allen Freunden, die an diesen Tagen arbeiten müssen, wünschen wir trotzdem ein paar entspannte und genussvolle Stunden zwischendurch und hoffen, dass die wohl verdiente Freizeit nicht lange auf sich warten lässt.


Schöne Festtage!! (rr)

Kolumne: Warum?


Los jetzt, Sie sind dran. Sie rauchen Pfeife... aber warum? Nene, nicht was von "Psychokiste" murmeln und einfach nicht weiter lesen. Ich will das jetzt wissen. Den ganzen Quacksalber-Scheiß aus der Seelenklempnerecke lassen wir jetzt mal weg. Phallussymbol, Mutterbrust-Ersatz... das ganze freud'sche Gelaber - weg damit! Was? Ich soll anfangen...? Ok...

Ich kann nicht denken ohne Pfeife, nicht schreiben... keine Ideen austüfteln. Hä? Psychische Abhängigkeit, Nikotinsucht? ..ach, jetzt hört doch mal auf, Leute! Wenn Ihr es nicht fühlt, Ihr werdet es nicht erjagen... so ist das.

Es wird esoterisch. Jede meiner Pfeifen ist eine Persönlichkeit. Das reicht vom unkomplizierten Kumpel bis zur pretiösen Diva. Heißt für mich, Unterstützung bei den Dingen des Lebens. Der Kumpel hilft mir, praktische Lösungen zu finden, dabei Entspannung und Übersicht zu halten. Mit Pausen, bei denen dieser Kumpel meine Aufmerksamkeit vom Problem weg, hin zu sich zieht. Das klärt den Blick, hält das Hamsterrad des Denkens für einen erholsamen Moment an... dient der Sammlung.


Der "Naturbursche" begleitet mich auf Ausflügen, mit dem Motorrad oder per pedes. Er intensiviert Erlebnisse und Eindrücke, in dem er sie durch Genuss unterstützt, verstärkt. An einem See sitzen, den Vögeln lauschen, Fische springen sehen... ohne inspirierende Wölkchen aus der Pfeife? Nein, danke schön.

Nun... und zum Genuss einer komplexeren Musikscheibe darf es auch gern mal die italienische Diva aus ausgesuchtem Holz sein, die zum Schmelzen schön ist, aber wie Diven nun einmal sind, schon entsprechende Aufmerksamkeit verlangt, die aber nur in ruhigen Momenten überzeugend aufgebracht werden kann. Da kommt dann zum akustischen Erlebnis auch das optische, das haptische Glücksgefühl - eine perfekte Kombination.


Wer seine Pfeifen kennt weiß genau, welche Pfeife für welchen Zweck passt. Er sucht sein Rauchgerät auch nach augenblicklicher Stimmungslage und Konzentrationsfähigkeit und -willigkeit aus. Jedes Stück hat seinen Charakter... und das macht aus den Pfeifen weit mehr, als bloße Rauchgeräte. Es schafft persönliche Bindungen zwischen Pfeife und Raucher. Das ist ein wesentlicher Teil der Leidenschaft, auch, wenn er oft nicht SO gern eingestanden ist. Ich würde sogar soweit gehen, von einer Art Zwiegespräch zwischen den Beiden zu sprechen... auf die Gefahr hin, dass ich jetzt abgeholt werde, weil ich mich telepathisch mit Holz verständige.

Die Pfeife ist auch und schafft Zuflucht. Erwünschte Pause in einem Gespräch, zum Sammeln oder Formulieren. Halt in schwierigen Situationen... ja, auch Seelentröster, wenn es mal ganz arg kommt.

Nun... und dann der unendliche Kosmos, die Frage betreffend, welcher Tabak wie gestopft aus welcher Pfeife am besten schmeckt? Sinnlose Diskussion sagen Sie? Sind Sie zufällig Zigarettenraucher und hier nur versehentlich hin geraten? Der Pfeifenraucher allgemein kann unter seinesgleichen als kommunikative Lebensform angesehen werden. DIESE Diskussion füllt Abende... und warum auch nicht? Dürfen Dispute nur dann als beherzt und beseelt gelten, wenn sie von allgemeinpolitischem Betroffenheits-Lebertran durchnässt sind? Lasst uns doch auch über Genuss debattieren, uns die Köpfe heiß reden und rauchen - auch dies ist Teil einer gelebten Leidenschaft.


Leidenschaft... welch' selten gewordene Vokabel, in einer Zeit, in der eine blutlose und ausschließlich politisch korrekte Existenz als das Glaubensziel einer, von Gutmensch-Diktatoren bestimmten, Gesellschaftsform angesehen wird. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie dieses Wort mehr und mehr verächtlich ausgespuckt wird... zumeist von Leuten, die selber keine haben? WIR haben sie aber... und es soll uns mindestens in den zweiten Kreis der Hölle katapultieren, wenn wir diese Leidenschaft nicht gegen alle Gleichmacherei, gegen alles Gesundheits-Gesülze verteidigen. Überzeugung ist mächtig... und überzeugt sind wir in unserem Tun doch, oder?

Wenn WIR verstehen, warum wir der Leidenschaft Pfeife soviel Platz in unserem Leben schenken, reicht das doch. Warum sollen wir noch die Energie aufwenden, das auch Menschen zu vermitteln, die ausschließlich damit auffallen, ihren Namen tanzen zu können?

Damit ist die Pfeife auch ein Stück weit Gesinnungsschmuck... ja, zugegeben... aber einer, den man stolz trägt und tragen kann. Ich sehe die Pfeife als Genussmittel zur Alltagsverbesserung und Krönung bestimmter Stunden. Pfeifenraucher ist man nicht ein bisschen... mit der Zeit wird man es ganz oder wechselt wieder zur fünfminütigen Suchtbefriedigung aus der Pappschachtel. Wer es aber ganz ist, ist es mit dem Herzen. Dann ist die Pfeife nicht von außen auf das Leben aufgesteckt, sondern fester Bestandteil von ihm.

Stelle ich mich hin und sage, dass ich ohne einen bestimmten Menschen nicht leben mag, gelte ich als Liebender... die werden, zumindest in Teilen, noch geachtet oder wenigstens geduldet. Stelle ich mich aber hin und sage, dass ich ohne Pfeife nicht leben mag, bin ich ein bemitleidenswerter Suchtkranker? Wer ist verantwortlich für eine solch' schwachsinnige Sichtweise? Was? Ob ich jetzt Pfeifen mit Menschen gleichsetzen will? Och nö, kommen Sie... wir wollten das hier doch ohne Psychogelaber durchziehen. Nein, ich sage damit, dass Liebe eine ganz persönliche Sache ist... auch die Liebe zur Pfeife. Freiwillig eingegangen und jeden Tag mit Freude in jeder Faser erlebt. Machen wir einen solch' schwachsinnigen Eindruck, dass wir uns von irgendwelchen Pappnasen an der Hand nehmen und ins "wahre Licht" führen lassen müssen?


Ich rauche Pfeife, weil sie mir Leidenschaft, mir Liebe ist. Weil ich ohne sie nicht sein mag und der Genuss des Rauches für mich zu den größten Vergnügen zählt. Ja, Vergnügen... bewusst hinweg über jedes Raucherbein-Menetekel, bewusst hinweg über die konstruierte Propaganda der Pharma-Industrie und der Schar an Idioten, die nichts zu tun haben, außer nicht hinterfragten Blödsinn zu plappern, weil sie sich als brave Handlanger haben kaufen lassen - da sie zu mehr ohnehin nicht taugen!

Ich liebe das Leben... nicht ausschließlich wegen der Pfeife... aber zum guten Teil auch durch sie. So, dass war meine Sichtweise. Es wäre schön, wenn dieser Artikel Sie dazu animiert, über Ihre Pfeifenmotivation ein wenig nachzudenken... bei ein paar genussvollen Wölkchen. Es macht Spaß.

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Montag, 21. Dezember 2015

Pfyffe Laade - Orient Plug

Bei Ronny Wenk in seinem Pfyffe Laade in Basel gibt es Pfyffe, Duubagg, Syygaare und alles waas derzue gheert ... . Pitoresk gelegen in der Basler Altstadt gibt es dort vor allem Eines: eine Riesenauswahl an guten Tabaken. Hausmischungen, amerikanische Tabake von allen bekannten Herstellern und eine freundliche Bedienung in Person von Ronny Wenk.
Dieses Mal hat es mir der „Orient Plug“ angetan, der von Samuel Gawith auch direkt unter dem Namen „RB Plug“ vertrieben wird.

Der Plug zeichnet sich durch eine sehr dunkle Farbe und Festigkeit aus. Er ähnelt mehr einem Block dunkler Schokolade als einen Stück Tabak. In der Verarbeitung wurde der Plug so gepresst und gedämpft, dass er sich in einen festen Block verwandelt hat und man ein richtig scharfes Messer braucht, um ihn schneiden zu können. Das Tabakbild ist tief schwarz, begleitet von einigen hellen Einsprenkelungen.
Die dark fired Tanzania‘s, getoppt mit eine leichten floralen Essenz, beschreiben diesen „aromatischen“ Engländer sehr gut. Er riecht kräftig, dunkel mit einem Hauch von Blumigkeit und Wald.
Um aus diesem fantastischen Klotz einen rauchbaren Tabak zu machen, braucht man wie gesagt ein scharfes Messer und eine gute Unterlage. Der Plug hat die richtige Feuchte, was jedoch beim Schneiden etwas kontraproduktiv ist. Erst in dünne Scheiben geschnitten; danach gewürfelt, lässt er sich locker in den Pfeifenkopf einbringen. Ich bevorzuge hier mittelgroße bis große Köpfe, in die ich die kleinen Würfel nur einrieseln lasse ohne sie großartig anzudrücken.
Durch die Feuchtigkeit lässt sich der Plug nicht ganz so leicht entzünden. Man braucht schon ein paar Streichhölzer mehr um den Tabak unter Glut zu setzen. Doch die Mühe lohnt. Die Virginias sind vollmundig und haben eine tolle, satte Süße. Die dezente florale Note im Hintergrund ergibt mit den kräftigen Virginias und der Süße eine faszinierende Kombination, die diesen Plug zu einem wunderbaren Genuss machen.
Der Tabak verlangt es, so langsam geraucht zu werden, wie möglich. Zu schnelles Ziehen straft er mit Zungenbiss und der wunderbare Geschmack kann sich nicht richtig entfalten. Er ist daher Anfängern nur bedingt zu empfehlen, aber Flake-Freunden und Plug-Enthusiasten ans Herz zu legen.
Richtig geraucht bleibt er ein wahrer Genuss, bis zuletzt nur noch ein wenig weiße Asche am Boden des Pfeifenkopfes zurückbleibt.
Viele Grüße aus dem Werdenfelser Land!

Autor: Torsten Wieczorek

Donnerstag, 17. Dezember 2015

John Aylesbury - Sir John`s Virginia Flake

Immer wieder gibt es diese Momente, in denen mein innerer James Dean verträumt auf dem Weidegatter sitzt. Eigentlich zu alt für das Gefühl der brennenden Unfreiheit, sinnierend über das was ist und wie es sein könnte. Nur, Jimmys Zigarette hat die Zensur meiner Seele nicht überstanden... doch auf meinem Bild steht ihm die Fullbent auch ganz gut. Denn Pfeife ist für mich nicht zuletzt Ruhepol und Verarbeitungspunkt... und sie ist, in viel tieferem Maße als die Zigarette, als rebellisch anzusehen. Zumindest im Rahmen heutiger Freiheitsvergitterung und Folgsamkeitsdiktatur.


Stellt sich die Frage, was James da raucht, was ihn inspiriert und anregend unterstützt. Wo Gedanken komplex sind und ihr Fluss die Konzentration benötigt, bedarf es eines einfachen, unkomplizierten Krautes... da bietet der „Sir John`s Virginia Flake“ sich an. Sanft ist und bleibt er über die ganze Pfeifenlänge. Fein süß und doch heuig pikant, befindet sich seine Charakterwaage im Gleichgewicht.


Nein, er heischt zu keiner Zeit nach Aufmerksamkeit und Anstrengung. Leicht aus dem Strang zu lösen, ist der Flake in guter Kondition und glimmt ruhig und willig. Kein gesichtsloses Leichtgewicht, kein überbordender Kraftmeier. Also Mittelmaß? Nein, das wäre unfair. Er ist schon ein richtig Guter und hat Balance... Balance, die in solchen Momenten so sehr gewünscht ist. Ein Traumtabak? Das wäre wohl die falsche Umschreibung... dezenter Begleiter zur pfeifenunterstützten Seelenanalyse? Wenn Ihnen das nicht zu sperrig ist...?


Mit dem Aylesbury „Sir John`s Virginia Flake“ gibt es einen unkomplizierten Virginiaflake in feiner Güte und zu sehr akzeptablem Preis zu kaufen, der sowohl Beginner, als auch Kenner zu begeistern weiß. Ob mit oder ohne Filter. Einzig, die Rauchgeschwindigkeit sollte mittleres Tempo nicht überschreiten. Sonst könnte sogar er die Gedanken mit einem Zungenbiss unterbrechen. Nüchtern und sachlich formuliert...

...aber danach ist mir gerade nicht... Jimmy sitzt immer noch auf dem Gatter... ich rauche mal die Füllung mit ihm zu Ende und werde klären, ob der Rebell noch in mir steckt.


Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Samstag, 12. Dezember 2015

Gerd Jansen - Kori-Flake

Es hat sich ja mittlerweile herumgesprochen, dass Franz Fleischmann Gerd Jansen‘s Pfeifendepot in Hamburg übernommen hat und nun als Inhaber weiterführt. Äußerlich hat sich nichts an dem alten Laden im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel verändert. Wer jedoch eintritt, kann feststellen wie viel Arbeit und Mühe sich Franz gemacht hat, das „Museum“ von Gerd Jansen zu erhalten und mit neuen Ideen fortzuführen, ohne die alte Kundschaft zu vernachlässigen.
Neben dem umfangreichen Sortiment an Hausmarken, gibt es jede Menge Auswahl an guten und bekannten Tabaken. Bei meinem letzten Besuch in der Hansestadt habe ich mich für den „Kori-Flake“ entschieden. Der „Kori-Flake“ ist kein Unbekannter oder neuer Tabak, sondern eine Hausmischung aus dem Angebot von Kohlhase & Kopp, welche u.a. als „Meistermischung 88“ bei Pfeifen Behrend, als „Flake #222“ bei tabacum, „Flake #1“ bei Pfeifen Kargl oder als „Mellow Flake“ bei Pfeifen Diehl in München im Angebot ist.

Der Koriander Flake ist ein mittelstarker Virginia Flake mit einem leichten Flavouring von Rosenöl und Koriander. Beim Öffnen der Dose sieht man ca. 4-5 gut 20 cm lange Flakestreifen. Das Aroma, welches einem in die Nase steigt, ist das der Virginias. Von Rosenöl keine Spur; und auch der Koriander ist sehr dezent und erinnert eher dem getrockneten Koriandergeruch. Wer im Vergleich dazu mal an einer Dose Vauen „Coriander Flavour“ geschnuppert hat, weiß den dezenten Geruch von getrockneten Koriander zu schätzen.

Der Flake in der Dose hat die richtige Feuchtigkeit und sein Tabakbild ist eher hell mit leicht dunklen Einsprenkelungen; 100% Virginia eben. Mit der Knick-und-Falt-Methode wird ein Stück in ausreichender Länge in die Pfeife eingebracht und lässt sich leicht Entzünden. Schon nach den ersten Zügen, ist die Koriandernote allenfalls nur sehr dezent im Hintergrund zu spüren und es dominieren die Aromen der Virginias: Gras, Heu, eine volle Süße. In dem Wechselspiel der Virginia-Aromen mit dem sehr dezenten Koriander im Hintergrund ergibt sich ein abwechslungsreiches Rauchvergnügen, das bis zum letzten Zug spannend bleibt. Der „Kori-Flake“ ist ein wunderbarer Tabak, der nicht nur „naturnahen“ Virginia-Freunden zu empfehlen ist.
Viele Grüße aus dem Werdenfelser Land!



Torsten Wieczorek

Montag, 7. Dezember 2015

ESCUDO - Stoff für Legenden

Denken sie bei „Escudo“ an die portugiesische Münze? Dann sind Sie vielleicht Numismatiker und hier eher falsch! Obwohl dieses Zahlungsmittel vermutlich der Namenspate für einen Tabak ist, der Legende wurde. Die Tabakmanufaktur Cope Bros.& Co. war die Wiege dieses Klassikers. Die Firma existierte von 1848-1952. Im Jahr 1912 taucht in ihrem Programm erstmalig der Navy Cut "Escudo" auf, vermutlich benannt nach der 1911 eingeführten Münze.

Nach recht gesicherten Erkenntnissen eines Tabak-Historikers wurde er seitdem bei Cope produziert, bis zum Jahr 1952, als Cope an Gallagher verkauft wurde. Die Firma Gallagher produzierte die Tabakmünzen weiter, bis 1994 ihre Fertigung aus Kostengründen eingestellt wurde. Das hätte das endgültige Ende dieses "Wundertabaks" sein können.


1997 entschloss sich aber die dänische Firma A.C. Petersen, den „Escudo“ erneut auf den Markt zu bringen. Zunächst nur in Dänemark wieder erhältlich, schafft das Kraut 1999 den Sprung über den großen Teich und entzückt fortan auch die amerikanischen Virginia/ Perique-Fans. Nahezu zeitgleich verschwindet der „Escudo“ auf dem europäischen Markt und – welch' ein Zufall - ein Tabak mit Namen "Dunhill de Luxe Navy Rolls" erscheint auf der Bildfläche der alten Welt. Heute vermutet man, dass Probleme mit den europäischen Markenrechten zu diesem Schritt führten. Als die Firma Petersen im Jahr 2000 von Orlik übernommen wird, erfolgt ein weltweiter Verkaufsstopp. Wieder geht es um Streitigkeiten bezüglich der Markenrechte. Die Klärung erfordert einige Zeit... und der Verkauf des „Escudo“ beginnt erneut.

Die Rechte an der Marke bleiben aber eine unendliche Geschichte. 2004 erwirbt die STG 50% von Orlik und die Rechte am „Escudo gehen“, nach längeren Verhandlungen, auf die STG über, die Orlik 2008 komplett übernimmt. Bis zum heutigen Tag erfolgt die Produktion des Tabaks bei Orlik/STG in Assens (DK).


In unserem Handel ist er aber nach wie vor nicht erhältlich. Die Tatsache, dass mit seinem Verschwinden auf den europäischen Märkten der „Dunhill de Luxe Navy Rolls“ erschien, gibt seither Anlass zur Spekulation, dass beide Tabake identisch sind.

Legionen von Pfeifenrauchern haben in den Jahren versucht, das oder das genaue Gegenteil zu beweisen. Natürlich konnte auch ich mich der Faszination "Escudo-Forschung" nicht entziehen und wage mich an einen Antwortversuch. Gleiche Bedingungen, gleiche Pfeifengrößen, gleiche Stimmungslagen... und einmal sogar zeitgleich geraucht (auch, wenn meine Frau mich für verrückt hielt!). Nein, ich finde keinen Unterschied. Für mich sind die aktuellen Versionen beider Tabake absolut identisch.


Der "Unsinn" zweier, identischer Tabake unter verschiedenen Namen erklärt sich wieder einmal über die Rechte-Problematik. Die im Jahr 2000 betriebene Klärung ergab wohl, dass nur die Rechte für die USA tatsächlich zweifelsfrei geklärt werden konnten. Was also sprach dagegen, Europa mit dem gleichen, großartigen Stoff zu füttern - nur unter anderem Namen? Natürlich weiß ich, welche Mythen sich um den "alten Escudo" ranken. Mir war und ist es aber nicht möglich, diesen Tabak mit "Originalabfüllung" aus den 50er Jahren zu probieren. So bleibt auch keine Möglichkeit, die Legenden auf ihren Wahrheitsgehalt hin abzuklopfen.

Lassen wir also den goldenen Mantel der Erinnerung mal am Haken und freuen uns, dass auch wir in den Genuss dieses erstklassigen Virginia-Perique-Kunstwerkes kommen. Schliesslich ist "Dunhill de Luxe Navy Rolls" auch ein edler und schöner Name. Ich muss allerdings zugeben, dass es schon ein besonderes Gefühl ist, dieses "ESCUDO" auf einer Tabakdose zu lesen. Das aber ist reine Psychologie und daher zu vernachlässigen. Der einzige Punkt, der mich ein wenig ärgert, ist, dass bei uns 13,10 Euro dafür aufgerufen werden und die Amis schon für 10,11 Dollar an 50 Gramm dieses Leckerchens kommen... aber, man soll ja nicht knauserig sein!


Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Montag, 30. November 2015

HU-Tobacco - Out of Africa (Serie: The Blender's Pride)

Afrika der schwarze Kontinent vereint, wie kein anderer Erdteil, Mystik und Moderne, verschiedene Kulturen und Lebensweisen, aber auch Armut und Elend. Kriege, Hunger, Korruption prägen diesen geschundenen Kontinent genauso wie Naturschönheiten, üppige Vegetation und Stolz. Der „Out of Africa“ Ready Rubbed Flake interpretiert diese Vielfalt mit unheimlichen Geschmacksvarianten, angesiedelt zwischen fruchtig - herb, beschwingt und süß. Kräftige Burleygrades sowie dunkel gepresster Virginia und ein Hauch Perique bilden die Tabakbasis für das dezente, aber verführerische Flavour, das diesen Broken Flake auszeichnet. Der „Out of Africa“ ist eine interessante und vielschichtige Hommage an diesen Teil der Erde und an Freunde hochwertigster Tabakmischungen. …die kleinen Sterne leuchten immer, während die große Sonne untergeht (Senegal)“

Diese Beschreibung hört sich doch interessant an; die Zutaten sind nach meinem Geschmack, auch wenn mich Aromaten eigentlich nicht so sehr reizen. Der Name Hans Wiedemann steht für Qualität und seine Aromaten zeichnen sich durch ein sehr dezentes Flavouring aus, was selbst mir, als Freund von klassischen englischen Mischungen, zusagt, wie zum Beispiel beim „Bahia Orange“.

Out of Afrika“ ist ein Broken Flake mit einem dunklen Tabakbild, dominiert von den kräftigen Burley und dunklen Virginias. Beim Öffnen der Dose strömt einem eine schöne Hibiskusnote, so wie eine leichte Fruchtnote in die Nase, blumig, floral, fruchtig, aber nicht aufdringlich. Erst beim zweiten Zug betören die Burleys und Virginias mit ihrem kräftigen Aroma. Der Tabak hat die richtige Feuchtigkeit und ist perfekt für einen mittelgroßen Pfeifenkopf. Er lässt sich gut einbringen und in Brand setzen. Bei den ersten Zügen hat man noch die leicht florale, blumige Note, die aber recht bald von den Burleys und Virginias wettgemacht wird. Es verbreitet sich eine angenehme herbe Würzigkeit, eben richtiger echter Tabakgeschmack, umspielt von einer ganz leichten Fruchtigkeit und Blumigkeit im Hintergrund. Eine sehr interessante Mischung, die bis zum letzten Zug spannend bleibt und selbst für eingefleischte „Engländer“ empfehlenswert ist.

Viele Grüße aus dem Werdenfelser Land!
Autor: Torsten Wieczorek

Mittwoch, 25. November 2015

Cornell & Diehl - Shandygaff

Viele Meilen vom Mainstream-Highway, auf dem die modernen, bis zur Unkenntlichkeit abgerundeten Pfeifentabake unerkannt vorüber rauschen, steht im Hinterland von Pigeon Forge (oder war es Hixson?) ein altes, kleines Farmhaus in den grünen Weiten von Tennessee. Direkt vor der hölzernen Veranda parkt ein rostroter, beuliger Chevy Apache, daneben döst ein American Bloodhound in der milden Sonne, zu entspannt, um zu bellen. Die sanfte Brise trägt den fein-süßen Duft blühender Tabakpflanzen von den Feldern herüber, ein alter Massey-Fergusson tuckert am weiß lackierten Tor vorbei und pufft graue Dieselwolken in den strahlend blauen Himmel. Dies ist das Zuhause von Mr. Shandygaff. Mr. Shandygaff hat ein stolzes Alter erreicht, die Last der Jahre haben seinen Rücken gekrümmt, doch auf den Lippen trägt er immer noch sein jugendlich-verschmitztes Lächeln. Das er noch so fit ist, sagt er, läge an den guten Genen.


Sein Vater, ein Burley reinsten Wassers. Kraftvoll, nussig, voll und rund. Seine Mama eine Perique-Schönheit aus dem tiefen Süden Louisianas, dunkel, spritzig, würzig-fruchtig. Der Großvater stammte ursprünglich aus dem osmanischen Reich... und diese ätherische, sanftwürzige Frische mit orientalischem Einfluss ist Mr. Shandygaff bis heute deutlich anzumerken. Dazu kommt ein leicht salziges Aroma und feine Noten von Ingwer, die man aber erst bemerkt, wenn man sich intensiver mit dem alten Herren befasst. Kräftig ist er, trotz des Alters... und offen und ehrlich zu allen Freunden. Die sind zwar nicht sehr zahlreich, aber gut und treu.


Schon eine gefühlte Ewigkeit arbeitet er für Cornell & Diehl und vorher schon für die Atlas Tobacco Blending... das prägte seinen knorrigen Charakter. Ein grundehrlicher Typ mit rauen Ecken und Kanten, doch er bringt dabei so viel Tiefe und ehrlich empfundenes Traditionsbewusstsein herüber, dass er die faszinieren kann, die auf der Suche nach purer Empfindung sind. Genießen Sie ihn bei einem frischen, starken Kaffee und tauschen Sie sich mit ihm über die Jahrhunderte amerikanischen Tabakanbaus aus... vergnügliche Stunden sind garantiert. Sprechen Sie ihn aber nicht auf die modernen Entwicklungen an, auf die Unverbindlichkeit und Masseneignung seiner jungen Kollegen. Dann entfährt ihm, zwischen zwei kräftigen Schlückchen "Jacky", nur ein geknurrtes "BULLSHIT" und sogar der Bloodhound hebt den Kopf!

Also, besuchen Sie Mr. Shandygaff in seinem gemütlichen Zuhause. Trauen Sie sich, er wird sich freuen... auch, wenn man es ihm nicht so anmerkt. Erleben Sie ihn und lauschen Sie seinen Geschichten aus der alten Zeit... wo viele Dinge noch gut waren... und eigenständig!


Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Freitag, 20. November 2015

Peter Heinrichs - #77 (Hausmarke)

Während und nach vielen Besuchen bei Peter Heinrichs probierte ich zahlreiche Tabake. Keinen einzigen hielt ich für eine schlechte Wahl, jedoch ebenso wenig für vollendet. Das "gewisse Etwas" fehlte mir grundsätzlich. Stets zufrieden mit dem ausgesprochen guten Service der Angestellten, empfinde ich jeden Besuch in Köln als höchst angenehm. Die Lust auf das Probieren neuer Tabake ist dennoch kontinuierlich gesunken. Ich dachte häufiger darüber nach, dass die Quantität der Qualität hier wohl übergeordnet sei und zweifelte an mir, ob ein Tabakhaus von diesem Format meinen bescheidenen Geschmack tatsächlich nicht bedienen kann. Ein letztes Mal begab ich mich auf die Suche.

Ich durchstöberte zuvor den Onlineshop, sowie jede Produktinformation der "Eigenmarken", und entschied mich zunächst für drei aus zwölf selektierten Tabaken. Vor Ort in Köln kaufte ich:

- Peter Heinrichs Nr. 77
- Peter Heinrichs Nr. 2007
- Sir Henry I

Die geschenkte Probe des hochgelobten "Peter Heinrichs Reserve Crue No.4" überzeugte mich wieder nicht. - Zwar ganz nett, prima Virginia Flake mit Karamelaroma, und wesentlich besser als viele andere. Mir persönlich ist dieser Tabak allerdings den Kauf auch nicht wert.

Dann öffnete ich daheim zunächst nur den "Peter Heinrichs Nr. 77". Es handelt sich um eine dänische Mischung mit englischem Charakter. Virginia, Burley, Dark-Fire, Kentucky, Orient und ganz wenig Latakia-Tabak bilden die Grundlage für diese Mixture. Das versprochene "Honig-Flavor" konnte ich vorerst nicht erkennen.


Nach dem Stopfen und Entzünden der mittel bis grob geschnittenen Tabakmischung beendete der erste Zug die zuvor erlebte Odyssee ohne Umwege. "Der kann was!" brachte ich noch zur Aussprache und versank augenblicklich in zeitlosen Genussmomenten. Er erinnerte mich etwas an den geliebten "Danish Oriental" von "Pfeifen Huber" und unterscheidet sich trotzdem völlig im Geschmack.

Mein Empfinden für die Zeit wurde relativ. Vollmundig entfaltet sich der angenehm kühle Rauch zu einer sehr leichten "Virginia"-Gaumenfreude. Augenblicklich schwingt mit Nachdruck die absolut ausgewogene, wahnsinnige Würze des Orient und Latakia mit. Kaum wahrnehmbar und verspielt macht sich dann aus dem Hintergrund das ganz leichte Honig-Flavor unaufdringlich bemerkbar. Der Abbrand ist völlig unkompliziert und das Handling stellt sicherlich auch für den Laien keinen besonders hohen Anspruch dar.

Ungläubig finde ich keine Erklärung für diese raffinierte Meisterleistung von Kohlhase & Kopp im Auftrag von Peter Heinrichs. Dieser Tabak verkörpert für mich die gefundene, tiefgründige Freundschaft. Alles andere waren einfach nur nette Bekanntschaften!

Gespannt freue ich mich jetzt auf die anderen beiden Mixtures.
Guten Rauch!


Gastautor: Christian Meesters

Montag, 16. November 2015

Peterson - Holiday Season 2015

Mit Aromen von Cognac und winterlichen Beeren lädt Peterson mit dem „Holiday Season 2015“ zum festlichen Genuss ein. Eine Mischung aus Black Cavendish, Burley und Virginia-Tabaken. Das Ganze natürlich wieder in einer hübsch gestalteten Dose, die in der Tat nett anzusehen ist. Und so sind es 21,40,-- Euro für 100 Gramm, die beim Dealer auf den Tisch zu legen sind, wenn man sich diesen „festlichen“ Genuss gönnen möchte.


Aus dem frisch geöffneten Zellophan-Beutelchen duftet es dann auch wie im Ausguss einer Dorfschenke, in den der Wirt neben den Bierresten auch die in den Gläsern verbliebenen Schnapsnoagerln weg schüttet. Alles durcheinander und somit nicht definierbar. Da meine ich es also gut, wenn ich den Snölk im Tütchen schlicht und einfach als alkoholisch bezeichne. Die Beeren, egal ob winterlich oder sommerlich, schenke ich mir.


Das Stopfen ist leicht, das Anzünden funktioniert ohne Probleme. Wie nicht anders zu erwarten, wurden die Hausaufgaben im Rahmen der „Holiday-Season“-Reihe unlängst gemacht. Zündet man sich das Pfeifchen an, dann breiten sich auf Zunge und im gesamten Mundraum die hinzu gefügten Aromen aus. Ob angenehm oder nicht, bleibt, wie so oft, dem individuellen Pfeifenraucher überlassen. Einzig die Anmerkung, dass man nichts von Tabak schmeckt, muss gestattet sein.

Ansonsten möchte ich positiv erwähnen, dass das Geschmackserlebnis nicht, wie bei fast allen anderen Peterson-Jubiläumsmischungen, bereits zur Hälfte der Füllung in sich zusammen kracht, sondern erst drei Züge später. So hat man wenigstens zwischen 10 und 30 Sekunden längeres Rauchvergnügen, als man vielleicht gewohnt ist.

Ob das dann allerdings die 21,40,-- Euro rechtfertigt, kann ich schlecht beurteilen. Ich sage mal mit ruhigem Gewissen, dass der „Holiday-Season 2015“ eine Empfehlung für denjenigen ist, der immer noch seine lose herum fliegenden Buntstifte aufräumen möchte und dafür ein nettes Behältnis sucht. Als Dreingabe darf man sich dann die Schelte anhören, wenn sich ein Mitbewohner darüber beklagt, dass es im Raum riecht, als wenn ein Puma hinter die warme Heizung gepinkelt hat.




Autor: Ralf Ruhenstroth

Donnerstag, 12. November 2015

DTM - Kriswill Mellow Navy Cut (Gelb) Flake

Als ich vor etwa einem Jahr mit dem Rauchen von Flakes begann und nach den ersten postiven Erfahrungen nach einem unkomplizierten Virginia-Flake suchte, sah ich beim Lesen des Dan Pipe-Kataloges von 2015 den gelben Kriswill Flake und meine Neugierde war sogleich geweckt. Im Katalog hieß es:

"Ein traditioneller Flake aus besonders sanften Virginia-Tabaken mit recht hohem Süßegrad in der Presse zubereitet und zur Reife unter reduziertem Druck gelagert. Wie es sich für einen guten Flake gehört, langsam glimmend mit kühlem Rauch, so daß die Virginia-Süße mit ihrem typischen, an Feigen und Pflaumen erinnernden Geschmack optimal zur Geltung kommt."


So weit so gut. Das klang doch eigentlich genau nach dem, was ich suchte. Nachdem eine kurze Recherche im Netz ergab, dass sich über diesen Tabak nichts besonderes herausfinden lässt, kam er nach kurzem Zögern mit auf die Bestelliste. Als dann kurze Zeit später der Tabak zu mir kam, wurde er sogleich geöffnet und nachdem das DTM-typische Deckblatt mit der schönen Windrose entfernt wurde, der Inhalt sofort begutachtet.

Dem Auge zeigt sich ein typischer Virginia, hell golden bis mittelbraun, alles in allem sehr appetitlich. Die Flakescheiben sind etwas anders als z.B. vom Navy Flake gewohnt. Sie präsentieren sich nicht als feste Scheiben, sondern sind eher schmal und leicht zerfastert. Die Nase offenbart dann die typische Wiese bzw. das Heu, unterlegt mit leichter Würze. Im Hintergund erahnt man eine Süße, die an Honig erinnert, kombiniert mit einer leichten Feigen-Note. Sehr delikat, gerade für den Virginiafreund. Der Griff in die Dose offenbart, dass der Tabak, wie von DTM gewohnt, perfekt konditioniert ist und damit auch sogleich verraucht werden kann.

Also wird sofort eine Flake-taugliche Pfeife bereitgestellt und der Tabak in den Pfeifenkopf eingebracht. Dies gelingt, trotz der faserigen und recht mürben Flakescheiben, mit der bekannten Knick und Falt Methode überraschend gut. Diese Art des Stopfens ist meiner Meinung nach beim Kriswill unerlässlich, da der Tabak aufgerubbelt und als Ready-Rubbed gestopft vieles von dem verliert, was ihn als Flake auszeichnet. Das mag zwar für viele Tabake gelten, zeigt sich bei diesem Tabak aber besonders deutlich.


Ist der Tabak gestopft, lässt er sich in der Regel mit zwei bis drei Anzündversuchen gleichmäßig zum Glimmen bringen. Nach den ersten paar Zügen zeigt der Tabak auch gleich, dass er das zu halten vermag, was er vom Geruch her verspricht. Feine Virginia-Noten mit guter ausgewogner Süße. Der typische, leicht "heuige" Virginia-Geschmack ist immer präsent, zusammen mit einer leichten Würze, die wunderbar mit eben jener Natursüße des Tabaks harmoniert. Auch das leicht an Feigen erinnernde Aroma kommt zum tragen. Sein Körper bleibt dabei mittelstark und unter den richtigen Vorraussetzungen auch sanft und mild zur Zunge. Dafür sollte der Tabak allerdings unbedingt langsam und möglichst kühl geraucht werden. Er belohnt einen dann mit eben diesem sanften und runden Geschmack. Je ruhiger, desto besser. Zum "nebenbei" rauchen würde ich ihn nicht empfehlen, er verdient die Aufmerksamkeit. Der Geschmack hält sich auch über die ganze Länge der Pfeife, wobei er im Verlauf des Rauchens etwas an Würze gewinnt. Erst ganz zum Schluss wird er leicht bitter, was aber kurz vor dem Ende der Füllung auch nicht weiter stört. Im Kopf zurück bleibt eine mittelgraue, krümelige Asche.

Neben dem guten Geschmack bleiben, meiner Meinung nach, zwei Nachteile. Durch seinen Schnitt und seine Konsistens neigt er selbst bei gut geschlossener, mit Humidrole versehener Dose, nach dem ersten Öffnen zum Austrocknen. Einmal zu trocken geworden, zerfallen die Flakescheiben trotz rekonditionierung leider zum Ready Rubbed und sind damit nicht mehr halb so schmackhaft wie die frischen Scheibchen. Auch lässt sich der sehr fest in die runde Dose gepresste Tabak nur schwer in ganzen Scheiben entnehmen, was das korekte Stopfen erschwert. Ich empfehle ihn daher in ein geeignetes Behältnis umzulagern und ihn stets auf seine Konsistens zu prüfen, um oben genannte Probleme zu umgehen.

Fazit: Mich hat dieser Tabak, wie bisher übrigens fast jede Mischung aus dem Hause DTM, sehr überzeugt. Geschmacklich habe ich ihn sehr genossen, besonders durch seine natürliche Süße und seine Ausgewogenheit. Er ist weder überbordend süß, noch zu würzig, bleibt dabei aber immer interessant. Durch seine Stärke kann er auch schon Morgens ohne Bedenken geraucht werden, ist jedoch auch als Tabak für den gemütlichen Abend, zumindest für mich, nicht zu schwach. Diesen Tabak sollten Virginiafreunde auf jeden Fall einmal ausprobieren, gerade im Sommer. Auch für den einen oder anderen Freund aromatisierter Tabake könnte dieser Tabak eine willkommene Abwechslung sein. Ich bin mir sicher, dass er seine Freunde finden wird. Für Anfänger kann ich ihn, aufgrund der genannten Schwierigkeiten nur bedingt empfehlen. Ich habe ihn über den ganzen Sommer hinweg sehr genossen und für mich wird es sicher nicht die letzte Dose gewesen sein, trotz des einen oder anderen Problems, welches ich mit ihm hatte.

Tabak: Kriswill Mellow Navy Cut (Gelb) Flake, aus laufender Produktion (29.01.15)
Typ: Virginia Flake
Hersteller: DTM Dan Tobacco in Lauenburg an der Elbe.
Preis: 9,-- Euro/50 g

Geraucht aus: Peterson Aran 999 Rhodesian, Savinelli Veritas 624 KS Rhodesian, Rattray´s Terry 40, Bulldog (alle 9 mm gefiltert)



Gastautor: Moritz Helmold

Sonntag, 8. November 2015

Sparschwein gegen Pfeife - Sind 100 Euro genug?

(Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Dan Pipe - Dr. Behrens KG, Lauenburg)

Nein, das Leben wird nicht günstiger. Miete, Sprit, Futter für Tier und Mensch... ein paar neue Winterschuhe müssen auch her. Trotzdem regt sich der Wunsch nach einer neuen Pfeife. Das mühsam genährte und schnell entleerte Sparschwein offenbart als Inhalt 100 Euro. Hm? Lohnt es sich, da zu suchen? Es soll ja auch ein bisschen was Besonderes sein... "normale" Pfeifen sind genug im Haus... was für's Herz halt... ein wenig "Haben-wollen-Effekt".

Nehmen wir doch einfach mal den kürzlich erschienenen Dan Pipe-Katalog als repräsentativen Querschnitt durch das Pfeifenangebot in Deutschland zur Hand und gehen ein wenig auf "Expedition". Lassen wir dabei aber Torben Dansk- und Jirsa-Pfeifen mal außen vor. Deren gutes Preis-Leistungs-Verhältnis ist unbestritten. Konzentrieren wir uns aber auf Marken, die auch anderweitig zu haben sind.

Wer bei Stanwell jenseits der seit Jahren beliebten Klassiker fündig werden will, trifft auf die 400er Serie "Poul Stanwell". Hm, tolle Shapes sind da wieder entstanden. Bei Stanwells ohnehin nicht gerade günstigem Preisniveau scheiden diese schönen Stücke aber aus... sie liegen 30% über dem Limit - das ist nicht drin. ...und bei Danske Club tut sich schon länger nichts mehr in Sachen "bezahlbar und originell"!


Wer mit dem Doppelrauch-Kanal der DB Pfeifen warm werden kann, sollte einen Blick auf die hell gebeizten "Holger Danske" werfen. Gerade die 203 macht mit ihrem Mundstück und der eher gedrungenen, flachen Form einiges her... und das für sympathische 79,50 Euro. Ein ebenso interessantes Angebot sind die "Starline" aus gleichem Hause, die mit ihrer hellen Oberfläche und dem klaren Acryl-Mundstück auch alles andere, als gewöhnlich sind... und das für 85 Taler.


Zur Tradition von VAUEN gehört es seit jeher, bezahlbare und originelle Pfeifen anzubieten. Aktuell fällt z.B. die "Mirage" ins Auge, die es sogar im äußerst selten gewordenen Eskimo-Shape zu kaufen gibt und die in der dunkelroten Version für 89 Euro den Besitzer wechselt. Schon längere Zeit auf dem Markt, aber immer noch ein absoluter Hingucker, ist die "Fuji"-Serie. Mit einem Augenzwinkern gern mal als "Salami-Oberfläche" bezeichnet, ist die weiße Außenhaut in Verbindung mit dem hellen Holz und den gestromten, karamellfarbenen Mundstücken eine äußerst geschmackvolle Kombination. Spannendes Design bei feiner Rauchbarkeit für schlanke 89 Euro... auch da kann man nicht meckern. Wer zarte, schlanke Eleganz sucht, aber auf den Filter nicht verzichten mag... die Serie "New York" ist bereits auf dem Weg zum Klassiker und ab 85 Euro ebenfalls passend zum Budget.


BIGBEN (Gubbels) bietet den kleinen, knuffig-originellen Klassiker "Barbados" immer noch an. In glatter Oberfläche ist dieser kompakte Meilenstein hochelegant und sehr sauber gefertigt... für gerade noch passende 99 Euro. Die "Royal 402" bietet erstaunlich prachtvolle Klassik in feinem Finish. Dieses mustergültige Exemplar einer "Army Billard" ist für ebenfalls 99 Euro eine echte Versuchung für die Freunde klassischer Pfeifenbaukunst. Ein absoluter Tip!

BUTZ-CHOQUIN ist auch immer wieder für eine Überraschung gut. Gerade die Freunde ungewöhnlicher Farbkombinationen und Oberflächen werden hier fündig. So ist eine Pfeife der "Racing Black"-Serie mit ihrer mattschwarzen Oberfläche und feinen Bändern aus Bruyere garantiert ein "Eyecatcher" der ersten Kategorie und mit 86 Euro sehr bezahlbar. Die Freunde der filterlosen Pfeifen kommen bei der "Cherry and Wood" auf ihre Kosten. Schwarze, sandgestrahlte Außenhaut in Verbindung mit einer kirschroten Bodenplatte und ebensolchem Mundstück. Das hat was, ist originell UND elegant... und für 83 Euro zu haben. Nicht auffällig genug? Wie wäre es dann mit einer Pfeife der Serie "Camouflage"? In braun gemustertem Schrumpflack mit hornfarbenem Mundstück. Sehr speziell, aber schick und mit 83 Euro voll im Ziel.


WESSEX bietet Giants zum absoluten Discountpreis. Besonders originell hier die XL 125 als waschechte "Oom Paul". Hier passt die rustizierte Oberfläche besonders gut zum Stil und bei 57,50 Euro bleibt noch genug Luft für die ordentliche Portion Tabak, die dort hinein passt!

Nachdem wir die Dunhill-Pfeifen, angesichts des vorhandenen Budgets, erschrocken überblättert haben, gelangen wir zu einem Anbieter britisch-eleganten Stils.

RATTRAYS punktet durch Gediegenheit und liebevolle Modellauswahl. So erfreuen Pfeifen, wie die "Craggy Root"-Serie oder auch die "Stone of Scone" die Fans der traditionellen Stile. Augen und Herz finden viel Grund zum Verlieben... und das für erträgliche 85, bzw. 99 Euro. Eine hochklassige Alternative.


Wohl auch eine Alternative für die Fans der Marke Peterson, die sich aus dem Segment der "uHu"-Pfeifen scheinbar endgültig verabschiedet hat. Zu erwähnen sind aber die sehr originellen "Speciality Pipes", die für 79 Euro die "gute, alte" (und natürlich filterlose) Zeit aufleben lassen.


Italienischer Chic in der angestrebten Preislage... bei Savinelli eine klare Fehlanzeige. Die Pfeifen des Hauses sind in den letzten Jahren preislich ziemlich enteilt. Macht aber nichts, nur eine Seite weiter gibt es einen feinen Trost namens "BREBBIA".

Ob die ungewöhnliche "Tre" (96 Euro), die prunkvoll-traditionelle "Classic 2016" (ab 96 Euro) eine der höchst originellen "Naif"-Varianten (ab 64 Euro) oder die herzerweichend schönen oFis der "Vintage"-Serie... BREBBIA punktet auf der ganzen Linie der budgetfreundlichen Pfeifen. Das macht wirklich Spaß!


Den gleichen Spaß haben die Freunde der eher "freien" Linie mit den Pfeifen von "Stefano Santambrogio". Die Shapeauswahl ist fabelhaft: Strawberry, Apple, Poker, Dublin,Egg und Co., in prachtvollem Stil und abwechslungsreicher Oberfläche. Fast weht ein wenig der Geist des großen Luigi Viprati durch das Angebot und löst gerade bei Freunden der größeren Pfeifen ein absolutes "Haben-Wollen-Gefühl" aus. Bei Preisen ab 74 Euro kein Problem!


Lieber mal was aus Olive? Nun, dafür gibt es ja "Passatore". Hübsche Shapes, tolle Zeichnung und bei Preisen ab 59 Euro bleibt sogar noch Reserve für die passenden Tabake.

Zum Schluss darf der Blick auf die neue "Fiorita"-Serie von Aldo Morelli nicht fehlen. Optisch sehr ansprechende Classic-Shapes mit edler "Army-Anmutung" und solider Fertigungsqualität... und das schon ab 49 Euro. Feine Einstiegsreihe!


So... und rechnet man, im Fall Dan Pipe, nun auch noch die überzeugenden Torben Dansk Pfeifen (gefertigt von Jirsa) und die Jirsa Kollektion (Einstieg bei diesen Serien ab 49,50 Euro) dazu, besteht kein Grund zum Trübsal blasen. Die Auswahl an Serienpfeifen unter 100 Euro war selten so umfangreich und individuell. Hier findet jeder "Pott" sein "Deckelchen"... und zusätzlich noch gute bis sehr gute Verarbeitung, verbunden mit viel Rauchvergnügen. Braucht man mehr?

Entscheiden Sie selbst... und viel Spaß bei der Auswahl!

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Samstag, 7. November 2015

Holger Danske - Black & Bourbon

Ich bin wahrlich kein vorurteilsbehafteter Mensch. Ich mag einige Tabake der Firma aus Berlin wirklich sehr sehr gerne. Doch wie heißt es so schön? Kein Licht ohne Schatten. Und der Holger Danke „Black & Bourbon“ ist ein echtes Schattenkind.

Schon der Kauf stand unter keinem guten Stern. Meine Ex-Frau war unterwegs, um mit ihrer besten Freundin shoppen zu gehen. Ja, wir waren davor schon getrennt, und ja wir sind immer noch sehr gute Freunde. Ich trug ihr auf, im Tabakladen einen naturnahen Tabak zu kaufen. Man muss ihr zugute halten, das sie wirklich keine Ahnung von Pfeifentabaken hat. Und somit hatte sie sich auf das Urteil der "Fachkraft" verlassen. Und so kam der schwarze Holger ins Haus. Ich hab schon gelacht als ich die Dose sah, aber ihr entsetztes Gesicht ließ mich dann doch mit gezücktem Stopfer die Dose öffnen. Also...


Ich kann nicht sagen, dass das Aroma unangenehm wäre. Das Tabakbild finde ich auch noch ganz hübsch. Feuchte stimmt auch. Also rein in die alte Angelo (die arme Sau muss immer für alles herhalten) und Feuer frei. Also wenn SO Bourbon Whisky schmeckt, würde ich nur noch trinken/saufen. Dachte ich die ersten Züge. Nach grandiosen 3-5 Minuten ist die Luft raus. Nüscht, kein Aroma, kein Tabak, nur ein gallig-bitterer Geschmack. Und eine Raumnote....


Meine Ex sagte nur: "Ist das der Tabak von mir? Das Zeug rauchst Du nie wieder drin. Das reicht ja wie Zuckerwatte die verbrennt. Aber ich bin ja Märtyrer. Ich habe den Tabak bis zum Schluss runter geraucht. Und egal in welcher Pfeife, zu welcher Tageszeit, drin oder draußen... Nach 5 Minuten ist Feierabend, und es bleibt nur ein Geschmack von Bitterkeit pur übrig.

Lange Rede, kurzer Sinn: Jede Firma hat auch mal Prügel verdient, und die sind mit dem Zeug hier wirklich redlich verdient. Nie wieder...



Autor: Chris Henck