Willkommen bei Jogi-wan...

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Samstag, 29. November 2014

Dunhill - Apéritif

Der Dunhill „Apéritif“ und ich. Zwei, die sich nicht unbedingt gesucht haben... aber nun haben wir uns schon einmal gefunden und schauen mal, was dabei heraus kommt. Klingt lustlos? Verzeihung, so ist es nicht gemeint. Ich liebe meine sommerliche Dose Dunhill, zumeist „Early Morning Pipe", weil Latakia-Mischungen für mich absolute "Draußen-Tabake" sind. An der Luft schmecken sie mir würzig, ätherisch, vielschichtig... drinnen wird es mir schnell zu viel, ganz abgesehen davon, dass mich ihr Raumaroma erschlägt.

Es ist nun aber Ende November und draußen sind 6 Grad. Na und? Was tut man nicht alles für die Berichterstattung. Die Balkonstühle sind eingemottet - egal! Bürostuhl auf den Balkon, Jacke an und eine Füllung „Apéritif“ im Freien genießen! ...und siehe da. Die herbstliche Latakia-Müdigkeit ist wie weggeblasen... und der „Apéritif“ gibt alles!


Schon der erdige, aber auch süße, ätherische Duft aus der Dose macht Lust. Die Mischung aus Cavendish, Latakia, Orient und Virginia ist in ganz feine Streifen (die sogenannten Ribbons) geschnitten und erleichtert das richtige Stopfen schon sehr. Ich habe trotz der „Robust Taste"-Ankündigung auf dem Deckel zu einem recht großen Kopf gegriffen, warte eine Windpause ab... und mit zwei Zündungen glimmt der Tabak ruhig vor sich hin. Cremig, süß, vollreif, leicht teerig... aber nicht harsch, so der erste Eindruck. Sanft geradezu, ganz anders, als erwartet. Ich denke, die weiche Note kommt von der Kombination des Orient mit dem englischen Cavendish, der ja, im Gegensatz zu der amerikanischen Variante, nicht aus Burley, sondern aus Virginias gewonnen wird. Schon ertappe ich mich dabei, viel kräftiger zu nuckeln, als nötig wäre. Doch Vorsicht... raucht man ihn zu rasch, kippt er ins Harsche und zur Mitte nimmt sein Körper zu, die Ledrigkeit des Latakia wird prägender... aber, die schmeichelnde Süße bleibt - und das ist herrlich!


Am Ende der Füllung stehen zwei Dinge fest:

1) Der „Apéritif“ ist der sanfteste und eleganteste Tabak, den ich im Dunhill-Programm kenne. Definitiv nichts für die „Balkan-Fraktion" und nichts für die „Night Cap-Freaks". Ein Genuss aber für die Freunde mild-süßer, nie aufdringlicher Latakia-Kompositionen. Trotzdem mit Gehalt und viel Charakter. Sogar Latakia-Einsteigern empfehle ich dieses Kraut mit Nachdruck. Es zeigt, wie harmonisch ein Tabak sein kann, bei dem „Big L" nicht die Hauptrolle spielt. Irgendwie ein feiner geschliffener „965“ mit zusätzlicher Süße... und einfach lecker!

2) Das mache ich jetzt öfter. Mögen mich die Nachbarn für bekloppt halten. So ein leckeres Latakia-Pfeifchen auf dem Balkon ist ein fabelhaftes Mittel gegen aufkommende Winterdepressionen! Zudem habe ich hier noch ein paar Döschen, die auf ihren Auftritt warten.


Diese Dunhill-Vorstellung kommt übrigens ganz bewusst ohne den Vergleich des aktuellen „Aperitif“ mit den früheren Murray-Versionen aus. Ich kann das Genöle über die früher angeblich so viel bessere Machart nicht mehr hören und lesen. Es gibt sie nun einmal nicht mehr und damit basta. Früher... früher war auch mehr Lametta. Es gibt guten Grund, sich an den aktuellen Dunhill-Tabaken zu erfreuen... und das sollten wir tun.

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Mittwoch, 26. November 2014

Holger Danske - Royal Navy Flake

Ich war mal wieder auf der Suche nach einem Virginia-Flake. Möglichst reinrassig sollte er sein, und mit einer guten Natursüße geprägt. Mein Auge fiel dann beim Stöbern auf den Holger Danske „Royal Navy Flake“, der mich preislich als auch „dosendesigntechnisch“ ansprach.


Also nix wie los und bestellt. Kurze Zeit später kam er dann an, fix ausgepackt und Rüssel rein. Ja.... Virginia-Süße, wie ich sie haben wollte. Ein wenig (und wirklich nur wenig) Fruchtaroma lässt sich im Hintergrund erkennen. Vordergründig kommen schön das Heu und der Honig durch. Gerade das Honigaroma erinnert mich dann doch etwas an den MacBaren „Navy Flake“. Nur ist er von weicherer Konsistenz, lässt sich aber trotzdem per Knick und Falt in die Pfeife einbringen.

Gesagt, getan und Feuer frei. Schon die ersten Züge stellen klar, was mich erwartet. Virginia soweit der Gaumen schmecken kann, mit einem leichten Anflug von Frucht. Am ehesten etwas zitrusartig würde ich behaupten. Nach drei Zündungen lässt er sich auch bequem und entspannt neben der Gartenarbeit runter rauchen. Sofern man das ganz in Ruhe betreibt. Sonst neigt er, wie viele Virginias, zum Biss. Er kommt auch mit der richtigen Feuchte an. Ich musste ihn nicht erst trockenlegen. Außer einem Häuflein Asche und ein paar kleinen Tabakkrümeln bleibt auch nicht viel übrig. Das Nikotin spielt sich für mein Empfinden im unteren Mittelfeld ab. Geraucht habe ich ihn, wie immer, mit Filter.

Fazit: Wer einen unaufgeregten Virginia-Flake sucht, oder damit liebäugelt, einen Flake zu testen, könnte hier durchaus fündig werden. Er lässt sich auch schön nebenher rauchen. Nur gegen Abend wird er dann doch etwas zu leicht für mich. Da ziehe ich derzeit doch eher etwas gehaltvolleres vor.



Autor: Chris Henck

Donnerstag, 20. November 2014

Arsch hoch und Spaß daran haben!


Wir können in Deutschland allmählich mal aufhören, irgendwelche ehemals "heiligen" Pfeifenländer zu vergöttern. Frankreich, die Wiege der Pfeife? Wenn Ihnen mal wieder nach einer deftigen Depression ist, besuchen sie St. Claude. Die französische Pfeifenkultur dümpelt mittlerweile im besseren Mittelmaß vor sich hin. England, die "Grand Nation" der Pfeife? Gibt es dort, außer den sattsam bekannten Establishment-Lieferanten überhaupt noch eine originelle, lebendige Pfeifenszene, wenn man von Ian Walker und seinen "Northern Briars" absieht? In den hier so überzogen vergötterten Landstrichen von Irland und Schottland sieht es genauso trist aus. Wirkliche, ursprüngliche Produkte für den Pfeifenmarkt sind doch auch dort längst Geschichte! Dänemark? Das Land, dass dem deutschen Pfeifenraucher eine Ewigkeit lang als Paradies verkauft und auch so empfunden wurde? Natürlich gibt es hier noch viele, alte Stützen der seligen Pfeifenwelt. Doch die Betonung liegt eher auf alt, denn auf selig. Ausgenommen von dieser Beurteilung ist natürlich die Lichtgestalt von Poul Winslow... dazu aber später. Ja, natürlich darf auch Italien nicht vergessen werden. Große Tradition, immer noch große Künstler und erfolgreiche Firmen... aber auch der Produktionsstandort der, zum Teil sehr fragwürdigen, aktuellen Stanwell-Pfeifen. Sicher also auch kein Grund für einen „ehrerbietenden“ Kniefall.

Wo also spielt im westlichen Europa tatsächlich die lauteste und beste Pfeifenmusik? Na, stehen Sie doch mal auf und sehen Sie aus dem Fenster. Schenken wir uns doch zukünftig mal die ganze Katzbuckelei und registrieren selbstbewusst, dass Deutschland unter den Ländern mit Pfeifen-Tradition die mittlerweile klar dominierende Rolle spielt. Das ist sogar unseren Freunden auf der anderen Seite des Teiches aufgefallen... nur uns scheinbar noch nicht... und es beschränkt sich nicht nur auf die Szene des Pfeifenbaus. Tabak-Manufakturen, eine rührige Fan-Szene, wirklich gute Blogs und Foren, kleine, aber originelle Pfeifen-Messen und -treffen. Das alles sind Gründe, auf das "Pfeifenland Deutschland" und auch ein wenig auf uns selbst, stolz zu sein!


Was noch fehlt, zum Pfeifenglück? Nun, zum Beispiel ein wenig mehr Rührigkeit und Gehirnschmalz bei vielen Machern und Firmen. Bei ihren Pfeifen gehören sie oft zur Bundesliga, manche sind sogar für die Championsleague qualifiziert... was aber ihre Chancen-Ausnutzung in Sachen Präsentation und Werbung angeht, erreicht ihr Niveau nicht einmal die Kreisklasse. Da gibt es Webseiten, gegen die jeder Friedhof einen höheren Unterhaltungswert besitzt, da wird jede kostenfreie Möglichkeit, sich zu präsentieren, konsequent gemieden. Nach dem Motto: "Ja, ich baue tolle Pfeifen... aber warum sollte ich das jemandem zeigen und sagen?" Wenn dann eine Veranstaltung ansteht, werden Pläne geschmiedet, Verbindungen geknüpft und Ideen geboren... und all' das ist dann zwei Wochen später wieder sanft entschlafen. Die Verschnarchtheit vieler Pfeifenkünstler ist wirklich kaum in Worte zu fassen.



Nein... es sind nicht alle so, das ist mir klar... aber bei manchen Machern befällt einen diesbezüglich die blanke Verzweiflung. Dabei ist es doch gar nicht so schwer. Wer wissen will, wie es geht, der studiere Poul Winslow, nehme sich ein Beispiel an dessen Cleverness und Bereitschaft zur harten Arbeit. An dessen Zuverlässigkeit und Marketingwissen. Dieser Mann ist nicht umsonst dort angekommen, wo er nun ist. Zu groß als Beispiel? Ok, dann empfehle ich Ludwig Lorenz genau anzusehen. Eine gute Seite, attraktive Aktionen, verlässlich gute Ware und viel Engagement. SO geht das, Herrschaften! Doch auch bei uns Fans liegt viel im Argen, was die Belebung und Erhaltung unserer tollen Pfeifenszene angeht

....und komme mir jetzt bitte niemand mit Facebook und Co. Ein paar hin getippte Sätzchen, ein geklicktes Däumchen sind kein Ersatz für eine real existierende, sich gegenseitig befruchtende und engagierte Pfeifenwelt. DIE erwirbt ihre Gesundheit erst, wenn virtuelle Gemeinschaft durch "richtiges Leben" ergänzt wird. Wo beginnt denn der Spaß für den Menschen durch den Menschen? Wenn ich als Kunde vorm Tresen eines leidenschaftlichen Händlers stehe, wenn ich mich mit Freunden zu einem Pfeifchen verabreden und ihnen beim Gespräch in die Augen sehen kann, wenn ich auf einer Messe Hunderte treffe, die meine Leidenschaft teilen, wenn der Duft von Tabak, Kaffee und Würstchen in der Luft liegt, wenn ich nicht nur in Pseudonymen denken und reden muss, sondern Gesichter sehe und richtige Namen aussprechen kann... wenn sich beim Spaziergang zwei völlig wildfremde Pfeifenraucher gegenseitig anlächeln. Das hier... und alles, was sonst auf den virtuellen Wegen durch die Pfeifenwelt geistert, ist nur ERGÄNZUNG. Bitte nicht mit dem wirklichen Leben verwechseln!


Was ich will? Nun, einen Teil dessen, was ich für mich verwirklichen will, habe ich bereits mit großer Freude umsetzen können. Ich treffe mich mit Machern, Freunden, lieben Menschen. Suche sie auf oder empfange sie gern in meiner kleinen Pfeifenbude. Ich besuche Fachgeschäfte und Messen, so sie in gut erreichbarer Entfernung liegen und lasse wieder mehr "echtes Leben" zu. Das ist, was ich in Ergänzung zur Arbeit an diesem Blog als den Spaß an der Pfeife und an den Menschen dahinter für mich definiere. Davon wünsche ich mir mehr, überall... als Gemeinschaft zwischen Produzenten und Machern auf der einen und Liebhabern und Kunden auf der anderen Seite.

...und damit bin ich nicht allein, wie die erfreulichen Erfolge solcher Veranstaltungen, wie Speyer und Lohmar beweisen. Wenn wir DAS schaffen... auf der einen Seite professionelle und bereichernde Nutzung des Werkzeugs Internet und auf der anderen Seite zumindest regionale Zusammenkünfte, Stammtische oder spontane Treffen... wenn wir das schaffen, haben wir die Chancen, die der wunderbare deutsche Pfeifenmarkt bietet, zu unser aller Freude und Nutzen ausgeschöpft. Dafür, denke ich, lohnt es sich, etwas zu tun.


...und bitte: Ich kann dieses abgenudelte Argument vom Zeitmangel nicht mehr hören oder ertragen! Wenn ALLE so denken und argumentieren würden, gäbe es kein Speyer, keine YT-Videos, keine Foren-Organisation, kein Lohmar, keinen Blog. Denn DIE Leute, die diese Sachen stemmen und organisieren, haben ihre Zeit auch nicht auf dem Rummel geschossen. Sie sind nur dazu bereit, nicht ewig zu konsumieren, sondern auch selbst zählbare Ergebnisse beizutragen! Die deutsche Pfeifenszene hat allen Grund, stolz auf sich zu sein... aber keinerlei Veranlassung, die Hände in den Schoss zu legen!


Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Montag, 17. November 2014

Zickenterror - Ein Mysterium!

Sixten Ivarsson wird das Zitat zugeschrieben, dass Pfeife "90% Physik und 10% Religion" sei. Ich würde das für diesen Artikel gern abändern... in 80% nachvollziehbare Vorgänge und 20% Mystik. Ein schönes Beispiel ist die Stanwell "Nordic 256" (also noch eine richtige Stanwell), die ich zeitgleich mit Claas Roßmann vor über vier Jahren kaufte. Die Form faszinierte mich und die Besitzer-Freude war groß. Das änderte sich rasch, nachdem die Pfeife in Betrieb ging. Völlig undifferenzierter Geschmack, egal welches Kraut geladen war, schlechtes Glimmverhalten und spätestens beim letzten Drittel Geschnorchel und durchnässter Tabakrest. Nach beinahe 30 Jahren Pfeifenerfahrung ging ich mal davon aus, dass es keine Anfängerfehler seien, die mir die Pfeife verleideten. Somit begann die Suche nach technischen Problemen.


Die ganze Litanei: Erweiterung des Zugkanals im Mundstück, Aufbohrung des Zugloches im Kopf auf 4mm, Wechsel auf Stanwell-Filter, des besseren "Durchzugs" wegen. Ergebnis gleich null. Der Zufall ergab, dass Claas vorbei schaute, die "Nordic" im Gepäck und die gleichen Probleme schildernd. Hm? Wir suchten lange nach Erklärungen, fanden sie aber nicht. Das führte dazu, dass Claas seine "Nordic" entnervt und günstig verkaufte. Ich hätte vielleicht das Gleiche getan, konnte aber die "getunte" Pfeife nicht mehr mit gutem Gewissen anbieten. So fand sie den Weg ins Regal, um dort regelmäßig Staub anzusetzen. Als mal wieder allgemeiner Pfeifenputz angesagt war und ich sie in den Händen hielt, fiel mir auf, dass sie nun schon fast zwei Jahre bei mir war... und in der Zeit nicht einmal wieder ihrer Bestimmung nach kam - weil ich mir die nervige Zickerei ersparen wollte.


Was tun? Die Google-Suche nach einem Pfeifen-Exorzisten gestaltete sich erfolglos... und einen offenen Kamin, in den ich sie hätte werfen können, haben wir nicht. Nun... dann also Plan B. Sie wurde von Stund' an täglich geraucht, immer wieder, zickig oder nicht.... und was soll ich sagen? Nach rund zwei Wochen hatte ich eine lammfromme Pfeife, die gut schmeckte, vorzüglich glomm, mit allen Kräutern zurecht kam... und (ich wage es kaum zu sagen) beim Rauchen richtig Spaß machte. DEN macht sie immer noch, sie wird regelmäßig genutzt und ist aus der Reihe meiner liebsten Pfeifen kaum noch weg zu denken.


Ich habe in den letzten fünf Jahren vier Pfeifen mit den gleichen Symptomen gehabt. Schön gleichmäßig verteilt, eine Stanwell, eine Stollenwerk, eine Crown und eine Knudsen. Wenn Sie nun aber glauben, ich könne Ihnen sagen, wo die Probleme wirklich lagen, muss ich Sie enttäuschen. Der Erklärungsversuche gibt es viele. Nicht recht ausgelagertes Holz, was sich erst einrauchen muss und ähnliche Geschichten liest und hört man immer wieder. Selbst Rick Newcombe hat diesem Mysterium schon Artikel gewidmet... doch auch er wusste keine schlüssige Antwort.


Warum schreibe ich das hier also, wenn ich auch keine Lösung für dieses geheimnisvolle Rätsel habe? Sehen Sie diese Zeilen als moralische Stütze. Immer wieder begegne ich Pfeifenrauchern, die mir ihr Leid über eine Pfeife klagen, die einfach nicht funktionieren, nicht schmecken will. Mein Tipp: Legen Sie sie einfach eine Zeit zur Seite und dann überwinden Sie sich. Rauchen Sie gegen die schlechten Eigenschaften an, zähmen Sie den Mustang. Oft wird Ihnen die Mühe gedankt werden. Durch eine Pfeife, die Sie plötzlich lieb gewinnen, obwohl Sie sie so oft zum Teufel gewünscht haben. In dem Fall sind sinnvolle Erklärungen dann auch weniger wichtig... und man kann mit dem spannenden Gefühl leben, dass eben nicht alle Dinge im Pfeifenkosmos ergründbar sind! Das hat doch auch was...

Ihr Ralligruftie




Autor: Ralf Dings

Freitag, 14. November 2014

Fribourgh & Treyer - Cut Virginia Plug

Seit ein paar Tagen setze ich meine „raucherische“ USA-Reise fort. Denn zur Serie „The Walking Dead - Staffel 3“ mag ich dann beim besten Willen keinen hocharomatischen Tabak rauchen, sondern es soll Virginia sein. Der „Cut Virginia Plug“ von Fribourgh & Treyer hat mich mal wieder daran erinnert, dass der, der lesen kann, sich klar im Vorteil befindet. Und auch die flache Dose hätte mir von Vorhinein klar machen müssen, dass ich hier keinen Tabakblock vorfinden kann. Man hätte also auch durchaus schlicht und einfach „Flake“ auf die Dose schreiben können. Hätte....? So oder so ist also die Darreichungsform des Tabaks geklärt. Dass sich da aber noch etwas mehr hinter versteckt, erklärt sich dann möglicherweise folgendermaßen:

Wie lange so ein Tabakkuchen für gewöhnlich gepresst und dann zu einem Flake in Streifen geschnitten wird, dürfte sehr unterschiedlich sein. Da hat jeder Tabakmeister so seine eigene Philosophie. Klar dürfte aber auch sein, dass ein „waschechter“ Plug noch länger gepresst wird und dann mit der gebotenen Reife als Ganzes an den Kunden ausgeliefert wird. Also gehe ich davon aus, dass Fribourgh & Treyer mir die Arbeit abgenommen und ihren Plug für uns Raucher bereits zerschnitten haben. Ob das der Weisheit letzter Schluss ist, sollen andere beurteilen.


Was ich aber sagen kann, ist, dass der „Cut Virginia Plug“ ein superber Virginia ist. Mittelbraune, sehr gut portionierte Flakestreifen, die nach Brot durften. Im Händling sehr einfach stopfbar und zu entzünden. Von Beginn an eine angenehme Süße, süffig, etwas Würze und ein ganz kleines bisschen hinzu gefügtes Aroma von Vanille und Zitrusnoten. Das gefällt. Ein Meisterwerk!


Nein, auch ich gehöre nicht mehr zu denen, die die amerikanischen Tabake heilig sprechen. Zu viel Blödsinn wird auch jenseits des großen Teiches, insbesondere im Bereich der Hocharomaten, produziert. Aber wenn ein Tabak in seiner gesamten Komposition ganz einfach hervorragend ist, dann muss man es auch sagen. Ein Presstabak, der vielleicht noch dem Dunhill „Flake“ ein bisschen ähnelt, mit einer unnachahmlich dosierten Süße. Mittelstark und gar nicht mal unangenehm im Raum. Sowohl mit, als auch ohne Filter, ein Genuss!



Autor: Ralf Ruhenstroth

Montag, 10. November 2014

Ost-Südost = Terra Incognita? SPEZIAL Oldrich Jirsa - Tschechien

So, der Dan Pipe-Katalog dürfte inzwischen in allen Ecken des Landes angekommen sein. Die Neugier ist befriedigt, die Tabake bestellt... Übergang zur Tagesordnung. Einen Moment, bitte! Kann es sein, dass vielen Pfeifenfans beim ersten Durchblättern, durch die einsetzende Reizüberflutung, etwas Wesentliches entgangen ist? So, wie mir?!

In den betont überzogenen Zeiten, in denen wir leben, sollte man mit der inflationären Verwendung von Superlativen vorsichtig sein, will man seriös berichten. Trotzdem... als ich nun den DP-Katalog erneut und mit viel Muße durchblätterte, ist mir erst bewusst geworden, mit welch' phantastischen, neuen Shapes uns Oldrich Jirsa in diesem Jahr beglückt. Wollen wir mal zusammen schauen?

Copyright: Dan Pipe

Copyright: Dan Pipe

Lassen Sie doch die fabelhaften "Flaker" Shape Nr. 90 und Shape Nr. 215 mal auf sich wirken. Die sanften, fließenden Schwünge, die harmonischen Übergänge von rund zu eckig. Das dezente "Brandy Glass"-Design der Shape Nr. 165... die organisch und schmeichelnd geformte Bent (Shape Nr. 146), die Shape Nr. 17 als "knuffiges" Statement... Ist das nicht dänische Klassik vom Feinsten? Das "chonowitscht" zum Teil derart, dass ich dem Charme dieser Formen sofort erliege!

Copyright: Dan Pipe

Copyright: Dan Pipe

Copyright: Dan Pipe


Dazu gesellen sich bewährte Klassiker, wie die Nr. 107 oder die Nr. 208. Das hat Stil, das hat Aussagekraft... und alles zu sehr budget-freundlichen Kursen. Wer Gefallen an den hübsch rustizierten Exemplaren findet, ist schon für 49,50 Euro dabei. Das hat dann keinesfalls die Anmutung von "zweckmäßiger Pfeife für Beginner", sondern weckt auch in gestandenen Sammlerherzen den Besitz-Wunsch.


Zudem wage ich als zufriedener Raucher dreier Jirsa-Modelle die Aussage, dass es sich um gut rauchbare und zufriedenstellend verarbeitete Tabakpfeifen handelt. Gut, wo soviel günstiges Licht ist, findet man auch Schatten.



So ist die weiße Farbe des Logos nicht sehr beständig und ein Biss-Fächer hat gelegentlich "eigensinnige" Form. Wenn man aber damit leben kann (und es gestaltet sich nicht sonderlich schwierig) erhält man originelle, zum Teil wunderschön geformte Pfeifen, mit denen sich das Raucher-Dasein glücklich und zufrieden fristen lässt.

Copyright: Dan Pipe

Copyright: Dan Pipe

Copyright: Dan Pipe


Wem nach noch mehr Oldrich Jirsa ist, der schaue sich die Pfeifen der "Torben Dansk"-Serie an. Bei "Garm", "Grid", "Hati" und Co. geht die Schwärmerei und Schwelgerei in dänischer Klassik weiter... und spätestens bei "Thrud" (was für eine Linie!) und "Loke" schaue ich verstohlen nach meinem Kontostand und suche händeringend nach Argumenten für eine neue Pfeife!

Copyright: Dan Pipe

Copyright: Dan Pipe

Nein, von Terra Incognita kann bei Oldrich Jirsa aus Tschechien wahrlich keine Rede mehr sein. Doch auch wenn er längst einem breiteren Kreis von Pfeifenfreunden bekannt ist - er überrascht immer wieder!

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings





Aus dem Fundus von Jogi:




Freitag, 7. November 2014

HU-Tobacco - Red Sparkle

Eigentlich müsste es hier ja richtig dänisch zu gehen. Denn in dieser Komposition von Hans Wiedemann findet man neben Virginia-Tabaken, Kentuckys und einem Hauch von Perique ein interessantes Lakritz-Casing. Nicht wirklich von mir ernst gemeint. Aber keine Bange, der Mann dreht nicht am Rad, sondern er scheint es neu zu erfinden. Dabei wurde mit Bedacht und empfohlener, angezogener Handbremse vorgegangen.


Erdiger Duft, satt und einigermaßen kräftig, dezent säuerlich und ein Hauch von Süßholz. Ein überwiegend dunkelbraunes und leicht rötlich glitzerndes Tabakbild wirkt für den Freund aussagekräftiger Tabake einladend. Man sollte diesen Burschen nicht einfach nur nebenher rauchen. Ein größerer Kopf und dann mit Gemütlichkeit und vielleicht einem guten Glas Rotwein.

Der „Red Sparkle“ ist mittelkräftig, lässt etwas Virginia-Süße zu, der Kentucky darf hin und wieder seine Muskeln spielen lassen. Und über allem schwebt ein sanftmütiges, aber würziges, Casing, welches im Zusammenspiel mit dem Perique spürbar zur Geltung kommt. In der Tat kein Tabak von der Stange. Wiedemann eben, der auch mal dem Hang zur Nische und somit zu etwas Besonderem nach gibt. Dafür gebührt dank von allen Tabakfreunden, die dem Mainstream nicht mehr willenlos hinterher laufen möchten. Eine Mischung, die sich in eine Reihe von außergewöhnlichen HU-Tabaken einreiht.


Autor: Ralf Ruhenstroth

HU-Tobacco - Scotney

Wir müssen jetzt ein wenig vorsichtig an die Sache heran gehen, um Missverständnisse zu vermeiden. Ja, es ist ein Ready Rubbed aus drei verschiedenen Virginias. Dazu kommen 10 Prozent Perique... und ja, die Tomate spielt eine delikate Rolle. Nein, dieser Tabak stammt nicht von Mc Clelland aus den USA und riecht nicht nach Ketchup. Denn während der Ketchup-Geruch der Mc C.-Mischungen durch den verwendeten Essig entsteht (Konservierung), sie ansonsten mit der roten Frucht aber nichts zu tun haben, hat Hans es tatsächlich getan!


Warum auch nicht? Kirschen, Erdbeeren, Trauben, Mango und was weiß ich noch sind ja auch Früchte. Befindet sich deren Aroma in einem Pfeifentabak, kriegt keiner große Augen. Jetzt bekommt also Solanum lycopersicum die Chance, einen Tabak zu veredeln... ist doch die Tomate auch nur eine Beere. Hier geht es aber nun nicht um irgendeine Rauchpappe mit literweise Tomatensaft. Schließlich steht H.U. auf der Dose - da darf man was erwarten... und wird nicht enttäuscht.

Dunkelbraune bis schwarze Presstabake, sorgsam aufgerieben, präsentieren sich appetitlich duftend. Erdig, dunkel, ein wenig zitronig, der Duft von Feigen, Pflaumen - die 10% Perique lassen grüßen. Der Griff in den Tabak ergibt optimale Kondition, nicht pappig, nicht strohig... wunderbar. Sorgsam und mit genug Luft zur Ausdehnung der Fasern in einen mittleren Kopf gebracht, glimmt er schon nach zwei-drei Versuchen ruhig vor sich hin.

Man bekommt, was man erwartet. Heuige, sanft süße Noten des Virginia, Spritzigkeit mit pikanter Note vom Perique... und... ja, tatsächlich... das dezente Aroma reifer Tomaten. Ihre säuerlich-süße Note ergänzt die Mischung delikat und frisch. Dazu gesellt sich ein Hauch des ätherischen Duftes, der entsteht, wenn man die Blättchen der Tomate zwischen den Fingern zerreibt.


Ungewöhnlich zunächst, man staunt, wie fein das schmecken kann... und darüber, wie gut es Hans Wiedemann und seinen Profis gelungen ist, dieses Aroma zu keiner Zeit aufdringlich wirken zu lassen. Die mittlere Stärke der Mischung trägt auch dazu bei, dass der Inhalt der Dose rasch schwindet. Ein samtiger Genuss, der auch Einsteiger in die eher naturbelassene Richtung nicht überfordert.

Wieder mal ein toller Wurf von Hans Wiedemann. Diesem, in positiver Weise verrückten Kerl, hat die Pfeifenszene viel zu verdanken. Jenseits der vielen, angeblichen "Exclusiv-Tabake", die doch nur Dutzendware mit anderem Etikett sind, jenseits der Mainstream-Langeweile, mit der uns die "Großen" der Branche quälen, jenseits der immer gleichen 08/15-Grundmischungen suchte und sucht Hans Wiedemann neue Wege... und er hat sie gefunden, wie viele großartige Mischungen aus seinem Programm beweisen.


...und die vielen Pfeifenfreunde, die sich grämen, weil sie nicht in den Genuss der "heiligen, amerikanischen Kräuter" kommen, können sich entspannen. WIR haben einen Tabak-Magier, der es mindestens genauso gut kann - wenn nicht besser!

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Donnerstag, 6. November 2014

DTM - Choo Choo Train

Choo Choo Train – DTM's 25th Anniversary“ heißt der neue, aromatische Flake aus dem Hause Dan Pipe. Die abgebildete Dampflok (die hier offensichtlich nicht streikt, weil dessen Personal nicht gewerkschaftlich organisiert ist) ist ein Sinnbild der nunmehr 25-jährigen Geschichte der Dan Tobacco Manufaktur.


Nach dem Öffnen erblicken wir die angekündigten hellen und rötlichen Virginia Grades. Und der süßliche Duft, der da aus der Dose strömt, ist ein Waldhonig-Casing. Plus einem feinen Vanille-Flavour. Nach dem gerade diese Kombination für mich bei so manchem Ami schon heftig in die Hose gegangen ist, ich erinnere da gerne auch an McClellands Premium Aromatic Serie, konnte ich ein inneres Unbehagen vor den ersten Füllungen nicht verbergen.

Von der Haptik erinnert mich der „Choo Choo Train“ an den „Elwood Flake N° 2“. Das bedeutet schon mal etwas Gutes. Denn während mir der „Shannon Flake“ von DTM bereits beim Herausnehmen aus der Dose auf die Knie bröselte, zeigt dieser Flake genau die richtige Dichte und Konsistenz auf. Fein in sich eingewickelt, streift man sich eine Portion ab, drückt sie sanft in die Pfeife und hat auch keinerlei Probleme mit dem Anzünden.

Nun, es ist ein sehr süßliches Spektakel, was sich hier offenbart. Weich und geschmeidig, betörend... also eher etwas für Juniortütenesser. Alle Freunde der englischen Richtung werden nach den ersten Zügen fluchtartig das Haus verlassen. Zurück bleiben werden Naschfreunde, die vor keiner Bonbontüte halt machen. Für die kann der „Choo Choo Train“ tatsächlich der Hammer sein.

Trotz des netten Aromas sollte man bedächtig zur Sache gehen. Der Tabak ist nicht stark, aber es ist Virginia. Hastiges Ziehen kann Zicken und Kratzen.... aber ganz ehrlich: Wer zieht an einem Flake wie ein Bekloppter? Ergo brennt der Tabak gemütlich runter und hinterlässt mittelgraue Asche im Kopf. Die Raumnote stimmt, hier lenkt das Aroma von dem sonst so gewöhnungsbedürftigen Virginiaduft im positiven Sinne ab. Aromafans, die sonst vor Flakes zurück schrecken, sollten hier ganz einfach mal zugreifen. Alleine schon wegen der einfachen Handhabung und dem durchaus angenehmen Geschmack. Letzterer ist natürlich, wie immer, Geschmackssache, aber Qualität ist auch hier wieder garantiert. Check it!




Autor: Ralf Ruhenstroth

Imperial Tobacco - Amsterdamer

Alter Bekannter? Dass Tabakmischungen der sogenannten holländischen Richtung mittlerweile auf der Roten Liste aussterbender Spezies stehen, darf mittlerweile als Binsenweisheit gelten. Umso mehr traf mich ein Blitz der Freude, als ich kürzlich während eines Urlaubs in Frankreich in einem Tabakladen einen vermeintlich alten Bekannten mir aus dem Regal entgegen lächeln sah: Den „Amsterdamer“!


Freilich: Dieser Tabak wurde noch nie in den Niederlanden produziert, sondern lediglich nach einem niederländischen Rezept in Frankreich, und zwar von der allseits bekannten SEITA (Société d'exploitation industrielle des tabacs et des allumettes) und fand sich vor vielen Jahren auch gelegentlich in Tabakregalen von Händlern hierzulande. Eine leichte Verwunderung keimte in mir auf, als ich die Zusammensetzung der Mischung las: Burley, Cavendish, Cigar Leaf, Kentucky, Virginia. Wo war der ansonsten in niederländischen Mischungen stets präsente Java abgeblieben? Zudem konnte ich bereits vor dem Öffnen der Packung feststellen, dass der „Amsterdamer“ nun unter der Flagge von Imperial Tobacco segelte.

Die geöffnete Packung präsentierte mir ein durchaus ansprechendes Tabakbild von rötlich - brauner Färbung. Nur der für einen Pfeifentabak sehr feine Schnitt fiel sofort ins Auge. Die Grenze zum Feinschnitt lag hier nicht mehr weit entfernt. Der Packung entströmte ein durchaus angenehmes Aroma, welches deutlich vom Kentucky geprägt wurde. Eine leichte Kumarin Note schwang im Hintergrund mit.

Das Befüllen einer vorsichtshalber kleinen gewählten Pfeife, mit dem ideal befeuchteten Tabak in wirklich lockerer Weise stellte sich als richtige Wahl heraus. Das Entzünden der Pfeife gelang ohne größere Probleme - zu problemlos! Der Tabak brennt auch bei äußerst behutsamem Zugverhalten mit der Geschwindigkeit einer Lunte ab. Und obwohl ich persönlich auch vor heftigeren Tabaken wie dem „Irish Flake“ oder gar dem Samuel Gawith „Black XX“ nicht zurückschrecke, schlug dieses Kraut in meinen Augen dem Fass den Boden aus. Nein, nicht wegen des doch eher geringen Nikotingehaltes, sondern vielmehr aufgrund seines überaus sauren Charakters! Beim verarbeiteten Rohtabak scheint es sich ganz offensichtlich um vollreifes Blattgut mit hohem Zuckergehalt zu handeln, also um den prädestinierten Rohstoff für Zigarettentabake.

Und so schmeckt die Füllung auch: Nach einer Mischung aus Zigaretten Feinschnitt und alter Seegras Matratze. Von der Raumnote ganz zu schweigen, die eher in die Richtung Braunkohletagebau geht. Mit dem „Amsterdamer“ in meiner Erinnerung hat dieses Kraut nichts mehr gemein. Wer von Euch eigene Erfahrungen in dieser Hinsicht sammeln möchte, darf in Frankreich derzeit für die 40 g Pouch 8,40 Euro investieren. So, und jetzt stopfe ich mir erst mal eine schöne Bulldog mit „Louisiana Flake“ vom Pfeifen Huber.
Fumans obliviscere mundum!

Max



Ein Gastkommentar von Dr. Maximillian Kellner

Sonntag, 2. November 2014

Old Boy vs. Peterson = Die Langzeiterfahrungen

"Dieses Ding taugt nicht viel... krumm und schief, maximal 30 Euro wert..." So der vernichtende Kommentar eines befreundeten Fachhändlers, als ich ihm im Juni 2013 mein Peterson-Pfeifenfeuerzeug zeigte, das mir meine Frau zum Geburtstag geschenkt hatte. Ich muss zugeben, dass auch meine Skepsis (als bekennender Old Boy-Fan) groß war. Deutlich sichtbar, dass das Peterson einfacher, grober und lange nicht so detailverliebt daher kommt wie der alte Junge. So sorgte ich mich schon um die Langzeit-Qualität und sah deutliche Vorteile beim immerhin auch 50 Euro teureren Old Boy. Ich denke, im ersten Teil meiner Betrachtungen zu beiden Feuerzeugen ist das deutlich herüber gekommen. Nun sind 16 Monate ins Land gegangen und nicht nur mit dem Peterson haben sich entsprechende Erfahrungen angesammelt... das Old Boy hat mir einige nervende Erlebnisse beschert. Zeit also, für eine entsprechende Beurteilung aus meiner Sicht.

Zunächst dachte ich, mein Old Boy sei vielleicht ein Montagsmodell. Seit seinem Kauf machte und macht es immer wieder mit den gleichen Zicken auf sich aufmerksam. An sich eine lange ausgereifte Konstruktion, für die man alle Teile mit ein wenig Mühe bekommt und das Meiste selbst machen kann. Großes Plus. Das es allerdings nur für eine gewisse Zeit dicht ist, bestätigten mir etliche Nutzer genauso, wie die hohe Empfindlichkeit der Düse.


Die Undichtigkeit resultiert aus der nachlassenden Spannkraft der Feder unter dem Scharnier des Verschluss-Hammers und dem gleichen Problem der hinter dem Scharnier sitzenden L-Federn. Das Problem ist lange bekannt, tritt oft auf und kann den Spaß am OB schon deutlich mindern. Die Erneuerung der Federn ist zwar in Eigenarbeit möglich, die Ersatzteile sind günstig... aber es ist schon ein kniffliges Stück Arbeit.


Bei einem Feuerzeug für 150 Euro sollte dieser "Eingriff" trotzdem nicht jedes Jahr einmal nötig sein - soviel ist sicher. Die Düse ist extrem empfindlich gegen Verschmutzungen von außen (Rußpartikel) und innen. Zu den inneren Verschmutzungen kommt es, wenn man Gase der billigen, ungereinigten Sorte verwendet. Darin befinden sich feinste Metallpartikel (aus nicht einwandfreien Leitungen, durch die das Gas bei seiner Produktion strömt), die die OB-Düse gern mal verstopfen... oder sogar ins Jenseits befördern.


Das ist nun einmal der Preis für die feine Düse am OB und der damit verbundenen, feinen und gerichteten Flamme.

Die Düsen-Probleme blieben mir bislang erspart... allerdings nur, weil ich konsequent Rowenta-Gas für das Old Boy benutze. Über 3 Euro für 65 ml kommt man hinweg... wenn sich aber mal wieder schleichend die Undichtigkeit des alten Jungen einstellt, wird es ein teurer Spaß! Für eine einwandfreie Funktion stellt das OB aber auch noch andere Ansprüche. So ist das Reibrad recht fein geriffelt und setzt sich bei der Verwendung weicher Feuersteine (z.B. Zippo) schnell zu. Schlechter Funke = schlechte Zündung. Der Mechanismus des Verschluss-Hammers ist auch nicht gern verdreckt, da er sonst seine ohnehin schwache Federkraft noch mehr verliert. Kurz, nach jeder dritten Füllung wird bei mir die weiche Zahnbürste bemüht, um mit sanfter Seifenlauge wieder für Sauberkeit zu sorgen. Gut trocknen, ein Tropfen WD-40 ans Scharnier... und weiter geht es. Oh ja, mein Old Boy hat es schon gut, bei mir. Doch, auf Dauer ist seine Wartungs-Intensität schon etwas nervig. Das führt dazu, dass bei vielen meiner Pfeifenfreunde der alte Junge den Weg in die dunkle Schublade gefunden hat.


Ist denn nun das Peterson eine erholsame, die Nerven schonende Alternative? Ja... und das kann ich im Brustton 16-monatiger Erfahrung sagen. Was man ihm vorwerfen kann, ist seine mechanische Grobschlächtigkeit - angewandte Feinmechanik ist anders. Bisweilen finden sich Gussgrate, der Verschluss-Hammer sitzt gern etwas windschief auf der Düse und Teile, die man beim OB per Schraube entfernen kann (Zündstein-Röhrchen) sind einfach genietet und erschweren u.U. Reparaturversuche. Erst nach einiger Zeit des Gebrauchs merkt man, dass diese Nachteile dem Feuerzeug teilweise zum Vorteil gereichen. Wie das?


Zum Beispiel der Verschluss. Mag er schief sitzen wie er will... er ist ohne jeden Eingriff dicht - seit 16 Monaten. Er schließt mit einem satten "Klack" - die Düse bekommt ordentlich was auf den Hut und macht, was sie soll: schließen! Das mag nicht elegant sein - aber zweckmäßig. Der aufgeräumte Feuerzeug-Kopf erleichtert zudem die Reinigung. Die größere Bedüsung macht zwar die Flamme weicher und weniger zielgerichtet, verkraftet aber auch nicht ganz so snobistisches Gas ohne Murren!

Das Peterson wurde bei mir als "Working Dog" engagiert. Sein Job war und ist, Feuerquelle am Arbeitsplatz zu sein. Es wurde nicht geschont, befand sich häufig in der Hosentasche, gemeinsam mit dem Stopfer, es wurde nur halb so oft gereinigt und gewartet, wie das Old Boy.... und? Es funktioniert. Dank gröberem Reibrad auch mal mit weicheren Steinen, dank grober Mechanik sicher und zuverlässig... und mehr kann man nicht verlangen. Die befürchteten Lackschäden am Außenmantel blieben aus, das verwendete Metall zeigt sich ebenfalls widerstandsfähig. Alles schön mit Herrn Peterson.


Immer, wenn ich gerade das Old Boy mal wieder abgedichtet, gereinigt und befüllt habe, regt sich doch der Besitzerstolz und die Freude an der herrlichen Mechanik. Bis es wieder neue Zicken gibt und sich das Peterson mit seiner kumpelhaften Robustheit erneut ins Herz schleicht. Schwer, Partei zu ergreifen.


Entscheiden Sie selbst, wem IHR Herz gehört. Berücksichtigen sollte man allerdings, dass das Peterson in der Anschaffung ein ganzes Drittel günstiger ist. Problemlosigkeit und robuste Mechanik sind für mich entscheidende Punkte bei Geräten und Werkzeugen des täglichen Gebrauchs. Ich mag die Teile mit dem großen P.

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Samstag, 1. November 2014

News 2014: Neues von Jürgen Börner

Der Meister der filigranen Eleganz präsentiert hier fünf neue Versuchungen in Bruyere und Olive. Vielleicht sind diese außergewöhnlichen Schönheiten ja das Richtige für den Wunschzettel? Weihnachten ist nicht mehr weit! (rd)

Copyright Jürgen Börner

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News 2014: Neue Pfeifen von Maike Paeßens

Die Berliner Pfeifenmacherin hat auf Ihrer Website neue, fertige Handmades eingestellt. Ein Blick lohnt sich definitiv:

1416: Rustizierte Sattel-Billiard mit einer Kontrastbeizung in braun/ orange, Applikation aus synthetischem Bernstein, größerem Füllvolumen und einem schwarzen Acryl-Mundstück für 9 mm Filter.

Copyright: M. Paeßens


1418: Teilrustizierte, filigrane Standpfeife mit einer Kontrastbeizung in schwarz/ orange, Applikation aus synthetischem Elfenbein, mittlerem Füllvolumen und einem schwarzen Acryl-Mundstück, ohne Filter.

Copyright: M. Paeßens


1421: Geschwungene Pfanne in glatter Ausführung mit einer Kontrastbeizung in braun/ orange, leicht trompetenförmig zulaufendem Holm, mittlerem Füllvolumen und einem Mundstück aus Cumberland-Ebonit für 9 mm Filter.

Copyright: M. Paeßens


1422: Sandgestrahlter, klassischer Sattel-Pot mit einer Kontrastbeizung in braun/ orange, Applikation aus synthetischem Bernstein, knapp mittlerem Füllvolumen und einem schwarzen Acryl-Mundstück für 6 mm Filter/ ohne Filter.

Copyright: M. Paeßens


1424: Geschwungene Dublin mit Natur-Borke am Kopfrand in glatter Ausführung mit sandgestrahltem, trompetenförmig zulaufendem Holm, einer Kontrastbeizung in braun/ orange, gut mittlerem Füllvolumen bei einer konischen Tabakkammer-Bohrung und einem schwarzen Ebonit-Mundstück, ohne Filter.

Copyright: M. Paeßens


Mehr Informationen findet man hier und hier. (rr)