Willkommen bei Jogi-wan...

Willkommen bei Jogi-wan...

Donnerstag, 28. August 2014

VCPÖ - Selection #4 "Scottish Mixture"

In Österreich Tabak zu bekommen ist kein großes Problem. Es gibt eine Vielzahl an Trafiken, die Tabak namhafter, europäischer Hersteller anbieten. Aber österreichischen Tabak? Das wird schon schwieriger. Es gibt in Österreich eine Anzahl hervorragender Pfeifenmacher, die von sich Reden gemacht haben. Von Tabakblendern aus Österreich hingegen habe ich bisher nichts gehört. Bei meinem letzten Besuch in meiner Trafik im 5. Bezirk wurde ich eines Besseren belehrt. Der Verband der Cigarren- & Pfeifenfachhändler Österreichs hat vor einigen Jahren eine Serie von vier eigenen Blends herausgebracht, die von der Firma Planta im Auftrag und nach Rezeptur des VCPÖ hergestellt werden. Im Einzelnen sind die Selection Nr. 1 „Aromatic Mixture“, ein Virginia, Black Cavendish Blend, mit einem Vanille- und Weißwein-Flavour; die Selection Nr. 2 „Aromatic Mixture“, ein Virgina, Burley, Black Cavendish Mix mit Nuss-Flavour; die Selection Nr. 3 „English Mixture“, eine englische Mischung aus Latakia, Virginia, Java und die Selection Nr. 4 „Scotish Mixture“, eine Mischung aus Burley, Virginia, Black Cavendish mit einem Whisky-Flavour. Die Tabake werden als 50 g Pouch oder 100 g Dosen in ausgewählten Trafiken angeboten.

Ich habe mich für die „Scotish Mixture“ und die „English Mixture“ entschieden. Der Schotte verströmt beim Öffnen des Pouches einen angenehmen, süßlichen Duft, der eher an Whiskyliquer, als an Whisky erinnert. Das Flavouring überdeckt ein wenig den eigentlichen Tabakgeruch nach Virginia und Burley, den bekommt man erst beim zweiten Zug in die Nase. Das Tabak ist ein Loose Cut und das Tabakbild gesprenkelt von den hellen Virginias, dem dunkelbraunen Burley und dem schwarzen Cavendish. Die Mixture lässt sich unkompliziert in den Pfeifenkopf einbringen und unaufgeregt, mit zwei bis drei Streichhölzern entzünden und brennt sauber bis zum Schluss, ohne viel Kondensat zu entwickeln. Nach den ersten Zügen schmeckt man ein süßliches Aroma mit einer alkoholischen Note, die entfernt an Whisky erinnert, aber nicht unangenehm ist. Später ist auch ein leichter blumiger und heuiger Anklang der Virginias zu spüren. In der zweiten Hälfte lässt das süße Aroma merklich nach und es bleibt das reine Tabakaroma zurück, welches leider auch zum Schluss verflacht. Es empfiehlt sich den Tabak bedächtig und langsam zu rauchen. Wenn man ihn zu schnell oder heftig raucht, verflachen das Aroma und der Virginiageschmack sehr schnell und die Mischung beißt und verursacht einen leichten Zungenbrand.
Als Fazit lässt sich sagen, dass die Selection Nr. 4 „Scotish Mixture“ eine akzeptable, aber keine herausragende Mischung ist, die vor allem Fans von süßlichen Mixtures und Naschkatzen zusagen dürfte.
Grüße aus dem Werdenfelser Land!



Autor: Torsten Wieczorek

Sonntag, 24. August 2014

Einrauchpaste - Geliebt, gehasst und selbst verschuldet!

Sie wird in diesem Jahr 46 Jahre alt. Seit 1968 mischt man Wasserglas und Holzkohle zu einer Paste, die in den noch ungerauchten Pfeifenkopf gestrichen wird. Das Wasserglas dient der Gluthemmung und das Kohlepulver sorgt im Kopf für die nötige Rauhheit, damit sich möglichst schnell eine Carbonisierungsschicht im Kopf bildet. Soweit die puristische Theorie. Nun gibt es aber immer Leute, die den Ball noch runder machen wollen. So fanden mit der Zeit auch Graphit (zur dunkleren Färbung), Schamott (für zusätzliche Härte der Paste) und Quarzmehl (um die Paste rauher zu machen) Verwendung. Nicht so wirklich appetitlich? Nun, es wird noch besser. Irgendein Frankenstein beschloss, dass Gummi arabicum eine tolle Alternative zum Wasserglas sei - als Bindemittel. Das das Verbrennen ätherischer Baumharze bei hohen Temperaturen dem Satz: "Rauchen schadet ihrer Gesundheit" eine deutlich ausgeprägtere Bedeutung gibt, bedachte unser Entdecker allerdings nicht.


Wie auch immer die Zusammensetzung ist... wir müssen (oder dürfen?) seit dieser Zeit mit der Paste in den meisten Pfeifenköpfen leben. ...und wenn der Liebhaber italienischer Rauchhölzer nun im Brustton der Überzeugung äußert: "Nun...ICH nicht!", so irrt er in den meisten Fällen. Um die edle Betonung zu verstärken, greifen die italienischen Freunde gern zu purem Wasserglas... und das ist nach dem Trocknen durchsichtig. Eigentlich ein sympathischer Trick, wenn man dort nicht gern auf die Idee käme, dem Wasserglas Honig zur Geschmacksverbesserung beim Einrauchen hinzuzufügen. ...und auch, wenn schon seit Generationen der Blödsinn kursiert, man solle ungerauchte Tabakräume vor dem Einrauchen mit Honig einreiben: Zucker verbrennt unter sehr hohen Temperaturen... und somit steigt die Gefahr, eine neue Pfeife zu heiß zu rauchen. Etwas, das die erwähnte Schutzpaste eigentlich verhindern soll.


Gibt es denn nun keine andere Möglichkeit, den Raucher vor dem empfindlichen Bruyere zu schützen? Stop - falscher Denkansatz! Die Paste dient dazu, dass ohnehin sehr robuste Holz vor dem Raucher zu schützen. Dem fällt nämlich auch und gerade beim Einrauchen allerhand kaum zu fassender Unsinn ein. Da wird die neue Pfeife gern zum herbstlichen Angelausflug an die Nordsee mitgenommen, oder man raucht sie mit Freude beim Auto fahren. Natürlich mit offenem Fenster, damit Mutti später nicht über ein verqualmtes Auto schimpft. Da wird jeder mögliche Unrat in die Pfeife gerieben oder geträufelt, damit sie beim Einrauchen perfekt wird... Hauptsache, viel Zucker und abnorm hohe Holztemperaturen! Nein, nein... bei der Reklamation gegenüber dem Händler und/oder Macher ist selbstverständlich nie der Raucher schuldig - IMMER das Holz. Natürlich gibt es auch Ein- oder Durchbrenner, die auf mangelhaftes Material zurück zu führen sind... oftmals durch Holzfehler, die der Macher nicht sehen konnte... Realisten schätzen diesen Anteil aber auf gerade mal 5% der Schadensfälle!


Zusätzlich dient die Paste aber auch dazu, schlechte Maserung und kleine Fehler (Spots) im Kopf zu überdecken. Ja, damit gehen die Macher ganz offen um und stehen dazu. Wobei man aus Raucherkreisen gern hört :"Ich will Pfeifen ohne Paste, damit ich mich auch vom erstklassigen Holz im Kopf überzeugen kann." - Wissen Sie, auf wie viele Pfeifen es zutrifft, dass sie außen und innen perfektes, fehlerfreies Holz aufweisen? Bei den "Liebhabern", die so etwas fordern, handelt es sich entweder um Enthusiasten mit prall gefüllter Brieftasche... oder schlicht um Traumtänzer! Ich tendiere dazu, an Zweiteres zu glauben... wie sonst käme die hohe Anzahl Pfeifenfreunde zusammen, die für 100-120,-- € absolut spotfreies Holz mit erstklassigem Grain fordern?

Ein weit verbreiteter Irrtum ist auch, dass Pfeifen mit Paste nicht eingeraucht werden müssen. Dabei hilft die Paste nur, eine Kohleschicht im Kopf aufzubauen, sie ersetzt sie nicht etwa! Also gilt auch für Pfeifen mit Paste: mit weitgehend unaromatisiertem Tabak bis zum Rand füllen, schonend und möglichst kühl rauchen - einfach achtsam sein... und das für mehrere Füllungen. Angeblich dient die Paste ja auch der Geschmacksverbesserung beim Einrauchen. Ja, nacktes Holz kokelt an seiner Oberfläche natürlich... und verglimmende Holzfasern schmecken nun einmal nicht nach Sahne-Bonbons. Doch auch unter den Einrauchpasten gibt es Verbrechen, die mit "widerwärtig" nur sehr unzureichend umschrieben sind. Man denke an die frühere Paste von Peterson oder an das ekelhafte Geschmiere, dass DB seinen Rauchern auch aktuell noch zumutet.


Wie geht denn nun die "Königsklasse" unter den Machern mit dem Thema um? Nun, Rainer Barbi vertrat z.B. stets die Meinung, dass eine neutrale Paste den Genuss beschleunigen kann und daher als Hilfsmittel sowohl legitim als auch wünschenswert sei. Bei Noltensmeier/ Hansen von BANG wird nicht diskutiert. Die Paste ist drin – basta... und so halten und hielten es die "traditionellen Dänen" ebenfalls... während in Italien eher der "durchsichtige Trick" Anwendung fand und findet. Ich persönlich akzeptiere eine gute Paste, wenn sie schon mal drin ist. Seinerzeit wollte ich mal auf "Hardcorer" machen und habe die Paste bei einer Winslow ausgeschliffen... das tu' ich mir nicht noch einmal an!


Mein Favorit ist allerdings ein superglatt geschliffener Innenraum ohne Paste. Eigentlich widersinnig, weil ein grob geschliffener (oder mit rauher Paste versehener) Tabakraum die Kohleschicht viel schneller aufbaut. Ich stütze aber die Theorie von Andrzej Piontek (Mimoto-Pipes) und ein paar anderer Macher, die besagt, dass eine extrem glatte und somit hoch verdichtete Fläche im Kopf besonders hitzeresistent ist und die Kohleschicht später extrem gut anhaftet und gleichmäßig wird... wenn es auch mindestens 10-15 Rauchdurchgänge erfordert, sie zu schaffen. Ich gehe sogar noch weiter und behaupte, dass Pfeifen, die mit diesen Bedingungen sorgsam eingeraucht werden, besser schmecken! ...und wesentliche Mehrarbeit bei der Herstellung ist es auch nicht. Es ist nämlich ein Trugschluss vieler Macher, dass es reiche, einen Innenraum grob zu schleifen, bevor man die Paste einbringt. Der Käufer hat nachher den Ärger, wenn sich Stücke der Kohleschicht lösen, weil der Macher bei dem Arbeitsschritt geschludert hat - übrigens keine gute Werbung!

Letztlich lässt sich aber bei diesem Thema genauso wenig Einigkeit erzielen, wie bei der Filterfrage. Die einen so......

Sorgsames Vorgehen beim Einrauchen ist aber bei jeder Variante wichtig. Geht es schief, liegen die Fehler selten bei der Pfeife... und ein Durchbrenner, der nicht auf mangelndes Material zurück zu führen ist, ist eine Schande für den Raucher - da bin ich kompromisslos!

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Samstag, 23. August 2014

DTM - Bulldog Roper's Roundels

Bulldog Roper's Roundels - New Coins In Town

Man nennt sie "Coins" (Tabakmünzen) und wenn man den Deckel der Dose öffnet, liegen sie darin appetitlich gestapelt und verraten auf den ersten Blick ihren Status als wahre Tabak-Kunstwerke. Die Szene für diese speziellen, kompliziert zu fertigenden und daher auch nicht ganz billigen Tabake ist klein. Neulinge, die sich auf diese Freak-Bühne trauen, haben sofort mit zwei Gefahren zu rechnen: Das sie der Platzhirsch verjagt und, noch schlimmer, dass sie vom Geist des Escudo-Saurus einfach niedergetrampelt werden. Doch dazu gleich mehr.

Copyright: Ralf Ruhenstroth

Wer die "Roper's"-Dose öffnet, wird mit heuigem, mild-süßem Virginiaduft empfangen. Darunter mischen sich säuerlich-delikate Noten des Perique, das allerdings nur in sehr sanfter Dosierung. Ihn in die Pfeife einzubringen, ist eigentlich auch kein Hexenwerk. Manche zerreiben die Münzen einfach... das verursacht mir persönlich aber körperliche Schmerzen... und man bringt sich damit auch um den Genuss! Wer nicht zu den Geschicktesten gehört, formt aus den Scheiben lockere Kugeln und bringt ein-zwei davon ohne wirklichen Druck in den Kopf ein. Zweitbeste Lösung! Bei ordentlich großem Tabakraum-Umfang ist es durchaus möglich, die Scheiben liegend vorsichtig in den Kopf zu drücken. Der Kern der Tabakmünze liegt dann flach im Kopf. Während sich der äußere Teil im Tabakraum an den Rändern hoch drückt. So und mit etwas zusätzlicher Improvisation lässt sich der Kopf SO füllen, wie es sein soll und es der komplex aufgebaute Tabak verdient hat. Der Genuss wird Sie für die Mühe belohnen!

...und Genuss bietet der "Roper's" durchaus. Mit etwas Übung ist er recht leicht anzuglimmen, entwickelt rasch satten, cremigen Rauch und mischt reife Virginia-Süße mit einem sanft-säuerlichen Perique-Aroma. Der Black Cavendish-Kern sorgt für zusätzliche Milde und hohe Bekömmlichkeit. Schön kühl geraucht (er hat die Zeit verdient) bleibt diese entspannte und entspannende Kombination bis zum letzten Aschehäufchen erhalten.

Copyright: Ralf Ruhenstroth

Wer die Davidoff „Flake Medaillons" kennt, weiß, wie der "Roper's" schmeckt. Sie sind Zwillinge, wobei der "Roper's" hilft, bei gleichem Genuss ein paar Euros zu sparen. (Davidoff 100 Gramm: 29,50,-- €; Roper's Roundels: 100 Gramm 24,00 €) Zu der Gruppe mit BC-Kern gesellt sich z.B. noch der "Stokkebye's „Bulls Eye“, der ebenfalls der beschriebenen Richtung entspricht.... die eher "sanften Münzen"! Diese Tabake tragen mit Recht die Bezeichnung "Bullseye" und damit kommen wir zu wirklich wichtigen Details dieser Tabakgruppe.

Beim Davidoff und beim "Roper's" werden aus verschiedenen Tabaken dünne Platten gepresst. Diese werden dann um einen Kern aus Black Cavendish gewickelt und später in Scheiben geschnitten. So ergibt jede Scheibe die Optik eines Auges. Dunkle Pupille aus BC, darum das restliche Auge aus gepressten Tabaken. Die Bullenaugen-Bulls Eyes. Bei der Legende dieser "Tabakmünzen-Gruppe", dem „Escudo“, der seinerzeit von den Cope Brothers gefertigt wurde und seinem "Kronprinzen", dem Dunhill „de Luxe Navy Rolls" sieht das anders aus. Hier wurden und werden verschiedene Tabake aufeinander geschichtet und dann zu einem "Seil" (dem Rope) verdrillt. Nach der Reife werden auch daraus Scheiben geschnitten, wer sich DIE aber ansieht, bemerkt den Unterschied sofort. Hier gibt es keinen Kern aus Black Cavendish.

An diesem Punkt kommen wir dann zur Geschmackssache. Virginia und Perique enthalten beide Gruppen. Der DdLNR hat aber nicht den zusätzlich "besänftigenden" Kern aus Black Cavendish. Das macht die Geschmacksentwicklung der Virginias und vor allem des Perique direkter, intensiver... ich persönlich behaupte: aromatischer.... so, wie es auch beim seligen „Escudo“ der Fall war. Nein, ich schließe mich jetzt nicht der kollektiven Hysterie und Heldenverehrung um diesen, verblichenen Tabak an. Mein Favorit unter den "Münzen" ist der DdLNR... auch ohne, dass ich Tränen um den „Escudo“ vergieße.

Der Kern aus BC macht in diesem Fall den Unterschied. Eher direkt und hocharomatisch oder eher sanft, bekömmlich und rund. Daher kann ich auch die Raucher nicht verstehen, die den Davidoff und den Dunhill in einen Topf werfen. Die Gemeinsamkeiten dieser Tabake enden bei ihrer Form.

Sie müssen selbst entscheiden, welche Richtung Ihnen besser liegt. Entscheiden Sie sich für die sanfte Fassung, empfehle ich Ihnen den "Roper's Roundels" bei DTM (auch hier wieder ACHTUNG: BEI DTM, nicht VON DTM) von Herzen. Sind Sie eher "Dunhill-Jünger", wird Ihnen bei dem Genuss etwas fehlen.

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Donnerstag, 21. August 2014

HU-Tobacco - White Dog

Ein weiterer Sommertabak aus dem Hause HU-Tobacco ist der „White Dog“ der United Passion Special Blend Serie. Wer eher einen herzhaft-würzigen Tabak mag und auf eine fruchtige Note verzichten kann, der ist beim „White Dog“ bestimmt gut aufgehoben. Auch der „White Dog“ ist kein klassischer Aromat, sondern besteht aus verschiedenen loose Cut Virginias und einem geringen Anteil eines ready rubbed Virginias mit einem dezentem holzwürzigem Casing. Das Ergebnis ist eine süffige, dezent süßliche und dennoch würzige Virginiamischung. 

Das Tabakbild ist hell, goldbraun und der Cut eher feiner und schmaler. Der Tabak lässt sich problemlos in mittlere und kleinere Pfeifenköpfe einbringen und gut rauchen. Er lässt sich problemlos entzünden und brennt gut ab . Ein allzu heftiges Ziehen oder zu heißes Rauchen sollte man allerdings vermeiden, welches der „White Dog“ mit einem leichten Beißen quittieren kann. Hunde beißen halt, wenn man ihnen nicht die genügende Aufmerksamkeit schenkt. Dafür wird man aber bei der richtigen Behandlung von einem tollen, würzigen Geschmackserlebnis belohnt.

Beim Entzünden hat man sofort die holzige Würze in der Nase, die an gut gelagerte Buchenscheite im Kaminfeuer erinnern. Dazu kommt dann die Heu-Note der Virginias und eine ganz dezente Süße im Hintergrund. Diese Kombination schafft ein sehr interessantes Spiel der Aromen und ist ein ganz besonderer Virginiagenuss, der die ganze Füllung über anhält und richtig Spaß macht.
Grüße aus dem Werdenfelser Land!



Autor: Torsten Wieczorek

Montag, 18. August 2014

HU-Tobacco - Bahia Orange

Nach einer „englischen“ Woche war es an der Zeit für etwas Abwechslung. Da der Sommer dieses Jahr bei uns in Bayern tageweise stattfindet und es einer dieser sonnigen, aber doch schwülwarmen Abende war, probierte ich einen der „aromatisierten“ Tabake aus der United Passion Special Blend Serie von HU Tobacco, den „Bahia Orange“. Als richtige Aromaten sind die Tabake nicht zu bezeichnen, kennzeichnet sie doch alle ein sehr dezentes Flavouring, welches laut Hans Wiedemann den Charakter des Tabaks unterstreichen soll. Neugierig geworden auf diese Blend Serie durch die vielen positiven Reviews des Sissinghurst, entsprachen der „Bahia Orange“ und der „White Dog“ laut der Beschreibung auf der HU-Tobacco Website am meisten meinem persönlichen Geschmack.

Beim Öffnen des „Bahia Orange“ entströmt der Dose ein schönes Aroma der dunklen Virginias, voll süßlich, mit einer dezenten Note, die an Orangenlikör und dunkle Schokolade erinnert. Der „Bahia Orange“ ist ein dunkel gepresster ready rubbed Flake aus indischen und brasilianischen Virginia Grades, abgemischt mit etwas English Black Cavendish. Dementsprechend ist auch das Tabakbild dunkel und grob gerissen. Weshalb es sich empfiehlt Pfeifenköpfe mit größerer Bohrung zu verwenden, damit der Tabak sich voll entfalten kann. Veredelt ist der „Bahia Orange“ mit einer Aromakombination aus Sweet Nut, Dark Chocolate und Bitter Orange. Das Flavour ist angenehm ausbalanciert und dezent abgestimmt auf die charakterstarken Virginias.

Beim Entzünden ist sofort der kräftig-würzige Virginiageschmack zu spüren, mit seiner Süße, und das dezente Orangenaroma, welches einen den ganzen Rauchgenuss über begleitet, aber dabei nie dominiert. Im letzten Drittel wird die Schokoladenbote subtiler und tritt ein wenig in den Hintergrund.
Der Tabak selbst brennt langsam und lässt sich angenehm kühl bis zum Schluss rauchen.
Der „Bahia Orange“ ist ein erfrischender Sommertabak und ein nicht alltäglicher Rauchgenuss der süß-würzigen Art.

Grüße aus dem Werdenfelser Land!

Autor: Torsten Wieczorek

Samstag, 16. August 2014

News 2014: Zwei Neue von Manfred Koziolek

Es gibt wieder zwei Neue. Der  Pfeifenmacher gibt an, dass die beiden Handmades zu 99 % fehlerfrei sind. Sie verfügen über keine Filterkammer. Mehr Infos gibt es hier. (rr)

Copyright: MK

Copyright: MK

Copyright: MK

Donnerstag, 14. August 2014

DTM - Salty Dogs

"Salty Dogs" - Tell me, where is the beaf?

Es ist so eine Sache mit dem "Vollsortiment". Da möchte man für die Freaks auch einen Plug anbieten, hat aber selbst nicht die Gerätschaften, welchen herzustellen. Was tun? Nun, von außen zu kaufen - ein inzwischen weit verbreitetes und durchaus legitimes Mittel. Also, noch einmal zur Betonung und um "bösartigen Detektiven" die Grundlage zu nehmen: der "Salty Dogs" ist der neue Plug BEI (nicht VON!) DTM.

Vorbild und "Urvater" der salzigen Hunde soll der "Yachtsman Plug" von (ursprünglich) Murrays and Sons sein. Ich habe keinen Grund, diese Info anzuzweifeln... gehöre aber auch zu den Leuten, denen solche Recherchen ziemlich egal sind. Nö, nie geraucht, diesen "Yachtsman Plug"... deshalb kann ich umso befreiter an die Entdeckung des "Salty Dogs" gehen.

Aus dem hübsch gestalteten Pouch rutscht ein schwarzbraunes Brikett mit hellen Einschlüssen. Es riecht erwartungsgemäß nach reifen Virginias und ebenso (über)reifen Früchten. Lecker und Appetit machend. Der recht feuchte Block lässt sich mit scharfen Messern mühelos schneiden und (meine Art, Plugs zu genießen) würfeln. Locker in die Pfeife rieseln lassen, nach oben etwas andrücken... und Feuer frei. Überraschend gut, trotz der Feuchte, glimmt er an und nach kurzer Zeit ruhig vor sich hin. Bevor es jetzt ernst wird, möchte ich meine besondere Einstellung zu Plugs betonen. Diese Tabake sind nix für Schattenparker und Juniortütenesser. Wer es nicht kernig mag, lässt es eben. Die Zugehörigkeit zur christlichen Seefahrt (woher diese Tabakart ja stammt) war und ist nun mal kein Ponyhof.

Copyright: Ralf Ruhenstroth

Was mich aber hier empfängt, macht doch einen sehr milden, eher farblosen Eindruck. Es muss ja nicht immer G.L. Pease "Jack Knife Plug" sein... doch hier fehlt mir jeglicher Tiefgang. Mehr Plattschiff als Fregatte, die "Salty Dogs". Recht gutes, fein süßes, mild fruchtiges Aroma, mit nussigen Anklängen durch den Burley. Na ja, vielleicht stört DER mich? Kann eigentlich nicht sein, denn Peterson's „3P“ hat den auch, wirkt aber reifer, tiefer runder... wohl aber auch durch die leichte Aromatisierung. Beim "Salty Dogs" ist es wohl eher das, was fehlt, was mich stört. Zum Beispiel der Kentucky und der Perique, die sich z.B.in Volker Bier`s „N°.25“ Plug finden. Satt muss so ein Plug sein, kernig, kullerrund und vollreif. Der "Salty Dogs" schmeckt ein wenig so, als hätten die Weight Watchers einen Plug kreiert.

Copyright: Ralf Ruhenstroth

Ich habe ihn alternativ komplett aufgerieben und in meine "Plugwaffe" (Stanwell S 15) gepackt. In der Hoffnung, dass noch etwas kommt. Nein... leider nicht. Sicher ist der "Salty Dogs" kein schlechter Plug. Die Crux ist aber, dass er das DTM-Logo trägt... und DTM durch seine durchgehend erstklassigen Eigentabake die Latte ziemlich hoch gelegt hat. Das weckt entsprechende Erwartungen bei jedem neuen Mitglied der Tabak-Familie. Die erfüllt der "Salty Dogs" für mich eindeutig nicht. Das Positivste ist, dass er sich durch seine vorsichtige Art sehr als "Einstiegsdroge" für Plug-Neulinge empfiehlt. Nicht zuletzt durch seine problemlose Handhabung. Für den erfahrenen "Plugger" gilt: viel Flaute, wo ein wenig Stormgebrus sehr wünschenswert wäre.

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Mittwoch, 13. August 2014

McClelland - Mellow Mack

Anders als der „Easy Street“ aus gleichem Hause und selbiger Serie lässt mich der „Mellow Mack“ nicht bereits beim Duft verzweifeln. Der Tabak riecht durchaus angenehm, ordentlich nach Vanille und Nuss. In der Dose findet man einen hellen Virginia und eine gute Portion Black Cavendish fürs Aroma, welches der Hersteller als wilden Honig und Pecan beschreibt.


Sowohl das Stopfen als auch die gesamte Handhabung dieses Aromaten sind völlig unkompliziert. Empfehlenswert ist natürlich ein größerer Kopf und im Geschmack wirkt der „Mellow Mack“ von Beginn an sehr angenehm und schmeichelnd. Die Virginias sorgen sogar für etwas Stärke, wenn auch der „Mellow Mack“ niemals über das Niveau einer Frühstückspfeife hinaus geht.


Der Raumduft ist okay. Alles in allem ein mittelprächtiger Aromat, der es durchaus wert ist, mal geraucht zu werden. Ob man dafür den Zoll heraus fordern muss? Nein... das nun wirklich nicht. Mehr muss man über den „Mellow Mack“ auch nicht schreiben.




Autor: Ralf Ruhenstroth

Montag, 11. August 2014

Clan (blau) - Fine Aromatic

Die iberische Entdeckung!


Gespräch meiner gespaltenen Persönlichkeit in einem Tabakladen in Pollenca/Mallorca:

"Guck`mal da, der Clan-Tabak!"
"Clan? Ich denk', Du willst hier Tabak kaufen, kein Rattengift!?"
"Mannnn, Du wieder! ICH mag den... aber guck' doch... der hier ist BLAU!"
"Soll ja vorkommen, dass so'n Clan blau ist. Die Schotten sollen ja ordentlich saufen!"
"Ja... toller Spruch. Ich habe den aber noch nie in blau gesehen. Den will ich haben!"
"Och nee, komm'... gib' unser Geld für richtigen Tabak aus!"
"Jetzt lass' mich doch mal... meine Güte! 4,50 € für 50 Gramm - das geht doch."
"Nimm' aber auch noch richtigen Tabak mit. Den Clan kannste allein rauchen."
"Phh, mach' ich auch, du ignoranter Banause. Komm', da ist'n Cafe!"
"Rauch' aber in die andere Richtung. Der grüne Clan stinkt, wie Hulle!"
"Ist doch gar nicht wahr... und der hier ist blau..."
"Sagtest Du schon! Hey, glimmt aber gut an... lass' doch mal riechen!"
"Ach ne? Ja, riecht wie der Grüne, nur mit ein bisschen... was ist das?"
"Whisky und Apfel, Du Stopfnase! Naja, der Rauch riecht ganz ok."
"Whisky und Apfel... hm, schmecke ich nicht wirklich... etwas süßer als der Grüne..."
"Stopfnase und Pelzzunge! Warum rauchst DU eigentlich Pfeife ?"
"Dann probier' ihn doch selbst, Mister Feinsinn!"
"Was tut man nicht alles für die Wahrheit. Gib' mal her!"
"...aber nicht so viel. Der ist lecker, da will ich noch was von haben. Gibt's ja bei uns nicht!"
"Also, ich würde sagen: Schmeckt wie der grüne Mischmasch mit'n bisschen Alkohol."
"Ach? Präziser hast Du's auch nicht?"
"Hör mal, in den Clan wird alles geschmissen, was man bei Altadis so aufgefegt hat."
"Das ist gemein... die Mischung ist uralt und besteht aus...."
"...allem, was rein geht, plus ein bisschen Schnapsaroma... und DU willst Präzision?"
" Wieso übrigens Altadis? Kommt der aus Spanien?"
"So steht es auf der Packung, Du Schnellmerker ! Na ja, der Geschmack geht aber..."
"Also, mir schmeckt er. Mild, süß, ein wenig kernig. Davon erzähle ich im Blog!"
"Willst Du Dich zeitgleich lächerlich und unglaubwürdig machen?"
"Ach, lass' mich in Ruhe. Ich find' den lecker und werde ihn empfehlen."
"Sollen sich die Leute den dann aus Spanien per Kurier kommen lassen ?"
"Nö... aber wer in Spanien ist, kann ihn ja mal probieren."
"Jo... kann. Muss aber nicht. Übrigens habe ich den im Laden auch noch in gelb gesehen!"
"Was? Gelb? Zahlen bitte! Da muss ich nochmal hin..."
"Nix da. Ich hab' die Autoschlüssel. Komm jetzt !"


Tja... nun wissen Sie, warum ich Ihnen nur von dem blauen Clan berichten kann. Den Gelben dürfte ich ja nicht mehr kaufen. Vielleicht im nächsten Jahr. Wenn mein Therapeut Erfolg hat, kann ich dann ja allein in den Laden!





Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Freitag, 8. August 2014

Robert McConnell - Scottish Cake

Das Gute liegt so nah!

Wir sind Weltmeister! Ja, auch im Fußball, doch um den geht es jetzt nicht. Wir sind auch Weltmeister in der Auswahl und Güte der Pfeifentabake! Ich weiß, dass ich zu den Leuten gehöre, die gute US- oder englische Midland-Tabake gehörig abfeiern. DIE Tabake, an die oft so schwer dran zu kommen ist. Doch da geht es um einzelne Tabake... und mich packt der Ärger, wenn ich dann haltlose Schwärmereien über gerade den amerikanischen Tabakmarkt lese und höre.

Glauben Sie mir, liebe Glorifizierer, die amerikanischen Pfeifenfreunde bekommen gar nicht genug von der Qualität deutscher Pfeifentabake und reißen ihren Händlern einige Kräuter aus unseren Breiten förmlich aus den Händen. Wenn Sie das nicht glauben, schauen Sie doch einfach mal für Spaß bei tobaccoreviews.com rein... und lesen Sie, was unsere amerikanischen Freunde z.B. über den „Scottish Cake“ schreiben. DIE Erfahrung gegen Selbstmitleid.


Er ist ein kerniges Kraut. Seine dicken Tabakfäden changieren zwischen beinahe schwarz und rehbraun, und aus der Dose steigt sofort dieser unglaubliche Duft nach Heu und Rosinen - herrlich. Nein, keine komplexe Mischung... aber das ideale Verhältnis zwischen gereiften Virgina-Grades, etwas Kentucky für die kräftige Rundung und ein "Spritzer" Perique für die fruchtige Ergänzung. Etwas vorgetrocknet und mit ein wenig Luft nicht zu fest in den Kopf gebracht, lässt er sich mühelos entzünden und liefert sofort das volle "Wohlfühl-Brett".

Reife, sanft-süße Virginias mit einem Hauch harzigen Honigs, dazu der pfeffrige Körper des kräftigen, dunklen Kentucky und die feine, säuerliche Note des Perique. Edel abgestimmt, rauchbarer Samt, der die Geschmacksknospen einhüllt und völlig zufrieden sein lässt.

So mild, wie er sich gibt, bleibt er auch... wenn man es beim Rauchen nicht eilig hat. Sonst drückt der Tabak sein Unverständnis für Hektiker mit leichten Zungenbissen aus... und das macht dieses harmonische Erlebnis kaputt - wäre zu schade. Keine Sorge, dieser wundervolle "Buddy" nimmt es auch nicht übel, wenn die Pfeife zwischendurch einmal abgelegt wird und die angerauchte Füllung abkühlt. Nach dem Wiederentzünden kehrt die "Samtpfote" sofort zurück, um zur Mitte der Füllung ein wenig an Kräftigkeit zuzulegen. Das überfordert nicht, sondern bringt den Charakter der Mischung noch ein wenig mehr ans Licht - durchaus angenehm.


Der "Scottish Cake" ist mit Sicherheit einer der besten Tabake seiner Richtung - und das weltweit! Man ist regelrecht traurig, wenn sich dieses harmonische Geschmackserlebnis seinem Ende nähert und nur noch ein wenig pulverfeine Asche zurück bleibt. Wer nun glaubt, er könne sich den "Scottish Cake" schenken, weil er den "Scottish Flake" schon kennt, der irrt genauso gewaltig, wie ich es getan habe. Hier die Unterschiede zu erläutern, würde zu weit führen... sie sind aber erstaunlich. Genauso erstaunlich wie die eher angenehme Raumnote, die der "Cake" entwickelt - beileibe bei Tabaken seines Schlages keine Selbstverständlichkeit.


Fazit? Dieses in Deutschland erhältliche Kraut haut viele Mc Clellands und Co. ansatzlos aus dem Hemd. DAS haben die amerikanischen Kollegen schon längst bemerkt... und SIE sollten es auch tun, falls noch nicht geschehen. Nein, wir vergeben hier keine Sterne. Täten wir es, bekäme er vier von mir... und die würden auch noch im Takt blinken.

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Montag, 4. August 2014

News 2014: 2. Pipe and Art in Büdingen am 30. August 2014

An dieser Stelle erlauben wir uns den Hinweis auf die "2. Pipe and Art" in Büdingen. Es handelt sich dabei um eine Messe, die aus Stammtischgesprächen von Pfeifenrauchern entstanden ist und in diesem Jahr in die zweite Runde geht. Für junge Pfeifenbauer wurde ein Innovationspreis ausgelobt. Informationen über die Aussteller, Anfahrt und Programm erhält man hier. (rr)

Sonntag, 3. August 2014

Wie man sich selbst das Wasser abgräbt - Über den Handel und Wandel mit Pfeife und Co.


Es gibt nichts Neues auf dem Markt unserer Leidenschaft. Keine originellen Ideen bei Pfeifen und Zubehör mehr. Die Händler suchen händeringend nach Frischzellen für ihre Schaufenster... doch die Armen fischen im Trüben. Die Pfeife stirbt aus, da steckt niemand mehr Gehirnschmalz und Enthusiasmus in die Entwicklung neuartiger Zubehör-Ideen oder
Pfeifenstile. Ja, die Händlerzunft kann einem leid tun!

Eine tragische Geschichte, die viele Fachhändler ihren Kunden nur zu gern erzählen. Fest steht, dass dieser Unsinn frei erfunden ist und ein guter Teil der "führenden" Fachhändler für die angebliche Misere selbst die Verantwortung trägt. Wer Augen und Ohren offen hält, weiß, dass die Begeisterung, die Liebe zum Handwerk rund um die Pfeife ungebrochen ist. Gerade in diesem Jahr sind neue Gesichter in der Szene erschienen, die mit viel Qualität, hellem Kopf und Freude an der Sache Pfeifen und Zubehör entwickeln und geschaffen haben, auf die der Markt tatsächlich schon lange wartet. Nun gilt es zu klären, warum diese Artikel dann nicht oder nur sehr sporadisch den Weg in den Handel finden, obwohl man angeblich auf sie wartet, seit Moses vom Berg stieg!

Dröseln wir doch einmal auf, wie eine Pfeife, ein Pfeifenständer entsteht und letztlich den Weg ins heimische Raucherzimmer findet. Dazu möchte ich mich verschiedener Punkte bedienen, die letztlich eine entsprechende Kette bilden: Idee-Planung-Rohstoffbeschaffung-Fertigung-Präsentation-Beratung-Verkauf.


Der Macher hat zunächst einmal die Idee. Dann folgen seine Planungen, wie und mit welchen Materialien seine Idee umzusetzen ist. Nun gilt es, die entsprechenden Werkstoffe zuzukaufen und aus ihnen den geplanten Gegenstand zu fertigen. Das ist, da wird mir niemand widersprechen, der anspruchsvollste und langwierigste Teil der Kette. Im Falle des Pfeifenbaus schleicht sich hier auch noch ein hoher Risikofaktor ein. Bei Pech mit dem Rohstoff muss das begonnene Werk abgeschrieben werden. Wenn nach drei Stunden Bohren und Schleifen eine massive Fehlstelle im Holz auftaucht, waren Materialeinkauf und Arbeitszeit für dieses Projekt umsonst. Gleiches gilt aber auch z.B. für den Ständerbau. Da erweisen sich Materialien als nicht haltbar genug, verziehen sich u.s.w. Soll heißen, dass auch das gesamte Fertigungsrisiko auf Seiten des Machers liegt... und das kann mächtig ins Geld gehen - was ja bei einer entsprechenden Kalkulation berücksichtigt werden muss.


Damit ist der "Produzententeil" der Kette abgeschlossen und es geht zum Händler. Der nun muss die Güte des Produktes begutachten, entscheiden, ob er es kauft, es dann in seinem Laden präsentieren und die "Manpower" aufbieten, das Produkt selbst oder von geeignetem Personal anzubieten (anbieten zu lassen) und die passenden Kunden zu finden. Was nun folgt, ist der Jahrtausende alte Vorgang des Handels. Denn auch der interessierte Verkäufer hat Kosten und muss leben. Lange, sehr lange hat sich der Vorsatz: "Leben und leben lassen" als der richtige Weg für solchen Handel erwiesen. Doch die grassierende Seuche des "unverhältnismäßigen Gewinnstrebens" hat einen bedeutenden Teil der mächtigeren Händlerschaft scheinbar mit aller Kraft erfasst. Für diesen Teil der Zunft steht fest, dass er mindestens die gleiche Summe, die er dem Produzenten zu zahlen bereit ist, für sich auf den Preis drauf rechnet... am besten und liebsten noch mehr. Sein Plan, sich die Taschen richtig zu füllen, kann aber nur funktionieren, wenn er den Produzenten ordentlich im Preis drückt und er auf der anderen Seite genügend erdachte Geschichten hat, die er dem Kunden auftischen kann, um die horrenden Preise zu erklären. Da wird dann von unverschämten Produzenten fabuliert, von ungerechtfertigt hohen Personal- und Betriebskosten und ähnlich bösen Umständen, die den armen Händler als gequälte Kreatur erscheinen lassen. Geschickte Händler schaffen beide Hürden. Das kostet den Produzenten u.U. die Existenzgrundlage, auf jeden Fall verliert er den Mut und die Motivation für weitere Ideen. Das dünnt die in Frage kommende Käuferschicht aus, da viele Interessenten die Preise nicht mehr zahlen können und wollen.... und es bereitet den Nährboden für immer mehr Eigenvermarktung der Produzenten per Webseite und/oder Hersteller-Messen.


Um dem Fass die Krone ins Gesicht zu schlagen, klagen dann besagte Händler immer lauter über das böse Internet und seine verheerenden Folgen für einen gesunden Fachhandel. Scheinheiliger geht es nun wirklich nicht mehr! Realiter ist es ein Fakt, dass der Verlust des Fachhandels vor Ort eine nicht zu schließende Lücke reißen würde. Internet hin oder her... nur der Fachhandel bietet direkte Vergleichsmöglichkeiten, bei denen man die in Frage kommende Ware auch anfassen und nicht nur sehen kann. Nur der Fachhandel bietet individuell auf die Situation abgestimmte Beratung. Es ist auch beileibe nicht das Gros der Händler, dass handelt, wie oben beschrieben. Hier geht es um die großen Fische, die einflussreich und öffentlichkeitswirksam den Handelsbereich nach außen verkörpern. Denen die Macht, in einem immer kleiner werdenden Markt, die Möglichkeit gibt, mit lächelndem Gesicht DIE Äste ab zusägen, auf denen eine ganze Branche sitzt.

Statt die Notwendigkeit eines allgemein gesunden Handels einzusehen, von dem alle Seiten, Produzenten, Händler und Kunden, profitieren, werden die eigenen Ansprüche mehr und mehr vergrößert oder zumindest auf unverhältnismäßig hohem Niveau gehalten.
Mit kaufmännischer Nachhaltigkeit hat das langfristig wenig zu tun... aber die scheint ja auch unrettbar von der Gier abgelöst worden zu sein. Ich weiß sehr wohl, dass diese Zeilen an der bestehenden Misere nichts ändern werden. Sie sind auch nicht als mahnender Zeigefinger gedacht - die angesprochenen Händler würden sich davon ohnehin nicht beeinflussen lassen. Doch, vielleicht denken Sie beim nächsten Mal über die Geschichten etwas anders, die die "Gutsherren" der Händlerriege so von sich geben.

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Samstag, 2. August 2014

Kargl - #11

Das Tabak Kargl in Recklinghausen u.a. auch Hausmarken anbietet, hatte ich schon an anderer Stelle mehrfach erwähnt. Darunter befinden sich auch mehrere naturnahe und natursüße, auf hauptsächlich Virginia basierende Mischungen. Bei der „#11“ wird mir beim Öffnen der Dose schnell klar: So soll er duften! Die fast ausschließlich kleinen Curlys, braun – dunkelbraun, mit hellen Flecken, stellenweise fast schwarz durchzogen, riechen deftig, „brotig“ und leicht säuerlich.


Man kann die kleinen Scheibchen sicherlich stapeln und dann in die Pfeife einbringen. Aber man kann sie auch etwas aufrubbeln. Dies erleichtert im Anschluss das Anzünden deutlich. Mehrere Anzündvorgänge sind bei der „#11“ allerdings auch nichts ungewöhnliches. Und wenn der Tabak glimmt, geht es stetig und völlig problemlos weiter.

Die Mischung ist recht kräftig, ohne zu stark zu sein. Es herrscht Tabakgeschmack, ein bisschen Maduro, ein bisschen Cigar, etwas Säure und ganz leichte Virginiasüße. Ein naturnaher Bursche, ganz ohne Frage, auf den man sich einlassen sollte und der förmlich zu vorgerückter Stunde nach einem guten Roten als Begleitung schreit. Im Vergleich zu Kargls anderen Virgnia-Mischungen betritt man hier eigentlich die Männerwelt mit Stallgeruch. Irgendwie kein Allday-Smoke, dafür benötigt der Tabak zu viel Aufmerksamkeit. Gerade die Säure lässt die Dreingabe von etwas Perique vermuten, belegen kann ich es jedoch nicht.

Ein mittlerer Kopf sollte es schon sein. Und dann macht der Tabak auch satt und lässt mich zufrieden zurück. Zur süffigen „Special Rolle“ unter den Virginias bei Kargl ein klarer Kontrast. Im Ergebnis ehrlich und zünftig, knackig und somit einer der Besten im Sortiment. Kaufempfehlung!




Autor: Ralf Ruhenstroth

Freitag, 1. August 2014

Mc Lintock - Wild Cherry

Manchmal überkommt mich ganz akut die Lust auf etwas Süßes. Aber nicht zum Naschen, sondern zum Rauchen. Bisher wurde ich aber mit keinem Aromaten, den ich probiert hatte, wirklich warm. Meistens schmeckten die nach ein paar Minuten nach nichts und Vanille ist mir schon seit jeher ein Gräuel.

Also erinnerte ich mich an früher. Ihr wisst schon... Die Zeit, die gern als gut und alt propagiert wird. Eines war auf jeden Fall gut. Man bekam Pfeifentabak auch bei dem kleinen Laden im Dorf und nicht nur 156789 verschiedene Kippen in XL, XXL und Großgebinde. Und nach so einem alt gedienten Aromaten stand mir der Sinn. Früher war ja Kirsche sehr beliebt. Ergo den Händler meines Vertrauens geentert und einen altgedienten Kirschtabak namentlich Mc Lintock „Wild Cherry“ gekauft.


Der Kurs für diesen Kollegen ist relativ günstig, und die großen Tabaknuancen wollte ich ja auch nicht erschmecken, sondern ich wollte ja Kirschen haben. Und die hat er. Zumindest deren chemische Kopien. Aufgrund des relativ groben Schnittes habe ich eine größer volumige Pfeife erwählt. Er lässt sich dann auch bereitwillig stopfen und mit einem Zündversuch geht es los.


Der pure Kischbrüller. Wie diese Billiglollis. Aber trotzdem angenehm. Und überraschenderweise bricht der Tabak auch nicht ein, lässt zum Ende sogar etwas Tabakaroma durch, was gar nicht so verkehrt daher kommt. Natürlich darf man keine Überraschungen erwarten. Er ist ein Kirscharomat und mehr will er auch nicht sein. Aber für zwischendurch ganz nett, wenn man sich eine Dosis Süßigkeit abholen will, ohne sie auf den Hüften zu spüren.



Autor: Chris Henck