Willkommen bei Jogi-wan...

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Donnerstag, 24. Juli 2014

Klar zum Entern! - Die "Tortugas" sind zurück!

Vor und für einige(n) Jahre(n) hatte Achim Menzel, Bankdirektor aus Recklinghausen, eine solide Fangemeinde. Er war der Vater der "Tortuga Babes". Pfeifen wie Felsen an einer karibischen Steilküste. Der Geschmack von Salzwasser und Kokosnüssen, blaues Meer, weißer Sand, opulent bunte Pflanzen und Blumen, knarrende Segelschiffe und unrasiert-wild drein blickende Piraten... man konnte bei der Betrachtung der phantasievoll gestalteten Rauchgeräte schon ins wildromantische Schwärmen geraten. Zumal jede Pfeife mit einer kultigen, silbernen Schildkröte geschmückt war. Oder man bezeichnete die Pfeifen schlicht als unförmige, bunte Klötze - je nach Einstellung, Temperament und Neigung.

Copyright: Rouven Kolling

Die "Tortuga Babes" haben stets polarisiert und das war und ist gut in einem Markt, der ohne Paradiesvögel in Uniformität versinken würde. Als Achim Menzel beruflich immer mehr reisen musste, blieb leider keine Zeit mehr und die vorher vornehmlich bei ebay gehandelten Schwergewichte verschwanden von der Bildfläche. Zurück blieb eine traurige Fangemeinde, die fortan gezwungen war, auf den "Estate-Meeren" nach ihren geliebten, silbernen Schildkröten zu suchen.

Copyright: Rouven Kolling

Entspannt Eure Züge, liebe Tortuga-Fans. Sie sind wieder da! Zwar heißen sie anders, Achim Menzel ist nur noch indirekt beteiligt und auf den silbernen Schmuck müssen sie vorerst auch verzichten... aber es sind unverkennbar "Tortugas". Das klingt verworren? Ok, hier die Erklärung.

Rouven Kolling, der neue "Chefpirat" ist nicht nur Kunst-und Möbelschreiner und somit mit Holz mehr als vertraut - er ist auch der Schwiegersohn von Achim Menzel. So tat und tut er sich mit Schwiegerpapa zusammen und lässt die Rauchmonumente wieder auferstehen... und das nicht nur mit zunächst einer Handvoll Pfeifen. Oh nein, wer sich auf www.freehand-pfeifen.de einmal umsieht, findet beim HANDPIPES KONTOR GERMANY rund 40 Pfeifen zum Start. Alle für sich höchst individuell und zu erschwinglichen Preisen.

Copyright: Rouven Kolling

Ich habe mit Herrn Kolling zwischenzeitlich regen Kontakt. So kann ich vorsichtig versprechen, dass wohl auch die silberne Schildkröte ihren Weg zurück auf die "Holzfelsen" findet... vielleicht schon bald. Die ansprechende Website, über die zukünftig auch die Verkäufe abgewickelt werden, ist sehenswert und die Charakterköpfe, die dort verkauft werden, sorgen für erfreulich frischen Wind und Abwechslung in der deutschen Pfeifenszene. Natürlich wird auch die klare Grenze zwischen Ablehnung und Begeisterung zurückkehren... das aber ist schließlich das Salz in der Pfeifensuppe. Wo kämen wir hin, wenn alle Raucher nur zu zarten Billards greifen würden? So wünsche ich "Kapitän Kolling" und seinem Berater Menzel fette Prisen und Mast- und Schotbruch.

Willkommen zurück auf den "Pfeifenmeeren"!

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Mittwoch, 23. Juli 2014

News 2014: Eine schöne VULCANO von Manfred Koziolek

Der Pfeifenmacher Manfred Koziolek bietet in seinem Shop eine schöne Vulcano an. Die Pfeife mit der schönen Maserung gibt es inkl. zwei Mündstücke (1 x Acryl bernsteinfarben und 1 x schwarzes Ebonit mit Schmuckolive). So entsteht eine Länge von 15 bzw. 16 cm. Mehr Infos gibt es hier. (rr)

Pfeife Nr. 452; Copyright: MK

Pfeife Nr. 452; Copyright: MK

Pfeife Nr. 452; Copyright: MK

Pfeife Nr. 452; Copyright: MK

Montag, 21. Juli 2014

McClelland - Easy Street (Premium Aromatic)

Dieser Tabak flößt mir zunächst mal Angst ein. Nicht weil ich ein starkes, nikotinhaltiges und vollmundiges Monstrum erwarte, sondern weil dieses ausschließlich aus Black Cavendish bestehende Kraut so „raben“-schwarz wie der von mir gefürchtete „Black Luxury“ ist. Das Tabakbild glänzt sogar, so dass ich schnell die Vermutung hege, dass hier mehr Schein als Sein vorliegt. Die Nase an der Dose gleicht einem Schnüffeln am Chemiekasten, auch wenn sich im Hintergrund eine leichte und dezente Frische, ähnlich Zitrus, vermuten lässt.


Cool as the coolest jazz, soft as velvet nights, rich and creamy. A whisper of English Walnut perfects this elegant Black Cavendish“, so die Prosa auf McClellands Dose. Das ist ein echtes Versprechen. Vor dem Stopfen tut dem Tabak ein Stündchen an der Luft gut, denn es herrscht Feuchtigkeit. Das Trocknen erleichtert sowohl das Anzünden als auch das anschließende Schmauchen. Wer sich nun gemütlich zurücklehnen und genießen möchte, sollte sich die Mühe gar nicht erst machen, sondern aufrecht sitzen bleiben. Denn es gibt keinen Genuss. Und wenn da nicht „Qualm raus käme“, müsste man davon ausgehen, dass die Pfeife gar nicht brennt.


Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob man mit oder ohne Filter raucht. Die Katastrophe bleibt ein- und dieselbe. Warme Luft mit ein wenig Aroma. Wenn man ehrlich ist, dann kann man einen Hauch von Nussigkeit erahnen. Im Wesentlichen dominieren jedoch die chemischen Zusätze, die es auch nicht zulassen, dass wenigstens ein klitzekleines bisschen Tabak im Geschmack hervorsticht. Hat man die Füllung durchgestanden, dann findet man mittelgraue Asche im Pfeifenkopf. Nichts anderes erinnert ansonsten an den Genuss einer Pfeife. Bei aller Liebe, die ich zu den US-amerikanischen Tabaken hege und pflege: Das hier ist entsetzlich! Deckel zu... weg damit....



Autor: Ralf Ruhenstroth

Sonntag, 20. Juli 2014

McClelland - Christmas Cheer 2013

So holy!

Gott schütze Amerika! Nein, sicher nicht wegen der seltsam-fragwürdigen Außenpolitik und auch sicher nicht wegen der amerikanischen Interpretation des Wortes Informationsbedürfnis! Doch wenn er Amerika schützt, gehört auch Rocky Mount, N.C. dazu. Dort wachsen nämlich die Rohdiamanten in Blattform, die dem „C.C. 2013“ seinen unglaublichen Charakter verleihen... und es gehört Kansas City, MO. dazu. Dort sitzt Mc Clelland, die "Schleiferei", die aus den Rohdiamanten ein Diadem an Tabakgenuss geschaffen hat.


Ja, ich nähere mich heute mal einem Tabak mit vielleicht übertriebenem Respekt... und werde die Öffnung zelebrieren, wie sonst nur bei einem guten Fläschchen Roten. Sobald man die Dose öffnet, ist er da, der Duft, der Mc Clelland auch den scherzhaften Beinamen "Mc Vinegar" eingebracht hat. Doch es ist nicht alles Ketchup... sanfter als gewohnt, lässt der Stallgeruch auch Noten von Nelke und Rosinen zu. Das Tabakbild ist appetitlich, orange Virginias... sonst nichts. Gut so! Die Schnittart ist eher "thick as a brick", doch man reibt ihn ja zum Genuss ohnehin etwas auf. Vorher allerdings bekommt der Tabak von mir zwei Stunden Ruhe an der Luft verordnet... danach ist die mich störende Feuchtigkeit der Flakestücke verschwunden.


Locker und problemlos in einen mittleren Kopf gefüllt, glimmt er alsbald ruhig und kühl vor sich hin. Nicht paffen, bitte... und immer mit der Ruhe. Was dann an milder Samtigkeit, süß-reifem Aroma, dezenter Heunote und Virginia-Charakter die Geschmacksnerven umschmeichelt, ist ganz großes Kino! Man kann die Tiefe der Aromen förmlich mit dem Zollstock messen. Alles ist rund, keine Kanten, keine Ecken. Ein Orchester, dass durch lange Reife zur perfekten Harmonie gefunden hat. WAS-FÜR-EIN-TABAK!


Für mich ist er die Krönung aller bislang versuchten Mc Clellands... und das will was heißen! Im Raumduft eher unauffällig, in der Kräftigkeit allenfalls gute Mitte. Ich liebe den Wal auf den Etiketten dieser Firma... doch, der „C.C. 2013“ sollte von einer goldenen Waage geschmückt sein, die exakt ausgependelt ist. Runder ist nicht einmal eine Billard-Kugel.


Bei Anfragen nach Proben werde ich energisch bestreiten, diesen Tabak je besessen zu haben. Ich werde die Dose so gut verstecken, dass nur ich sie finden kann. Spätestens, wenn sich das Ende des Rauchgenusses durch ein Häuflein grauer Asche im Kopf abzeichnet, höre ich Gollums "meiiiiin Schatzzzzz!" und kann endlich nachvollziehen, was er meinte und wie er empfunden hat. Mc Clelland „Christmas Cheer 2013“.... was ist dagegen schon ein popeliger Goldring?

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Donnerstag, 17. Juli 2014

Das Schlüsselerlebnis im Keller

Das eine Handmade etwas Besonderes ist, muss hier wohl weder betont noch erklärt werden. In groben Zügen ist den meisten Pfeifenfreunden bekannt, wie aus einem Stück Holz und einer Stange Kunststoff jene Pretiosen entstehen, die uns das Wasser im Mund zusammen laufen lassen. Je nach eigenen Fähigkeiten oder Gemütslagen beurteilen wir die Ergebnisse kritisch, neutral wohlwollend oder religiös eifernd - jedem das Seine. Da ich handwerklich eher unbegabt bin, gehöre ich zu den stillen, staunenden Bewunderern solcher Pfeifen. Nach dem Motto: "...wie isses nur möglich...?"

Mein Wissen bezog ich bislang zumeist aus Theorie, kurzen Einblicken und Bildern. Ich dachte, das reicht, um die Ergebnisse hinreichend zu würdigen... weit gefehlt, wie ich inzwischen weiß.


Zunächst war ich skeptisch, als mich Claas Roßmann in seine Kellerwerkstatt einlud, um dort Augenzeuge des Entstehungsprozesses einer Pfeife zu werden. Gibt das genügend her, um einen den ganzen Tag zu interessieren? Oh... es gibt sogar genügend her, um Ansichten dauerhaft (und damit für das restliche Pfeifenleben!) zu verändern. Ohne den Vorgang der Pfeifenfertigung jetzt zu mystifizieren, ohne den festen Boden gegen die schwebenden Sphären der Esotherik zu tauschen: Es ist weit mehr, als ein rein technischer Ablauf. Ja, natürlich gehört handwerkliches Geschick, Präzision und Genauigkeit dazu... doch, darum soll es hier nicht gehen.


Es geht um die Kommunikation zwischen dem Macher und dem Holz. Man spürt förmlich, wie der Mensch sich ins Holz hinein fühlt. Wie er Formen erkennt und Linien sieht, die einem unbegabten Raucher wie mir einfach verborgen bleiben. Unter vorsichtigen Bewegungen, kurzen Schnitten und Anfeuchten und Betrachtung der Maserung entsteht die Form im Kopf des Machers... lange, bevor der Zuseher auch nur etwas ahnt, geschweige denn sieht.

Claas dreht den immer noch viereckigen, groben Klotz vor meiner Nase und doziert bereits über die fertige Form, mögliche Applikationen und passende Mundstück-Ausführungen und sieht mich dabei zweifelnd und etwas enttäuscht an. Er sieht in meinem Gesicht, dass meine Vorstellungskraft längst die Segel gestrichen hat, er erkennt, dass er sich auf eine Reise begeben hat, bei der ich ihm nur schleppend und unbeholfen stolpernd folgen kann. Das tut beinahe ein wenig weh. Denn, was nach außen hin wie Desinteresse wirken muss, ist schlicht Überforderung.

Warum kann er das... und ich kann es nicht? Ich bin doch sonst ein Mensch mit eher unbändiger Phantasie und lebhafter Vorstellungskraft. Wie auch immer. Er beginnt mit den ersten Schritten und schon nach kurzer Zeit habe ich den Anschluss verloren. Nein, ich bemühe mich jetzt nicht mehr Schritt zu halten. Ich konzentriere mich lieber auf die Eindrücke, die ich bei diesem Erlebnis sammeln kann.

Die belegten Brötchen sind vergessen, sein Kaffee wird kalt. Es wirkt wie ein Fieber, dass ihn erfasst und das weitere Unterhaltungen von selbst verbietet. Zwischendurch vermutet er immer wieder entschuldigend, dass es mir wohl langweilig sein müsse... und ahnt nicht, wie sehr das Gegenteil der Fall ist. Er arbeitet nahezu ohne Pause, doch selbst in den kurzen Unterbrechungen spricht er mit konzentriertem Blick von den weiteren Schritten, die nun folgen. Bei Sportlern greifen Reporter gern zu der Erklärung, dass sich der Athlet "...im Tunnel" befinde. Schaue ich in Claas' Gesicht, begreife ich die Redewendung besser.


Wirklich keine Minute dieses Tages war langweilig. Ich war einfach nur fasziniert, solchen Entstehungsprozess miterleben zu können, bei jedem Arbeitsschritt exakt die Pfeife werden zu sehen, von der er am Morgen schon gesprochen hat... und ich frage mich immer noch, wie so etwas geht. In diesen Stunden habe ich mehr gelernt und verstanden, als durch tausende Bilder und alle gelesenen Bücher. Weil man das, was zwischen Macher und Material vor sich geht, eigentlich nicht in nüchterne Worte und Momentaufnahmen fassen kann. Den "Geist", der sich dabei entwickelt... den kann man nur fühlen. Man muss ihn erleben.


Tja... neue Erkenntnisse führen zu veränderten Sichtweisen... oder sollten es zumindest. JETZT verstehe ich den Unterschied. Natürlich gehört meine Sympathie auch weiterhin der gut gemachten Serienpfeife. Weil sie gutes Rauchwerkzeug und genüssliche Momente zu erschwinglichem Preis zur Verfügung stellt. Doch, sie hat nicht die Seele. Die hochzahlige Herstellung auf der Kopierfräse ist halt ein rein technischer Vorgang... mehr nicht.

Nein, ein Freibrief für Mondpreise irgendwelcher, selbst ernannter "Pfeifen-Michelangelos" kommt mir sicher nicht in den Sinn... auch die vernebelte Esotherik in den Vorträgen mancher "Pfeifenweisen" wird sich mir dadurch nicht besser erschließen. Ich habe aber den Teil des Entstehungsprozesses verstanden, der sich so schlecht erklären lässt... deshalb reden Pfeifenmacher wohl auch nur selten darüber. Dafür bin ich dankbar, lieber Claas.... und ich kann nur jedem Leser aus tiefstem Herzen raten, solche Chance wahr zu nehmen, wenn sie sich bietet... wo auch immer ein Pfeifenmacher diese Einblicke ermöglicht.

Wie oft schon habe ich gesagt, dass eine Pfeife viel mehr sein kann, als ein reines "Rauchwerkzeug". Was ich da erlebt habe, lässt mich endlich meine eigenen Worte besser verstehen. Das ich es nicht ertragen hätte, die Pfeife, bei deren "Geburt" ich dabei war, in fremden Händen zu sehen, muss ich sicher nicht betonen?! ...und warum es diese Pfeife in ihrer ganzen Pracht erst später zu sehen gibt, hat seinen Grund.


Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Sonntag, 13. Juli 2014

News 2014: Eine Neue von Manfred Koziolek

Es gibt mal wieder ein schönes Stück vom Macher aus Solschen. Eine schöne Straight Grain, sandfarben mit einer 9 mm Filterbohrung. Die Pfeife hat eine Länge von 13,5 cm und eine Kopfhöhe von 5,5 cm. Das Mundstück ist handcut aus Cumberland. Mehr Infos im Shop von Manfred Koziolek. (rr)

Pfeife Nr. 459; Copyright: MK

Pfeife Nr. 459; Copyright: MK

Samstag, 12. Juli 2014

Tobacco Factory - Creamy Cavendish

Schon beim ersten Schnuppern an der Dose war klar: Der Tabak ist sehr leicht und schreit regelrecht nach filterlosen Pfeifen. Das bewahrheitet sich dann auch bei den ersten Rauchopfern. Der “Creamy Cavendish” gehört schon zu den Leichtgewichten – jedenfalls, was seine Nikotinstärke anbelangt. Vom Geschmack her ist er das nämlich nicht.


Die Farbe des Tabaks und der Geruch aus der Dose machen Appetit. Zwischen schwarz und hellem Braun chargiert die Mixture, die die rechte Feuchte hat und sich gut anfasst. Weder zu klebrig noch zu trocken. Der recht lose in der Dose liegende Tabak gibt beim Anfassen schön nach. So empfiehlt es sich auch, den Tank nicht allzu fest in den Pfeifenkopf zu applizieren, er dehnt sich etwas beim Entzünden und verstopft, wenn er zu fest ist, leicht. Hier gilt es, die uralte Pfeifenraucher-Weisheit zu beachten: Beim Stopfen ab und zu an der Pfeife ziehen um den Zugwiderstand zu erspüren!

Vorausgesetzt, das ist alles gelungen, lässt sich der Tabak mit ein, zwei Versuchen gut unter Feuer setzen. Es braucht dann auch kein Nachfeuern und keinen Reiniger in der Nähe. Aber dafür Geduld. Denn da der Tabak sehr leicht ist, ist der Raucher – also richtiger: bin ich – immer wieder versucht, sehr kräftig an der Pfeife zu ziehen. Und das tut weder der Zunge noch dem Geschmack sonderlich gut. Zum Einen fängt der Tabak dann doch schnell an zu sotten und zum Anderen – wohlgemerkt – ich rauche ohne Filter – glimmt dann schnell die Zunge. Die hohe Feuchte des Tabaks und ein enger Rauchkanal können schon zu unangenehmen Wirkungen führen.

Aber wir sind ja alle gute, langsame Raucher und können genießen, was unsere Zungen und unser Gaumen im kühlen Rauch erschmecken. Andeutungen von Nuss, ein wenig Ahornsirup vielleicht, eine Spur von Vanille und irgendeinen leicht fruchtigen Unterton. Tabakgeschmack darf man nicht erwarten. Wer den Black Cavendish von DTM kennt, weiß, was ich meine. Da sollten die Erwartungen nicht zu hoch sein, er entwickelt einen sanften Rauch, der aber nur von den Aromen Geschmack erhält, die ihm beigefügt wurden. Nur wenn man den puren BC (den es bei Dan Pipe als Mischtabak zu kaufen gibt) mal ganz langsam geraucht hat, kennt man die eigene Note, die der BC hat. Jedenfalls: davon ist im „Creamy Cavendish“ kaum etwas zu verspüren. Höchstens, wenn man den Rauch aus der Nase ausbläst, kann man davon eine Ahnung bekommen.

Ist das nun das, was ich mir unter “creamy” vorgestellt habe? Ja und nein. Ich dachte dabei eher an Dänen wie den Larsen "#50“ (der ist mal wieder fällig) oder „#32“. Der hier ist eher eine deutsch-aromatisierte Mixture. Doch eine von den besseren. Kein Aroma-Overkill, sondern eher dezent wie der hochverehrte „Wappen von Hamburg“. Doch anders als der Genannte macht der „Creamy Cavendish“ nicht “satt” – kaum ist die Pfeife erkaltet habe ich das Bedürfnis nach der nächsten.

Ein Tabak, mit dem man nicht viel falsch machen kann, von dem man aber auch nicht zu viel erwarten sollte. Naschwerk für den Vormittag. Wie schon mal erwähnt: Die Serie “Tobacco Factory” wird von DTM vertrieben – und so ist der Verdacht nicht fern, dass es sich um die „Swatte Deern“ handeln könnte oder um den “Black Jack” (den ich allerdings nur einmal probe rauchte, dessen Beschreibung im Dan Pipe Katalog aber gut passt).


Autor: Nic Frank
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Dienstag, 8. Juli 2014

James J. Fox - Provost Mixture

... der viel diskutierte!

Wer sich näher mit diesem Tabak beschäftigt, wird feststellen, wie intensiv, aber eigentlich sinnfrei er bei unseren amerikanischen Kollegen diskutiert wird. Wie viel Latakia muss ein Tabak enthalten, um als englische Mischung bezeichnet werden zu dürfen... und enthält der „Provost“ überhaupt Vitamin L.? Darf man behaupten, er wäre nahe am Dunhill „965“ oder ist das Majestätsbeleidigung und überhaupt...? ...und ich dachte schon, wir deutschsprachigen Pfeifenfans wären die diskussionsfreudigen Erbsenzähler...


Ja, er enthält Latakia, wie die Nachfrage bei J.J.F. himself ergab. Allerdings in so vorsichtiger Dosierung, dass er nur (für mich sehr angenehm) als Abrundung wahrnehmbar ist. Ich werde ja nicht müde zu betonen, dass ich die Verwendung von Latakia eher als Würzung, denn als Selbstzweck schätze.

Ein charmanter Bursche ist er, der „Provost“. Die Cavendish-Aufbereitung sorgt für natürlich empfundene Süße und leichte Malzigkeit der Virginias und dazu gesellt sich der Latakia als Abrundung. So duftet er... und so schmeckt er auch. Das Vitamin L. stellt den Geschmacksempfang etwas klarer und farbiger ein, sorgt sozusagen für den knackigen Bass in der gefälligen Tabak-Komposition. Die fein geschnittene Mixtur eignet sich gut als Allday-Smoke für Freunde der naturnahen Mischungen, als "Giant-Futter" - wo gehaltvolle, englische Mixtures gern mal zu viel des Guten sind... und als Einstiegstabak für Raucher, die sich eher vorsichtig dem Latakia nähern wollen.


Er hätte sicher gute Chancen auf treue Freunde hierzulande... wenn es ihn denn gäbe. Genau wie beim „Dorisco“ muss sich Planta die Frage gefallen lassen, warum der „Provost“ in Deutschland nicht erhältlich ist. ...aber das Thema hatten wir schon. Zusätzlich weist der „Provost“ eine akzeptable Raumnote auf, ist leicht einzubringen und raucht sich problemlos bis zur feinen Asche herunter. Also durchaus auch tauglich für Einsteiger, der Gute. Ich jedenfalls rauche ihn lieber, als über ihn zu diskutieren!

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Montag, 7. Juli 2014

James J. Fox - Dorisco Mixture

Der Ire aus Berlin

Ja, es ging alles so wunderbar exotisch-klassisch los. Bestellt in den Staaten, "James J. Fox and Co. Ltd. Dublin-London" steht drauf... es hätte so britisch werden können... und dann kommt das Kraut von Planta! Wie schreibt man ein Review über diesen Tabak? Bezeichne ihn als "englische Mischung" und schon geht die Maulerei der Hardliner los. Ich tu's trotzdem, denn, liebe Hardcore-Freaks, "englisch" ist eine Mixture nicht erst dann, wenn sie in Latakia ersäuft und so keinem anderen Tabak auch nur die Chance gibt, im "Geschmacks-Konzert" mit zu spielen.


Beim Öffnen der Dose empfängt einen ein recht kurz geschnittener Ribbon-Cut in der Farbpalette zwischen grau-grün bis schwarz. Ideal konditioniert, leicht in die Pfeife zu bringen und mit einem Duft, der zwischen blumiger Süße, leicht säuerlicher Fruchtigkeit (vom Perique) und ledriger Latakia-Note changiert. Das macht sofort Appetit und der wird bereits bei den ersten Zügen nicht enttäuscht.

Satter und cremiger Rauch, nicht einmal der Anflug von Aggressivität, samtig und weich. Während zu Beginn der Füllung der Latakia eindeutig das Zepter schwingt, mischt sich später mehr und mehr die fruchtige Würze des Perique dazu, und über die ganze Füllung sorgt der Virginia für milde Süße und Abrundung. Man kann diese Komposition schon aus kleinen Köpfen genießen. So richtig geht die Post aber erst bei ordentlichem Füllvolumen ab. Dann kommt noch eine ätherische Blumigkeit dazu, die den Spaß perfekt macht.


...und auch in großer Portion wird der „Dorisco“ nie zu viel. Ein entspanntes, sanftes Rauchvergnügen der besten, englischen Art. Mit diesem Tabak straft Planta einmal mehr die Latrinen-Parolen Lügen, die da behaupten, aus Berlin kämen nur überfrachtete Aromaten der zweifelhaften Qualitätsstufe. Wieder mal ein Rätsel bleibt, warum man diesen Tabak nicht auch den deutschen Rauchern zugänglich macht... aber, die Firma Planta/DB hat ja in vielen Dingen so ihre eigene Logik.

Die Raumnote des Dorisco darf man übrigens getrost noch als "tolerierbar" bezeichnen und auch weniger erfahrene Raucher dürfen sich ihm gern angstfrei nähern... der will nur Spaß und Genuss bringen! Das Schöne: „Dorisco“ hat den weiten Weg aus den Staaten zu mir mit einem Brüderchen angetreten... und dieses charmante Kerlchen stelle ich in den nächsten Tagen vor.

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Samstag, 5. Juli 2014

McClelland - #610 - Caramel

Es ist mit den amerikanischen Tabaken auch eine Krux. Vor allen Dingen dann, wenn sie aromatisiert sind. Dabei rede ich nicht von klebrigen, hocharomatischen Mischungen, sondern auch von auf guten Virginias basierenden Kräutern, denen ganz dezent ein Aroma hinzu gefügt wurde. Warum? Nun, ich finde, das McClellands „#610 – Caramel“ dafür ein gutes Beispiel ist.


Da findet man im Bulk ein dunkelbraunes Schnittbild, weicher Tabak, Virginia und etwas dunkler Black Cavendish, der sich völlig unproblematisch in die Pfeife einbringen lässt. In der Folge ist auch das Anzünden eine Wonne, selten so schnell eine gleichmäßig glimmende Fläche hinbekommen. Der Duft aus dem Tütchen ist leicht schokoladig und auch die ersten Züge offenbaren einen an sich sehr angenehmen caramelligen? Geschmack.

Der Rauch ist rund und geschmeidig, sowohl mit als auch ohne Filter kein Problem. Und dennoch wird mir schnell langweilig. Das Aroma ist beim besten Willen nicht überbordend, auf der anderen Seite gibt es dem Hauptbestandteil an Virginias eigentlich keine Chance, ihre erwarteten positiven Eigenschaften zu entfalten. Da ist bis auf die Aromatisierung, die nicht unbedingt ein Brüller ist, einfach kein Charakter angesagt. Ein laues Lüftchen, sonst kaum etwas. Ehrlich gesagt: Enttäuschend!

Über die nicht vorhandene, sonderliche Stärke mag ich gar nicht weiter berichten, das Kraut raucht sich zudem recht flott runter, so dass sich schnell nichts anderes als mittelgraue Asche im Kopf befindet. Positiv kann ich anmerken, dass der Filter recht trocken bleibt. Und das ist für einen künstlichen aromatischen Tabak nicht das Schlechteste.

Alles in allem kann die „#610 – Caramel“ für den einen oder anderen ein Kompromiss sein. Ich persönlich kann dem nicht viel abgewinnen. Da komme ich zu dem Schluss: Allein die Tatsache, dass das Zeug aus den USA kommt, bedeutet noch lange nicht, dass sich da ein geschmacklicher Überflieger in der Pfeife findet. Es ist gut den Tabak mal geraucht zu haben, ansonsten bekommt der Rest vom Bulk jetzt eine Briefmarke und verlässt mein Haus per Post in Richtung eines neugierigen Pfeifenfreundes.



Autor: Ralf Ruhenstroth



Donnerstag, 3. Juli 2014

Germain's - Plumcake Mixture

Germain's Plumcake Mixture - Very british!

Lieben Sie die verschrobenen Aromaten aus dem Inselreich auch so sehr? Jede Mixtur ein Gesamt-Kunstwerk. Es beginnt bei den künstlerisch fragwürdigen Deckel-Designs in zumeist gewöhnungsbedürftigen Farben. Der Moment, wo der Deckel weicht, den Blick frei gibt auf mit braunem Sud durchweichtes Wachspapier. Leichter Rostansatz in den Dosenecken sorgt zusätzlich für das Gefühl, hier einen seit Jahrzehnten versteckten Tabak-Schatz zu heben. Das Auffalten des Papiers, wobei Finger und Material scheinbar auf Ewigkeiten zusammen kleben... und dann die Düfte. Scheinbar plan-und hemmungslos sind die wildesten Zutaten großzügig im und über dem Tabak verteilt. Mutigste Kombinationen (ich warte ja noch auf die Mischung Seefisch / Orangenmarmelade / Muskatnuss!) bahnen sich hemmungslos den Weg ins Riechorgan und schlagen dort mit purer Gewalt auf- God save the queen!


Nun dachte ich, mit S. Gawith' „Celtic Talisman“ bereits den Gipfel des britischen Aroma-Olymp erstiegen zu haben - weit gefehlt. Als ich den Germain´s geöffnet habe, wurde mir schlagartig bewusst, einer neuen, größeren Herausforderung gegenüber zu stehen. Zunächst einmal ist der Tabak SO feucht, dass man Angst hat, er fließe aus der Dose. Bekanntes Ritual: raus aus dem Blechsarg, drauf auf den Tisch. Küchenkrepp drunter, schön ausbreiten und 12 Stunden Wartezeit einplanen. Allein die Düfte, die jetzt schon durch die Küche ziehen. Sherry, Lakritz, Flieder, reife Früchte... herrlich. Doch, noch ist es nicht soweit - Disziplin, mein Freund!

Am nächsten Morgen ist das Küchenkrepp beinahe durchgeweicht und es gilt, den Tabak vom Zellstoff zu pulen. Der zu erwartende Genuss tröstet über die Geduldsarbeit hinweg. Die vornehmlich hellgelben, dünnen Virginiafäden scheinen unter der Entlastung von der Feuchtigkeit aufzuatmen, kräuseln sich fröhlich vor sich hin, ergänzt von rund 20% tiefschwarzen Tabakfäden. Nein, kein Black Cavendish... das wäre zu profan. Germains umschreibt es geheimnissvoll: "...nor Cavendish or Negrohead...specially prepared from air-cured leafs!" Egal, jetzt...ich will ihn rauchen!


Leicht zu stopfen und ebenso zu entzünden macht sich alsbald eine Geschmackssymphonie im Mund breit. Da sind vollreife Orangen, da ist ein Hauch Anis, ein wenig Portwein... satter und cremiger Rauch und dazu gesellt sich die feine Würze der Tabake – is' dat herrlich! A unique smoking experience - ja, das kann man wohl sagen! Er wird nicht viele Freunde haben oder finden - doch, wen juckt es? Mich nicht... ich bin sein eingeschworener Fan... sollen ruhig alle das Gesicht verziehen. An den wahren Felsen im Tabakmeer sind schon viele Geschmäcker gestrandet.

Er braucht Hinwendung und Erfahrung, ist sehr speziell und auch noch schwer zu bekommen... doch, er ist die Mühe wert. Love it or leave it - so ist es nun mal.

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings


Mittwoch, 2. Juli 2014

Petersen & Sörensen - The Banker's

Ich bin ein altmodischer Kerl. Ich mag Taschenuhren, Gehstöcke und nahezu alles was die "gute alte" Zeit betrifft. Ich liebe Filme, die sich mit der Zeit um die Jahrhundertwende befassen und die Literatur aus dieser Epoche. Dementsprechend erwische ich mich bei meinem allabendlichen Spaziergang von der Arbeit nach Hause, wie ich mich in diese vergangene Zeit träume. Dann verschwinden die Geräusche der Autos und machen dem Hufgeklapper der Pferde und dem Knirschen der Kutschenräder Platz. Dann schlendere ich in Gedanken am Hafen vorbei, höre das Rufen der Arbeiter, die die Ladung lichten. Ich nehme die herben Gerüche war, sehe Dampf aufsteigen. Hach ja...

Und trotzdem war mir (bisher) noch kein Genuss eines Latakiahaltigen Tabaks vergönnt. Die "Early Morning Pipe" war ganz angenehm aber noch nicht das Richtige. Es fehlte die absolute Erfüllung. Und die beginnt bei mir schon am Dosenlayout. Und hier kommt dann der „Banker's“ ins Spiel.


Dieser schwarze Aufkleber mit dem goldenen Aufdruck mit stilisiertem Gebäude drauf. Das sieht doch schon mal alt genug aus, dachte ich mir. Und somit bestellte ich mir eine Dose beim Händler meines Vertrauens, der sich immer freut, wenn jemand einen, wie er sagt, ehrlichen Tabak haben will. Ein wenig Angst hatte ich ja schon. Bisher war ich ja doch eher im naturnahen Virginialager zu finden. Aber die Neugier war mal wieder zu groß. Einige Tage später konnte ich die Dose dann auch in Empfang nehmen. Ich setzte mich in ein Straßencafé, bestellte mir meinen geliebten Tee, ließ ihn ziehen, erfreute mich am Aroma, wählte für den Erstkontakt meine Vauen 4415 und öffnete die Dose. Und da war er... Der Geruch, der mich an den alten Beamten im Rathaus meiner alten Heimat erinnern ließ. Ein Hauch von Leder und Weihrauch, um mich herum erschienen wieder Gaslaternen... Ein Gefühl wie wenn man nach einer langen Reise nach Hause kommt.


Aufgrund des einfachen Schnittes war es auch keine Herausforderung die Pfeife zu füllen, und nach zwei Zündungen brannte er auch ohne Gemecker herunter. Ich konnte auch kein Größenproblem seitens des Dosendeckels feststellen. Die Dose schließt schön und der Tabak steht auch gut in der Kondition. Eine milde würzige Süße wird begleitet vom rauchigen Charakter des Latakia. Da ich mit Havannatabak keine Erfahrungen gemacht habe, schiebe ich diesem einfach den m.E. dezenten zigarrigen Unterton ab der zweiten Hälfte in die Schuhe, der diesem Tabak aber einen angenehmen Würzeschub gibt. Als besonders stark empfinde ich ihn nicht, aber ich habe seinerzeit als Zigarettensklave auch Schwarzer Krauser gedreht. Von daher sehe ich eine Einteilung in der Stärke eines Tabaks immer schwierig, da dies an der subjektiven Meinung des Rauchers scheitert.

Er entwickelt, bei gediegenem Rauchverhalten zumindest, wenig Kondensat, und brennt schön langsam und gleichmäßig ab. Leider hat jeder Genuss einmal ein Ende und somit verschwinden langsam die Kutschen im Nebel meines Geistes, als die Pfeife erlischt. Ich rühre die mittelgraue Asche um, lasse diese noch den Rest an Feuchtigkeit aufsaugen, bezahle und gehe meines Weges.

Mein Resümee: Man sollte gegenüber eines Tabakproduzenten sich nicht auf fremde Meinungen verlassen, sondern nur sich selbst vertrauen. Ich habe hier einen englischen Tabak entdeckt, den ich wahrscheinlich weiterhin rauchen werde. Ich finde sowohl den Geschmack, als auch den Preis von derzeit 8,50,-- Euro für 50 g durchaus angenehm. Im Gegensatz zu meiner altmodischen Einstellung rauche ich mit Filter. Das sollte man noch dazu noch erwähnen.



Autor: Chris Henck

Dienstag, 1. Juli 2014

Erfahrungsbericht: Kauf einer Peterson Pfeife im Internet oder: Na toll!

Hallo, meine Name ist Jochen, ich bin 46 Jahre alt und lebe seit etwas mehr als 10 Jahren in Dublin, Irland. Pfeife rauche ich seit knapp drei Jahren. Ich habe meine erste Pfeife in Deutschland gekauft und rauche seitdem nur Pfeifen mit Filter. Tja, und da beginnt das Problem: Es ist hier in Dublin nicht leicht, Pfeifen mit Filter zu bekommen und gibt es mal eine, so kostet sie einen Apothekenpreis (wie eigentlich alles hier ordentlich teurer als in Deutschland ist).

Aus diesem Grund habe ich meinen Pfeifenbestand bisher bei Besuchen in Deutschland im Fachgeschäft oder im Internet gekauft. Ich habe bisher bei meinen Internet (Neu-)Käufen bei Dan Pipe nur gute Erfahrungen gemacht, ebenso waren meine Estate-Pfeifen von Olaf Langner immer in einem guten Zustand. Soweit so gut, mein „Basis-Bestand“ an Pfeifen ist mittlerweile gedeckt und so schaue ich eigentlich nur noch nach speziellen Pfeifen.

So kam es, dass ein großer Pfeifenhändler aus der Nähe von Köln auf seiner Webseite im April diesen Jahres ein Sonderangebot von Peterson Jahrespfeifen 2012 stehen hatte. Wir sind im Jahr 2012 in unser neues Haus gezogen und somit war diese Pfeife zur „Hauspfeife“ bestimmt. Also flugs im Webshop des Händlers bestellt. Ja, ich weiß, ich habe ralligrufties Video über die fragwürdige Qualität von Peterson Pfeifen auf youtube gesehen. Aber ich schlug diesen Hinweis einfach in der Wind. Diese Pfeife musste es sein. Außerdem war sie 50% im Preis reduziert. Nein, ich hätte sie nicht für 199,-- Euro gekauft, aber für 99,50,--Euro wurde ich schwach. Hey, schließlich war es doch die zukünftige Hauspfeife.


Nach einer Woche hielt ich das Paket in der Hand, schnell ausgepackt, in Gedanken schon überlegt, welcher Tabak da wohl rein soll. Dann allerdings die erste Überraschung: Der Silberring an der Pfeife war verbeult und zerkratzt. Hm, was tun? Zurücksenden, dafür 15,--Euro Porto zahlen oder konnte ich damit leben?


Ich überlegte eine kurze Weile und entschied mich, die Pfeife zu behalten. Ich würde mich schon daran gewöhnen können. Dann die Pfeife schnell gestopft und in meinen Gartenschuppen zum Rauchen gegangen. Beim Rauchen viel mir allerdings dann auf, das mit dem Mundstück irgendetwas nicht stimmte. Irgendwie fühlte es sich schief an. Ja, es ist in sich verdreht. Das ist dann wohl dumm gelaufen. Die Pfeife selbst rauchte sich einwandfrei. „Was tun?“ spricht Zeus.

Ich mich also an den Computer gesetzt und eine Email an den Händler geschrieben. Ich schilderte die Situation, schickte Fotos der Pfeife mit und wies daraufhin, dass ich die Pfeife schon geraucht habe. Des Weiteren fragte ich an, ob es denn sein kann, das diese Pfeife zweite Wahl ist und ob der Händler in diesem Fall dann nicht auf seiner Webseite darauf hinweisen könne? Oder zumindest die Pfeifen vor Versand auf Zustand prüfen kann? Dan Pipe, zum Beispiel, beschreibt diese Prüfung jedenfalls in ihrem Katalog. Am nächsten Tag bekam ich dann eine Antwort, dort entschuldigte sich das Unternehmen, wies jeden Hinweis auf mindere Qualität zurück, sie hätten schon mehr als 100 dieser Pfeifen verkauft und beschwert hätte sich noch keiner. Sie wollten aber meine Mail an die STG weiterleiten. Klasse, das war es also? Schien so, das war das Letzte, was ich von diesem Händler, geschweige denn STG gehört habe. Kein Hinweis wie: Bitte senden Sie die Pfeife zurück, wir erstatten das Porto etc.

Ich ließ noch ein paar Tage ins Land ziehen, aber beim dritten Rauchen hatte ich genug. Schließlich gibt es in Dublin ja DAS Peterson Geschäft. Also bin ich am nächsten Tag dorthin gefahren und habe dem Verkäufer die Situation geschildert. Der sah sich die Pfeife an und sagte „die hätte nie verkauft werden dürfen, wo ich die denn her hätte“? Sprach's, notierte den Händler, nahm die Pfeife und bat mich um vier Wochen Geduld. Nach vier Wochen konnte ich die Pfeife wieder dort abholen, Peterson hat ein neues Mundstück gebaut, der Silberring allerdings sieht immer noch so aus wie vorher.


Ich sagte dann dem Verkäufer, das Peterson ja wohl ein Problem mit ihrer Qualitätskontrolle haben muss oder wie es sein kann, dass so eine Pfeife überhaupt in den Handel kommen kann? Er meinte dann, dass Peterson durchaus Pfeifen zweiter Wahl an ausgesuchte Händler verkauft.

Das lassen wir mal so stehen. Ich habe lange darüber nachgedacht. Sehr lange... Der Pfeifenmarkt ist so riesig nicht. Gerade bei Peterson Filterpfeifen sicher nicht. Warum sollte also eine Firma wie Peterson zweite Wahl Pfeifen unter die Leute bringen? Vor allem, ohne den Kunden darauf hinzuweisen? Meine Pfeife kam in einem „Jahrespfeifen“-Karton, der Stempel der Pfeife sagt „Pipe of the year“. Kein Hinweis auf zweite Wahl. Warum auch? Es ist sicher einfacher eine fehlerhafte Pfeife einfach zu korrigieren. Gerade in meinem Fall mit dem Silberring und dem Mundstück. Dies ist möglich, bevor ein Kunde sich über das Produkt ärgert.

Kann man allerdings dem deutschen Händler Böswilligkeit unterstellen? Ich glaube nicht und ich hoffe es auch nicht ,denn dann wäre das Betrug. Was man dem deutschen Händler sicher vorwerfen kann ist, das sie Pfeifen im Internet verkaufen ohne die Pfeife vor Versand zu prüfen. Das ist ärgerlich für den Kunden, der ja im Versandhandel keine Chance hat, sich von der Qualität der Pfeife zu überzeugen. Und je mehr ich darüber nachdenke, ist es auch unverschämt. Es kann ja soo schwierig nicht sein eine Pfeife vor Versand einfach mal auf Beschädigung zu prüfen, noch dazu weil der Händler sicher nicht hunderte Pfeifen am Tag verkauft. Das ärgert mich wirklich.

Wie dem auch sei, ich habe daraus gelernt: Sollte ich nochmal eine Peterson Pfeife kaufen, dann nur nachdem ich sie in der Hand hielt und sie genau anschauen konnte. Werde ich nochmal bei besagtem Händler eine Pfeife kaufen? Das beantwortet sich von selbst. Ich bin mir darüber im Klaren, dass ich diese Sache mit dem Händler weiter verfolgen hätte können... aber das war mir zu viel Stress, da sitze ich lieber in meinem Schuppen und schaue auf das Meer hinaus und rauche eine Pfeife!


Übrigens habe ich mit meiner „Hauspfeife“ meinen Frieden gemacht. Sie raucht sich super und über den Silberring sehe ich inzwischen hinweg.

Viele Grüße von der Insel,

Jochen



Ein Gastbeitrag von Jochen Wenski