Willkommen bei Jogi-wan...

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Samstag, 26. April 2014

Pfeifenmesse Lohmar - Ein Zwerg wird zum Riesen

Das Licht... ja, auch das Licht ist ein wesentlicher Punkt. Klingt verrückt? Ok, dazu später etwas mehr.

Lohmar - Ein beschauliches Städtchen im Rhein-Sieg-Kreis. Knapp 30.000 Einwohner, in wunderschöner Umgebung. Eigentlich wäre es das schon... wenn, ja wenn nicht Lohmar einmal im Jahr zum Mekka für uns Pfeifen-Enthusiasten würde. Was Volker Bier, gemeinsam mit seinen Mitstreitern, mal als kleinen und eher intimen Treff für Macher und Fans angedacht hat, ist mittlerweile zur bedeutendsten Veranstaltung rund um die Pfeife in Deutschland geworden.


2012 und 2013 war schon absehbar, dass die recht kleine Villa Friedlinde dem Ansturm von Hundertschaften von Pfeifenfreunden so nicht mehr lange gewachsen sein würde. Guter Rat aber war teuer. Umziehen... in eine benachbarte Mehrzweckhalle? Sicher eine Option, aber schwierig umzusetzen. Ein solches „Teufelswerk" wie eine Messe, die den "Dämon Rauchgenuss" verherrlicht, trifft nicht gerade auf Begeisterung bei Politik und Verwaltung. Zudem wäre eine solche Halle der Atmosphäre nicht gerade zuträglich gewesen. ,Denn Atmosphäre, das familiäre Ambiente und Gefühl sind wesentliche Punkte für die Besonderheit und Beliebtheit dieser Veranstaltung.


Wie kommt es dazu? Nun, hier strahlen keine Kunstlicht-Kaskaden durch Räumlichkeiten, die den Charme eines Container-Terminals verbreiten. Hier stöckeln keine unterbezahlten BWL-Studentinnen in knapp bemessenen Bodys umher, die einem Proben aufnötigen.Hier geistern keine dummschwätzenden Firmen-Repräsentanten herum, die einem mit auswendig gelernten Hohl-Phrasen die Zeit stehlen... und hier kostet ein Kaffee keine 4,50,-- €. Die Villa Friedlinde selbst wirkt mehr wie ein überdimensioniertes Wohnzimmer. Warmes Tageslicht durchflutet den Raum und ist deutlich privater und weit weniger aggressiv, als Spots und LED-Sonnen. Wem nach frischer Luft und Pfeifengenuss ist, macht ein paar Schritte und steht auf der Terrasse. Die dort befindlichen, zusätzlichen Ausstellungsräume befinden sich in Zelten und verstärken das zwar provisorische, doch damit auch irgendwie heimelige Gefühl... und der Blick auf den Park tut das Übrige. Das alles galt es zu bewahren und trotzdem zu verhindern, dass dieses Familientreffen aus den Nähten platzt.



Die geniale Lösung des Problems verdanken die Messe und wir (!) dem unermüdlichen Einsatz von "Bierchen". 2014 mischt man einfach das Familientreffen mit einem Zeltlager! Mag respektlos klingen - ist aber als Gegenteil gemeint. Der Park der Villa wird mit einbezogen. Dort sorgen zwei zusätzliche Zelte von 10 x 5 Metern und eines mit 8 x 4 Metern für weitere Ausstellerfläche. Denn auch bei Tabak-, Zubehör- und Pfeifenmachern erfreut sich Lohmar rasant steigender Beliebtheit.... und der Ansturm der Fans verteilt sich besser. Es gibt endlich auch "Ruheinseln", Platz für spontane Stammtische oder einfach nur das stille Eckchen, in dem man voll Freude seinen soeben getätigten Kauf noch einmal bewundern und begutachten kann. Das sind gute Nachrichten, aber nicht der einzige Grund für den Erfolg der Pfeifenmesse Lohmar!


Der Pfeifenfan findet hinter den Tischen mit den verlockenden Angeboten keine ahnungsfreien Hilfskräfte, keine schwätzenden Repräsentanten, keine Marktschreier und Schaumschläger. Er findet den Macher... persönlich... ansprechbar und zu Information aus erster Hand bereit und willens. Gleichgültig, ob es um Zubehör, Tabake oder Pfeifen geht... Fachsimpeleien sind das Salz, dass die Lohmar-Suppe erst wirklich zum Genuss macht. Der persönliche Kontakt zum Macher eines Produktes ist das WICHTIGSTE... und in Lohmar einfach selbstverständlich! ...und wer von all' dem Reden, Schauen und Handeln hungrig und durstig wird, braucht auch nicht darben. Für Leckereien, guten Kaffee und sogar frisches Bier ist ebenfalls gesorgt. Zu Preisen, die einen nicht dazu nötigen, den Bausparvertrag zu kündigen. Ich liebe diese Veranstaltung, wie sich unschwer aus meinen Sätzen erkennen lässt, denke ich.


Also hoffe ich darauf, möglichst viele von Ihnen, liebe Leser, am 10.05.2014 zwischen 10 und 17 Uhr dort anzutreffen. Es wäre schön, sich dort kennen zu lernen... oder wieder zu sehen! Allerdings habe ich noch eine persönliche Bitte in zwei Teilen. Durch die Hinzunahme des Parks ist diese Messe "öffentlich" wie nie. Man weiß also nicht, zu welchen Begegnungen es am Rande kommen kann. Lassen Sie uns in jedem Fall den Ruf des Pfeifenrauchers bestätigen... souverän, ruhig und besonnen... auch, wenn vielleicht nicht jeder unsere Leidenschaft teilt. Der zweite Punkt: Wenn wir alle lange wieder daheim sind und einen gelungenen Tag Revue passieren lassen, müssen freiwillige Kräfte hinter uns aufräumen und sauber machen. Ihnen erweisen wir den größten Respekt, wenn wir ihnen die Arbeit so leicht wie möglich machen!

Viel Spaß in Lohmar... ich werde ihn sicher haben.

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Dienstag, 22. April 2014

HU-Tobacco - Tuarekh

Im letzten Jahr habe ich die Tabake von Hans Wiedemann das erste Mal kennenlernen dürfen und einige Tabake der Original Warehouseblend Serie wie den „Nashville County“, den „Balkan Passion“ oder „Sweet Latakia“ probiert. Die Qualität und Kreativität von Hans Wiedemann, die er bei der sorgfältigen Zusammenstellung seiner Blends zeigt, haben mich überzeugt, so dass ich mir für dieses Jahr vorgenommen habe, mehr von seinen Tabaken für mich zu entdecken, insbesondere die Mischungen aus der „foundation by musico“-Reihe.

Seit gut einer Woche ist es endlich soweit und ich habe den „Tuarekh“ aus der „foundation“-Serie täglich in meinen Pfeifen geraucht. Zeit also für ein Review dieses faszinierenden Tabaks.
Seit 2011 gibt es die „foundation by musico“-Blends bei HU tobacco, die Hans Wiedemann zusammen mit Peter Hemmer von foundation by musico entwickelt hat. „Klar definierte Tabake ohne unnötigen „Firlefanz“, ist der Anspruch an die Mischungen. Black Cavendish wird man vergeblich suchen. Mal mehr, mal weniger Burley, erstklassige Virginias und Latakias. Das ist das ganze Geheimnis. „Und wenn jemand das als "old fashioned" empfindet, so war das genau unser Ziel“, wie Peter Hemmer und Hans Wiedemann in einem Interview mit dem Forum „Pfeifen und mehr“ bestätigen. Das Interessante an den „foundation“-Tabaken ist die allen eine eigene Grundsüße, die ausschließlich den Virginias und Burleys geschuldet ist. Mittlerweile sind 8 Tabake dieser Serie erschienen, die allesamt afrikanische Namen, wie „Tigray“, „Makhuwa“, „Zulu“, „Tuarekh“, „Khoisaan“, „Masai“, „Fayyum“, „Indaba“ und „Zulu“ tragen, welches der Herkunft der verwendeten Tabake Rechnung tragen soll.
Der „Tuarekh“ ist ein klassischer englischer Balkanblend. Reichlich syrischer Latakia und ein Hauch zyprischer Latakia verleihen dem „Tuarekh“ neben würzigen Orientgrades, orange Virginia aus Tansania und einem Hauch Louisiana Perique seinen frischen würzigen Geschmack. Eine klar definierte, mittelkräftige Balkanmischung, die mit schön ausbalancierten Geschmacksnuancen aufwartet, so die Beschreibung von HU tobacco.

Mit einem Anteil von ca. 52% Latakia ist das Tabakbild dunkel mit hellen Einsprenkelungen des orange Virginia. Schon bei Öffnen der Dose wird der Freund englischer Mischungen positiv überrascht von der angenehmen Würzigkeit, die der Tabak verströmt. Wie alle Tabake von HU, die ich bisher geraucht habe, so hat auch der „Tuarekh“ die richtige Feuchtigkeit, lässt sich unkompliziert stopfen und problemlos durch rauchen, bis nur noch ein kleiner weißer Ascherest am Boden des Pfeifenkopfs übrig bleibt.
Wer jetzt aber eine kräftige Latakia-Bombe oder einen kräftigen Balkan-Blend à la English Balkan von Huber oder der Balkan-Mischung von Pfeifen Diehl vermutet, wird von der Weichheit und Samtigkeit des „Tuarekh“ überrascht seien. Schon bei den ersten Zügen zeigt sich wie fantastisch die Aromen in dieser Mischung ausbalanciert sind. Die vollmundige Würze der Latakias und die delikaten Nuancen der Orients und des Perique, gemischt mit der Süße der orange Virginias. Der Tabak lässt sich mit und ohne Filter angenehm rauchen, ohne zu beißen oder aufdringlich zu werden, und bleibt dabei samtig und weich. Ich habe selten einen so angenehmem Balkan-Blend geraucht, der problemlos den ganzen Tag über genossen werden kann.

Der „Tuarekh“ ist eine mittelstarke, englische Mischung und einer der mildesten, angenehmsten Balkan-Blends, die ich bisher geraucht habe, somit auf alle Fälle eine Empfehlung wert, vor allem für diejenigen, die sich zum ersten Mal an Latakia oder Balkan-Blend heranwagen möchten.
Viele Grüße aus dem Werdenfelser Land

Ihr Torsten Wieczorek

Freitag, 18. April 2014

Kargl - Flake #3

Fast jedes „wirkliche“ Pfeifen- und Tabakfachgeschäft bietet Hausmarken an. Das suggeriert, dass man den Genusskunden in den aller meisten Fällen ernst nimmt. Bei Kargls in Recklinghausen ist das wohl so. Sehr erfreulich, dass sich in der naturnahen Nische ein Virginia-Flake findet. Lt. Beschreibung „mit zarten Zitrusanklängen, köstlich verfeinert mit einem milden Aroma von Waldhonig und reifer Orange“.

Nicht nur das Aussehen, sondern auch die angekündigten Zitrusnötchen erinnern an den „Golden Sliced“ von Orlik. Ein herrlicher, ganzer und mittelbrauner Strang befindet sich in der Dose. Zuletzt hatte ich so etwas bei der „Nr. 300“ von Kärnbach in Berlin bekommen. Ob es sich jetzt dabei um ein und denselben Tabak handelt, kann ich nicht mehr feststellen. Das weiß wohl nur der Hersteller.


Mit der bekannten Stopfmethode geht es los, aus der Dose kommen heuige Düfte und ein klein wenig Säure. Schon mit den ersten Zügen bin ich mir nicht wirklich sicher, ob es sich ausschließlich um Virginia-Tabake handelt. Neben der nicht zu aufdringlichen Süße verspüre ich ein Kribbeln auf der Zunge, leichtes piecken, mit einer ganz leichten Säuerlichkeit. Ähnlich wie beim „Golden Sliced“ etwas Perique? Ich weiß es nicht, aber ich würde drauf wetten. Falls nicht, dann ist es die Kunst des Tabakmeisters. Waldhonig und Orange? Nun, ich kann es erahnen, wenn ich die Pfeife erneut anzünde bzw. sanft nippe. Ohnehin fordert Kargls „Flake 3“ Aufmerksamkeit und verhaltenes Ziehen.

Wenn man das beherzt, dann bekommt man einen sehr soliden und mundigen, ganz, ganz leicht aromatischen Virginia-Fake, der den Gaumen schmeichelt und den Flakefan begeistert. Kein ganz leichter Bursche... das geht etwas über „mittelstark“ hinaus. Rauchen tue ich diesen Flake aus eher kleineren Köpfen und stets mit Filter. Qualitativ absolut hochwertig. Und wer zu Kargl hinein geht, ein Freund naturnaher Flakes ist, der zur Abrundung ein klitzekleines Aroma zulässt, der nimmt sich mindestens ein Döschen mit nach Hause. Klare Empfehlung... auch für den „Golden Sliced“-Raucher!



Autor: Ralf Ruhenstroth

Donnerstag, 17. April 2014

News 2014: Zu Ostern eine neue MK handmade!

Noch zu Ostern gibt es eine Neue von Manfred Koziolek. Sie ist 9 mm gefiltert, hat eine Länge von 15 cm und eine Kopfhöhe von 5,8 cm. Das Mundstück besteht aus schwarzem Acryl. Mehr Informationen gibt es hier. (rr)

Nr. 417; Copyright M. Koziolek

Nr. 417; Copyright M. Koziolek

Nr. 417; Copyright M. Koziolek

Sonntag, 13. April 2014

Slow Smoke - Über das Bewusstsein beim Rauchen


Ich finde die Idee der "Slow Food"-Bewegung sehr sympathisch. Mal wieder darüber nachdenken, WAS man isst und trinkt, woher es stammt. Die Möglichkeit, durch bewussten Genuss die regionalen Produzenten und ihre hochqualitativen Produkte wieder wahr zu nehmen und schätzen zu lernen. Sich selbst durch aufmerksame Auswahl etwas Gutes zu tun.... und ich stelle fest, dass ich diese Gedanken für mich auch mehr und mehr auf das Pfeife rauchen übertrage.

Sich intensiv und interessiert mit dem auseinander zu setzen, was man da raucht, hat für jede Erfahrungsstufe Vorteile. Vorausgesetzt, man ist nicht nur Konsument von Pfeifentabak, sondern man will der Leidenschaft das Maximale an Genuss abgewinnen. Beim erfahrenen Pfeifenraucher kommt das Interesse an den Feinheiten quasi von selbst. Er kann bereits klar differenzieren, Qualitäten einstufen und sich so eine gewisse Übersicht schaffen. Wenn er auf diesem Level die Möglichkeit hat, recht einfach und umfassend zu Informationen über seine bevorzugten Kräuter zu kommen, nutzt er sie gern. Hier bieten sich Tabake der kleineren Manufakturen geradezu an. Ist es doch ein Leichtes, in die Tasten zu drücken oder den Hörer ans Ohr zu legen, um "mal eben mit dem Chef" ein paar Worte zu wechseln. Das schafft Information, es schafft Transparenz und oft auch ein geradezu persönliches Verhältnis zu Machern und Produkten. Für MICH schafft das einen zusätzlichen "Genuss-Effekt" und ich glaube nicht, dass das nur mir so geht.


NOCH wichtiger, eigentlich entscheidend über den Werdegang, sind solche Möglichkeiten für Beginner. Wie sieht denn der Markt für jemanden aus, der gerade erst zur Leidenschaft findet und sich einen Überblick verschaffen möchte? Deutschland hat ein riesiges Angebot an Pfeifentabaken, doch die Menge macht es nicht. Die Großkonzerne geben sich dem Hobby hin, die immer gleiche Matratzenfüllung mit ständig anderen Saucen-Cocktails zu übergießen, um am laufenden Band "brandneue Formen des „Supergenusses" zu kredenzen. Oder aber sie wetteifern darin, eigentlich uralten Kräutern immer wieder neue "Mäntelchen" über zu streifen, um so Neugier und Kaufinteresse zu wecken. Hunderte, angeblich einmalige Hausmischungen entstehen, in dem man oftmals gleiche Grundmischungen mit immer anderen, bunten Etiketten beklebt... und sie (im maximalen Fall der Originalität!) dezent anders aromatisiert.

Das dient nicht gerade der Übersicht... und auch nicht dem kostenorientierten Einstieg. Klar, Lehrgeld zahlt jeder... aber, wer dreimal Geld für immer andere Namen, aber im Grunde gleiche Tabake ausgegeben hat, hat zurecht die Schnauze voll! Also beginnt die Suche nach Information. Zunächst in den Tabakbeschreibungen der Großen. Verschenkte Zeit...d enn, wer eine Zeit lang das hirntote Blabla zu den einzelnen Tabaken gelesen hat, kommt zu zwei Überzeugungen:
1) Alle Tabake schmecken scheinbar gleich.
2) Wer diese Stümpereien verbrochen hat, hat im Leben noch keine Pfeife angefasst.


Gut, bleibt immer noch der Weg zum Händler an der Ecke. Wer jetzt Glück hat, erfährt wirklich nützliche Details. Eher wahrscheinlich ist aber, dass der "Fach"-Händler zum Tabakpäckchen greift, um dem Interessenten den Text auf der Verpackung vorzulesen - und das ist dann der bekannte Werbetexter-Schwachsinn. Wer den Gipfel des Informationsflusses genießen will, unterhält sich (z.B. auf einer (Haus-)Messe) mit den Außendienstlern der jeweiligen Konzerne - mit der Erkenntnis, dass die noch weniger über die Produkte wissen, als man selbst... und wenn diese Leute dann noch beginnen, die bekannten Werbetexte zu zitieren, ist auch der friedlichste Beginner gewaltbereit!

Doch das ist ja noch nicht alles zum Thema "Verwirrung und Abzocke". Da wird eine bekannte Tabakserie unter gleichen Namen weitergeführt, obwohl sich die Mischungen der Tabake ändern, ohne das das groß publiziert wird. Die bisherigen Mischungen dieser Tabakreihe bekommen dafür einfach ein anderes Kleid und werden als "Neuheiten" eines anderen Tabaklabels vorgestellt. Schön verwirrend? DAS ist der Plan! Kaufmännisch geschickt - keine Frage... der Verwirrte und Verarschte ist der Kunde... tja, "so muss Kaufmann" sagt man heutzutage dazu. Alles Voraussetzungen, die auch den geneigtesten Einsteiger frustriert und ratlos zurück lassen... und im ungünstigsten Fall dafür sorgen, dass er sich doch (wieder) eine Schachtel Marlboro kauft. Wenn man noch dazu berücksichtigt, wie scheißegal den Großkonzernen die Wünsche des hiesigen Pfeifenfreundes mittlerweile sind, kommt man rasch zu der Erkenntnis, dass man sein Geld lieber Leuten auf den Tisch legt, die sich mit viel Arbeit und Herzblut darum bemühen, dem Raucher wirkliche Qualität und besondere Mischungen in die Pfeife zu zaubern.


Die Manufakturen von DTM, HU-Tobacco und Herrn Motzek habe ich schon an anderer Stelle aufgeführt. Sie seien hier aber nochmals besonders heraus gestellt, da man ihre Leistungen für den Tabakmarkt nicht oft genug anerkennen kann. Sie sorgen dafür, dass durch ordentliche Beratung in Schrift und Wort, gute Rohware, handwerklich meisterhafte Bearbeitung und der entsprechenden Liebe zum Tabak an sich der hiesige Tabakmarkt nicht ganz zur Spielwiese munterer Kunden-Verarsche und unterdurchschnittlicher Leistungsbereitschaft verkommt. Wer jetzt noch bedenkt, dass die kleineren Manufakturen ihre Tabake noch nicht einmal teurer verkaufen, als es die oft durchschnittlichen Kräuter der Massenproduzenten sind, kommt vielleicht an den Punkt, wo er sein bisheriges Kaufverhalten auf den Prüfstand stellt.

Die beste "Wahlkarte", mit der man die zunehmende Interessenlosigkeit, die zunehmende Unverschämtheit der "Großen" als Kunde quittieren kann, ist nun mal der Kassenzettel. Ich jedenfalls habe meine Konsequenzen gezogen. Meine Nachkäufe an Tabaken beschränken sich zukünftig auf die o.g. Anbieter. Dazu kommt gelegentlich ein besonderes Kraut des übrigen Marktes - das war's. So bekomme ich alles, was mir schmeckt, in einer Qualität, die ich mir schuldig bin und ohne das Gefühl, ständig auf's Glatteis geführt zu werden. Noch dazu fühle ich mich als Pfeifenfreund wieder ernst genommen... und ich kann Lob, Kritik und Wünsche persönlich anbringen, ohne wie eine lästige Fliege behandelt zu werden.

Wir Pfeifenfreunde werden nicht müde, unsere Individualität und unseren Qualitätsanspruch zu betonen. Pfeife rauchen ist Genusssache... und soll es bleiben. So ist es nur logisch und konsequent, wenn wir uns der inzwischen üblichen Art mit dem Kunden umzugehen verweigern. Beweisen wir, dass wir unserem Ruf gerecht werden... und schieben wir der Meinung, dass der Kunde beliebig manipulierbares "Zahl-Vieh" ist, ein Stöckchen vor! Wir sind in der glücklichen Lage, wählen zu können... also sollten wir uns auch für die beste Qualität und kaufmännische Fairness entscheiden!

Das verstehe ich unter "Slow Smoke"...

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Mittwoch, 9. April 2014

F & K - Merde de Cheval

Kein Apfel in der Dose - Merde de Cheval!

Zugegeben: Allein durch den Namen dieses US-Tabaks habe ich mich zum Kauf verleiten lassen. Zudem verspricht der Vertreiber 4noggins.com eine naturbelassene English Mixture mit besonderer Note. Das ist nicht zu viel versprochen, doch nun mal der Reihe nach:

Der Tabak wird als Eigenmarke der F&K Cigars Co., St. Louis, MO angeboten. Über den wirklichen Hersteller konnte ich nichts in Erfahrung bringen. Die Mischung besteht aus flue cured Virginias und einer gehörigen Portion Latakia. Nach dem Öffnen der Dose erblickt man ein wunderschönes rot-blondes Tabakbild, durchzogen von den deutlichen Latakia- Anteilen. Man sollte diesen Anblick genießen, bevor man seinen Riechkolben dem Inhalt nähert!


Mit der berühmt-berüchtigten und oft fälschlich verteufelten Ketchup Note US amerikanischer Tabake habe ich ohnehin gerechnet. Doch ich erhielt einen linken Haken von unten auf mein olfaktorisches Sensorium: Schwelbrand, Räucheraal, Küche im Bauernhofmuseum oder doch Schwarzwälder Schinken? Die Vorsicht ließ mich zu einer kleinen, uralten Big Ben 641H ohne Filter greifen. Der ideal befeuchtete Tabak lässt sich mühelos entzünden und ohne nennenswerte Kondensatbildung technisch gut rauchen. Aber das Aroma! Die Süße der Virginias ist deutlich und angenehm spürbar. Die vorgenannten Geruchseindrücke bleiben jedoch auch im Rauch voll erhalten, wobei sich jedoch noch ein deutlich wahrnehmbarer Weihrauch Geschmack (!) hinzugesellt. Während bei mir schwere Zweifel aufkeimten, zeigte sich meine Partnerin von der Raumnote, welche bei 4noggins.com vorsichtig als „tolerable“ bezeichnet wird, schlicht entsetzt. Gegen Ende der Füllung lässt die Süße deutlich nach und der Latakia fordert sein Recht ein.

Nachdem der Tabak nun ja die Eigenmarke eines in den Südstaaten ansässigen Unternehmens ist, verfiel ich auf die Idee das Kraut in einer größeren, filterlosen, Maiskolben Pfeife zu verköstigen. Und siehe da! Die genannten Aromen bleiben zwar in vollem Umfang erhalten, wirken aber viel harmonischer. In diesen Pfeifen könnte ich mich mit jenem Kraut glatt anfreunden.


Obwohl nikotinarm, stellt der „Merde de Cheval“ für mich sicherlich keinen „all day smoke“ dar. Aber zu einer sommerlichen Grillparty, auf der Terrasse in einer Corn Cob geraucht, lasse ich das Kraut mir gefallen, zumal seine Raumnote unliebsame Besucher aus dem Reich der Insekten, wie aus der Nachbarschaft (Kinder, kommt! Das Essen wird welk!), zuverlässig fernhält! Der aktuelle Preis der 50 Gramm Dose beträgt US-$ 10,49,--.


Liebe Grüße aus dem bayerischen Süden,
Max



Autor: Dr. Max Kellner

Dienstag, 8. April 2014

STG U.S.A. - Five Brothers

Five Brothers - Volle Deckung !

Wenn der Bursche auf Sie zu kommt: Kinn auf die Brust und beide Fäuste hoch. Sonst haben sie von dem Kraut so schnell eine Links-Rechts-Kombination, dass Ihnen die Pfeife aus der Hand und die Farbe aus dem Gesicht rutscht! Der erste Griff ins Päckchen ergibt in etwa die Geräuschkulisse, als wandere man durch sprödes Herbstlaub. In superfeine Fäden geschnitten und mit dem Duft von getrocknetem Gras empfängt einen der (angeblich) stärkste Pfeifentabak der Welt. Ne, mein Freund... dieser Titel gehört schon dem Tambolaka... also bitte hinten im Wagen Platz nehmen.


Was drin ist? Burley, sonst nichts. Noch dazu junger Burley, ungestüm wie ein Fohlen und stark wie ein Büffel! Er ist kratzig, ruppig und ein ausgesprochener Fall für Fans. Nach meiner Information haben den jungen Burley gern die Tabakbauern in USA als "besonderen Genuss" verraucht. Ob das heute noch so ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Sollten Sie aber am Morgen große Probleme haben den Wachzustand zu erreichen, empfehle ich eine Tasse starken Kaffee und eine Füllung „Five Brothers“. Sie dürfen sicher sein, dass Ihr Herz danach die nötigen Umdrehungen für einen Kavaliersstart in den Tag zusammen hat... und noch im Nebenzimmer zu hören ist!


Mit Sorgfalt gestopft und geraucht bleibt er vorzugsweise in kleineren Köpfen sogar schön kühl. Der Geschmack erinnert an eine Matratzenfüllung, gedreht in Reispapier. Das Raumaroma hat was von Brandrodung im Regenwald. Angeblich soll der Tabak gut zum Mischen und "Aufbürsten" lahmer Blends geeignet sein.


Das Einzige, womit ich ihn mischen werde, sind Grasabschnitt, Kaffeesatz und Eierschalen - auf dem Komposthaufen! So habe ich ihn nicht GANZ umsonst erworben. Allerdings sollte ich vorher klären, ob mir dann die Regenwürmer mit Nikotinvergiftung eingehen. Ne, mit den fünf Brüdern komme ich nicht klar. Liegt vielleicht daran, dass ich ein Einzelkind bin!

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings


Sonntag, 6. April 2014

Sutliff Private Stock - Golden Age

Golden Age - Gold muss man suchen!

Langweilig, uninspiriert, überflüssig, enttäuschend, charakterlos... Ich habe gerade eine Füllung „Golden Age“ durch den gefilterten Kamin einer Vauen geschickt. Warm und wohlig ist mir dabei aber nicht geworden - der Frust sitzt tief. Das war.... ich weiß auch nicht. Virginia/Perique liebe ich... doch dieser Langweiler geht gar nicht. Während ich noch dumpf darüber grüble, ob ich das Review mit ein paar Unflätigkeiten spicke, fällt mir Jogis oft wiederholter, mahnender Satz ein: "Man muss bedenken, dass die Amis ohne Filter rauchen." Stimmt... ok, soll ich noch' ne Runde dem goldenen Zeitalter nachspüren? Schlimmer kann's ja eigentlich nicht werden.


...und plötzlich gibt es ein Schulbuch-Beispiel des berühmten "Aha-Effektes" Dagegen ist Dr. Jekyll und Mr. Hyde eine Lachnummer. Kaum in die Maike-Pipe gestopft und angezündet, schwelge ich im Virginia-Genuss der weichen, samtigen Sorte. Mild, aber mit der richtigen Mischung aus Heuigkeit und Süße, da kratzt und beißt nichts. Durchwoben wird das feine Aroma von der hintergründigen Essignote, der zarten und frischen Säure des Perique.


Keine Aggression, butterweich und feinnervig... delikat, durch die ganze Füllung hindurch. Stabil, nicht so, dass die verschiedenen Tabake wechselseitig die Oberhand gewinnen - einfach gekonnt. Das Beste aber: Selbst, wenn man die Zugfrequenz bewusst erhöht und verstärkt, sottert dieses Kraut kein bisschen. Trotzdem ist kühles Rauchen anzustreben, sonst verliert er die Ausgewogenheit und der Perique wird spitz... und das wäre einfach zu schade für dieses entspannende Raucherlebnis.


Sehr zu empfehlen auch für Beginner, Freunde feiner und milder Mischungen und Aromaten-Raucher mit Abwechslungswunsch. Gusseiserne Perique-Fans wünschen sich vielleicht mehr Bums und Säure... aber, dafür gibt es ja andere Tabake.


Ja, ich weiß auch, dass beinahe alle Tabake mit und ohne Filter unterschiedlich schmecken. Das aber das Weglassen eines Filters aus einem verschnarchten 08/15-Kraut einen wirklich edlen Genuss macht, das erlebe ich nicht allzu oft. Zudem eignet sich der „Golden Age“ hervorragend für erste Rauchversuche ohne Filter. Weil ihm Spitzen völlig fremd sind und er erstaunlich trocken bleibt - volle Empfehlung, also. ...und eine Entschuldigung für die oben geschriebenen Bösartigkeiten. Mein Fehler!

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Mittwoch, 2. April 2014

Kargl - #13

Tief im Westen, nämlich in Recklinghausen, wird bei Pfeifen Kargl Genuss groß geschrieben. Vater Karl und Sohn Christopher haben sich seit ewig den Wünschen ihrer Kunden verschrieben. Man würdigt die Tradition, aber man geht auch mit der Zeit. Wer nicht vor Ort einkehren kann, der stöbert dann im ebay-Shop des Hauses. Es ist nur die logische Folge, dass Pfeifen Kargl auch eine Menge an Hausmischungen bereit hält. Die meisten dürften von Kohlhase & Kopp hergestellt sein. Da gibt es inzwischen eine großartige Range, über die man sich zunächst über einen professionell gestalteten Flyer informieren kann. Und man sieht schnell, dass für jede Geschmacksvorliebe etwas dabei ist.

Die „#13“ ist laut Beschreibung „ein mittelkräftiger Virginia und Broken Virginia mit einer Zitrusnote, angenehm abgerundet durch ein mild-liebliches Honig-Aroma“. Auch wenn die gebrochenen Flakestückchen sensationell in der Unterzahl sind, darf man der Prosa vollkommen zustimmen. Der Duft des überwiegend gerissenen Blattguts ist virginia-typisch heuig und dezent säuerlich. Das Tabakbild zeigt einen zumeist mittelbraunen Tabak, durchsetzt mit ein paar helleren Streifen. Perfekt konditioniert ist die Pfeife leicht gestopft. Es ist eine naturnahe Mischung, die genannte Zitrusnote kann man getrost als obligatorisch bezeichnen und das (angeblich) hinzu gefügte Honigaroma kann man insofern vernachlässigen, als es vermutlich eher zur Stabilisierung des Gesamtcharakters dient. Allerdings ist der Charakter stimmig. Wenn der Kopf nicht zu klein ist, dann öffnen sich feinste Virginia-Aromen. Mild, süßlich, sanft zur Zunge und Gaumen. Wer hingegen wie ein Ochse an der Pfeife zieht, bekommt halt heiße Finger, obwohl der Geschmack auch dann nicht einbricht. Von daher ist die „#13“ auch einsteigerfreundlich.

Und so raucht sich eine Füllung völlig unkompliziert runter, das Ganze in der Tat mittelstark, gleichbleibend und kontinuierlich im Geschmack, bis im Boden nichts als dunkelgraue Asche übrig bleibt. 18,10,-- EURO sind es, die man derzeit für 100 g auf den Tisch legt. Die sind gut angelegt, für einen unaufgeregten, aber qualitativ mehr als soliden Virginia. Insbesondere für den Einsteiger naturnaher Tabakmischungen, fern ab von künstlichen Aromen, zu empfehlen.


Autor: Ralf Ruhenstroth