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Sonntag, 14. Dezember 2014

"Dreizimmerwerkstatt, Küche, Diele, Bad" oder Die Piraten von Recklinghausen!

Ich stehe ein wenig verloren vor dem Haus und weiß nicht, ob ich hier, am Rande des Recklinghausener Industriegebietes, richtig bin. Zum Glück kommt Frau Kolling zeitgleich an und erklärt mir nach freundlicher Begrüßung, dass "die Männer" mich bereits im ersten Stock erwarten. Dort empfangen mich dann, in ihrem vor gediegener Gemütlichkeit strotzenden "Herrenzimmer", Rouven Kolling und Achim Menzel.

Achim Menzel... klingelt da was? Richtig, Achim ist der Vater und Macher der "Tortuga Babes", die mit ihren urigen und massiven Formen seinerzeit einen festen Freundeskreis hatten. Pfeifen wie Felsen, mit karibisch-buntem Auftritt und der legendär gewordenen Silber-Schildkröte auf dem Mundstück. Doch eines Tages verschwanden der Bankdirektor und seine ungewöhnlichen Schöpfungen sang-und klanglos.


Im Gespräch erfahre ich, dass beruflich schwierige Umstände seinerzeit den Ausschlag gaben, die "Tortuga Babes" einzustellen. Mittlerweile ist Achim Menzel aber Bankdirektor a.D. und das ermöglicht, sich wieder mehr mit Holz und Pfeifenbau zu beschäftigen. Übrigens: Wer sich einen Bankdirektor vor der Pensionierung mit Zweireiher und akkuratem Bürstenschnitt vorstellt, wird in Achims Fall angenehm enttäuscht. Ja... er hat tatsächlich was von einem Piraten... was den Zusammenhang mit den Pfeifen deutlich harmonisiert. Da der Schwiegersohn von Achim, Rouven Kolling, Möbel- und Kunstschreiner ist, lag es förmlich auf der Hand, mit dem "Pfeifenschiff" erneut in See zu stechen. Diesmal trägt die Brigg den Namen "Handpipes Kontor Germany" und Rouven ist der neue Kapitän!


Also, die beiden Jungs gemeinsam zu erleben, mit ihnen über ihre Pfeifen zu klönen und zu erleben, wie harmonisch und ideenreich sie ihre nächsten Projekte planen - das hat schon was. Zwei Leute ergeben ja nicht zwangsläufig ein gutes Team... Rouven und Achim schon!

...und das nicht nur beim Pfeifenbau. Die Werkstatt mit angeschlossenem Herrenzimmer ist eine richtige Wohnung. Über drei Zimmer verteilt finden die Geräte ihren Platz, ergänzt von heimeligem Mobiliar, alten Uhren und jeder Menge seemännischer Souvenirs.


Viele der Arbeitsgeräte und Werkzeuge sind selbst erdacht oder zumindest durch eigene Ideen auf optimale Nutzbarkeit getrimmt - das imponiert. Das gemütliche Ambiente tut sein Übriges und so fühlt man sich in dieser "Pfeifenhöhle" rundum wohl. Was auch nicht zuletzt an der offenen und herzlichen Art der "Piraten" liegt.





Es fällt angenehm auf, dass Rouven und Achim auf dem Teppich bleiben. Sie lieben ihre Art Pfeifen zu bauen und sind auch zurecht stolz drauf. Doch sie schätzen ihr bislang erworbenes Können realistisch ein, schwärmen ebenso von der Pfeifenbaukunst anderer Macher und sind ständig bemüht, zu probieren und dazu zu lernen. Den Beiden ist die Pfeife viel mehr als bloßes Rauchgerät. Sie ist ihnen Leidenschaft und gemeinsamer Nenner.


Neu ist z.B. die Idee, auch Lesepfeifen zu schaffen, die die silberne Schildkröte tragen sollen. Ein Exemplar ist bereits fertig gestellt und wird von mir entsprechend bewundert. Rouven und Achim bauen ihre Pfeifen mit großer Sorgfalt und es ist schnell zu merken, dass ihnen jedes einzelne Stück Herzenssache ist. Sie sind begeistert und mit großer Liebe für die Pfeife und die Pfeifenwelt bei der Sache.


Das Design der Pfeifen war schon zu Tortuga-Zeiten reine Geschmackssache und ein Teil der damaligen Formen- und Farbenvielfalt findet sich auch in den Pfeifen des "Handpipes-Kontor" wieder. Es macht diese Rauchmonumente unverwechselbar und zu einem klaren Fall für Fans. Eine solche Pfeife genießt man nicht nur rauchtechnisch, sondern auch haptisch. Diese Menge an Holz in besonderer Form und Oberfläche wortwörtlich zu begreifen, ist schon ein Erlebnis für sich. Doch auch beim Rauchen offenbart meine neue "Schildkröte" Besonderheiten. Sie raucht sich ebenso souverän und lässig, wie es meine Elephant Foots tun. Dieses "Hubraum-Gefühl" bieten nur Pfeifen mit einer satten Menge Holz... es ist schwer zu beschreiben, doch wer es kennt, liebt es. Rouvens Pfeifen haben dabei den Vorteil, mit eher mittlerem Füllvolumen aufzuwarten. Nicht jeder hat schließlich Zeit und Lust für eine Drei-Stunden-Giant.


Natürlich kann man sein persönliches Exemplar auch auf der Webseite aussuchen und bestellen. Wer allerdings in erreichbarer Nähe zu Recklinghausen beheimatet ist, sollte Rouven und Achim eine Freude machen und persönlich vorbei schauen. Dabei lernt man dann gleich zwei sehr sympathische Kerle kennen und kann die besondere Stimmung dieser "Werkstatt-Wohnung" auf sich wirken lassen. 100 km Fahrt, Stau auf dem Hinweg, geblitzt worden auf dem Rückweg... egal! Ich hatte großen Spaß mit den "Recklinghausener Piraten" und freue mich auf eine Wiederholung.

Übrigens sind Achim und Rouven auf der Suche nach ein paar Pfeifengenießern, die Lust auf einen gelegentlichen Stammtisch haben. Wer Spaß daran hat, sollte einfach mal Kontakt zu den Jungs aufnehmen. Danke an Rouven und Achim für einen tollen Nachmittag und für die individuellen und wunderschönen Pfeifen, die sie schaffen.


Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

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