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Montag, 17. November 2014

Zickenterror - Ein Mysterium!

Sixten Ivarsson wird das Zitat zugeschrieben, dass Pfeife "90% Physik und 10% Religion" sei. Ich würde das für diesen Artikel gern abändern... in 80% nachvollziehbare Vorgänge und 20% Mystik. Ein schönes Beispiel ist die Stanwell "Nordic 256" (also noch eine richtige Stanwell), die ich zeitgleich mit Claas Roßmann vor über vier Jahren kaufte. Die Form faszinierte mich und die Besitzer-Freude war groß. Das änderte sich rasch, nachdem die Pfeife in Betrieb ging. Völlig undifferenzierter Geschmack, egal welches Kraut geladen war, schlechtes Glimmverhalten und spätestens beim letzten Drittel Geschnorchel und durchnässter Tabakrest. Nach beinahe 30 Jahren Pfeifenerfahrung ging ich mal davon aus, dass es keine Anfängerfehler seien, die mir die Pfeife verleideten. Somit begann die Suche nach technischen Problemen.


Die ganze Litanei: Erweiterung des Zugkanals im Mundstück, Aufbohrung des Zugloches im Kopf auf 4mm, Wechsel auf Stanwell-Filter, des besseren "Durchzugs" wegen. Ergebnis gleich null. Der Zufall ergab, dass Claas vorbei schaute, die "Nordic" im Gepäck und die gleichen Probleme schildernd. Hm? Wir suchten lange nach Erklärungen, fanden sie aber nicht. Das führte dazu, dass Claas seine "Nordic" entnervt und günstig verkaufte. Ich hätte vielleicht das Gleiche getan, konnte aber die "getunte" Pfeife nicht mehr mit gutem Gewissen anbieten. So fand sie den Weg ins Regal, um dort regelmäßig Staub anzusetzen. Als mal wieder allgemeiner Pfeifenputz angesagt war und ich sie in den Händen hielt, fiel mir auf, dass sie nun schon fast zwei Jahre bei mir war... und in der Zeit nicht einmal wieder ihrer Bestimmung nach kam - weil ich mir die nervige Zickerei ersparen wollte.


Was tun? Die Google-Suche nach einem Pfeifen-Exorzisten gestaltete sich erfolglos... und einen offenen Kamin, in den ich sie hätte werfen können, haben wir nicht. Nun... dann also Plan B. Sie wurde von Stund' an täglich geraucht, immer wieder, zickig oder nicht.... und was soll ich sagen? Nach rund zwei Wochen hatte ich eine lammfromme Pfeife, die gut schmeckte, vorzüglich glomm, mit allen Kräutern zurecht kam... und (ich wage es kaum zu sagen) beim Rauchen richtig Spaß machte. DEN macht sie immer noch, sie wird regelmäßig genutzt und ist aus der Reihe meiner liebsten Pfeifen kaum noch weg zu denken.


Ich habe in den letzten fünf Jahren vier Pfeifen mit den gleichen Symptomen gehabt. Schön gleichmäßig verteilt, eine Stanwell, eine Stollenwerk, eine Crown und eine Knudsen. Wenn Sie nun aber glauben, ich könne Ihnen sagen, wo die Probleme wirklich lagen, muss ich Sie enttäuschen. Der Erklärungsversuche gibt es viele. Nicht recht ausgelagertes Holz, was sich erst einrauchen muss und ähnliche Geschichten liest und hört man immer wieder. Selbst Rick Newcombe hat diesem Mysterium schon Artikel gewidmet... doch auch er wusste keine schlüssige Antwort.


Warum schreibe ich das hier also, wenn ich auch keine Lösung für dieses geheimnisvolle Rätsel habe? Sehen Sie diese Zeilen als moralische Stütze. Immer wieder begegne ich Pfeifenrauchern, die mir ihr Leid über eine Pfeife klagen, die einfach nicht funktionieren, nicht schmecken will. Mein Tipp: Legen Sie sie einfach eine Zeit zur Seite und dann überwinden Sie sich. Rauchen Sie gegen die schlechten Eigenschaften an, zähmen Sie den Mustang. Oft wird Ihnen die Mühe gedankt werden. Durch eine Pfeife, die Sie plötzlich lieb gewinnen, obwohl Sie sie so oft zum Teufel gewünscht haben. In dem Fall sind sinnvolle Erklärungen dann auch weniger wichtig... und man kann mit dem spannenden Gefühl leben, dass eben nicht alle Dinge im Pfeifenkosmos ergründbar sind! Das hat doch auch was...

Ihr Ralligruftie




Autor: Ralf Dings

Kommentare:

  1. Meine "Zicke" heißt mit bürgerlichem Namen "Vauen 126". Das Rauchverhalten dieser kleinen Dame stellt für mich wirklich ein Mysterium dar. Da die Pfeife an sich grammatikalisch ja weiblichen Geschlechts ist, greife ich zu meiner kleinen Vauen Lady wahrscheinlich immer zufällig an ihren Migräne Tagen.
    Aber schön, daß es auch in unserer Zeit noch wahre Mysterien gibt: Pfeifen mit unergründlichen Starallüren, Socken welche sich in der Waschmaschine dematerialisieren, "Nichtraucherschutzgesetze" die den Autoren wohl nach dem Verschwelen von Hanfprodukten aus der Feder geflossen sind, usw..

    Liebe Grüße, Max

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  2. Hi Ralf,
    ich bin wirklich froh, dass ich mit diesem Mysterium nicht, wie ich vorher glaubte, allein bin. Meine zwei Zicken hören auf den Namen Stefano und Vauen. Auch ich habe sie immer wieder gegen ihren Willen geraucht. Und was soll ich sagen: heute sind sie zwei meiner Lieblingspfeifen. Die Überzeugungsarbeit hat sich also gelohnt. Schönes Thema und guter Tipp.
    Beste Grüße
    Markus B.

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