Willkommen bei Jogi-wan...

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Donnerstag, 20. November 2014

Arsch hoch und Spaß daran haben!


Wir können in Deutschland allmählich mal aufhören, irgendwelche ehemals "heiligen" Pfeifenländer zu vergöttern. Frankreich, die Wiege der Pfeife? Wenn Ihnen mal wieder nach einer deftigen Depression ist, besuchen sie St. Claude. Die französische Pfeifenkultur dümpelt mittlerweile im besseren Mittelmaß vor sich hin. England, die "Grand Nation" der Pfeife? Gibt es dort, außer den sattsam bekannten Establishment-Lieferanten überhaupt noch eine originelle, lebendige Pfeifenszene, wenn man von Ian Walker und seinen "Northern Briars" absieht? In den hier so überzogen vergötterten Landstrichen von Irland und Schottland sieht es genauso trist aus. Wirkliche, ursprüngliche Produkte für den Pfeifenmarkt sind doch auch dort längst Geschichte! Dänemark? Das Land, dass dem deutschen Pfeifenraucher eine Ewigkeit lang als Paradies verkauft und auch so empfunden wurde? Natürlich gibt es hier noch viele, alte Stützen der seligen Pfeifenwelt. Doch die Betonung liegt eher auf alt, denn auf selig. Ausgenommen von dieser Beurteilung ist natürlich die Lichtgestalt von Poul Winslow... dazu aber später. Ja, natürlich darf auch Italien nicht vergessen werden. Große Tradition, immer noch große Künstler und erfolgreiche Firmen... aber auch der Produktionsstandort der, zum Teil sehr fragwürdigen, aktuellen Stanwell-Pfeifen. Sicher also auch kein Grund für einen „ehrerbietenden“ Kniefall.

Wo also spielt im westlichen Europa tatsächlich die lauteste und beste Pfeifenmusik? Na, stehen Sie doch mal auf und sehen Sie aus dem Fenster. Schenken wir uns doch zukünftig mal die ganze Katzbuckelei und registrieren selbstbewusst, dass Deutschland unter den Ländern mit Pfeifen-Tradition die mittlerweile klar dominierende Rolle spielt. Das ist sogar unseren Freunden auf der anderen Seite des Teiches aufgefallen... nur uns scheinbar noch nicht... und es beschränkt sich nicht nur auf die Szene des Pfeifenbaus. Tabak-Manufakturen, eine rührige Fan-Szene, wirklich gute Blogs und Foren, kleine, aber originelle Pfeifen-Messen und -treffen. Das alles sind Gründe, auf das "Pfeifenland Deutschland" und auch ein wenig auf uns selbst, stolz zu sein!


Was noch fehlt, zum Pfeifenglück? Nun, zum Beispiel ein wenig mehr Rührigkeit und Gehirnschmalz bei vielen Machern und Firmen. Bei ihren Pfeifen gehören sie oft zur Bundesliga, manche sind sogar für die Championsleague qualifiziert... was aber ihre Chancen-Ausnutzung in Sachen Präsentation und Werbung angeht, erreicht ihr Niveau nicht einmal die Kreisklasse. Da gibt es Webseiten, gegen die jeder Friedhof einen höheren Unterhaltungswert besitzt, da wird jede kostenfreie Möglichkeit, sich zu präsentieren, konsequent gemieden. Nach dem Motto: "Ja, ich baue tolle Pfeifen... aber warum sollte ich das jemandem zeigen und sagen?" Wenn dann eine Veranstaltung ansteht, werden Pläne geschmiedet, Verbindungen geknüpft und Ideen geboren... und all' das ist dann zwei Wochen später wieder sanft entschlafen. Die Verschnarchtheit vieler Pfeifenkünstler ist wirklich kaum in Worte zu fassen.



Nein... es sind nicht alle so, das ist mir klar... aber bei manchen Machern befällt einen diesbezüglich die blanke Verzweiflung. Dabei ist es doch gar nicht so schwer. Wer wissen will, wie es geht, der studiere Poul Winslow, nehme sich ein Beispiel an dessen Cleverness und Bereitschaft zur harten Arbeit. An dessen Zuverlässigkeit und Marketingwissen. Dieser Mann ist nicht umsonst dort angekommen, wo er nun ist. Zu groß als Beispiel? Ok, dann empfehle ich Ludwig Lorenz genau anzusehen. Eine gute Seite, attraktive Aktionen, verlässlich gute Ware und viel Engagement. SO geht das, Herrschaften! Doch auch bei uns Fans liegt viel im Argen, was die Belebung und Erhaltung unserer tollen Pfeifenszene angeht

....und komme mir jetzt bitte niemand mit Facebook und Co. Ein paar hin getippte Sätzchen, ein geklicktes Däumchen sind kein Ersatz für eine real existierende, sich gegenseitig befruchtende und engagierte Pfeifenwelt. DIE erwirbt ihre Gesundheit erst, wenn virtuelle Gemeinschaft durch "richtiges Leben" ergänzt wird. Wo beginnt denn der Spaß für den Menschen durch den Menschen? Wenn ich als Kunde vorm Tresen eines leidenschaftlichen Händlers stehe, wenn ich mich mit Freunden zu einem Pfeifchen verabreden und ihnen beim Gespräch in die Augen sehen kann, wenn ich auf einer Messe Hunderte treffe, die meine Leidenschaft teilen, wenn der Duft von Tabak, Kaffee und Würstchen in der Luft liegt, wenn ich nicht nur in Pseudonymen denken und reden muss, sondern Gesichter sehe und richtige Namen aussprechen kann... wenn sich beim Spaziergang zwei völlig wildfremde Pfeifenraucher gegenseitig anlächeln. Das hier... und alles, was sonst auf den virtuellen Wegen durch die Pfeifenwelt geistert, ist nur ERGÄNZUNG. Bitte nicht mit dem wirklichen Leben verwechseln!


Was ich will? Nun, einen Teil dessen, was ich für mich verwirklichen will, habe ich bereits mit großer Freude umsetzen können. Ich treffe mich mit Machern, Freunden, lieben Menschen. Suche sie auf oder empfange sie gern in meiner kleinen Pfeifenbude. Ich besuche Fachgeschäfte und Messen, so sie in gut erreichbarer Entfernung liegen und lasse wieder mehr "echtes Leben" zu. Das ist, was ich in Ergänzung zur Arbeit an diesem Blog als den Spaß an der Pfeife und an den Menschen dahinter für mich definiere. Davon wünsche ich mir mehr, überall... als Gemeinschaft zwischen Produzenten und Machern auf der einen und Liebhabern und Kunden auf der anderen Seite.

...und damit bin ich nicht allein, wie die erfreulichen Erfolge solcher Veranstaltungen, wie Speyer und Lohmar beweisen. Wenn wir DAS schaffen... auf der einen Seite professionelle und bereichernde Nutzung des Werkzeugs Internet und auf der anderen Seite zumindest regionale Zusammenkünfte, Stammtische oder spontane Treffen... wenn wir das schaffen, haben wir die Chancen, die der wunderbare deutsche Pfeifenmarkt bietet, zu unser aller Freude und Nutzen ausgeschöpft. Dafür, denke ich, lohnt es sich, etwas zu tun.


...und bitte: Ich kann dieses abgenudelte Argument vom Zeitmangel nicht mehr hören oder ertragen! Wenn ALLE so denken und argumentieren würden, gäbe es kein Speyer, keine YT-Videos, keine Foren-Organisation, kein Lohmar, keinen Blog. Denn DIE Leute, die diese Sachen stemmen und organisieren, haben ihre Zeit auch nicht auf dem Rummel geschossen. Sie sind nur dazu bereit, nicht ewig zu konsumieren, sondern auch selbst zählbare Ergebnisse beizutragen! Die deutsche Pfeifenszene hat allen Grund, stolz auf sich zu sein... aber keinerlei Veranlassung, die Hände in den Schoss zu legen!


Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Kommentare:

  1. Deutschland ist heute klar die. dominierende Pfeifen Liebhaber Nation!
    Zum Glück, sonst würde ich als Schweizer mit kurzen Hosen und Bürstenschnitt jenseits im Schilf stehen.
    L.G. Reto

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  2. Die von dir so lieblos abgewunkene FB Pfeifengruppe "Pfeife - Facebooks Pfeifenfreunde hat schon mehrere solcher Treffen veranstaltet. Bei mir ist angekommen was du im Grunde sagen willst. Evtl. verstehst du ja auch was ich sagen will.

    Gruß
    Dirk

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  3. Einmal das Übliche bitte ....

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    1. Also einmal destruktiven Sauertopf und dazu ein Magenbitter !?
      Kommt sofort !

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  4. Hallo Ralf,

    ich teile deine Ansichten grundsätzlich, aaaaaber:

    die Facebook-Einschränkung würde ich so auch nicht stehenlassen wollen. ;-) Es geht in den Gruppen, oder besser gesagt: in der "Community" nicht NUR um die "üblichen" fruchtlosen Diskussionen , die in Foren besser aufgehoben wären und schon hinlänglich totdiskutiert worden sind. Gruppen wie zB German Pipe Art fungieren erfolgreich als Präsentationsraum unserer jungen und etablierten Macher.

    Fast alle Macher sind auf FB verbunden, kommentieren, inspirieren sich, international. Amis, Russen, Asiaten, alle! - wobei global der Trend schon längst zu Instagram tendiert und viele US-Freehander (J. Alan, Batson, Cannoy und und und und) die Pfeifen wenige Minuten nach dem Posten der Fotos als verkauft deklarieren können und die Bilder direkt in ihre Gallery/Archive zu laden, statt zu den available pipes...

    Hier stimme ich dir auch zu, DAS liegt wohl auch am Marketing der Leute und da geht hierzulande noch deutlich mehr. ABER: Viele von denen praktizieren Pipemaking eben auch als Hauptberuf - und das ist eben bei den jungen BL-/CL-reifen hiesigen Machern noch nicht der Fall. Insofern würde ich die Erwartungshaltung gegenüber unseren Machern in Bezug auf Marketing und Business Strategies etwas relativieren wollen.

    Wir sind auf einem guten Weg, dat wird!

    Grüße aus Bonn, Chris

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    1. Nachtrag für Ralf: Ich hab dir bei Youtube mal ne Nachricht hinterlassen. Bin gespannt, was du dazu denkst. :)

      Chris

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    2. Lieber Chris,
      es geht mir nicht darum. die Chancen und Möglichkeiten der sozialen Netzwerke abzuwerten oder in Frage zu stellen.Sie sind heute natürlich Teil des Marktes und des Marketings...aber eben nur ein Teil. Für viele Leute findet aber die Pfeifenwelt nur noch virtuell statt...und das ist eindeutig zu wenig.
      Liebe Grüße, RALF

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    3. Grosse Klasse, Chris ! Dieses beschissene YT-System...Dein Post war als Spam gemarkt und nachdem ich ihn freigegeben habe, verschwunden.
      Schick`mir das Ganze doch bitte an sandraschuerbusch@web.de
      DAS funktioniert wenigstens. Tut mir leid.
      Lieben Gruß, RALF

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  5. Ich kann diesem Beitrag nur zustimmen!

    Habe jahrelang in der Branche gearbeitet, und kann bestätigen das uns im Prinzip die ganze Welt um so eine Fachhändler- Dichte beneidet! Wo auf der Welt gibt es das sonst? Ganz zu schweigen von den ganzen Pfeifenmachern... Apropos: Bei zahlreichen Veranstaltungen sind mir viele kleinere Pfeifenmacher aufgefallen, deren Pfeifen wirklich toll waren. Aber sind diese Pfeifenmacher z.B. aufgestanden als sich jemand an den Stand verirrte? Haben sie sonst irgendwas dafür getan bekannter zu werden? Poul Winslow für seine hohen Stückzahlen zu kritisieren ist einfach...aber der Mann lebt verdammt gut davon! Er tut was für die Pfeife auch in der öffentlichen Wahrnehmung! Ich denke viele Pfeifenmacher sollten sich von ihm eine gehörige Scheibe abschneiden. Grüße,Chris, Wuppertal

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  6. Jop kann ich bestätigen...
    Ohne FB wäre ich noch nirgens in der weltweiten Pfeifenscene. 98% all meiner Pfeifen gehen nach Amerika. Und da eine Pfeifenscene in der Schweiz inexistent ist bin ich sehr froh darüber FB zu haben und kontakt mit all den künstlern zu haben die gleich denken wie ich. Klar, ich hätte das alles lieber 1:1, mehr persönlich und im 2.0 net.

    Liebe Grüsse,
    Yves

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    1. Noch ein Nachtrag...
      Fakt ist, das du recht hast. DE ist das Zentrum hier in Europa. Was ich aber nicht verstehe ist, das speziell die Deutschen Firmen ausschliesslich Filter Pfeifen herstellen. Es würde mich wunder nehmen was passieren würde wen Vauen es zustande bringen würde und tatsächlich Filter lose Pfeifen herstellen würde. Dann hätte wv. Sogar och eine in meiner Sammung :)

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    2. Hi mein lieber,

      Vauen hatte eine filterlose Serie im Angebot. Die war in der ersten Charge ruckzuck ausverkauft und die zweite Charge wollte keiner mehr haben. Deshalb hat Vauen sich nur noch auf den Filtermarkt konzentriert.

      Es war also der "Markt" der sich da reguliert hat. Schade für uns "ofi-Raucher".

      Beste Grüße und bis bald!

      Tim

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    3. Oh
      Wusst ich nicht. Weisst du wie die Serie hiess?

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  7. Der Eindruck, das deutsche Pfeifenmacher hierzulande recht marketingfaul sind, täuscht nicht.
    Der Grund hierfür, muss allerdings nicht immer mangelnder Geschäftssinn sein ....

    Häufig ist es nämlich so, dass viele Pfeifenmacher sich im Schwerpunkt auf den ausländischen Pfeifenmarkt festgelegt haben und hier in Deutschland nur spordisch Präsenz zeigen.
    Aber wie passt das zusammen, wenn Deutschland doch das Pfeifenmekka sein soll!?!

    Man könnte es jetzt diplomatisch umschreiben, aber im Grunde ist der Sachverhalt ganz einfach: Es wird dort besser gekauft und besser gezahlt!!
    Zudem gibt es im Ausland die "Filterproblematik" nicht.

    Nicht schön, aber leider die Realität ...









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  8. Hallo

    Ich habe natürlich mit gelesen. Und selbstverständlich habe ich eine eigenständige Meinung dazu. Ich bin pensioniert und habe jede Menge Zeit, mich mit dem Pfeifenrauchen zu beschäftigen. Meine Frau hat mich bereits für einen Termin bei der Dentalhygienikerin angemeldet. Meine Zähne sind ihr etwas zu braun. Sie hat Recht; seit meiner Pensionierung rauche ich viel mehr. Und ich probiere Tabak, Pfeifen etc.. Ich bin Fan von Volker Hahn, der macht Super-Pfeifen und von Colja, der wahrscheinlich die Szene der Pfeifen-macher aufmischen wird. Die Pfeifen sind sensationell, noch preiswert, aber bereits zu Höherem berufen. Ich schätze mich glücklich, schon einen Auftrag platziert zu haben. Später wird es wohl zu teuer für mich. Die "Driftwoods" sind absolute Klasse; leicht und gut zu rauchen. Die deutsche Pfeifenszene lebt; auch wenn ich nicht gerade Freund von Filterpfeifen bin. Im Notfall gibt es Adapter, aber lieber dann schon oFi. Es gibt genügend gute Pfeifenmacher in Deutschland, die sich aber tatsächlich ein bisschen "offensiver " präsentieren könnten. Gesundes Selbstvertrauen schadet nie. Als Schweizer bin ich mich aber an eine eher defensivere Verhaltensweise gewöhnt. Aber trotzdem: Warum forcieren sie nicht die kaufmännische Offensive? Genauso wie die Deutsche Fussball-nationalmannschaft? Da war ja am Anfang der WM-Titel auch noch nicht so präsent. Geschafft haben sie es doch.
    Zeigen Sie Ihre Pfeifen so, wie sie sich vorstellen, sie zeigen zu müssen. Keine falsche Bescheidenheit.

    Herzliche Grüsse

    Hans

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  9. Nachtrag: So ein Leibchen würde ich mir auch gerne besorgen

    Gruss Hans

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  10. Ein Pfeifenstammtisch in erreichbarer Nähe (Von Bo. nach Köln ist einfach ätzend) oder mal eine kleine Tauschbörse oder eine kleine Probiertabak-Stube am Wochenende wäre vielleicht ein Anfang - ich werde da auf jeden Fall mitmachen!

    Gunnar

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