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Sonntag, 3. August 2014

Wie man sich selbst das Wasser abgräbt - Über den Handel und Wandel mit Pfeife und Co.


Es gibt nichts Neues auf dem Markt unserer Leidenschaft. Keine originellen Ideen bei Pfeifen und Zubehör mehr. Die Händler suchen händeringend nach Frischzellen für ihre Schaufenster... doch die Armen fischen im Trüben. Die Pfeife stirbt aus, da steckt niemand mehr Gehirnschmalz und Enthusiasmus in die Entwicklung neuartiger Zubehör-Ideen oder
Pfeifenstile. Ja, die Händlerzunft kann einem leid tun!

Eine tragische Geschichte, die viele Fachhändler ihren Kunden nur zu gern erzählen. Fest steht, dass dieser Unsinn frei erfunden ist und ein guter Teil der "führenden" Fachhändler für die angebliche Misere selbst die Verantwortung trägt. Wer Augen und Ohren offen hält, weiß, dass die Begeisterung, die Liebe zum Handwerk rund um die Pfeife ungebrochen ist. Gerade in diesem Jahr sind neue Gesichter in der Szene erschienen, die mit viel Qualität, hellem Kopf und Freude an der Sache Pfeifen und Zubehör entwickeln und geschaffen haben, auf die der Markt tatsächlich schon lange wartet. Nun gilt es zu klären, warum diese Artikel dann nicht oder nur sehr sporadisch den Weg in den Handel finden, obwohl man angeblich auf sie wartet, seit Moses vom Berg stieg!

Dröseln wir doch einmal auf, wie eine Pfeife, ein Pfeifenständer entsteht und letztlich den Weg ins heimische Raucherzimmer findet. Dazu möchte ich mich verschiedener Punkte bedienen, die letztlich eine entsprechende Kette bilden: Idee-Planung-Rohstoffbeschaffung-Fertigung-Präsentation-Beratung-Verkauf.


Der Macher hat zunächst einmal die Idee. Dann folgen seine Planungen, wie und mit welchen Materialien seine Idee umzusetzen ist. Nun gilt es, die entsprechenden Werkstoffe zuzukaufen und aus ihnen den geplanten Gegenstand zu fertigen. Das ist, da wird mir niemand widersprechen, der anspruchsvollste und langwierigste Teil der Kette. Im Falle des Pfeifenbaus schleicht sich hier auch noch ein hoher Risikofaktor ein. Bei Pech mit dem Rohstoff muss das begonnene Werk abgeschrieben werden. Wenn nach drei Stunden Bohren und Schleifen eine massive Fehlstelle im Holz auftaucht, waren Materialeinkauf und Arbeitszeit für dieses Projekt umsonst. Gleiches gilt aber auch z.B. für den Ständerbau. Da erweisen sich Materialien als nicht haltbar genug, verziehen sich u.s.w. Soll heißen, dass auch das gesamte Fertigungsrisiko auf Seiten des Machers liegt... und das kann mächtig ins Geld gehen - was ja bei einer entsprechenden Kalkulation berücksichtigt werden muss.


Damit ist der "Produzententeil" der Kette abgeschlossen und es geht zum Händler. Der nun muss die Güte des Produktes begutachten, entscheiden, ob er es kauft, es dann in seinem Laden präsentieren und die "Manpower" aufbieten, das Produkt selbst oder von geeignetem Personal anzubieten (anbieten zu lassen) und die passenden Kunden zu finden. Was nun folgt, ist der Jahrtausende alte Vorgang des Handels. Denn auch der interessierte Verkäufer hat Kosten und muss leben. Lange, sehr lange hat sich der Vorsatz: "Leben und leben lassen" als der richtige Weg für solchen Handel erwiesen. Doch die grassierende Seuche des "unverhältnismäßigen Gewinnstrebens" hat einen bedeutenden Teil der mächtigeren Händlerschaft scheinbar mit aller Kraft erfasst. Für diesen Teil der Zunft steht fest, dass er mindestens die gleiche Summe, die er dem Produzenten zu zahlen bereit ist, für sich auf den Preis drauf rechnet... am besten und liebsten noch mehr. Sein Plan, sich die Taschen richtig zu füllen, kann aber nur funktionieren, wenn er den Produzenten ordentlich im Preis drückt und er auf der anderen Seite genügend erdachte Geschichten hat, die er dem Kunden auftischen kann, um die horrenden Preise zu erklären. Da wird dann von unverschämten Produzenten fabuliert, von ungerechtfertigt hohen Personal- und Betriebskosten und ähnlich bösen Umständen, die den armen Händler als gequälte Kreatur erscheinen lassen. Geschickte Händler schaffen beide Hürden. Das kostet den Produzenten u.U. die Existenzgrundlage, auf jeden Fall verliert er den Mut und die Motivation für weitere Ideen. Das dünnt die in Frage kommende Käuferschicht aus, da viele Interessenten die Preise nicht mehr zahlen können und wollen.... und es bereitet den Nährboden für immer mehr Eigenvermarktung der Produzenten per Webseite und/oder Hersteller-Messen.


Um dem Fass die Krone ins Gesicht zu schlagen, klagen dann besagte Händler immer lauter über das böse Internet und seine verheerenden Folgen für einen gesunden Fachhandel. Scheinheiliger geht es nun wirklich nicht mehr! Realiter ist es ein Fakt, dass der Verlust des Fachhandels vor Ort eine nicht zu schließende Lücke reißen würde. Internet hin oder her... nur der Fachhandel bietet direkte Vergleichsmöglichkeiten, bei denen man die in Frage kommende Ware auch anfassen und nicht nur sehen kann. Nur der Fachhandel bietet individuell auf die Situation abgestimmte Beratung. Es ist auch beileibe nicht das Gros der Händler, dass handelt, wie oben beschrieben. Hier geht es um die großen Fische, die einflussreich und öffentlichkeitswirksam den Handelsbereich nach außen verkörpern. Denen die Macht, in einem immer kleiner werdenden Markt, die Möglichkeit gibt, mit lächelndem Gesicht DIE Äste ab zusägen, auf denen eine ganze Branche sitzt.

Statt die Notwendigkeit eines allgemein gesunden Handels einzusehen, von dem alle Seiten, Produzenten, Händler und Kunden, profitieren, werden die eigenen Ansprüche mehr und mehr vergrößert oder zumindest auf unverhältnismäßig hohem Niveau gehalten.
Mit kaufmännischer Nachhaltigkeit hat das langfristig wenig zu tun... aber die scheint ja auch unrettbar von der Gier abgelöst worden zu sein. Ich weiß sehr wohl, dass diese Zeilen an der bestehenden Misere nichts ändern werden. Sie sind auch nicht als mahnender Zeigefinger gedacht - die angesprochenen Händler würden sich davon ohnehin nicht beeinflussen lassen. Doch, vielleicht denken Sie beim nächsten Mal über die Geschichten etwas anders, die die "Gutsherren" der Händlerriege so von sich geben.

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Kommentare:

  1. Hallo Ralligruftie,

    sehr guter Artikel, in dem sehr viel Wahrheit liegt.
    Leider hast du auch mit diesem Satz wahrscheinlich Recht: "... die angesprochenen Händler würden sich davon ohnehin nicht beeinflussen lassen."

    Mir kommt die ganze derzeitige Situation so vor, als ob die "großen" diesen Markt als sterbend deklariert haben, noch versuchen etwas Geld mitzunehmen (mit Grausen beobachte ich die Preisentwicklung im Bereich Pfeife) und dann damit abschließen wollen.
    Jegliches Zukunftsorientierte Handeln macht natürlich unter der Prämisse keinen Sinn mehr und man darf nicht vergessen, dass viele Firmen sowieso nicht mehr mit dem "schrecklichen" Rauchen in Verbindung gebracht werden wollen.

    Cheers,
    Dorian

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  2. FachHändler können durch den extremen Druck des Internet Händlers kaum noch verdienen. Die Gewinnspanne eines Internet Händlers liegt bei ca. 7-max.15% bei einem normalen Produgt in der Unterhaltungselektronik. Um aber kostendeckend zu rechnen braucht der Stationäre Handel aber einen Durchschnitt von ca. 25%. Der Kunde besteht auf den Internet Preis sonst geht er wider. Die Industrie scheisst auf den Fachhändler da er eh keine riesen Stückzahlen abnehmen kann. Durch die EU ist es möglich über Polen Ware günstiger im EK zu beziehen wenn man die nötigen Kontakte hat. Der einfache Fachhändler bleibt auf der Strecke. Das Internet incl. EU hat das sterben in den Innenstädten voran getrieben. Schuld sind wir alle weil jeder meint es noch 3€ günstiger haben zu müssen.
    Schaut Euch mal die Amazon Aktie an die rutscht immer mehr ab weil für die Aktionäre nichts mehr bleibt. Amazon macht zurzeit richtig Miese. Weil Sie auf Teufel komm raus die NR.1 sein wollen. Zallando schreibt auch rote zahlen und wer bezahlt die Schulden wir Steuerzahler.

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    1. Entschuldigung, lerne zuerst bitte(!?!) rechtschreiben (oder falls zuuuu Aufgeregt, abkühlen;-) )
      Was Sie schreiben bezüglich Polen&Co. -> könnte ja der "Fachhändler" genau(!) sooooo machen ... !?! Oder ?! ;-)

      Typisches EU/Poilitker & sonstiger "Scheiss" (Ihr 'Wortspiel') - BASHING ...
      CIAO & GRAZIE VOI ;-) 😉✌

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  3. Bei meinem lokalen Pfeifendealer liegen seit Jahren mehrere frühe Walles. Offenkundig sind sie zu den verlangten Preisen nicht verkäuflich. Ich habe meinem Händler mehrmals angeboten, eine dieser Pfeifen gegen einen entsprechenden Nachlaß zu kaufen. (Ich weiß, daß ca. 50 Prozent des Ladenpreises für den Händler sind; mein Händler weiß aber wohl nicht, daß ich das weiß, und erzählt mir immer wieder rührende Geschichten...) Statt einen anständigen Rabatt zu gewähren, zieht man es allerdings offensichtlich vor, die Pfeife weiter im Laden liegen zu lassen... Mir rätselhaft, ob das kaufmännisch vernünftig ist. Jedenfalls habe ich die Pfeife inzwischen abgeschrieben.

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    1. Da sollte ein Kaufmann schon klug sein und die Ware abstoßen wenn Sie überaltert, auch wenn es weh tut.

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  4. wer heutzutage nicht selbst online vermarktet ist eigentlich selber schuld. Wobei ich in einem Ladengeschäft die ominösen 100% Aufschlag ja noch ein wenig verstehe, bei online Händlern ist das im besten Falle seltsam. Leider wahr ist das wirklich gute Leute bei solchen Ankaufspreisen die Lust am Pfeifenbau verlieren, wohlgemerkt bleiben den Pfeifenbauern vom Händlerpreis 50% - vor Steuer…auf die Frage weshalb das denn so sei bekommt man immer lapidar weil es "so üblich" ist….also Leute - die neuen Medien nutzen, fest in den social networks Werbung machen und eigene websites kreieren…das geht doch...

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  5. Hallo zusammen,

    also mal 2 Sachen:
    1. mein Händler des Vertrauens, welcher sich immer auf ein Geschäft eingelassen hat, konnte sich leider auch nicht halten
    2. ein neu gefundener Händler, welcher auch online vertreibt, hat keine Probleme und macht im Geschäft Super-Angebote

    kurzum:
    Es gibt nicht nur schwarze Schafe unter den Händlern aber ohne Online-Geschäfte hält man sich heutzutage nur schwer über Wasser denke ich.

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  6. In meinem Heimatort Moers hatten wir mal zwei gut sortierte (Fach)geschäfte. Das Fachgeschäft mit wirklich guter Beratung und einen guten Verkäufer hat mangels Nachfolger inzwischen geschlossen.

    Das verbliebene Geschäft hatte früher eine gute Auswahl. Inzwischen sind sie auf den Zug der Sisha und Alcoholica gesprungen. Neue Tabake-fehlanzeige. Als ich nach dem hier im Forum besprochenen Dunhill bb 1938 Tabak fragte, hatte die ( ehemals Preisträgerin für langsamstes Pfeiferauchen) Fragezeichen in den Augen und meinte, ich solle selbst einmal schauen ob ich ihn entdecke. Was soll ich sagen: es War nur der nightcap im Regal. Ein anderes mal fragte ich nach 6mm filtern und bekam die Auskunft, die würden nicht mehr hergestellt. Wenn nur ein Teil des sog. Fachhandels arbeitet, dann gute Nacht! Ich fahre lieber ins 45 km entfernte Düsseldorf und gehe zu Linzbach. Dort bekomme ich qualifizierte Beratung und sogar Proben, was man in Moers nicht sagen kann. Und: für normale Tabake habe i h entdeckt, das meine Vorkassen Lottoannahmestelle mir sehr gern Tabake bestellt. Ich musste zwar nachfragen-aber man gab mir bereitwillig den Katalog und ich konnte mir aus dem Angebot heraussuchen und eine einzelne Dose bestellen, die in drei Tagen auch da War .

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