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Sonntag, 24. August 2014

Einrauchpaste - Geliebt, gehasst und selbst verschuldet!

Sie wird in diesem Jahr 46 Jahre alt. Seit 1968 mischt man Wasserglas und Holzkohle zu einer Paste, die in den noch ungerauchten Pfeifenkopf gestrichen wird. Das Wasserglas dient der Gluthemmung und das Kohlepulver sorgt im Kopf für die nötige Rauhheit, damit sich möglichst schnell eine Carbonisierungsschicht im Kopf bildet. Soweit die puristische Theorie. Nun gibt es aber immer Leute, die den Ball noch runder machen wollen. So fanden mit der Zeit auch Graphit (zur dunkleren Färbung), Schamott (für zusätzliche Härte der Paste) und Quarzmehl (um die Paste rauher zu machen) Verwendung. Nicht so wirklich appetitlich? Nun, es wird noch besser. Irgendein Frankenstein beschloss, dass Gummi arabicum eine tolle Alternative zum Wasserglas sei - als Bindemittel. Das das Verbrennen ätherischer Baumharze bei hohen Temperaturen dem Satz: "Rauchen schadet ihrer Gesundheit" eine deutlich ausgeprägtere Bedeutung gibt, bedachte unser Entdecker allerdings nicht.


Wie auch immer die Zusammensetzung ist... wir müssen (oder dürfen?) seit dieser Zeit mit der Paste in den meisten Pfeifenköpfen leben. ...und wenn der Liebhaber italienischer Rauchhölzer nun im Brustton der Überzeugung äußert: "Nun...ICH nicht!", so irrt er in den meisten Fällen. Um die edle Betonung zu verstärken, greifen die italienischen Freunde gern zu purem Wasserglas... und das ist nach dem Trocknen durchsichtig. Eigentlich ein sympathischer Trick, wenn man dort nicht gern auf die Idee käme, dem Wasserglas Honig zur Geschmacksverbesserung beim Einrauchen hinzuzufügen. ...und auch, wenn schon seit Generationen der Blödsinn kursiert, man solle ungerauchte Tabakräume vor dem Einrauchen mit Honig einreiben: Zucker verbrennt unter sehr hohen Temperaturen... und somit steigt die Gefahr, eine neue Pfeife zu heiß zu rauchen. Etwas, das die erwähnte Schutzpaste eigentlich verhindern soll.


Gibt es denn nun keine andere Möglichkeit, den Raucher vor dem empfindlichen Bruyere zu schützen? Stop - falscher Denkansatz! Die Paste dient dazu, dass ohnehin sehr robuste Holz vor dem Raucher zu schützen. Dem fällt nämlich auch und gerade beim Einrauchen allerhand kaum zu fassender Unsinn ein. Da wird die neue Pfeife gern zum herbstlichen Angelausflug an die Nordsee mitgenommen, oder man raucht sie mit Freude beim Auto fahren. Natürlich mit offenem Fenster, damit Mutti später nicht über ein verqualmtes Auto schimpft. Da wird jeder mögliche Unrat in die Pfeife gerieben oder geträufelt, damit sie beim Einrauchen perfekt wird... Hauptsache, viel Zucker und abnorm hohe Holztemperaturen! Nein, nein... bei der Reklamation gegenüber dem Händler und/oder Macher ist selbstverständlich nie der Raucher schuldig - IMMER das Holz. Natürlich gibt es auch Ein- oder Durchbrenner, die auf mangelhaftes Material zurück zu führen sind... oftmals durch Holzfehler, die der Macher nicht sehen konnte... Realisten schätzen diesen Anteil aber auf gerade mal 5% der Schadensfälle!


Zusätzlich dient die Paste aber auch dazu, schlechte Maserung und kleine Fehler (Spots) im Kopf zu überdecken. Ja, damit gehen die Macher ganz offen um und stehen dazu. Wobei man aus Raucherkreisen gern hört :"Ich will Pfeifen ohne Paste, damit ich mich auch vom erstklassigen Holz im Kopf überzeugen kann." - Wissen Sie, auf wie viele Pfeifen es zutrifft, dass sie außen und innen perfektes, fehlerfreies Holz aufweisen? Bei den "Liebhabern", die so etwas fordern, handelt es sich entweder um Enthusiasten mit prall gefüllter Brieftasche... oder schlicht um Traumtänzer! Ich tendiere dazu, an Zweiteres zu glauben... wie sonst käme die hohe Anzahl Pfeifenfreunde zusammen, die für 100-120,-- € absolut spotfreies Holz mit erstklassigem Grain fordern?

Ein weit verbreiteter Irrtum ist auch, dass Pfeifen mit Paste nicht eingeraucht werden müssen. Dabei hilft die Paste nur, eine Kohleschicht im Kopf aufzubauen, sie ersetzt sie nicht etwa! Also gilt auch für Pfeifen mit Paste: mit weitgehend unaromatisiertem Tabak bis zum Rand füllen, schonend und möglichst kühl rauchen - einfach achtsam sein... und das für mehrere Füllungen. Angeblich dient die Paste ja auch der Geschmacksverbesserung beim Einrauchen. Ja, nacktes Holz kokelt an seiner Oberfläche natürlich... und verglimmende Holzfasern schmecken nun einmal nicht nach Sahne-Bonbons. Doch auch unter den Einrauchpasten gibt es Verbrechen, die mit "widerwärtig" nur sehr unzureichend umschrieben sind. Man denke an die frühere Paste von Peterson oder an das ekelhafte Geschmiere, dass DB seinen Rauchern auch aktuell noch zumutet.


Wie geht denn nun die "Königsklasse" unter den Machern mit dem Thema um? Nun, Rainer Barbi vertrat z.B. stets die Meinung, dass eine neutrale Paste den Genuss beschleunigen kann und daher als Hilfsmittel sowohl legitim als auch wünschenswert sei. Bei Noltensmeier/ Hansen von BANG wird nicht diskutiert. Die Paste ist drin – basta... und so halten und hielten es die "traditionellen Dänen" ebenfalls... während in Italien eher der "durchsichtige Trick" Anwendung fand und findet. Ich persönlich akzeptiere eine gute Paste, wenn sie schon mal drin ist. Seinerzeit wollte ich mal auf "Hardcorer" machen und habe die Paste bei einer Winslow ausgeschliffen... das tu' ich mir nicht noch einmal an!


Mein Favorit ist allerdings ein superglatt geschliffener Innenraum ohne Paste. Eigentlich widersinnig, weil ein grob geschliffener (oder mit rauher Paste versehener) Tabakraum die Kohleschicht viel schneller aufbaut. Ich stütze aber die Theorie von Andrzej Piontek (Mimoto-Pipes) und ein paar anderer Macher, die besagt, dass eine extrem glatte und somit hoch verdichtete Fläche im Kopf besonders hitzeresistent ist und die Kohleschicht später extrem gut anhaftet und gleichmäßig wird... wenn es auch mindestens 10-15 Rauchdurchgänge erfordert, sie zu schaffen. Ich gehe sogar noch weiter und behaupte, dass Pfeifen, die mit diesen Bedingungen sorgsam eingeraucht werden, besser schmecken! ...und wesentliche Mehrarbeit bei der Herstellung ist es auch nicht. Es ist nämlich ein Trugschluss vieler Macher, dass es reiche, einen Innenraum grob zu schleifen, bevor man die Paste einbringt. Der Käufer hat nachher den Ärger, wenn sich Stücke der Kohleschicht lösen, weil der Macher bei dem Arbeitsschritt geschludert hat - übrigens keine gute Werbung!

Letztlich lässt sich aber bei diesem Thema genauso wenig Einigkeit erzielen, wie bei der Filterfrage. Die einen so......

Sorgsames Vorgehen beim Einrauchen ist aber bei jeder Variante wichtig. Geht es schief, liegen die Fehler selten bei der Pfeife... und ein Durchbrenner, der nicht auf mangelndes Material zurück zu führen ist, ist eine Schande für den Raucher - da bin ich kompromisslos!

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Kommentare:

  1. Hallo Ralf,
    nun man kommt ja mittlerweile kaum an der Einrauchpaste vorbei... Eine Estate von Olaf Langner hatte bisher die Beste die ich in einer Pfeife vorgefunden habe. Aber wenn es die Möglichkeit gibt verzichte ich auch gerne. Ich habe eine alte, neuwertige Peterson ohne Einrauchpaste mit den Navy Rolls von Dunhill eingeraucht und sie für diesen Tabak reserviert :-) Meines erachtens nach nehmen Pfeifen ohne Einrauchpaste auch viel besser Aromastoffe auf. Nach mehreren Dosen ist der Geschmack nun richtig intensiv rund... Viel intensiver als wenn ich die Navy Rolls aus einer anderen Pfeife rauche.

    Lieber Gruß Til

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  2. Ach... Und noch eine (leider mit Einrauchpaste) für den Motzek Strang... Für die Navy Rolls von Dunnhill und für den Motzek Strang würde ich zwei Pfeifen reservieren und sie auch mit den feinen Kräutern einrauchen... Nach 10-20 Füllungen wird es Leckerschmackomatschmackofatzbombastisch :-D

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  3. Tschau Ralf

    Die Einrauchpaste ist für mich selber unnötig. Teilweise verfälscht die anfänglich den Tabakgenuss mehr als das bloße Bruyère Holz, indem sie anfänglich den Tabak geschmacklich kontaminiert. Die Paste von Designe Berlin war bei den älteren Modellen wie Gummi, der sich an einigen Stellen verknotete – musste diese an einem Exemplar mit dem „ Pipenet“ ausräumen. Bei unbehandeltem Tabakraum achte ich mich auf ihre glatten Eigenschaften und auf eventuelle Holz-Sprießen die bei der Bohrung. Entdecke ich solche Mängel, bearbeite ich den Tabakraum nach. Viele italienische Pfeifen haben keine Einrauchpaste. Ich fülle den Tabakraum während der Einrauch-Phase circa zwölfmal locker mit naturnahem Tabak in normaler Schnittbreite, also keine Flakes oder irgendwelchen Presstabak- die man ja danach verwenden kann, wenn eine Kohleschicht da ist.

    Beste Grüße
    Reto

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  4. Mir ist das ziemlich Wurscht, ob da ´ne Paste drin ist oder nicht. Ich rauche grundsätzlich nur handwarm - egal ob beim sog. Einrauchen oder später. Einen richtigen Cake lasse ich nicht entstehen, da ich meine Pfeifen nach dem Rauchen mit einem Küchenpapier auswische. Eine Kohleschicht entsteht dabei trotzdem, aber eben dünn. Das reicht. Durchbrenner? Fehlanzeige! Klar, ekelige Einrauchpasten braucht kein Mensch. Da 80 % meiner Pfeifen aber Vauen oder welche ohne Einrauchpaste sind, mache ich mir dazu keine Gedanken. Und das Reservieren von Pfeifen für bestimmte Tabake praktiziere ich auch nicht - höchstens für bestimmte Tabakrichtungen. Trotzdem oder gerade deswegen habe ich meinen Spaß und Genuss am Pfeiferauchen. Von daher: Alles easy - egal ob mit oder ohne.... Einrauchpaste natürlich!...;)

    Viele Grüße,
    Sascha aus Mering

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    1. Ja Sascha, so praktiziere ich das mit meinen Pfeifen auch.
      Beste Grüße
      Reto

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  5. Ich habe dutzende von Pfeifen eingeraucht und noch nie Probleme gehabt.

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  6. Ich finde Pfeifen ohne die schwarze Einrauchpaste einfach viel ästhetischer. Ich habe einige sehr schöne Savinellis, deren Brennraum immer auf's feinste glatt geschliffen war. Ich hab mich dann immer schwer getan, sie da erste Mal in Betrieb zu nehmen und diese wunderschöne Holzoberfläche "anzuschwärzen".
    Einrauchen ist für mich irgendwie kein Thema. Ich stopfe meine neue Pfeife - zumeist naturnah - rauche sie und gut ist. Ich hatte damit nie Probleme.
    Wenn ich die Wahl habe, am liebsten aber immer ohne das schwarze Zeug im Brennraum.
    Liebe Grüße vonne Küste
    Dirk

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