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Sonntag, 15. Juni 2014

Rattray's - Macbeth

Die Vorgeschichte dürfte bekannt sein. Kohlhase & Kopp hat die Produktion der Peterson-Tabake abgegeben. Herr Kopp wäre aber ein schlechter Geschäftsmann, würde er die bisherigen Peterson-Mixturen einfach einstampfen und nicht weiter verwerten. So kommt es, dass die "Rattrays-Familie" plötzlich unerwarteten Zuwachs bekommt und der bisherige "Sherlock Holmes" (Peterson) zu "MACBETH" (Rattrays) mutiert. Freilich nicht, so versichert man im Hause K & K, ohne das noch etwas Feintuning in die Mischungen investiert wurde. Da der "Sherlock Holmes" stets zu meinen bevorzugten Peterson-Mischungen gehörte, bin ich natürlich neugierig, was das Feintuning (zusätzlich zur Königskrone) noch gebracht hat.


Unmittelbar nach dem Öffnen der Dose folgt erst einmal dicker Ärger. Der sehr feinfädig geschnittene Tabak ist derart feucht, dass man ihn eher als rauchbare Knetmasse bezeichnen könnte. Ein Rauchversuch mit dem klammen Kraut geht dann auch entsprechend in die Hose. Er glimmt schlecht an und durch, wird schnell heiß, brennt rasch im Mundraum und will kein Aroma entwickeln, dass auch nur entfernt an den „Sherlock Holmes“ erinnert. Auf der Rückseite der Dose ist übrigens von purem Virginia mit Burley die Rede. Warum man krampfhaft den "ordentlichen Löffel" Aroma verschweigen will, der dem Tabak beigemischt ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Es riecht jedenfalls süß-fruchtig und erinnert mich irgendwie an den Geruch von Cognac-Bohnen, frisch aus der Packung.

Also... raus mit dem Monarchen an die frische Luft. Sehr sorgfältig ausgelegt verbringt der Gute die Nacht auf dem Küchentisch. Wollen wir doch mal schauen, ob das seinen königlichen Manieren auf die Sprünge hilft. Die Konsistenz, der Griff in den Tabak am nächsten Morgen... ja, DAS ist schon eher das, woran ich mich vom „Sherlock Holmes“ erinnere.... auch der billig wirkende Geruch hat sich deutlich abgeschwächt. Genau richtig konditioniert wandert der Königliche nun in die Hasan Gezer mit ordentlichem Füllvolumen. Allein schon das Einbringen der dünnen Tabakfäden in den Kopf gelingt jetzt deutlich besser, ohne Klumpen... und ohne, dass man sich hernach die Finger abtrocknen muss.


Das Entzünden klappt ohne Zicken und bald schon glimmt der „Macbeth“ gleichmäßig in der Pfeife. ...und sofort sind sie da. Die sanften Virginia-Aromen, blumig und nicht zu süß, die dezente Nussigkeit des Burley. Unaufgeregt, ausgewogen und mild. So, wie ich es vom "Sherlock Holmes" gewohnt war. Eher ein Aristokrat, dieser Tabak. Im guten Stil alter, sanft aromatisierter Mischungen, rauchbare Nostalgie. Yo Man, King Mac... da geht was!

Das ist MEIN alter Liebling. Ein "No Brainer", den man in Ruhe und ohne große Aufmerksamkeit genießen kann. Schön kühl halten, sanfte Züge... dann beißt er auch nicht. Dem Kenner offenbaren sich die feinen Aromen in dezent delikater Art und Weise, dem Beginner macht er es nicht schwer, eine klassische Mischung zu entdecken... vorausgesetzt, man hat sein Zugverhalten unter Kontrolle. Wird er zu heiß, kippt er, wird bissig und langweilig.


Noch Fragen, Hauser? Ja schon... was soll diese sinnlose Überfeuchtung des frisch geöffneten Tabaks? Ist das eine Möglichkeit, durch Wasser ein paar Gramm Tabak zu sparen? Genießen kann man diesen "Old Man" jedenfalls erst nach entsprechender Trocknungszeit. Schade, vielleicht hätte ich ihn vorher und nachher wiegen sollen... bei Samuel Gawith-Tabaken offenbart dieses Experiment auch regelmäßig erstaunliche Ergebnisse. Zweite Frage: Ist dieses "Cognacbohnen-Aroma" der Feinschliff, den dieser Tabak erhalten sollte? Wenn ja, rate ich eher zum Verzicht. Nach Trocknung und Verflüchtigung eines Großteiles dieses, doch recht eigenartigen "Dufts" schmeckt der „Macbeth“ jedenfalls deutlich besser!

Schluss mit dem Gemeckere... ich bin jedenfalls froh, dass es "MEINEN" alten „Sherlock Holmes“ weiterhin gibt... auch, wenn ich ihn nun mit "Eure Majestät" anreden muss!

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings



Kommentare:

  1. Wie gut, dass wir im Laden noch Sherlock Holmes von KK bekommen haben.

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  2. Hallo Ralf,
    "Unmittelbar nach dem Öffnen der Dose folgt erst einmal dicker Ärger. Der sehr feinfädig geschnittene Tabak ist derart feucht, dass man ihn eher als rauchbare Knetmasse bezeichnen könnte."

    Das kann ich bei meiner Dose so nicht bestätigen. Der MacBeth war bei mir weder zu feucht, noch zu "nass", dass man sich hiernach die Finger abtrocknen musste. Ich konnte meine erste Füllung durchrauchen, mit 2 Streichhölzern, ohne das ich den Tabak "trockenlegen" musste. ;-)

    Geschmacklich....naja, der MacBeth hat mich nicht so begeistert.

    cheers
    Ingo

    -

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  3. Hallo Ralligruftie vielen Dank für das Review. Mich würde interessieren ob sich der Macbeth wieder in Richtung des von mir schmerzlich vermissten Sherlock in der Murrays Version (die Dose war auch schöner mit Sherlocks Profil) tendiert. Dieser war nämlich besonders und käme einem Genie wie Holmes viel näher, mit einer ordentlichen Portion Nikotin versteht sich.
    Gruß
    Jo

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    1. Hallo Jo,
      ich erinnere mich nicht mehr wirklich lebhaft an die alte SH-Version, meine aber, er sei deutlich kantiger und kräftiger gewesen, als das jetzt bei "Macbeth" der Fall ist, der doch deutlich in Richtung Mainstream rund geschliffen wurde. Die alten Charakterköpfe verschwinden aber ohnehin immer mehr...leider !
      Lieben Gruß, RALF

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  4. Der sherlock holmes wird von arnold andrè immer noch vertrieben...
    mit ensprechendem aufkleber auf der rueckseite und mitmac barens steuerbanderole .
    Bei der beschreibung schliesse ich mich ralligruftie an.
    wessen mischung da jetzt wirklich drin ist ,kann ich nicht genau sagen ,ob mac baren oder k&k
    viele gruesse michael r.

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