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Donnerstag, 19. Juni 2014

Das "Fächertuning"

Allgemein ist es immer noch üblich, dass eine Pfeife mit dem Reiz und Charme ihres Holzes, der Maserung und Farbe am meisten punktet. Das ist verständlich, wird durch Form und Schönheit doch unsere Aufmerksamkeit zunächst einmal geweckt. Der Pfeifensammler macht sicher auch keinen gravierenden Fehler, sich nach dem Erstkontakt weiterhin auf diese Punkte zu konzentrieren. Wer die entdeckte Pfeife aber später auch zufrieden rauchen will, sollte sich für andere Details mindestens genauso interessieren. Die Ausführung des Mundstücks, der Biss und vor allem die Ausarbeitung des Rauchkanals darin sind wesentliche Punkte für "Rauchzufriedenheit". Die Auffächerung des Rauchkanals am Ende des Mundstücks war in früherer Zeit und bei seriösen Machern eher eine Selbstverständlichkeit. Da diese Arbeit aber hohes Können voraussetzt und viel Zeit in Anspruch nimmt, wird sie gerade in der heutigen Zeit gern mal "vergessen". Gerade bei Pfeifen, deren Mundstücke aus vorgefertigten Rohlingen bestehen und bei industriell gefertigten Pfeifen... auch den Hochpreisigen.

Es gibt haufenweise fachlich hochstehende Abhandlungen über das Thema. Könner wie Jürgen Börner, Heinz Döteberg und sogar Rainer Barbi haben dem "Fächer" ganze Aufsätze gewidmet. Das ist gut so, sind die Strömungsverhältnisse doch erst mit entsprechender Rauchverteilung im Mund wirklich perfekt. Man muss aber kein Pfeifenphysiker sein, um den Sinn der Auffächerung des Rauches am Biss zu verstehen. Beinahe jeder kennt die verstellbaren Düsen an der Spitze eines Gartenschlauches. Ist die Spitze auf "voll" gedreht, verlässt ein gebündelter, fester Strahl den Schlauch um auf einer eng begrenzten Fläche mit ziemlicher Wucht aufzutreffen. Dreht man die Spitze aber zurück, fächert sich der Strahl fein und breit auf. Das Wasser benetzt eine große Fläche, trifft sanft auf und vermischt sich unterwegs deutlich mehr mit Umgebungsluft, als ein fester, dünner Strahl. Deswegen werden Schwebepartikel und Stäube in der Luft mit gesprühtem, nicht gespritzten Wasser gebunden. Soweit die Wasserspiele.


Umgesetzt auf die Pfeife bedeutet dies, dass ein "Rauchstrahl" recht konzentriert auf eine kleine Fläche im Mund trifft. Nur ein Teil der Geschmacksnerven wird direkt angesprochen... dieser Teil aber mit einer förmlichen Reizüberflutung. Die Stelle im Mund kann sogar nach kurzer Zeit durch Überlastung mit unangenehmem Brennen reagieren, speziell im Bereich der Zunge. Mindestens ebenso wichtig und für den Geschmack entscheidend ist aber, dass das Aroma sich nicht so gleichmäßig verteilt, wie es gewünscht und möglich wäre. Fächert man den Rauch auf, verteilt er sich sanft und gleichmäßig im Mund, erreicht deutlich mehr Punkte, mit denen wir Geschmack empfinden, reizt erheblich weniger und steigert das Aroma-Empfinden zusätzlich durch die Vermischung mit der Umgebungsluft.


WIE wesentlich der Unterschied ist, habe ich neulich bei einem "Tuning-Experiment" erfahren dürfen. Die abgebildete Pfeife kaufte ich vor vier Jahren in Lohmar bei Holmer Knudsen. Es war ein absoluter Spontankauf, Liebe auf den ersten Blick. Daheim ärgerte ich mich schon darüber, dass der Biss nur ein kreisrundes "Rauchloch" mit minimal angedeutetem Fächer besaß. Tja, eigene Schuld... Konzentration auf die Optik... s.o. Natürlich rauchte sich die Pfeife gut, anders bin ich es von Holmers Pfeifen auch nicht gewohnt. Trotzdem blieb immer der Ärger darüber, wie viel Potential durch diesen lieblosen Rauchkanal verschenkt wurde.


Bis mein Freund Claas Roßmann die Pfeife in die Hände bekam und mir anbot, den Rauchkanal entsprechend aufzufächern und auszuarbeiten. Nun, wer schon ordentliches Geld für eine Pfeife ausgegeben hat, zögert nicht, noch einmal ein paar Euros zu investieren, um die Pfeife zu perfektionieren. Gesagt - getan. Sicher habe ich mit einem Unterschied gerechnet... das der aber SO gravierend sein würde, hat mich dann doch überrascht.


Um es in Zahlen auszudrücken, würde ich den geschmacklichen Zugewinn mit wenigstens 20 % Prozent beziffern. Wenn man überlegt, welcher Hokuspokus ansonsten mit Pfeifen und Tabaken veranstaltet wird, um nur ein Minimum an Zugewinn zu erzielen...?! Zumal sind Tabake, die sonst aus dieser Pfeife eher aggressiv und vordergründig schmeckten plötzlich ein Genuss... was mich deutlich häufiger zu diesem Rauchwerkzeug greifen lässt. Ich mag sie dadurch jetzt auch viel mehr, diese Knudsen... und das ist ein paar Euro sicher wert.



Wenn Sie also zukünftig eine höherwertige Pfeife kaufen, ergötzen Sie sich an ihrer Schönheit... aber vergessen Sie nicht, auch den wesentlichen, "technischen" Details Ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Es zahlt sich aus... weil nur diese Details letztlich aus Ihrem Neuerwerb auch eine geliebte Pfeife machen!

Ihr Ralligruftie



Autor: Ralf Dings

Kommentare:

  1. Nunja, der Effekt wird umso geringer, je weniger stark/schnell ich ziehe (analog zum Schlauch: bei wenig Durchfluß ist kaum noch ein Unterschied am Ende zu sehen).
    Dennoch sollten sicherlich die Bissenden gefächert ausgearbeitet sein, alleine schon damit sich keine Kondesattropfen dort bilden !
    Aber wenn nicht gefächert: umso sachter rauchen...

    Gruß - Manni

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    1. Moin Manni,
      nun...ich kann jetzt die Kraft meines Zuges da nicht genau einordnen, rauche aber zumindest so sanft, dass meine Pfeifen selten über den Zustand " handwarm " hinaus gehen. Doch bereits bei dieser Rauchweise ist für mich ein klarer Unterschied feststellbar. Vielleicht einigen wir uns auf " besser isses " :-)
      Lieben Gruß, RALF

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    2. Hi Ralf,
      klar ist es besser ;-)
      Bei Physik werde ich halt manchmal pedantisch....

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  2. Deshalb fächere ich immer bis aufs Maximum auf. Sieht zwar nicht Standart mässig aus aber ich habe festgestellt das ich vorallem bei feinen Virginias ein deutlich grösseres geschmaks erlebnis habe.

    Liebe Grüsse aus der Schweiz,
    Yves / Ygrek Pipes

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    1. Hallo Yves,
      Du arbeitest eh nicht "Standard", wie ich schon aus bewegten Bildern und von Nick Beer erfahren habe- und das ist gut so !
      Stimmt, gerade bei feineren Geschmacksnuancen kann ich Deine Ansicht nur bestätigen.
      Liebe Grüße, RALF

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