Willkommen bei Jogi-wan...

Willkommen bei Jogi-wan...

Sonntag, 13. April 2014

Slow Smoke - Über das Bewusstsein beim Rauchen


Ich finde die Idee der "Slow Food"-Bewegung sehr sympathisch. Mal wieder darüber nachdenken, WAS man isst und trinkt, woher es stammt. Die Möglichkeit, durch bewussten Genuss die regionalen Produzenten und ihre hochqualitativen Produkte wieder wahr zu nehmen und schätzen zu lernen. Sich selbst durch aufmerksame Auswahl etwas Gutes zu tun.... und ich stelle fest, dass ich diese Gedanken für mich auch mehr und mehr auf das Pfeife rauchen übertrage.

Sich intensiv und interessiert mit dem auseinander zu setzen, was man da raucht, hat für jede Erfahrungsstufe Vorteile. Vorausgesetzt, man ist nicht nur Konsument von Pfeifentabak, sondern man will der Leidenschaft das Maximale an Genuss abgewinnen. Beim erfahrenen Pfeifenraucher kommt das Interesse an den Feinheiten quasi von selbst. Er kann bereits klar differenzieren, Qualitäten einstufen und sich so eine gewisse Übersicht schaffen. Wenn er auf diesem Level die Möglichkeit hat, recht einfach und umfassend zu Informationen über seine bevorzugten Kräuter zu kommen, nutzt er sie gern. Hier bieten sich Tabake der kleineren Manufakturen geradezu an. Ist es doch ein Leichtes, in die Tasten zu drücken oder den Hörer ans Ohr zu legen, um "mal eben mit dem Chef" ein paar Worte zu wechseln. Das schafft Information, es schafft Transparenz und oft auch ein geradezu persönliches Verhältnis zu Machern und Produkten. Für MICH schafft das einen zusätzlichen "Genuss-Effekt" und ich glaube nicht, dass das nur mir so geht.


NOCH wichtiger, eigentlich entscheidend über den Werdegang, sind solche Möglichkeiten für Beginner. Wie sieht denn der Markt für jemanden aus, der gerade erst zur Leidenschaft findet und sich einen Überblick verschaffen möchte? Deutschland hat ein riesiges Angebot an Pfeifentabaken, doch die Menge macht es nicht. Die Großkonzerne geben sich dem Hobby hin, die immer gleiche Matratzenfüllung mit ständig anderen Saucen-Cocktails zu übergießen, um am laufenden Band "brandneue Formen des „Supergenusses" zu kredenzen. Oder aber sie wetteifern darin, eigentlich uralten Kräutern immer wieder neue "Mäntelchen" über zu streifen, um so Neugier und Kaufinteresse zu wecken. Hunderte, angeblich einmalige Hausmischungen entstehen, in dem man oftmals gleiche Grundmischungen mit immer anderen, bunten Etiketten beklebt... und sie (im maximalen Fall der Originalität!) dezent anders aromatisiert.

Das dient nicht gerade der Übersicht... und auch nicht dem kostenorientierten Einstieg. Klar, Lehrgeld zahlt jeder... aber, wer dreimal Geld für immer andere Namen, aber im Grunde gleiche Tabake ausgegeben hat, hat zurecht die Schnauze voll! Also beginnt die Suche nach Information. Zunächst in den Tabakbeschreibungen der Großen. Verschenkte Zeit...d enn, wer eine Zeit lang das hirntote Blabla zu den einzelnen Tabaken gelesen hat, kommt zu zwei Überzeugungen:
1) Alle Tabake schmecken scheinbar gleich.
2) Wer diese Stümpereien verbrochen hat, hat im Leben noch keine Pfeife angefasst.


Gut, bleibt immer noch der Weg zum Händler an der Ecke. Wer jetzt Glück hat, erfährt wirklich nützliche Details. Eher wahrscheinlich ist aber, dass der "Fach"-Händler zum Tabakpäckchen greift, um dem Interessenten den Text auf der Verpackung vorzulesen - und das ist dann der bekannte Werbetexter-Schwachsinn. Wer den Gipfel des Informationsflusses genießen will, unterhält sich (z.B. auf einer (Haus-)Messe) mit den Außendienstlern der jeweiligen Konzerne - mit der Erkenntnis, dass die noch weniger über die Produkte wissen, als man selbst... und wenn diese Leute dann noch beginnen, die bekannten Werbetexte zu zitieren, ist auch der friedlichste Beginner gewaltbereit!

Doch das ist ja noch nicht alles zum Thema "Verwirrung und Abzocke". Da wird eine bekannte Tabakserie unter gleichen Namen weitergeführt, obwohl sich die Mischungen der Tabake ändern, ohne das das groß publiziert wird. Die bisherigen Mischungen dieser Tabakreihe bekommen dafür einfach ein anderes Kleid und werden als "Neuheiten" eines anderen Tabaklabels vorgestellt. Schön verwirrend? DAS ist der Plan! Kaufmännisch geschickt - keine Frage... der Verwirrte und Verarschte ist der Kunde... tja, "so muss Kaufmann" sagt man heutzutage dazu. Alles Voraussetzungen, die auch den geneigtesten Einsteiger frustriert und ratlos zurück lassen... und im ungünstigsten Fall dafür sorgen, dass er sich doch (wieder) eine Schachtel Marlboro kauft. Wenn man noch dazu berücksichtigt, wie scheißegal den Großkonzernen die Wünsche des hiesigen Pfeifenfreundes mittlerweile sind, kommt man rasch zu der Erkenntnis, dass man sein Geld lieber Leuten auf den Tisch legt, die sich mit viel Arbeit und Herzblut darum bemühen, dem Raucher wirkliche Qualität und besondere Mischungen in die Pfeife zu zaubern.


Die Manufakturen von DTM, HU-Tobacco und Herrn Motzek habe ich schon an anderer Stelle aufgeführt. Sie seien hier aber nochmals besonders heraus gestellt, da man ihre Leistungen für den Tabakmarkt nicht oft genug anerkennen kann. Sie sorgen dafür, dass durch ordentliche Beratung in Schrift und Wort, gute Rohware, handwerklich meisterhafte Bearbeitung und der entsprechenden Liebe zum Tabak an sich der hiesige Tabakmarkt nicht ganz zur Spielwiese munterer Kunden-Verarsche und unterdurchschnittlicher Leistungsbereitschaft verkommt. Wer jetzt noch bedenkt, dass die kleineren Manufakturen ihre Tabake noch nicht einmal teurer verkaufen, als es die oft durchschnittlichen Kräuter der Massenproduzenten sind, kommt vielleicht an den Punkt, wo er sein bisheriges Kaufverhalten auf den Prüfstand stellt.

Die beste "Wahlkarte", mit der man die zunehmende Interessenlosigkeit, die zunehmende Unverschämtheit der "Großen" als Kunde quittieren kann, ist nun mal der Kassenzettel. Ich jedenfalls habe meine Konsequenzen gezogen. Meine Nachkäufe an Tabaken beschränken sich zukünftig auf die o.g. Anbieter. Dazu kommt gelegentlich ein besonderes Kraut des übrigen Marktes - das war's. So bekomme ich alles, was mir schmeckt, in einer Qualität, die ich mir schuldig bin und ohne das Gefühl, ständig auf's Glatteis geführt zu werden. Noch dazu fühle ich mich als Pfeifenfreund wieder ernst genommen... und ich kann Lob, Kritik und Wünsche persönlich anbringen, ohne wie eine lästige Fliege behandelt zu werden.

Wir Pfeifenfreunde werden nicht müde, unsere Individualität und unseren Qualitätsanspruch zu betonen. Pfeife rauchen ist Genusssache... und soll es bleiben. So ist es nur logisch und konsequent, wenn wir uns der inzwischen üblichen Art mit dem Kunden umzugehen verweigern. Beweisen wir, dass wir unserem Ruf gerecht werden... und schieben wir der Meinung, dass der Kunde beliebig manipulierbares "Zahl-Vieh" ist, ein Stöckchen vor! Wir sind in der glücklichen Lage, wählen zu können... also sollten wir uns auch für die beste Qualität und kaufmännische Fairness entscheiden!

Das verstehe ich unter "Slow Smoke"...

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Kommentare:

  1. Moin!
    Recht hast Du! Ich bin schon seit Jahren überzeugter Kunde von DTM und HU. Man sollte aber nicht die "Hausmarken" guter Händler vergessen, auch hier gibts gelegentlich "Schätze" - meist gemischt von Kohlhase und Kopp.
    Ich hatte letztens Gelegenheit in Leipzig die Sächsische Tabakstube von Lutz Merker zu besuchen und im hauseigenen Sortiment rumzuprobieren - echt empfehlenswert. Ich habe einen recht natürlichen Tabak mit Bergamotte-Aroma gefunden, der spontan zum Lieblings-Smoke wurde! Aber auch die anderen Mischungen sind empfehlenswert und ich habe entsprechend zugeschlagen :-)

    MfG
    Gunnar

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Moin Gunnar,
      stimmt schon...einige Haustabake sind ebenfalls echte Charakterköpfe und als Genuß zu bezeichnen. Doch auch im Bereich "Haustabake" wird oft und gern getrickst und gespart.
      Ich selber habe übrigens auch zwei Tabake von Merker auf meiner "Dauerliste".
      Lieben Gruß, RALF

      Löschen
  2. Super Artikel
    Schön geschrieben!

    Ich erlaube mir an dieser Stelle für die Schweiz folgende Empfelungen auszusprechen.
    Roman Peter
    Schürch Tobaccos
    Tabakfabrik Roth
    Und zu guter letzt den Pfyffe Laade

    Viele Grüsse,
    Yves

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke Yves...für die richtige und notwendige Ergänzung, die ich nur unterschreiben kann ! Ich habe es zu sehr aus dem deutschen Blickwinkel gesehen. Pardon ! :-)
      Lieben Gruß, RALF

      Löschen
  3. Sevus Ralf, ein wahres Wort wir wir werden hinten und vorne verarscht von allen Seiten nicht nur als Pfeifengenießer. Noch dazu haben wir in österreich noch das Problem an Gute Tabake ranzukommen, Dan Pipe versendet nicht nach Ö. und viele andere auch nicht, hängt mit unserem Tabakmonopol aus maria Theresias Zeiten zusammen. Mich zum Beispiel würden die Motzek Tabake sehr interessieren. Du hast da nicht vielleicht einen Rat für mich? Danke für Deine wahren Worte und Gruß aus Ö.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Servus Johann,
      das "Tabakmonopol" ist eine Sache, die man eher in der ehemaligen DDR, als in einem (angeblich) marktwirtschaftlich orientierten EG-Land vermuten sollte. Ich verstehe auch nicht, wieso Deine Landsleute in diesem Punkt so ruhig und zurückhaltend sind.Die Unterstützung Eurer Nachbarn wäre Euch sicher !
      Was bislang funktioniert hat, ist eine deutsche "Zwischenstation", von der aus der Tabak als Geschenk nach Austria geschickt wird...ich weiss nur nicht, in welcher Menge und Häufigkeit das klappt !
      Liebe Grüße, RALF

      Löschen
  4. Moin Ralligrufti,

    wie wahr, wie wahr! Ich bin seit 1987 Kunde von der DTM, und immer noch sehr zufrieden. Besonders deren Flakes haben es mir angetan. Der "Hamborger Veermaster" und der blaue "Kriswill sind meine absoluten Lieblingstabake, natürlich in der 250 g "Triebtäterpackung"! Beide sind in den Jahren immer besser geworden, und brauchen keinen Vergleich mit anderen Flakes jedweder Hersteller zu scheuen. Wenn ich mal in Kiel bin, decke ich mich bei Motzek mit seinem Tabaken ein, vornehmlich der Rope. Da ich unweit der dänischen Grenze wohne, habe ich mich bis etwa Mitte der 80ziger dort mit Tabak versorgt. Alles was Rang und Namen hatte, habe ich damals geraucht. Der heute unheimlich gehypte Three Nuns war sozusagen mein Alldaysmoke. Für das Gebotene ist er mir nun viel zu teuer. Ich bin unheimlich dankbar, dass es DTM, HU und Motzek gibt!

    AntwortenLöschen
  5. Der "Three Nuns" ist ein gutes Beispiel, finde ich. All`die Diskussion um seine neue Zusammensetzung ist müßig. Deswegen wird sie nicht geändert und Wünsche der Kunden werden in "diesen Kreisen" eher mit einem Lächeln ab getan. Wer einen guten Tabak in der Richtung sucht, greift zu Hans Wiedemanns "Directors Cut" und straft die "Unerreichbaren" einfach mit Ignoranz. Deiner Dankbarkeit schliesse ich mich übrigens vorbehaltlos an !
    Lieben Gruß, RALF

    AntwortenLöschen