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Dienstag, 25. März 2014

Raffauf "Waxed Cotton" oder Pfeifen-Wellness für die Hosentasche

Ich bin ein Dieb... und ich bin es gern. Mein Großvater gab mir den Rat, mit den Augen zu stehlen. Überall dort genau hinzuschauen, wo Profis arbeiten. Um Tricks, Materialien und Arbeitsweisen zu sammeln - um zu lernen. Ein guter Rat!

Da ich am Rande der Klingenstadt Solingen arbeite, wo immer noch die besten Messer der Welt gemacht werden, hatte ich auch Gelegenheit, einem der letzten Messermacher bei seiner reinen Handarbeit zuzusehen. Diese Messer sind Kunstwerke und entsprechend werden sie auch aufgeputzt, bevor sie den Weg zum Kunden antreten. Als der 75-jährige Meister daran ging, den Griff zu vollenden, langte er nach einer kleinen Dose, die meine Aufmerksamkeit erregte - quasi meine "Diebstahls-Neigung" weckte. Auf die Frage, was das sei, sagte er : "Dat is' got, Jung... dat Beste... do kasse ock dinne Schau met maken!" Übersetzt soviel, dass das das Beste sei und man auch die Schuhe damit putzen könnte. Schuhputzzeug für Holz?


Nein, weit gefehlt. Beim "Raffauf Waxed Cotton" handelt es sich um ein uraltes Rezept aus Wollfett (Lanolin), Bienenwachs, Jojoba- und Sojaöl. Dient zur Imprägnierung von Baumwollstoffen (Wachsjacken und Co.), zur Pflege von Leder UND von Holz. Der Meister führte aus, dass diese Creme das Holz schütze, es nähre, die Maserung gut hervorbringe, es aber nicht glatt und rutschig mache - was bei einem Messergriff ja fatale Folgen haben könnte. Sie ahnen, was kam?

Ich bat um den Lappen und rieb die rauchwarme Pfeife damit ab... und war BAFF! Sofort fühlte sich das Holz geschmeidig, sauber und weich an, die Farben frischten auf... einfach edel. Sah aus, wie gerade poliert... und gab sogar dem Mundstück frischen Glanz zurück. Meinen begehrlichen Blick auf die Dose kommentierte der Meister mit: "Dat is' got... ewer et is' ock düer. Dat mottste deck selver koopen!" Er wies also noch einmal auf die Güte der Creme hin - aber auch auf ihren hohen Preis. Das müsse ich mir selber kaufen.


...und das habe ich getan. Bei www.manufactum.de finden sie die besagte Creme unter dem Suchbegriff "Bienenwachsimprägnierung". In Anbetracht der ungeheuren Ergiebigkeit finde ich 12,50 Euro für die Dose allerdings nicht wirklich teuer. Bislang habe ich jede Pfeife damit in noch leicht warmem Zustand behandelt. Egal, ob Bruyere, Olive, Mooreiche oder Ebenholz. Der Effekt ist verblüffend. Die Creme ist frei von Parfum- und Konservierungsstoffen und super sauber und einfach zu verwenden.


Für mich die Wellness-Oase für Pfeifen. Ob es Alternativen gibt? Keine Ahnung, das "Raffauf Waxed Cotton" überzeugt mich, ist frei von Chemie und von einem alten Meister empfohlen. Was will ich mehr? Wer also seinen Pfeifen etwas Gutes tun will - dicke Empfehlung!

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings


Kommentare:

  1. Hallo Ralf,

    super, vielen Dank für den Tipp. Werde mir gleich mal ein Döschen von bestellen.

    Besten Gruß aus BW
    Michael

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  2. Das von Dir an dieser Stelle vorgestellte Mittel ist mir bislang im M ... Katalog entgangen.
    Die Zusammensetzung kommt mir allerdings bekannt vor. Seit Jahren verwende ich ein "Lederpflegemittel" der Firma Herrmann & Goepfert GbR zur Pflege meiner glatten (!) Pfeifen: CARAT.
    Näheres findet Ihr unter www.carat24.de
    Für rustizierte oder sandgestrahlte Pfeifen kann ich es allerdings nicht empfehlen. Auch unter Zuhilfenahme eines ausgedienten Dachshaar-Rasierpinsels ist mir das gleichmäßige Aufbringen des Mittels noch nie gelungen.
    Aber dennoch gilt auch hier: Es gibt sie noch, die guten Dinge!

    Liebe Grüße
    Max

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    1. Lieber Max,
      es gibt sicherlich Alternativen, die ebenso gut wirken. ich wäre nur bislang nicht auf die Idee gekommen, solche Mittel zur Pfeifenpflege einzusetzen. :-)
      Mit rustizierten und gestrahlten Oberflächen gibt es beim Raffauf eigentlich kein Problem. Ich wärme es leicht an und bringe es mit einem weichen Microfasertuch auf. Das gründliche Abreiben gestaltet sich allerdings etwas schwieriger. Doch, der Effekt lohnt die Arbeit, wie Du bereits ausführst.
      Liebe Grüße, RALF

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  3. Und wie lange hält die Geschichte denn an? 2-3 Rauchvorgänge (der abgegebene Effekt auf die Pfeife)? Hört sich gediegen an, was Du da schreibst ;-)
    Beste Grüße, Danilo

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    1. Lieber Danilo,
      auf diese Frage kann ich Dir keine exakte Antwort geben. Es kommt wohl auch darauf an, wie kühl oder heiß die Pfeifen geraucht werden.
      Ich wiederhole den Vorgang einfach nach Lust und Laune falls mir eine Pfeife zu "matt" erscheint. Eine von mir regelmäßig gerauchte und 1976 (!) in Dänemark erworbene Stanwell sieht noch immer aus wie neu!
      Ich trage das Mittel hauchdünn (!) einfach mit Küchenkrepp auf und trage dazu allerdings weiße Baumwollhandschuhe, wie sie bei "Orinoko" (oder wie heißt dieser südamerikanische Fluß?) als "Elektronikhandschuhe" vertrieben werden. Dadurch vermeide ich unschöne Fingerabdrücke. Und danach lasse ich die Pfeife einfach 2 Tage ruhen. Fertig.
      Enjoy Your Smoke,
      Max

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    2. Dem habe ich nichts hinzu zu fügen, danke Dir, lieber Max.
      WAS ich sagen kann, ist, dass das Ergebnis (bei mir) deutlich länger erhalten bleibt, als mit reinem Bienenwachs.
      Lieben Gruß, RALF

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    3. Danke an Euch beiden!

      Liebe Grüße, Danilo

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  4. Ralf, da hast du mal wieder richtig einen rausgehauen. Ich habs mir direkt bestellt und gerade die Fähigkeit zur Farbauffrischung ist gigantisch. Zahlreiche Pfeifen sehen direkt 10 Jahre jünger aus und zwar auch, wenn man es nur auf die Schnelle macht und das Wachs direkt wieder runterpoliert.

    Für solche Tipps schätze ich unsere Pfeifencommunity ungemein!

    Liebe Grüße,
    Felix

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  5. Hi Ralf,
    zum Glück gibt es in München einen Manufactum-Laden (links neben Dallmayr). Das Zeug wurde gleich besorgt. Was soll ich sagen? Wahnsinn! Habe es an einer meiner unbehandelten Schrauf-Pfeifen probiert. Die schaut jetzt um Längen edler aus. Besser als im Neuzustand. Auch die leicht verkorkste Savinelli von mir, bei der bisher weder Pipe-Polish noch irgendwas anderes so richtig half, schaut wieder gut aus. Wollte sie schon zum Nachbeizen und Aufpolieren in die Werkstatt geben. Das ist nun nicht mehr nötig. Die Pfeifen fühlen sich nach der Behandlung auch super an. Weder klebrig noch ölig. Das Beste, was ich je zur Pflege probiert habe. Besten Dank!

    Viele Grüße,
    Sascha

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