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Sonntag, 16. Februar 2014

Pfeifenraucher des Jahres - Eine teure Werbeveranstaltung!


Was ist an der Ehrung zum "Pfeifenraucher des Jahres" eigentlich so besonders? Nun, zunächst einmal, dass der Titel in Deutschland überhaupt noch vergeben wird. Die Kollegen von den britischen Inseln haben z.B. schon 2004 dem Druck der faschistischen Hetzjagd der Politik auf die Raucher nachgegeben... und auf weitere Titelverleihungen verzichtet. Das beweist zumindest, dass das "Tabakforum e.V" und dessen Vorsitzender, Patrick Engels, deutlich strammere Lobby-Waden hat, als es bei den Tabakindustrie-Vertretern Großbritanniens der Fall ist. Ja, der "Pfeifenraucher des Jahres" ist ein Lobby-und Industriepreis - damit dürfte man nichts Neues verraten. Man muss nicht einmal irgendwelche Verdienste für die Pfeife erworben haben, es reicht, wenn man werbetechnisch gut ausgeschlachtet werden kann... nur dazu dient das ganze Brimborium letztlich.

Der aktuelle Preisträger ist Bundestagspräsident Norbert Lammert... und das ist ok - es war nämlich schon deutlich schlimmer.


Tobias Moretti; Copyright: Münchner Merkur

Den absoluten Tiefpunkt dürfte wohl die Wahl von 2002 darstellen, wo man den Theatermimen und Hundekommissar Tobias Moretti bei der „Siegerehrung“ mit Haifisch-Grinsen, Miami Vice-Sonnenbrille und Victory-Zeichen bewundern durfte. Beim Betrachten dieser Bilder konnte man schon einmal auf die Idee kommen, dass es nicht schlecht gewesen wäre, die Verleihung des Titels noch VOR den Briten einzustellen. So richtig klar wurde der Sinn der Titelverleihung im Jahr 2011, als plötzlich der "liebe Horst" als Preisträger durch die Medien "lichterte". Das war der Jackpot für die verleihende Industrie. Lichter-Tabak, Lichter-Pfeifen... wo man konnte, schob man den Genuss-Gutmenschen Horst Lichter an ein Podium und baute sich mit sattem Grinsen dahinter auf. Solch' geeignete Opfer findet man selten

Nun kann man es aber auch nicht jedem recht machen. Es ist ohnehin schwierig, den richtigen Kandidaten zu küren. Nicht, weil es so viele Anwärter gäbe... nein, weil niemand den Titel haben will! In der heutigen Gesellschaft der Duckmäuser, Leisetreter und Speichellecker ist es Personen des öffentlichen Lebens (vor allem Politikern) gar nicht mehr recht, wenn man ihnen Charakter und Leidenschaften nachsagen kann. Schließlich ist es wichtig, aalglatt und beliebig austauschbar zu sein... damit einen auch der schwachsinnigste Extremist noch für "nett" hält und als "wählbar" empfindet. Die richtigen Typen sind rar geworden, weil sie sich selbst abschaffen.

Nobert Lammert; Copyright: Thüringische Zeitung

Was waren das noch für Zeiten, als ein Norbert Blüm nicht nur den Titel mit Stolz trug, sondern auch seine Lieblingspfeifen mit Überzeugung in jede Kamera hielt. Auch, wenn er ein paar Jahre später im Rateteam des wiederbelebten "Was bin ich", (angeblich) nicht in der Lage war, Rainer Barbi zu erkennen und dessen Beruf zu erraten! Vorbei auch die Zeiten, als ein Peter Struck, Pfeifenraucher des Jahres 1995, nach Beschluss des Rauchverbotes in öffentlichen Gebäuden (wie dem Bundestag) polterte, er würde weiterhin rauchen, wann und wo es ihm passt. Norbert Lammert selbst sorgte bei seiner Ehrung im letzten Jahr für DIE eigentliche Sensation: Er bekam, als Politiker, einen Preis verliehen, bestand aber darauf, dass KEINE Kameras anwesend sind - spätestens das sollte zum Nachdenken anregen! ...und während man im VdR (Verband der Rauchtabak-Industrie) bereits darüber nachdenkt, wen man als nächstes werbetechnisch ausschlachten könnte, hätte ich einen Vorschlag:

Wie wäre es denn, endlich einmal Leute auszuzeichnen, die den Titel wirklich verdient haben? Dr. Heiko Behrens oder Gerd Jansen, als Urgesteine der deutschen Tabak- und Pfeifenwelt, Karl Heinz Joura oder Jan Harry Seiffert aus der verdienten, alten Garde deutscher Pfeifenmacher, Alexander Eckert als Chef der Firma Vauen und Familienmitglied der Sippe, die schon seit 166 Jahren Qualitätspfeifen in Deutschland fertigt. Oder wie wäre es endlich mal mit der Pfeifenraucherin des Jahres, lieber Macho-Club VdR Margret Schmitz, als erste und einzige gelernte Pfeifenmacherin Deutschlands wäre ebenso würdig, wie Frau Dr. Stiller, die bei Planta einen verantwortungsvollen und schwierigen Job macht!

Doch lieber ein Politiker? Ok, dann José Bové, den Spitzenkandidaten des grünen Europa-Wahlkampfes. DER hat jedenfalls keine Angst, zu seiner Pfeifen-Leidenschaft zu stehen! Und wer jetzt anmerkt, dass Monsieur Bové kein Einheimischer ist.... DAS ist Herr Moretti auch nicht! Mit solchen möglichen Preisträgern käme man jedenfalls weg von der teuren Schmierenkomödie zu Werbezwecken und hin zu einem Signal, zu einer RICHTIGEN Ehrung!


Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Kommentare:

  1. Hi Ralf,

    von mir aus könnte der Titel, wie in England, ersatzlos gestrichen werden. Den Werbewert sehe ich nicht, denn ich denke nicht, dass auch nur ein Mensch mit dem Pfeiferauchen begonnen hat, weil einer der bisherigen Preisträger diesen Titel erhalten hat. Wenn er es denn überhaupt erfahren hätte, denn ausser auf pfeifenbezogenen Webseiten, auf denen sich sowieso nur Pfeifenraucher tummeln, erfährt man davon nichts.

    lg,
    Peter

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    1. Tja Peter...da kann ich eigentlich nicht viel zu sagen...Du hast einfach recht. Zumindest, was die "Veranstaltung" in ihrer jetzigen Form angeht...leider.
      Lieben Gruß, RALF

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  2. Servus Ralf,
    um es einmal vollkommen ketzerisch auszudrücken: die Industrie verheizt bei dieser Veranstaltung das Geld, welches sie eigentlich dafür ausgeben müsste das zu machen, was du, Dieter, Franz und all die anderen schön kostenlos betreiben: Präsentation des Themas Pfeife im "Neuland".
    Die Nützlichkeit der vielen Tips, Tricks und Anleitungen in Video-Form kann kein "Pfeiferaucher des Jahres" aufwiegen. Es ist eine echte Schande, dass diese Arbeit komplett ohne jegliche Unterstützung oder Würdigung der Industrie betrieben wird. Naja, wenigstens ist dadurch die Neutralität auch gesichert... ;)
    Warum die Veranstaltung immer noch betrieben wird? Der einzige plausible Grund, der mir einfällt: weil sie gerne feiern. Außenwirkung ist ja Fehlanzeige. Vielleicht noch das Gefühl, wie jedes Jahr mal wieder was für die Pfeife getan zu haben. Tradition, was weiß ich.
    Es gibt ja auch den alljährlichen Bartträger des Jahres, eine wesentlich günstigere Veranstaltung - und die Medien berichten darüber. ;)))
    Liebe Grüße
    Michael

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    1. Hallo Michael,

      wenn die Industrie schon so gerne feiert, dann sollen sie wirklich, wie Ralf vorschlägt, jemanden aus den eigenen Reihen, Dr. Beherends, oder andere verdiente Personen, nehmen, denn nach außen ist dann weder das eine noch das andere wirksam, aber es bekommt wenigstens jemand einen Preis, der ihn verdient.

      Über die Förderung der Industrie für begeisterte Privatleute die einen gewissen Bekanntheitsgard erreichen, muss man aufpassen. Oft gefällt das dem Publikum nicht, oder es sieht einen Interessenkonflikt, der womöglich gar nicht existiert. Ich kann mich erinnern, das Ralf schon mal Pfeifen für Kopp vorgestellt hat. Es wird einen Grund haben, warum das nicht weitergegangen ist.

      lg,
      Peter

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    2. Hallo Peter,
      ja, da gebe ich dir Recht. Grundsätzlich ist eine Auszeichnung was Gutes, auch ohne Medien-Rummel. Beim speziell genannten Dr. Behrends wäre es jemand, der sich in höchstem Maße der Pfeife verschrieben hat. Wäre ich voll dafür. Wenn man darüber nachdenkt, wird es eigentlich längst höchste Zeit, dass die "richtigen" Personen, Ralf hat ja ein paar Leute aufgeführt, geehrt werden. Der Tabakforum e. V. wird aber sicherlich anders darüber denken, wenn man sich dessen Zusammensetzung ansieht.
      Liebe Grüße
      Michael

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  3. Wirklich bedeutsame Auszeichnungen werden ja meistens "post mortem" verliehen. Demzufolge möchte ich als Pfeifenraucher des Jahres Herbert Wehner vorschlagen.
    Als Träger des Titels "Pfeife des Jahres" könnte ich mir jedoch eine ganze Reihe Kandidaten aus Politik, Film, Funk und Fernsehen vorstellen. Eine Auflistung der Namen wäre sicher von persönlichen "Vorlieben" geprägt und würde zudem den hier vorgegebenen Rahmen sprengen.
    Liebe Grüße aus des Landes tiefstem Süden,
    Max

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  4. Da bin...oder besser wäre ich ganz bei Dir, Max !
    ...aber unser Herbert war schon Titelträger...der erste "Pfeifenraucher des Jahres"...im Jahr 1969...und zweimal der gleiche Titelträger..ne, das geht nicht. :-)
    Lieben Gruß, RALF

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  5. Hallo Ralf , und ihr alle
    Ich muss ja auch sagen das ich es für besser halten würde diejenigen als pfeifenraucher des Jahres zu küren die es nicht nur verdient haben sondern
    Diesen Tietel dann auch mit würde und im besten Sinne des selbigen tragen würden ... Weil sie pfeifenraucher sind , sich des gesamtthemas verdient gemacht haben und über dies vielleicht einfach gute Menschen sind !
    Es ist ja fast schon fremdschämen wenn jemand einen so schönen Titel wie "pfeifenraucher des Jahres " verliehen bekommt und es dem dann unangenehm scheint oder schlimmer .... Man sich also bildlich gesprochen möglichst unerkannt an unbekanntem Ort, zu unbekannter zeit ,ohne zeugen zur "Übergabe" trifft und dann in abgedunkelter Limousine nach Mafia Art in die nächste Tiefgarage braust um den nun erhaltenen "karrierebremser" im kellerverlies einzumauern , auf das man vergesse das es ihn je gegeben hätte .... Das ist schon n bissel Arm , wie ich finde !
    Dann doch lieber die oben erwähnten , die es sich sogar leisten können zu ihrer Leidenschaft zu stehen und etwas dazu beitragen das dieses wunderbare Stück Kultur erhalten bleibt !!
    Mit besten Grüßen Patrick

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