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Donnerstag, 23. Januar 2014

Rauchverbote oder: Warum es um mehr geht, als ums Rauchen!

Rauchverbote dienen, so heißt es, dem Gesundheitsschutz. Der Staat denkt dabei nicht nur an die Gesundheit der Nichtraucher, sondern auch an die der Raucher. Ist das nicht eigentlich eine feine Sache? Jahrhundertelang hat sich der Staat überhaupt nicht für die Gesundheit der Menschen interessiert. Stattdessen hat er seine Bevölkerung in sinnlosen Kriegen sterben lassen. Und wenn der Krieg zu Ende war, durften sie nach Hause gehen und sich auf Feldern und in Fabriken ausbeuten lassen. Wer nicht im Krieg starb, der starb in der Fabrik oder in der Kohlegrube.

Doch heute haben wir zum Glück einen viel humaneren Staat. Er ist eigentlich das genaue Gegenteil von dem furchtbaren Staat früherer Zeiten. Unserem Staat ist unser Wohlergehen nicht egal. Ganz im Gegenteil: Er kümmert sich um unsere Gesundheit. Bisher geschah das vor allem durch ein Sozialsystem. Das ist halt im Moment im Abbau begriffen, wegen der Krise. Aber der Wille zählt! Und obwohl für den Sozialstaat kein Geld mehr da ist (der einzelne Mensch ist halt nicht so systemrelevant, wie eine große Bank), lässt uns unser Staat nicht hängen. Er verändert einfach seine Strategie. Indem uns vorgeschrieben wird, was wir zu tun und zu lassen haben, sollen wir erst gar nicht krank werden! Ein doppelter Gewinn: Der Staat spart das Geld (das brauchen andere dringender), und uns selbst bringt es (angeblich) Gesundheit – auch wenn es bis heute äußerst unklar ist, was und wie viel wovon eigentlich wirklich gesund ist. Egal, der gute Wille zählt!

Unser Staat ist sogar so human und fortschrittlich, dass er mit der Regulierung des Rauchens nicht mal nur die Nichtraucher schützen will. Sogar die Raucher selbst will er schützen! Wenn das nicht fürsorglich ist! Mittlerweile gibt sogar der eine oder andere Raucher zu, dass er sich über die Rauchverbote freut. Dennoch: Viele Leute werden das Gefühl nicht los, dass es bei den Rauchverboten um mehr geht, als ums Rauchen. Doch was ist dieses „mehr“? - Dessen Analyse konsequent nicht stattfindet. Warum beschränkt sich die öffentliche Diskussion nur auf das unmittelbare Für und Wider? Ich habe versucht, dieses „mehr“ philosophisch zu analysieren. Dabei habe ich drei Punkte gefunden, die auf eines hindeuten: Die Entsolidarisierung.

Hilfreich für diese Analyse war das Denken von Robert Pfaller (der in den letzten Jahren einige äußerst lesenswerte Bücher geschrieben hat, z.B. „Wofür es sich zu leben lohnt“), Michel Foucault und Immanuel Kant. Anstatt diesen Text mit Quellenangaben zu strapazieren, sei an dieser Stelle einfach auf diese Philosophen verwiesen.

1) Neutralisierung der Öffentlichkeit (Robert Pfaller)

Ist es angemessen, in einer öffentlichen Diskussion hauptsächlich darüber zu sprechen, wer und wie viele sich „belästigt“ fühlen? Ist das Kriterium des „sich belästigt fühlen“ eigentlich angemessen, wenn es Ge- und Verbote im öffentlichen Raum geht? Fordert dieses Kriterium nicht geradezu dazu auf, dass jeder den öffentlichen Raum als erweitertes Wohnzimmer versteht? Moment, die Öffentlichkeit als Wohnzimmer? Das klingt ja gar nicht so schlecht, oder? Doch. Weil mangels praktikablen Kompromisses überhaupt nichts mehr erlaubt wäre. Essen, Rauchen, spielende Kinder, Erholung, Klassik oder Techno… Jeder Mensch hat verschiedene Vorstellungen davon, was in ein gemütliches Wohnzimmer gehört. Und wenn niemand sich belästigt fühlen soll… Richtig, dann kann am Ende überhaupt nichts mehr erlaubt sein. Das Wohnzimmer wird zum Klassenzimmer. Und in dem sitzt nicht eine Petze, sondern nur noch Petzen.

Dabei sollte Öffentlichkeit eigentlich mehr sein, als ein Wohnzimmer, denn dann könnte man ja gleich zu Hause bleiben. Öffentlichkeit sollte ein Ort der Begegnungen und Möglichkeiten sein. Dabei muss nicht alles, allen gefallen. Eine Öffentlichkeit, die nur noch das bietet, was allen gefällt (der minimalst denkbare Kompromiss), ist eben keine Öffentlichkeit mehr. Eine solche „Öffentlichkeit“ hat keine Potentiale und ihre Bürger bringen politisch nichts mehr zustande. Die Funktion der Öffentlichkeit ist nämlich auch eine politische. Denn sie ist das Forum der Bürger. Erst hier werden viele Einzelne zur „Gesellschaft“ zusammengefasst. Diese wiederum ist das Instrument, das den Staat lenkt.

Wenn es keine Gesellschaft gibt (aus der sich z.B. auch die „Zivilgesellschaft“ als Träger der Moral bildet), steht der Einzelne dem Staat völlig ausgeliefert gegenüber, der stattdessen von irgendwem anderen (Technokraten, Lobbys, etc.) gelenkt wird. Man könnte auch sagen: Das öffentliche ist politisch. Es ist zwangsläufig politisch. Es gibt keine Diskussion über Ge- und Verbote in der Öffentlichkeit, die nicht fundamental relevant ist. Die Art und Weise, wie Öffentlichkeit gestaltet wird, weist direkt auf den Zustand der Demokratie hin. Selbst, wenn es angeblich „nur“ ums Rauchen geht.

Das Angebot einer Politik, die sich human gibt, und für jeden, der sich belästigt fühlt, ein Verbot erlässt, könnte ein geschickter Raubzug sein, der es auf die mächtigste Waffe der Bürger abgesehen hat: Eine dynamische Öffentlichkeit, die zwar nicht frei von unterschiedlichen Ansichten ist, aber in der die Bürger Würde empfinden können – weil man von ihnen verlangt, sich als Erwachsene zu benehmen. Eine Politik, die Bürger ermutigt, sich empfindlich wie Kinder zu verhalten, sollte hinterfragt werden – egal worum es geht.

2) Nicht Fürsorge, sondern „Biomacht“ (Michel Foucault)

Einen anderen Anhaltspunkt habe ich in Michel Foucaults (1926-1984) Konzept der Biomacht gefunden. Die „traditionelle“ Macht, war eine Macht über Leben und Tod. Der Lehnsherr hatte (theoretisch) jederzeit die Möglichkeit, das Leben seiner Untertanen zu beenden, man denke an die eigentumsgleiche Stellung der Leibeigenen.

Doch mit der Moderne muss man ein neues Konzept der Macht entwickeln. Denn die traditionelle Macht, die sich einfach darin erschöpft über Leben und Tod zu gebieten, passt nicht mehr. Die ökonomischen Veränderungen (Industrialisierung, Aufkommen des Kapitalismus) erfordern ein neues Konzept. Jetzt kommt es darauf an, das Leben der Untertanen zu fördern, zu optimieren und zu regulieren(!), damit sich diese in die Produktionsprozesse optimal einpassen.

Erst jetzt werden Angelegenheiten wie Gesundheit, Geburtenrate, Sexualität und Lebensgewohnheiten ein Thema für die Politik. Vorher waren diese Dinge relativ uninteressant. Ab nun behandelt die Politik fast nur noch diese Fragen. Politik wird fast ausschließlich Biopolitik.

Das „freie“ Subjekt

Diese neue Art der Machtausübung wird nicht mehr „von oben herab“ ausgeübt, wie das früher der Fall war. Stattdessen entwickelt sich ein dichtes Netz von Diskursen, das die gesamte Gesellschaft durchzieht. Diese Diskurse bestimmen, grob gesagt, welche Aussagen getroffen werden können, welche Schlussfolgerungen gezogen werden können, was als wahr oder falsch gelten kann. Diskurse bestimmen, was als „Wissen“ gelten kann. Das heißt auch, dass Macht nicht mehr lokalisiert werden kann. Nicht „die Regierung“ allein übt die Macht aus. Macht, als Diskurs, durchzieht als Netz die gesamte Gesellschaft, jeder kann hier Macht ausüben, solange er dabei den vorgegebenen Regeln des Diskurses folgt.

Ist nicht der Hass, der den Rauchern teilweise entgegenschlägt, bemerkenswert? Es könnte einem ja egal sein, ob jemand raucht oder nicht. Warum aber dieser Fanatismus, warum diese Lust an harten Worten? Weil die harten Worte mit einem Diskurs korrelieren. Und der Diskurs ist Machtausübung. Die Lust an den harten Worten ist eine Lust an der Machtausübung, nicht bloß die Lust am „pöbeln“.

Doch der Diskurs ist perfider, als dass er bloß den radikalen Nichtrauchern die Möglichkeit gibt, Macht auszuüben. Kennt nicht jeder einen Exraucher, der sagt, er fühle sich erst wirklich frei, seit er mit dem Rauchen aufgehört hat? Übersetzt in Foucaults Denken heißt das: Vorher durfte er sich nicht frei fühlen, weil ihm das der Diskurs eingebläut hat: „Wer raucht, ist nicht frei!“ – Was auch immer „frei“ bedeuten soll, dieser Begriff spielt in Wahrheit keine Rolle. Er klingt nur gut.

Nicht nur dem radikalen Nichtraucher, auch dem Raucher macht der Diskurs das verlockende Angebot, an der Macht teilzuhaben. Aber nur, wenn er mit dem Rauchen aufhört. Solange er raucht, ist er machtlos, ein Sklave seiner Sucht.

An dieser Stelle muss man sich überlegen, ob es angemessen ist, für uns, die wir uns gerne als die „moderne Welt“ bezeichnen, solche manipulativen Methoden zuzulassen.


3) Relativierung der Würde (Immanuel Kant)

Bleiben wir bei den harten Worten: Warum war es den Machern des Antiraucherdiskurses so wichtig, die Raucher explizit in die Nähe der Unfreiheit zu stellen? Warum hat man sich nicht damit begnügt, das Rauchen einfach als „schlechte Angewohnheit“ zu disqualifizieren, wie es schon früher gemacht wurde? Das hat „gute“ Gründe, die beweisen, wie intelligent das ganze geplant ist. Denn die Besonderheit des Menschen liegt darin, ein Freiheits- und Vernunftwesen zu sein. Das ist eine zentrale Errungenschaft des christlich-abendländischen Denkens der letzten 2500 Jahre. Das erst unterscheidet den Menschen vom Tier. Es ist die Fähigkeit über sich selbst zu reflektieren und sich autonom Ziele zu setzen. Nichts anderes besagt der kategorische Imperativ:

Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

Element der Freiheit: Der kategorische Imperativ gibt keine inhaltliche Regel vor, wie etwa „du sollst nicht töten“ oder „du sollst nicht rauchen“. Im Gegenteil: Das Individuum selbst ist berufen, eine konkrete Regel zu formulieren (= Element der Autonomie = Selbstgesetzgebung). Das wunderbare ist, dass im kategorischen Imperativ bereits der Gedanke der Toleranz mitschwingt (obwohl das nicht mal sein Hauptanliegen ist).

Doch wer nicht frei ist, der ist auch nicht zur Autonomie fähig. Doch die Freiheit bildet das Zentrum der Menschenwürde. Menschenwürde besagt nichts anderes, als den Menschen allein schon deshalb zu achten, weil er ein Mensch ist. Die Würde des Menschen ergibt sich letzten Endes aus seiner Fähigkeit zur Autonomie. Und genau diese will man den Rauchern absprechen. Wenn es heißt, Raucher sind nicht frei, heißt es implizit: Sie haben keine Würde und sind eigentlich keine echten Menschen.

Menschenwürde ernst nehmen

Natürlich könnte man meinen, es sei übertrieben im Zusammenhang mit den Rauchverboten, von tiefgründigen Begriffen, wie der Menschenwürde, zu sprechen. Aber bei einer philosophischen Analyse des Themas drängt sich dieser Begriff zwangsläufig auf. Wenn dem Raucher die Freiheit abgesprochen wird, wird auch automatisch seine Würde in Frage gestellt. Denn diese definiert sich nun mal (u.a.) über die Freiheit.

Fazit: Drei „mehrs“

1) Der Begriff der Öffentlichkeit. Die Öffentlichkeit wird zunehmend in einen sterilen Raum verwandelt, in dem niemand mehr mit Dingen konfrontiert wird, die ihn stören könnten. Doch diese Art von Öffentlichkeit hat uns nichts mehr zu bieten. Sie ist tot. Das hat bedenkliche, politische Konsequenzen.

2) Biomacht. Der moderne Staat will nicht „unser Bestes“, er ist nicht „besorgt“ um uns. In erster Linie geht es ihm um Effizienz. Gesundheit an sich soll der höchste Wert sein, denn das bringt die größte Effizienz. Fragen nach einem (individuellen) Sinn des Lebens sind dagegen ökonomisch irrelevant.

3) Beim Antiraucherdiskurs handelt es sich nicht einfach nur um die Unterdrückung und Diskriminierung der Raucher. Im Gegenteil: Dieser Diskurs bietet Macht an. In erster Linie bietet er den Nichtrauchern Möglichkeiten zur Machtausübung an. Doch auf perfide Weise erfasst er auch den Raucher: Seine Freiheit wird eine Frage von Rauchen oder Nichtrauchen (So absurd das auch klingen mag – es funktioniert). Wie plausibel das ist, das wird aus gutem Grund ausgespart.

Entsolidarisierung

Der Einzelne soll für alles verantwortlich gemacht werden, was ihm widerfährt. Denn der Sozialstaat wird angeblich zunehmend zu teuer. Das Rauchen bietet einen guten Einstiegspunkt, die Solidarität aufzuheben (Robert Pfaller):

Was, du hast Lungenkrebs? Das kann nur daran liegen, dass du geraucht hast, oder dich in der Nähe von Rauchern aufgehalten hast, oder sonst irgendwie „ungesund“ gelebt hast. Denn wir haben das Rauchen ja überall verboten und dir gesagt, was alles „ungesund“ ist. Das war deine Verantwortlichkeit, also zahl auch für deine Behandlung selber, oder stirb.

Foucault: „Das alte Recht sterben zu machen, oder Leben zu lassen, wurde abgelöst von einer Macht […] in den Tod zu stoßen.“



Autor: Max Muthsam

Kommentare:

  1. Lieber Max Muthsam,

    ich bin passionierter Pfeifenraucher und Befürworter eines allgemeinen Rauchverbots. Die Gründe möchte ich später gerne nennen. Vorher möchte ich auf Ihren Text eingehen, der zahlreiche Schwächen offenbart.

    Es beginnt mit Ihrem Verstehen von Öffentlichkeit. Sie verwechseln Öffentlichkeit mit dem öffentlichen Raum. Das ist jedoch nicht gleichzusetzen. Die Öffentlichkeit setzt sich genau aus den Diskursen zusammen, die sie später fälschlicherweise als Machtinstrumente identifizieren. Diese Diskurse werden von allen gesellschaftlichen Akteuren geführt und über die (Massen-) Medien der Öffentlichkeit (sic!) zugänglich gemacht. Überregionale Tagespresse und Rundfunk sind alles andere als Verlautbarungsorgane der Regierung. Blogs wie dieses gehören zu Teilöffentlichkeiten, die spezifische gesellschaftliche Gruppierungen ansprechen. Dadurch wird Öffentlichkeit sogar zu einem höchst lebendigen Raum für Diskurse.

    Sie zielen jedoch in Ihrem Text auf den physischen Raum ab, also auf frei zugängliche Gebäude, Räume und Plätze, die von kommunaler oder staatlicher Hand verwaltet werden. Einer politische Nutzung dieser Räume steht nichts im Wege, unsere Verfassung sieht explizit vor, dass etwa in ihnen demonstriert werden darf. Wenn ich mir die Konstabler Wache in Frankfurt, den Jungfernstieg in Hamburg oder die Domplatte in Köln vor Augen rufe, kommen mir alle möglichen Adjektive in den Sinn, aber ganz bestimmt nicht "steril". Mit Verlaub, Ihre Behauptung, Öffentlichkeit werde zunehmend in einen sterilen Raum verwandelt, ist Unsinn.

    Die von Ihnen skizzierte Opferrolle der Raucher ist in Bezug auf die Öffentlichkeit völlig unangemessen. Denn Sie stützen sich bei Ihrer Argumentation nicht nur auf einen falschen Öffentlichkeitsbegriff, nein, auch Ihr Gesellschaftsbegriff ist nicht stimmig:

    "Wenn es keine Gesellschaft gibt, steht der Einzelne dem Staat völlig ausgeliefert gegenüber," schreiben Sie da. Nun ist Gesellschaft per definitionem die Grundgesamtheit aller Menschen auf einem definierten Gebiet. Gesellschaft ist immer dar. Sie ist in keiner weiße homogen oder über kulturelle Codes einzugrenzen. Gesellschaft sind alle, also kann Gesellschaft auch nicht verschwinden.

    Tatsächlich prangern Sie mit dem Verschwinden der Gesellschaft und der steriler werdenden Öffentlichkeit die zunehmende Entdemokratisierung an. Nun ist Demokratie nichts anderes als die Herrschaft von Mehrheiten. Und laut dem Eurobarometer 2008, einem Survey der Europäischen Union, sprechen sich in Deutschland klare Mehrheiten für ein Rauchverbot am Arbeitsplatz, in Restaurants und sogar Bars und Clubs aus (Ich übrigens auch).

    Da hilft auch Ihr Verweis auf Kant und den kategorischen Imperativ nicht viel. Denn dieser ist als moralische Instanz zu verstehen gerade in den Konfliktsituationen, die nicht durch die Legislative geregelt sind. Diese Konfliktsituationen waren da, als es noch keine Nichtraucherschutzgesetze gab: Nichtraucher fühlen sich des Öfteren durch Tabakrauch belästigt, was ich nachvollziehen kann. Die Vernunft von Rauchern hat jedoch nicht ausgereicht, deshalb auf die Zigarette im Restaurant zu verzichten. Der kategorische Imperativ hat es bei teils suchtkranken Menschen eben durchaus schwer. Und nein, der Imperativ lautet in diesem Beispiel nicht "Wenn Du nicht durch Zigarettenrauch belästigt werden willst, dann rauche auch Du nicht" - sondern "wenn Du nicht beim Essen im Restaurant belästigt werden möchtest, belästige auch Du niemanden mit etwas, was dieser als störend empfindet". Das hat viele Raucher nicht gejuckt. Aus diesem Grund greift das Gesetz, weil eine Selbstregulierung aus Vernunft in diesem Fall nicht funktioniert.

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  2. Weiter werfen Sie dem Staat vor, dass er aus rein rational-ökonomischen Gründen handelt und nicht die Frage nach dem Sinn des Lebens stellt. Meine Güte, der Staat ist eine Verwaltung! Möchten Sie sich denn auf dem Einwohnermeldeamt fragen lassen, warum Sie Ihren früheren Wohnort verlassen haben, obwohl dieser Sie ganz sicher erfüllt hätte?! Wollen Sie der Sachbearbeiterin wirklich auf die Frage antworten müssen, ob Ihr Zuzug tatsächlich sinnvoll ist? Eben, das wollen Sie nicht. Sie wollen ganz bestimmt keinen Staat, der sich mit dem Sinn des Lebens befasst. So etwas gibt es übrigens im Iran und nennt sich Theokratie.

    Die Sinnfrage und moralinsaure Streitgespräche lassen sich jedoch trefflich in Öffentlichkeit und Teilöffentlichkeiten im Internet unterbringen. Allein wohnt diesen Diskursen keine (Bio-) Macht inne, wie sie fälschlicherweise behaupten. Macht konstituiert sich über den Zugang zu Ressourcen, mit denen Ideen auch gegen Kritik durchgesetzt werden können. Diskurse können dazu beitragen, dass Mehrheiten gewonnen werden, die dann in einer Demokratie Macht ausüben, das ist richtig. Aber der Diskurs ist nicht mächtig und Diskurse sind auch kein Teufelszeug, sondern ein Segen - das kann Ihnen jeder Oppositionelle aus Staaten, in denen Meinungsfreiheit und Presserecht nicht viel gelten, bestätigen.

    Es ist ja schön, dass Sie an die Vernunft appellieren:
    "Denn die Besonderheit des Menschen liegt darin, ein Freiheits- und Vernunftwesen zu sein. Das ist eine zentrale Errungenschaft des christlich-abendländischen Denkens der letzten 2500 Jahre", schreiben Sie.

    Aber dann seien Sie doch bitte so vernünftig und setzen sich ernsthaft mit Soziologie und Politikwissenschaften auseinander, anstatt ein paar Zitate großer Denker zusammenzustückeln und in einen fragwürdigen Text zu verpacken. Denn dann wüssten Sie auch, dass im Jahr 2014 nach Christus das christlich-abendländische Denken mitnichten 2.500 Jahre alt ist. Vielleicht schauen Sie einfach mal unter dem Stichwort Aufklärung nach, beginnend mit John Locke im 17. Jahrhundert bis hin ins 18. Jahrhundert zu Rousseau und Co., wenn Sie wissen möchten, was es mit dem Vernunftbegriff wirklich auf sich hat.

    Zuletzt: Ich begrüße das allgemeine Rauchverbot an Arbeitsplätzen, Restaurants und Kneipen. Ich empfinde, wie eben eine Mehrheit auch, dichten Rauch in Räumen, in denen ich esse und trinke, als Belästigung. Ich möchte nicht nach dem Besuch einer solchen Einrichtung mit ekelhaft stinkenden Klamotten nach Hause kommen, und am nächsten Tag mit schwerer Birne aufstehen müssen. Ich möchte auch nicht, dass meine Kinder dieser Qual ausgesetzt sind. Wenn Sie im Freien rauchen möchten, sollen Sie das natürlich tun dürfen - denn der öffentliche Raum sieht das vor.

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    1. Sorry, aber ich finde diese Reaktion etwas befremdlich. Denn sie kommen ziemlich „großkotzig“ daher, aber ich muss annehmen, dass sie meinen Text nichtmal richtig gelesen haben.
      Nur ein paar Bsp:
      „Sie wollen ganz bestimmt keinen Staat, der sich mit dem Sinn des Lebens befasst. So etwas gibt es übrigens im Iran und nennt sich Theokratie.“
      Wo habe ich geschrieben, dass sich der Staat mit dem Sinn unseres Lebens befassen soll?
      „Nun ist Gesellschaft per definitionem die Grundgesamtheit aller Menschen auf einem definierten Gebiet. Gesellschaft ist immer dar. Sie ist in keiner weiße homogen oder über kulturelle Codes einzugrenzen. Gesellschaft sind alle, also kann Gesellschaft auch nicht verschwinden.“
      Wieso sie hier mit einem tendenziösen Begriff wie „homogen“ kommen, ist mir nicht ganz klar – eigentlich geht aus meinem Text ausdrücklich hervor, dass Homogenität nicht so toll ist. Abgesehen davon ist ihre Definition von Gesellschaft für diese Fragen ziemlich unergiebig – für ein paar triviale Statistiken reicht sie, für jede Diskussionssendung wär sie schon zu uninteressant. Informieren Sie sich vielleicht in der politischen Philosophie ein bisschen bei den Stichworten: Liberalismus, Rechtspositivismus, Trennung von Staat und Gesellschaft, gelebtes Ethos,…
      „Nun ist Demokratie nichts anderes als die Herrschaft von Mehrheiten. Und laut dem Eurobarometer 2008, einem Survey der Europäischen Union, sprechen sich in Deutschland klare Mehrheiten für ein Rauchverbot am Arbeitsplatz, in Restaurants und sogar Bars und Clubs aus (Ich übrigens auch).“
      Jetzt haben wir es schwarz auf weiß, dass sie von Ideengeschichte keine Ahnung haben.
      Ich stelle auch Diskurse nicht ausschließlich als Machtinstrumente dar, außerdem vermeide ich es einfach auf diesen Raucher=Opfer Dampfer aufzuspringen.
      Ich sage auch nicht, dass jeder Unrecht hat, der sich von Rauch belästigt fühlt, und und und.
      Diskurse ein Teufelszeug? Wo sage ich das? Ich sage, dass es sie gibt und dass man über ihr Funktionieren nachdenken kann, über die Logik die sie vorgeben. Und manche Diskurse bedienen sich einer Logik, die ich einfach nicht toll finde.
      Wenn man einen Text nicht verstanden hat, dann kann man einfach nachfragen. Oder es kann einem auch wurscht sein. Aber das was man nicht verstanden hat, durch eigene Suggestionen und Interpretationen aufzupeppen, und dann über den Autor herzuziehen, sorry, das ist ein bisschen kindisch, vA wenn man sich solche Dinge leistet:
      „Denn dann wüssten Sie auch, dass im Jahr 2014 nach Christus das christlich-abendländische Denken mitnichten 2.500 Jahre alt ist.“
      Nein, natürlich nicht. Platon, Aristoteles, die Stoa, Augustinus, Descartes,… die sind völlig unwichtig. Das Europäische Denken begann exakt am 1.1.1657 um 13:57.
      „Mit Verlaub, Ihre Behauptung, Öffentlichkeit werde zunehmend in einen sterilen Raum verwandelt, ist Unsinn.“
      Das ironische ist, dass ich den einen oder anderen soziologischen(!) Klassiker kenne, der das sagt…

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    2. Bitte, WER ist denn hier "klein"kotzig & 'kindisch' - DIESE Argumentation & Ausdruckssprache, spricht BÄNDE ... !!!?!!!
      -> ist echt unverständlich, wie man sooo Argumentieren/Diskutieren will bzw. verschiedene Standpunkte/Meinungen (AUSHALTEN!!!) ...

      DANKE dafür ;-)
      [Dass war 'Entlarvung' "pur"]

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    3. Hmm, nö, ich finde Max' Text und Argumentation klasse. Unverständlichen Hobby-Dadaismus jedoch weniger prickelnd. Macht aus nem Blog bitte kein Forum.

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    4. Sie interpretieren wirklich ne Menge hinein, was nicht drinsteht... um dann mit ihrem Wissen zu glänzen.
      Gesellschaft = alle die in einem bestimmten Gebiet leben?
      Junge, Junge, damit definiert man vielleicht die Bevölkerung. Gesellschaft ist wieder was anderes.
      Ihre "Kritik" klingt wie ne Mischung Powi im ersten Semester + ein Philobuch von Richard David Precht.

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  3. TUT LEID ?!? ;-) - 'nur' kurze Stellungsnahme/Meinung

    ABER, der "Nichtraucher-Schutz" bzw. Rauch'verbot' ist PRIMÄR, da später Kranke der Krankenkasse vulgo Staat zuviel kosten bzw. kostet ...
    -> falls dass noch einer noch nicht "richtig" verstanden hat ... !!!?!!! :-D

    • schreibt ein leidenschaftlicher Pipensmoker [aber eben Genuss -> so ~3-4 Pipen á Woche !?! ;-) ]

    P.S.: kommen jetzt immer regelmäßiger "Politische"-Artikel & vorallem immer mit dem selben - und nicht gleichen ;-) - Duktus/Inhalt/Meinung(smache) ... ???!???

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    1. Lieber Kommentator,

      essen Sie eigentlich Fleisch, Wurst, Käse, Eier und Molkereiprodukte? Diese sind die Hauptverantwortlichen für Tierquälerei, den Klimawandel und, um auf Ihr Argument „Belastung der Krankenkassen“ zu kommen, auch für die Zivilisationskrankheiten Übergewicht, Bluthochdruck, Rheuma und Gicht mit all ihren Folgeschäden. Vom Alkohol mal ganz zu schweigen.

      Ach so, Sie rauchen ja nur 3-4 Pfeifen in der Woche. Vermutlich essen Sie dann auch nur „ganz selten“ Fleisch und trinken „höchstens mal ein Gläschen“ oder kompensieren alles durch sportliche Aktivitäten. Na dann ist es ja nicht so schlimm...

      Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich prangere weder Ihre vermuteten Ess- und Trinkgewohnheiten noch Ihre Vernunft an, weniger zu rauchen. Noch möchte ich die Gefahren bestimmter Lebensstile verharmlosen. Ich bin für Aufklärung und Eigenverantwortung. Aber wenn derartig verglichen und bewertet wird, dann haben die vermeintlichen Gutmenschen, die Zeigefinger und Anscheisserkultur bei uns etablieren wollen, schon gewonnen. Und DAS halte ich für wesentlich bedenklicher.

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    2. Sie verstehen nicht, was das Hauptargument war!
      Ah, sie sind somit, da kein "Gut"mensch, ein "Arschloch"mensch ?! Glaub ich nicht bzw. hoffe dies !?!

      P.S. bin kein Gutmensch und das obrige war eine Stellungsnahme. Bedeutet nicht dass ich so lebe ...
      UND, weil immer soviel schreiben/reden, bezüglich "Sie sind ja nur 'Genussraucher' -> Genuss bedeutet, wenn ich Lust(!) darauf habe und nicht 2-3 (oder mehr) pro Tag und JEDEN Tag !!! Oder essen Sie jeden Tag Schoko, Hamburger, Pizza, trinken jeden Tag 3-5 Flaschen Bier/Wein oder Apfelsaft ?!? Oder jeden Tag 10 Espresso/Kaffee ...

      Nicht die (Lebens/Genuss)Mittel sind das "Gift" sondern die Menge (jeden Tag) ...

      LG ;-)

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    3. Doch die alte Formel "die Dosis macht das Gift" zählt nicht mehr. Sehen sie sich doch an, was veröffentlicht wird, Selbst die kleinsten Mengen Tabakrauch sind angeblich schon tödlich...

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    4. Zunächst eine kurze Definition zum "Gutmenschen" lt. Wikipedia: "Heute ist der Begriff teilweise in die Alltagssprache eingegangen und wird meist abwertend oder ironisch gebraucht. Der Duden, der den Begriff 2000 aufnahm, definiert Gutmensch als abwertend für [naiver] Mensch, der sich in einer als unkritisch, übertrieben, nervtötend o. ä. empfundenen Weise im Sinne der Political Correctness verhält, sich für die Political Correctness einsetzt.“ Von daher greift Ihre Gegenüberstellung von "Gutmensch" und "Arschlochmensch", wie Sie es bezeichnen, in keinster Weise. Und nein, ich fühle mich nicht davon angesprochen. Genauso wenig, wie ich Sie als Gutmenschen bezeichnet habe.

      Zitat Ihrerseits: "Genuss bedeutet, wenn ich Lust(!) darauf habe und nicht 2-3 (oder mehr) pro Tag und JEDEN Tag !!!" Das haben Sie jetzt entschieden. Wenn ja, dann kann das jedoch nur für Sie selbst, aber nicht für andere gelten. Reiner Calmund meint mit Sicherheit etwas anderes, wenn er sagt, dass er ein Genussmensch ist. Also wer bestimmt das Maß? Sie? Ich? Die Politik? Sehen Sie, genau da liegt das Problem. Was für den einen Genuss bedeutet ist für den anderen vielleicht die Teufelsfratz´. Problematisch wird die Sache dann, wenn die verschiedenen Ansichten aufeinandertreffen. Auch ich rauche nicht jeden Tag und dann auch meist nur eine oder zwei Pfeifen, wenn ich die Muße dazu finde. Das dort nicht geraucht werden sollte, wo Nichtraucher und Raucher zwangsläufig aufeinander treffen (öffentliche Gebäude, Bus, Bahn etc.) versteht sich von selbst. Aber ich möchte doch bitte noch selbst entscheiden dürfen, ob ich meinem Genuss an der frischen Luft, zu Hause oder in einem eigens hierfür vorgesehenem Raucherlokal (z.B. Lounge, Shishabar, Eckkneipe etc.) nachgehe.

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  4. STIMME beiden oberen Kommentaren 1:1 zu ...

    Für Andere - Bruder im Geiste(?):
    • der neue Sarrazin "Der NEUE Tugend-Terror" ... WO ist (eigentlich) der ALTE ?!? ;-)

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  5. Zwar anderes Thema oder Inhalt, habe dies vor kurzem gelesen, aber trotzdem passend:

    "...wenn die immer mehr beteiligten Bürger ihre Entscheidungen nach der Devise "Hemd ist mir näher als der Rock" treffen. Leider steht - und das kann man bereits auf kommunaler Ebene trefflich feststellen - im Focus des einzelnen Bürgers stets zunächst das persönliche Wohl. Sei es beim Bau eines Behindertenheims in der Nachbarschaft (natürlich dafür, aber nicht nebenan), Windrädern (gegen Atomkraft, aber hier bei uns bitte keine Verspargelung der Landschaft) bis hin zur freien Schulwahl (lieber die kath. Schule, da sind nicht so viele Ausländer). Wie soll der Bürger notwendige Reformen beschließen (Rente/Gesundheit), wenn eine Entscheidung ihn unmittelbar benachteiligt?
    ..."

    Gerald

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    1. Hallo Gerald,

      hier sprichst du sicher einen wichtigen Punkt an.
      Dass im Fokus des einzelnen Bürgers das persönliche Wohl steht, ist richtig und, das dürfen wir nicht vergessen, wichtig!

      Jahrhundertelang war es nämlich anders: da hatte sich der Einzelne kollektivistischen Zielen zu fügen.

      Dass sich jeder Mensch in erster Linie um sich selbst sorgen DARF, ist ein großer Fortschritt. Das darf man bei allem "Gesudere" um mangelnde Solidarität nicht vergessen.

      Die große Herausforderung heute: eine vernünftige Mitte zu finden.

      Dafür ist das "alte Bild" des öffentlichen Raums nicht schlecht: Es fordert dazu auf, über seine unmittelbaren Interessen hinauszudenken, ohne sie zu vernachlässigen.

      lg Max

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    2. DASS ist für mich richtig(!) und Sachlich(!) argumentiert - DANKE DAFÜR!
      Warum nicht gleich so .;-)

      Das Mittelding von Übertreibungen zu finden, ist mM (des Menschen) das Problem. Wie geschrieben. Denn sonst ist es Linker/Rechter/Odersonstwas-Populismus bzw. "Gesudere" ;-)

      Oder man Übertreibt und isst zB zuviel Fleisch, oder wie jetzt gar keins mehr ... Oder eben andere Bsp. wie beim Rauchen.

      Gerald

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  6. Moin zusammen,
    was geht denn jetzt hier ab???
    Philosophisches und politisches Seminar?
    Da geht einem ja wirklich die Pfeife aus.

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    1. Allerdings taxidriver, da geht einem die Pfeife aus. Jedoch nicht wegen der philosophischen oder politischen Debatte. Gerade die passt ja eigentlich zum vorher nachdenkenden (Pfeife-)raucher. Hierzu fällt mir spontan Helmut Schmidt ein - wenn auch mit Zigarette. Aber das, was hier abgeht, ist doch schon sehr persönlich und nicht akzeptabel.

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  7. Servus,

    Auseinandersetzungen sollten von Sachlichkeit geprägt sein. Deshalb hier mal eine Gegenüberstellung der jeweiligen Argumente für oder gegen das totale Rauchverbot in Bayern. Zugegebenermaßen in einem Parteiprogramm gefunden. Und nein, ich habe mit denen genauso wenig wie mit anderen Parteien am Hut. Es geht mir lediglich um die sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema, welche -wie ich finde- hier recht gut gelungen ist:


    Rauchen ist doch schädlich!

    Das bestreitet ja auch keiner. Aber Rauchen ist legal und wer die Risiken in Kauf nehmen will, hat das Recht dazu.


    In öffentlichen Räumen muss die Gesundheit aller geschützt werden.

    In öffentlichen Räumen schon. Aber eine Wirtschaft ist ein Privatraum und ein Gewerbebetrieb. Und dort hat der Wirt das Recht, zu entscheiden, welche Personen und welches Verhalten er duldet und welches nicht (Hausrecht). Genauso, wie der Gast das Recht hat, in eine Wirtschaft reinzugehen oder nicht. Wen Tabakrauch stört, der hatte auch vor dem totalen Rauchverbot in Bayern die Auswahl unter fast 90% rauchfreier Gastronomie.


    So tragisch ist ein Rauchverbot doch auch nicht…

    Möglicherweise nicht – ein Wirt mag das wahrscheinlich anders sehen, der Stammgast eines Raucherlokals unter Umständen auch. Vielleicht wird das Rauchen danach auch noch weiter eingeschränkt und in Biergärten oder in Privatwohnungen verboten – entsprechende Vorschläge gab es ja schon. Oder man vergreift sich an anderen gastronomischen Unsitten – Fett, Salz und Alkohol werden ja seit jeher kritisch beäugt. Wenn sich diese Verbotskultur erstmal etabliert hat, dann wird sie sich schnell verselbständigen.


    Ob nun 90% oder 100% der Wirtschaften rauchfrei sind, spielt keine Rolle. Es ist Wettbewerbsverzerrung, wenn in manchen geraucht werden darf und in anderen nicht.

    Ging es nicht ursprünglich mal um den Nichtraucherschutz? Warum ist es dann egal, wie viele Wirtschaften rauchfrei sind? Das Recht, sich nicht berauchen lassen zu müssen, konnte jeder ohne weiteres wahrnehmen. Erst recht, wenn nur die erwähnten 90% der Wirtschaften rauchfrei waren. Zum Wettbewerb gehört doch gerade, dass es verschiedene Angebote gibt. Wenn wir völlig identische Wettbewerbsbedingungen wollen, dann brauchen wir auch genormte Knödel, gleich gute Köche und gleich attraktive Kellnerinnen.


    In vielen Orten gab es eh nur noch eine Wirtschaft und das war dann in aller Regel kein Nichtraucherlokal.

    In genügend Gemeinden gibt es mittlerweile gar keine Gastronomie mehr und dagegen kann man auch per Volksentscheid nichts machen. Wenn so viele Menschen sich vom Rauch gestört fühlten wie die Initiatoren des Volksentscheids noch heute behaupten, dann wäre ein Nichtraucherlokal ja eine immense Marktlücke gewesen.


    Unter meinen Freunden sind Raucher und die wollen dann auch in der Wirtschaft rauchen. Davor soll mich ein Rauchverbot schützen.

    Was die einen als positiv empfinden, stört die anderen – gerade beim Rauchverbot tritt das überdeutlich zutage. Darum sollte sich der Staat nicht einseitig auf eine Seite schlagen, sondern die Beteiligten (Wirte und Gäste) selbst entscheiden lassen. Wenn Ihre Freunde jetzt nicht mehr in verqualmte Kneipen gehen, sondern sich daheim im Hobbykeller treffen, wird es so bald kein Gesetz geben, das sie daran hindert. Fangen wir aber an, alles zu verbieten, was irgendjemanden stören könnte, dann haben wir bald einen totalitären Staat.

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  8. Leben und leben lassen bedeutet doch auch, dass Nichtraucher überall hingehen können, ohne von Rauch belästigt zu werden.

    Nein, das bedeutet es eben nicht. “Leben und leben lassen” bedeutet, dass sich der Staat nur dort einmischt, wo es nicht anders geht. Nicht jeder wird immer überall hingehen können, ohne von den Unannehmlichkeiten des täglichen Lebens verschont zu bleiben. Und es gibt eben keinen Anspruch darauf, ausgerechnet in die 10% Raucherlokale, die es damals noch gab, hineingehen zu dürfen. Genauso wie es keinen Anspruch darauf gibt, dass einen der Türsteher am Samstagabend in das Tanzlokal lässt.


    In die Lokale, deren Kunden bis dato hauptsächlich Raucher waren, sind nun bestimmt massenweise Nichtraucher gegangen, die bis dato daheim geblieben sind, weil sie den Rauchgestank nicht ertragen konnten.

    Das mag in Ausnahmen so sein, die überwiegende Realität sieht aber ganz anders aus. Und in diesen Fällen hat der Wirt pleite gemacht – aber über das Geld anderer Leute kann man immer am einfachsten bestimmen. Ohne das totale Rauchverbot hätte es weiterhin Wirtschaften mit und ohne Rauch gegeben und jeder hätte sich aussuchen können, in welche er gehen will. Dass Nachfrage nach beiden Geschäftsmodellen besteht, haben die letzten Jahre ja gezeigt.


    Der Volksentscheid ist ja nur ein Angebot. Lasst die Bürger doch entscheiden, etwas demokratischeres gibt es nicht!

    Das ist richtig. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass es im Grunde schon vorher einen Volksentscheid gab: Nach Inkrafttreten des ursprünglichen Gesetzes gab es massenweise “Raucherclubs”, deren einziges Ziel es war, dieses Gesetz zu umgehen. Die Wirte haben sich dafür entschieden, dieses Modell zu wählen und die Gäste haben es weit überwiegend akzeptiert und sind explizit in Raucherclubs gegangen oder haben diese explizit gemieden. Damit haben die entschieden, auf die es ankommen sollte – die Betroffenen. Wo ist also das Problem?


    In den USA funktioniert’s doch auch!

    In den USA funktioniert es auch, Menschen ohne Gerichtsverhandlung in Drahtkäfige zu sperren. Um bei den banaleren Dingen zu bleiben: In den USA muss man auch Alkohol aus braunen Papiertüten trinken und im Fernsehen werden alle “bösen Wörter” mit einem Piepser übertönt. In Kalifornien sind fetthaltige und in New York salzhaltige Gerichte in Gaststätten verboten. Wollen wir das wirklich? Die übergroße Mehrheit der Staaten dieser Erde kümmert sich übrigens um wirkliche Probleme und kennt keinerlei Rauchverbote in privaten Gebäuden.


    Nach der alten Rechtslage kannte sich kein Mensch aus. Das derzeit geltende Gesetz ist wenigstens eindeutig.

    Das ist richtig, das Volksbegehren ist eindeutig – das hat die Holzhammermethode eben so an sich. Aber: Zentralistische Lösungen sind grundsätzlich schlecht. Wenn es schon ein Rauchverbot per Gesetz geben soll, muss man zumindest zwischen der typischen Ausschank orientierten Kneipe und einem Speise-Restaurant unterscheiden.


    Denkt doch mal an die Kinder!

    An die ist gedacht, Personen unter 18 Jahren durften Raucherkneipen und Raucherräume nach früherer Rechtslage nicht betreten. In den “geschlossenen Gesellschaften”, der einzigen noch möglichen Umgehungsmöglichkeit, ist das übrigens anders.


    Viele Grüße,
    Sascha

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    1. Hallo Sascha,

      ich finde diese Gegenüberstellung sehr gut, denn sie zeigt, wie unsachlich die Debatte geführt wird.

      Was mir besonders gut gefallen hat: Öffentlich ist nicht gleich Staat. Gasthäuser/private Raucherclubs sind Teil des Privaten. In den Raucherclub MUSS niemand gehen. -> Wo ist das Problem?

      Aber es wird suggeriert, man darf sich als Nichtraucher erst dann frei fühlen, wenn nirgends mehr geraucht wird. (Nichtmal in der Zigarrenlounge)

      Absurder gehts nicht mehr.

      Das Problem ist, dass es in den letzten Jahren üblich geworden ist, dass manche Gruppierungen den Staat nützen, um ihre privaten Vorstellungen von einer "besseren Welt" umzusetzen. Das ist eine Entwicklung, die diskutiert werden sollte!

      Jeder weiß, dass Staat und Religion getrennt sein müssen. Aber dass Staat und Gesellschaft getrennt sein müssen - das ist leider viel zu wenig im Bewusstsein der Menschen.

      lg Max

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  9. Hi,

    Ich schreibe hier mobil, also bitte habt Nachsicht.

    Das Argument für ein Rauchverbot in Bezug auf Raucherkneipen ist tatsächlich nicht nur ein Argument welches auf die Gäste abzielt, sondern auch auf Angestellte.
    Die können im Allgemeinen nicht entscheiden ob geraucht wird oder nicht und auch sie vermeintlich freie Berufswahl ist mit geringer Qualifikation nicht immer so frei wie es klingt. Ob denen dann geholfen ist, wenn der Laden Pleite geht ist wieder eine andere Frage, sollte aber nicht außer Acht gelassen werden.

    Fabian

    PS: ich bin übrigens bei der Gutmensch-Debatte dazu über gegangen mich als "Bessermensch" zu sehen. Bin schon nett und toll ;-) (bitte das Augenzwinkern beachten)

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