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Donnerstag, 9. Januar 2014

Die fehlende Hobbit-Kavallerie... Chevalier-Pfeifen!

Wer hätte schon noch vor wenigen Jahren gedacht, dass die beinahe dem Vergessen anheim gefallene Lesepfeife ein solches Comeback erleben würde? Die Hobbits und Zauberer aus Tolkiens Phantasie haben nicht nur die Leinwände erobert, sie haben besonders in Deutschland für eine regelrechte "Lesepfeifen-Manie" gesorgt. Fragen Sie mal den Vater des deutschen Langpfeifen-Revivals, Peter Lehmann, wie seine Auftragsbücher aussehen!

Schade.... schade, dass die Hobbits keine Kavallerie durchs Auenland traben lassen und ließen. Sonst wäre vielleicht ein anderer Pfeifentyp, ebenso anachronistisch, auch zu neuen, verdienten Ehren gekommen. Die Chevalier- oder Reiterpfeife.

Die Grundidee dieses Pfeifentyps ist ebenso pfiffig, wie ihr Konzept. Ursprünglich wurde die Form so gewählt, damit die Kavalleristen auch hoch zu Ross Pfeife rauchen konnten, ohne ihre Beißer zusätzlicher Belastung in Form von Hebelbewegungen gerader Pfeifen auszusetzen. Der eigentliche Knaller ist aber die Art und Lage der Bohrung – die, allerdings, verlangt selbst gewieften Pfeifenbauern der heutigen Zeit einiges an Können ab.


Das Prinzip: Die beim Rauchen entstehende Feuchtigkeit verlässt gemeinsam mit dem Rauch die Bohrung des Pfeifenkopfes in Richtung Raucher. Während der aber den Rauch ansaugt, folgt die schwerere Feuchtigkeit nach dem Niederschlag im Pfeifenrohr der Schwerkraft und sinkt nach unten ab. Dort sammelt sie sich in einer Art Syphon. Der Sammler hat am unteren Ende einen Revisionsstopfen, der nach dem Genuss entfernt und der Sammler trocken gelegt werden kann.


Das ermöglicht einen kühlen (je nach Rohrlänge) und derart trockenen Rauchgenuss, dass selbst ein Aktivkohle-Fetischist wie ich einen Filter nicht vermisst! Allerdings steht auch einer Verwirklichung des Konzeptes mit Filter nicht unbedingt etwas im Weg.

In heutiger Zeit werden die Reiterpfeifen natürlich weniger zum Ausritt benutzt (ähnlich selten, wie die Lesepfeifen nur während der Lektüre heran gezogen werden!) Dafür gibt es aber mittlerweile eine Vielfalt in dieser Gattung, die wirklich staunen lässt. Von ganz traditionellen Stücken bis zur "Modern Art-Version" wird alles geboten. Googlen Sie z.B. mal die "Cavalier-Pipes" von Werner Mummert oder Walt Cannoy!


Ich hatte auch eine Varianten-Idee zum Thema, die mir Peter, als "Spezialist für Spezialitäten", im letzten Jahr umsetzte. (Bei dieser Gelegenheit der Hinweis an den Nachbauer, der die Kopie dieser Idee sowohl bei YT als auch auf seiner Webseite präsentiert: Sich mit fremden Federn zu schmücken, ist nicht sonderlich kleidsam!)


Ich genieße diese Pfeife oft und gern, freu' mich am trockenen, kühlen Rauch und an der unkomplizierten und gründlichen Möglichkeit der Reinigung. Unmodern? Überholt? Old Fashioned? Stimmt, genauso überholt, wie Lesepfeifen!

Wenn Sie nun Lust bekommen haben, diese phantastische Art des Pfeiferauchens auch mal zu probieren.... oder wenn sie nicht der 2726ste Mittelaltermarkt-Besucher mit einer Lesepfeife sein wollen... nur Mut... es lohnt sich! Kündigen Sie ihren Bausparvertag und kaufen sie sich eine Dunhill... oder schauen Sie mal bei Peter Lehmann rein... der hat viele gute, bezahlbare Ideen zum Thema... und setzt auch IHRE eigene Vorstellung um. Also, her mit der Hobbit-Kavallerie... Ponys gibt es genug!



Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings


Kommentare:

  1. Das kommt doch auch dem Calabash (Reverse) ähnlich oder ?
    Gruss Kai

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  2. Im weiteren Sinne (Verwirbelung des Rauches zum Kondensat-Niederschlag) ist das Ergebnis ähnlich.Den "Weg zum trockeneren Rauch" gehen beide Systeme aber gänzlich unterschiedlich.
    Lieben Gruß, RALF

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  3. Kavalierspfeifen sind einfach cool! Und dir danke für die interessanten Infos dazu!

    Shalom
    Hermann

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