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Mittwoch, 31. Juli 2013

DTM - Holmer Knudsen #2

Wochenend und Sonnenschein… und ich mit mei­ner Pipe allein. Zeit für ein Review über einen Tabak, der mir neu ist.
Letztens erst habe ich über solch einen “Zwitter-Tabak” geschrie­ben, einen, bei dem nicht so ganz klar ist: Ist das ein aro­ma­ti­sier­ter Engländer oder ein „eng­län­di­sier­ter“ Aromat? Doch wäh­rend ich beim “Independence” von Beginn an rela­tiv begeis­tert war, brauchte ich für den „Holmer Knudsen #2“ schon etli­che Pfeifen, um mit ihm warm zu wer­den. Und so ganz genau kann ich nicht ein­mal erklä­ren, wes­halb das so ist.


Es ist für den Tabakmischer ganz sicher­lich schwer, eine gute Balance zwi­schen den bei­den Polen zu fin­den. Und wenn das beim “Independence” wun­der­bar gelun­gen ist, hab ich damit bei die­sem hier ab und an ein Problem. Der Tabak ist sehr unter­schied­lich mit jedem Rauchen, in jeder Pfeife. Es macht einen unge­heu­ren Unterschied aus, ob man den Tabak mit oder ohne Filter raucht; kaum zu glau­ben, dass es sich um den glei­chen Tabak han­delt. Mit Filter über­wiegt der Aromat. Der wird ergänzt durch eine Spur rau­chi­ger Latakia-Würze. Ohne Filter, gerade auch aus klei­nen Köpfen, ist es ganz das Gegenteil. Man hat einen ordent­li­chen Engländer in der Pfeife, der eine gewisse Aromatisierung nicht ver­hehlt. Seltsam.

 
Dan Pipe beschreibt den Tabak so:
Ein süß-würziger Blend auf der Basis von rei­fem Virginia mit einem deli­ka­ten Honig-Casing, das die natur­ge­ge­bene Süße des Virginia noch rei­cher erschei­nen lässt. Dazu ein fein-herber Orienttabak und eine Prise vom rau­chi­gen Latakia, der aber nie in den Vordergrund drängt. Ein ange­nehm sanft-würziger süß getön­ter Genuss mit küh­lem Rauch.“
und spricht damit defi­ni­tiv nur den Filterraucher an. Denn wie gesagt: Da stimmt der Eindruck, dass man einen sanft-süßen Aromaten mit ein wenig Würztabak raucht. (Wobei ich die Aromatisierung nicht mit Honig in Verbindung brin­gen würde, son­dern eher mit Anklängen von Waldfrucht.) Wenn man den kal­ten Rauch über die Zunge strei­chen lässt, bleibt auch beim fil­ter­lo­sen Rauchen eine Idee davon.

Der Tabak duf­tet aus der Dose schon appe­tit­lich – wenn man denn Latakia mag, denn den ver­hehlt der Geruch nicht. Das schön anzu­schau­ende Tabakbild wird von einem rela­tiv dunk­lem Virginia getra­gen, hat aber auch tief­schwarze Anteile. Er ist ein­fach zu stop­fen und ver­glimmt ohne Probleme und ganz ohne Aufmerksamkeit zu hei­schen in Pfeifen jeg­li­cher Größe zu einem klei­nen Häufchen dun­kel­grauer Asche. Das zeigt, dass der Tabak von guter Qualität ist.

Im Raumduft ist der Latakia-Anteil schon gut erkenn­bar – natür­lich kein Vergleich zu einem Latakia-Hammer wie der letz­tens beschrie­bene „Artisan“ - die Süße ist ver­nehm­bar, aber eher sanft. Ihr seht, ich ver­su­che, einem end­gül­ti­gen Urteil zu ent­kom­men… und es fällt mir tat­säch­lich schwer, eines zu fin­den. Ich finde den „Holmer Knudsen’s #2“ wirk­lich span­nend, aber ich bin mir ein­fach nicht sicher, ob ich noch ein­mal eine Dose davon kau­fen möchte. Vermutlich greife ich eher zum ”Independence”, des­sen iri­sche Aromatisierung mir ein­fach auch mehr zusagt.
 
Also: Der Tabak ist gut,aber nicht ganz zu 100% mein Geschmack. Trotzdem möchte ich ihn denen emp­feh­len, die neu­gie­rig auf solch einen “Tabak zwi­schen den Welten” sind.


Autor: Nic Frank
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Sonntag, 28. Juli 2013

Aktuelle Nostalgie - Der "15-Minuten-Genuss"

Ja, dieser Tabak ist ein Reinschnitt. Also gehört er ja wohl nicht hierher?


Ich experimentiere immer mal wieder gern mit feinen Schnitten in kleinen Pfeifen, so, wie mit dem "Maryland" aus dem Hause Roth aus Halwil in der Schweiz

Die Roths und ihre Produkte sind in mehrerlei Hinsicht außergewöhnlich. Ihre Mischungen werden im kleinen Manufaktur-Rahmen hergestellt, auf chemische Hilfsstoffe wird (auch bei Aromatisierungen) gänzlich verzichtet und die verarbeiteten Virginias und Burleys sind "heimatliche Gewächse"- also in der Schweiz angebaut. Interessante Produkte für Leute, die sich für wirklich naturnahe Tabake interessieren... und nicht nur für das modische Gerede darum.


Paradox: Dieser Tabak heißt zwar Maryland, ist aber eine Mischung aus VA und BU... mit ein wenig Aroma aus natürlichen Zutaten. Der Opa der Familie Killer hat ihn seinerzeit so genannt - warum auch immer. Aus Tradition ein guter Grund, den Namen beizubehalten. In jedem Fall ist er sehr aromatisch, mild würzig... und eben besonders! Da die Schweiz kein EG-Land ist, kann die Firma Roth nicht so ohne weiteres nach Deutschland liefern. Wer dort aber in der Nähe weilt oder entsprechende Kontakte ins Land der Eidgenossen hat, sollte sich die Tabake und die spannende Firma Roth mal näher ansehen.

Besondere, lohnenswerte Feinschnitte gibt es aber auch hierzulande. "Akropolis", eine traditionelle Orientmischung von Planta, "Buccaneer" mit Whisky-Aroma, "American Spirit" mit Perique... dazu Klassiker, wie Robert Mc Connells "Special London" - nur, um ein paar Beispiele zu nennen.


Was nun der ganze Feinschnitt-Quatsch soll? Wieder eine neue Mode? Nun, in Wirklichkeit ist Feinschnitt in der Pfeife ein ur-alter Hut. "Shag-Pfeifchen" gibt es schon ewig. Ich erinnere mich gut, in den 60er-, 70er- und frühen 80er-Jahren mit dem Bild vornehmlich älterer Herren mit kleinen Pfeifchen aufgewachsen zu sein. Doch schon weit vorher war es üblich, Zigarrenstummel und günstige Feinschnitte in Pfeifen zu rauchen - vornehmlich der Kosten wegen.

DIE dürften heute, bei der möglichen Renaissance der kleinen Pfeifen, nur eine sekundäre Rolle spielen. Es ist inzwischen eher die mangelnde Zeit und Gelegenheit, eine große Pfeife in Ruhe zu rauchen. Ja, ich sträube mich auch gern, wenn die Begriffe "Zeitmangel" und "Pfeife rauchen" zusammen kommen... doch, Sachzwänge fordern Entwicklung und Antworten. Es geht hier aber nicht um eine "Notlösung"... auch Pfeifenraucher mit Zeit im Überfluss können bei der Kombination kleiner Pfeifen mit Feinschnitten erstaunliche Geschmackserlebnisse auf der Erfahrungsseite buchen. Zumal die dazu angebotenen Pfeifchen mittlerweile nicht mehr günstig zusammengeschusterte Nutzgeräte sind, sondern sehr intensive "HABEN-WOLLEN-Gefühle" auslösen.

Wer zunächst einmal günstig einsteigen und ausprobieren will, kann sich nach den sogenannten "Probierpfeifchen" aus Meerschaum umsehen, die es im Netz immer noch für 10-20 € zu erwerben gibt.


Wer bei Meerschaum bleiben möchte, aber nach mehr Klasse, Stil und Qualität sucht, ist bei Peter Lehmann richtig. Seine "5 Minuten-Pfeifen", aus Restbeständen besten Rulaher Meerschaums sind stilecht gefertigt und ein schönes Beispiel handwerklicher Tradition.


Es gibt sie auch in etwas größer und auf Wunsch mit 6mm-Filter. Den Bruyere-Fans sei zum günstigen Einstieg geraten, sich in Ruhe im Netz umzusehen. Bei ebay tauchen immer wieder solch' kleine Pfeifchen auf, meist mit einigen Jahren auf dem Buckel... aber nicht selten ungeraucht. Dabei kommt man u.U. sehr günstig an Pfeifen mit Charakter, wie an diese kleinen Vauen aus den 30er-Jahren. Mit im Bild hier eine "Ruhlaher" von Peter Lehmann.


Wenn sie es gern edler hätten... auch kein Problem. Nils Thomsen aus Berlin fertigt nicht nur die hier bereits beschriebenen Pfeifchen in Calabash-Art, entweder in sehr originell oder in besonders ausgefallen,




er fertigt auch "konventionelle" Modelle mit kleinem Füllvolumen und 9er Filterung.


Doch nicht nur aus Berlin kommen schöne bis edle Hölzer, mit denen man der "Feinschnitt-Entdeckung" frönen kann... auch Eckhard Stöhr, Ronny Bolz und andere Könner ihres Fachs bieten die zarten Pfeifen mit dem kleinen Volumen an. Man findet Auswahl ohne Ende, wenn man gezielt danach sucht.




Entgegen häufig geäußerter Vorbehalte rauchen sich die Feinschnitte recht unproblematisch. Vor allem die gefürchtete Überhitzung der Hölzer lässt sich vermeiden, wenn man sich des schnelleren Glimmens von Feinschnitten bewusst ist, langsam und bedächtig raucht und auf die Befüllung des Kopfes besondere Sorgfalt verwendet. Dafür entdeckt man u.U. Tabakgenuss, der genau DAS ist, was man gesucht hat... und ein wenig nostalgischen Charme hat die Sache natürlich auch.

Wenn man möchte, lassen sich sogar vernünftige Argumente für diese Art des Rauchens finden. Pfeifenraucher, die nebenbei noch Zigarette rauchen, finden hier einen angenehmen Ausstieg aus der "Glimmstängel-Fraktion" und Leute, die aus Mangel an Zeit noch keine Pfeifenraucher sind, können es werden. Ok, dies sollte eigentlich eine Tabakvorstellung werden... anscheinend ist mir das Thema etwas entgleist - 'tschuldigung!

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Freitag, 19. Juli 2013

Kopfränder wie neu - auch ohne Maschinen

Hässliche Randerscheinung - reine Kopfsache!

Ja, ich weiß. Es ist Sommer und da hat keiner Lust auf solche Arbeiten. Muss ja auch nicht sofort sein... Herbst und Winter kommen bestimmt. Vielleicht bin ich auch besonders empfindlich. Vom Schmauch verdreckte Kopfränder gehen bei mir aber gar nicht. Besonders störend empfinde ich es, wenn die Schönheit angefasster Ränder oder halbrunder(polierter) Kopfabschlüsse unter schwarzem "Modder" leidet. Nun hört man oft den Rat, diese Ränder an der Maschine aufzupolieren. Schön und gut - doch nicht jeder Pfeifenraucher kann und will sich eine Poliermaschine anschaffen. Ganz abgesehen von der benötigten Räumlichkeit.

Ich hätte da einen Tipp, wie es auch ohne Maschinenanschaffung und größere Dreckerei gelingt, Kopfränder wieder richtig schön zu bekommen. Die Investitionen halten sich in Grenzen:

Eine Flasche Ceranfeld-Reiniger (evtl. schon im Haushalt vorhanden)
Ein weicher Lappen
Ein Nagelpolierer ( auch "Shiner" genannt) mit 4000er Körnung.


Diese "Shiner" gibt es in verschiedenen Formaten. Als Blöcke, als kleine Platten, als Pads oder in der gebräuchlichsten Form, als Feile.


Meist kombinieren die Feilen leider zwei Stärken. Wer es schafft, welche zu finden, die nur 4000er Beschichtung haben, sollte zuschlagen. DAS ist der Wert, den man zur Pfeifenpflege braucht und es besteht auch nicht die Gefahr, die Seiten beim Polieren zu verwechseln. DARAUF unbedingt achten!

Los geht's! Man trägt ganz wenig Ceranfeld-Reiniger auf einen leicht feuchten Lappen auf und reibt ohne Druck den klebrigen Schmauch vom Kopfrand herunter... das kann (je nach Verschmutzungsgrad) etwas dauern. Zwischendurch ab und an trocken wischen, um den Erfolg zu überprüfen. Wer nicht ganz so feinmotorisch ist, sollte den Kopf vorher mit einem Stoffrest füllen, um einlaufenden Reiniger zu verhindern.


Nach erfolgter Reinigung präsentiert sich der Kopfrand wieder "jungfräulich" schön - aber völlig matt! Jetzt keine Panik. Den Kopfrand gründlich von allen Reinigerresten befreien und nun, ohne Druck und mit Ruhe beginnen, den Rand mit der 4000er Körnung aufzupolieren. Sobald die Feile zu quietschen beginnt, sollte der alte Glanz wieder hervorgetreten sein. Nicht zu fest oder zu lange polieren. Beginnt die Feile zu "rubbeln" und heiß zu werden, nutzt sie sich sehr schnell ab.
 


...und wer jetzt noch Zeit und Lust hat, wen die "Glanzgier" erfasst hat, der kann das Mundstück (falls es ACRYL ist!) auch noch rasch mit dem Shiner auf Hochglanz bringen! Sieht toll aus!


Ich verspreche ein feines Ergebnis, ganz ohne Maschinenlärm und größere Anstrengung. Allerdings würde ich diese Arbeiten nicht auf dem guten Tischtuch im Wohnzimmer durchführen... sonst muss danach der Haussegen auch neu poliert werden.

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Dienstag, 16. Juli 2013

Ashton - Artisans Blend

Freunde der Finsternis – das ist Euer Tabak!

Ungewöhnlich für diese Jahreszeit hatte ich rich­ti­gen Heißhunger auf einen kräf­ti­gen Engländer. Und so fiel meine Wahl auf den „Artisans Blend“ aus dem Hause Ashton (also aus Rellingen). Den kennt ich nur aus Berichten, hatte ihn aber noch nie in mei­ner Tabakbar oder in einer mei­ner Pfeifen. Ein Versäumnis, wie mir vom ers­ten Moment klar wurde, als ich ihn rauchte.
Ashton Artisans Blend – kräf­tige, anspruchs­volle Mischung aus rau­chi­gem, zyprio­ti­schem Latakia, süß­li­chem Orange Virginia, blu­mi­gen Orient und einem Hauch pikant-würzigem Perique, voll­mun­dig und edel.“

Kräftig; ja, das ist er. Aber das meint vor allem den Geschmack, nicht so sehr die Stärke des Nikotins. Kräftig ist auch der Geruch – aus der Dose und noch viel mehr im Raum. Das ist ganz sicher kein Tabak, mit dem man sich Freunde oder Freundinnen erwirbt. Es sei denn, die sind hart im Nehmen und arbei­ten im Straßenbau, lie­ben das Teeren von Dächern oder den Geruch glim­men­den, alten Holzes aus feuch­ten Kellern.

Das als Warnung vor­aus­ge­schickt kann ich ja begin­nen, ein Hohelied auf das Kraut zu sin­gen.

Denn das Verrückte ist: Der Tabak ist rich­tig schön süß. Und das, obwohl der Latakia in jeder Sekunde, bei jedem Zug (und noch Stunden spä­ter im Zimmer) seine Anwesenheit kund gibt. Den Orient kann man kaum erschme­cken, der gibt nur eine kleine Note hinzu, die sich als leichte Säure auf die Zunge legt. Das gilt – in noch viel gerin­ge­rem Maße – auch für den Perique, dessen pflau­mi­ges Aroma man immer dann erschme­cken kann, wenn der Rauch sehr kühl daher ­kommt – also die Pfeife fast am Ausgehen ist.

Ich habe den Tabak sowohl mit als auch ohne Filter geraucht – aus gro­ßen und aus klei­nen Köpfen. Und er schmeckt immer. Ohne Filter ist er (natür­lich) nuan­cen­rei­cher, da erin­nert er mehr an den „Accountants“ – mit (Meerschaum)Filter geraucht kommt er eher in die Nähe von Dunhills „Nighcap“ (BTW: den muss ich jetzt noch mal pro­bie­ren…, der hat mich ja damals “umge­hauen”).

Oft habe ich das Problem, dass mir zum Ende der Füllung hin – gerade bei Engländern – der Tabak immer ein­spu­ri­ger vor­kommt. Nicht so bei die­sem hier. Der bleibt bis zum letz­ten Krümel hin span­nend, brennt nicht auf der Zunge und braucht kei­ner­lei Aufmerksamkeit. Und schmeckt… schmeckt…schmeckt… wie ein Stück Holz, auf dem Marshmallows über dem Lagerfeuer gerös­tet wur­den.

Der „Artisans“ ist sehr ergie­big. Selbst solch ein klei­nes Pfeifchen wie das auf dem Foto hier (eine uralte Stanwell 153) mit einem etwas mehr als fin­ger­hut­gro­ßem Brennraum, kann mich – und ich bin nicht gerade als Langsamraucher bekannt – eine gute halbe Stunde beschäf­ti­gen.

Was soll ich sagen? Ich bin sehr zufrie­den, dass ich den Tabak bei mei­nem Lieblingshändler habe ste­hen sehen und zugriff. Bisher hab ich den näm­lich immer übersehen – obwohl es ihn immer dort gege­ben hat (so sagte er mir).

Ein kräf­ti­ger Tabak darf auch ein kräf­ti­ges Schlussurteil bekom­men: Ein­fach nur ein gei­les Kraut!


Autor: Nic Frank
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Donnerstag, 11. Juli 2013

Kärnbach - Gold Cut RR

Ihr kennt das: Man kauft einen neuen, noch nie gerauch­ten Tabak und ist begeis­tert. Die ers­ten Pfeifen schme­cken ein­fach toll. Doch dann, nach 80 von 100 Gramm wird der Tabak belie­big.
Ich bin ja einer von den Rauchern, die es ableh­nen, immer den glei­chen Tabak zu rau­chen. Ich gehe gern in Läden und kaufe neue, mir unbe­kannte Tabake. Ab und an geht das gran­dios in die Hose; häu­fi­ger pas­siert das oben Geschriebene und ganz sel­ten lerne ich einen Tabak ken­nen, der wie für mich gemacht zu sein scheint.

So die­ser hier. Am „Gold Cut RR“ hat mich erst mal nur der Name gereizt – die unschein­bare Dose war es ganz sicher nicht. Nun bin ich lang genug “im Geschäft”, um mir unter die­sem Namen auch etwas vor­stel­len zu kön­nen: Einen ready rub­bed-Virginia von der hel­len, natur­be­las­se­nen Art. Bei diesem Tabak – wie (glaube ich) alle Hausmarken von Kärnbach aus dem Hause K&K stam­men, konnte eigent­lich nicht viel schief gehen. Rauchbar wird das Kraut auf jeden Fall sein. Dachte ich. Und irrte nicht. Denn der Tabak ist nicht nur rauch­bar! Er ist wie für mich gemacht. Er ist genau so, wie ich mir einen guten Virginia vor­stelle!


Nach dem Öff­nen der Dose leuch­tet einem ein freund­li­cher Anblick in braun-gelben Tönen ent­ge­gen. Gerissener Virginiaflake. Ich kenne sogar die Maschine, in der aus Flake-Scheiben/Streifen geready-rubbted-Tabak wird. Der Duft ist heuig-süß mit einem Hauch von… ja, wovon eigent­lich? Wenn ich es “Vanille” nen­nen würde, klänge es wie ein zuge­setz­tes Aroma. Wobei ich mir, wenn ich län­ger dar­über nach­denke, eben nicht ein­hun­dert­pro­zen­tig sicher bin, ob da nicht doch viel­leicht ein wenig Aromatisierung dabei ist… Nein, das ist keine Vanille, viel­leicht ein Hauch Karamell – so wie diese däni­schen Butterbonbons duf­ten? Doch würde ich den Tabak und den Duft aus der Dose (und auch den Geschmack) natür­lich nen­nen. Früher wurde Cumarin genutzt, um Tabake sanft zu machen. Das ist nicht mehr zuge­las­sen… aber irgend­was muss da ein­fach beige­fügt wor­den sein, um diese Cremigkeit zu erzeu­gen. Vermute ich mal.


Doch eigent­lich ist das schnurz­pie­pe­gal. Denn wenn der Tabak gestopft (nicht zu fest, da er sich beim ers­ten Entzünden ausdehnt und nicht zu vor­sich­tig, da er dann nicht gut glimmt und sowieso am bes­ten die aller­größte Pfeife neh­men, die ver­füg­bar ist!) und ent­zün­det ist… dann teilt sich diese süße Virginia-Cremigkeit dem Rachen, der Nase und auch dem umge­ben­den Zimmer mit.

Kleine Köpfe mag der „Gold Cut RR“ nicht so sehr – da muss man stän­dig mit dem Reiniger han­tie­ren. Aber er schmeckt auch aus ihnen. Vermutlich könnte man den Tabak sogar mit Genuss aus einer Pfeife aus Porzellan rau­chen – aus Tonpfeifen jeden­falls schmeckt er rich­tig fein.

Ja, das Wort “fein” trifft es am besten. Denn seien wir doch ehr­lich: Viele Virginia-Flakes (und rr-Varianten) sind sich sehr ähn­lich, sind fast aus­tausch­bar. Und das trifft vor allem auf die eher natur­sü­ßen Virginias zu, die stren­ge­ren Geschwister sind da dif­fe­ren­zier­ter und deut­li­cher zu unter­schei­den. Die Unterschiede bei den weich-süßen VA-Flakes sind viel fei­ner und ver­mut­lich von vie­len Rauchern kaum zu unter­schei­den. Ich schließe mich da nicht aus. Doch der Spaß an einem Tabak wie die­sem hier kommt mit der Übung. Und ich gehe davon aus, dass der Tabak auch ohne Kenntnis der rund ein­hun­dert ähn­li­chen Varianten schmeckt. Was mir aber wirk­lich Spaß berei­tet, ist den Feinheiten des Tabaks hin­ter­her zu spü­ren.

Neben der immer vor­han­de­nen Grundsüße gibt es einen an Karamell erin­nern­den Ton, der nicht immer mit­schwingt, aber fast immer prä­sent ist. Dann die­ser Hauch des­sen, was ich mit Vanille asso­zi­iere (ohne, dass es sich dabei um Vanille han­deln muss). Und – natür­lich die fein-würzige Süße eines guten Virginias. Die vor allem das ist, was für mich einen guten VA-Flake aus­macht und des­sen Raumduft mich selbst immer wie­der begeis­tert. Das riecht so … boden­stän­dig. Ich denke dabei sofort an Kaminzimmer vol­ler Bücher, einen schwe­ren Rotwein (obwohl star­ker Kaffee zu dem Tabak auch her­vor­ra­gend passt), lange schwere wein­rote Vorhänge und einen ural­ten Ohrensessel, in den man ver­sin­ken kann.

Wo war ich ste­hen­ge­blie­ben? Ach ja: Ihr solltet den Tabak kau­fen. Die EURO 16,-- und auch die zehn Cent sind gut ange­leg­tes und genuss­voll ver(b)rauchtes Geld. Wie gut der Tabak ist: Ich hab kaum bemerkt, dass ich ihn fast täg­lich als letz­ten des Tages rauchte, obwohl er nicht sehr stark ist – aber ich wollte den ein­fach nicht “neben­her” rau­chen– und irgend­wie die Dose fast leer ist (des­halb auch ein Foto mit wenig Tabak drauf – ich hab das, was in der Dose war, an den Rand gescho­ben). Ich bin zufrie­den, dass der Laden nicht weit weg ist und ich pro­blem­los Nachschub bekom­men kann.



Autor: Nic Frank
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Mittwoch, 10. Juli 2013

Pfeifen: Schrauf's - Regionaler (?) Preistipp?

Ein Bekannter ist kürzlich nach Nürnberg umgesiedelt und hat sich dort auf die Suche nach Pfeifen-Fachgeschäften begeben. Fündig wurde er auch in der Lorenzer Str. 30. Dort befindet sich das kleine, urige Fachgeschäft von Renate Schrauf. Sie führt den "gereiften" (im positiven Sinn) Laden nach dem Tod ihres Mannes weiter... und das mit feinen Haustabaken UND Hauspfeifen! Herr Schrauf hat bereits vor etlichen Jahren eine eigene Pfeifenserie ins Haus geholt... und DIE ist mehr als nur beachtlich!


Dank Bernhard bin ich (weit weg von Nürnberg) in den Besitz der abgebildeten Pfeife gekommen... und mächtig beeindruckt. Verarbeitung und Rauchverhalten sind ohne Fehl und Tadel. Einzig bei der Verschachtelung hapert es ein wenig. Doch man sollte die Ansprüche der Preislage anpassen.


Die Form, eine Author, ist originell und sehr schön für Flakes geeignet, das Holz ist bis auf einen Spot sehr sauber und die Zeichnung recht hübsch.


Der pfiffige Clou ist aber, die Pfeifen mit weitgehend unbehandelter Oberfläche anzubieten. DAS spart einige Arbeitsgänge und somit Kosten. So ist Frau Schrauf in der Lage, die Pfeifen für 30 Euro anzubieten. Das ist für die gebotene Qualität ein Spottpreis. Man kann die Pfeifen rauchen wie sie sind und gespannt darauf sein, wie sie im Gebrauch nachdunkeln. Oder man macht es wie ich. Ein wenig Danish Oil oder Teak-Öl... und schon tritt die Maserung deutlicher hervor und die Pfeife nimmt einen sanften Braunton an. Im Original haben die Pfeifen eher diesen Farbton:


Es ist halt Geschmackssache. Auf jeden Fall erwirbt man Pfeifen mit erstaunlich gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Frau Schraufs Laden ist eher analog ausgerichtet. Einen Webauftritt sucht man vergebens, eine evtl. Shapelist auch. Wer in der Nähe daheim ist, sollte sich den Laden und die Pfeifen persönlich ansehen. Bei weiterer Entfernung ist es aber auch kein Problem, zu Frau Schrauf unter 0911 227263 Kontakt aufzunehmen. Die Shapes wird es in Kürze auch auf Bernhards Kanal zu sehen geben.

Ich kann nur sagen, dass ich lange keine vergleichbar guten Pfeifen für diesen Preis gesehen habe... und das mir mein Exemplar große Freude bereitet.



Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Sonntag, 7. Juli 2013

Tabak: Stanislaw - Black Berry

DEN KENN' ICH DOCH!

Nein, ohne Sommer, Sonne, Urlaubslaune hätte ich diesen Tabak wohl nicht gekauft. Eigentlich gar nicht mein "Beuteschema"... doch als ich diesen schönen Laden fand


und natürlich durchstöbern musste, konnte ich DIESE Verpackung kaum übersehen.


Poppige Farben, martialische Deko (US WW II Jagdflugzeug mit exakter Typbezeichnung) und der Name STANISLAW. Skurril, mit € 3,20;--/50 Gramm sehr preiswert... komm', probier' ich mal!

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich diese Marke vorher nicht wirklich kannte. Der Verpackung war nur zu entnehmen, dass der Tabak für Mostex in Deutschland gemischt wird. Zurück auf der "heimischen" Terrasse war ein sofortiger Testrauch Pflicht. Kaum hing der Gewürzprüfer über dem geöffneten Päckchen, rief das Kleinhirn: "Ja, saaaach' mal... den kenn' ich doch! Der riecht ja wie.... ne, kann nicht sein!"

Sofort stopfen und probieren... Nase und Kleinhirn brauchen Unterstützung. Keine drei Züge und die innere Stimme hatte Festigkeit und absolute Überzeugung: "Das IST „Devils Holiday“! Der KANN nur von DTM sein." Eine Vermutung, die sich mittlerweile bestätigt hat. Diese überbordende, beinahe "brauseartige" Fruchtigkeit, diese Leichtigkeit, dass "obstige" Raumaroma... eindeutig! ...und das Tabakbild passt auch.


Weitere Rauchopfer mit diesem "Sommerkraut" belegten dann aber rasch, dass es sich hier nicht um eine 1:1 Kopie oder gar um identische Tabake handelt. Während der „Devils Holiday“ beinahe über die gesamte Pfeife sein Aroma hält, ist beim Stanislaw nach der halben Füllung "die Luft raus" ...und übrig bleibt ein eher nichtssagender Tabak, der sich aber wenigstens problemlos zu Ende rauchen lässt.

Macht aber nichts. Zu 30 °C im Schatten, entspanntem Urlaubsgemüt und einem eiskalten San Miguel passt er trotzdem sehr gut. Wer also in Spanien weilt und ein Herz für "Spass-Aromaten" hat, sollte ihn probieren. Es gibt ihn auch in Österreich... doch dort sind selten passende Temperaturen, der Tabak kostet das Doppelte... und das San Miguel ist zu teuer!

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Mittwoch, 3. Juli 2013

Tabak: McClelland - #6 Oriental

Balanced? No, not really!

Kennen Sie das? Wenn man kurz vor der Öffnung eines Tabaks steht, auf den man lange warten musste? Das muss zelebriert werden.

"...both satisfying and refreshing-indoors or out..."


Fein, also Wetter nutzen. Frischen Kaffee auf den Balkon, dazu Stopfer, Ascher, Feuerzeug... die passende Pfeife (Wolter-Calabash,9er Filter) und los gehts! Deckel ab, Pullring hoch... aufreißen!

Nasologisch liegen die Virginias klar vorn... und natürlich hat "Big L." seine Losung dazu gegeben. Optisch überwiegen die roten Virginias, ergänzt von schwarzen Latakia-Flöckchen und dem typischen Grau-Grün der Orients... llllecker! Er stopft sich gut und glimmt prima an... die ersten Züge, die Ausgewogenheit genießen!

"...a balanced, old-style medium mixture..."

Ausgewogenheit? Ich schmecke nur reichlich Virginia mit voller Süße, dazu dezente Latakia-Begleitung. Nichts vom ätherischen Orient - völlige Fehlanzeige. Medium Mixture? Das Kraut ist ein absolutes Leichtgewicht, für mich zu wenig Speck auf den Rippen. Warme, nichtssagende Virginia-Luft. Was'n hier los?

Dann der Geistesblitz: Klar, der Filter stört... ist schließlich ein Ami... und vielleicht lieber "indoors" geniessen! Es folgt die wunderbare Bamboo-Apple vom tollen Ronny Bolz - Schauplatz jetzt das Wohnzimmer. Nochmal, das Ganze!


Die ersten Züge überzogen scharf, danach Virginia, Virginia und am Ende etwas L. Labberig, uninspiriert, farblos und von "balanced" keine Spur. Zudem so schwach, dass es mich wundert, dass die Dose nicht umfällt. Schade für den Orient, schade ums Geld. Wenn ich ausschließlich VA rauchen will, hält MCCL für mich wesentlich passendere Kräuter bereit.(„#.27“, „Dark Star“). Wenn ich einen echten "old style" rauchen möchte, in dem auch der Orient zu seinem Recht kommt, dann sicher nicht den „#6“!


Die erste "Niete", die ich aus dem MCCL-Programm gezogen habe. Da interessiert mich nicht einmal die Raumnote.

Mein klares Fazit: Number six, der ist nix!

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Tabak: Orlik - Dark Strong Kentucky

Das Rezept für einen wahr­haft gran­dio­sen Tabak ist ganz ein­fach: Man nehme eine Dose “Dark Strong Kentucky” von Orlik, lege die zehn bis zwölf Jahre in den Schrank und öffne sie dann…
Ich möchte ehr­lich gesagt nicht wis­sen, wie viel PG im Tabak ist; der Tabak war nach min­des­tens 10 Jahren noch immer von der rech­ten Feuchte um ihn zu stop­fen und zu rau­chen. Und ich kann zudem sagen: Da ich mir auf­grund der Rarität des Tabak die­sen nur alle paar Tage gönnte: Der Tabak ist auch nach fast vier Wochen in der geöff­ne­ten Dose noch feucht…

Und weil wir nicht wis­sen möch­ten, wel­che Chemikalien den Tabak so gut kon­di­tio­niert sein las­sen… kom­men wir zu etwas Erfreulicherem: Dem Anblick, dem Geruch und dem Geschmack.

Der Anblick ist… umwer­fend! Der „Dark Strong Kentucky“ (und seine Nachbauten – oder wie ein Freund sagte: “OEM-Versionen”) ist ein­ma­lig!  Es gibt kei­nen Zwei­ten wie ihn: Rela­tiv dünne, von hell­braun ins schwarze über­ge­hende Flakescheibchen, die jede Tabakfaser erken­nen las­sen. Das sieht nicht nur lecker aus, das riecht auch so. Wenn ich schon beim „Dark Twist“ von “Pumpernickelaroma” sprach… dann ist das hier die Potenzierung. Es gab (gibt?) so ein tief­schwar­zes Früchtebrot – mit Rosinen drin und ver­mut­lich getrock­ne­ten Aprikosen. So riecht der Tabak. Plus einer Spur Bitterschokolade.


Unbeschreiblich ver­füh­re­risch! Ich gönne mir jedes mal, wenn ich die Dose öffne, um mir ein Pipken zu stop­fen, einen tie­fen Nasenzug von dem Aroma. Man möchte den Tabak mit der Gabel fres­sen… so lecker riecht das. Das Verrückte daran ist, dass das Aroma völ­lig natür­lich daher­kommt – also über­haupt nicht nach künst­li­cher Aromatisierung riecht (ob das so rich­tig ist, weiß ich natür­lich nicht).

Beim Stopfen muss man ein wenig Sorgfalt an den Tag legen; ein­fach in den Kopf dre­hen geht zwar, aber dann geht die Glut auch stän­dig wie­der aus. Ich bre­che die Scheibchen ein­mal quer zur Tabakfaser und noch ein­mal längs. Dieses Gewusel stopfe ich dann in große, weite Köpfe, zünde ein bis drei­mal und dann… lehnt Euch zurück! Ihr, die ihr bis­her nur Kraut rauch­tet! Ihr, die Ihr noch nicht wisst, was Genuss bedeu­ten kann. 
 
Im Ernst: Der Tabak ist wirk­lich kaum zu beschrei­ben: Die Zunge wird von einem fül­li­gen, nie­mals krat­zi­gen und zart-würzigen Aroma umspielt. Der Rauch ist unglaub­lich weich und sanft (das ist – wenn ich mich recht erin­nere, bei einer frisch geöff­ne­ten Dose nicht ganz so der Fall; da gibt es auch Spitzen, die schon mal die Zunge pick­sen – das ist ist bei der gela­ger­ten Variante nicht der Fall).

Ich emp­fehle hier – noch mehr als beim „Dark Twist“, den Filter fort­zu­las­sen. Denn nicht nur, dass der Tabak unglaub­lich sanft zur Zunge ist – obwohl man das bei dem Geruch und Geschmack kaum glau­ben mag – er schmeckt ohne Filter ein­fach viel, viel aus­ge­gli­che­ner, viel run­der. Es ist wirk­lich schwie­rig zu beschrei­ben, was den Unterschied aus­macht. Aber mit dem Filter ist das so, als würde man einen fei­nen Rioja aus dem Pappbecher trin­ken. Das hat nicht nur keine Kultur, das ist ein­fach nur banau­sen­haft.

Der Geruch… Kennt Ihr das? Den aus­ge­bla­se­nem Rauch mit der Nase wie­der ein­fan­gen? So ist er! Wenn es die­sen Duft als Räucherstäbchen gäbe – oder als Deo – ich würde ihn benut­zen. Es ist rich­tig Schade, dass es drau­ßen so warm ist, dass hier in der Wohnung alle Fenster offen ste­hen. Da ist der Duft viel zu schnell ver­flo­gen.

Fazit:
Den Tabak liebe ich, seit ich ihn das aller­erste mal geraucht habe – das war sei­ner­zeit die Version von Linzbach (Düsseldorf). Und ich habe ihn lang nicht mehr gehabt. Aber das ist so wie mit einem rich­tig guten Freund: Man muss ihn nicht stän­dig sehen, aber es ist gut zu wis­sen, dass es ihn gibt, und man freut sich jedes mal neu, den Freund zu tref­fen und ist über­rascht, was für einen tol­len Kerl man kennt.


Autor: Nic Frank

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P.S.: Und wer das Original aus dem Hause Orlik zufäl­lig nicht da hat, kann gern auch eine der vie­len “OEM-Versionen” des Tabaks neh­men, wie sie vom Hause K&K deutsch­land­weit bei ver­schie­de­nen Händlern unter ver­schie­de­nen Namen ange­bo­ten wer­den:

Dienstag, 2. Juli 2013

New Kid In Town - oder: Herausforderung des Platzhirschen

Seit einiger Zeit gibt es eine "Old Boy-Alternative" auf dem Markt! Sie schütteln mit dem Kopf und sind überzeugt, dass es zum "OB" keine Alternative gibt? Diese Überzeugung hatte ich auch. Lassen sie uns doch mal überprüfen, ob sie, sachlich betrachtet, Bestand hat.


Mein "Old Boy" ist (wie auf den Bildern unschwer zu erkennen) mittlerweile ein "altes Schlachtroß" mit tausenden Zündungen. Es hat mich von seiner Zuverlässigkeit überzeugt, ist mir ans Herz gewachsen... hat aber auch manche Schwachstelle offenbart, die in dieser Preislage nicht sein sollte. Die Rhodinierung ist alles andere als dauerhaft. Schon nach kurzer Zeit des (pfleglichen) Gebrauchs schimmerte das blanke Messing durch. DAS sollte bei einem Preis von rund 150 € nicht vorkommen.


Nach einiger Zeit schleicht sich zudem ein Problem ein, dass vielen Nutzern bekannt ist. Das "OB" wird undicht. Grund: Der "Hammer", der das Ventil abdichtet, schließt immer lascher, immer weicher. Sein Druck reicht nicht mehr, das Ventil zuverlässig nach unten zu drücken und somit zu verschließen. Dieses Problem zu beheben ist einfach, WENN man weiß, wie es geht. Das L-förmige Stück Federstahl, hinten am Hammer, leiert aus.


Es zu tauschen ist keine Hexerei. Eine Schraube lösen und alte Feder gegen neues Exemplar tauschen. Die Ersatzteilversorgung fürs "OB" ist gelegentlich etwas holperig, klappt aber über Fachhändler recht gut. Allerdings muss man auch hier anmerken, dass solch' ein Teil (beim Anspruch, den das Feuerzeug an sich selber stellt!) länger halten dürfte!

Generell ist das "OB" sehr wartungsfreundlich. Wer es sich zutraut und passendes (feines) Werkzeug hat, zerlegt es in wenigen Minuten komplett. Seine Funktion ist kein Buch mit sieben Siegeln... so, dass Wartung und Reparaturen auch in Eigenregie erledigt werden können. Ebenfalls zu empfehlen ist eine regelmäßige Reinigung der vom Schmauch verdreckten und verklebten Mechanik (Benzin oder Bildschirmreiniger funktionieren gut) und ein Tröpfchen Schmiermittel (WD 40 o.ä.) am Gelenk des Verschlusshammers.

Kann nun "das Neue" alles besser? Ist das Peterson eine echte Alternative, zumal es ein Stück preiswerter zu haben ist? Wer das Feuerzeug zum ersten Mal in der Hand hält, ist (vor allem, wenn er "Old Boy vorbelastet" ist) beeindruckt. Das Peterson ist größer, gewichtig und das Öffnen und Schließen des Hammers geht mächtig satt vonstatten.


Vor drei Monaten kaufte mein Freund Cord solch' ein Feuerzeug. Günstig für mich - konnte ich doch von seinen Erfahrungen als "Testpilot" profitieren und erst einmal abwarten. Da nichts Negatives verlautete, bekam ich das Exemplar auf den Bildern vor etwa vier Wochen von meiner Frau zum Geburtstag. Zeit und Gelegenheit, dem Teil auf "den Zahn zu fühlen". Gesamteindruck: Old Boy "light"! Nein, das ist jetzt nicht abwertend gemeint, doch bei genauerem Hinsehen stellt man fest, wo gespart wurde.

Es finden sich Gußgrate, die bisweilen recht scharfkantig sind, vorhandene Schräubchen sollte man nachziehen. Bedeutender wird es bei technischen Details. Besieht man sich beide Feuerzeuge von unten, entdeckt man beim „Old Boy“ eine Schutzschraube für das Einfüllventil und eine separate Verschraubung für die Bodenplatte. Das Peterson-Ventil muss ohne Schutz auskommen, die dicke Schraube ist zur Befüllung in der Mitte offen und hält gleichzeitig die Bodenplatte.


Die Flammenregulierung ist bei beiden Feuerzeugen solide, dass Peterson muss zudem ohne das Gimmick des Stopfers auskommen, der sich in der Bodenplatte des "OB" verbirgt - diesen Stopfer halte ich aber für eher verzichtbar. Viel Wichtigeres entdeckt man, wenn man bei beiden Lightern die Bodenplatte entfernt. Die Hülle des „Old Boy“ ist eine Außenhülle, die den Tank umschließt. Diese Hülle lässt sich minutenschnell gegen ein Neuteil (oder ein Teil mit anderem Design) austauschen. Wichtig, wenn man sein "OB" lange Jahre behält und es gelegentlich "renovieren" will. Für den Preis einer neuen Hülle bekommt man lange noch kein neues Feuerzeug. Schraubt man die Bodenplatte des Peterson heraus, zeigt sich folgendes Bild:


Außenwand und Tank sind EIN Teil... da ist also nichts mit Austausch. Man kann ggfs. nur das Originaldesign überkleben, sollte es allzu deutliche Gebrauchsspuren aufweisen. Beim Feuerzeug meines Freundes erweist sich die "Haut" bereits nach drei Monaten als recht abgestoßen und "vermackt". Die Punkte für Langzeitnutzung fährt hier sicher das "OB"ein. Für das satte Auf und Zu des Peterson ist ein kleines Kunststoff-T-Stück verantwortlich, dass an der Aufnahme des Ventilhammers eingesetzt ist.


Welche Langzeitqualität dieses Teil hat, muss sich erst noch erweisen. Ein Bekannter sprach bereits von erlahmender Wirkung beim Öffnen und Schlissen, bei meinem Freund fiel dieses Kunststoffteil dieser Tage sogar ganz heraus - auch nicht so der Weisheit letzter Schluss. Zudem ist fraglich, ob das T-Stück genauso problemlos zu bekommen und zu wechseln ist, wie die entsprechende Feder beim „Old Boy“. In Sachen Haptik hat das Peterson die Nase vorn.


Das Reibrad ist größer und grober gezahnt als beim "OB", die Spannfeder des Feuersteins samt der Einschraubkappe besser zu greifen und zu montieren. Das macht Zünden und Steinwechsel müheloser und sympathisch. Noch ein besonderer Unterschied der Feuerzeuge ist ihre Flamme.


Wie auf dem Bild zu erkennen, hat die "OB"-Flamme mehr Druck, ist aber "spitzer", während das Ventil des Peterson die Flamme weicher abgibt... und breiter. Klar kommt man mit beiden Flammen gut, das ist eher Geschmack- und Gewohnheitssache. Mit wenigen Handgriffen lässt sich die Flamme des "Pete" übrigens noch im Austrittswinkel variieren.

Der einzige Anbieter, der den Hersteller des Peterson beim Namen nennt, ist das Pfeifenkonsulat. Nach deren Information stammt es ebenfalls von IM Corona. Ich erlaube mir, dass zu bezweifeln - Reibrad und andere Mechanikteile sprechen eindeutig für Pearl als Produzenten - was ja auch eine feine Adresse ist. Zwei Jahre Garantie bieten beide Kandidaten... genauso, wie sie beide dieses "Haben-Wollen-Gefühl" auslösen!

Was nun? „Old Boy“ oder Peterson? Nun, beide Feuerzeuge bieten Wertigkeit fürs Geld, ohne wirklich perfekt zu sein. Das "OB" hat seine Langzeitqualität schon hinreichend belegt, dass Peterson muss sich hier erst noch beweisen. Nein, es reicht sicher nicht, um (jetzt schon) den Platzhirschen abzulösen, doch ein gutes Feuerzeug erwirbt man mit dem Peterson ganz sicher. Umso glücklicher schätze ich mich, beide zu besitzen. Der besten Frau von allen sei Dank!

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings