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Donnerstag, 23. Mai 2013

G.L. Pease - Navigator

Wenn schon das Wetter in der vierten Maiwoche außergewöhnlich wenig hergibt, dann begebe ich mich eben in den vier Wänden mal wieder auf eine Reise in die USA. Aus dem Hause „G.L. Pease“ hat mich der „Navigator“ (Old London Series) erreicht. Ein Flake, dessen Aussehen mich regelgerecht anspricht und dazu mehr als neugierig gemacht. Okay, sehr dunkel gehalten, das dürfte der Kentucky sein. Dunkelbraun, ein paar helle Flecken, mehr nicht.


...pressed and aged with a drop of rum...“. Da überrascht mich der Duft aus der Dose ein wenig. Ja, da ist ein dezentes Flavor, aber sehr zurückhaltend. Neben der leicht spürbaren Rumnote befindet man sich auf der „-naturellen“ Ebene, sehr heuig und auch etwas muffig, wie ich finde. Vor dem Stopfen gebe ich dem Tabak eine kurze Zeit an der Luft, er erscheint mir etwas feucht, was sich allerdings sehr schnell gibt.

Die Tabakerscheinung lässt es vermuten und bestätigt, dass ein eher kleiner Pfeifenkopf prädestiniert ist. Sofort nach dem Anzünden zeigt der „Navigator“, dass sich durchaus Dampf unter der Haube befindet (das dürfte dem Kentucky geschuldet sein), aber auch das Flavor macht sich sich spürbar am Gaumen breit. Mehr als ich dem Geruch nach vermutet habe. In Sachen Stärke sollte man den „Navigator“ nicht unterschätzen, allerdings schreitet diesbezüglich Cornell & Diehls' „Afterhours“ noch mehr voran. Dazu ist der Cornell & Diehl mit seinem Aroma noch präsenter. Da G.L. Pease und Cornell & Diehl unmittelbar und dicht miteinander beheimatet sind, freut es mich, hier keine Kopie in der Pfeife zu haben. Der „Navigator“ ist also ein vollkommen eigenständiges Produkt!


Ich muss verdeutlichen, dass dieser „Navigator“ Aufmerksamkeit verlangt. Ohne geht zu viel flöten, dann verliert er das, was ihn positiv und bemerkenswert macht. Das ist wirklich ein Tabak für eine ruhige Mußestunde, vielleicht mit einem passenden Dram, vorzugsweise einem guten Bourbon-Whiskey. Schenkt man sich und der Füllung die erforderliche Ruhe und Aufmerksamkeit, dann hat man richtig Spaß. Dieser G.L. Pease macht zudem auffallend satt, er ist sehr vollmundig. Auch das spricht für eine höhere Dosierung von Nikotin. Der Raumduft ist eher „virginia-typisch“ als aromatisch.

Im Ergebnis freue ich mich närrisch, den „Navigator“ kennen gelernt zu haben. Ein leicht aromatisierter Rum-Flake aus gutem und zuverlässigem Hause, dessen Qualität keine Zweifel aufkommen lässt. Bei Gelegenheit: Zugreifen!!! Eine andere Entscheidung wäre in meinen Augen ein Fehler.


Autor:
Ralf Ruhenstroth

Sonntag, 19. Mai 2013

Mac Baren - Original Choice / Aromatic Choice: (Nur) geeignet für Beginner??

Ja, diese Pouches fallen auf im Tabakregal. Ihre "Wellpappen-Anmutung" ist Teil des Images. "Jung" sollen diese Tabake wirken und bevorzugt (junge) Beginner ansprechen. Ich habe daher versucht, sie aus der Sicht eines Anfängers zu testen und ansonsten übliche Kriterien ein wenig hinten an zustellen. Hocharomaten sind sie beide - ohne Frage! Zunächst einmal schmeckt man das sattsam bekannte Mac Baren-Aroma... und zwar eher mit der Kelle, als mit dem Löffel verteilt. Das macht es auch schwierig, die Tabake letztlich klar voneinander zu unterscheiden. 

 
Der "Original Choice" erinnert mich ein wenig an Pfirsichkuchen. Eher dezentes Fruchtaroma mit sattem Vanille- und Karamell-Zuschuss. Der "Aromatic Choice" entwickelt dagegen eher eine zitronige Richtung und hält sich beim "Kuchenaroma" etwas zurück. Leicht und mild sind beide Varianten, was dem Beginner ja entgegen kommt. Von daher alles schön-bislang. Mac Baren weist auf den Verpackungen darauf hin, dass diese Tabake besonders leicht zu entfachen sind und sehr gut glimmen. Das stimmt zwar... ich möchte gar nicht wissen, wie viel Glimmhilfe diese Kräuter beinhalten... aber, der vermeintliche Vorteil ist auch die Crux an der Sache.

Raucht man diese Tabake so schnell sie es zulassen würden, wird die Pfeife zum Hochofen und die Kräuter knurren und beißen wie ein wütender Dachs. Ende mit angenehmer Beginner-Erfahrung! Mit gelassenem Zug und Ruhe bleiben "Aromatic" und "Original" durchaus mild, geschmackvoll und bissfrei... doch, wie macht man DAS einem Beginner VORHER klar?


Der mittlere Schnitt beider Tabake macht ein leichtes Stopfen möglich, sie kommen auch in guter Konditionierung aus dem Pouch... nicht zu feucht, wie ich anfänglich befürchtete. Das Raumaroma? Nun, mein schwäbischer Schwiegervater hätte gesagt: "Des isch a' Weibertabak!" Relativ leicht, recht süß und vanillig überzeugt der Duft auch eher Nicht-Pfeifenraucher.

"Wat nu? Butter bei die Fische!"

Es gibt bessere Aromaten, doch das Genörgel eines alten Hasen gehört hier eher nicht hin. Raucht man die Tabake ruhig, sind sie durchaus für Beginner geeignet... ich bezweifele nur, dass der "Onkel im Lottoladen" den Neuling darauf hinweist. Ja, diese "Choices" sind sogar für erfahrene Aromatenfans einen Versuch wert... wenn sie einen Tabak zum "einfach-so-zwischendurch-rauchen" suchen. Auf jeden Fall sind sie typisch Mac Baren... ich sehe das eher als Komplimen t- SIE mögen das anders sehen.

Kritik? Au ja... die Verpackung ist ein Witz. Ok, sie ist stabil genug, um auch mal einen Transport in der Jackentasche zu überstehen. Der Eingriff in den Innenbeutel ist allerdings so unpraktisch wie möglich.... es sei denn, man hat die Handgröße eines Achtjährigen. Nebenbei trocknet der Tabak in diesem Pouch schnell aus... und dann glimmt er nicht nur rasch, sondern er fackelt weg wie Zunder. Darüber freut sich dann manche Pfeife ein Loch in den Bauch.

In jedem Fall sind "Aromatic Choice" und "Original Choice" aber um Längen besser als die "Horrorkräuter", die Beginnern sonst gern mal zugemutet werden.

Ihr Ralligruftie


Autor:
Ralf Dings

Freitag, 17. Mai 2013

Dunhill - My Mixture 965

Es ist Frühling, ja fast Sommer. Und doch rau­che ich – unge­wöhn­li­cher­weise – einen strai­gh­ten Engländer. Denn das ist die Dunhill „My Mixture 965“ in jedem Fall: Ein Engländer ohne wenn und aber.

Warm, kräf­tig, nus­sig, cre­mig und hin­ter­grün­dig süß – das sind die Assoziationen, die mir zuerst in den Kopf kom­men, wenn ich den Tabak rau­che und dar­über nach­denke, wie ich den Geschmack beschrei­ben würde. Er ist kräf­ti­ger als der zuletzt beschrie­bene „Early Morning Pipe“ aus dem glei­chen Hause. Er ist stär­ker im Geschmack, im Nikotin und im Raumduft. Und das gesamte Aroma – das macht den Tabak zu einem “Muss-man-mal-probiert-haben-Tabak” – kommt nur aus dem puren Tabak. Da gibt es kein Nuss-Aroma. Das kann der Tabak ganz alleine. Dieses cre­mige: Auch purer Tabak. Na ja, und das Herbstliche ist auch Tabak, über dem Feuer geräu­cher­ter Laktakia, der der „965“ seine immer anwe­sende Würze gibt. 

In der Dose ist der Tabak sehr fest gepresst. Gerade die ers­ten Füllungen las­sen sich kaum Stopfen, ohne dass etwas des guten Krauts neben die Dose krü­melt. Aber ich achte immer dar­auf, dass ich nur die Oberfläche des Tabak abnehme und den Rest fest gepresst belasse. Das lässt die Feuchtigkeit in der Dose. Weniger feucht als wie er ver­kauft wird, sollte er nicht blei­ben. Denn dann brennt er auf der Zunge und ver­liert gna­den­los an Aroma. Vor allem das sanft-cremige geht ver­lo­ren und ist auch nur schwer mit Wiederbelebungsversuchen wie­der­her­zu­stel­len. Auch die natür­li­che Virginiasüße, die sich wie ein Schleier auf die Zunge und den Gaumen legt, wird etwas ver­min­dert.
Das Stopfen ist kin­der­leicht. Nicht all zu fest gestopft braucht es zwei - drei Streichhölzer (oder Zündversuche mit dem Feuerzeug) und die 965 glimmt leise vor sich hin. Dabei braucht sie kaum Aufmerksamkeit – bei gro­ßen Pfeifen viel­leicht mal 'nen Reiniger zwi­schen­durch.

Ich habe den Tabak fast immer ohne Filter oder (bei Filterpfeifen) mit Papierfilter geraucht – nur so blei­ben die Virginiaspitzen erhal­ten. Nicht, dass er schlecht wäre ohne Filter. Aber der ega­li­siert den Geschmack dann doch ganz ordent­lich.
Irgendwann geht der Tabak ein­fach aus – ich habe ein paar mal an der längst erkal­te­ten Pfeife gezo­gen und mir die feine Asche auf die Zunge appli­ziert.

Fazit:
Die „Mixture 965“ gehört zu den bes­ten Tabaken, die es auf dem deut­schen Markt zu kau­fen gibt – wenn man denn Engländer mag. Denn der rau­chige Latakia-Anteil ist immer wie ein Grundton anwe­send. Und wird umtanzt von freund­li­cher Süße, die im Laufe des Rauchens etwas abnimmt, einer schmei­cheln­den Cremigkeit, die gleich­blei­bend vorhanden ist und umspielt von einem Hauch an Nuss, der, je küh­ler der Tabak geraucht wird, desto stär­ker ver­nehm­bar ist.

Alles in Allem: Sie schmeckt mir selbst bei Außentemperaturen um die 25 Grad. Und nor­ma­ler­weise rau­che ich da nur noch Virginia-Flakes (und mal etwas Süßes).



Autor: Nic Franck
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Samstag, 11. Mai 2013

Die "Calaberlinashs" von Nils Thomsen

Er ist ein engagierter Querdenker, nicht nur in Sachen Pfeife. Nils Thomsen aus Berlin, Pfeifenmacher des Jahres 2007 und ein wenig der "Daniel Düsentrieb" unter den "Pfeifenschmieden." Gerade seine Experimente in Sachen Verfeinerung der Rauchqualitäten stoßen (nicht nur) bei mir immer wieder auf Interesse.


In diesem Fall kann man von dem gelungenen Versuch sprechen, das Raucherlebnis mit oFi.-Pfeifen auch und gerade für die "Filterfraktion" angenehmer zu gestalten. Das Ausgangsprodukt der Überlegungen ist in diesem Fall eine "uralte Erfindung" - die Calabash. Jedem engagierten Pfeifenraucher sind diese "Ungetüme" schon einmal begegnet... und jeder Pfeifenfan hat von ihren legendären Rauchqualitäten gehört.


Der besonders trockene und "kühle" Rauch einer Calabash ist kein Hexenwerk. Der Meerschaum-Einsatz absorbiert zuverlässig bereits einen Teil des beim Rauchen entstehenden Kondensats. Der "vorgereinigte" Rauch wird dann in der großen "Kürbis-Kammer" verwirbelt, wobei sich weiteres Kondensat an den Wänden niederschlägt und so erstaunlich trockener Rauch zum Gaumen befördert wird. Doch, ein Vorteil kann auch Nachteil sein. Aromatisierte Tabake transportieren ihre Aromen eben durch diesen Wasserdampf (Kondensat). So kann es durchaus geschehen, dass man seinen Lieblingsaromaten (aber auch seinen eher mild aromatisierten "Naturburschen") durch die zweifache "Entwässerung" nicht wieder erkennt... und sich tatsächlich auf die Suche nach passenden Tabaken für diese besondere Pfeifenart machen muss.

Zudem erfordert eine Calabash konzentriertes Rauchen. Ihr Zugverhalten ist gänzlich anders, als man es gewohnt ist. Durch den großen Verwirbelungsraum wirkt der Zug immer ein wenig "hohl"... ein Gefühl, an das manche Raucher sich nie gewöhnen. Zudem steht die ausladende Form der Calabash einer Mitnahme und somit dem "Unterwegs-Genuss" im Wege.

Grund genug für Nils Thomsen, sich über die Probleme Gedanken zu machen... auch über die Beibehaltung des gewohnten Tabakgeschmacks... und die positiven Aspekte einer Rauchverwirbelung beibehalten zu wollen.

Es begann mit diesem Exemplar:


Hier passte er einer in der Höhe gekürzten Gebraucht-Pfeife einen neuen Kopfeinsatz an und nutzte den früheren Tabakraum als Verwirbelungskammer, in dem er ihn erweiterte und rustizierte (!), um die Fläche für den Kondensat-Niederschlag zu vergrößern. Der Effekt ist verblüffend. Trotz der kompakten Maße gelingt es einem gewohnten "Filterraucher" wie mir, ohne Filter ebenso trocken zu rauchen, wie mit. Dabei intensiviert sich der Geschmack der gewohnten Tabake angenehm, ohne scharf zu werden. Die Pfeife kann man getrost als "Tabak-Lupe" bezeichnen! Feuchtigkeit im Mund oder Brennen der Zunge bleiben aus. Für mich ein erstaunliches Erlebnis.

Die anfängliche Befürchtung, die Verwirbelungskammer nicht ordentlich reinigen zu können, hat sich nicht bestätigt. Durch die extrem weite Holmbohrung ist eine Reinigung mit geknickten und gebogenen Reinigern kein Problem. Geruchsbildung oder Geschmacksveränderung blieben auch bei mehrmonatiger Nutzung der Pfeife aus.

Ungewohnt, aber von besonderer Erscheinung sind die "Hauspfeifen" der Serie. Voluminöse Eichenkörper mit Bruyere-Einsatz und jeder Menge "Verwirbelungsraum". Doch der Eichenkorpus führt noch zu einer weiteren Besonderheit. Durch das Holz bekommt jeder Tabak einen speziellen, leicht erdig-dunklen Charakter... was den getesteten Kräutern "sehr gut steht".


Zusätzlich zum Mittelzugloch gibt es bei dieser Version ein weiteres Zugloch etwas höher. Das stärkt den Verwirbelungseffekt, wenn beide Löcher "in Betrieb" sind und ermöglicht ein problemloses Weiterrauchen, falls das Mittelzugloch mal an "Verstopfung" leidet.

Hier der Versuch einer Darstellung:


Als Prachtausführung darf diese Poker mit Echtbernsteinring gelten. Sie verfügt ebenfalls über das Mittelzugloch und ermöglicht zusätzlich die Verwendung eines 6 mm-Filters. Aus eigener Erfahrung würde ich aber vom 6er AK-Filter abraten... er verhindert "erfolgreich" den nötigen freien Zug. Ideal ist der relativ neue 6er Papierfilter von Denicotea. Er ermöglicht super empfindsamen Naturen, dem Rauch zusätzlich noch Feuchtigkeit zu entziehen. Stabil, sehr aufnahmefähig und trotzdem bleibt der Zug der Pfeife ungehindert.


Ein zusätzliches Thema sind kleine Füllvolumen, die in jüngerer Zeit vermehrt nachgefragt werden. Sei es als ideale Flake-Pfeife, sei es, um kürzere Rauchdauer mit normalen Mixtures zu erzielen. Diese beiden "mutigen", aber durchaus harmonischen Versionen bringen diese Anforderung mit dem Calabash-System zusammen... und das so stimmig, dass an diesen Pfeifen auch die Industrie Lizenz-Interessen angemeldet hat.

Diese Pfeifen können mit abschraubbaren Köpfen gefertigt werden.



Das sorgt für noch einmal problemlosere Reinigung und ermöglicht ggf. sogar Versuche mit Kieselgel-Filterkristallen oder Meerschaumstückchen. So findet jeder Raucher seine individuelle Lösung.


Natürlich ist das Calabash-System auch in konventionellen Pfeifenformen unterzubringen. Im Falle dieses Hängers sogar unter Verwendung eines 9 mm-AK-Filters. Interessant ist am Rande, dass diese Pfeife quasi ein "Recycling-Produkt" ist, da sie aus dem Korpus einer Gebrauchtpfeife entstand. Übrigens lassen sich auch viele, vorhandene Pfeifen auf das System umbauen.


Ebenfalls Bestandteil der Calabash-Idee ist die "Reinkarnation" der Shag-Pfeife. Was zunächst seltsam anmutet, macht durchaus Sinn. Einmal ergibt sich die Möglichkeit, Raucher, die der Zigarette müde sind, auf leichtem Weg für die Pfeife zu interessieren. Zum Zweiten haben Pfeifen dieser Größe ein ökonomisches Argument auf ihrer Seite: Mit einem Drittel Tabak, den man für eine selbst gestopfte Zigarette benötigt, ermöglichen diese Pfeifen 7-10 Minuten Rauchvergnügen. Selbst diese, etwa 12 x 12 mm kleinen Tabakräume profitieren vom Calabash-System. Mir ist es tatsächlich gelungen, einem Marlboro-Feinschnitt Geschmack abzugewinnen. Das hat mich schon erstaunt. ...und das eher hausbacken-zweckmäßige Image der Vergangenheit legen diese "Shaggys" auch ab, wie man an diesem Kleinod gut erkennen kann:



Das klingt alles sehr nach Werbung? Nun, ich bin der Meinung, dass man die traditionellen Werte der Pfeife schützen muss. Ich denke aber auch, dass sich ein Produkt geänderten Bedürfnissen und Erwartungen anpassen muss, will es fortbestehen. Ideen, wie die oben geschilderte, erfordern zunächst mal zeitliche und geldliche Investition, verbunden mit dem Risiko, vielleicht "Schiffbruch" zu erleiden. Wenn sich trotzdem immer wieder "Pioniere" finden, die testen und versuchen, um die Pfeife im Gespräch zu halten, sie auch für neue Interessenten attraktiv zu machen, sie weiter zu entwickeln, dann sollte man diesen Leuten Respekt und Offenheit entgegen bringen. Die Pfeife hat sich stets gewandelt und entwickelt. Das aber nicht durch "Berufskritiker" und "Generell-Ablehner", sondern durch Menschen, die versucht haben, Positives beizutragen.

Ich hatte und habe Gelegenheit, alle oben gezeigten Pfeifen ausgiebig zu testen... ich habe oft gestaunt und bin mit meinen "festen Ansichten" manches Mal zurück gerudert. ...und weil ich vom Tabakgeschmack und der Handhabung dieser Pfeifen wirklich begeistert bin, wollte ich darüber erzählen. Wie SIE darüber urteilen, überlasse ich IHREM Geschmack.

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Donnerstag, 9. Mai 2013

Amphora - Full Aroma

Letztens war ich mal wie­der in einem “frem­den” Tabakladen und mir stand der Sinn nach etwas Süßem. Groß war das Angebot nicht, aber den Amphora „Full Aroma“ hat­ten sie und da ich mit die­sem Tabak sei­ner­zeit die ers­ten Schritte unter­nom­men habe, wollte ich ihn noch ein­mal pro­bie­ren.

Was soll ich sagen: Na ja. Gegenüber mei­nen Erfahrungen von vor zehn Jahren kann ich dem Amphora nun nicht mehr so rich­tig was abge­win­nen.


Der Geruch aus dem Pouch ist wirk­lich lecker, er erin­nert mich an meine ers­ten Gehversuche mit der Pfeife. Seinerzeit gab es weder daft noch soziale Netzwerke, bei denen einem Novizen wie ich es war, gehol­fen wer­den konnte. Und ich habe mir gna­den­los die Zunge gegrillt, weil mein pfeife-rauchender Opa und mein eben­falls pfeifen-rauchender Vater mir solch wun­der­bare Tipps gaben, wie: “Du musst dran zie­hen, bis die Glut knis­tert.” Und: “Die Pfeife darf nicht aus­ge­hen. Schon gar nicht beim Einrauchen. Sonst geht sie immer wie­der aus.” Es grenzt schon an ein Wunder, dass ich mit sol­cher­lei Ratschlägen und einer gefühl­lo­sen Zunge Tabak und Pfeife nicht in die Ecke gepfef­fert und ver­ges­sen habe.
 
Doch ich wollte zum Amphora etwas sagen: Der Geruch aus dem Pouch ist rela­tiv tabakecht mit einem spür­ba­ren Hauch an Aromatisierung, die irgendwo zwi­schen vanil­lig und leicht zitrus­ar­tig daher­kommt. Ein Geruch, der mir, wohl weil ich ihn seit fast 30 Jahre kenne (im nächs­ten Jahr irgend­wann darf ich drei­ßig Jahre Pfeifenrauch fei­ern), ange­nehm ist.

Das Stopfen und Entzünden ist kein Problem. Mit zwei, drei Streichhölzern glimmt die Oberfläche des Tabaks und dann her­un­ter zu einem win­zi­gen Häufchen puder­fei­ner, wei­ßer Asche. Die Asche ist wirk­lich unglaub­lich fein; wenn man die Pfeife im Mund hat ver­bie­tet es sich zu reden, denn der feine Staub stiebt dabei sofort aus dem Pfeifenkopf.

Im Geschmack ist nur sehr wenig von der Aromatisierung zu ver­neh­men. Der Tabak schmeckt vor allem leicht bit­ter – erstaun­li­cher­weise mehr, wenn man Filter benutzt. Allerdings ist der Tabak wie für Filter gemacht, denn – anders als alle Tabake, die ich kenne – wirkt der Filter auch als Katalysator des Geschmacks. Ohne ist der Tabak rela­tiv gleich­blei­bend rauchig-bitter mit leicht zuneh­men­der (Nikotin)Stärke zum Ende hin. Mit Filter schme­cke ich dann sogar einen Hauch des­sen, was der Geruch ver­spricht; eine Spur Vanille, einen Hauch Zitrone und die Tabake selbst. Der Kentucky drängt sich ein wenig in den Vordergrund – er gibt dem Amphora die Kraft. Der Virginia gehört eher zu den nicht so süßen und bringt – gemein­sam mit dem Burley – eine mäch­ti­ge Rauchmenge zustande. Und ich ver­mute, dass der Orient die zitro­ni­gen Untertöne lie­fert.

Ohne Filter wirkt der Tabak für mich etwas lang­wei­li­ger, mit Filter span­nen­der. Ich benutze – wenn ich denn mal Filter nehme – aller­dings nur Meerschaumfilter. Es kann also sein, dass das mit den übli­chen Kohlefiltern anders ist.

Die Raumnote ist nichts­sa­gend: Rau­chig mit einer Spur Süße. Nichts, womit man aneckt und nichts, womit man auf­fällt.

Fazit:
Der Amphora „Full Aroma“ ist ein Urgestein der Tabaklandschaft. Er hat seine Berechtigung schon allein des­halb, weil er kin­der­leicht zu rau­chen ist und eine gute Wahl für die, die von der süßen auf die natür­li­che Welt umstei­gen (oder pen­deln) wol­len. Und sein Abbrennverhalten sowie die super­feine Asche dürf­ten ihn zum Einrauchen neuer Pfeifen gera­dezu prä­des­ti­nie­ren.

Mir per­sön­lich ist der bit­ter­li­che Unterton auf die Dauer nicht so ange­nehm. An den kann ich mich aller­dings aus der Vergangenheit nicht erin­nern; viel­leicht ist das die Charge? Ich werde ihn ver­mut­lich wie­der in mei­ner Tabakbar sehen – aller­dings nicht so bald.


Autor: Nic Franck
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Mittwoch, 1. Mai 2013

Mac Baren - Vanilla Cream (Loose Cut)

Neulich an einem Samstag: Ich hatte Appetit auf etwas Süßes. Also kurz­ent­schlos­sen zu einem eher unbe­kann­ten klei­nen Laden mit beschränk­ter Auswahl, die aber immer­hin über die nor­ma­len “Tankstellen-Tabake” hin­aus ein paar Ordent­li­che im Regal ste­hen haben.
Ich habe mich (neben dem schon beschrie­be­nen Amphora (red) für den „Vanilla Cream“ von Mac Baren ent­schie­den. Einen Tabak, den ich mei­ner Meinung nach noch nie in der Pfeife hatte. 



 
Ich sage mal so: Ich werde den Pouch sicher lee­ren, aber noch ein­mal kau­fen? Wohl eher nicht. Denn mir ist der Tabak zum Einen zu leicht und zum Ande­ren missfällt mir das Raumaroma. Das liegt schwer im Zimmer – selbst noch Tage nach der letz­ten Füllung. Ich emp­finde es als auf­dring­lich, auch wenn Dritte es mögen.

Das Stopfen und Entzünden des schön anzu­se­hen­den und appe­tit­lich duf­ten­den Tabaks ist kin­der­leicht. Der Tabak ist ziem­lich elas­tisch, man kann also recht fest stop­fen. Selbst die klei­nen Flakestücke stö­ren nicht dabei. Sie soll­ten viel­leicht nicht unbe­dingt am Rand des Pfeifenkopfes lie­gen. Ein Anzündversuch genügt meis­tens, um den Tabak zum Glimmen zu brin­gen, dann braucht er kaum noch Aufmerksamkeit. Gut geeig­net also, um “neben­her” geraucht zu wer­den.

Und genau diese Klientel an Pfeifenraucher spricht der Tabak an: Leute, die kein Theater um das Pfeiferauchen machen wol­len, die aus Pfeifen qual­men, deren Kopfrand einer Kraterlandschaft gleicht und denen das Vanillearoma des „Danish Black Vanilla“ dann doch zu künst­lich ist. Allerdings schmeckt auch der Mac Baren nicht so, wie eine frisch auf­ge­schnit­tene Vanilleschote riecht. Sondern auch ihm ist deut­lich anzu­mer­ken, dass die Vanille aus dem Chemielabor stammt. Hier aller­dings unter­legt von dem typi­schen (Honig-)Aroma von Mac Baren.

Vom Tabak ist nichts zu schme­cken, er ist leicht und frei von Eigenaroma. Das bleibt so bis zum Schluss der Füllung. Der Geschmack ist ins­ge­samt eher lang­wei­lig, keine Spitzen, kein Erstaunen. Vom Anzünden bis zum Ende das gleich­blei­bend auf­dring­li­che Vanillearoma.

Fazit:
Nein, ich bin und werde kein Freund des „Vanilla Cream“. Dazu gibt es – auch aus dem Hause Mac Baren – genü­gend andere gute Tabake. Ich denke, dass der Tabak nicht wie­der bei mir auf­tau­chen wird.



Autor: Nic Franck
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