Willkommen bei Jogi-wan...

Willkommen bei Jogi-wan...

Samstag, 7. Dezember 2013

Tabak: Orlik - Singleton

In der Hauptrolle: BURLEY!

Ob ich neuerdings auf dem Burley-Trip bin? Nein, Trip würde ich es nicht nennen wollen. Das oft verkannte Tabaktalent wird mir aber zunehmend sympathisch... und „neuerdings“ kann man sicher auch nicht sagen. Schließlich liegen meine ersten, wirklich guten Burley-Erfahrungen schon rund 20 Jahre zurück - in Form des Mac Baren "Golden Blend", den ich Ihnen auch heute noch wärmstens ans Herz lege. Zumal die Mixturen, in denen der Burley endlich mal die Hauptrolle spielen darf, hierzulande dünn gesät sind.

In Deutschland begegnet er uns zumeist in tragenden Nebenrollen. Der mittlerweile nicht nur in USA, sondern auch in Afrika, Europa und Asien angebaute Tabak eignet sich durch seine schaumigen Blätter, die sehr aufnahmefähig sind, sehr gut als zusätzlicher Aromaträger, sein natürlich-nussiger Geschmack ist eine willkommene Abrundung und Ergänzung für die Hauptrolle, die zumeist der Virginia spielt. Damit dieser leichteres Spiel hat, sich in Szene zu setzen, erscheint der Burley neben ihm meist in der Sorte "White". Da ist er mild-süß und zart... und gewünscht unauffällig. Doch, der Deuteragonist kann auch ganz anders.

Als Kentucky-Burley, vornehmlich in Kentucky und Tennessee angebaut, zeigt er unglaublichen Körper und Fülle und tritt mühelos aus dem Schatten des Virginia heraus.


Wie gesagt, die Mischungen, in denen der Burley als Charakterkopf sein ganzes Können demonstrieren kann, sind rar in diesem Land. So stammt auch der hier vorgestellte "SINGLETON"-Flake von Orlik und wird von der STG nicht in Deutschland angeboten - der Himmel mag wissen, warum! Allerdings lasse ich im Zeitalter des Internet Gejammer um Beschaffungsprobleme nicht mehr gelten. Wer einen Tabak will, der bekommt ihn auch. So ist der „Singleton“ zumindest als Broken Flake auch in Deutschland bestellbar. Der Danish Pipe Shop verhilft dazu... mit bezahlbaren Kursen.


Mit dem Öffnen des Deckels geht die Schwärmerei los. Der Duft von Kakao, von Malz und Rosinen nimmt einen gefangen. Die Konsistenz ist perfekt. Knicken, falten... ein wenig auflockern und rein in die Pfeife. Er benötigt ganz wenige Anglimm-Versuche, bis er gleichmäßig Glut hat. Runder, voller, cremiger Rauch, was man roch, kehrt im Geschmack zurück. Ein wenig erdig, reif und zart-süß, röstig, voll und mit zunehmender Rauchdauer leicht pfeffrig. Dazu glimmt er gleichmäßig und kühl, entwickelt keine Spitzen... aber ordentlich Kraft. Ihn allerdings als stark zu bezeichnen, wäre übertrieben. Er spielt dieses Ein-Personen-Stück lässig, überzeugend und mit unglaublich viel Charakter. Nein, er braucht niemanden an seiner Seite, um vollends zu überzeugen. Ein Rest weißer Asche- Vorhang... stehender Applaus! Was für ein Hauptdarsteller.

Sicher nicht der "Superstar für Jedermann"... dazu ist er doch zu speziell. Doch, willkommene Alternative zur Virginia-Schwemme und ein ganz besonderer Genuss. Falls Sie diesen Genuss noch steigern wollen, empfehle ich Ihnen einen guten Portwein dazu. In einem von J. Conrads Büchern gibt es einen seemännischen Helden namens Singleton. Ich möchte gerne glauben, dass der Tabak seinen Namen von diesem Seemann hat... denn auch der „Singleton“-Flake ist für mich ein Held!


Was nun aber die Entscheidungen der STG angeht, welche Tabake Deutschland erreichen und welche nicht... tja, da bin ich ratlos. Vielleicht ist man dort immer noch der Meinung, dass Deutschland ausschliesslich das Land der Aromaten-Fans ist. Es wäre ja nicht das erste Mal, dass ein Großkonzern die aktuellen Entwicklungen des Marktes selig und süß verschläft. So müssen wir wohl weiterhin mit vielen 08/15 Tabaken und aufgewärmten, ollen Kamellen des Hauses STG leben. Sollte dort aber Interesse bestehen, ein wenig Geld zusätzlich zu verdienen, wüsste ich auf Anhieb 5-6 Tabake, mit denen man den deutschen Pfeifenfans eine große Freude machen könnte. Ich bin auch gern bereit, die Namen zu verraten und der „Singleton“ gehört ganz sicher dazu!

Ihr Ralligruftie


Autor: Ralf Dings

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen