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Freitag, 6. Dezember 2013

Literatur: Joaquin Verdaguer - Die Kunst, Pfeife zu rauchen

Vorweihnachtszeit verbinden viele Konsumromantiker mit Glühwein, Geruch von Zimtsternen, wie Bratäpfeln und manche Mütter wohl auch mit wie Orden getragene Senfflecken auf kindlichen Daunenjacken nach dem Besuch eines Weihnachtsmarktes. Während sich die zeitgenössischen Mitglieder meiner persönlichen Genealogie also mit Begeisterung in den Trubel stürzen, nutze ich die gewonnene Mußezeit zur gewinnbringenden Lektüre am Kamin.

Angesichts der deutschen „Nichtraucher-Gesetzgebung“ könnte der geneigte Leser dieser Zeilen durchaus auf den Gedanken verfallen, dass ich zu Heinrich Heines "
Nachtgedanken" greife. Doch weit gefehlt! Bei zugegebenermaßen unregelmäßigen Sortierungsarbeiten in meinen Bücherregalen fiel mir unlängst ein wahrer Schatz in die Hände, den ich nahezu schon vergessen hatte: Joaquin VERDAGUER: „Die Kunst, Pfeife zu rauchen“.

Ratgeber "Literatur" kann in aktuellen Sortiments-Buchhandlungen ja mittlerweile nach laufenden Regalmetern gemessen werden: "Finde Dich selbst im „Töpfern von Türschildern" bis zur "Anleitung zur musikalischen Früherziehung von Säuglingen im pränatalen Stadium" stellen nur einige Aspekte im breiten Spektrum dar.
Aber, liebe Freunde, findet doch einmal einen aktuellen Band zur Kultur des Tabakgenusses. Eher wird Gregor Gysi katholisch!


Nun, Ihr seid endlich in Eurem Refugium. Schaltet alle elektronischen Quassler offline, wählt je nach persönlicher Vorliebe Pfeife, Tabak und Getränk. Betrachtet durch Euer Fenster die meteorologische Unbill vor Euren Mauern und greift zu diesem Buch. Denn eine Pfeife "verträgt keine Ablenkung, es sei denn ein gutes Buch." Verdaguer bereitet Euch einen perfekten Lesegenuss, welcher von tiefem Sachverstand geprägt ist.

Ich zitiere (Ausgabe 1958, S. 10): "Meine lange Erfahrung, meine Studien, meine unentwegten Versuche, meine Bronchitis und meine zahllosen ascheglutdurchlöcherten Hosen verbürgen meine Glaubwürdigkeit."

Das Buch, eine Übersetzung aus dem Spanischen, erschien in zahlreichen Auflagen auch in deutscher Übersetzung. Solltet Ihr das Bändchen antiquarisch erwerben wollen, achtet bitte darauf, eine Auflage vor dem Jahre 1959 zu ergattern. In späteren Ausgaben fehlen die humorvollen Zeichnungen. Der Kauf stellt keine übermäßige Investition dar. Unter www.zvab.de werden laufend mehrere Exemplare angeboten.

Derartige Texte würden heute bei jedem Verleger aus gesellschaftspolitischen Gründen oder falsch verstandener „
political correctness“ glatt unter den Tisch fallen.
Wir Raucher sehen uns in die Defensive gedrängt. Vielleicht sollten auch wir beim WWF Artenschutz beantragen. Aber selbst die Apologetik unseres Plaisirs bringt auch noch wirklich lesenswerte Zeilen zustande.


Autor: Dr. Maximillian Georg Kellner

Kommentare:

  1. Au fein! Da leuchten meine Augen! :))
    Ich bin knapp 20 Jahre alt und kenne das Buch aus dem Bücherregal meines Großvaters. Was für ein herrlicher Schmöker!
    Ca. mit 15 Jahren (oder sogar noch früher, ich weiß es nicht mehr genau) habe ich mir dieses Werk großartigster Rauchkultur das erst mal ausgeliehen, noch weit davon entfernt selber irgendetwas mit Tabak anzufangen. Schon damals war ich allerdings begeistert!
    Vor 2 Jahren begann ich dann mich fürs Pfeiferauchen zu begeistern und ich lieh mir dieses tolle Stück vor einem knappen Jahr erneut aus und verschlang es abermals! Die Hingabe und auch das gewisse Augenzwinkern, mit denen der Autor das Pfeiferauchen (und auch die Deutschen mit ihren Porzellanpfeifen) beschreibt, sind einzigartig.
    Zum Glück sind einige Tipps, wie etwa seine Pfeifen mit Gänsefedern zu reinigen wohl mittlerweile überholt ;)
    Liebe Grüße
    Niels

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    1. Ich bin hoch erfreut darüber, daß sich auch die jüngere Generation noch an solchen bibliophilen Kostbarkeiten erfreuen kann!
      Laß Dir Deine Pfeifen schmecken, lieber Niels!

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    2. Keine Bange, das mache ich! ;-))
      LG Niels

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  2. Da ist aber jemand in das Wort verliebt. Schwadronieren gehört
    scheinbar zum intellektuellen Habitus des Pfeifenrauchers.

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  3. Aha, werter Herr Anonym...
    LG Niels

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  4. Habe das Buch gestern beim stöbern auf Amazonien entdeckt und mich sofort an diesen Artikel erinnert. Da konnte ich nicht anders als es zu bestellen. Zumal der Preis wirklich gut war.
    Heute morgen bekam ich die Versandbestätigung. Jetzt steht einem gemütlichen Pfeifenschmökerwochenende nichts mehr im Weg.
    Habe außerdem noch das ein oder andere alte Pfeifen- und Tabakbuch erstanden. Die Preise für diese Bücher sind teilweise fast absurd günstig.
    Ein Hoch auf den Gebrauchtbuchhandel.

    LG Olaf

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